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Polymerisation/Polykondensation, Kunststoffe, Kohlenhydrate, Aminosäuren/Proteine, Fette; Trennverfahren und Spektroskopie (Chromatographie, UV/Vis-, IR-, NMR-Grundlagen). Verknüpft Strukturwissen mit Anwendungs- und Analytik-Kontexten.
6Abschnitteca. 25Min Lesezeit3KompetenzenNiveauStandard 4 · Vertiefung 2Stand 06/2026
grundlegendes Niveau
gA: Polymerisation und Polykondensation unterscheiden, Kunststofftypen einordnen, Stoffklassen Kohlenhydrate/Proteine/Fette beschreiben; Chromatographie und einfache Titrationen interpretieren.
erhöhtes Niveau
eA: Reaktionsmechanismus radikalischer Polymerisation, Peptidbindung und Sekundärstruktur, R_f-Wert und Spektroskopie (UV/Vis, IR, ¹H-NMR) quantitativ deuten.
Lesetiefe: Vertiefung
Schriftgröße: Standard
Radikalische Polymerisation — Polyethen
Polymerstrukturen — linear, verzweigt, vernetzt
Leiten Sie aus Terephthalsäure (HOOC−C₆H₄−COOH) und Ethylenglykol (HO−CH₂−CH₂−OH) die Wiederholungseinheit des Polyesters PET her und benennen Sie das Nebenprodukt.
Terephthalsäure ist bifunktionell (zwei −COOH), Ethylenglykol ebenfalls (zwei −OH); beide Monomere können an beiden Enden verknüpfen.
Jede −COOH reagiert mit einer −OH unter Abspaltung von Wasser zu einer Esterbindung −CO−O−.
[−OC−C₆H₄−CO−O−CH₂−CH₂−O−]_n; die alternierende Verknüpfung setzt sich über viele Einheiten fort.
Pro geknüpfter Esterbindung entsteht ein Molekül H₂O; bei n Wiederholungseinheiten werden etwa 2n Moleküle Wasser frei.
Ergebnis: PET ist ein Polyester mit der Wiederholungseinheit [−OC−C₆H₄−CO−O−CH₂−CH₂−O−]_n; das Nebenprodukt der Polykondensation ist Wasser.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Vergleichen Sie radikalische und ionische Polymerisation hinsichtlich Mechanismus, Selektivität und industrieller Bedeutung am Beispiel Polypropen (Ziegler-Natta-Katalyse).
Aktive Wiederholung
Formulieren Sie die Strukturformeln von PET aus Terephthalsäure und Ethylenglykol und benennen Sie das Nebenprodukt der Polykondensation.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: OpenStax Chemistry 2e — Kap. 21 Polymers and Materials (OpenStax)
Aminosäure — Grundgerüst und Zwitterion
α-D-Glucose — Haworth-Projektion
Peptidbindung — Kondensation zweier Aminosäuren
Glycin besitzt pK_a(−COOH) = 2,34 und pK_a(−NH₃⁺) = 9,60. Bestimmen Sie den isoelektrischen Punkt pI und die dominierende Ladungsform bei pH 1, pH 6 und pH 11.
pI = ½ (pK_a1 + pK_a2) = ½ (2,34 + 9,60).
pI = ½ · 11,94 = 5,97.
pH 1 (< pK_a1): Kation H₃N⁺−CH₂−COOH; pH 6 (≈ pI): Zwitterion H₃N⁺−CH₂−COO⁻; pH 11 (> pK_a2): Anion H₂N−CH₂−COO⁻.
Am isoelektrischen Punkt ist die Nettoladung null; in einem elektrischen Feld wandert das Molekül dort nicht — Grundlage der Elektrophorese-Trennung von Proteinen.
Ergebnis: pI(Glycin) ≈ 5,97; bei diesem pH dominiert das Zwitterion (Nettoladung null, aber doppelt geladen: −COO⁻ und H₃N⁺), unterhalb das Kation, oberhalb das Anion.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Diskutieren Sie die Hydrolyse von Stärke im menschlichen Verdauungstrakt (Amylase, Maltase) und vergleichen Sie mit der nicht erfolgenden Cellulose-Spaltung.
Aktive Wiederholung
Erklären Sie an einem Tripeptid aus Glycin, Alanin und Serin Primär- und Sekundärstruktur; markieren Sie die Peptidbindungen.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: OpenStax Biology 2e — Kap. Biological Macromolecules (OpenStax)
Dünnschichtchromatographie — Trennung von Pigmenten
R_f-Wert und Lambert-Beer-Gesetz
Auf einer DC-Platte legt das Laufmittel 8,0 cm zurück, ein Farbstofffleck 5,6 cm. Berechnen Sie den R_f-Wert und beurteilen Sie die Polarität des Stoffs gegenüber einem zweiten Fleck mit R_f = 0,25.
R_f = Laufstrecke der Substanz / Laufstrecke der Front.
R_f = 5,6 cm / 8,0 cm = 0,70.
Stoff 1 (R_f = 0,70) wandert weiter als Stoff 2 (R_f = 0,25); er hält sich stärker in der unpolaren mobilen Phase auf.
Bei polarer stationärer Phase (Kieselgel) und unpolarem Laufmittel ist der Stoff mit dem höheren R_f-Wert der unpolarere; Stoff 2 wechselwirkt stärker mit dem polaren Kieselgel und bleibt zurück.
Ergebnis: R_f = 0,70; der Stoff ist deutlich unpolarer als der Vergleichsstoff mit R_f = 0,25.
Eine gefärbte Lösung zeigt bei einer Schichtdicke d = 1,0 cm die Extinktion E = 0,48. Der molare Extinktionskoeffizient beträgt ε = 1200 L/(mol·cm). Bestimmen Sie die Konzentration.
E = ε · c · d ⇒ c = E / (ε · d).
c = 0,48 / (1200 L/(mol·cm) · 1,0 cm).
c = 0,48 / 1200 mol/L = 4,0·10⁻⁴ mol/L.
Photometrie ist nur im linearen Bereich (E ≲ 1) gültig; bei höheren Konzentrationen muss verdünnt werden, da E nicht mehr proportional zu c ist.
Ergebnis: c ≈ 4,0·10⁻⁴ mol/L; die Photometrie liefert über das Lambert-Beer-Gesetz eine schnelle quantitative Bestimmung.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Interpretieren Sie das ¹H-NMR-Spektrum von Ethanol (drei Signale, δ ≈ 1,2 / 3,7 / 2,6 ppm) hinsichtlich chemischer Verschiebung, Multiplizität und Integralverhältnis.
Aktive Wiederholung
Schlagen Sie für die Identifikation eines unbekannten Aldehyds geeignete spektroskopische und nasschemische Methoden vor und begründen Sie Ihre Wahl.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: IUPAC — Gold Book, Analytical Chemistry Terms (IUPAC)
Dünnschichtchromatographie — Trennung von Pigmenten
Ein Stoff der Summenformel C₃H₆O zeigt eine IR-Bande bei 1715 cm⁻¹ und im ¹H-NMR nur ein Singulett (6 H) bei δ ≈ 2,1 ppm. Bestimmen Sie die Struktur.
Die Bande bei 1715 cm⁻¹ ist charakteristisch für eine C=O-Streckschwingung (Carbonylgruppe).
Ein einziges Singulett für 6 H bedeutet zwei äquivalente CH₃-Gruppen ohne benachbarte H (keine Aufspaltung).
C=O plus zwei äquivalente CH₃ ergibt CH₃−CO−CH₃; die Summenformel C₃H₆O passt.
Aceton (Propan-2-on) hat genau ein Singulett, weil die beiden Methylgruppen symmetrisch und ohne Nachbar-H sind; ein Aldehyd würde zusätzlich ein Signal bei δ ≈ 9–10 ppm zeigen.
Ergebnis: Der Stoff ist Aceton (Propan-2-on, CH₃−CO−CH₃); IR-Carbonylbande und das einzelne NMR-Singulett bestätigen die Struktur.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Ein Molekül C₃H₆O zeigt im IR eine starke Bande bei 1715 cm⁻¹ und im ¹H-NMR ein einziges Singulett bei δ ≈ 2,1 ppm. Leiten Sie die Struktur ab und begründen Sie.
Aktive Wiederholung
Interpretieren Sie das ¹H-NMR-Spektrum von Ethanol (drei Signale bei δ ≈ 1,2 / 2,6 / 3,7 ppm) hinsichtlich Verschiebung, Multiplizität und Integralverhältnis.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: OpenStax Organic Chemistry — Structure Determination (IR/NMR/MS) (OpenStax)
Benzol — Resonanzstrukturen und delokalisierte π-Wolke
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Erläutern Sie das Komplementärfarben-Prinzip und begründen Sie, warum ein Farbstoff mit ausgedehnterem konjugiertem System tendenziell langwelliger absorbiert und damit eine andere Farbe zeigt.
Aktive Wiederholung
Erläutern Sie am Bau eines Tensidmoleküls, wie es fettigen Schmutz in Wasser löslich macht, und skizzieren Sie eine Mizelle.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: OpenStax Chemistry 2e — Kap. 6.1 Electromagnetic Energy / Color (OpenStax)
Atomökonomie einer Reaktion
Vergleichen Sie die Atomökonomie der Hydratisierung von Ethen (C₂H₄ + H₂O → C₂H₅OH) mit der Hydrolyse von Chlorethan (C₂H₅Cl + H₂O → C₂H₅OH + HCl).
M(C₂H₅OH) = 2·12,0 + 6·1,0 + 16,0 = 46,0 g/mol.
Edukte: M(C₂H₄) = 28,0; M(H₂O) = 18,0; Summe = 46,0 g/mol. Atomökonomie = 46,0/46,0 = 100 %.
Edukte: M(C₂H₅Cl) = 64,5; M(H₂O) = 18,0; Summe = 82,5 g/mol. Atomökonomie = 46,0/82,5 = 55,8 %.
Die Addition ist mit 100 % atomökonomisch ideal — alle Atome landen im Produkt. Die Substitution erzeugt zwangsläufig das Nebenprodukt HCl und ist deutlich weniger nachhaltig.
Ergebnis: Addition: 100 % Atomökonomie; Substitution: ≈ 56 % — Additionsreaktionen sind aus Sicht der grünen Chemie überlegen.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Berechnen Sie die Atomökonomie einer Additionsreaktion (z. B. Ethen + H₂O → Ethanol) und vergleichen Sie sie mit einer Substitution (Chlorethan + OH⁻ → Ethanol + Cl⁻).
Aktive Wiederholung
Beurteilen Sie die Herstellung von Polymilchsäure (PLA) aus nachwachsenden Rohstoffen gegenüber erdölbasiertem Polyethen unter ökologischen und ökonomischen Gesichtspunkten.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: OpenStax Chemistry 2e — Green Chemistry / Sustainability (OpenStax)
Belege & Quellen