Aufgabenstellung
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Angeborenes vs. erlerntes Verhalten, klassische und operante Konditionierung, Prägung, Sozialverhalten, Kommunikation.
6Abschnitteca. 20Min Lesezeit3KompetenzenNiveauBasis 2 · Standard 3 · Vertiefung 1Stand 06/2026
Lesetiefe: Vertiefung
Schriftgröße: Standard
Angeborenes und erlerntes Verhalten
Ein Rotkehlchen-Männchen greift im Frühjahr ein blosses rotes Federbüschel an. Beantworte das Verhalten nach Tinbergens vier Fragen.
Der Schlüsselreiz „rot" löst über einen angeborenen Auslösemechanismus das Angriffsverhalten aus - die Gestalt des Gegners ist nebensächlich.
Das Verhalten ist weitgehend angeboren, wird aber durch Erfahrung im ersten Revierfrühling geschärft.
Die Revierverteidigung sichert Nahrung und Brutplatz und erhöht so den Fortpflanzungserfolg.
Revieraggression ist bei vielen Singvögeln verbreitet und damit stammesgeschichtlich alt.
Ergebnis: Erst alle vier Ebenen zusammen - zwei proximate (Wie?) und zwei ultimate (Wozu/Woher?) - erklären ein Verhalten vollständig. Das Rotkehlchen greift das Büschel an, weil „rot" der Auslöser ist, nicht weil es einen Rivalen erkennt.
Angeborenes Verhalten ist die Software ab Werk - erlerntes ist das Update.
Schlüsselreize sind eng definiert - der Stichling reagiert auf jedes rote Bauchstück, auch eine Attrappe.
Tinbergens vier Fragen helfen, jedes Verhalten vollständig zu beschreiben.
SRDP-Aufgaben
Aufgabenstellung
Typische Fehler
Aktive Wiederholung
Erläutere am Beispiel der Graugans-Prägung von Konrad Lorenz, was Prägung ist und wie sie sich von Konditionierung unterscheidet.
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Tinbergen N (1963) - On aims and methods of ethology (Zeitschrift für Tierpsychologie)
Klassische vs. operante Konditionierung
Ordne zu: (a) Lob nach den Hausaufgaben, (b) Anschnallen beendet den Warnton, (c) Strafarbeit nach Stören, (d) Handyentzug nach Streit.
Zwei Achsen: etwas HINZUFÜGEN (+) oder ENTFERNEN (-); Verhalten FÖRDERN (Verstärkung) oder MINDERN (Bestrafung).
Angenehmes wird hinzugefügt, Verhalten steigt -> positive Verstärkung.
Unangenehmes wird entfernt, Verhalten steigt -> negative Verstärkung.
Unangenehmes wird hinzugefügt, Verhalten sinkt -> positive Bestrafung.
Angenehmes wird entfernt, Verhalten sinkt -> negative Bestrafung.
Ergebnis: „Positiv/negativ" meint hinzufügen/entfernen, NICHT gut/schlecht; „Verstärkung/Bestrafung" meint mehr/weniger Verhalten. Negative Verstärkung (b) ist keine Strafe - sie fördert Verhalten.
Pawlow lehrt: was zusammen passiert, wird im Hirn verknüpft.
Skinner zeigt: belohntes Verhalten wird häufiger gezeigt, bestraftes Verhalten seltener.
Intermittierende Verstärkung ist die stärkste - deswegen ist Glücksspiel so suchterzeugend.
SRDP-Aufgaben
Aufgabenstellung
Typische Fehler
Aktive Wiederholung
Erkläre, warum intermittierende Verstärkung (z.B. Spielautomaten) besonders löscheresistent ist.
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Skinner B F (1953) Science and Human Behavior (Macmillan)
Schwänzeltanz der Honigbiene
Eine Sammlerin tanzt den Schwänzellauf an der senkrechten Wabe um 40 Grad nach rechts von der Senkrechten geneigt. In welche Richtung relativ zur Sonne liegt die Futterquelle, und was bedeutet eine Schwänzeldauer von 3 s?
Auf der senkrechten Wabe ersetzt die Schwerkraft (senkrecht nach oben) die Sonnenrichtung (Azimut).
40 Grad rechts von der Senkrechten bedeutet: die Quelle liegt 40 Grad rechts vom Sonnenazimut.
Faustregel ca. 1 s Schwänzeln je 1 km; 3 s entsprechen rund 3 km Entfernung.
Je länger der Schwänzellauf, desto weiter die Quelle; der Winkel codiert die Richtung relativ zur Sonne.
Ergebnis: Die Futterquelle liegt etwa 40 Grad rechts der Sonnenrichtung in ca. 3 km Entfernung; Winkel codiert Richtung, Schwänzeldauer codiert Distanz.
Eine Arbeiterin verzichtet auf eigene Fortpflanzung (Kosten C = 2 Nachkommen-Äquivalente) und zieht stattdessen Vollgeschwister auf, sodass diese B = 5 zusätzliche Nachkommen-Äquivalente erhalten. Lohnt sich der Verzicht genetisch?
Vollgeschwister teilen im Mittel die Hälfte ihrer Allele: .
Altruismus wird selektiert, wenn (indirekter Fitnessgewinn > direkte Kosten).
; Kosten .
, also ist die Bedingung erfüllt.
Ergebnis: Da , wird das altruistische Verhalten begünstigt - die geholfenen Verwandten geben anteilig mehr der eigenen Allele weiter, als der Verzicht kostet (Verwandtenselektion).
Sozialverhalten zahlt sich aus, wenn Gewinn von Kooperation größer ist als der Aufwand.
Eusozialität wirkt nach Hamilton: wer seine Schwestern füttert, vermehrt eigene Gene zu 75 %.
Bienen kommunizieren mit Tanz - eine der elegantesten Lehrstücke der Verhaltensbiologie.
SRDP-Aufgaben
Aufgabenstellung
Typische Fehler
Aktive Wiederholung
Erkläre am Bienentanz, wie Honigbienen die Lage einer Futterquelle kommunizieren.
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: von Frisch K (1967) The Dance Language and Orientation of Bees (Harvard University Press)
Überblick der Lernformen
Ordne die Lernform zu: (a) eine Schnecke zieht sich bei wiederholtem, folgenlosem Antippen immer seltener zurück, (b) ein Gänseküken folgt dem Tierpfleger, (c) ein Schimpanse stapelt Kisten, um an Bananen zu kommen.
Nachlassende Reaktion auf einen wiederholten, harmlosen Reiz -> Habituation (nicht-assoziativ).
An eine sensible Phase gebundene, kaum löschbare Bindung an ein Objekt -> Prägung (Nachfolgeprägung).
Plötzliche Problemlösung ohne Versuch und Irrtum -> Einsichtslernen (Köhler).
Ergebnis: Habituation ist die einfachste Lernform, Prägung ist phasengebunden und irreversibel, Einsicht eine höhere kognitive Leistung - drei sehr unterschiedliche Mechanismen.
Prägung hat ein Zeitfenster - was darin gelernt wird, bleibt ein Leben lang.
Überblick der Lernformen
Habituation spart Energie: was harmlos ist, ignoriert das Tier irgendwann.
SRDP-Aufgaben
Aufgabenstellung
Typische Fehler
Aktive Wiederholung
Erläutere den Begriff der sensiblen Phase und begründe, warum Prägung für Wiederansiedlungsprojekte (z.B. Waldrapp) ein Problem darstellen kann.
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Orientierungssysteme der Tiere
Ein nachts ziehender Singvogel fliegt bei klarem Himmel zielsicher nach Süden. Welche Orientierungssysteme nutzt er, und was geschieht bei bedecktem Himmel?
Bei klarem Himmel orientiert er sich an der Rotation des Sternenhimmels um den Polarstern (Emlen-Trichter-Versuche).
In der Dämmerung dienen der Sonnenuntergang und die innere Uhr zur Eichung der Richtung.
Bei bedecktem Himmel fällt der Sternkompass aus - der Inklinationskompass (Neigung des Erdmagnetfelds) übernimmt.
Die Systeme sind redundant und eichen einander; fällt eines aus, sichern die anderen die Richtung.
Ergebnis: Der Vogel nutzt Stern-, Sonnen- und Magnetkompass parallel. Diese Redundanz macht die Navigation robust - selbst ohne Sternsicht hält er Kurs.
Taxis hat eine Richtung, Kinese nur eine Geschwindigkeit.
Orientierungssysteme der Tiere
Zugvögel tragen mehrere Kompasse - Sonne, Sterne und Erdmagnetfeld ergänzen sich.
SRDP-Aufgaben
Aufgabenstellung
Typische Fehler
Aktive Wiederholung
Analysiere, mit welchen drei Orientierungssystemen ein nachts ziehender Singvogel seine Zugrichtung bestimmt.
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Paarungssysteme
Das riesige Pfauenrad behindert die Flucht und kostet Energie. Warum setzt es sich trotzdem durch? Ordne den Selektionstyp zu.
Die natürliche Selektion müsste ein hinderliches Merkmal eigentlich benachteiligen.
Pfauenhennen bevorzugen Männchen mit grossem, symmetrischem Rad - die Partnerwahl treibt das Merkmal (intersexuelle Selektion).
Gerade weil das Rad teuer ist, kann es sich nur ein gesundes Tier leisten - es ist ein ehrliches Signal für gute Gene (Zahavi).
Der Fortpflanzungsvorteil durch mehr Paarungen übertrifft den Überlebensnachteil.
Ergebnis: Das Pfauenrad ist ein Produkt der intersexuellen Selektion: Der Paarungsvorteil schlägt den Überlebensnachteil, und das Handicap macht das Signal glaubwürdig.
Balz ist mehr als Show - sie sichert Arterkennung und Partnerwahl.
Paarungssysteme
Ehrliche Signale sind teuer: nur ein gesunder Pfau trägt ein riesiges Rad.
SRDP-Aufgaben
Aufgabenstellung
Typische Fehler
Aktive Wiederholung
Erläutere am Pfauenrad das Handicap-Prinzip und ordne es der intersexuellen Selektion zu.
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Belege & Quellen
Zeitschrift für Tierpsychologie
Harvard University Press