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Notizen/Mathematik/Analysis — Integralrechnung
Notizen · MathematikDE · Abitur

Analysis — Integralrechnung

Stammfunktionen und unbestimmtes Integral, Hauptsatz der Differential- und Integralrechnung, bestimmtes Integral als orientierte Fläche, Mittelwert, Flächen zwischen Kurven, Rotationsvolumina und Anwendungen (Arbeit, mittlere Bestände). Auf eA-Niveau zusätzlich Substitution und partielle Integration.

6 Abschnitte·~8 Min Lesezeit·3 Kompetenzen·Niveau Basis 1 · Standard 3 · Vertiefung 2·Stand 05/2026

T·0444 / 10
Prüfungsprofil
L4 · Leitidee Funktionaler ZusammenhangK2 · Probleme mathematisch lösenK3 · Mathematisch modellieren
Operatoren:berechnenbestimmeninterpretierenmodellieren

grundlegendes Niveau

gA: Standardstammfunktionen, Hauptsatz, Flächeninhalte zwischen Graph und x-Achse, einfache Anwendungen wie mittlerer Wert oder Bestandsänderung.

erhöhtes Niveau

eA: Substitutionsregel und partielle Integration, Rotationsvolumina, uneigentliche Integrale, Anwendungen in der Stochastik (Dichtefunktion) und Physik (Arbeit).

Tiefe

Lesetiefe: Vertiefung

Schrift

Schriftgröße: Standard

Inhalt · 6 Abschnitte▾
  1. Analysis — Integralrechnung
    • 01Stammfunktion und unbestimmtes Integral○
    • 02Hauptsatz und bestimmtes Integral◐
    • 03Anwendungen — Rotationsvolumen, Arbeit, Bestand◐
    • 04Integrationstechniken — Substitution und partielle Integration●
    • 05Numerische Integration und Integralmittelwert◐
    • 06Uneigentliche Integrale und Dichtefunktionen●
§ 01

Stammfunktion und unbestimmtes Integral#

●○○BasisLPL4

Riemann-Summe — Annäherung des Integrals durch Rechtecke

Riemann-Summe — Annäherung des Integrals durch RechteckeSchaubild von f(x), y-Achsenabschnitt bei y = 0.072, steigend, im Bereich x von 0 bis 8123456781234abf(x)yx
Abb. 1Rechtecksumme (Riemann-Summe) aus n schmalen Rechtecken konvergiert für n → ∞ gegen das bestimmte Integral.

Kernpunkte

Eine Stammfunktion FFF erfüllt F′(x)=f(x)F'(x) = f(x)F′(x)=f(x); sie ist nur bis auf eine additive Konstante bestimmt.
Das unbestimmte Integral ∫f(x) dx=F(x)+C\int f(x)\, dx = F(x) + C∫f(x)dx=F(x)+C ist die Menge aller Stammfunktionen.
Standardstammfunktionen: ∫xn dx=xn+1n+1\int x^{n}\, dx = \tfrac{x^{n+1}}{n+1}∫xndx=n+1xn+1​ (n≠−1n \neq -1n=−1), ∫1x dx=ln⁡∣x∣\int \tfrac{1}{x}\, dx = \ln|x|∫x1​dx=ln∣x∣, ∫ex dx=ex\int \mathrm{e}^{x}\, dx = \mathrm{e}^{x}∫exdx=ex, ∫sin⁡x dx=−cos⁡x\int \sin x\, dx = -\cos x∫sinxdx=−cosx.
Linearität: ∫(af+bg) dx=a∫f dx+b∫g dx\int (a f + b g)\, dx = a \int f\, dx + b \int g\, dx∫(af+bg)dx=a∫fdx+b∫gdx.
Bei einfachen Verkettungen (lineare innere Funktion) gilt ∫f(ax+b) dx=1aF(ax+b)\int f(ax+b)\, dx = \tfrac{1}{a} F(ax+b)∫f(ax+b)dx=a1​F(ax+b).
∫xn dx=xn+1n+1+C  (n≠−1),∫1x dx=ln⁡∣x∣+C,∫ex dx=ex+C,∫sin⁡x dx=−cos⁡x+C\int x^{n}\, dx = \tfrac{x^{n+1}}{n+1} + C\;(n \neq -1),\quad \int \tfrac{1}{x}\, dx = \ln|x| + C,\quad \int \mathrm{e}^{x}\, dx = \mathrm{e}^{x} + C,\quad \int \sin x\, dx = -\cos x + C∫xndx=n+1xn+1​+C(n=−1),∫x1​dx=ln∣x∣+C,∫exdx=ex+C,∫sinxdx=−cosx+C

Standard-Stammfunktionen

Abiturfokus

  • KMK-Operator „bestimmen": Stammfunktion und Integrationskonstante explizit nennen.
  • Probe durch Ableiten: F′(x)=f(x)F'(x) = f(x)F′(x)=f(x).
  • Vorzeichen bei trigonometrischen Stammfunktionen beachten.
  • Bei linearer innerer Funktion Streckungsfaktor nicht vergessen.

Typische Fehler

  • Konstante CCC bei unbestimmtem Integral vergessen.
  • ∫1/x dx\int 1/x\, dx∫1/xdx wird zu ln⁡(x)\ln(x)ln(x) statt ln⁡∣x∣\ln|x|ln∣x∣ verfälscht.
  • ∫(ax)n\int (ax)^{n}∫(ax)n wird ohne Faktor 1/a1/a1/a integriert.
  • Vorzeichen bei −cos⁡-\cos−cos verwechselt.

LK-Vertiefung

eA: Wenden Sie die Substitutionsregel ∫f(g(x)) g′(x) dx=F(g(x))+C\int f(g(x))\,g'(x)\, dx = F(g(x)) + C∫f(g(x))g′(x)dx=F(g(x))+C auf ∫2x⋅ex2 dx\int 2x\cdot \mathrm{e}^{x^{2}}\, dx∫2x⋅ex2dx an.

Aktive Wiederholung

Bestimmen Sie eine Stammfunktion von f(x)=3x2−4x+e2xf(x) = 3x^{2} - 4x + \mathrm{e}^{2x}f(x)=3x2−4x+e2x und führen Sie die Probe durch Ableiten.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

§ 02

Hauptsatz und bestimmtes Integral#

●●○StandardLPL4

Bestimmtes Integral als orientierte Fläche

Bestimmtes Integral als orientierte FlächeSchaubild von f(x), Nullstellen bei x = -2, 2, Hochpunkt bei (0, 4), y-Achsenabschnitt bei y = 4, im Bereich x von -3 bis 3−3−2−1123−6−4−224a = −2b = 2f(x)yx
Abb. 2∫ₐᵇ f(x) dx misst die orientierte Fläche zwischen Graph und x-Achse.

Kernpunkte

Hauptsatz: ∫abf(x) dx=F(b)−F(a)\int_{a}^{b} f(x)\, dx = F(b) - F(a)∫ab​f(x)dx=F(b)−F(a) verknüpft Differential- und Integralrechnung.
Geometrisch misst ∫abf(x) dx\int_{a}^{b} f(x)\, dx∫ab​f(x)dx die orientierte Fläche zwischen Graph und x-Achse — unterhalb der x-Achse negativ.
Flächeninhalt zwischen Graph und x-Achse: A=∫ab∣f(x)∣ dxA = \int_{a}^{b} |f(x)|\, dxA=∫ab​∣f(x)∣dx (Nullstellen aufteilen).
Fläche zwischen zwei Kurven fff und ggg mit f≥gf \geq gf≥g auf [a,b][a, b][a,b]: A=∫ab(f(x)−g(x)) dxA = \int_{a}^{b} (f(x) - g(x))\, dxA=∫ab​(f(x)−g(x))dx.
Mittelwert einer Funktion auf [a,b][a, b][a,b]: fˉ=1b−a∫abf(x) dx\bar{f} = \tfrac{1}{b-a}\int_{a}^{b} f(x)\, dxfˉ​=b−a1​∫ab​f(x)dx.
Eigenschaften: ∫aaf=0\int_{a}^{a} f = 0∫aa​f=0, ∫abf=−∫baf\int_{a}^{b} f = -\int_{b}^{a} f∫ab​f=−∫ba​f, ∫acf=∫abf+∫bcf\int_{a}^{c} f = \int_{a}^{b} f + \int_{b}^{c} f∫ac​f=∫ab​f+∫bc​f.
∫abf(x) dx=F(b)−F(a),wobei F′(x)=f(x)\int_{a}^{b} f(x)\, dx = F(b) - F(a),\quad \text{wobei } F'(x) = f(x)∫ab​f(x)dx=F(b)−F(a),wobei F′(x)=f(x)

Hauptsatz der Differential- und Integralrechnung

Interaktive Grafik lädt…

Musterlösung

Fläche zwischen Kurve und x-Achse berechnen

Berechnen Sie den Flächeninhalt zwischen dem Graphen von f(x)=4−x2f(x) = 4 - x^{2}f(x)=4−x2 und der x-Achse.

  1. 01Schritt 1 — Nullstellen ermitteln

    4−x2=0⇒x=±24 - x^{2} = 0 \Rightarrow x = \pm 24−x2=0⇒x=±2 als Integrationsgrenzen.

  2. 02Schritt 2 — Stammfunktion

    F(x)=4x−x33F(x) = 4x - \tfrac{x^{3}}{3}F(x)=4x−3x3​.

  3. 03Schritt 3 — Hauptsatz anwenden

    ∫−22(4−x2) dx=F(2)−F(−2)=(8−83)−(−8+83)=16−163=323\int_{-2}^{2} (4 - x^{2})\, dx = F(2) - F(-2) = (8 - \tfrac{8}{3}) - (-8 + \tfrac{8}{3}) = 16 - \tfrac{16}{3} = \tfrac{32}{3}∫−22​(4−x2)dx=F(2)−F(−2)=(8−38​)−(−8+38​)=16−316​=332​.

    A=323≈10,67A = \tfrac{32}{3} \approx 10{,}67A=332​≈10,67

Ergebnis: Flächeninhalt A=323≈10,67A = \tfrac{32}{3} \approx 10{,}67A=332​≈10,67 FE.

Abiturfokus

  • KMK-Operator „berechnen": Stammfunktion bestimmen, Werte einsetzen, Differenz korrekt.
  • Bei Flächenproblemen Nullstellen prüfen und Intervalle aufteilen.
  • Mittelwert als geometrische Höhe interpretieren.
  • Bei Fläche zwischen Kurven prüfen, welche Funktion oben verläuft.

Typische Fehler

  • Vorzeichen unterhalb der x-Achse wird übernommen statt Betrag genutzt.
  • Bei Fläche zwischen Kurven ∣f−g∣|f - g|∣f−g∣ wird vergessen, wenn die Reihenfolge wechselt.
  • Mittelwert wird ohne 1b−a\tfrac{1}{b-a}b−a1​ angegeben.
  • Schreibweise ∫f(x)dx\int f(x) dx∫f(x)dx bei bestimmtem Integral ohne Grenzen.

LK-Vertiefung

eA: Bestimmen Sie das uneigentliche Integral ∫1∞1x2 dx\int_{1}^{\infty} \tfrac{1}{x^{2}}\, dx∫1∞​x21​dx und interpretieren Sie das Ergebnis als endliche Fläche unter einer unbeschränkten Kurve.

Aktive Wiederholung

Berechnen Sie den Flächeninhalt zwischen den Graphen von f(x)=x2f(x) = x^{2}f(x)=x2 und g(x)=2xg(x) = 2xg(x)=2x im Bereich der Schnittstellen.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

§ 03

Anwendungen — Rotationsvolumen, Arbeit, Bestand#

●●○StandardLPL4LPK3

Kernpunkte

Rotationsvolumen um die x-Achse: V=π∫ab[f(x)]2 dxV = \pi \int_{a}^{b} [f(x)]^{2}\, dxV=π∫ab​[f(x)]2dx.
Arbeit einer ortsabhängigen Kraft: W=∫abF(s) dsW = \int_{a}^{b} F(s)\, dsW=∫ab​F(s)ds.
Aus Änderungsrate gewinnt man den Bestand: B(t)=B(t0)+∫t0tr(s) dsB(t) = B(t_{0}) + \int_{t_{0}}^{t} r(s)\, dsB(t)=B(t0​)+∫t0​t​r(s)ds — z. B. Wasservolumen aus Zufluss.
Stochastische Anwendung: Wahrscheinlichkeit unter Dichtefunktion P(a≤X≤b)=∫abφ(x) dxP(a \leq X \leq b) = \int_{a}^{b} \varphi(x)\, dxP(a≤X≤b)=∫ab​φ(x)dx.
Modellinterpretation: Einheit des Integrals ist Produkt der Einheiten von Integrand und Variable (z. B. m/s · s = m).
Musterlösung

Rotationsvolumen um die x-Achse

Berechnen Sie das Volumen des Rotationskörpers, der entsteht, wenn der Graph von f(x)=xf(x) = \sqrt{x}f(x)=x​ für 0≤x≤40 \leq x \leq 40≤x≤4 um die x-Achse rotiert.

  1. 01Schritt 1 — Volumenformel

    Rotationsvolumen V=π∫ab[f(x)]2 dxV = \pi \int_{a}^{b} [f(x)]^{2}\, dxV=π∫ab​[f(x)]2dx.

  2. 02Schritt 2 — Quadrat der Funktion

    [f(x)]2=x[f(x)]^{2} = x[f(x)]2=x.

  3. 03Schritt 3 — Integral auswerten

    V=π∫04x dx=π⋅[x22]04=π⋅8=8πV = \pi \int_{0}^{4} x\, dx = \pi \cdot \left[\tfrac{x^{2}}{2}\right]_{0}^{4} = \pi \cdot 8 = 8\piV=π∫04​xdx=π⋅[2x2​]04​=π⋅8=8π.

    V=8π≈25,13V = 8\pi \approx 25{,}13V=8π≈25,13

Ergebnis: Rotationsvolumen V=8π≈25,13V = 8\pi \approx 25{,}13V=8π≈25,13 VE.

Abiturfokus

  • KMK-Operator „modellieren": Bedeutung des Integrals in Sachkontext explizit interpretieren.
  • Einheiten konsequent mitführen — Punktabzug bei fehlender Einheit.
  • Rotationsvolumen erfordert Quadrat der Funktion; nicht mit Flächeninhalt verwechseln.
  • Bei Bestandsfunktion Startwert nicht vergessen.

Typische Fehler

  • Quadrat in V=π∫f2V = \pi \int f^{2}V=π∫f2 vergessen.
  • Einheit nicht angepasst (Volumen in m2⋅m=m3\text{m}^{2}\cdot \text{m} = \text{m}^{3}m2⋅m=m3).
  • Bestand wird nur durch Integral angegeben, Startwert fehlt.
  • Negative Werte der Änderungsrate werden bei Bestand übersehen (Abfluss).

LK-Vertiefung

eA: Berechnen Sie das Volumen des Rotationskörpers, der entsteht, wenn f(x)=sin⁡xf(x) = \sin xf(x)=sinx auf [0,π][0, \pi][0,π] um die x-Achse rotiert (Ansatz: V=π∫0πsin⁡2x dxV = \pi \int_{0}^{\pi} \sin^{2} x\, dxV=π∫0π​sin2xdx, sin⁡2x=1−cos⁡(2x)2\sin^{2} x = \tfrac{1-\cos(2x)}{2}sin2x=21−cos(2x)​).

Aktive Wiederholung

Eine Wassermenge fließt mit Rate r(t)=5−0,2tr(t) = 5 - 0{,}2tr(t)=5−0,2t (in l/min\text{l}/\text{min}l/min) in einen Tank. Bestimmen Sie das nach 10 Minuten zugeflossene Volumen.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

§ 04

Integrationstechniken — Substitution und partielle Integration#

●●●VertiefungLPL4

Kernpunkte

Substitutionsregel: ∫f(g(x)) g′(x) dx=∫f(u) du\int f(g(x))\,g'(x)\, dx = \int f(u)\, du∫f(g(x))g′(x)dx=∫f(u)du mit u=g(x)u = g(x)u=g(x).
Partielle Integration: ∫u v′ dx=u v−∫u′ v dx\int u\,v'\, dx = u\,v - \int u'\,v\, dx∫uv′dx=uv−∫u′vdx — Umkehrung der Produktregel.
Auswahl der Substitution: Term mit Ableitung als Faktor erkennen (g′(x)g'(x)g′(x) im Integranden).
Bei partieller Integration uuu als „differenzierfreundlich" wählen (u=xu = xu=x, u=ln⁡xu = \ln xu=lnx), v′v'v′ als „integrierfreundlich".
Bestimmtes Integral mit Substitution: Grenzen mit transformieren (x=a→u=g(a)x = a \to u = g(a)x=a→u=g(a)).
Wiederholung: bei zweimaliger partieller Integration auf ∫eaxsin⁡(bx) dx\int \mathrm{e}^{ax}\sin(bx)\, dx∫eaxsin(bx)dx-Typ achten — am Ende Originalintegral zurückbekommen.
∫u(x) v′(x) dx=u(x) v(x)−∫u′(x) v(x) dx\int u(x)\,v'(x)\, dx = u(x)\,v(x) - \int u'(x)\,v(x)\, dx∫u(x)v′(x)dx=u(x)v(x)−∫u′(x)v(x)dx

Partielle Integration

Abiturfokus

  • KMK-Operator „berechnen" und „begründen": Substitution oder Methode benennen.
  • Transformation der Grenzen bei bestimmtem Integral explizit dokumentieren.
  • Bei partieller Integration uuu und v′v'v′ sauber benennen.
  • Probe durch Ableiten der erhaltenen Stammfunktion.

Typische Fehler

  • Bei Substitution wird du=g′(x) dxdu = g'(x)\, dxdu=g′(x)dx vergessen.
  • Grenzen werden nicht transformiert.
  • Partielle Integration mit falscher Rollenverteilung u↔v′u \leftrightarrow v'u↔v′.
  • Substitution rückwärts: u=g(x)u = g(x)u=g(x) wird am Ende nicht zurückersetzt.

LK-Vertiefung

eA: Berechnen Sie ∫x2⋅ln⁡x dx\int x^{2}\cdot \ln x\, dx∫x2⋅lnxdx mittels partieller Integration und führen Sie die Probe durch Ableiten.

Aktive Wiederholung

Berechnen Sie ∫x⋅ex dx\int x\cdot \mathrm{e}^{x}\, dx∫x⋅exdx mittels partieller Integration mit u=xu = xu=x und v′=exv' = \mathrm{e}^{x}v′=ex.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

§ 05

Numerische Integration und Integralmittelwert#

●●○StandardLPL4LPK5

Kernpunkte

Nicht jede Funktion besitzt eine elementare Stammfunktion (z. B. e−x2\mathrm{e}^{-x^{2}}e−x2); dann wird das bestimmte Integral numerisch genähert.
Trapezregel: das Intervall wird in nnn gleich breite Teile zerlegt, die Fläche durch Trapeze angenähert; Randwerte einfach, innere Werte doppelt gewichtet.
Die Genauigkeit der Trapezregel steigt mit wachsendem nnn (kleinerem hhh); der Fehler sinkt etwa proportional zu h2h^{2}h2.
Unter- und Obersumme schließen den exakten Wert ein und liefern eine Fehlerabschätzung.
Integralmittelwert fˉ=1b−a∫abf(x) dx\bar{f}=\tfrac{1}{b-a}\int_{a}^{b} f(x)\,dxfˉ​=b−a1​∫ab​f(x)dx ist die mittlere Höhe; geometrisch das flächengleiche Rechteck über [a;b][a;b][a;b].
Anwendungen: Durchschnittsgeschwindigkeit aus einer Geschwindigkeitsfunktion, mittlerer Bestand, mittlere Leistung.
∫abf(x) dx≈h2(f(x0)+2f(x1)+⋯+2f(xn−1)+f(xn)),h=b−an\int_{a}^{b} f(x)\,dx \approx \frac{h}{2}\Bigl(f(x_{0})+2f(x_{1})+\dots+2f(x_{n-1})+f(x_{n})\Bigr),\quad h=\frac{b-a}{n}∫ab​f(x)dx≈2h​(f(x0​)+2f(x1​)+⋯+2f(xn−1​)+f(xn​)),h=nb−a​

Trapezregel zur numerischen Integration

Die Fläche unter dem Graphen wird durch nnn Trapeze angenähert; die Genauigkeit steigt mit der Anzahl der Teilintervalle.

Musterlösung

Integralmittelwert und numerische Näherung

Bestimmen Sie den Mittelwert der Funktion f(x)=x2f(x)=x^{2}f(x)=x2 auf [0;3][0;3][0;3] exakt und nähern Sie das Integral ∫02e−x2 dx\int_{0}^{2} \mathrm{e}^{-x^{2}}\,dx∫02​e−x2dx mit der Trapezregel (n=2n=2n=2).

  1. 01Schritt 1 — Mittelwert exakt

    Mittelwert fˉ=13−0∫03x2 dx=13[x33]03=13⋅9=3\bar{f}=\tfrac{1}{3-0}\int_{0}^{3} x^{2}\,dx=\tfrac{1}{3}\bigl[\tfrac{x^{3}}{3}\bigr]_{0}^{3}=\tfrac{1}{3}\cdot 9=3fˉ​=3−01​∫03​x2dx=31​[3x3​]03​=31​⋅9=3.

    fˉ=13∫03x2 dx=3\bar{f}=\frac{1}{3}\int_{0}^{3} x^{2}\,dx = 3fˉ​=31​∫03​x2dx=3
  2. 02Schritt 2 — Stützstellen für Trapezregel

    Bei n=2n=2n=2 ist h=2−02=1h=\tfrac{2-0}{2}=1h=22−0​=1 mit Stützstellen x0=0,  x1=1,  x2=2x_{0}=0,\;x_{1}=1,\;x_{2}=2x0​=0,x1​=1,x2​=2 und f(x)=e−x2f(x)=\mathrm{e}^{-x^{2}}f(x)=e−x2: f(0)=1,  f(1)=e−1≈0,368,  f(2)=e−4≈0,018f(0)=1,\;f(1)=\mathrm{e}^{-1}\approx 0{,}368,\;f(2)=\mathrm{e}^{-4}\approx 0{,}018f(0)=1,f(1)=e−1≈0,368,f(2)=e−4≈0,018.

  3. 03Schritt 3 — Trapezformel anwenden

    Näherung ≈12(f(0)+2f(1)+f(2))=12(1+0,736+0,018)≈0,877\approx \tfrac{1}{2}\bigl(f(0)+2f(1)+f(2)\bigr)=\tfrac{1}{2}\bigl(1+0{,}736+0{,}018\bigr)\approx 0{,}877≈21​(f(0)+2f(1)+f(2))=21​(1+0,736+0,018)≈0,877.

    ∫02e−x2 dx≈0,877\int_{0}^{2}\mathrm{e}^{-x^{2}}\,dx \approx 0{,}877∫02​e−x2dx≈0,877
  4. 04Schritt 4 — Einordnen

    Der exakte Wert (nicht elementar integrierbar) liegt bei rund 0,8820{,}8820,882; die grobe Trapeznäherung mit nur zwei Intervallen weicht weniger als 1 %1\,\%1% ab.

Ergebnis: Integralmittelwert von x2x^{2}x2 auf [0;3][0;3][0;3] ist 333; die Trapezregel liefert ∫02e−x2 dx≈0,877\int_{0}^{2}\mathrm{e}^{-x^{2}}\,dx\approx 0{,}877∫02​e−x2dx≈0,877 (exakt ≈0,882\approx 0{,}882≈0,882).

Abiturfokus

  • KMK-Operator „berechnen": Trapezregel mit gegebener Stützstellenanzahl korrekt gewichten (Randwerte einfach, innere Werte doppelt: 1, 2, 2, …, 2, 11,\,2,\,2,\,\dots,\,2,\,11,2,2,…,2,1).
  • KMK-Operator „bestimmen": Integralmittelwert mit dem Faktor 1b−a\tfrac{1}{b-a}b−a1​ angeben.
  • KMK-Operator „beurteilen": numerische Näherung gegen Unter-/Obersumme oder exakten Wert einordnen.
  • GTR/CAS-Näherungswerte mit dokumentiertem Ansatz angeben, nicht nur das Endergebnis.

Typische Fehler

  • Bei der Trapezregel werden die Randwerte ebenfalls doppelt gewichtet.
  • Der Faktor h2\tfrac{h}{2}2h​ wird vergessen oder hhh falsch als b−ab-ab−a statt b−an\tfrac{b-a}{n}nb−a​ gesetzt.
  • Integralmittelwert ohne Division durch b−ab-ab−a angegeben.
  • Näherungswert wird als exaktes Ergebnis ausgegeben, ohne den Näherungscharakter zu benennen.

LK-Vertiefung

eA: Vergleichen Sie für ∫02e−x2 dx\int_{0}^{2}\mathrm{e}^{-x^{2}}\,dx∫02​e−x2dx die Trapeznäherungen für n=2n=2n=2 und n=4n=4n=4 und schätzen Sie die Verbesserung der Genauigkeit ab.

Aktive Wiederholung

Nähern Sie ∫011+x3 dx\int_{0}^{1}\sqrt{1+x^{3}}\,dx∫01​1+x3​dx mit der Trapezregel und n=4n=4n=4 Teilintervallen und bestimmen Sie zusätzlich den Integralmittelwert von f(x)=1+x3f(x)=\sqrt{1+x^{3}}f(x)=1+x3​ auf [0;1][0;1][0;1].

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

§ 06

Uneigentliche Integrale und Dichtefunktionen#

●●●VertiefungLPL4LPL5

Kernpunkte

Ein uneigentliches Integral hat eine unbeschränkte Integrationsgrenze oder einen unbeschränkten Integranden (Polstelle im Intervall).
Berechnung über einen Grenzwert: ∫a∞f(x) dx=lim⁡z→∞∫azf(x) dx\int_{a}^{\infty} f(x)\,dx=\lim_{z\to\infty}\int_{a}^{z} f(x)\,dx∫a∞​f(x)dx=limz→∞​∫az​f(x)dx; existiert der Grenzwert, ist das Integral konvergent.
Referenzfall: ∫1∞x−s dx\int_{1}^{\infty} x^{-s}\,dx∫1∞​x−sdx konvergiert genau für s>1s>1s>1 und divergiert für s≤1s\leq 1s≤1.
Eine Dichtefunktion φ\varphiφ einer stetigen Zufallsgröße erfüllt φ(x)≥0\varphi(x)\geq 0φ(x)≥0 und ∫−∞∞φ(x) dx=1\int_{-\infty}^{\infty}\varphi(x)\,dx=1∫−∞∞​φ(x)dx=1.
Wahrscheinlichkeiten stetiger Verteilungen sind Integrale: P(a≤X≤b)=∫abφ(x) dxP(a\leq X\leq b)=\int_{a}^{b}\varphi(x)\,dxP(a≤X≤b)=∫ab​φ(x)dx; einzelne Punkte haben Wahrscheinlichkeit 000.
Brücke zur Stochastik: die Normalverteilung ist über ihre Dichtefunktion definiert; Tabellenwerte Φ\PhiΦ sind Integrale dieser Dichte.
∫a∞f(x) dx=lim⁡z→∞∫azf(x) dx\int_{a}^{\infty} f(x)\,dx = \lim_{z\to\infty}\int_{a}^{z} f(x)\,dx∫a∞​f(x)dx=z→∞lim​∫az​f(x)dx

Uneigentliches Integral mit unbeschränkter Grenze

Existiert der Grenzwert, heißt das Integral konvergent; andernfalls divergent. Analog für unbeschränkte Integranden an einer Polstelle.

Musterlösung

Uneigentliches Integral auf Konvergenz prüfen

Untersuchen Sie, ob das uneigentliche Integral ∫1∞1x2 dx\int_{1}^{\infty}\dfrac{1}{x^{2}}\,dx∫1∞​x21​dx konvergiert, und bestimmen Sie gegebenenfalls seinen Wert.

  1. 01Schritt 1 — Grenze durch Variable ersetzen

    Betrachte ∫1z1x2 dx\int_{1}^{z}\dfrac{1}{x^{2}}\,dx∫1z​x21​dx mit anschließendem Grenzübergang z→∞z\to\inftyz→∞.

  2. 02Schritt 2 — Stammfunktion und Einsetzen

    ∫1zx−2 dx=[−x−1]1z=−1z+1=1−1z\int_{1}^{z} x^{-2}\,dx=\bigl[-x^{-1}\bigr]_{1}^{z}=-\tfrac{1}{z}+1=1-\tfrac{1}{z}∫1z​x−2dx=[−x−1]1z​=−z1​+1=1−z1​.

    ∫1z1x2 dx=1−1z\int_{1}^{z}\frac{1}{x^{2}}\,dx = 1-\frac{1}{z}∫1z​x21​dx=1−z1​
  3. 03Schritt 3 — Grenzübergang

    lim⁡z→∞(1−1z)=1\lim_{z\to\infty}\bigl(1-\tfrac{1}{z}\bigr)=1limz→∞​(1−z1​)=1; der Grenzwert existiert, das Integral konvergiert.

  4. 04Schritt 4 — Deuten

    Obwohl der Integrationsbereich unbeschränkt ist, ist die Fläche endlich gleich 111 — ein Standardbeispiel für ein konvergentes uneigentliches Integral.

Ergebnis: Das Integral konvergiert: ∫1∞1x2 dx=1\int_{1}^{\infty}\tfrac{1}{x^{2}}\,dx=1∫1∞​x21​dx=1 — endliche Fläche über unbeschränktem Bereich.

Abiturfokus

  • KMK-Operator „untersuchen": Konvergenz eines uneigentlichen Integrals über den Grenzübergang nachweisen.
  • KMK-Operator „berechnen": Wert eines konvergenten uneigentlichen Integrals angeben.
  • KMK-Operator „begründen": Normierungsbedingung ∫φ=1\int\varphi=1∫φ=1 als definierende Eigenschaft einer Dichte erläutern.
  • Den Zusammenhang Integral ↔\leftrightarrow↔ Wahrscheinlichkeit bei stetigen Verteilungen sauber formulieren.

Typische Fehler

  • Die unbeschränkte Grenze wird direkt eingesetzt statt über einen Grenzwert behandelt.
  • Divergenz wird übersehen (z. B. bei ∫1∞1x dx\int_{1}^{\infty}\tfrac{1}{x}\,dx∫1∞​x1​dx).
  • Die Normierungsbedingung der Dichte wird nicht geprüft.
  • Bei stetigen Verteilungen wird einem einzelnen Wert eine positive Wahrscheinlichkeit zugeschrieben.

LK-Vertiefung

eA: Zeigen Sie, dass φ(x)=2e−2x\varphi(x)=2\mathrm{e}^{-2x}φ(x)=2e−2x für x≥0x\geq 0x≥0 (und 000 sonst) eine Dichtefunktion ist, indem Sie ∫0∞φ(x) dx=1\int_{0}^{\infty}\varphi(x)\,dx=1∫0∞​φ(x)dx=1 über ein uneigentliches Integral nachweisen.

Aktive Wiederholung

Untersuchen Sie ∫1∞1x3 dx\int_{1}^{\infty}\dfrac{1}{x^{3}}\,dx∫1∞​x31​dx auf Konvergenz und bestimmen Sie gegebenenfalls den Wert.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Inhalt

Abschnitt -- / 06

    • 01Stammfunktion und unbestimmtes Integral○
    • 02Hauptsatz und bestimmtes Integral◐
    • 03Anwendungen — Rotationsvolumen, Arbeit, Bestand◐
    • 04Integrationstechniken — Substitution und partielle Integration●
    • 05Numerische Integration und Integralmittelwert◐
    • 06Uneigentliche Integrale und Dichtefunktionen●

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