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Notizen/Mathematik/FA 2 - Polynom-, Exponential- und Logarithmusfunktionen
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FA 2 - Polynom-, Exponential- und Logarithmusfunktionen

Polynomfunktionen höheren Grades, Exponential- und Logarithmusfunktionen; Wachstums- und Zerfallsmodelle sowie Modellinterpretation. Siehe Thema AN 1 (Änderungsmaße, Differentialquotient und Ableitungsregeln), wo das momentane Wachstum dieser Funktionen über die Ableitung erfasst wird.

6 Abschnitte·~18 Min Lesezeit·3 Kompetenzen·Niveau Standard 3 · Vertiefung 3·Stand 06/2026

T·0666 / 13
Prüfungsprofil
FA 4.1 · Polynomfunktionen interpretieren und modellierenFA 5.1 · Exponentielles Wachstum und ZerfallFA 5.6 · Angemessenheit der Beschreibung mittels Exponentialfunktion bewerten
Tiefe

Lesetiefe: Vertiefung

Schrift

Schriftgröße: Standard

Inhalt · 6 Abschnitte▾
  1. FA 2 - Polynom-, Exponential- und Logarithmusfunktionen
    • 01Polynomfunktionen höheren Grades◐
    • 02Exponentialfunktionen und Wachstumsmodelle◐
    • 03Logarithmusfunktion◐
    • 04Modellwahl: linear, quadratisch, exponentiell, Polynom●
    • 05Gebrochen-rationale Funktionen und Asymptoten●
    • 06Stetiges Wachstum und die eulersche Zahl●
§ 01

Polynomfunktionen höheren Grades#

●●○StandardLPFA-4.1

Kernpunkte

Eine Polynomfunktion entsteht durch Aufsummieren von Potenzen mit konstanten Vorfaktoren: P(x)=anxn+⋯+a1x+a0P(x)=a_{n}x^{n}+\dots+a_{1}x+a_{0}P(x)=an​xn+⋯+a1​x+a0​. Der höchste auftretende Exponent ist der Grad nnn, sein Vorfaktor ana_{n}an​ der Leitkoeffizient. Diese beiden Größen legen bereits das grobe Aussehen fest, denn für betragsgroße xxx überwiegt der Term anxna_{n}x^{n}an​xn alle übrigen und bestimmt allein das Endverhalten - also wohin der Graph an den Rändern strebt.
Anschaulich gilt: Bei geradem Grad laufen beide Äste in dieselbe Richtung (für an>0a_{n}>0an​>0 beide nach +∞+\infty+∞, wie bei der Parabel), bei ungeradem Grad in entgegengesetzte (für an>0a_{n}>0an​>0 von −∞-\infty−∞ nach +∞+\infty+∞). Ein negativer Leitkoeffizient spiegelt dieses Bild an der xxx-Achse. Daraus folgt eine nützliche Konsequenz: Ein Polynom ungeraden Grades besitzt immer mindestens eine reelle Nullstelle, weil der Graph zwangsläufig von unten nach oben durchlaufen muss.
Ein Polynom vom Grad nnn hat höchstens nnn reelle Nullstellen; mehrfache Nullstellen senken die effektive Anzahl der Schnittstellen mit der xxx-Achse. Die Vielfachheit prägt dabei das lokale Verhalten: An einer einfachen Nullstelle schneidet der Graph die Achse, an einer doppelten berührt er sie (Extrempunkt auf der Achse), an einer dreifachen durchsetzt er sie mit waagrechter Tangente - genau deshalb ist die Tangente bei einer dreifachen Nullstelle flach.
Die faktorisierte Form P(x)=an(x−x1)(x−x2)…(x−xn)P(x)=a_{n}(x-x_{1})(x-x_{2})\dots(x-x_{n})P(x)=an​(x−x1​)(x−x2​)…(x−xn​) macht alle Nullstellen und ihre Vielfachheiten unmittelbar sichtbar - jeder Linearfaktor (x−xi)(x-x_{i})(x−xi​) liefert eine Nullstelle xix_{i}xi​, ein mehrfach auftretender Faktor die entsprechende Vielfachheit. Kompakt schreibt man das als P(x)=an∏i=1k(x−xi)miP(x)=a_{n}\prod_{i=1}^{k}(x-x_{i})^{m_{i}}P(x)=an​∏i=1k​(x−xi​)mi​. Umgekehrt ist genau diese Zerlegung das Ziel jeder Nullstellensuche.
Lässt sich keine Nullstelle direkt ablesen, errät man eine ganzzahlige Nullstelle (ein Teiler des konstanten Glieds a0a_{0}a0​) und spaltet den zugehörigen Linearfaktor per Polynomdivision oder Hornerschema ab: P(x)=(x−x0)⋅Q(x)+rP(x)=(x-x_{0})\cdot Q(x)+rP(x)=(x−x0​)⋅Q(x)+r. Ist x0x_{0}x0​ tatsächlich Nullstelle, so ist der Rest r=0r=0r=0, und das Restpolynom Q(x)Q(x)Q(x) hat einen um 111 kleineren Grad. So zerlegt man ein Polynom dritten Grades nach einem erratenen Faktor in eine quadratische Restgleichung, die man mit der ABC-Formel löst.
Die Symmetrie verrät sich an den Exponenten: Treten nur gerade Hochzahlen auf, ist der Graph achsensymmetrisch zur yyy-Achse; treten nur ungerade auf, ist er punktsymmetrisch zum Ursprung. Der abgebildete Verlauf von P(x)=x3−7x+6P(x)=x^{3}-7x+6P(x)=x3−7x+6 () zeigt mit seinen drei Nullstellen bei −3-3−3, 111 und 222 das typische Bild eines Polynoms dritten Grades. Diese Werkzeuge - Endverhalten, Nullstellen, Vielfachheit und Symmetrie - bilden die Grundlage der späteren Kurvendiskussion (Thema AN).

Polynom 3. Grades P(x)=x³-7x+6

Polynom 3. Grades P(x) = x³ − 7x + 6Schaubild von P(x) = x³ − 7x + 6, Nullstellen bei x = -3, 1, 2, Hochpunkt bei (-1.528, 13.128), Tiefpunkt bei (1.528, -1.128), y-Achsenabschnitt bei y = 6, im Bereich x von -3.4 bis 3−3−2−1123−10−551015x₁ = −3x₂ = 1x₃ = 2P(x) = x³ − 7x +6P(x)x
Abb. 1Drei Nullstellen bei x=−3x=-3x=−3, x=1x=1x=1 und x=2x=2x=2; Endverhalten von −∞-\infty−∞ nach +∞+\infty+∞.
P(x)=an∏i=1k(x−xi)miP(x)=a_{n}\prod_{i=1}^{k}(x-x_{i})^{m_{i}}P(x)=an​i=1∏k​(x−xi​)mi​

Faktorisierte Form mit Vielfachheiten

Musterbeispiel

Polynom mit Erraten und Polynomdivision

Faktorisiere P(x)=x3−7x+6P(x)=x^{3}-7x+6P(x)=x3−7x+6.

  1. 01Nullstelle erraten

    Probe x=1x=1x=1: 1−7+6=01-7+6=01−7+6=0, also (x−1)(x-1)(x−1) Faktor.

  2. 02Polynomdivision

    P(x):(x−1)=x2+x−6P(x):(x-1)=x^{2}+x-6P(x):(x−1)=x2+x−6.

  3. 03Quadratisches Restpolynom

    x2+x−6=(x+3)(x−2)x^{2}+x-6=(x+3)(x-2)x2+x−6=(x+3)(x−2).

  4. 04Ergebnis

    P(x)=(x−1)(x+3)(x−2)P(x)=(x-1)(x+3)(x-2)P(x)=(x−1)(x+3)(x−2) mit Nullstellen 111, 222, −3-3−3.

Ergebnis: P(x)=(x−1)(x−2)(x+3)P(x)=(x-1)(x-2)(x+3)P(x)=(x−1)(x−2)(x+3); Nullstellen x=1,2,−3x=1, 2, -3x=1,2,−3.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Der Grad eines Polynoms gibt eine Obergrenze für die Anzahl reeller Nullstellen.

  2. 2

    Polynomdivision oder das Hornerschema halbieren oft den Aufwand.

  3. 3

    Endverhalten und Vielfachheit der Nullstellen formen den Graphen entscheidend.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank2 Punkte

Aufgabenstellung

Ein Polynom dritten Grades hat genau eine reelle Nullstelle. Welche Aussage über den Graphen kann mit Sicherheit getroffen werden?

Maturafokus

  • Endverhalten über Grad und Vorzeichen von ana_{n}an​ ableiten.
  • Bei dreifachen Nullstellen ist die Tangente flach - das ist in der Analysis wichtig.
  • Polynomdivision wird häufig nach Erraten einer Nullstelle eingesetzt.

Typische Fehler

  • Polynomdivision mit Vorzeichenfehler.
  • Vielfachheit von Nullstellen nicht berücksichtigt.
  • Bei ungeradem Grad und negativem Leitkoeffizienten Endverhalten verkehrt notiert.

Aktive Wiederholung

Bestimme alle Nullstellen von P(x)=x3−3x2−4x+12P(x)=x^{3}-3x^{2}-4x+12P(x)=x3−3x2−4x+12.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: IQS Polynomfunktionen (IQS)

§ 02

Exponentialfunktionen und Wachstumsmodelle#

●●○StandardLPFA-5.1LPFA-5.2LPFA-5.3

Kernpunkte

Charakteristisch für exponentielles Wachstum ist, dass sich der Bestand in gleichen Zeitschritten stets mit demselben Faktor verändert - nicht um einen festen Betrag wie beim linearen Wachstum, sondern um einen festen Prozentsatz. Das beschreibt die Exponentialfunktion f(x)=a⋅bxf(x)=a\cdot b^{x}f(x)=a⋅bx: Für b>1b>1b>1 wächst sie, für 0<b<10<b<10<b<1 zerfällt sie. Der Parameter aaa ist der Anfangswert (der Wert bei x=0x=0x=0), der Parameter bbb der Wachstumsfaktor pro Einheit.
Den Zusammenhang zwischen Wachstumsfaktor und prozentueller Änderung muss man sauber trennen: Ein Faktor b=1,05b=1{,}05b=1,05 bedeutet +5 %+5\,\%+5% pro Periode, b=0,9b=0{,}9b=0,9 einen Rückgang um 10 %10\,\%10%. Über mehrere Perioden potenziert sich der Faktor (bxb^{x}bx) - dieselbe Struktur wie beim Zinseszins. Anschaulich erzeugt jeder gleich große Schritt auf der xxx-Achse eine Multiplikation mit demselben bbb, weshalb der Graph immer steiler ansteigt statt mit konstanter Steigung.
Wird das Wachstum nicht in Sprüngen, sondern ununterbrochen gedacht, schreibt man die stetige Form f(x)=a⋅eλxf(x)=a\cdot \mathrm{e}^{\lambda x}f(x)=a⋅eλx mit der Wachstumsrate λ\lambdaλ (λ>0\lambda>0λ>0 Wachstum, λ<0\lambda<0λ<0 Zerfall). Diskreter Faktor und stetige Rate hängen über b=eλb=\mathrm{e}^{\lambda}b=eλ zusammen. Genau hier lauert ein häufiger Fehler - e0,05≈1,0513\mathrm{e}^{0{,}05}\approx 1{,}0513e0,05≈1,0513 entspricht rund 5,13 %5{,}13\,\%5,13% und nicht glatt 5 %5\,\%5%.
Eine zentrale Kenngröße ist die Zeit bis zur Verdopplung beziehungsweise Halbierung. Setzt man eλT=2\mathrm{e}^{\lambda T}=2eλT=2 (oder =12=\tfrac{1}{2}=21​) und logarithmiert, ergibt sich die Verdopplungszeit T2=ln⁡2λT_{2}=\dfrac{\ln 2}{\lambda}T2​=λln2​ und die Halbwertszeit T1/2=ln⁡2∣λ∣T_{1/2}=\dfrac{\ln 2}{|\lambda|}T1/2​=∣λ∣ln2​. Bemerkenswert ist, dass diese Zeit nicht vom Anfangswert aaa abhängt - eine Bakterienkultur verdoppelt sich stets im selben Takt, egal wie groß sie schon ist.
Um eine Unbekannte aus dem Exponenten zu befreien, logarithmiert man: Aus a⋅bx=ca\cdot b^{x}=ca⋅bx=c wird x=ln⁡(c/a)ln⁡bx=\dfrac{\ln(c/a)}{\ln b}x=lnbln(c/a)​. Die natürliche Basis e\mathrm{e}e ist dabei vor allem in den Naturwissenschaften der Standard, weil sie sich beim Ableiten am einfachsten verhält. Der Vergleich in der Abbildung zeigt eindrücklich, wie der exponentielle Verlauf f(x)=2xf(x)=2^{x}f(x)=2x den linearen g(x)=4xg(x)=4xg(x)=4x nach kurzer Zeit überholt ().

Exponentielles Wachstum vs. linear

Exponentielles Wachstum vs. linearSchaubild von f(x) = 2ˣ, y-Achsenabschnitt bei y = 1, steigend, im Bereich x von 0 bis 7, Schaubild von g(x) = 4x, Nullstellen bei x = 0, y-Achsenabschnitt bei y = 0, steigend, im Bereich x von 0 bis 712345671020304050607080Überholpunktf(x) = 2ˣg(x) = 4xyx
Abb. 2Vergleich f(x)=2xf(x)=2^{x}f(x)=2x und g(x)=4xg(x)=4xg(x)=4x - der exponentielle Verlauf überholt schnell.
In Sachaufgaben gilt jedes Exponentialmodell nur in einem realistischen Zeitfenster: Reine Exponentialfunktionen wachsen unbeschränkt, in der Wirklichkeit bremsen Knappheit oder Sättigung das Wachstum - dann ist ein beschränktes oder logistisches Modell angebracht (Modellreflexion, siehe folgende Sektionen). Die momentane Wachstumsgeschwindigkeit dieser Funktionen wird über die Ableitung erfasst (Thema AN), denn eλx\mathrm{e}^{\lambda x}eλx ist die einzige Funktion, die proportional zu sich selbst wächst.
f(x)=a⋅bx  mit  a>0,  b>0,  b≠1f(x)=a\cdot b^{x}\;\text{mit}\;a>0,\;b>0,\;b\neq 1f(x)=a⋅bxmita>0,b>0,b=1

Exponentialfunktion

N(t)=N0⋅eλtN(t)=N_{0}\cdot \mathrm{e}^{\lambda t}N(t)=N0​⋅eλt

Kontinuierliches Wachstums-/Zerfallsmodell

T2=ln⁡2λ,T1/2=ln⁡2∣λ∣T_{2}=\dfrac{\ln 2}{\lambda},\quad T_{1/2}=\dfrac{\ln 2}{|\lambda|}T2​=λln2​,T1/2​=∣λ∣ln2​

Verdopplungs- und Halbwertszeit

Interaktive Grafik lädt…

Musterbeispiel

Bakterienwachstum

Anfangs 200200200 Bakterien, Verdopplungszeit 303030 min. Bakterienzahl nach 444 h?

  1. 01Wachstumsrate

    λ=ln⁡230 min−1\lambda=\tfrac{\ln 2}{30}\,\text{min}^{-1}λ=30ln2​min−1, also nach 240240240 min: λ⋅240=8ln⁡2\lambda\cdot 240=8\ln 2λ⋅240=8ln2.

  2. 02Modell

    N(240)=200⋅e8ln⁡2=200⋅28=200⋅256N(240)=200\cdot \mathrm{e}^{8\ln 2}=200\cdot 2^{8}=200\cdot 256N(240)=200⋅e8ln2=200⋅28=200⋅256.

Ergebnis: N=51 200N=51\,200N=51200 Bakterien nach 444 Stunden.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Exponentielles Wachstum bedeutet, dass der Bestand in gleichen Zeitintervallen mit einem konstanten Faktor multipliziert wird.

    Exponentielles Wachstum vs. linear

    Exponentielles Wachstum vs. linearSchaubild von f(x) = 2ˣ, y-Achsenabschnitt bei y = 1, steigend, im Bereich x von 0 bis 7, Schaubild von g(x) = 4x, Nullstellen bei x = 0, y-Achsenabschnitt bei y = 0, steigend, im Bereich x von 0 bis 712345671020304050607080Überholpunktf(x) = 2ˣg(x) = 4xyx
    Abb.Vergleich f(x)=2xf(x)=2^{x}f(x)=2x und g(x)=4xg(x)=4xg(x)=4x - der exponentielle Verlauf überholt schnell.
  2. 2

    Verdopplungs- und Halbwertszeit verbinden Rate und natürlichen Logarithmus.

  3. 3

    Modelle gelten nur in einem realistischen Zeitfenster - im Sachkontext kommt es zu Sättigung oder Knappheit.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank3 Punkte

Aufgabenstellung

Die Aktivität einer radioaktiven Probe sinkt gemäß A(t)=A0⋅e−0,023 tA(t)=A_{0}\cdot \mathrm{e}^{-0{,}023\,t}A(t)=A0​⋅e−0,023t (ttt in Jahren). Berechne die Halbwertszeit auf eine Nachkommastelle und interpretiere das Ergebnis.

Maturafokus

  • In Anwendungsaufgaben verlangen Aufgaben oft die Berechnung der Verdopplungs- oder Halbwertszeit.
  • Wachstumsfaktor und prozentuale Änderung pro Periode unterscheiden.
  • Modelle mit Beschränkung (logistisches Wachstum) sind erweitert und nicht im Grundkompetenzkatalog, aber in Reflexionsaufgaben möglich.

Typische Fehler

  • Wachstumsrate mit prozentualer Änderung verwechselt: e0,05≈1,0513\mathrm{e}^{0{,}05}\approx 1{,}0513e0,05≈1,0513, nicht 1,051{,}051,05.
  • Halbwertszeit mit positiver Wachstumsrate berechnet.
  • Anfangswert aaa falsch interpretiert (z.B. als Wert bei x=1x=1x=1).

Aktive Wiederholung

Eine Bakterienkultur wächst exponentiell mit Verdopplungszeit 303030 min. Wie viele Bakterien sind nach 444 h vorhanden, wenn anfangs 200200200 Bakterien gezählt werden?

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: BMBWF Formelheft - Exponential (BMBWF)

§ 03

Logarithmusfunktion#

●●○StandardLPFA-1.9

Kernpunkte

Die Logarithmusfunktion f(x)=log⁡a(x)f(x)=\log_{a}(x)f(x)=loga​(x) beantwortet die Umkehrfrage zur Exponentialfunktion: Sie gibt zu jedem xxx den Exponenten zurück, mit dem man die Basis aaa potenzieren muss, um xxx zu erhalten. Logarithmus und Exponentialfunktion gleicher Basis heben einander auf - das halten die Umkehrgesetze log⁡a(ax)=x\log_{a}(a^{x})=xloga​(ax)=x und alog⁡a(x)=xa^{\log_{a}(x)}=xaloga​(x)=x fest.
Weil eine positive Basis hoch irgendeinen Exponenten stets positiv bleibt, kann das Argument eines Logarithmus nur positiv sein: Der Definitionsbereich ist Df=R+D_{f}=\mathbb{R}^{+}Df​=R+, der Wertebereich ganz R\mathbb{R}R. Genau diese Bedingung ist in Aufgaben oft die eigentliche Hürde - ln⁡(2x−3)\ln(2x-3)ln(2x−3) etwa verlangt 2x−3>02x-3>02x−3>0, also x>1,5x>1{,}5x>1,5. Den Definitionsbereich abzugrenzen ist daher der erste Schritt jeder Logarithmusaufgabe.
Der Graph spiegelt die Umkehrung wider: Für a>1a>1a>1 ist die Logarithmusfunktion streng monoton steigend, für 0<a<10<a<10<a<1 streng monoton fallend; in beiden Fällen schneidet sie die xxx-Achse bei x=1x=1x=1, denn log⁡a(1)=0\log_{a}(1)=0loga​(1)=0 gilt für jede Basis. Die yyy-Achse ist senkrechte Asymptote - nähert sich xxx von rechts der Null, fällt der Funktionswert (bei a>1a>1a>1) gegen −∞-\infty−∞ ().

Logarithmusfunktion f(x)=\ln x

Logarithmusfunktion f(x) = ln xSchaubild von f(x) = ln x, Nullstellen bei x = 1, steigend, im Bereich x von 0.1 bis 812345678−2−112x = 1ln 1 = 0f(x) = ln xln(x)x
Abb. 3Definitionsbereich x>0x>0x>0, Nullstelle bei x=1x=1x=1, sehr langsames Wachstum.
Da f(x)=log⁡a(x)f(x)=\log_{a}(x)f(x)=loga​(x) die Umkehrfunktion von g(x)=axg(x)=a^{x}g(x)=ax ist, sind ihre Graphen zueinander symmetrisch bezüglich der ersten Mediane y=xy=xy=x. Man erhält den einen also durch Spiegelung des anderen an dieser Geraden, wobei Definitions- und Wertebereich ihre Rollen vertauschen. Diese Spiegelsymmetrie ist ein verlässliches Kontrollmittel beim Skizzieren.
Charakteristisch ist das extrem langsame Wachstum: Um den Funktionswert um einen festen Betrag zu erhöhen, muss das Argument jedes Mal mit demselben Faktor multipliziert werden. Genau deshalb verwendet man logarithmische Skalen, wenn riesige Wertebereiche handhabbar werden sollen - der pH-Wert, die Dezibel-Skala und die Richter-Skala sind die klassischen Beispiele: Eine Stufe mehr bedeutet dort den zehnfachen Wert.
Beim Lösen einer Logarithmusgleichung nutzt man die Umkehrung direkt: Aus log⁡a(… )=b\log_{a}(\dots)=bloga​(…)=b folgt ⋯=ab\dots=a^{b}⋯=ab. Umgekehrt ist der Logarithmus das Werkzeug, um Exponentialgleichungen zu lösen - dort holt man die Unbekannte mit ln⁡\lnln aus dem Exponenten (Thema FA Exponentialfunktionen, AG Logarithmen). Jede gefundene Lösung ist abschließend gegen den Definitionsbereich zu prüfen, damit kein negatives oder null-wertiges Argument übrig bleibt.
log⁡a(ax)=x,alog⁡a(x)=x\log_{a}(a^{x})=x,\quad a^{\log_{a}(x)}=xloga​(ax)=x,aloga​(x)=x

Umkehrgesetze

Musterbeispiel

Definitionsbereich, Nullstelle und Funktionswert

Gegeben ist f(x)=log⁡2(x−1)f(x)=\log_{2}(x-1)f(x)=log2​(x−1). Bestimme den Definitionsbereich, die Nullstelle und löse f(x)=3f(x)=3f(x)=3.

  1. 01Definitionsbereich

    Das Argument muss positiv sein: x−1>0x-1>0x−1>0, also D=(1,∞)D=(1,\infty)D=(1,∞).

  2. 02Nullstelle

    log⁡2(x−1)=0\log_{2}(x-1)=0log2​(x−1)=0 bedeutet x−1=20=1x-1=2^{0}=1x−1=20=1, also x=2x=2x=2.

  3. 03Gleichung lösen

    Aus log⁡2(x−1)=3\log_{2}(x-1)=3log2​(x−1)=3 folgt x−1=23=8x-1=2^{3}=8x−1=23=8, also x=9x=9x=9.

  4. 04Probe

    Beide Lösungen liegen in D=(1,∞)D=(1,\infty)D=(1,∞), sind also gültig.

Ergebnis: Definitionsbereich D=(1,∞)D=(1,\infty)D=(1,∞), Nullstelle bei x=2x=2x=2, Lösung von f(x)=3f(x)=3f(x)=3 ist x=9x=9x=9.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Logarithmus ist die Umkehrung der Exponentialfunktion.

  2. 2

    Der Definitionsbereich beginnt erst ab positiven Werten.

  3. 3

    Logarithmische Skalen verdichten grosse Wertebereiche - typisch für pH oder Dezibel.

Maturafokus

  • Definitionsbereich klar abgrenzen, besonders bei Logarithmen von Argumenten mit Variablen.
  • Anwendungen interpretieren (logarithmische Skala -> doppelter Wert entspricht festem Zuwachs).
  • Bei Lösungsgleichungen log⁡a(… )=b\log_{a}(\dots)=bloga​(…)=b gilt ⋯=ab\dots=a^{b}⋯=ab.

Typische Fehler

  • Logarithmus negativer Argumente verwendet.
  • Basiswechsel mit falscher Formel.
  • Steigung beim Logarithmus mit konstantem Wachstum verwechselt.

Aktive Wiederholung

Bestimme Definitionsbereich und Nullstelle von f(x)=ln⁡(2x−3)f(x)=\ln(2x-3)f(x)=ln(2x−3).

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: IQS Logarithmus (IQS)

§ 04

Modellwahl: linear, quadratisch, exponentiell, Polynom#

●●●VertiefungLPFA-4.1LPFA-5.1

Kernpunkte

Die Modellwahl entscheidet, mit welchem Funktionstyp ein realer Zusammenhang beschrieben wird - und sie beginnt nicht mit dem Rechnen, sondern mit dem Erkennen des Änderungsverhaltens in den Daten. Die Leitfrage lautet: Wächst die Größe in gleichen Zeitschritten um denselben Betrag oder um denselben Faktor?
Ein konstanter absoluter Zuwachs pro Schritt (immer +3+3+3) spricht für ein lineares Modell f(x)=k x+df(x)=k\,x+df(x)=kx+d; ein konstanter Faktor pro Schritt (immer mal 1,21{,}21,2) für ein exponentielles Modell f(x)=a⋅bxf(x)=a\cdot b^{x}f(x)=a⋅bx. Praktisch prüft man das, indem man bei gleichabständigen xxx-Werten die Differenzen (linear) oder die Quotienten (exponentiell) aufeinanderfolgender yyy-Werte bildet - jene, die konstant bleiben, entscheiden über den Typ.
Quadratische und Polynom-Modelle passen, wenn der Verlauf ein klar ausgeprägtes Maximum, Minimum oder einen Wendepunkt zeigt - etwa bei Wurfbewegungen (Parabel) oder bei Flächen- und Volumenoptimierungen. Hier ist nicht ein gleichbleibender Faktor das Kennzeichen, sondern eine charakteristische Krümmung, die mit der Aufgabenstellung übereinstimmen muss.
Liegen Messpunkte vor, passt man die Modelle per Regression an und vergleicht ihre Güte am Bestimmtheitsmaß R2R^{2}R2: Je näher R2R^{2}R2 bei 111 liegt, desto besser folgt das Modell den Daten. Vorsicht jedoch - ein R2R^{2}R2 über 0,90{,}90,9 allein ist kein Beweis für das richtige Modell. Ein höhergradiges Polynom kann jede Punktwolke fast perfekt treffen und trotzdem inhaltlich unsinnig sein; die fachliche Plausibilität geht vor.
Jedes Modell gilt nur in einem begrenzten Definitionsbereich. Extrapoliert man weit über die Datenbasis hinaus, liefert besonders das exponentielle Modell rasch unrealistische Werte - eine Bevölkerung kann nicht ewig exponentiell wachsen. Deshalb gehört zu jeder Modellantwort die Angabe, in welchem Bereich sie sinnvoll ist.
Stößt ein Modell an seine Grenzen, ist der Wechsel selbst Teil der geforderten Modellreflexion: Bei Sättigung etwa löst ein beschränktes oder logistisches Wachstum das reine Exponentialmodell ab. In Teil-2-Aufgaben wird genau diese begründete Wahl und Kritik des Modells geprüft - nicht nur das Einsetzen von Zahlen, sondern das Argumentieren über die Angemessenheit der Beschreibung (Kompetenz FA 5.6).
Musterbeispiel

Modell aus einer Wertetabelle bestimmen

Eine Wertetabelle ordnet den Stellen x=0x=0x=0, 111, 222, 333 die Werte 505050, 606060, 727272 und 86,486{,}486,4 zu. Begründe, welches Modell passt, und stelle die Funktionsgleichung auf.

  1. 01Differenzen prüfen

    Differenzen aufeinanderfolgender Werte: 101010, 121212, 14,414{,}414,4 - nicht konstant, also kein lineares Modell.

  2. 02Quotienten prüfen

    Quotienten: 6050=7260=86,472=1,2\tfrac{60}{50}=\tfrac{72}{60}=\tfrac{86{,}4}{72}=1{,}25060​=6072​=7286,4​=1,2 - konstant, also exponentielles Modell.

  3. 03Gleichung aufstellen

    Anfangswert a=f(0)=50a=f(0)=50a=f(0)=50, Wachstumsfaktor b=1,2b=1{,}2b=1,2, somit f(x)=50⋅1,2xf(x)=50\cdot 1{,}2^{x}f(x)=50⋅1,2x.

  4. 04Deutung

    Der Bestand wächst pro Schritt um 20 %20\,\%20%; das Modell gilt im Rahmen des erfassten Zeitraums.

Ergebnis: Exponentielles Modell f(x)=50⋅1,2xf(x)=50\cdot 1{,}2^{x}f(x)=50⋅1,2x (konstanter Wachstumsfaktor 1,21{,}21,2, also +20 %+20\,\%+20% pro Schritt).

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Lineares Wachstum erkennt man am konstanten Zuwachs; exponentielles am konstanten Faktor.

  2. 2

    Quadratische oder Polynom-Modelle haben Wendepunkte und Maxima, die zur Aufgabe passen müssen.

  3. 3

    Reflektiere immer den Gültigkeitsbereich - Modelle sind keine universellen Wahrheiten.

Maturafokus

  • In Teil-2-Aufgaben wird oft die Modellwahl begründet.
  • Vergleich mit Daten anhand mehrerer Stützpunkte.
  • Bei zeitlich begrenzten Modellen den Geltungsbereich angeben.

Typische Fehler

  • Exponentielles Wachstum mit linearem verwechselt, weil beide steigen.
  • Modell ohne Reflexion auf Extrapolation angewandt.
  • Bestimmtheitsmass R2R^{2}R2 über 0,9 als Beweis für richtiges Modell genommen, ohne Plausibilität zu prüfen.

Aktive Wiederholung

Welche Modellart passt zu einer Wertetabelle, bei der sich der Funktionswert alle 10 Sekunden verdoppelt? Begründe deine Wahl.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: IQS Modellreflexion (IQS)

§ 05

Gebrochen-rationale Funktionen und Asymptoten#

●●●VertiefungLPFA-1.3LPFA-1.5

Kernpunkte

Eine gebrochen-rationale Funktion ist der Quotient zweier Polynome, f(x)=p(x)q(x)f(x)=\dfrac{p(x)}{q(x)}f(x)=q(x)p(x)​. Anders als ein Polynom ist sie nicht überall definiert: Überall dort, wo der Nenner null wird (q(x0)=0q(x_{0})=0q(x0​)=0), entsteht eine Definitionslücke, und der Definitionsbereich ist R\mathbb{R}R ohne diese Stellen. Die Untersuchung beginnt deshalb stets mit den Nennernullstellen.
An einer Definitionslücke sind zwei Fälle zu unterscheiden. Ist der Zähler dort ungleich null, liegt eine Polstelle vor; ist auch der Zähler null - stimmt also eine Nennernullstelle mit einer Zählernullstelle überein - so lässt sich der gemeinsame Faktor kürzen und es bleibt eine hebbare Lücke (ein einzelnes „Loch" im sonst glatten Graphen). Diese saubere Unterscheidung ist eine klassische Stolperfalle.
Eine Polstelle erzeugt eine senkrechte Asymptote: Nähert sich xxx der Polstelle, so streben die Funktionswerte gegen +∞+\infty+∞ oder −∞-\infty−∞. Ob beide Seiten in dieselbe Richtung laufen (gerade Vielfachheit der Nennernullstelle, kein Vorzeichenwechsel) oder in entgegengesetzte (ungerade Vielfachheit, mit Vorzeichenwechsel), entscheidet die Vielfachheit dieser Nullstelle.
Das Verhalten für betragsgroße xxx liefert eine waagrechte oder schiefe Asymptote, je nach Gradverhältnis von Zähler und Nenner: Ist der Zählergrad kleiner als der Nennergrad, ist die xxx-Achse y=0y=0y=0 waagrechte Asymptote; sind die Grade gleich, ist es die Gerade durch den Quotienten der Leitkoeffizienten; ist der Zählergrad um genau 111 größer, ergibt eine Polynomdivision eine schiefe Asymptote.
Am Beispiel f(x)=x+1x−2f(x)=\dfrac{x+1}{x-2}f(x)=x−2x+1​ wird das konkret: Der Nenner verschwindet bei x=2x=2x=2, der Zähler ist dort 3≠03\neq 03=0 - also eine Polstelle mit senkrechter Asymptote x=2x=2x=2. Da Zähler- und Nennergrad beide 111 sind, ist die waagrechte Asymptote der Quotient der Leitkoeffizienten, y=1y=1y=1. Der Definitionsbereich ist D=R∖{2}D=\mathbb{R}\setminus\{2\}D=R∖{2}.
Anschaulich nähert sich der Graph seinen Asymptoten beliebig an, ohne sie zu erreichen - die Asymptoten bilden das Gerüst, an dem man den Verlauf rasch skizziert. Untersucht man später zusätzlich Nullstellen, Extrema und das Krümmungsverhalten über die Ableitung (Thema AN), so ergibt sich daraus die vollständige Kurvendiskussion einer rationalen Funktion.
f(x)=p(x)q(x),q(x0)=0  ⇒  Definitionslu¨cke bei x0f(x)=\dfrac{p(x)}{q(x)},\quad q(x_{0})=0\;\Rightarrow\;\text{Definitionslücke bei }x_{0}f(x)=q(x)p(x)​,q(x0​)=0⇒Definitionslu¨cke bei x0​

Gebrochen-rationale Funktion

Musterbeispiel

Asymptoten bestimmen

Untersuche f(x)=x+1x−2f(x)=\dfrac{x+1}{x-2}f(x)=x−2x+1​ auf Definitionsbereich und Asymptoten.

  1. 01Definitionsbereich

    Nenner null bei x=2x=2x=2, also D=R∖{2}D=\mathbb{R}\setminus\{2\}D=R∖{2}.

  2. 02Senkrechte Asymptote

    Bei x=2x=2x=2 liegt eine Polstelle vor (Zähler dort ungleich null), also senkrechte Asymptote x=2x=2x=2.

  3. 03Waagrechte Asymptote

    Zähler- und Nennergrad sind gleich, der Quotient der Leitkoeffizienten ist 111, also y=1y=1y=1.

Ergebnis: Senkrechte Asymptote x=2x=2x=2, waagrechte Asymptote y=1y=1y=1, D=R∖{2}D=\mathbb{R}\setminus\{2\}D=R∖{2}.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Eine gebrochen-rationale Funktion ist ein Bruch aus zwei Polynomen.

  2. 2

    An den Nullstellen des Nenners liegen Definitionslücken, die als Polstellen oder hebbare Lücken auftreten.

  3. 3

    Das Verhalten für betragsgrosse Argumente liefert die waagrechte oder schiefe Asymptote.

Maturafokus

  • Definitionsbereich über die Nennernullstellen bestimmen.
  • Senkrechte und waagrechte Asymptoten begründen.
  • Polstelle und hebbare Lücke sauber unterscheiden.

Typische Fehler

  • Definitionslücke nicht ausgeschlossen.
  • Polstelle und hebbare Lücke verwechselt.
  • Asymptotenverhalten nur für eine Richtung von xxx untersucht.

Aktive Wiederholung

Bestimme Definitionsbereich und senkrechte Asymptote von f(x)=x+1x−2f(x)=\dfrac{x+1}{x-2}f(x)=x−2x+1​.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: IQS Rationale Funktionen AHS (IQS)

§ 06

Stetiges Wachstum und die eulersche Zahl#

●●●VertiefungLPFA-5.1LPFA-5.3

Kernpunkte

Beim diskreten Wachstum springt der Bestand am Ende jeder Periode auf einen neuen Wert. Lässt man die Perioden immer kürzer werden und schließlich ununterbrochen verzinsen, geht das diskrete in das stetige (kontinuierliche) Wachstum über. Es wird durch N(t)=N0⋅eλtN(t)=N_{0}\cdot\mathrm{e}^{\lambda t}N(t)=N0​⋅eλt beschrieben, wobei N0N_{0}N0​ der Anfangsbestand und λ\lambdaλ die Wachstumskonstante ist.
Die eulersche Zahl e≈2,718\mathrm{e}\approx 2{,}718e≈2,718 taucht dabei nicht zufällig auf: Sie ergibt sich genau als Grenzwert beim unendlich oft verzinsten Wachstum, formal e=lim⁡n→∞(1+1n)n\mathrm{e}=\lim_{n\to\infty}\left(1+\tfrac{1}{n}\right)^{n}e=limn→∞​(1+n1​)n. Verzinst man einen Euro ein Jahr lang zu 100 %100\,\%100%, aber in immer feineren Schritten, nähert sich das Endkapital genau diesem Wert e\mathrm{e}e.
Das Vorzeichen der Konstante entscheidet über die Richtung: λ>0\lambda>0λ>0 liefert Wachstum, λ<0\lambda<0λ<0 Zerfall. Bei Zerfallsprozessen schreibt man den Exponenten daher mit Minuszeichen, etwa N(t)=N0⋅e−0,05 tN(t)=N_{0}\cdot\mathrm{e}^{-0{,}05\,t}N(t)=N0​⋅e−0,05t; das Vorzeichen zu vergessen ist ein häufiger Fehler. Die abgebildete Kurve zeigt einen solchen Zerfall, der pro Halbwertszeit auf die Hälfte sinkt ().

Stetiger Zerfall N(t)=100·e^{-0,05 t}

Stetiger Zerfall N(t) = 100·e^(−0,05 t)Schaubild von N(t) = 100·e^(−0,05t), y-Achsenabschnitt bei y = 100, fallend, im Bereich x von 0 bis 6010203040506020406080100T½ ≈ 13,86N = 5050 %N(t) = 100·e(−0,05t)N(t)t
Abb. 4Halbwertszeit T1/2=ln⁡20,05≈13,86T_{1/2}=\tfrac{\ln 2}{0{,}05}\approx 13{,}86T1/2​=0,05ln2​≈13,86; pro Halbwertszeit halbiert sich der Bestand.
Diskreter Wachstumsfaktor aaa und stetige Rate λ\lambdaλ beschreiben denselben Vorgang und hängen über a=eλa=\mathrm{e}^{\lambda}a=eλ zusammen; umgekehrt ist λ=ln⁡a\lambda=\ln aλ=lna. Ein jährlicher Faktor a=1,05a=1{,}05a=1,05 entspricht also der stetigen Rate λ=ln⁡1,05≈0,0488\lambda=\ln 1{,}05\approx 0{,}0488λ=ln1,05≈0,0488. Die beiden Zahlen direkt gleichzusetzen - λ=0,05\lambda=0{,}05λ=0,05 statt 0,04880{,}04880,0488 - ist genau der typische Umrechnungsfehler.
Verdopplungs- und Halbwertszeit folgen unmittelbar aus der Modellgleichung: Setzt man eλt=2\mathrm{e}^{\lambda t}=2eλt=2 und logarithmiert, erhält man t=ln⁡2∣λ∣t=\dfrac{\ln 2}{|\lambda|}t=∣λ∣ln2​. Diese Zeit ist unabhängig vom Anfangsbestand N0N_{0}N0​ - eine wesentliche Eigenschaft exponentieller Prozesse, mit der sich ein Modell rasch im Kopf überschlagen lässt.
Damit schließt sich der Kreis zu den Exponentialfunktionen (Thema FA) und zum Logarithmus (Thema AG): Die stetige Form ist nur die natürliche Basis e\mathrm{e}e derselben Wachstumsidee, und das Logarithmieren ist das Standardwerkzeug, um die Zeit ttt aus dem Exponenten zu lösen. Die momentane Wachstumsgeschwindigkeit N′(t)=λ N(t)N^{\prime}(t)=\lambda\,N(t)N′(t)=λN(t) verbindet das Modell schließlich mit der Differentialrechnung (Thema AN).
N(t)=N0⋅eλt,a=eλN(t)=N_{0}\cdot\mathrm{e}^{\lambda t},\qquad a=\mathrm{e}^{\lambda}N(t)=N0​⋅eλt,a=eλ

Stetiges Wachstum

Musterbeispiel

Verdopplungszeit bei stetigem Wachstum

Eine Größe wächst stetig mit λ=0,03\lambda=0{,}03λ=0,03 pro Jahr. Wann hat sie sich verdoppelt?

  1. 01Ansatz

    Verdopplung: e0,03 t=2\mathrm{e}^{0{,}03\,t}=2e0,03t=2.

  2. 02Logarithmieren

    0,03 t=ln⁡20{,}03\,t=\ln 20,03t=ln2, also t=ln⁡20,03t=\dfrac{\ln 2}{0{,}03}t=0,03ln2​.

  3. 03Numerisch

    t≈23,1t\approx 23{,}1t≈23,1 Jahre.

Ergebnis: Die Verdopplungszeit beträgt rund 232323 Jahre.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Stetiges Wachstum nutzt die eulersche Zahl als Basis und eine Rate im Exponenten.

  2. 2

    Der diskrete Wachstumsfaktor ist die eulersche Zahl hoch der stetigen Rate.

  3. 3

    Die Verdopplungszeit ergibt sich aus dem natürlichen Logarithmus von zwei geteilt durch die Rate.

Maturafokus

  • Zwischen diskretem Faktor und stetiger Rate umrechnen.
  • Halbwerts- und Verdopplungszeit aus der stetigen Rate bestimmen.
  • Wachstums- und Zerfallsmodelle im Sachkontext interpretieren.

Typische Fehler

  • Diskreten Wachstumsfaktor direkt als stetige Rate verwendet.
  • Vorzeichen von λ\lambdaλ bei Zerfall vergessen.
  • Verdopplungszeit mit der Rate gleichgesetzt statt ln⁡2λ\tfrac{\ln 2}{\lambda}λln2​ berechnet.

Aktive Wiederholung

Eine Population wächst stetig mit λ=0,03\lambda=0{,}03λ=0,03 pro Jahr. Bestimme die Verdopplungszeit.

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: BMBWF Formelheft Mathematik AHS (BMBWF)

Inhalt

Abschnitt -- / 06

    • 01Polynomfunktionen höheren Grades◐
    • 02Exponentialfunktionen und Wachstumsmodelle◐
    • 03Logarithmusfunktion◐
    • 04Modellwahl: linear, quadratisch, exponentiell, Polynom●
    • 05Gebrochen-rationale Funktionen und Asymptoten●
    • 06Stetiges Wachstum und die eulersche Zahl●

0/6 Gelesen

Aus den Notizen ins Training

FA 2 - Polynom-, Exponential- und Logarithmusfunktionen

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Kompetenzen
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Beispielfrage

Ein Polynom dritten Grades hat genau eine reelle Nullstelle. Welche Aussage über den Graphen kann mit Sicherheit getroffen werden?

2 BE · 2018

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Belege & Quellen

Quellen

IQS

  • IQS Polynomfunktionen

BMBWF

  • BMBWF Formelheft - Exponential

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