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Notizen/Physik/Kernphysik, Radioaktivität und Spezielle Relativitätstheorie
Notizen · PhysikDE · Abitur

Kernphysik, Radioaktivität und Spezielle Relativitätstheorie

Aufbau der Atomkerne, Zerfallsarten und ihre Gesetzmäßigkeiten, Kernbindungsenergie sowie Spaltung und Fusion. Erweitert um die Spezielle Relativitätstheorie mit Zeitdilatation, Längenkontraktion und Masse-Energie-Äquivalenz — die in der Kernphysik experimentell sichtbar wird.

6 Abschnitte·~10 Min Lesezeit·4 Kompetenzen·Niveau Basis 2 · Standard 3 · Vertiefung 1·Stand 05/2026

T·0999 / 10
Prüfungsprofil
S-9 · Kernprozesse und relativistische Effekte mit Erhaltungssätzen beschreibenE-10 · Halbwertszeit-Messungen und Spektrenanalysen quantitativ auswertenK-6 · Risiken und Nutzen ionisierender Strahlung sachlich kommunizierenB-3 · Energiequellen Kernkraft/Fusion und ihre Folgen bewerten
Operatoren:beschreibenanalysierenberechnenerklärenbeurteilenerläuternbegründen

grundlegendes Niveau

gA: Zerfallsgesetz, Halbwertszeit, Alpha-/Beta-/Gamma-Zerfall, Aufbau der Atomkerne, qualitative Vorstellung von Spaltung/Fusion; Konstanz der Lichtgeschwindigkeit und einfache Anwendung der Zeitdilatation.

erhöhtes Niveau

eA: Aktivität, Zerfallsreihen, Q-Wert von Kernreaktionen, Massendefekt-Bindungsenergie-Diagramm; Herleitung Zeitdilatation/Längenkontraktion, Energie-Impuls-Beziehung, Bedeutung von E=mc2E=mc^{2}E=mc2 in Kernreaktionen.

Tiefe

Lesetiefe: Vertiefung

Schrift

Schriftgröße: Standard

Inhalt · 6 Abschnitte▾
  1. Kernphysik, Radioaktivität und Spezielle Relativitätstheorie
    • 01Atomkern, Nuklide und starke Wechselwirkung○
    • 02Radioaktive Zerfallsarten und Strahlung○
    • 03Zerfallsgesetz, Halbwertszeit und Aktivität◐
    • 04Massendefekt, Bindungsenergie, Spaltung und Fusion◐
    • 05SRT-Postulate, Zeitdilatation und Längenkontraktion◐
    • 06Masse-Energie-Äquivalenz und relativistische Dynamik●
§ 01

Atomkern, Nuklide und starke Wechselwirkung#

●○○BasisLPphysik-kernphysik-und-radioaktivitaet

Kernpunkte

Kern besteht aus Protonen (ZZZ) und Neutronen (NNN); Massenzahl A=Z+NA = Z + NA=Z+N.
Nuklid-Notation: ZAX^{A}_{Z}\text{X}ZA​X. Isotope haben gleiches ZZZ, verschiedenes NNN.
Kerne werden durch die starke Wechselwirkung zusammengehalten; ihre Reichweite beträgt nur etwa 1,5 fm1{,}5\,\text{fm}1,5fm.
Kernradius skaliert gemäß r=r0A1/3r = r_0 A^{1/3}r=r0​A1/3 mit r0≈1,2 fmr_0 \approx 1{,}2\,\text{fm}r0​≈1,2fm — Kerndichte ist nahezu konstant.
Coulomb-Abstossung der Protonen wirkt der starken Kraft entgegen; bei schweren Kernen werden zusätzliche Neutronen zur Stabilisierung benötigt (Z/N-Verhältnis).
Stabilitätstal im Z-N-Diagramm: leichte Kerne mit N≈ZN \approx ZN≈Z, schwere mit N>ZN > ZN>Z.
r=r0 A1/3r = r_0\,A^{1/3}r=r0​A1/3

Kernradius (r₀ ≈1,2 fm)

Abiturfokus

  • Operator „beschreiben": Aufbau eines Nuklids und Bedeutung der starken Wechselwirkung.
  • Operator „berechnen": Kernradius und Kerndichte aus Massenzahl.
  • Operator „erklären": warum sehr schwere Kerne instabil sind (Coulomb gegen starke WW).
  • Operator „beurteilen": Bedeutung magischer Zahlen (2,8,20,28,50,82,1262, 8, 20, 28, 50, 82, 1262,8,20,28,50,82,126) für Kernstabilität.

Typische Fehler

  • Massenzahl mit Ordnungszahl verwechselt.
  • Reichweite der starken WW als unbegrenzt angenommen.
  • Kernradius linear statt mit A1/3A^{1/3}A1/3 skaliert.
  • Isotop mit Isobar oder Isoton verwechselt.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Diskutieren Sie das Tropfenmodell von Weizsäcker und die semiempirische Massenformel; identifizieren Sie Volumen-, Oberflächen-, Coulomb-, Asymmetrie- und Paarungsenergie als physikalisch interpretierbare Terme.

Aktive Wiederholung

Berechnen Sie den Kernradius und die Kerndichte für 2656Fe^{56}_{26}\text{Fe}2656​Fe und vergleichen Sie sie mit der Dichte der Atomhülle. Erläutern Sie, warum die Kerndichte für alle Nuklide annähernd gleich ist.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

§ 02

Radioaktive Zerfallsarten und Strahlung#

●○○BasisLPphysik-kernphysik-und-radioaktivitaet

Zerfallsreihe — Schematische Darstellung

Zerfallsreihe — Schematische DarstellungSchematische Darstellung mit 8 Elementen, N, Z, α, β⁻, α, α, U-238, Pb-206 stabilNZαβ⁻ααU-238Pb-206 stabil
Abb. 1Alpha-Zerfall reduziert Massen- und Ordnungszahl, Beta-minus-Zerfall erhöht Ordnungszahl um eins.

Kernpunkte

Alpha-Zerfall: emittiert 24He^{4}_{2}\text{He}24​He-Kern; AAA sinkt um 4, ZZZ um 2. Geringe Reichweite (Papier), hohe Ionisationsdichte.
Beta-minus-Zerfall: Neutron wandelt sich in Proton + Elektron + Antineutrino; ZZZ steigt um 1, AAA konstant.
Beta-plus-Zerfall: Proton wird zu Neutron + Positron + Neutrino; ZZZ sinkt um 1.
Gamma-Zerfall: angeregter Kern gibt hochenergetisches Photon ab; AAA und ZZZ bleiben unverändert.
Reichweiten/Ionisation: α\alphaα wenige cm in Luft (stark ionisierend), β\betaβ einige m (mittel), γ\gammaγ stark durchdringend (Bleiabschirmung).
Erhaltungssätze bei Zerfällen: Massenzahl, Ladung, Energie, Impuls, Leptonen-/Baryonenzahl.
ZAX→Z−2A−4Y+24He^{A}_{Z}\text{X} \to {}^{A-4}_{Z-2}\text{Y} + {}^{4}_{2}\text{He}ZA​X→Z−2A−4​Y+24​He

Alpha-Zerfall

ZAX→Z+1AY+e−+νˉe^{A}_{Z}\text{X} \to {}^{A}_{Z+1}\text{Y} + e^{-} + \bar\nu_eZA​X→Z+1A​Y+e−+νˉe​

Beta-minus-Zerfall

Abiturfokus

  • Operator „aufstellen": Zerfallsgleichungen mit korrekten Massen- und Ordnungszahlen.
  • Operator „erklären": warum beim Beta-Zerfall ein kontinuierliches Energiespektrum auftritt (Neutrino).
  • Operator „beurteilen": Strahlenschutz — geeignete Abschirmung für α\alphaα-, β\betaβ-, γ\gammaγ-Strahlung.
  • Operator „begründen": warum kein elektrisches Feld die Reichweite einer γ\gammaγ-Strahlung beeinflusst.

Typische Fehler

  • Beta-Spektrum als Linienspektrum statt kontinuierlich gezeichnet.
  • Antineutrino beim Beta-Zerfall vergessen — Energieerhaltung scheinbar verletzt.
  • Reichweite und biologische Wirksamkeit verwechselt (α\alphaα aussen harmlos, intern gefährlich).
  • Gamma-Strahlung als „Teilchen mit Ruhemasse" beschrieben.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Erläutern Sie das Pauli-Postulat des Neutrinos historisch — warum war es 1930 notwendig, ein „undetektierbares" Teilchen zu fordern?

Aktive Wiederholung

Vervollständigen Sie die Zerfallsreihe von 92238U^{238}_{92}\text{U}92238​U über drei Stufen (α,β−,α\alpha, \beta^{-}, \alphaα,β−,α) und benennen Sie die entstehenden Nuklide. Beurteilen Sie die Strahlenschutzmassnahmen für jede der drei Strahlungsarten.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

§ 03

Zerfallsgesetz, Halbwertszeit und Aktivität#

●●○StandardLPphysik-kernphysik-und-radioaktivitaet

Zerfallsreihe — Schematische Darstellung

Zerfallsreihe — Schematische DarstellungSchematische Darstellung mit 8 Elementen, N, Z, α, β⁻, α, α, U-238, Pb-206 stabilNZαβ⁻ααU-238Pb-206 stabil
Abb. 2Alpha-Zerfall reduziert Massen- und Ordnungszahl, Beta-minus-Zerfall erhöht Ordnungszahl um eins.

Kernpunkte

Differenzialgleichung des Zerfalls: dN/dt=−λNdN/dt = -\lambda NdN/dt=−λN — die Zerfallsrate ist proportional zur Anzahl der noch nicht zerfallenen Kerne.
Lösung: N(t)=N0 e−λtN(t) = N_0\,e^{-\lambda t}N(t)=N0​e−λt mit Zerfallskonstante λ\lambdaλ in s−1\text{s}^{-1}s−1.
Halbwertszeit T1/2=ln⁡2/λT_{1/2} = \ln 2/\lambdaT1/2​=ln2/λ — Zeit, in der die Hälfte der Kerne zerfallen ist.
Aktivität A(t)=λN(t)A(t) = \lambda N(t)A(t)=λN(t) in Becquerel (1 Bq=1 Zerfall/s1\,\text{Bq} = 1\,\text{Zerfall/s}1Bq=1Zerfall/s).
Mittlere Lebensdauer τ=1/λ=T1/2/ln⁡2\tau = 1/\lambda = T_{1/2}/\ln 2τ=1/λ=T1/2​/ln2.
Beispiele: 14C^{14}\text{C}14C (T1/2=5 730 aT_{1/2} = 5\,730\,\text{a}T1/2​=5730a, Altersbestimmung), 131I^{131}\text{I}131I (T1/2=8,02 dT_{1/2} = 8{,}02\,\text{d}T1/2​=8,02d, Medizin), 238U^{238}\text{U}238U (T1/2=4,47⋅109 aT_{1/2} = 4{,}47\cdot 10^{9}\,\text{a}T1/2​=4,47⋅109a, Geologie).
N(t)=N0 e−λ t,T1/2=ln⁡2λN(t) = N_{0}\,e^{-\lambda\,t},\quad T_{1/2} = \dfrac{\ln 2}{\lambda}N(t)=N0​e−λt,T1/2​=λln2​

Radioaktives Zerfallsgesetz und Halbwertszeit

A(t)=λ N(t)=A0 e−λ tA(t) = \lambda\,N(t) = A_{0}\,e^{-\lambda\,t}A(t)=λN(t)=A0​e−λt

Aktivität (Einheit: 1 Bq = 1 s⁻¹)

Exponentieller Zerfall N(t) = N₀ e⁻λt

Abb. 3Halbwertszeit T₁/₂ = \ln 2 / λ. Nach drei Halbwertszeiten verbleiben 12,5\% der Ausgangskerne.
Musterlösung

Restmenge nach drei Halbwertszeiten

Eine Probe enthält N0=8,0⋅1010N_0 = 8{,}0\cdot 10^{10}N0​=8,0⋅1010 Atome eines Isotops mit Halbwertszeit T1/2=5,0 aT_{1/2} = 5{,}0\,\text{a}T1/2​=5,0a. Berechne die Anzahl der Atome nach t=15 at = 15\,\text{a}t=15a und die Aktivität zu diesem Zeitpunkt.

  1. 01Schritt 1 — Zerfallskonstante

    λ=ln⁡2/T1/2=0,693/5,0 a=0,1386 a−1≈4,40⋅10−9 s−1\lambda = \ln 2 / T_{1/2} = 0{,}693/5{,}0\,\text{a} = 0{,}1386\,\text{a}^{-1} \approx 4{,}40\cdot 10^{-9}\,\text{s}^{-1}λ=ln2/T1/2​=0,693/5,0a=0,1386a−1≈4,40⋅10−9s−1.

    λ=ln⁡2T1/2\lambda = \dfrac{\ln 2}{T_{1/2}}λ=T1/2​ln2​
  2. 02Schritt 2 — Restmenge

    Nach drei Halbwertszeiten: N(15 a)=N0⋅(1/2)3=N0/8=1,0⋅1010N(15\,\text{a}) = N_0 \cdot (1/2)^{3} = N_0/8 = 1{,}0\cdot 10^{10}N(15a)=N0​⋅(1/2)3=N0​/8=1,0⋅1010 Atome.

    N=N0 (1/2)t/T1/2N = N_0\,(1/2)^{t/T_{1/2}}N=N0​(1/2)t/T1/2​
  3. 03Schritt 3 — Aktivität

    A(15 a)=λN=4,40⋅10−9⋅1,0⋅1010≈44 BqA(15\,\text{a}) = \lambda N = 4{,}40\cdot 10^{-9} \cdot 1{,}0\cdot 10^{10} \approx 44\,\text{Bq}A(15a)=λN=4,40⋅10−9⋅1,0⋅1010≈44Bq.

  4. 04Schritt 4 — Interpretation

    Nach drei Halbwertszeiten (12,5%12{,}5\%12,5% übrig) ist auch die Aktivität auf ein Achtel des Anfangswertes gefallen — Aktivität folgt demselben exponentiellen Gesetz wie die Atomzahl.

Ergebnis: N≈1,0⋅1010N \approx 1{,}0\cdot 10^{10}N≈1,0⋅1010 Atome, A≈44 BqA \approx 44\,\text{Bq}A≈44Bq.

Abiturfokus

  • Operator „berechnen": Restmenge oder Aktivität nach einer beliebigen Zeit.
  • Operator „auswerten": λ\lambdaλ aus halblogarithmisch aufgetragenen Messreihen bestimmen (Geradensteigung).
  • Operator „beurteilen": C-14-Altersbestimmung — Grenzen und Voraussetzungen.
  • Operator „berechnen": Probealter aus Aktivitätsverhältnis.

Typische Fehler

  • Halbwertszeiten falsch multipliziert (Restmenge nicht als Potenz (1/2)n(1/2)^{n}(1/2)n behandelt).
  • Aktivität mit Zerfallskonstante verwechselt.
  • Zeit und Halbwertszeit in unterschiedlichen Einheiten eingesetzt.
  • Logarithmus zur falschen Basis genutzt — ln⁡2≈0,693\ln 2 \approx 0{,}693ln2≈0,693 nicht log⁡2\log 2log2.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Diskutieren Sie radioaktive Zerfallsreihen mit Mutter- und Tochternuklid mathematisch (Bateman-Gleichungen) im Grenzfall des säkularen Gleichgewichts (λM≪λT\lambda_M \ll \lambda_TλM​≪λT​).

Aktive Wiederholung

Eine archäologische Holzprobe weist nur noch 25,0%25{,}0\%25,0% der atmosphärischen 14C^{14}\text{C}14C-Aktivität auf. Berechnen Sie das Alter der Probe (T1/2=5 730 aT_{1/2} = 5\,730\,\text{a}T1/2​=5730a) und beurteilen Sie die Methode kritisch.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

§ 04

Massendefekt, Bindungsenergie, Spaltung und Fusion#

●●○StandardLPphysik-kernphysik-und-radioaktivitaet

Bindungsenergie pro Nukleon

Bindungsenergie pro NukleonSchaubild von E_B/A, Hochpunkt bei (57.047, 8.903), y-Achsenabschnitt bei y = 0.097, im Bereich x von 0 bis 240501001502002468Fe (A≈56)H, DU, PuEB/AEB/AA
Abb. 4Maximum bei Eisen (A ≈ 56); leichte Kerne fusionieren, schwere Kerne spalten Energie frei.

Kernpunkte

Massendefekt Δm\Delta mΔm = Differenz aus Summe der Nukleonenmassen und tatsächlicher Kernmasse.
Bindungsenergie EB=Δm c2E_B = \Delta m\,c^{2}EB​=Δmc2 ist die Energie, die freigesetzt wird, wenn ein Kern aus seinen Nukleonen aufgebaut wird.
Bindungsenergie pro Nukleon EB/AE_B/AEB​/A hat Maximum bei Eisen (A≈56A \approx 56A≈56, ca. 8,8 MeV/Nukleon8{,}8\,\text{MeV/Nukleon}8,8MeV/Nukleon).
Kernspaltung: Schwere Kerne (U,PuU, PuU,Pu) zerfallen in mittelschwere Bruchstücke; freiwerdende Energie typisch 200 MeV200\,\text{MeV}200MeV pro Spaltung.
Kettenreaktion: pro Spaltung 2–3 Neutronen, die weitere Spaltungen auslösen können (k=1k = 1k=1: kritisch, k>1k > 1k>1: überkritisch).
Kernfusion: leichte Kerne (D, T) verschmelzen — Sonne (pppppp-Zyklus), Wasserstoffbombe, ITER. Energie pro Fusion ∼17,6 MeV\sim 17{,}6\,\text{MeV}∼17,6MeV bei D+T.
Δm=Z mp+N mn−mKern,EB=Δm c2\Delta m = Z\,m_p + N\,m_n - m_{\text{Kern}},\quad E_B = \Delta m\,c^{2}Δm=Zmp​+Nmn​−mKern​,EB​=Δmc2

Massendefekt und Kernbindungsenergie

92235U+n→56141Ba+3692Kr+3n+Q^{235}_{92}\text{U} + n \to {}^{141}_{56}\text{Ba} + {}^{92}_{36}\text{Kr} + 3 n + Q92235​U+n→56141​Ba+3692​Kr+3n+Q

Beispiel-Spaltung (Q ≈200 MeV)

Musterlösung

Bindungsenergie pro Nukleon von 2656Fe^{56}_{26}\text{Fe}2656​Fe

Berechne den Massendefekt, die gesamte Bindungsenergie und die Bindungsenergie pro Nukleon von 2656Fe^{56}_{26}\text{Fe}2656​Fe (Kernmasse mKern=55,9207 um_{\text{Kern}} = 55{,}9207\,\text{u}mKern​=55,9207u, mp=1,00728 um_p = 1{,}00728\,\text{u}mp​=1,00728u, mn=1,00867 um_n = 1{,}00867\,\text{u}mn​=1,00867u, 1 u=^931,5 MeV/c21\,\text{u} \hat{=} 931{,}5\,\text{MeV}/c^{2}1u=^931,5MeV/c2) und vergleiche mit 24He^{4}_{2}\text{He}24​He (EB/A≈7,07 MeVE_B/A \approx 7{,}07\,\text{MeV}EB​/A≈7,07MeV).

  1. 01Schritt 1 — Nukleonenzahlen

    2656Fe^{56}_{26}\text{Fe}2656​Fe besitzt Z=26Z = 26Z=26 Protonen und N=A−Z=56−26=30N = A - Z = 56 - 26 = 30N=A−Z=56−26=30 Neutronen.

  2. 02Schritt 2 — Summe der freien Nukleonenmassen

    Z mp+N mn=26⋅1,00728+30⋅1,00867=26,18928+30,26010=56,44938 uZ\,m_p + N\,m_n = 26\cdot 1{,}00728 + 30\cdot 1{,}00867 = 26{,}18928 + 30{,}26010 = 56{,}44938\,\text{u}Zmp​+Nmn​=26⋅1,00728+30⋅1,00867=26,18928+30,26010=56,44938u.

  3. 03Schritt 3 — Massendefekt

    Δm=(Z mp+N mn)−mKern=56,44938−55,9207=0,52868 u\Delta m = (Z\,m_p + N\,m_n) - m_{\text{Kern}} = 56{,}44938 - 55{,}9207 = 0{,}52868\,\text{u}Δm=(Zmp​+Nmn​)−mKern​=56,44938−55,9207=0,52868u.

    Δm=Z mp+N mn−mKern\Delta m = Z\,m_p + N\,m_n - m_{\text{Kern}}Δm=Zmp​+Nmn​−mKern​
  4. 04Schritt 4 — Bindungsenergie

    EB=Δm c2=0,52868⋅931,5 MeV≈492,5 MeVE_B = \Delta m\,c^{2} = 0{,}52868\cdot 931{,}5\,\text{MeV} \approx 492{,}5\,\text{MeV}EB​=Δmc2=0,52868⋅931,5MeV≈492,5MeV.

    EB=Δm c2E_B = \Delta m\,c^{2}EB​=Δmc2
  5. 05Schritt 5 — Bindungsenergie pro Nukleon

    EB/A=492,5 MeV/56≈8,79 MeV/NukleonE_B/A = 492{,}5\,\text{MeV}/56 \approx 8{,}79\,\text{MeV/Nukleon}EB​/A=492,5MeV/56≈8,79MeV/Nukleon.

  6. 06Schritt 6 — Interpretieren

    Mit ≈8,8 MeV/Nukleon\approx 8{,}8\,\text{MeV/Nukleon}≈8,8MeV/Nukleon liegt Eisen nahe am Maximum der EB/AE_B/AEB​/A-Kurve und ist deutlich stärker gebunden als 24He^{4}_{2}\text{He}24​He (7,07 MeV/Nukleon7{,}07\,\text{MeV/Nukleon}7,07MeV/Nukleon). Daher gewinnt man Energie sowohl durch Fusion leichterer als auch durch Spaltung schwererer Kerne hin zu Massenzahlen um A≈56A \approx 56A≈56.

Ergebnis: Δm≈0,529 u\Delta m \approx 0{,}529\,\text{u}Δm≈0,529u, EB≈492,5 MeVE_B \approx 492{,}5\,\text{MeV}EB​≈492,5MeV, EB/A≈8,8 MeV/NukleonE_B/A \approx 8{,}8\,\text{MeV/Nukleon}EB​/A≈8,8MeV/Nukleon — nahe dem Maximum der Bindungsenergiekurve.

Abiturfokus

  • Operator „berechnen": Massendefekt und Bindungsenergie pro Nukleon aus Tabellenwerten.
  • Operator „interpretieren": EB/AE_B/AEB​/A-Kurve und ihre Konsequenz für Spaltung/Fusion.
  • Operator „erläutern": warum Eisen das energetisch stabilste Element ist.
  • Operator „bewerten": Kernkraft vs. Fusion hinsichtlich Risiken (Endlagerung, Reaktorsicherheit) und Potential.

Typische Fehler

  • EBE_BEB​ als Energie der Spaltung (statt des Aufbaus) interpretiert — Vorzeichen.
  • EB/AE_B/AEB​/A und Gesamtbindungsenergie verwechselt — Eisen hat maximales EB/AE_B/AEB​/A, Uran höchste Gesamt-EBE_BEB​.
  • Fusion und Spaltung als „dasselbe in zwei Richtungen" beschrieben, ohne die EB/AE_B/AEB​/A-Kurve zu nennen.
  • Kritikalität kkk falsch interpretiert (z. B. k>1k > 1k>1 als „stabil").

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Erläutern Sie quantitativ die Voraussetzungen für Lawson-Kriterium (nτT≥5⋅1021 keV s/m3n\tau T \geq 5\cdot 10^{21}\,\text{keV}\,\text{s/m}^{3}nτT≥5⋅1021keVs/m3) und warum die kontrollierte Fusion bislang nicht netto Energie liefert.

Aktive Wiederholung

Berechnen Sie die Bindungsenergie pro Nukleon für 2656Fe^{56}_{26}\text{Fe}2656​Fe (Kernmasse 55,9207 u55{,}9207\,\text{u}55,9207u, mp=1,00728 um_p = 1{,}00728\,\text{u}mp​=1,00728u, mn=1,00867 um_n = 1{,}00867\,\text{u}mn​=1,00867u) und beurteilen Sie das Ergebnis im Vergleich zu 24He^{4}_{2}\text{He}24​He (EB/A≈7,07 MeVE_B/A \approx 7{,}07\,\text{MeV}EB​/A≈7,07MeV).

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

§ 05

SRT-Postulate, Zeitdilatation und Längenkontraktion#

●●○StandardLPphysik-spezielle-relativitaetstheorie

Minkowski-Diagramm — Zeitdilatation

Minkowski-Diagramm — ZeitdilatationGeometrische Zeichnung, ct', x'xctv = cct'x'
Abb. 5Im bewegten Bezugssystem verlaufen Raum- und Zeitachsen schräg; gleiche Zeit-Striche werden gestreckt.

Kernpunkte

Einsteins SRT-Postulate (1905): (1) Relativitätsprinzip — physikalische Gesetze identisch in allen Inertialsystemen; (2) Konstanz der Lichtgeschwindigkeit ccc in allen Inertialsystemen.
Lorentz-Faktor γ=(1−v2/c2)−1/2\gamma = (1 - v^{2}/c^{2})^{-1/2}γ=(1−v2/c2)−1/2 bestimmt alle relativistischen Effekte; γ→∞\gamma \to \inftyγ→∞ für v→cv \to cv→c.
Zeitdilatation: bewegte Uhren gehen langsamer; Δt=γΔt0\Delta t = \gamma \Delta t_0Δt=γΔt0​ (Δt0\Delta t_0Δt0​ = Eigenzeit im Ruhesystem).
Längenkontraktion: bewegte Längen erscheinen verkürzt; L=L0/γL = L_0/\gammaL=L0​/γ (in Bewegungsrichtung).
Lorentz-Transformation ersetzt Galilei-Transformation: x′=γ(x−vt)x' = \gamma(x - v t)x′=γ(x−vt), t′=γ(t−vx/c2)t' = \gamma(t - v x/c^{2})t′=γ(t−vx/c2).
Klassisches Beispiel: Atmosphärische Myonen erreichen den Boden, obwohl ihre Halbwertszeit klassisch nicht ausreicht — quantitative Bestätigung der Zeitdilatation.
γ=11−v2/c2\gamma = \dfrac{1}{\sqrt{1 - v^{2}/c^{2}}}γ=1−v2/c2​1​

Lorentz-Faktor

Δt=γ Δt0,L=L0γ\Delta t = \gamma\,\Delta t_{0},\quad L = \dfrac{L_{0}}{\gamma}Δt=γΔt0​,L=γL0​​

Zeitdilatation und Längenkontraktion

Musterlösung

Myonenzerfall in der Atmosphäre

Myonen (T1/2=1,52 μsT_{1/2} = 1{,}52\,\mu\text{s}T1/2​=1,52μs) entstehen in h≈15 kmh \approx 15\,\text{km}h≈15km Höhe und bewegen sich mit v=0,994 cv = 0{,}994\,cv=0,994c. Bestimme, welcher Anteil der Myonen die Erdoberfläche erreicht, einmal klassisch und einmal mit relativistischer Zeitdilatation.

  1. 01Schritt 1 — Flugzeit im Erdsystem

    t=h/v=15 000/(0,994⋅3,00⋅108)≈5,03⋅10−5 s=50,3 μst = h/v = 15\,000/(0{,}994 \cdot 3{,}00\cdot 10^{8}) \approx 5{,}03\cdot 10^{-5}\,\text{s} = 50{,}3\,\mu\text{s}t=h/v=15000/(0,994⋅3,00⋅108)≈5,03⋅10−5s=50,3μs.

  2. 02Schritt 2 — Klassische Erwartung

    Halbwertszeiten während des Fluges: n=t/T1/2≈33n = t/T_{1/2} \approx 33n=t/T1/2​≈33. Restanteil (1/2)33≈10−10(1/2)^{33} \approx 10^{-10}(1/2)33≈10−10 — praktisch keine Myonen sollten ankommen.

  3. 03Schritt 3 — Lorentz-Faktor

    γ=1/1−0,9942≈9,14\gamma = 1/\sqrt{1 - 0{,}994^{2}} \approx 9{,}14γ=1/1−0,9942​≈9,14.

    γ=(1−v2/c2)−1/2\gamma = (1 - v^{2}/c^{2})^{-1/2}γ=(1−v2/c2)−1/2
  4. 04Schritt 4 — Relativistisch verlängerte Halbwertszeit

    Im Erdsystem zerfällt das Myon mit T1/2∗=γT1/2≈13,9 μsT_{1/2}^{*} = \gamma T_{1/2} \approx 13{,}9\,\mu\text{s}T1/2∗​=γT1/2​≈13,9μs. Anzahl Halbwertszeiten während Flug: n=50,3/13,9≈3,6n = 50{,}3/13{,}9 \approx 3{,}6n=50,3/13,9≈3,6. Restanteil (1/2)3,6≈8,3%(1/2)^{3{,}6} \approx 8{,}3\%(1/2)3,6≈8,3%.

  5. 05Schritt 5 — Interpretation

    Klassisch wären Myonen unsichtbar; tatsächlich messbarer Anteil (etwa 8 Prozent) bestätigt die Zeitdilatation der Speziellen Relativitätstheorie quantitativ.

Ergebnis: Klassisch ∼10−10\sim 10^{-10}∼10−10, relativistisch ∼8%\sim 8\%∼8% — Bestätigung der SRT durch Myonenzerfall.

Abiturfokus

  • Operator „berechnen": Zeitdilatation und Längenkontraktion bei gegebenem vvv.
  • Operator „erläutern": Symmetrie der SRT — beide Beobachter sehen die jeweils andere Uhr langsamer gehen.
  • Operator „begründen": Myonenzerfall als experimenteller Beleg.
  • Operator „beurteilen": Reichweite der SRT — Grenze zur Allgemeinen Relativitätstheorie (beschleunigte Systeme, Gravitation).

Typische Fehler

  • Zeitdilatation als „Uhren-Defekt" interpretiert — es handelt sich um echte physikalische Zeit.
  • Asymmetrische Anwendung der Formeln (Verwechslung von Eigenzeit und Beobachterzeit).
  • Längenkontraktion senkrecht zur Bewegung berechnet — wirkt nur parallel zur Bewegungsrichtung.
  • Galilei-Transformation noch bei v>0,1cv > 0{,}1 cv>0,1c verwendet.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Diskutieren Sie das Zwillingsparadoxon und lösen Sie es konsistent auf, indem Sie betonen, dass nur der reisende Zwilling beschleunigt — die Symmetrie der SRT also nicht greift.

Aktive Wiederholung

Ein Raumschiff fliegt mit v=0,80cv = 0{,}80 cv=0,80c relativ zur Erde. Im Raumschiff vergehen 5,0 a5{,}0\,\text{a}5,0a. Berechnen Sie die im Erdsystem vergangene Zeit und die in Bewegungsrichtung kontrahierte Länge eines im Erdsystem 100 m100\,\text{m}100m langen Raumschiffs.

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

§ 06

Masse-Energie-Äquivalenz und relativistische Dynamik#

●●●VertiefungLPphysik-spezielle-relativitaetstheorieLPphysik-kernphysik-und-radioaktivitaet

Kernpunkte

Berühmte Beziehung: E=mc2E = m c^{2}E=mc2 verknüpft Ruhmasse und Energie — gilt auch für Bindungsenergie in Atomkernen.
Relativistische Gesamtenergie: E2=(pc)2+(m0c2)2E^{2} = (p c)^{2} + (m_0 c^{2})^{2}E2=(pc)2+(m0​c2)2 — für Photonen (m0=0m_0 = 0m0​=0) folgt E=pcE = p cE=pc.
Relativistischer Impuls: p=γm0vp = \gamma m_0 vp=γm0​v — divergiert für v→cv \to cv→c, daher können massive Teilchen niemals ccc erreichen.
Kinetische Energie relativistisch: Ekin=(γ−1)m0c2E_{kin} = (\gamma - 1) m_0 c^{2}Ekin​=(γ−1)m0​c2; klassischer Grenzfall 12mv2\tfrac{1}{2}m v^{2}21​mv2 nur für v≪cv \ll cv≪c.
Bindungsenergie in Kernen (∼8 MeV/Nukleon\sim 8\,\text{MeV/Nukleon}∼8MeV/Nukleon) entspricht einem Massendefekt von etwa 1%1\%1% — direkt experimentell überprüfbar (Massenspektrometer).
Teilchen-Antiteilchen-Paarbildung und -vernichtung: γ+γ↔e++e−\gamma + \gamma \leftrightarrow e^{+} + e^{-}γ+γ↔e++e− — Mindestphotonenergie >2mec2=1,022 MeV> 2 m_e c^{2} = 1{,}022\,\text{MeV}>2me​c2=1,022MeV.
E=m c2,Erel2=(p c)2+(m0 c2)2E = m\,c^{2},\quad E_{\text{rel}}^{2} = (p\,c)^{2} + (m_{0}\,c^{2})^{2}E=mc2,Erel2​=(pc)2+(m0​c2)2

Masse-Energie-Äquivalenz und Energie-Impuls-Relation

Abiturfokus

  • Operator „berechnen": Energie aus Massendefekt einer Kernreaktion.
  • Operator „erläutern": Bedeutung von E=mc2E = m c^{2}E=mc2 am Beispiel Kernspaltung/-fusion.
  • Operator „beurteilen": warum kein Teilchen mit Ruhemasse die Lichtgeschwindigkeit erreichen kann.
  • Operator „berechnen": Schwellenenergie für Paarbildung.

Typische Fehler

  • Klassische Formel Ekin=12mv2E_{kin} = \tfrac{1}{2} m v^{2}Ekin​=21​mv2 bei relativistischen Geschwindigkeiten verwendet.
  • mmm in E=mc2E = m c^{2}E=mc2 als relativistische (geschwindigkeitsabhängige) Masse statt Ruhmasse interpretiert.
  • Paarbildung ohne Anwesenheit eines dritten Stosspartners postuliert — verletzt Impulserhaltung.
  • Massendefekt mit Massendifferenz vor und nach einer Reaktion verwechselt.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Leiten Sie die relativistische Energie-Impuls-Beziehung E2=(pc)2+(m0c2)2E^{2} = (p c)^{2} + (m_0 c^{2})^{2}E2=(pc)2+(m0​c2)2 aus E=γm0c2E = \gamma m_0 c^{2}E=γm0​c2 und p=γm0vp = \gamma m_0 vp=γm0​v formal her und interpretieren Sie die beiden Grenzfälle m0=0m_0 = 0m0​=0 und v≪cv \ll cv≪c.

Aktive Wiederholung

Berechnen Sie die freiwerdende Energie bei der Spaltung eines 92235U^{235}_{92}\text{U}92235​U-Kerns aus dem Massendefekt Δm=0,214 u\Delta m = 0{,}214\,\text{u}Δm=0,214u (1 u=931,5 MeV/c21\,\text{u} = 931{,}5\,\text{MeV}/c^{2}1u=931,5MeV/c2) und vergleichen Sie sie mit dem Energiegehalt von 1 kg1\,\text{kg}1kg Steinkohle (∼30 MJ\sim 30\,\text{MJ}∼30MJ).

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Inhalt

Abschnitt -- / 06

    • 01Atomkern, Nuklide und starke Wechselwirkung○
    • 02Radioaktive Zerfallsarten und Strahlung○
    • 03Zerfallsgesetz, Halbwertszeit und Aktivität◐
    • 04Massendefekt, Bindungsenergie, Spaltung und Fusion◐
    • 05SRT-Postulate, Zeitdilatation und Längenkontraktion◐
    • 06Masse-Energie-Äquivalenz und relativistische Dynamik●

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