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Entstehung von Farbigkeit durch Absorption sichtbaren Lichts: Chromophore und Auxochrome, konjugierte π-Systeme und der HOMO-LUMO-Übergang, Komplementärfarben-Prinzip und UV/Vis-Spektroskopie mit Lambert-Beer-Gesetz. Dazu die wichtigsten Farbstoffklassen (Azofarbstoffe, Indigo/Küpenfärbung, Triphenylmethan-Indikatoren), das Färbeprinzip an der Faser und die analytische Photometrie. Eine landesabiturrelevante Anwendung der Basiskonzepte Struktur-Eigenschaft und Chemische Reaktion.
5Abschnitteca. 22Min Lesezeit3KompetenzenNiveauStandard 3 · Vertiefung 2Stand 06/2026
grundlegendes Niveau
gA: Farbigkeit über konjugierte π-Systeme und das Komplementärfarben-Prinzip erklären, Chromophor und Auxochrom benennen, die zweistufige Azofarbstoff-Synthese und die Küpenfärbung von Indigo qualitativ beschreiben.
erhöhtes Niveau
eA: HOMO-LUMO-Übergang und bathochrome Verschiebung mit der Energiegleichung ΔE = hc/λ argumentieren, Lambert-Beer quantitativ anwenden, mesomere chinoide Grenzstrukturen von Indikatorfarbstoffen herleiten und die elektrophile Azokupplung mechanistisch einordnen.
Lesetiefe: Vertiefung
Schriftgröße: Standard
Komplementärfarben — absorbiert vs. wahrgenommen
Energie eines Lichtquants (Anregung HOMO → LUMO)
Benzol — Resonanzstrukturen und delokalisierte π-Wolke
Ein Farbstoff absorbiert maximal bei λ = 450 nm (blau). Berechnen Sie die zugehörige Anregungsenergie ΔE pro Photon und pro Mol (h = 6,626·10⁻³⁴ J·s, c = 3,00·10⁸ m/s, N_A = 6,022·10²³ mol⁻¹).
ΔE = h·c/λ; λ = 450 nm = 4,50·10⁻⁷ m.
ΔE = (6,626·10⁻³⁴ · 3,00·10⁸) / 4,50·10⁻⁷ ≈ 4,42·10⁻¹⁹ J.
ΔE_m = 4,42·10⁻¹⁹ J · 6,022·10²³ /mol ≈ 2,66·10⁵ J/mol ≈ 266 kJ/mol.
Die wahrgenommene Farbe ist Gelb (Komplementärfarbe zu Blau); ein größeres konjugiertes System würde ΔE senken und λ_max zu größeren Wellenlängen verschieben.
Ergebnis: ΔE ≈ 4,42·10⁻¹⁹ J pro Photon bzw. ≈ 266 kJ/mol; der bei 450 nm absorbierende Stoff erscheint gelb.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Berechnen Sie aus ΔE = h·c/λ die Energie eines Lichtquants der Wellenlänge 450 nm in J und in kJ/mol und ordnen Sie sie der Anregung eines konjugierten π-Systems zu (h = 6,626·10⁻³⁴ J·s, c = 3,00·10⁸ m/s).
Aktive Wiederholung
Begründen Sie, warum kurzkettige Polyene farblos sind, β-Carotin mit elf konjugierten Doppelbindungen aber orange erscheint, und geben Sie an, welche Farbe β-Carotin absorbiert.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: KMK Bildungsstandards Chemie AHR (Kultusministerkonferenz) · OpenStax Chemistry 2e — Kap. 6.1 Electromagnetic Energy (OpenStax)
Lambert-Beer-Gesetz — Extinktion E aus Konzentration und Schichtdicke
Energie eines Lichtquants (Anregung HOMO → LUMO)
Eine gefärbte Lösung zeigt bei einer Schichtdicke d = 1,0 cm die Extinktion E = 0,48. Der molare Extinktionskoeffizient beträgt ε = 1200 L/(mol·cm). Bestimmen Sie die Konzentration.
E = ε · c · d ⇒ c = E / (ε · d).
c = 0,48 / (1200 L/(mol·cm) · 1,0 cm).
c = 0,48 / 1200 mol/L = 4,0·10⁻⁴ mol/L.
Photometrie ist nur im linearen Bereich (E ≲ 1) gültig; bei höheren Konzentrationen muss verdünnt werden, da E nicht mehr proportional zu c ist.
Ergebnis: c ≈ 4,0·10⁻⁴ mol/L; die Photometrie liefert über das Lambert-Beer-Gesetz eine schnelle quantitative Bestimmung.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Erläutern Sie, wie sich aus der zeitlichen Abnahme der Extinktion einer farbigen Eduktlösung die Reaktionsgeschwindigkeit und (über die Linearisierung) die Reaktionsordnung bestimmen lassen.
Aktive Wiederholung
Eine Eisen(III)-thiocyanat-Lösung zeigt bei d = 1,0 cm die Extinktion E = 0,36; der molare Extinktionskoeffizient beträgt ε = 4500 L·mol⁻¹·cm⁻¹. Bestimmen Sie die Konzentration.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: IQB Aufgabenpool Sek II — Chemie (Photometrie) (IQB) · OpenStax Chemistry 2e — Beer-Lambert Law (OpenStax)
Azofarbstoff-Synthese — Diazotierung und Azokupplung
Benzol — Resonanzstrukturen und delokalisierte π-Wolke
Beschreiben Sie die Synthese eines Azofarbstoffs aus Anilin und einem Phenol in zwei Schritten und benennen Sie jeweils die Reaktionsbedingungen und das reaktive Teilchen.
Anilin (C₆H₅−NH₂) wird mit Natriumnitrit und Salzsäure umgesetzt; aus NaNO₂ + HCl entsteht in situ salpetrige Säure, die das Amin zum Benzoldiazoniumchlorid C₆H₅−N₂⁺ Cl⁻ umsetzt.
Die Diazotierung muss bei 0–5 °C (Eisbad) erfolgen, weil das Diazoniumsalz oberhalb dieser Temperatur unter N₂-Abspaltung zerfällt; es wird sofort weiterverwendet, nicht isoliert.
Das Diazoniumion (das schwache Elektrophil) wird in eine schwach alkalische Lösung des Phenols gegeben; dort liegt das reaktive Phenolat-Ion vor, das in einer elektrophilen aromatischen Substitution gekuppelt wird.
Die Kupplung erfolgt bevorzugt in para-Stellung zur aktivierenden −OH-Gruppe (bester mesomeriestabilisierter σ-Komplex); es entsteht 4-(Phenylazo)phenol, ein durchkonjugierter Azofarbstoff.
Die −N=N−-Brücke verbindet beide Aromaten zu einem ausgedehnten konjugierten π-System; der kleine HOMO-LUMO-Abstand bewirkt Absorption im Sichtbaren und damit die Farbigkeit.
Ergebnis: Stufe 1 (Diazotierung, 0–5 °C, Reagenz NaNO₂/HCl) liefert das Diazoniumion; Stufe 2 (Azokupplung, schwach alkalisch) verknüpft es elektrophil mit dem Phenolat zum farbigen Azofarbstoff.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Erläutern Sie am Beispiel Methylorange, wie die Protonierung im Sauren das konjugierte System verändert und dadurch den Farbumschlag von Gelb nach Rot bewirkt (mesomere Grenzstrukturen).
Aktive Wiederholung
Beschreiben Sie die Synthese eines Azofarbstoffs aus einem aromatischen Amin in zwei Schritten und benennen Sie jeweils die Reaktionsbedingungen und das reaktive Teilchen.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: IUPAC — Gold Book, Diazonium / Azo Coupling (IUPAC) · Mortimer/Müller — Chemie. Das Basiswissen, Farbstoffe (Thieme)
Indigo — Küpenfärbung (Reduktion und Oxidation)
Erläutern Sie die drei Stufen der Küpenfärbung mit Indigo (Reduktion, Aufziehen, Oxidation), ordnen Sie Oxidations- und Reduktionsmittel zu und begründen Sie die Waschechtheit.
Indigo ist blau und in Wasser unlöslich; es kann daher nicht direkt auf die Faser aufziehen.
Natriumdithionit (Reduktionsmittel) reduziert im Alkalischen die beiden C=O-Gruppen zu C−OH; es entsteht die wasserlösliche, gelblich-grüne Leukoform (Indigoweiß), die als Anion vorliegt.
In der löslichen Leukoform dringt der Farbstoff in die Cellulosefaser ein und lagert sich dort an.
Luftsauerstoff (Oxidationsmittel) oxidiert die Leukoform in der Faser zurück; das unlösliche blaue Indigo bildet sich neu — sichtbar am Farbumschlag von Grün nach Blau.
Da das zurückgebildete Indigo wieder unlöslich ist und mechanisch in der Faser eingeschlossen sitzt, kann Wasser es nicht herauslösen — die Färbung ist wasch- und reibecht.
Ergebnis: Reduktionsmittel = Natriumdithionit (Hinreaktion zur löslichen Leukoform), Oxidationsmittel = Luftsauerstoff (Rückbildung zum unlöslichen Pigment); die erneute Unlöslichkeit auf der Faser sichert die Waschechtheit.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Ordnen Sie der Reduktion und der Oxidation im Indigo-Färbezyklus jeweils Oxidations- bzw. Reduktionsmittel zu und vergleichen Sie die Küpenfärbung mit einer Reaktivfärbung hinsichtlich der Farbstoff-Faser-Bindung.
Aktive Wiederholung
Erläutern Sie die drei Stufen der Küpenfärbung mit Indigo (Reduktion, Aufziehen, Oxidation) und begründen Sie, warum die resultierende Blaufärbung waschecht ist.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: KMK Bildungsstandards Chemie AHR (Kultusministerkonferenz) · OpenStax Chemistry 2e — Redox / Organic Dyes (OpenStax)
Benzol — Resonanzstrukturen und delokalisierte π-Wolke
Komplementärfarben — absorbiert vs. wahrgenommen
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Begründen Sie die Wahl von Phenolphthalein (Umschlag ≈ pH 8,2–10) für die Titration einer schwachen Säure mit einer starken Base und Methylorange (Umschlag ≈ pH 3,1–4,4) für die Titration einer schwachen Base mit einer starken Säure — jeweils mit Bezug zum Äquivalenzpunkt.
Aktive Wiederholung
Erklären Sie, warum Phenolphthalein erst im basischen Bereich farbig wird, und beschreiben Sie die strukturelle Änderung (chinoides System), die den Farbumschlag verursacht.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Mortimer/Müller — Chemie. Das Basiswissen, Triphenylmethanfarbstoffe (Thieme) · IUPAC — Gold Book, Indicator (IUPAC)
Belege & Quellen