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Notizen/Physik/Gravitation, Keplersche Gesetze und Astrophysik (optional)
Notizen · PhysikDE · Abitur

Gravitation, Keplersche Gesetze und Astrophysik (optional)

Newtonsches Gravitationsgesetz, Erhaltungssätze auf Planetenbahnen, Bahnen von Satelliten und Sternen. Verknüpft Mechanik mit dem Wahlbereich Astrophysik.

6 Abschnitte·~8 Min Lesezeit·3 Kompetenzen·Niveau Basis 1 · Standard 3 · Vertiefung 2·Stand 05/2026

T·0333 / 10
Prüfungsprofil
S-3 · Gravitationsgesetz und Keplersche Gesetze als zentrale Konzepte anwendenE-4 · Aus astronomischen Beobachtungen quantitative Aussagen über Massen ableitenK-2 · Astronomische Phänomene mit Begriffen der Mechanik kommunizieren
Operatoren:herleitenberechnenbeurteilenerläuternvergleichen

grundlegendes Niveau

gA: Gravitationsgesetz auf Erdoberfläche und einfache Satellitenbahnen anwenden; Keplersche Gesetze qualitativ.

erhöhtes Niveau

eA: Vollständige Energiebilanz im Gravitationsfeld, Fluchtgeschwindigkeit, Anwendung auf Doppelsterne und HRD.

Tiefe

Lesetiefe: Vertiefung

Schrift

Schriftgröße: Standard

Inhalt · 6 Abschnitte▾
  1. Gravitation, Keplersche Gesetze und Astrophysik (optional)
    • 01Newtonsches Gravitationsgesetz○
    • 02Die drei Keplerschen Gesetze◐
    • 03Kreisbahnen, geostationäre Satelliten◐
    • 04Energie im Gravitationsfeld und Fluchtgeschwindigkeit●
    • 05Gravitationsfeld, Schwerelosigkeit und Gezeiten◐
    • 06Astrophysik (Wahlbereich) — Hertzsprung-Russell-Diagramm●
§ 01

Newtonsches Gravitationsgesetz#

●○○BasisLPmechanikLPphysik-astrophysik

Kernpunkte

Zwei Punktmassen ziehen sich mit FG=Gm1m2/r2F_G = G m_1 m_2 / r^2FG​=Gm1​m2​/r2 an; G=6,674⋅10−11 N m2/kg2G = 6{,}674\cdot 10^{-11}\,\text{N}\,\text{m}^2/\text{kg}^2G=6,674⋅10−11Nm2/kg2.
Kraft entlang der Verbindungslinie; gilt auch für Massenkugeln (Newtonscher Schalensatz).
Erdoberfläche: g=GME/RE2≈9,81 m/s2g = G M_E/R_E^2 \approx 9{,}81\,\text{m/s}^2g=GME​/RE2​≈9,81m/s2.
Gravitationsfeldstärke g⃗=−∇Φ\vec g = -\nabla \Phig​=−∇Φ mit Potential Φ(r)=−GM/r\Phi(r) = -G M/rΦ(r)=−GM/r (Bezugspunkt im Unendlichen).
Gravitation ist immer attraktiv und gilt universell — Sterne, Planeten, Alltagsobjekte.
FG=G m1m2r2F_G = G\,\dfrac{m_1 m_2}{r^2}FG​=Gr2m1​m2​​

Newtonsches Gravitationsgesetz

G≈6,674⋅10−11 N m2/kg2G \approx 6{,}674\cdot 10^{-11}\,\text{N}\,\text{m}^2/\text{kg}^2G≈6,674⋅10−11Nm2/kg2; Kraftanziehung zweier Punktmassen.

Abiturfokus

  • Operator „herleiten": ggg an der Erdoberfläche aus GGG, MEM_EME​, RER_ERE​.
  • Operator „berechnen": Anziehungskraft zwischen zwei Körpern und Plausibilitätsabgleich.
  • Operator „beurteilen": Warum spürt man die Anziehung zweier Personen nicht — Größenordnung.
  • Operator „erläutern": Unterschied zwischen Gewichtskraft und Schwerefeldstärke.

Typische Fehler

  • 1/r21/r^21/r2 als 1/r1/r1/r verwendet.
  • Erdoberflächen-ggg und Gravitationskonstante GGG vermischt.
  • Massenmittelpunktsabstand mit Oberflächenabstand verwechselt.
  • Annahme, dass nur das Erdfeld auf der Erde wirkt — andere Massen werden zur Vernachlässigbarkeit „abgewogen".

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Diskutieren Sie Cavendish-Versuch mit Torsionswaage zur experimentellen Bestimmung von GGG und nennen Sie typische relative Messunsicherheiten.

Aktive Wiederholung

Berechnen Sie die Gravitationskraft zwischen zwei je 1,0 t1{,}0\,\text{t}1,0t schweren Eisenkugeln in 1,0 m1{,}0\,\text{m}1,0m Abstand und beurteilen Sie, ob diese Kraft im Alltag spürbar ist.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

§ 02

Die drei Keplerschen Gesetze#

●●○StandardLPmechanikLPphysik-astrophysik

Keplerbahn — Ellipse, Brennpunkt und Flächensatz

Sonne Brennpunkt Perihel Aphel A A
Abb. 1Der Planet bewegt sich auf einer Ellipse mit der Sonne in einem Brennpunkt; nach dem 2. Gesetz überstreicht der Fahrstrahl in gleichen Zeiten gleiche Flächen — am Perihel ist die Bahngeschwindigkeit daher am größten.

Kernpunkte

1. Gesetz: Planeten bewegen sich auf Ellipsen mit der Sonne in einem Brennpunkt.
2. Gesetz (Flächensatz): Der Fahrstrahl überstreicht in gleichen Zeiten gleiche Flächen — Folge der Drehimpulserhaltung.
3. Gesetz: T2/a3=4π2/(GM⊙)=const.T^2 / a^3 = 4\pi^2/(G M_{\odot}) = \text{const.}T2/a3=4π2/(GM⊙​)=const. für alle Planeten um dieselbe Sonne.
Bei Kreisbahnen (a=ra = ra=r) reduziert sich Kepler 3 zu T2=4π2r3/(GM)T^2 = 4\pi^2 r^3/(G M)T2=4π2r3/(GM).
Die Gesetze folgen aus Newtons Gravitationsgesetz plus Energieerhaltung.
Anwendungen: Planetenbahnen, Monde, Doppelsterne (Bestimmung von Sternmassen).
T12T22=a13a23\dfrac{T_1^2}{T_2^2} = \dfrac{a_1^3}{a_2^3}T22​T12​​=a23​a13​​

3. Keplersches Gesetz

Musterlösung

Periodendauer eines Asteroiden

aAsteroid=2,5 AEa_{\text{Asteroid}} = 2{,}5\,\text{AE}aAsteroid​=2,5AE.

  1. 01Kepler 3 in astronomischen Einheiten

    T/a=(a/AE)3/2T/\text{a} = (a/\text{AE})^{3/2}T/a=(a/AE)3/2.

  2. 02Einsetzen

    T=(2,5)1,5≈3,95 aT = (2{,}5)^{1{,}5}\approx 3{,}95\,\text{a}T=(2,5)1,5≈3,95a.

  3. 03Vergleich Mars

    TMars=(1,52)1,5≈1,87 aT_{\text{Mars}} = (1{,}52)^{1{,}5}\approx 1{,}87\,\text{a}TMars​=(1,52)1,5≈1,87a — passt zum tabellierten Wert.

Ergebnis: Asteroid umrundet die Sonne in etwa 3,953{,}953,95 Jahren — passender Asteroidengürtel-Wert.

Abiturfokus

  • Operator „erläutern": 2. Kepler-Gesetz mit Drehimpulserhaltung verknüpfen.
  • Operator „berechnen": Bahndaten von Satelliten oder Planeten aus Kepler 3.
  • Operator „herleiten": Kepler 3 für Kreisbahnen aus Gleichsetzung FG=FzF_G = F_zFG​=Fz​.
  • Operator „beurteilen": Wann ist Kreisbahnnäherung zulässig (kleine Exzentrizität)?

Typische Fehler

  • Halbachse aaa mit Umlaufradius rrr verwechselt — bei Ellipse unterschiedlich.
  • TTT und aaa vertauscht in Kepler 3 — falsche Exponenten.
  • Drehimpulserhaltung nicht als Begründung des Flächensatzes erkannt.
  • Kepler-Gesetze auf nicht-elliptische Bahnen pauschal angewendet.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Leiten Sie das 3. Keplersche Gesetz allgemein für eine Ellipse aus dem Erhaltungssatz der Energie und des Drehimpulses her.

Aktive Wiederholung

Berechnen Sie die Periodendauer eines Asteroiden mit grosser Halbachse a=2,5 AEa = 2{,}5\,\text{AE}a=2,5AE und vergleichen Sie diese mit dem Marsjahr (aMars=1,52 AEa_{\text{Mars}} = 1{,}52\,\text{AE}aMars​=1,52AE, TMars=1,88 aT_{\text{Mars}} = 1{,}88\,\text{a}TMars​=1,88a).

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

§ 03

Kreisbahnen, geostationäre Satelliten#

●●○StandardLPmechanik

Kernpunkte

Auf Kreisbahn liefert Gravitation die Zentripetalkraft: GMm/r2=mv2/rG M m/r^2 = m v^2/rGMm/r2=mv2/r.
Bahngeschwindigkeit v=GM/rv = \sqrt{G M/r}v=GM/r​; Umlaufzeit T=2πr3/(GM)T = 2\pi\sqrt{r^3/(G M)}T=2πr3/(GM)​.
Geostationärer Satellit (GEO): T=Tsid≈23 h 56 minT = T_{\text{sid}} \approx 23\,\text{h}\,56\,\text{min}T=Tsid​≈23h56min; Bahnhöhe ≈35 800 km\approx 35\,800\,\text{km}≈35800km.
LEO (Low Earth Orbit) bei ≈300–500 km\approx 300\text{–}500\,\text{km}≈300–500km Höhe, Umlaufzeit ≈90 min\approx 90\,\text{min}≈90min (ISS).
Energie im Orbit E=−GMm/(2r)E = -G M m/(2 r)E=−GMm/(2r) — negativ heisst gebunden.
vOrbit=GMr,T=2πr3GMv_{\text{Orbit}} = \sqrt{\dfrac{G M}{r}},\quad T = 2\pi\sqrt{\dfrac{r^3}{G M}}vOrbit​=rGM​​,T=2πGMr3​​

Kreisbahn um Zentralkörper Masse M

Musterlösung

Bahnradius eines geostationären Satelliten

Bestimmen Sie den Bahnradius eines geostationären Satelliten und die Bahngeschwindigkeit. Erdmasse ME=5,972⋅1024 kgM_E = 5{,}972\cdot 10^{24}\,\text{kg}ME​=5,972⋅1024kg, Periodendauer T=86 164 sT = 86\,164\,\text{s}T=86164s (siderischer Tag).

  1. 01Schritt 1 — Bewegungsgleichung

    Gravitationskraft liefert Zentripetalkraft: GME/r2=ω2rG M_E/r^2 = \omega^2 rGME​/r2=ω2r mit ω=2π/T\omega = 2\pi/Tω=2π/T.

  2. 02Schritt 2 — Auflösen nach r

    r=GMET2/(4π2)3r = \sqrt[3]{G M_E T^2/(4\pi^2)}r=3GME​T2/(4π2)​.

    r=GMET24π23r = \sqrt[3]{\dfrac{G M_E T^2}{4\pi^2}}r=34π2GME​T2​​
  3. 03Schritt 3 — Zahlenwerte einsetzen

    r=6,674⋅10−11⋅5,972⋅1024⋅(86 164)2/39,483≈4,22⋅107 mr = \sqrt[3]{6{,}674\cdot 10^{-11}\cdot 5{,}972\cdot 10^{24}\cdot (86\,164)^2/39{,}48} \approx 4{,}22\cdot 10^7\,\text{m}r=36,674⋅10−11⋅5,972⋅1024⋅(86164)2/39,48​≈4,22⋅107m.

  4. 04Schritt 4 — Bahngeschwindigkeit

    v=2πr/T≈2π⋅4,22⋅107/86 164≈3,07⋅103 m/sv = 2\pi r/T \approx 2\pi\cdot 4{,}22\cdot 10^7/86\,164 \approx 3{,}07\cdot 10^3\,\text{m/s}v=2πr/T≈2π⋅4,22⋅107/86164≈3,07⋅103m/s.

  5. 05Schritt 5 — Interpretieren

    Bahnhöhe ≈35 800 km\approx 35\,800\,\text{km}≈35800km über Äquator — entspricht dem klassischen GEO-Orbit für Telekommunikationssatelliten.

Ergebnis: r≈4,22⋅107 mr \approx 4{,}22\cdot 10^7\,\text{m}r≈4,22⋅107m (Höhe ≈35 800 km\approx 35\,800\,\text{km}≈35800km), v≈3,07 km/sv \approx 3{,}07\,\text{km/s}v≈3,07km/s.

Abiturfokus

  • Operator „herleiten": Bahngleichungen aus Kraftansatz.
  • Operator „berechnen": Bahnhöhe und -geschwindigkeit von GEO/LEO mit korrekter Wahl von rrr.
  • Operator „erläutern": Warum darf rrr nicht beliebig klein werden (Atmosphäre, Reibung).
  • Operator „beurteilen": Treibstoffbedarf für Bahnwechsel (Hohmann-Transfer qualitativ).

Typische Fehler

  • Bahnradius rrr gleich Höhe gesetzt — rrr ist Abstand zum Erdmittelpunkt, also RE+hR_E + hRE​+h.
  • Siderischen und Sonnen-Tag verwechselt — siderisch ≈86 164 s\approx 86\,164\,\text{s}≈86164s.
  • Negative Bindungsenergie unkommentiert positiv interpretiert.
  • In Aufgaben mit Bahnwechsel Energieerhaltung übersehen.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Diskutieren Sie den Hohmann-Transfer zwischen zwei Kreisbahnen — wann ist diese Transferellipse energetisch optimal?

Aktive Wiederholung

Bestimmen Sie die Bahngeschwindigkeit der ISS in 400 km400\,\text{km}400km Höhe und vergleichen Sie diese mit der Bahngeschwindigkeit eines geostationären Satelliten. Beurteilen Sie die Konsequenz für die Sichtbarkeitsdauer am Himmel.

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

§ 04

Energie im Gravitationsfeld und Fluchtgeschwindigkeit#

●●●VertiefungLPmechanik

Gravitationspotentialtopf — E(r) im Zentralfeld

Gravitationspotentialtopf — E(r) im ZentralfeldSchaubild von E_pot(r) = -GMm/r, steigend, im Bereich x von 0.35 bis 6123456−3−2.5−2−1.5−1−0.50.5E = 0 (Flucht)E < 0 (gebunden)Epot(r) = −GMm/rEr
Abb. 2Potentielle Energie Epot(r)=−GMm/rE_{\text{pot}}(r) = -GMm/rEpot​(r)=−GMm/r steigt von −∞-\infty−∞ monoton gegen 000. Eine gebundene Bahn (Gesamtenergie E<0E < 0E<0) ist im Topf gefangen; für die Fluchtsituation gilt E≥0E \geq 0E≥0.

Kernpunkte

Potentielle Energie im Gravitationsfeld Epot(r)=−GMm/rE_{\text{pot}}(r) = -G M m / rEpot​(r)=−GMm/r mit Bezugspunkt im Unendlichen.
Gesamtenergie auf Kreisbahn: E=Ekin+Epot=−GMm/(2r)E = E_{\text{kin}} + E_{\text{pot}} = -G M m/(2 r)E=Ekin​+Epot​=−GMm/(2r).
Fluchtgeschwindigkeit (2. kosmische Geschwindigkeit): vesc=2GM/Rv_{\text{esc}} = \sqrt{2 G M/R}vesc​=2GM/R​.
Erdoberfläche: vesc≈11,2 km/sv_{\text{esc}} \approx 11{,}2\,\text{km/s}vesc​≈11,2km/s; aus Sonnenoberfläche ≈617 km/s\approx 617\,\text{km/s}≈617km/s.
Schwarzes Loch: vesc=cv_{\text{esc}} = cvesc​=c definiert den Schwarzschild-Radius rs=2GM/c2r_s = 2 G M/c^2rs​=2GM/c2.
Epot(r)=−GMmrE_{\text{pot}}(r) = -\dfrac{G M m}{r}Epot​(r)=−rGMm​

Gravitationspotentielle Energie

vesc=2GMRv_{\text{esc}} = \sqrt{\dfrac{2 G M}{R}}vesc​=R2GM​​

Fluchtgeschwindigkeit

Musterlösung

Fluchtgeschwindigkeit von der Erdoberfläche

Berechnen Sie die zweite kosmische Geschwindigkeit (Fluchtgeschwindigkeit) von der Erdoberfläche aus Energieerhaltung. Erdradius RE=6,371⋅106 mR_E = 6{,}371\cdot 10^6\,\text{m}RE​=6,371⋅106m.

  1. 01Schritt 1 — Energiebilanz

    Mindestenergie: 12mv2=GMEm/RE\tfrac{1}{2} m v^2 = G M_E m/R_E21​mv2=GME​m/RE​ (kinetische Energie deckt potentielle Energie an der Oberfläche, Geschwindigkeit im Unendlichen Null).

  2. 02Schritt 2 — Auflösen

    vesc=2GME/REv_{\text{esc}} = \sqrt{2 G M_E/R_E}vesc​=2GME​/RE​​.

    vesc=2GMRv_{\text{esc}} = \sqrt{\dfrac{2 G M}{R}}vesc​=R2GM​​
  3. 03Schritt 3 — Zahlenwerte

    vesc=2⋅6,674⋅10−11⋅5,972⋅1024/6,371⋅106≈1,12⋅104 m/sv_{\text{esc}} = \sqrt{2\cdot 6{,}674\cdot 10^{-11}\cdot 5{,}972\cdot 10^{24}/6{,}371\cdot 10^6} \approx 1{,}12\cdot 10^4\,\text{m/s}vesc​=2⋅6,674⋅10−11⋅5,972⋅1024/6,371⋅106​≈1,12⋅104m/s.

  4. 04Schritt 4 — Interpretieren

    vesc≈11,2 km/sv_{\text{esc}} \approx 11{,}2\,\text{km/s}vesc​≈11,2km/s ist genau Faktor 2\sqrt{2}2​ größer als die erste kosmische Geschwindigkeit (7,9 km/s7{,}9\,\text{km/s}7,9km/s).

Ergebnis: Fluchtgeschwindigkeit vesc≈11,2 km/sv_{\text{esc}} \approx 11{,}2\,\text{km/s}vesc​≈11,2km/s.

Abiturfokus

  • Operator „herleiten": vescv_{\text{esc}}vesc​ aus Energieerhaltung.
  • Operator „beurteilen": warum „Fluchtgeschwindigkeit" exakt ist nur für radialen Wurf, nicht für Bahnen.
  • Operator „vergleichen": Erste und zweite kosmische Geschwindigkeit zueinander.
  • Operator „erläutern": Schwarzschildradius als Grenze klassischer Mechanik.

Typische Fehler

  • Vorzeichen von EpotE_{\text{pot}}Epot​ vergessen — positive Energie wäre ungebunden.
  • Fluchtgeschwindigkeit als „Bahn-" statt „radialen Wurf" interpretiert.
  • Schwarzschildradius mit klassischem Radius verwechselt.
  • Erdmasse statt Sonnenmasse bei Fluchtgeschwindigkeit vom Sonnensystem benutzt.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Skizzieren Sie den Verlauf von Epot(r)E_{\text{pot}}(r)Epot​(r), Ekin(r)E_{\text{kin}}(r)Ekin​(r) und Eges(r)E_{\text{ges}}(r)Eges​(r) für gebundene Bahnen und für die Fluchtsituation in einem gemeinsamen Diagramm.

Aktive Wiederholung

Berechnen Sie den Schwarzschildradius der Sonne (M⊙=1,989⋅1030 kgM_\odot = 1{,}989\cdot 10^{30}\,\text{kg}M⊙​=1,989⋅1030kg) und vergleichen Sie diesen mit dem tatsächlichen Sonnenradius.

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

§ 05

Gravitationsfeld, Schwerelosigkeit und Gezeiten#

●●○StandardLPmechanikLPphysik-astrophysik

Gravitationspotentialtopf — E(r) im Zentralfeld

Gravitationspotentialtopf — E(r) im ZentralfeldSchaubild von E_pot(r) = -GMm/r, steigend, im Bereich x von 0.35 bis 6123456−3−2.5−2−1.5−1−0.50.5E = 0 (Flucht)E < 0 (gebunden)Epot(r) = −GMm/rEr
Abb. 3Potentielle Energie Epot(r)=−GMm/rE_{\text{pot}}(r) = -GMm/rEpot​(r)=−GMm/r steigt von −∞-\infty−∞ monoton gegen 000. Eine gebundene Bahn (Gesamtenergie E<0E < 0E<0) ist im Topf gefangen; für die Fluchtsituation gilt E≥0E \geq 0E≥0.

Kernpunkte

Gravitationsfeldstärke g⃗(r)=−GM/r2 r^\vec g(r) = -GM/r^2\,\hat rg​(r)=−GM/r2r^ ist die Kraft pro Probemasse; an der Erdoberfläche g≈9,81 m/s2g \approx 9{,}81\,\text{m/s}^2g≈9,81m/s2.
Im Inneren einer homogenen Vollkugel wächst g(r)g(r)g(r) linear mit rrr (nur die innerhalb von rrr eingeschlossene Masse M(r)=M (r/R)3M(r) = M\,(r/R)^3M(r)=M(r/R)3 trägt bei; die äußeren Kugelschalen heben sich nach dem Newtonschen Schalentheorem weg), außen fällt es mit 1/r21/r^21/r2.
Scheinbare Schwerelosigkeit im Orbit ist freier Fall: Satellit und Insassen werden gleich beschleunigt, daher keine Normalkraft — nicht Abwesenheit von Gravitation.
Im rotierenden Bezugssystem überlagert sich der Gravitation eine Zentrifugalkraft; am Äquator ist die effektive Fallbeschleunigung daher etwas kleiner als an den Polen.
Gezeitenkraft entsteht durch den Gradienten des Mondfeldes: die erdzugewandte Seite wird stärker angezogen als der Erdmittelpunkt, die abgewandte schwächer — zwei Flutberge.
Das Gewicht Fg=m gF_g = m\,gFg​=mg ist ortsabhängig (Höhe, geografische Breite), die Masse mmm ist eine Invariante.
g⃗(r)=−GMr2 r^\vec g(r) = -\dfrac{G M}{r^2}\,\hat rg​(r)=−r2GM​r^

Gravitationsfeldstärke im Außenraum

geff=g−ω2Rcos⁡2φg_{\text{eff}} = g - \omega^2 R\cos^2\varphigeff​=g−ω2Rcos2φ

Effektive Fallbeschleunigung (Breite \varphi)

Abiturfokus

  • Operator „erläutern": Schwerelosigkeit in der ISS als freien Fall begründen, nicht als fehlende Gravitation.
  • Operator „berechnen": effektive Fallbeschleunigung am Äquator unter Berücksichtigung der Erdrotation.
  • Operator „analysieren": Verlauf von g(r)g(r)g(r) innerhalb und außerhalb einer Vollkugel skizzieren.
  • Operator „begründen": Auftreten von zwei Gezeiten-Hochwassern pro Tag aus dem Feldgradienten.

Typische Fehler

  • Schwerelosigkeit als „keine Schwerkraft" statt als freien Fall interpretiert.
  • Masse und Gewicht gleichgesetzt — das Gewicht ist ortsabhängig, die Masse nicht.
  • Im Kugelinneren weiter mit 1/r21/r^21/r2 statt mit linearem Anstieg gerechnet.
  • Nur einen Flutberg erwartet — der Feldgradient erzeugt zwei.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Leiten Sie die Gezeitenbeschleunigung als Differenz der Mondanziehung an erdzugewandter und abgewandter Seite her und zeigen Sie, dass sie näherungsweise wie 1/r31/r^31/r3 vom Abstand abhängt.

Aktive Wiederholung

Berechnen Sie den Unterschied der effektiven Fallbeschleunigung zwischen Pol und Äquator allein aus der Erdrotation (RE=6,371⋅106 mR_E = 6{,}371\cdot 10^6\,\text{m}RE​=6,371⋅106m, Tagdauer T=86 400 sT = 86\,400\,\text{s}T=86400s) und beurteilen Sie die Größenordnung.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

§ 06

Astrophysik (Wahlbereich) — Hertzsprung-Russell-Diagramm#

●●●VertiefungLPphysik-astrophysik

Kernpunkte

Sterne werden im HRD nach Leuchtkraft (y-Achse) und Effektivtemperatur (x-Achse, invertiert) klassifiziert.
Hauptreihe enthält ∼90%\sim 90\%∼90% aller Sterne (Wasserstoffbrennen).
Riesen und Überriesen oben rechts; Weisse Zwerge unten links.
Stefan-Boltzmann-Gesetz L=4πR2σT4L = 4\pi R^2 \sigma T^4L=4πR2σT4 verbindet Leuchtkraft mit Radius und Temperatur.
Hubble-Beziehung v=H0dv = H_0 dv=H0​d beschreibt Kosmologische Expansion; H0≈70 km/s/MpcH_0 \approx 70\,\text{km/s/Mpc}H0​≈70km/s/Mpc.
L=4πR2σT4L = 4\pi R^2 \sigma T^4L=4πR2σT4

Stefan-Boltzmann-Gesetz

v=H0 dv = H_0\,dv=H0​d

Hubble-Beziehung

Abiturfokus

  • Operator „einordnen": Stern an gegebenem HRD-Punkt nach Spektralklasse und Entwicklungsstadium klassifizieren.
  • Operator „berechnen": Sternradius aus Leuchtkraft und Temperatur mit Stefan-Boltzmann.
  • Operator „beurteilen": Hubble-Beziehung als Hinweis auf Expansionsalter ∼1/H0\sim 1/H_0∼1/H0​.
  • Operator „erläutern": Sternentwicklung qualitativ — Hauptreihe, Rote Riesen, Weisse Zwerge, Supernova.

Typische Fehler

  • HRD-Achse Temperatur falsch herum gelesen (sie zeigt nach links zu höheren Werten).
  • Stefan-Boltzmann mit TTT statt T4T^4T4 verwendet.
  • Hubble-Konstante in falscher Einheit interpretiert.
  • Sternklassen O-B-A-F-G-K-M in falscher Reihenfolge zitiert.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Diskutieren Sie qualitativ die Lebenszyklen massearmer und massereicher Sterne und nennen Sie Endstadien (Weisser Zwerg, Neutronenstern, Schwarzes Loch).

Aktive Wiederholung

Bestimmen Sie aus Leuchtkraft L=10 L⊙L = 10\,L_\odotL=10L⊙​ und Effektivtemperatur T=6500 KT = 6500\,\text{K}T=6500K den Radius eines Sterns in Sonnenradien und klassifizieren Sie ihn im HRD.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Inhalt

Abschnitt -- / 06

    • 01Newtonsches Gravitationsgesetz○
    • 02Die drei Keplerschen Gesetze◐
    • 03Kreisbahnen, geostationäre Satelliten◐
    • 04Energie im Gravitationsfeld und Fluchtgeschwindigkeit●
    • 05Gravitationsfeld, Schwerelosigkeit und Gezeiten◐
    • 06Astrophysik (Wahlbereich) — Hertzsprung-Russell-Diagramm●

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