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DE-Abitur · Evangelische ReligionslehreT·044 / 7
Person Jesu (vere Deus, vere homo), Soteriologie (Sühnetod, Stellvertretung, Versöhnung), Auferstehung als Glaubensgrund. Klassische Christologie (Nicäa, Chalcedon, Reformatoren) und moderne Anfragen (Bultmann, Käsemann, Third Quest). Querverweise: setzt die Reich-Gottes-Botschaft aus „Neues Testament" voraus und verschränkt sich mit dem trinitarischen Bekenntnis in „Gottesfrage".
6Abschnitteca. 12Min Lesezeit5Kompetenzen
Operatoren:darstellen · interpretieren · analysieren · vergleichen · erörtern · beurteilen
grundlegendes Niveau
gA: Zwei-Naturen-Lehre in Grundform (vere Deus, vere homo), drei Deutemuster des Todes Jesu (Sühne, Stellvertretung, Versöhnung), Auferstehung als Glaubensgrundlage, ein modernes Christologie-Modell (Bultmann oder Käsemann).
erhöhtes Niveau
eA: vier christologische Konzilien differenziert, Lutherische communicatio idiomatum, drei Quests der historischen Jesus-Forschung mit Kriterien, alternative Soteriologien (Anselm, Abaelard, moralische Beispiel-Christologie), Auferstehung in drei Aussageebenen.
Kernpunkte
Musterlösung
Erläutern Sie die drei „Quests" der Frage nach dem historischen Jesus und beurteilen Sie ihre theologische Tragfähigkeit.
Beginn mit H. S. Reimarus (Wolfenbütteler Fragmente), Höhepunkt in D. F. Strauß „Das Leben Jesu" (1835) und der liberalen Theologie (A. v. Harnack). A. Schweitzer beendet diese Phase mit der „Geschichte der Leben-Jesu-Forschung" (1906): die Quellen geben keinen biographischen Jesus her, sondern projizieren je eigene Idealbilder.
R. Bultmann: theologisch erheblich ist nicht der historische Jesus, sondern das Kerygma (Verkündigung) der Urgemeinde („Dass" der Existenz Christi reicht). Entmythologisierung als Programm: Aussagen über Wunder, Auferstehung, Himmelfahrt sind existenzial zu interpretieren.
E. Käsemann „Das Problem des historischen Jesus" (1953) lehnt die kerygmatische Beliebigkeit ab: Ohne Rückbezug auf den irdischen Jesus driftet die Christologie in den Doketismus. G. Bornkamm, G. Ebeling und E. Schweizer entwickeln Kriterien (Differenzkriterium, Kohärenzkriterium, Mehrfachbezeugung).
E. P. Sanders, G. Theißen, J. D. Crossan, N. T. Wright: Jesus konsequent im Judentum seiner Zeit verortet (Jesus the Jew). Wesensmerkmale: Reich-Gottes-Prediger, Heiler, Bewegungsstifter, Tempelkritik. Methodenvielfalt: Sozialgeschichte, Archäologie, Kulturanthropologie. Differenziertere Quellenkritik (auch Thomas-Evangelium, Q).
Drei Lektionen: (1) Der historische Jesus ist methodisch zugänglich, aber nie als „reines Faktum" — Quellen sind selbst schon Glaubenszeugnisse. (2) Theologie braucht die historische Frage als Vergewisserung gegen Beliebigkeit (Käsemann). (3) Glaube reduziert sich nicht auf historische Sicherheit; der „Christus des Glaubens" und der „Jesus der Geschichte" sind dialektisch zu verstehen.
Ergebnis: Die drei Quests zeigen: historische Frage und Kerygma sind keine Alternative. Eine reife Christologie braucht beides — die historische Rückbindung (gegen Beliebigkeit) und das Glaubenszeugnis (gegen Reduktion auf Fakten).
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Erörtern Sie die methodischen Probleme der Kriterien (Differenz-, Kohärenz-, Mehrfachbezeugung) und diskutieren Sie alternative Ansätze wie die social-memory-Theorie (J. Schröter).
Quellen: Bibelwissenschaft.de — Wibilex (Deutsche Bibelgesellschaft) (Deutsche Bibelgesellschaft) · KMK EPA Evangelische Religionslehre (Beschluss 1989 i. d. F. 2006) (KMK)
Kernpunkte
CHALCEDONENSISCHE CHRISTOLOGIE
Wahrer Gott und wahrer Mensch zugleich, „unvermischt, unverwandelt, ungetrennt, ungesondert".
CHRISTOLOGISCHE KONZILIEN UND ZWEI-NATUREN-LEHRE
Welche drei Beschriftungen in "Christologische Konzilien und Zwei-Naturen-Lehre" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Vergleichen Sie die orthodoxe Christologie (Chalcedon) mit den monophysitischen Kirchen (Koptisch, Syrisch, Armenisch) und beurteilen Sie aktuelle ökumenische Annäherungen seit 1990.
Quellen: Bibelwissenschaft.de — Wibilex (Deutsche Bibelgesellschaft) (Deutsche Bibelgesellschaft) · KMK EPA Evangelische Religionslehre (Beschluss 1989 i. d. F. 2006) (KMK)
Kernpunkte
GRUNDSTRUKTUR DER SOTERIOLOGIE (2 KOR 5,18–21)
Nicht der Mensch versöhnt einen zürnenden Gott, sondern Gott versöhnt durch Christus die Welt mit sich selbst; die verschiedenen NT-Deutemuster (Sühne, Lösegeld, Sieg, Vorbild) explizieren dieselbe Bewegung „von Gott her".
SOTERIOLOGISCHE DEUTEMUSTER DES TODES JESU
Welche drei Beschriftungen in "Soteriologische Deutemuster des Todes Jesu" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Diskutieren Sie Moltmanns „Der gekreuzigte Gott" als Antwort auf die Theodizeefrage und beurteilen Sie die theologische Tragweite seiner These „Gott leidet im Sohne mit".
Quellen: Bibelwissenschaft.de — Wibilex (Deutsche Bibelgesellschaft) (Deutsche Bibelgesellschaft) · KMK EPA Evangelische Religionslehre (Beschluss 1989 i. d. F. 2006) (KMK) · EKD-Texte (Grundlagenpapiere) (EKD)
Kernpunkte
Musterlösung
Interpretieren Sie das Auferstehungszeugnis (1 Kor 15,3–8) auf den drei Ebenen historisch, theologisch und existenzial und beurteilen Sie das Verhältnis dieser Ebenen.
1 Kor 15,3–8 enthält das älteste Auferstehungszeugnis (ca. 50 n. Chr., Paulus übernimmt eine bereits geprägte Formel, vermutlich aus den 30er Jahren). Vier Glieder: gestorben — begraben — auferweckt — erschienen. Erscheinungsliste: Kephas, die Zwölf, mehr als 500 Brüder, Jakobus, alle Apostel, Paulus zuletzt.
Methodisch zugänglich sind: das Faktum des Todes Jesu, das leere Grab (umstritten), die Erscheinungserfahrungen der Jünger (vielfach bezeugt), der Wandel der Jüngergemeinde von Niederlage zu Verkündigung. Nicht zugänglich ist die „Auferstehung selbst" als Ereignis — sie liegt strukturell jenseits historischer Methode.
Auferweckung ist Gottes Tat an Jesus (Passivum divinum). Theologische Bedeutung: Bestätigung Jesu Botschaft, Sieg über Sünde und Tod, Begründung der Hoffnung auf eigene Auferstehung (1 Kor 15,20: „Erstling der Entschlafenen"). Christologisch: Erhöhung in Gottes Wirklichkeit; trinitarisch: Vater handelt am Sohn im Heiligen Geist.
Bultmanns Programm: Auferstehung ist „das Ereignis in das Kerygma hinein" — sie ereignet sich in der Verkündigung als Möglichkeit neuen Lebens. Anfragen: reduziert das auf bloße Subjektivität? Antwort moderner Theologie (Pannenberg, Moltmann): Bultmanns Ebene ist legitim, aber nicht ausreichend — sie muss auf die historische und theologische Ebene zurückbezogen werden.
Die drei Ebenen sind hierarchisch geordnet: die historische Ebene ist Notwendigkeit (Bultmanns „Dass"), aber nicht hinreichend. Die theologische Ebene gibt der historischen ihren Sinn. Die existenziale Ebene aktualisiert das theologische Zeugnis für den Glaubenden. Reduktion auf eine Ebene führt entweder zu Faktenpositivismus oder zu Subjektivismus.
Ergebnis: Auferstehung ist gleichzeitig historische Glaubensbasis, theologische Tat Gottes und existenziale Eröffnung neuen Lebens. Eine reduktionistische Lektüre auf nur eine Ebene verfehlt das Auferstehungszeugnis.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Vergleichen Sie Bultmanns existenziale und Pannenbergs universalhistorische Auferstehungsinterpretation und entwickeln Sie eine vermittelnde Position im Anschluss an J. Moltmann.
Quellen: Bibelwissenschaft.de — Wibilex (Deutsche Bibelgesellschaft) (Deutsche Bibelgesellschaft) · Stanford Encyclopedia of Philosophy — Philosophy of Religion (Stanford University) · EKD-Texte (Grundlagenpapiere) (EKD)
Kernpunkte
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Diskutieren Sie die Plausibilität einer pluralistischen Christologie (Hick, Knitter) und problematisieren Sie deren Verträglichkeit mit klassischer chalcedonischer Bekenntnistradition.
Quellen: Stanford Encyclopedia of Philosophy — Philosophy of Religion (Stanford University) · KMK EPA Evangelische Religionslehre (Beschluss 1989 i. d. F. 2006) (KMK)
Kernpunkte
Typische Fehler
Quellen: Bertelsmann Religionsmonitor — empirische Studien zur Religiosität (Bertelsmann Stiftung) · EKD-Texte (Grundlagenpapiere) (EKD)