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DE-Abitur · Evangelische ReligionslehreT·033 / 7
Entstehung der Evangelien, synoptische Frage und Zwei-Quellen-Theorie, Reich-Gottes-Botschaft Jesu, Gleichnishermeneutik, paulinische Theologie (Rechtfertigung, neue Schöpfung, Leib Christi). Methodische Grundlage für Christologie und Soteriologie. Querverweise: baut auf „Bibelwissenschaft und Hermeneutik" auf und liefert die exegetische Basis für „Christologie" sowie die paulinische Rechtfertigungslehre in „Reformation, Ekklesiologie und Kirche im Nationalsozialismus".
7Abschnitteca. 13Min Lesezeit5Kompetenzen
Operatoren:darstellen · analysieren · erschließen · interpretieren · vergleichen · erörtern
grundlegendes Niveau
gA: vier Evangelisten mit Datierung, Zwei-Quellen-Theorie in Grundzügen, Reich Gottes als zentrale Botschaft, ein Gleichnis vertieft, Paulus-Christologie in Stichworten.
erhöhtes Niveau
eA: synoptische Probleme alternativ (Mt-Priorität, neuere Hypothesen), präsentische vs. futurische Eschatologie, Gleichnistypen differenziert, paulinische Hauptbriefe und Deutero-Paulinen, Wirkungsgeschichte Paulus → Augustin → Luther.
Kernpunkte
Typische Fehler
Quellen: Bibelwissenschaft.de — Wibilex (Deutsche Bibelgesellschaft) (Deutsche Bibelgesellschaft) · KMK EPA Evangelische Religionslehre (Beschluss 1989 i. d. F. 2006) (KMK)
Kernpunkte
ZWEI-QUELLEN-THEORIE DER SYNOPTISCHEN FRAGE
Welche drei Beschriftungen in "Zwei-Quellen-Theorie der synoptischen Frage" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Diskutieren Sie die Farrer-Hypothese (Mt-Priorität bei Lk-Abhängigkeit von Mt, ohne Q) und beurteilen Sie, welche Argumente für oder gegen die Existenz von Q sprechen.
Quellen: Bibelwissenschaft.de — Wibilex (Deutsche Bibelgesellschaft) (Deutsche Bibelgesellschaft) · KMK EPA Evangelische Religionslehre (Beschluss 1989 i. d. F. 2006) (KMK)
Kernpunkte
SPANNUNGSSTRUKTUR DES REICH-GOTTES-BEGRIFFS
Das Reich Gottes ist mit Jesus angebrochen (Mk 1,15) und harrt zugleich der eschatologischen Vollendung (Mt 6,10).
ESCHATOLOGIE — „SCHON JETZT" UND „NOCH NICHT"
Welche drei Beschriftungen in "Eschatologie — „schon jetzt" und „noch nicht"" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Vergleichen Sie A. Schweitzers „konsequente Eschatologie" mit C. H. Dodds „realized eschatology" und entwickeln Sie eine vermittelnde Position im Anschluss an J. Jeremias.
Quellen: Bibelwissenschaft.de — Wibilex (Deutsche Bibelgesellschaft) (Deutsche Bibelgesellschaft) · KMK EPA Evangelische Religionslehre (Beschluss 1989 i. d. F. 2006) (KMK)
Kernpunkte
GLEICHNIS-HERMENEUTIK NACH JÜLICHER / LINNEMANN
Welche drei Beschriftungen in "Gleichnis-Hermeneutik nach Jülicher / Linnemann" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Musterlösung
Erschließen Sie das Gleichnis vom barmherzigen Samariter in synchroner und diachroner Perspektive und beurteilen Sie seine Relevanz für eine christliche Ethik der Nächstenliebe.
Stellenangabe Lk 10,25–37 (Sondergut Lk). Rahmen: Gespräch Jesu mit einem Schriftgelehrten über das ewige Leben; Frage „Wer ist mein Nächster?" → Gleichnis. Erste Lektüre identifiziert sechs Akteure: Mann (Opfer), Räuber, Priester, Levit, Samariter, Wirt.
Drei-Aktstruktur: (1) Notlage — Überfall auf dem Weg Jerusalem → Jericho. (2) Drei Begegnungen, Steigerung durch Wiederholung mit Variation: zwei Vertreter der Tempelelite gehen vorbei, der religiös-soziale Außenseiter Samariter hilft. (3) Konkrete Hilfe (Wundversorgung, Transport, Bezahlung des Wirts). Der Bruch der Erwartung („Samariter") trägt die Pointe.
Samaritaner-Juden-Konflikt seit der Reichsteilung; rituelle Reinheitsfragen für Priester (Berührung eines vermutlich Toten verunreinigt). Lukas redigiert die Tradition für eine heidenchristliche Gemeinde — der ethisch-universalistische Akzent passt zu seinem theologischen Programm (vgl. Lk 4,18–21).
Die ursprüngliche Frage „Wer ist mein Nächster?" wird umgedreht: Jesus fragt zurück „Wer ist dem Überfallenen zum Nächsten geworden?" — Nächster ist nicht eine Kategorie von Personen, sondern eine Handlungsbeziehung, die der Helfende selbst stiftet. Der Vergleichspunkt liegt im Handeln, nicht in der Gruppenzugehörigkeit.
Das Gleichnis sprengt religiöse und ethnische Grenzen der Solidarität. Es begründet christliche Nächstenliebe nicht über Verwandtschaft oder Verdienst, sondern über die Notlage. Aktuelle Anschlussfelder: Flüchtlingspolitik (W. Huber, M. Schramm), Diakonie, Zivilcourage. Anfrage: ohne strukturelle Ergänzung (Gerechtigkeitsdimension) bleibt Hilfe individualistisch.
Ergebnis: Das Gleichnis definiert Nächstenliebe als handlungsstiftende Praxis über Gruppengrenzen hinweg; es bleibt für eine christliche Ethik tragfähig, wenn es um die Dimension struktureller Gerechtigkeit erweitert wird (so EKD-Denkschrift „Gerechte Teilhabe", 2006).
Typische Fehler
Quellen: Bibelwissenschaft.de — Wibilex (Deutsche Bibelgesellschaft) (Deutsche Bibelgesellschaft) · KMK EPA Evangelische Religionslehre (Beschluss 1989 i. d. F. 2006) (KMK)
Kernpunkte
Musterlösung
Interpretieren Sie die Antithese „Liebet eure Feinde" (Mt 5,43–48) und problematisieren Sie ihre Anwendung auf politische Konflikte.
Mt 5,43–48 als sechste Antithese in einer Reihe von sechs („Ihr habt gehört, dass gesagt ist… ich aber sage euch…"). Die Form übersteigt Tora-Auslegung: Jesus stellt nicht das Gesetz infrage, sondern radikalisiert es.
Vorlage Lev 19,18 („Nächsten lieben"), die in der zeitgenössischen Praxis auf Volksgenossen begrenzt wurde. „Feinde hassen" ist nicht direkte Tora-Zitation, sondern verbreitete Auslegungsfolge (Qumran 1QS I,9–10). Jesus weitet den Liebesbegriff auf den Feind aus — radikale Universalisierung.
V. 45 begründet christologisch: „damit ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel; denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute" — Imitatio Dei. Das Verhalten Gottes (Universalität seiner Güte) wird zur ethischen Norm. V. 48: „Seid vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist" — kein Perfektionismus, sondern Ganzheitlichkeit (gr. teleios).
Auslegungsmodelle: (a) Gesinnungsethik (M. Luther: gilt persönlich, nicht im Amt), (b) Pazifismus (L. Tolstoi, M. L. King), (c) Doppelmoral-Vorwurf (F. Nietzsche, „Sklavenmoral"), (d) eschatologische Ethik (A. Schweitzer: Interimsethik des nahen Reich-Gottes), (e) realistische Anwendung (R. Niebuhr: regulative Idee, nicht direkt umsetzbar).
Wörtliche Übertragung auf staatliches Handeln (Stichwort „Nichtwiderstand") führt zur Aporie der Schutzpflicht. Lösung Bonhoeffer „Ethik": Feindesliebe ist Maximalforderung im personalen Bereich; im politischen Raum wirkt sie regulativ als Verzicht auf Hass, Forderung nach Versöhnungspraxis und Maßstab gegen Eskalation — ohne Schutzpflichten aufzugeben.
Ergebnis: Die Feindesliebe-Antithese ist als imitatio Dei und universalisierte Liebespflicht zu lesen; politisch wirkt sie als regulative Idee, die Hass und Eskalation begrenzt, ohne staatliche Schutzpflichten aufzuheben.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Vergleichen Sie Bonhoeffers Bergpredigtauslegung in „Nachfolge" (1937) mit R. Niebuhrs Konzept der regulativen Idee und beurteilen Sie deren Tragfähigkeit für eine politische Ethik.
Quellen: Bibelwissenschaft.de — Wibilex (Deutsche Bibelgesellschaft) (Deutsche Bibelgesellschaft) · KMK EPA Evangelische Religionslehre (Beschluss 1989 i. d. F. 2006) (KMK) · EKD-Texte (Grundlagenpapiere) (EKD)
Kernpunkte
REFORMATORISCHE RECHTFERTIGUNGSFORMEL (NACH ROM 3,28)
Der Mensch wird gerecht „ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben". Verdienst ist kein Faktor in der Rechtfertigung — die Werke werden nicht abgezogen, sondern als Grund der Rechtfertigung ausgeschlossen (sola gratia, sola fide).
PAULINISCHE THEOLOGIE — KERNSTRUKTUR
Welche drei Beschriftungen in "Paulinische Theologie — Kernstruktur" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Vergleichen Sie die klassische lutherische Rechtfertigungslehre mit der „New Perspective on Paul" (E. P. Sanders, N. T. Wright) und beurteilen Sie, ob die new perspective Luthers Anliegen korrigiert oder ergänzt.
Quellen: Bibelwissenschaft.de — Wibilex (Deutsche Bibelgesellschaft) (Deutsche Bibelgesellschaft) · KMK EPA Evangelische Religionslehre (Beschluss 1989 i. d. F. 2006) (KMK)
Kernpunkte
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Diskutieren Sie die antijudaistische Wirkungsgeschichte einzelner Joh-Passagen (z. B. Joh 8,44) und entwickeln Sie hermeneutische Kriterien für eine heutige Lektüre.
Quellen: Bibelwissenschaft.de — Wibilex (Deutsche Bibelgesellschaft) (Deutsche Bibelgesellschaft) · EKD-Texte (Grundlagenpapiere) (EKD)