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Notizen/Physik/Quanten- und Atomphysik
Notizen · PhysikDE · Abitur

Quanten- und Atomphysik

Photoeffekt, Welle-Teilchen-Dualismus, Bohrsches Atommodell, Energiequantisierung, Linienspektren und der Franck-Hertz-Versuch. Verbindet klassische Wellenoptik mit der modernen Quantenmechanik und ihren experimentellen Schlüsselversuchen.

6 Abschnitte·~10 Min Lesezeit·4 Kompetenzen·Niveau Basis 1 · Standard 3 · Vertiefung 2·Stand 05/2026

T·0888 / 10
Prüfungsprofil
S-8 · Quantenphänomene mit Wellen- und Teilchenmodell beschreibenE-9 · Photoeffekt- und Franck-Hertz-Messreihen quantitativ auswertenK-5 · Atommodelle vergleichend kommunizieren (Bohr vs. Orbital)B-2 · Reichweite und Grenzen klassischer Modelle bewerten
Operatoren:beschreibenanalysierenberechnenerklärenbeurteilenbegründen

grundlegendes Niveau

gA: Photoeffekt-Gleichung, Bohrsche Quantenbedingung, Linienspektren qualitativ; Berechnung einzelner Wellenlängen aus Rydberg-Formel.

erhöhtes Niveau

eA: De-Broglie-Wellenlänge, Welle-Teilchen-Dualismus, Heisenberg-Unschärfe, Doppelspalt mit Elektronen, Bedeutung des Franck-Hertz-Versuchs für die Quantisierungshypothese.

Tiefe

Lesetiefe: Vertiefung

Schrift

Schriftgröße: Standard

Inhalt · 6 Abschnitte▾
  1. Quanten- und Atomphysik
    • 01Photoeffekt und Einstein-Gleichung○
    • 02Welle-Teilchen-Dualismus und De-Broglie◐
    • 03Bohrsches Atommodell und Quantenbedingung◐
    • 04Franck-Hertz-Versuch und diskrete Energieniveaus◐
    • 05Vom Bohr-Modell zum Orbitalmodell●
    • 06Compton-Effekt und Photonenimpuls●
§ 01

Photoeffekt und Einstein-Gleichung#

●○○BasisLPquantenphysik-und-materie

Photoeffekt — Gegenfeldmethode

Photoeffekt — GegenfeldmethodeSchaubild von E_kin = h·f − W_A, Nullstellen bei x = 1.5, y-Achsenabschnitt bei y = -1.5, steigend, im Bereich x von 0 bis 40.511.522.533.54−112fg−WAEkin = h·f −WAEkin,maxf
Abb. 1Einsteins Gleichung: Ekin,max=hf−WAE_{kin,max} = h f - W_AEkin,max​=hf−WA​; lineare Beziehung der maximalen kinetischen Energie zur Lichtfrequenz.

Kernpunkte

Hertz/Lenard-Beobachtung: Licht oberhalb einer Grenzfrequenz fgf_gfg​ löst Elektronen aus Metallen aus — klassische Wellenoptik scheitert.
Einstein 1905: Licht besteht aus Energiequanten (Photonen) der Energie Eph=hfE_{ph} = h fEph​=hf.
Energiebilanz: Ekin,max⁡=hf−WAE_{kin,\max} = h f - W_AEkin,max​=hf−WA​ mit Austrittsarbeit WAW_AWA​ als materialabhängige Konstante.
Gegenfeldmethode misst Ekin,max⁡=e U0E_{kin,\max} = e\,U_0Ekin,max​=eU0​ direkt über die Gegenspannung U0U_0U0​.
Bei f<fg=WA/hf < f_g = W_A/hf<fg​=WA​/h tritt unabhängig von der Lichtintensität kein Photoeffekt auf — Bestätigung der Quantelung.
Steigung der Ekin,max⁡(f)E_{kin,\max}(f)Ekin,max​(f)-Geraden liefert das Plancksche Wirkungsquantum hhh, der x-Achsenabschnitt die Grenzfrequenz.
Eph=h f=h cλE_{ph} = h\,f = \dfrac{h\,c}{\lambda}Eph​=hf=λhc​

Photonenenergie (Planck-Einstein)

Ekin,max⁡=h f−WAE_{kin,\max} = h\,f - W_AEkin,max​=hf−WA​

Einstein-Gleichung des Photoeffekts

Photoeffekt — Ekin,max gegen Frequenz f

Abb. 2Steigung der Geraden entspricht dem Planckschen Wirkungsquantum h; der x-Achsenabschnitt ist die Grenzfrequenz f_g.
Musterlösung

Austrittsarbeit aus Photoeffekt-Messreihe

Bei einer Wellenlänge λ=400 nm\lambda = 400\,\text{nm}λ=400nm wird eine Gegenspannung U0=0,30 VU_0 = 0{,}30\,\text{V}U0​=0,30V gemessen, die den Photostrom gerade auf Null bringt. Bestimme die Austrittsarbeit WAW_AWA​ der Kathode (h=6,626⋅10−34 Jsh = 6{,}626\cdot 10^{-34}\,\text{Js}h=6,626⋅10−34Js, c=3,00⋅108 m/sc = 3{,}00\cdot 10^{8}\,\text{m/s}c=3,00⋅108m/s, e=1,602⋅10−19 Ce = 1{,}602\cdot 10^{-19}\,\text{C}e=1,602⋅10−19C).

  1. 01Schritt 1 — Photonenenergie berechnen

    Eph=hc/λ=(6,626⋅10−34⋅3,00⋅108)/(4,00⋅10−7)≈4,97⋅10−19 J≈3,10 eVE_{ph} = h c/\lambda = (6{,}626\cdot 10^{-34} \cdot 3{,}00\cdot 10^{8}) / (4{,}00\cdot 10^{-7}) \approx 4{,}97\cdot 10^{-19}\,\text{J} \approx 3{,}10\,\text{eV}Eph​=hc/λ=(6,626⋅10−34⋅3,00⋅108)/(4,00⋅10−7)≈4,97⋅10−19J≈3,10eV.

    Eph=hcλE_{ph} = \dfrac{h c}{\lambda}Eph​=λhc​
  2. 02Schritt 2 — Maximale kinetische Energie

    Die Gegenspannung gibt Ekin,max⁡=e U0=0,30 eVE_{kin,\max} = e\,U_0 = 0{,}30\,\text{eV}Ekin,max​=eU0​=0,30eV.

  3. 03Schritt 3 — Austrittsarbeit

    WA=Eph−Ekin,max⁡=3,10−0,30=2,80 eV≈4,49⋅10−19 JW_A = E_{ph} - E_{kin,\max} = 3{,}10 - 0{,}30 = 2{,}80\,\text{eV} \approx 4{,}49\cdot 10^{-19}\,\text{J}WA​=Eph​−Ekin,max​=3,10−0,30=2,80eV≈4,49⋅10−19J.

    WA=hf−e U0W_A = h f - e\,U_0WA​=hf−eU0​
  4. 04Schritt 4 — Interpretieren

    Wert liegt im Bereich typischer Alkalimetalle (Na: 2,28 eV2{,}28\,\text{eV}2,28eV, K: 2,30 eV2{,}30\,\text{eV}2,30eV, Cs: 2,14 eV2{,}14\,\text{eV}2,14eV); deutet auf eine Cäsium- oder Kalium-Kathode hin.

Ergebnis: WA≈2,80 eVW_A \approx 2{,}80\,\text{eV}WA​≈2,80eV.

Abiturfokus

  • Operator „erläutern": warum die klassische Wellentheorie weder Grenzfrequenz noch sofortiges Einsetzen erklärt.
  • Operator „berechnen": Austrittsarbeit aus Wellenlänge und Gegenspannung.
  • Operator „auswerten": aus einer Messreihe Steigung hhh und Achsenabschnitt WAW_AWA​ grafisch oder per Regression bestimmen.
  • Operator „beurteilen": Photoeffekt als Schlüsselexperiment des Welle-Teilchen-Dualismus einordnen.

Typische Fehler

  • Intensität mit Frequenz verwechselt — mehr Licht heisst nicht mehr Energie pro Photon.
  • Austrittsarbeit in J\text{J}J statt eV\text{eV}eV und umgekehrt vergessen umzurechnen.
  • Gegenspannung als „bremsende" Spannung mit Vorzeichenfehler eingesetzt.
  • Behauptung, der Photoeffekt widerlege die Wellentheorie vollständig — er belegt nur die Quantelung der Energieübertragung.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Diskutieren Sie quantitativ, warum auch mit roter Glimmlampe die Auswertung gelingt — beziehen Sie sich auf die Energieauflösung der Gegenfeldmethode und thermische Verbreiterung.

Aktive Wiederholung

Aus einer Photoeffekt-Messreihe ergibt sich die Geradengleichung Ekin,max⁡/eV=4,13⋅10−15 (f/Hz)−2,1E_{kin,\max}/\text{eV} = 4{,}13\cdot 10^{-15}\,(f/\text{Hz}) - 2{,}1Ekin,max​/eV=4,13⋅10−15(f/Hz)−2,1. Bestimmen Sie das Plancksche Wirkungsquantum und die Austrittsarbeit der Kathode und beurteilen Sie die Messgenauigkeit.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

§ 02

Welle-Teilchen-Dualismus und De-Broglie#

●●○StandardLPquantenphysik-und-materie

Doppelspalt — Interferenz

d M_{2} M_{1} M_{0} Abstand Doppelspalt – Schirm: L Δy = λ L / d
Abb. 3Zwei kohärente Wellen erzeugen Interferenzmaxima im Abstand Δy=λL/d\Delta y = \lambda L / dΔy=λL/d auf dem Schirm.

Kernpunkte

Photonen verhalten sich wie Wellen (Interferenz, Beugung) und wie Teilchen (Photoeffekt, Compton-Effekt) — Komplementarität nach Bohr.
De-Broglie 1924: Auch Materie hat eine Wellenlänge λdB=h/p\lambda_{dB} = h/pλdB​=h/p.
Davisson-Germer-Experiment (1927): Elektronenbeugung am Nickel-Kristall bestätigt die Materiewellenhypothese.
Elektronenmikroskop nutzt die im Vergleich zum Licht viel kleinere λdB\lambda_{dB}λdB​ schneller Elektronen für höhere Auflösung.
Doppelspalt-Experiment mit einzelnen Elektronen zeigt: jedes Teilchen interferiert mit sich selbst — Interferenzbild entsteht auch bei sukzessivem Eintreffen.
Heisenberg-Unschärfe: Δx⋅Δp≥ℏ/2\Delta x \cdot \Delta p \geq \hbar/2Δx⋅Δp≥ℏ/2 ist eine Konsequenz des Wellencharakters, keine Messfehlergrenze.
λdB=hp=hm v\lambda_{dB} = \dfrac{h}{p} = \dfrac{h}{m\,v}λdB​=ph​=mvh​

De-Broglie-Materiewellenlänge

Δx⋅Δp≥ℏ2\Delta x \cdot \Delta p \geq \dfrac{\hbar}{2}Δx⋅Δp≥2ℏ​

Heisenberg-Unschärferelation

Abiturfokus

  • Operator „berechnen": De-Broglie-Wellenlänge für Elektron, Proton oder Tennisball — Größenordnung interpretieren.
  • Operator „erklären": warum makroskopische Objekte keine beobachtbare Materiewelle zeigen.
  • Operator „vergleichen": Photoneninterferenz vs. Elektroneninterferenz im Doppelspalt — gleiches Bild, unterschiedliche Konsequenz.
  • Operator „beurteilen": Heisenberg-Unschärfe als prinzipielle vs. messtechnische Grenze.

Typische Fehler

  • Geschwindigkeit statt Impuls in die De-Broglie-Formel eingesetzt.
  • Relativistische Korrektur bei hochenergetischen Elektronen (v≳0,1cv \gtrsim 0{,}1 cv≳0,1c) ignoriert.
  • Unschärferelation als „Messstörung" missverstanden statt als fundamentale Eigenschaft.
  • Elektronenbeugung mit Bragg-Reflexion an Kristallgittern verwechselt, ohne λdB\lambda_{dB}λdB​ explizit zu nennen.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Erläutern Sie das Doppelspalt-Gedankenexperiment mit „Welcher-Weg"-Information und diskutieren Sie, warum die Messung das Interferenzbild zerstört (Dekohärenz).

Aktive Wiederholung

Berechnen Sie die De-Broglie-Wellenlänge eines Elektrons, das mit U=100 VU = 100\,\text{V}U=100V beschleunigt wurde, und vergleichen Sie sie mit einem Tennisball (m=58 gm = 58\,\text{g}m=58g, v=30 m/sv = 30\,\text{m/s}v=30m/s). Beurteilen Sie, warum nur das Elektron Beugungserscheinungen zeigt.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

§ 03

Bohrsches Atommodell und Quantenbedingung#

●●○StandardLPquantenphysik-und-materieLPphysik-atomphysik

Bohrsches Atommodell — Energieniveaus des Wasserstoffs

Bohrsches Atommodell — Energieniveaus des WasserstoffsEnergieniveau-Diagramm, 4 Niveaus, 1 Übergänge, Daten: n=1, n=2, n=3, E=0 (n→∞)E / eVn = 1n = 2n = 3E = 0 (n→∞)Eph = hf
Abb. 4Elektronen besetzen diskrete Bahnen; Übergänge zwischen Niveaus emittieren oder absorbieren Photonen.

Kernpunkte

Rutherford-Streuung zeigte den positiv geladenen, kompakten Atomkern (1911) — klassisches Modell sagt aber instabile Elektronenbahnen voraus.
Bohrs Postulate (1913): Elektronen besetzen nur diskrete Bahnen mit mvr=nℏm v r = n \hbarmvr=nℏ; auf diesen Bahnen strahlen sie nicht.
Beim Übergang zwischen Bahnen wird ein Photon der Energie Eph=En−EmE_{ph} = E_n - E_mEph​=En​−Em​ emittiert oder absorbiert.
Energieniveaus des H-Atoms: En=−13,6 eV/n2E_n = -13{,}6\,\text{eV}/n^{2}En​=−13,6eV/n2 — Ionisierungsenergie aus n=1n=1n=1 beträgt 13,6 eV13{,}6\,\text{eV}13,6eV.
Serien im H-Spektrum: Lyman (n1=1n_1 = 1n1​=1, UV), Balmer (n1=2n_1 = 2n1​=2, sichtbar), Paschen (n1=3n_1 = 3n1​=3, IR).
Grenzen des Bohr-Modells: gilt nur für Einelektronensysteme; Feinstruktur, Linienintensitäten und Mehrelektronenatome erfordern Quantenmechanik mit Orbitalen.
En=−13,6 eVn2(H-Atom)E_n = -\dfrac{13{,}6\,\text{eV}}{n^{2}}\quad (\text{H-Atom})En​=−n213,6eV​(H-Atom)

Bohrsche Energieniveaus des Wasserstoffs

1λ=RH(1n12−1n22)\dfrac{1}{\lambda} = R_{H}\left(\dfrac{1}{n_{1}^{2}} - \dfrac{1}{n_{2}^{2}}\right)λ1​=RH​(n12​1​−n22​1​)

Rydberg-Formel (R_H = 1,097·10⁷ m⁻¹)

Musterlösung

H-alpha-Linie aus Rydberg-Formel

Berechne die Wellenlänge der Balmer-H-alpha-Linie (n2=3→n1=2n_2 = 3 \to n_1 = 2n2​=3→n1​=2) im Wasserstoffspektrum mit RH=1,097⋅107 m−1R_H = 1{,}097\cdot 10^{7}\,\text{m}^{-1}RH​=1,097⋅107m−1.

  1. 01Schritt 1 — Rydberg-Formel anwenden

    1/λ=RH(1/4−1/9)=RH⋅5/361/\lambda = R_H (1/4 - 1/9) = R_H \cdot 5/361/λ=RH​(1/4−1/9)=RH​⋅5/36.

    1λ=RH(1n12−1n22)\dfrac{1}{\lambda} = R_H\left(\dfrac{1}{n_1^2}-\dfrac{1}{n_2^2}\right)λ1​=RH​(n12​1​−n22​1​)
  2. 02Schritt 2 — Zahlenwerte einsetzen

    1/λ=1,097⋅107⋅5/36≈1,524⋅106 m−11/\lambda = 1{,}097\cdot 10^{7} \cdot 5/36 \approx 1{,}524\cdot 10^{6}\,\text{m}^{-1}1/λ=1,097⋅107⋅5/36≈1,524⋅106m−1.

  3. 03Schritt 3 — Wellenlänge

    λ=1/(1,524⋅106)≈6,56⋅10−7 m=656 nm\lambda = 1/(1{,}524\cdot 10^{6}) \approx 6{,}56\cdot 10^{-7}\,\text{m} = 656\,\text{nm}λ=1/(1,524⋅106)≈6,56⋅10−7m=656nm.

  4. 04Schritt 4 — Interpretation

    Rot — entspricht der charakteristischen H-alpha-Linie im sichtbaren Spektrum von Wasserstoff (Sonnenspektrum, Emissionsnebel).

Ergebnis: λHα≈656 nm\lambda_{H\alpha} \approx 656\,\text{nm}λHα​≈656nm (rot, sichtbar).

Abiturfokus

  • Operator „berechnen": Wellenlänge einer Spektrallinie mit der Rydberg-Formel.
  • Operator „erläutern": Bohrsche Postulate als Bruch mit der klassischen Elektrodynamik.
  • Operator „vergleichen": Bohr-Modell vs. Orbital-Modell (Schrödinger) hinsichtlich Aussagekraft und Reichweite.
  • Operator „begründen": warum das Bohr-Modell nur für Wasserstoff und wasserstoffähnliche Ionen quantitativ stimmt.

Typische Fehler

  • Energie-Vorzeichen verloren — gebundene Zustände sind negativ, E∞=0E_\infty = 0E∞​=0 ist Ionisierungsgrenze.
  • n1n_1n1​ und n2n_2n2​ in der Rydberg-Formel vertauscht (gefordert n1<n2n_1 < n_2n1​<n2​).
  • Bohr-Modell auf Helium oder schwerere Atome quantitativ übertragen.
  • Verwechslung zwischen Anregungsenergie (Übergang) und Ionisierungsenergie (n=1→∞n=1 \to \inftyn=1→∞).

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Leiten Sie die Bohrschen Energieniveaus EnE_nEn​ klassisch aus dem Gleichgewicht Coulomb-Kraft/Zentripetalkraft und der Quantisierungsbedingung mvr=nℏm v r = n\hbarmvr=nℏ vollständig her.

Aktive Wiederholung

Berechnen Sie die Wellenlängen der ersten drei Balmer-Linien des Wasserstoffs (n2=3,4,5n_2 = 3, 4, 5n2​=3,4,5) und ordnen Sie sie den sichtbaren Farben zu. Diskutieren Sie, warum Balmer-Linien im Sonnenspektrum als dunkle Fraunhofer-Linien erscheinen.

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

§ 04

Franck-Hertz-Versuch und diskrete Energieniveaus#

●●○StandardLPquantenphysik-und-materieLPphysik-atomphysik

Franck-Hertz-Versuch — Strom-Spannungs-Verlauf

U_B I 4,9 V 9,8 V 14,7 V
Abb. 5Periodische Struktur der Anodenstromstärke mit einem Abstand aufeinanderfolgender Maxima (bzw. Einbrüche) von 4,94{,}94,9 V belegt die diskreten Energieniveaus des Quecksilberatoms.

Kernpunkte

Aufbau: evakuierte Röhre mit Quecksilberdampf, Glühkathode, Beschleunigungsgitter mit Spannung UBU_BUB​, Auffängeranode mit Gegenspannung.
Beobachtung: die Anodenstromstärke steigt nicht monoton, sondern zeigt periodische Maxima und Einbrüche mit einem konstanten Abstand von 4,9 V4{,}9\,\text{V}4,9V (Einbrüche bei UB≈4,9 V,9,8 V,14,7 VU_B \approx 4{,}9\,\text{V}, 9{,}8\,\text{V}, 14{,}7\,\text{V}UB​≈4,9V,9,8V,14,7V über dem Kontaktpotential).
Deutung: Elektronen geben ihre kinetische Energie quantisiert in Stufen von 4,9 eV4{,}9\,\text{eV}4,9eV an Hg-Atome ab (Anregung des 63P16^3P_163P1​-Zustands).
Angeregte Hg-Atome emittieren beim Rückfall UV-Licht mit λ=hc/(4,9 eV)≈254 nm\lambda = h c/(4{,}9\,\text{eV}) \approx 254\,\text{nm}λ=hc/(4,9eV)≈254nm — direkt nachweisbar.
Bedeutung: erster direkter elektrischer Nachweis diskreter atomarer Energieniveaus, Nobelpreis 1925.
Mit anderen Gasen (Neon) sind farbige Anregungszonen sichtbar; das Verfahren ist universell.
ΔE=e ΔUB=h fem\Delta E = e\,\Delta U_B = h\,f_{em}ΔE=eΔUB​=hfem​

Anregungsenergie aus Franck-Hertz-Periodizität

Abiturfokus

  • Operator „beschreiben": Versuchsaufbau und typischen Strom-Spannungs-Verlauf.
  • Operator „erklären": warum der Strom periodisch einbricht und nicht monoton sinkt.
  • Operator „begründen": welche Beobachtung am Franck-Hertz-Versuch direkt die Bohrsche Quantenhypothese stützt.
  • Operator „berechnen": Wellenlänge des emittierten UV-Lichts aus der Anregungsenergie.

Typische Fehler

  • Anregungsenergie mit Ionisierungsenergie verwechselt — 4,9 eV4{,}9\,\text{eV}4,9eV entspricht Anregung, 10,4 eV10{,}4\,\text{eV}10,4eV Ionisierung von Hg.
  • Behauptung, die Maxima entstehen durch elastische Stöße — tatsächlich sind die Einbrüche das relevante Signal.
  • Gegenspannung im Versuch vergessen — ohne sie wären die Einbrüche nicht detektierbar.
  • Linearen Anstieg zwischen den Maxima als „Quantelung" interpretiert statt als ungestörte Elektronenbeschleunigung.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Erläutern Sie, warum die scharfen Maxima durch thermische Verbreiterung und Mehrfachstöße in der Praxis abgerundet erscheinen, und schätzen Sie die Halbwertsbreite eines Maximums bei Zimmertemperatur ab.

Aktive Wiederholung

Beschreiben Sie den Franck-Hertz-Versuch und erläutern Sie, weshalb der konstante Abstand von 4,9 V4{,}9\,\text{V}4,9V zwischen aufeinanderfolgenden Maxima bzw. Einbrüchen der Anodenstromstärke die Bohrsche Hypothese diskreter Atomzustände belegt.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

§ 05

Vom Bohr-Modell zum Orbitalmodell#

●●●VertiefungLPphysik-atomphysik

Kernpunkte

Schrödinger-Gleichung ersetzt Bohrsche Bahnen durch Wellenfunktionen ψ(r⃗,t)\psi(\vec r, t)ψ(r,t); Aufenthaltswahrscheinlichkeit ∣ψ∣2|\psi|^{2}∣ψ∣2.
Vier Quantenzahlen klassifizieren atomare Zustände: Hauptquantenzahl nnn, Drehimpulsquantenzahl ℓ\ellℓ, magnetische Quantenzahl mℓm_\ellmℓ​, Spinquantenzahl msm_sms​.
Pauli-Prinzip: keine zwei Elektronen im selben Atom haben alle vier Quantenzahlen gleich — Grundlage des Periodensystems.
Hundsche Regel: in entarteten Orbitalen werden zuerst alle einfach besetzt, parallele Spins bevorzugt.
Orbitalformen: s (kugelsymmetrisch), p (hantelförmig), d (komplexer) — qualitatives Verstehen reicht im Abitur.
Röntgenstrahlung entsteht beim Rückgang aus äußeren in innere (K-, L-) Schalen; charakteristisches Spektrum + Bremsspektrum.
λmin⁡=hceU\lambda_{\min} = \dfrac{h c}{e U}λmin​=eUhc​

Röntgen-Grenzwellenlänge (Duane-Hunt)

Nmax⁡(n)=2n2N_{\max}(n) = 2 n^{2}Nmax​(n)=2n2

Maximale Elektronenzahl pro Schale

Abiturfokus

  • Operator „vergleichen": Bohr-Modell vs. Orbitalmodell hinsichtlich Aussagekraft und Reichweite.
  • Operator „erläutern": Aufbau des Periodensystems aus Pauli-Prinzip und Quantenzahlen.
  • Operator „beschreiben": Entstehung der charakteristischen Röntgenlinien.
  • Operator „beurteilen": Aussagewert des Orbitalmodells für chemische Bindungen.

Typische Fehler

  • Orbitale als „Bahnen" mit klassischer Trajektorie missverstanden.
  • Maximale Elektronenzahl pro Schale (2n22 n^{2}2n2) ohne Pauli-Prinzip begründet.
  • Röntgen-Grenzwellenlänge λmin⁡=hc/(eU)\lambda_{\min} = h c/(e U)λmin​=hc/(eU) mit charakteristischen Linien verwechselt.
  • Spin als reale Eigendrehung interpretiert.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Diskutieren Sie das Moseley-Gesetz (ν=a(Z−1)\sqrt{\nu} = a (Z-1)ν​=a(Z−1)) und erläutern Sie, warum die Frequenz der K-alpha-Linie quadratisch mit der Ordnungszahl wächst (ν∝(Z−1)2\nu \propto (Z-1)^2ν∝(Z−1)2).

Aktive Wiederholung

Erklären Sie qualitativ, weshalb die Edelgaskonfiguration besonders stabil ist, und berechnen Sie die kürzeste Wellenlänge der Bremsstrahlung einer mit U=30 kVU = 30\,\text{kV}U=30kV betriebenen Röntgenröhre.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

§ 06

Compton-Effekt und Photonenimpuls#

●●●VertiefungLPquantenphysik-und-materie

Kernpunkte

Das Photon trägt neben der Energie E=hfE = hfE=hf auch einen Impuls p=h/λ=E/cp = h/\lambda = E/cp=h/λ=E/c — obwohl es keine Ruhemasse besitzt.
Compton-Streuung (1923): Röntgenphotonen werden an quasifreien Elektronen elastisch gestreut und verlieren dabei Energie, ihre Wellenlänge wird größer.
Compton-Verschiebung: Δλ=λ′−λ=hmec(1−cos⁡θ)\Delta\lambda = \lambda' - \lambda = \dfrac{h}{m_e c}(1 - \cos\theta)Δλ=λ′−λ=me​ch​(1−cosθ) mit der Compton-Wellenlänge h/(mec)≈2,43 pmh/(m_e c) \approx 2{,}43\,\text{pm}h/(me​c)≈2,43pm.
Die Verschiebung hängt nur vom Streuwinkel θ\thetaθ ab, nicht von der Anfangswellenlänge — ein rein teilchenhaftes Ergebnis.
Energie- und Impulserhaltung im Photon-Elektron-Stoß liefern die Verschiebung quantitativ — der Effekt ist mit dem Wellenmodell nicht erklärbar.
Der Compton-Effekt ist neben Photoeffekt und Paarbildung einer der drei zentralen Wechselwirkungsprozesse von Gammastrahlung mit Materie.
pph=hλ=Ecp_{ph} = \dfrac{h}{\lambda} = \dfrac{E}{c}pph​=λh​=cE​

Photonenimpuls

Δλ=hmec (1−cos⁡θ)\Delta\lambda = \dfrac{h}{m_e c}\,(1 - \cos\theta)Δλ=me​ch​(1−cosθ)

Compton-Verschiebung

Musterlösung

Compton-Streuung unter 90 Grad

Röntgenphoton λ=50,0 pm\lambda = 50{,}0\,\text{pm}λ=50,0pm, Streuwinkel θ=90∘\theta = 90^\circθ=90∘ an ruhendem Elektron.

  1. 01Compton-Wellenlänge

    Materialkonstante λC=h/(mec)=2,43⋅10−12 m=2,43 pm\lambda_C = h/(m_e c) = 2{,}43\cdot 10^{-12}\,\text{m} = 2{,}43\,\text{pm}λC​=h/(me​c)=2,43⋅10−12m=2,43pm.

  2. 02Verschiebung berechnen

    Mit cos⁡90∘=0\cos 90^\circ = 0cos90∘=0: Δλ=λC (1−0)=2,43 pm\Delta\lambda = \lambda_C\,(1 - 0) = 2{,}43\,\text{pm}Δλ=λC​(1−0)=2,43pm.

    Δλ=λC (1−cos⁡θ)\Delta\lambda = \lambda_C\,(1 - \cos\theta)Δλ=λC​(1−cosθ)
  3. 03Gestreute Wellenlänge

    λ′=λ+Δλ=50,0+2,43=52,4 pm\lambda' = \lambda + \Delta\lambda = 50{,}0 + 2{,}43 = 52{,}4\,\text{pm}λ′=λ+Δλ=50,0+2,43=52,4pm.

  4. 04Interpretieren

    Die relative Verschiebung beträgt rund 4,9%4{,}9\%4,9% — bei sichtbarem Licht (λ∼500 nm\lambda \sim 500\,\text{nm}λ∼500nm) wäre dieselbe absolute Verschiebung praktisch unmessbar, deshalb nutzt man Röntgenstrahlung.

Ergebnis: Compton-Verschiebung Δλ=2,43 pm\Delta\lambda = 2{,}43\,\text{pm}Δλ=2,43pm, gestreute Wellenlänge λ′≈52,4 pm\lambda' \approx 52{,}4\,\text{pm}λ′≈52,4pm.

Abiturfokus

  • Operator „berechnen": Compton-Verschiebung und gestreute Wellenlänge für einen gegebenen Streuwinkel.
  • Operator „begründen": warum der Compton-Effekt die Teilchennatur des Lichts belegt.
  • Operator „erläutern": Energie- und Impulsbilanz im Photon-Elektron-Stoß.
  • Operator „beurteilen": Bedeutung der drei Wechselwirkungsprozesse (Photo-, Compton-Effekt, Paarbildung) für den Strahlenschutz.

Typische Fehler

  • Photonenimpuls über p=mvp = mvp=mv statt über p=h/λp = h/\lambdap=h/λ berechnet.
  • Compton-Verschiebung von der einfallenden Wellenlänge abhängig gemacht — sie hängt nur vom Streuwinkel ab.
  • Energieverlust des Photons mit Intensitätsverlust verwechselt.
  • Compton-Effekt mit dem Photoeffekt (vollständige Absorption) gleichgesetzt.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Leiten Sie die Compton-Formel aus relativistischer Energie- und Impulserhaltung des Photon-Elektron-Stoßes her und interpretieren Sie den Grenzfall θ=180∘\theta = 180^\circθ=180∘ (Rückstreuung).

Aktive Wiederholung

Berechnen Sie die Compton-Verschiebung und die gestreute Wellenlänge eines Röntgenphotons (λ=50,0 pm\lambda = 50{,}0\,\text{pm}λ=50,0pm), das unter θ=90∘\theta = 90^\circθ=90∘ an einem ruhenden Elektron gestreut wird, und beurteilen Sie die relative Größe des Effekts.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Inhalt

Abschnitt -- / 06

    • 01Photoeffekt und Einstein-Gleichung○
    • 02Welle-Teilchen-Dualismus und De-Broglie◐
    • 03Bohrsches Atommodell und Quantenbedingung◐
    • 04Franck-Hertz-Versuch und diskrete Energieniveaus◐
    • 05Vom Bohr-Modell zum Orbitalmodell●
    • 06Compton-Effekt und Photonenimpuls●

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Quanten- und Atomphysik

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