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Kohlenwasserstoffe, funktionelle Gruppen (Alkohole, Aldehyde, Ketone, Carbonsäuren, Ester, Amine), Reaktionsmechanismen (S_N1, S_N2, E1, E2, elektrophile Addition und aromatische Substitution) sowie Stereochemie. Bildet das Rückgrat der organischen Klausurfragen.
6Abschnitteca. 27Min Lesezeit3KompetenzenNiveauStandard 3 · Vertiefung 3Stand 06/2026
grundlegendes Niveau
gA: Funktionelle Gruppen erkennen und benennen, IUPAC-Nomenklatur sicher anwenden, Esterbildung und Verseifung formulieren.
erhöhtes Niveau
eA: S_N1/S_N2 und E1/E2-Mechanismen vergleichen, elektrophile aromatische Substitution mit Dirigierungseffekten, Stereochemie (R/S, E/Z) bewerten.
Lesetiefe: Vertiefung
Schriftgröße: Standard
Funktionelle Gruppen — Übersicht
Geben Sie die Oxidationsprodukte von Ethanol bei kontrollierter und vollständiger Oxidation an und bestimmen Sie die Oxidationszahl des funktionellen C-Atoms in jeder Stufe.
Ethanol CH₃−CH₂−OH; das OH-tragende C-Atom hat die Oxidationszahl −I (zwei H, ein C, ein O).
Primärer Alkohol → Aldehyd: CH₃−CHO (Ethanal); das Carbonyl-C besitzt die Oxidationszahl +I.
Aldehyd → Carbonsäure: CH₃−COOH (Essigsäure); das Carboxyl-C hat die Oxidationszahl +III.
Mit jedem Oxidationsschritt steigt die Oxidationszahl um zwei Einheiten; das Oxidationsmittel (z. B. Cu²⁺, Cr₂O₇²⁻) wird entsprechend reduziert. Aus dem primären Alkohol entsteht über den Aldehyd die Säure, aus einem sekundären Alkohol dagegen ein nicht weiter oxidierbares Keton.
Ergebnis: Ethanol (−I) → Ethanal (+I) → Essigsäure (+III); die Oxidationszahl des funktionellen C-Atoms steigt schrittweise.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Diskutieren Sie die saure Wirkung von Carbonsäuren mithilfe der Mesomeriestabilisierung des Carboxylat-Anions und vergleichen Sie pK_a-Werte (Ameisensäure 3,75; Essigsäure 4,76; Trichloressigsäure 0,7).
Aktive Wiederholung
Benennen Sie die Verbindung CH₃-CH(OH)-CH₂-COOH nach IUPAC, ordnen Sie die funktionellen Gruppen und entscheiden Sie, welche das Hauptsuffix bestimmt.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: IUPAC Recommendations on Organic Nomenclature (2013) (IUPAC)
S_N2-Mechanismus — Walden-Umkehr
S_N1-Mechanismus — Carbeniumion als Zwischenstufe
Begründen Sie, welcher Mechanismus und welches Hauptprodukt bei 2-Brombutan entsteht (a) mit OH⁻ in Wasser bei Raumtemperatur und (b) mit Kalium-tert-butanolat (KOtBu) in tert-Butanol bei erhöhter Temperatur.
2-Brombutan ist ein sekundäres Halogenalkan; sekundäre Substrate können je nach Bedingungen substituieren oder eliminieren — die Reagenzien entscheiden.
OH⁻ ist ein gutes Nukleophil, Wasser ein polar-protisches Lösungsmittel, die Temperatur niedrig. Das begünstigt die Substitution; am sekundären C ist S_N2 dominierend → Butan-2-ol unter Inversion am Stereozentrum.
KOtBu ist eine starke, sterisch sehr anspruchsvolle Base, dazu hohe Temperatur. Das verschiebt die Reaktion klar zur E2-Eliminierung statt zur Substitution.
Die sperrige Base greift bevorzugt das leichter zugängliche endständige β-H an und liefert nach Hofmann das weniger substituierte But-1-en als Hauptprodukt (statt des Saytzeff-Produkts But-2-en).
(a) S_N2 → Butan-2-ol; (b) E2 → überwiegend But-1-en. Dieselbe Ausgangsverbindung liefert je nach Reagenz und Temperatur grundverschiedene Produkte.
Ergebnis: Mit OH⁻/Wasser dominiert die S_N2-Substitution zu Butan-2-ol; mit der sperrigen Base KOtBu bei höherer Temperatur die E2-Eliminierung zum Hofmann-Produkt But-1-en.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Diskutieren Sie die Rolle des Lösungsmittels (polar-protisch vs. polar-aprotisch) bei S_N1 und S_N2 quantitativ und nennen Sie typische Lösungsmittel (Wasser, Methanol vs. DMSO, Aceton).
Aktive Wiederholung
Erklären Sie, warum 2-Brombutan mit OH⁻ in Wasser ein anderes Hauptprodukt liefert als mit KOtBu in tert-Butanol bei höherer Temperatur.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Clayden — Organic Chemistry, Kap. Substitution und Eliminierung (Oxford University Press)
Benzol — Resonanzstrukturen und delokalisierte π-Wolke
Formulieren Sie den Mechanismus der Nitrierung von Toluol (Methylbenzol) und begründen Sie, warum bevorzugt das ortho- und para-Isomer entsteht.
Aus der Nitriersäure entsteht das Nitronium-Ion: HNO₃ + 2 H₂SO₄ → NO₂⁺ + H₃O⁺ + 2 HSO₄⁻. NO₂⁺ ist das angreifende Elektrophil.
Das π-System des Toluols greift NO₂⁺ an; es bildet sich der σ-Komplex (Wheland-Intermediat), ein mesomeriestabilisiertes Carbeniumion, in dem die Aromatizität vorübergehend aufgehoben ist.
Ein H⁺ wird von dem C-Atom abgespalten, das nun die NO₂-Gruppe trägt; der aromatische Zustand wird wiederhergestellt — insgesamt ist ein H durch NO₂ ersetzt.
Die Methylgruppe ist ein Alkylrest mit +I-Effekt (schwach aktivierend). Beim ortho- und para-Angriff lässt sich eine mesomere Grenzformel zeichnen, in der die positive Ladung direkt am methyltragenden C-Atom sitzt und durch den +I-Effekt besonders gut stabilisiert wird; beim meta-Angriff ist das nicht möglich.
Weil der σ-Komplex bei ortho/para-Angriff stabiler ist (niedrigere Aktivierungsenergie), entstehen bevorzugt 2-Nitrotoluol (ortho) und 4-Nitrotoluol (para).
Ergebnis: Toluol wird über das Nitronium-Ion nitriert; die +I-Methylgruppe dirigiert ortho/para, weil der σ-Komplex dieser Angriffe mesomer am besten stabilisiert ist.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Vergleichen Sie die Reaktivität von Phenol, Benzol und Nitrobenzol gegenüber elektrophiler Substitution und ordnen Sie sie nach abnehmender Reaktivität.
Aktive Wiederholung
Formulieren Sie den Mechanismus der Nitrierung von Toluol und begründen Sie, warum bevorzugt das ortho/para-Isomer entsteht.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Clayden — Organic Chemistry, Kap. Aromaticity and EAS (Oxford University Press)
Veresterung — Fischer-Mechanismus (Skizze)
Essigsäure und Ethanol (je 1,0 mol) reagieren säurekatalysiert zu Essigsäureethylester und Wasser; K_c ≈ 4,0. Berechnen Sie die Gleichgewichtsausbeute an Ester und erläutern Sie, wie sie erhöht werden kann.
CH₃COOH + C₂H₅OH ⇌ CH₃COOC₂H₅ + H₂O; aus je 1,0 mol Edukt bildet sich x mol Ester und x mol Wasser, es bleiben je (1−x) mol Edukt.
K_c = ([Ester]·[H₂O]) / ([Säure]·[Alkohol]) = x² / (1−x)² = 4,0 (das Volumen kürzt sich heraus).
Wurzel ziehen: x / (1−x) = 2,0 ⇒ x = 2 − 2x ⇒ 3x = 2 ⇒ x = 0,67 mol.
Die Ausbeute beträgt rund 67 %. Nach Le Chatelier steigt sie durch Wasserentzug (Dean-Stark) oder Eduktüberschuss; bei vollständigem Wasserentzug verschiebt sich das Gleichgewicht nahezu quantitativ.
Ergebnis: Im Gleichgewicht entstehen ≈ 0,67 mol Ester (≈ 67 % Ausbeute); Wasserentzug oder Eduktüberschuss steigern die Ausbeute über 90 %.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Vergleichen Sie sauer und basisch katalysierte Esterhydrolyse hinsichtlich Mechanismus, Reversibilität und industrieller Anwendung.
Aktive Wiederholung
Erklären Sie, wie die Ausbeute der Veresterung von Essigsäure und Ethanol von 67 % auf über 90 % gesteigert werden kann, ohne die Stöchiometrie zu ändern.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: OpenStax Organic Chemistry — Esters (OpenStax)
Funktionelle Gruppen — Übersicht
Bestimmen Sie das Hauptprodukt der Addition von HCl an 2-Methylpropen (CH₂=C(CH₃)₂) und begründen Sie die Regioselektivität.
H⁺ addiert an das endständige CH₂; es entsteht entweder ein primäres oder ein tertiäres Carbeniumion.
Das tertiäre Carbeniumion (CH₃)₃C⁺ ist durch drei +I-Effekte deutlich stabiler als das primäre — es wird bevorzugt gebildet.
Cl⁻ greift das tertiäre Carbeniumion an; das Cl bindet an das höher substituierte C-Atom.
Hauptprodukt ist 2-Chlor-2-methylpropan (tert-Butylchlorid); das H bindet an das C mit den meisten H-Atomen (Markownikow).
Ergebnis: Hauptprodukt: 2-Chlor-2-methylpropan; die Regioselektivität folgt aus der höheren Stabilität des tertiären Carbeniumions.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Erläutern Sie den „Peroxid-Effekt" bei der radikalischen Addition von HBr an Propen und vergleichen Sie die Regioselektivität mit der ionischen (elektrophilen) Addition.
Aktive Wiederholung
Formulieren Sie den Mechanismus der Addition von HBr an Propen und begründen Sie mit der Markownikow-Regel, welches Produkt überwiegt.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Clayden — Organic Chemistry, Kap. Electrophilic Addition to Alkenes (Oxford University Press)
S_N1-Mechanismus — Carbeniumion als Zwischenstufe
Untersuchen Sie, ob 2-Brombutan (CH₃−CHBr−CH₂−CH₃) chiral ist, und bestimmen Sie die Priorität der Substituenten am Stereozentrum.
Das C2-Atom trägt vier verschiedene Gruppen: Br, CH₃, C₂H₅ (Ethyl) und H → asymmetrisches C-Atom, also chiral.
Nach Ordnungszahl: Br (35) > C₂H₅ > CH₃ > H. Ethyl rangiert vor Methyl, weil am ersten C die Substituenten (C,H,H) gegen (H,H,H) gewinnen.
Niedrigste Priorität (H) nach hinten richten; den Drehsinn Br → Ethyl → Methyl bestimmen.
Im Uhrzeigersinn ergibt sich R, gegen den Uhrzeigersinn S; 2-Brombutan existiert daher als Enantiomerenpaar (R)- und (S)-2-Brombutan.
Ergebnis: 2-Brombutan ist chiral; die Substituentenpriorität Br > Ethyl > Methyl > H bestimmt die R/S-Zuordnung der beiden Enantiomere.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Erläutern Sie am Beispiel der Weinsäure den Unterschied zwischen Enantiomeren, Diastereomeren und der meso-Form und begründen Sie, warum die meso-Form optisch inaktiv ist.
Aktive Wiederholung
Bestimmen Sie für 2-Brombutan, ob das Molekül chiral ist, und ordnen Sie einem der Enantiomere die R/S-Konfiguration zu.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: IUPAC Recommendations — Stereochemical Nomenclature (CIP) (IUPAC)
Belege & Quellen