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Notizen/Philosophie/Ästhetik und Sprachphilosophie — Kant, Adorno, Wittgenstein, Habermas
Notizen · PhilosophieDE · Abitur

Ästhetik und Sprachphilosophie — Kant, Adorno, Wittgenstein, Habermas

Ästhetik fragt nach Schönheit, Kunst und ästhetischer Erfahrung. Kant (Kritik der Urteilskraft 1790) begründet die moderne Ästhetik mit dem interesselosen Wohlgefallen. Adorno (Ästhetische Theorie posthum 1970) sieht Kunst als negative Erkenntnis gegenüber der instrumentellen Vernunft. Die Sprachphilosophie fragt nach Bedeutung, Geltung und Funktion sprachlicher Äußerungen. Wittgenstein vollzieht eine Wende: Frühwerk (Tractatus 1921) — Sprache bildet Welt ab; Spätwerk (PU 1953) — Bedeutung ist Gebrauch in Sprachspielen. Habermas entwickelt daraus die Theorie kommunikativen Handelns.

6 Abschnitte·~31 Min Lesezeit·2 Kompetenzen·Niveau Standard 2 · Vertiefung 4·Stand 06/2026

T·131313 / 15
Prüfungsprofil
KMK-EPA-Philosophie-Sprache · Sprachphilosophie und analytische PhilosophieKMK-EPA-Philosophie-Ästhetik · Ästhetik und Religionsphilosophie
Operatoren:analysierenerörternbeurteilenvergleichen

grundlegendes Niveau

gA-Niveau: Kants Schönheitsbegriff (interesseloses Wohlgefallen); Wittgensteins Wende (Bildtheorie → Sprachspiele); Bedeutung = Gebrauch.

erhöhtes Niveau

eA-Niveau: vier Momente des Geschmacksurteils (Qualität, Quantität, Relation, Modalität); Adornos Negativität der Kunst; Tractatus-Architektur (Welt — Tatsachen — Sätze); Familienähnlichkeit, Privatsprache-Argument; Habermas’ Universalpragmatik.

Tiefe

Lesetiefe: Vertiefung

Schrift

Schriftgröße: Standard

Inhalt · 6 Abschnitte▾
  1. Ästhetik und Sprachphilosophie — Kant, Adorno, Wittgenstein, Habermas
    • 01Ästhetik — Kant und Adorno◐
    • 02Sprachphilosophie — Wittgenstein und Habermas●
    • 03Kunstbegriff — Mimesis, Ausdruck, Institution◐
    • 04Ästhetische Erfahrung und Kunstkritik●
    • 05Bedeutung und Referenz — Frege und die analytische Sprachphilosophie●
    • 06Strukturalismus und Poststrukturalismus der Sprache●
§ 01

Ästhetik — Kant und Adorno#

●●○StandardLPkmk-epa-philosophie-aesthetik

Kernpunkte

Die Ästhetik (der Begriff stammt von Alexander Gottlieb Baumgarten, 1750, als „Wissenschaft der sinnlichen Erkenntnis") fragt nach Schönheit, Kunst und ästhetischer Erfahrung. Immanuel Kant begründet mit der „Kritik der Urteilskraft" (1790, der dritten Kritik) die moderne Ästhetik, indem er das Geschmacksurteil („dies ist schön") als eigene Urteilsart analysiert: Es ist weder ein Erkenntnisurteil (es subsumiert nicht unter einen Begriff) noch ein bloß privates Gefühl des Angenehmen. Das Geschmacksurteil ist „ästhetisch" (es gründet im Gefühl, in der Lust des Subjekts) und beansprucht dennoch Allgemeingültigkeit. Das Rätsel, das Kant löst: Wie kann ein Urteil auf subjektivem Gefühl beruhen UND zugleich die Zustimmung aller fordern?
Kant analysiert das Geschmacksurteil nach den vier Überschriften seiner Kategorientafel (die „vier Momente"; vgl. den Worked Example). (1) Qualität: Das Schöne gefällt „ohne alles Interesse" — das Wohlgefallen ist interesselos, nicht an das Begehren nach Existenz oder Nutzen des Gegenstands gebunden (das interesselose Wohlgefallen); das unterscheidet das Schöne vom Angenehmen (interessiert an der Empfindung) und vom Guten (interessiert am Begriff eines Zwecks). (2) Quantität: Das Schöne ist, „was ohne Begriff allgemein gefällt" — subjektive Allgemeinheit; ich fordere die Zustimmung aller, ohne sie durch eine Regel beweisen zu können. (3) Relation: Schönheit ist „Zweckmäßigkeit ohne Zweck" — der Gegenstand erscheint zweckmäßig (wohlgeformt, wie gestaltet), ohne einem bestimmten äußeren Zweck zu dienen. (4) Modalität: Das Schöne gefällt mit „notwendigem" Wohlgefallen, das nicht auf einem Begriff, sondern auf dem vorausgesetzten sensus communis (Gemeinsinn) beruht.
Der Grund der Schönheit ist das „freie Spiel" von Einbildungskraft und Verstand: Im Schönen harmonieren diese Vermögen frei, ohne von einem bestimmten Begriff gezwungen zu werden — und diese Harmonie wird als Lust empfunden. Die schöne Kunst ist das Werk des Genies, der angeborenen Naturgabe, durch die „die Natur der Kunst die Regel gibt"; das Genie schafft exemplarische, originelle Werke, die „wie Natur" erscheinen, nicht durch Regelbefolgung. Vom Schönen getrennt ist das Erhabene (das Sublime): Im mathematisch Erhabenen (überwältigende Größe, der Sternenhimmel) und im dynamisch Erhabenen (überwältigende Macht, der Sturm aus sicherer Distanz) wird die Einbildungskraft zunächst überfordert (Unlust), dann aber entdeckt der Geist in sich eine übersinnliche Bestimmung — die Vernunftideen übersteigen jede sinnliche Größe oder Macht — und diese Erhebung wird als höhere Lust gefühlt. Das Schöne gefällt unmittelbar, das Erhabene auf dem Umweg über die Unlust.
Der Sprung ins 20. Jahrhundert: Theodor W. Adorno („Ästhetische Theorie", posthum 1970) versteht authentische Kunst nicht als Affirmation, sondern als Negation der bestehenden Wirklichkeit — indem sie anders ist als die verwaltete, instrumentalisierte Welt, zeigt sie („bestimmte Negation"), was an ihr falsch ist, und deutet an, was anders sein könnte. Der „Wahrheitsgehalt" der Kunst liegt in dieser kritischen Negativität, nicht in der Schönheit als Genuss. Die moderne, hermetische, dissonante Kunst (Beckett, Schönbergs Atonalität, Celan) widersteht dem leichten Konsum und der „Verfügbarmachung" aller Dinge durch die instrumentelle Vernunft.
Adorno (mit Horkheimer, „Dialektik der Aufklärung", 1944/47, das Kapitel „Kulturindustrie") deutet die Kulturindustrie als Massenproduktion standardisierter „Kultur" als Ware: Sie integriert die Massen, erzeugt Pseudo-Individualität und falsche Bedürfnisse und stabilisiert die Herrschaft; sie ist das Gegenteil autonomer Kunst. (Der Begriff „Kulturindustrie" wurde bewusst gegen „Massenkultur" gewählt, um zu bestreiten, dass sie spontan „aus den Massen" aufsteige.) Adornos Mimesis-Begriff meint nicht Nachahmung/Kopie, sondern ein sinnliches, nicht-beherrschendes „Sich-Anschmiegen ans Andere" — die Kunst bewahrt ein Verhältnis zur Natur/zum Objekt, das die instrumentelle Vernunft verloren hat; das Kunstwerk ist ein „Modell des Anderen", seine Hermetik die Verweigerung der totalen Verfügbarkeit.
Der tiefe Kontrast: Kant verortet das Ästhetische im interesselosen Wohlgefallen des autonomen Subjekts (eine formale, ungeschichtliche Analyse des Geschmacks); Adorno verortet es im geschichtlichen, gesellschaftlichen Wahrheitsgehalt und in der kritischen Negativität des Kunstwerks (eine inhaltliche, historisch-dialektische Theorie). Für die Klausur: die vier Momente sauber unterscheiden; das interesselose Wohlgefallen als Kants Pointe begreifen (Schönheit ist nicht Konsum/Begehren); Adornos Negativität als methodische Kritik (nicht als bloßen Kulturpessimismus) lesen; die Kulturindustrie als ideologischen Apparat (nicht bloß „Unterhaltung") verstehen; und das Schöne (unmittelbare Lust) vom Erhabenen (Lust über die Unlust) trennen.
Musterlösung

Kants Geschmacksurteil prüfen — „Diese Sonate ist schön"

Prüfen Sie die Äußerung „Diese Sonate ist schön" anhand der vier Momente des Geschmacksurteils aus Kants Kritik der Urteilskraft.

  1. 011. Qualität — ohne Interesse

    Erstes Moment: Das Wohlgefallen am Schönen ist „ohne alles Interesse". Es geht nicht um Nutzen oder Begehren (anders als beim Angenehmen oder Guten). Wer die Sonate schön nennt, will sie nicht besitzen oder verwerten — er verweilt in interesselosem Wohlgefallen.

  2. 022. Quantität — subjektive Allgemeinheit

    Zweites Moment: Das Geschmacksurteil beansprucht Allgemeingültigkeit ohne Begriff. „Schön" ist nicht „mir gefällt", sondern „es müsste allen gefallen" — ein „Ansinnen" der Zustimmung, ohne dass ein Begriff die Regel liefert.

  3. 033. Relation — Zweckmäßigkeit ohne Zweck

    Drittes Moment: Das Schöne erscheint zweckmäßig (geformt, stimmig), ohne einem bestimmten Zweck zu dienen (Zweckmäßigkeit ohne Zweck, finalité sans fin). Die Sonate wirkt sinnvoll gestaltet, ohne ein äußeres Ziel zu erfüllen.

  4. 044. Modalität — notwendiges Wohlgefallen

    Viertes Moment: Das Wohlgefallen wird als notwendig vorgestellt — gestützt auf den Gemeinsinn (sensus communis), die unterstellte gemeinsame Verfassung der Urteilskraft aller Menschen.

  5. 055. Grundlage — freies Spiel der Vermögen

    Allen vier Momenten liegt das „freie Spiel von Einbildungskraft und Verstand" zugrunde: die Form des Gegenstands belebt beide Vermögen, ohne sie unter einen Begriff zu zwingen. Daraus entspringt das ästhetische Wohlgefallen.

  6. 066. Reflexion

    Das Urteil „schön" ist damit weder rein subjektiv (bloßer Geschmack) noch objektiv-begrifflich (wie „rot"), sondern subjektiv-allgemeingültig. Kant löst so das Paradox: über Geschmack lässt sich streiten, weil er Zustimmung beansprucht, aber nicht beweisen, weil kein Begriff zugrunde liegt.

Ergebnis: Das Urteil „Diese Sonate ist schön" erfüllt Kants vier Momente: interesseloses, begriffloses, zweckfreies und notwendig-allgemeingültiges Wohlgefallen, fundiert im freien Spiel von Einbildungskraft und Verstand. Es beansprucht Zustimmung, ohne beweisbar zu sein.

Abiturfokus

  • Vier Momente des Geschmacksurteils sauber unterscheiden (Qualität, Quantität, Relation, Modalität).
  • Interesseloses Wohlgefallen als Kants Pointe — Schönheit ist kein Konsum.
  • Adorno: Kunst als Kritik, nicht als Affirmation der Realität.
  • Kulturindustriebegriff (Adorno/Horkheimer) als Schlüsselkonzept.

Typische Fehler

  • Geschmack wird im subjektivistischen Sinne („jedem das Seine") verstanden — Kant beansprucht Allgemeingültigkeit.
  • Die „Zweckmäßigkeit ohne Zweck" wird als „nutzlos/zwecklos" missverstanden — gemeint ist die innere Stimmigkeit (als ob gestaltet) ohne äußeren Zweck.
  • Adorno wird als Kulturpessimist abgehakt — die Negativität ist methodisch.
  • Das Erhabene wird mit dem Schönen vermengt — beim Erhabenen geht dem Wohlgefallen eine Unlust voraus.
  • Die Kulturindustrie (Adorno/Horkheimer) wird mit bloßer „Unterhaltung" gleichgesetzt statt als ideologischer Apparat verstanden.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Rekonstruieren Sie die „Antinomie des Geschmacks" (Kritik der Urteilskraft §§ 56–57). These: „Das Geschmacksurteil gründet sich nicht auf Begriffe; denn sonst ließe sich darüber disputieren (durch Beweise entscheiden)." Antithese: „Das Geschmacksurteil gründet sich auf Begriffe; denn sonst ließe sich darüber nicht einmal streiten (auf Zustimmung anderer Anspruch erheben)." Kants Auflösung: Beide Sätze sind wahr, wenn „Begriff" in zwei Bedeutungen genommen wird — das Geschmacksurteil gründet auf keinem BESTIMMTEN Begriff (daher unbeweisbar), wohl aber auf einem UNBESTIMMTEN Begriff, dem „übersinnlichen Substrat" der Menschheit (dem sensus communis), weshalb man auf allgemeine Zustimmung Anspruch erheben darf. Vergleichen Sie dies mit David Humes empiristischer Lösung in „Of the Standard of Taste" (1757), die den Maßstab im übereinstimmenden Urteil idealer, erfahrener Kritiker sucht.

Aktive Wiederholung

Vergleichen Sie ein TikTok-Video mit einem Werk Anselm Kiefers: Welches erfüllt eher Kants Kriterien des Geschmacksurteils, welches Adornos Kriterien der negativen Kunst?

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Stanford Encyclopedia of Philosophy — Kant’s Aesthetics (Stanford University) · Stanford Encyclopedia of Philosophy — Theodor W. Adorno (Stanford University)

§ 02

Sprachphilosophie — Wittgenstein und Habermas#

●●●VertiefungLPkmk-epa-philosophie-sprache

Wittgenstein I/II — Sprache als Bild vs. Spiel

Wittgenstein I/II — Bild vs. SpielTabelle mit 3 Spalten und 4 Zeilen, Daten: Tractatus 1921 · PU 1953; Modell · Bild (Abbildung) · Sprachspiel; Bedeutung · isomorphe Struktur · Gebrauch; Reichweite · sagbar / schweigen · Lebensformen; Leitsatz · „…schweigen“ TLP 7 · Bedeutung=Gebrauch, hervorgehobene Zelle: GebrauchTRACTATUS 1921PU 1953MODELLBild (Abbildung)SprachspielBEDEUTUNGisomorphe StrukturGebrauchREICHWEITEsagbar / schweigenLebensformenLEITSATZ„…schweigen“ TLP 7Bedeutung=Gebrauchvom Bild zum Sprachspiel
Abb. 1Frühwerk (Tractatus): Sprache bildet Welt ab; Spätwerk (PU): Sprache funktioniert in Lebensformen und Sprachspielen.

Kernpunkte

Die Sprachphilosophie fragt nach Bedeutung, Geltung und Funktion sprachlicher Äußerungen; im 20. Jahrhundert vollzieht sie den „linguistic turn", wonach philosophische Probleme im Kern Sprachprobleme sind. Wittgenstein I (Tractatus logico-philosophicus, 1921) vertritt die Bildtheorie der Sprache: Die Welt ist „alles, was der Fall ist" — die Gesamtheit der Tatsachen, nicht der Dinge. Ein sinnvoller Satz ist ein logisches Bild eines möglichen Sachverhalts und teilt mit ihm die logische Form (Isomorphie). Nur Sätze, die Tatsachen abbilden, haben Sinn; Logik, Ethik, Ästhetik und das Mystische liegen jenseits des Sagbaren — „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt" (TLP 5.6), und das Buch schließt: „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muß man schweigen." (TLP 7)
Wittgenstein II (Philosophische Untersuchungen, posthum 1953) verwirft die eine Abbildrelation des Tractatus. Bedeutung ist Gebrauch: „Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache" (PU § 43). Es gibt kein einheitliches Wesen der Sprache; Sprache ist ein Gewimmel von Sprachspielen — regelgeleiteten Praktiken, eingewoben in „Lebensformen": Befehlen, Beschreiben, Witzeln, Rechnen, Danken, Beten. Die Einheit von „Sprache" ist kein gemeinsames Wesen, sondern Familienähnlichkeit (PU § 66 f.): Die Spiele überlappen und kreuzen sich wie Ähnlichkeiten unter Familienmitgliedern, ohne dass ein einziges Merkmal allen gemeinsam wäre (Wittgensteins eigenes Beispiel ist das Wort „Spiel"; vgl. Abb. Sprachspiel).
Das Privatsprachenargument (PU §§ 243–315): Es kann keine prinzipiell private Sprache geben — eine Sprache, deren Wörter sich auf nur dem Sprecher zugängliche innere Empfindungen bezögen. Begründung: Sinnvoller Gebrauch verlangt eine Unterscheidung von richtigem und falschem Regelfolgen; im rein privaten Fall aber gilt nur, „was immer mir richtig scheinen wird, das ist richtig", und „das heißt nur, dass hier von ‚richtig‘ nicht geredet werden kann" — es fehlt jedes Kriterium der Korrektheit, also die Regel, also die Bedeutung. Sprache ist daher konstitutiv öffentlich und regelfolgend (verbunden mit den Regelfolge-Überlegungen und dem Bild vom „Käfer in der Schachtel", wo der private Gegenstand „als irrelevant herausfällt"). Damit ist die cartesische Vorstellung privater Bewusstseinsinhalte als Bedeutungsgrund widerlegt.
Die Sprechakttheorie (J. L. Austin, „How to Do Things with Words", 1955/62; ausgebaut von John Searle, „Speech Acts", 1969) zeigt: Mit Sprache wird gehandelt, nicht nur beschrieben. Austin geht von performativen Äußerungen aus („Ich verspreche …", „Ich taufe dich …", „Hiermit erkläre ich …"), die nicht wahr/falsch, sondern je nach Bedingungen „gelingend" oder „misslingend" sind. Er verallgemeinert zu drei Akten jeder Äußerung: der Lokution (dem Akt des Sagens — sinnvolle Wörter äußern), der Illokution (dem Akt, der IM Sagen vollzogen wird — behaupten, versprechen, befehlen, warnen: die „illokutionäre Rolle/Kraft") und der Perlokution (der Wirkung, die DURCH das Sagen erzielt wird — überzeugen, erschrecken). Searle systematisiert die konstitutiven Regeln und die Typen illokutionärer Akte (Assertive, Direktive, Kommissive, Expressive, Deklarationen).
Jürgen Habermas („Theorie des kommunikativen Handelns", 1981; „Was heißt Universalpragmatik?", 1976) baut darauf auf: Jeder ernsthafte Sprechakt erhebt (mindestens) drei Geltungsansprüche, die in Frage gestellt und durch Argumente eingelöst werden können — Wahrheit (der propositionale Gehalt passt zur objektiven Welt), Richtigkeit (der Akt entspricht der gemeinsamen normativen Welt) und Wahrhaftigkeit (der Sprecher meint, was er sagt — die subjektive Welt). „Verständigung" ist der dem Sprechen inhärente Telos. Darauf gründet Habermas seine Diskursethik: Gültig sind Normen nur, wenn ihnen alle Betroffenen in einem zwanglosen Diskurs zustimmen könnten — eine Brücke von der Sprachphilosophie zur Ethik und Politik. Karl-Otto Apels Transzendentalpragmatik radikalisiert dies zur Letztbegründung: Wer ernsthaft argumentiert, hat die Voraussetzungen der idealen Argumentationsgemeinschaft (etwa die Pflicht zur Begründung, die Anerkennung der Mitargumentierenden) immer schon akzeptiert; sie im Argument zu bestreiten ist ein „performativer Selbstwiderspruch".
Für die Klausur: Wittgenstein I und II als zwei deutlich verschiedene Positionen mit je eigener Pointe darstellen; „Bedeutung = Gebrauch" als Kern der Spätphilosophie; die drei Sprechakt-Ebenen (Lokution/Illokution/Perlokution) sauber unterscheiden; die drei Geltungsansprüche (Habermas) als Brücke zwischen Sprache und Ethik erklären; und weder „Sprachspiel" mit frivolem Spiel (es ist regelgeleitete Praxis) noch „performativ" mit „theatralisch" verwechseln.
Musterlösung

Sprechakttheorie anwenden — „Ich erkläre dich hiermit zum Sieger"

Analysieren Sie die Äußerung „Ich erkläre dich hiermit zum Sieger" mit Austins/Searles Sprechakttheorie (Lokution, Illokution, Perlokution) und Habermas’ drei Geltungsansprüchen.

  1. 011. Lokutionärer Akt

    Der lokutionäre Akt ist die bloße Äußerung des Satzes mit Bedeutung und Bezug: die Wörter „Ich erkläre dich hiermit zum Sieger" werden grammatisch korrekt und verständlich geäußert (phonetischer, phatischer, rhetischer Teilakt).

  2. 022. Illokutionärer Akt

    Die Illokution ist die mit der Äußerung vollzogene Handlung: hier ein performativer Deklarativ — durch das Sprechen wird die Tatsache erzeugt (jemand wird zum Sieger erklärt). Das „hiermit" (hereby-Test) markiert die Performativität.

  3. 033. Gelingensbedingungen (felicity conditions)

    Nach Austin/Searle gelingt der Deklarativ nur, wenn institutionelle Bedingungen erfüllt sind: Der Sprecher muss autorisiert sein (z. B. Schiedsrichter), das Verfahren korrekt, der Kontext passend. Sonst ist der Akt nicht falsch, sondern „unglücklich" (infelicitous).

  4. 044. Perlokutionärer Akt

    Die Perlokution ist die durch die Äußerung erzielte Wirkung beim Hörer: Freude des Siegers, Enttäuschung der Unterlegenen, Beifall des Publikums. Sie ist nicht konventional festgelegt, sondern faktische Folge.

  5. 055. Habermas’ drei Geltungsansprüche

    Jede verständigungsorientierte Äußerung erhebt drei Ansprüche: Wahrheit (objektiv: stimmt der propositionale Gehalt?), Richtigkeit (sozial: ist der Sprechakt im normativen Kontext legitim — ist der Sprecher befugt?), Wahrhaftigkeit (subjektiv: meint der Sprecher es ernst?). Beim Deklarativ ist der Richtigkeitsanspruch (Autorisierung) zentral.

  6. 066. Reflexion

    Die Analyse zeigt: Sprache beschreibt nicht nur, sondern handelt (Austins Wende „How to do things with words"). Habermas baut darauf eine Theorie der Verständigung: gelingende Kommunikation setzt die wechselseitige Anerkennung der drei Geltungsansprüche voraus.

Ergebnis: Die Äußerung ist ein performativer Deklarativ: lokutionär die Aussage, illokutionär die Sieger-Erklärung (gelingt nur bei Autorisierung), perlokutionär die Wirkung beim Publikum. Habermas’ Richtigkeitsanspruch (Befugnis) trägt den Akt.

Abiturfokus

  • Wittgenstein I und II als zwei deutlich verschiedene Positionen — beide mit eigener Pointe.
  • Bedeutung = Gebrauch als Pointe der Spätphilosophie.
  • Privatsprachenargument: Sprache ist konstitutiv öffentlich und regelfolgend.
  • Drei Sprechakt-Ebenen (Austin/Searle) sauber unterscheiden.
  • Drei Geltungsansprüche (Habermas) als Brücke zwischen Sprache und Ethik.

Typische Fehler

  • Tractatus und PU werden vermischt — die Wende ist substanziell.
  • Sprachspiel wird wörtlich-spielerisch verstanden statt als regelgeleitete Praxis.
  • Die drei Sprechakt-Ebenen werden vermengt — Illokution (die Handlung IM Sagen) und Perlokution (die Wirkung DURCH das Sagen) sind zu trennen.
  • Performative Äußerungen werden mit „theatralisch" verwechselt.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Saul Kripke („Wittgenstein on Rules and Private Language", 1982) liest aus den Regelfolge-Überlegungen ein skeptisches Paradox heraus („Kripkenstein"). Keine Tatsache über mich — keine Erinnerung, kein Bild, keine Disposition — legt eindeutig fest, was ich mit „+" meine: Vielleicht meinte ich immer die abweichende Funktion „quus", die ab einem nie zuvor berechneten Argument anders verläuft. Es gibt dann keinen Tatsachenbestand, der bestimmt, ob ich eine Regel „richtig" befolge. Kripkes „skeptische Lösung" (im Anschluss an Wittgenstein und Hume) ersetzt die Wahrheitsbedingungen durch Behauptbarkeitsbedingungen: Regelfolgen ist kein einsames Faktum, sondern beruht auf der Übereinstimmung der Gemeinschaft. Diskutieren Sie, ob diese gemeinschaftliche Deutung das Privatsprachenargument stützt — und ob sie nicht in einen Bedeutungs-Relativismus führt.

Aktive Wiederholung

Analysieren Sie die Äußerung „Ich erkläre dich hiermit zum Sieger" mit der Sprechakttheorie (Lokution, Illokution, Perlokution) und Habermas’ drei Geltungsansprüchen.

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Stanford Encyclopedia of Philosophy — Ludwig Wittgenstein (Stanford University) · Stanford Encyclopedia of Philosophy — Jürgen Habermas (Stanford University)

§ 03

Kunstbegriff — Mimesis, Ausdruck, Institution#

●●○StandardLPkmk-epa-philosophie-aesthetik

Vier Kunstbegriffe

Vier KunstbegriffeTabelle mit 3 Spalten und 4 Zeilen, Daten: Begriff · Idee · Vertreter; Mimesis · Nachahmung · Platon, Aristoteles; Ausdruck · Gefühl, Genie · Romantik, Croce; Form · signifikante Form · Hanslick, Bell; Institution · Artworld erklärt · Danto, Dickie, hervorgehobene Zelle: Artworld erklärtBEGRIFFIDEEVERTRETERMimesisNachahmungPlaton, AristotelesAusdruckGefühl, GenieRomantik, CroceFormsignifikante FormHanslick, BellInstitutionArtworld erklärtDanto, DickieAntike → Moderne
Abb. 2Von der Mimesis über den Ausdruck und die Form bis zur Institution: vier historische Antworten auf „Was ist Kunst?".

Kernpunkte

Die Frage „Was ist Kunst?" wird historisch unterschiedlich beantwortet — von der Nachahmung über den Ausdruck und die Form bis zur sozialen Institution (vgl. Abb. Kunstbegriffe). Die tiefere Frage dahinter lautet, ob die Kunst überhaupt ein Wesen hat, das sich durch notwendige und hinreichende Merkmale definieren ließe, oder nur eine Geschichte wandelnder Begriffe. Jede der folgenden Theorien beschreibt zugleich eine Art von Kunst UND zieht implizit die Grenze dessen, was als „Kunst" gilt.
Die Mimesis-Theorie (Platon, Aristoteles) bestimmt Kunst als Nachahmung (mimesis) der Wirklichkeit, bewertet sie aber gegensätzlich. Platon (Politeia X) wertet sie ab: Das Kunstwerk ist ein „Abbild des Abbilds" — der vom Tischler gefertigte Stuhl ahmt schon die Idee des Stuhls nach, der Maler kopiert diesen Stuhl, also steht die Kunst in „dritter Entfernung" von der Wahrheit (der Idee); zudem spricht sie den niederen, affektiven Seelenteil an und kann verderben, weshalb Platon die (meisten) Dichter aus dem idealen Staat verbannt. Aristoteles (Poetik) wertet die Mimesis auf: Nachahmung ist natürlich und erkenntnishaltig — die Dichtung sei „philosophischer" als die Geschichtsschreibung, weil sie das Allgemeine/Mögliche zeigt (was nach Notwendigkeit oder Wahrscheinlichkeit geschehen könnte), nicht bloß das Einzelne; und die Tragödie bewirkt durch Jammer und Schauder (eleos und phobos) die Katharsis, die Reinigung bzw. Klärung dieser Affekte.
Die Ausdrucksästhetik (Romantik; Benedetto Croce; R. G. Collingwood) deutet Kunst nicht als Abbildung einer äußeren Welt, sondern als Ausdruck innerer Gefühle und der schöpferischen Subjektivität des Genies. Der Akzent verschiebt sich vom Objekt zum Subjekt: Das Werk artikuliert und klärt eine Emotion (Collingwood: echte Kunst ist der Ausdruck — die Verdeutlichung — eines Gefühls, das der Künstler erst im Ausdrücken voll erkennt; zu unterscheiden von bloßer Gefühlserregung oder Handwerk). Der romantische Genius schafft, statt zu kopieren.
Der Formalismus (Clive Bell, Eduard Hanslick) verlegt das Ästhetische in die „signifikante Form", nicht in den dargestellten Gegenstand oder das erregte Gefühl. Bell: Was bildende Kunst zur Kunst macht, ist die „significant form" — Beziehungen von Linien, Farben und Formen, die die „ästhetische Emotion" wecken, unabhängig vom Sujet. Hanslick („Vom Musikalisch-Schönen", 1854): Der Inhalt der Musik sind nicht Gefühle, sondern „tönend bewegte Formen"; Musik meint ihr eigenes Formenspiel, keine außermusikalischen Emotionen. Der Formalismus erklärt die abstrakte, gegenstandslose Kunst, die die Mimesis-Theorie nicht fassen kann.
Die Institutionstheorie der Kunst (George Dickie, Arthur Danto) bestimmt Kunst relational: Kunst ist, was die „Artworld" (die soziale Institution aus Künstlern, Kritikern, Galerien und Theorie) zur Kunst erklärt. Auslöser ist die Avantgarde des 20. Jahrhunderts: Duchamps Ready-mades (ein Urinal als „Fountain", 1917) und Warhols Brillo Boxes (1964) — Objekte, die von gewöhnlichen Waren wahrnehmungsmäßig ununterscheidbar sind und doch durch Kontext, Theorie und kunsthistorische Stellung „Kunst" sind (Danto: „Was den Unterschied macht, ist eine bestimmte Theorie der Kunst"; die „Verklärung des Gewöhnlichen"). Damit verbunden ist der offene Kunstbegriff (Morris Weitz, „The Role of Theory in Aesthetics", 1956, mit Wittgenstein): „Kunst" lässt sich nicht durch notwendige und hinreichende Merkmale definieren, weil der Begriff wesentlich offen und schöpferisch ist — neue Gattungen erweitern ihn ständig; er ist ein Familienähnlichkeitsbegriff. (Die Institutionstheorie ist zugleich eine Antwort auf diesen Antiessentialismus, da sie Kunst relational statt durch intrinsische Eigenschaften bestimmt; geschützte Werke werden hier nur in Prosa beschrieben, nicht reproduziert.)
Für die Klausur: die vier Kunstbegriffe (Mimesis, Ausdruck, Form, Institution) als historische Stufen darstellen; Platons Abwertung und Aristoteles’ Aufwertung der Mimesis kontrastieren; die Institutionstheorie als Antwort auf die moderne Avantgarde erklären; den offenen Kunstbegriff (Familienähnlichkeit) mit Wittgenstein verknüpfen; und die Fallen meiden — Mimesis ist nicht bloße Kopie (Aristoteles: das Allgemeine/Mögliche), die Institutionstheorie ist nicht „alles ist Kunst", und die Katharsis ist nicht nur Gefühlsabfuhr, sondern auch kognitive Klärung.

Abiturfokus

  • Die vier Kunstbegriffe (Mimesis, Ausdruck, Form, Institution) als historische Stufen darstellen.
  • Platons Abwertung und Aristoteles’ Aufwertung der Mimesis kontrastieren.
  • Die Institutionstheorie als Antwort auf die moderne Avantgarde erklären.
  • Den offenen Kunstbegriff (Familienähnlichkeit) mit Wittgenstein verknüpfen.

Typische Fehler

  • Mimesis wird mit bloßer Kopie verwechselt — Aristoteles meint die Darstellung des Möglichen/Allgemeinen.
  • Die Institutionstheorie wird als „alles ist Kunst" verflacht.
  • Der offene Kunstbegriff (Weitz) wird mit „Kunst ist beliebig/undefinierbar" verwechselt — gemeint ist die Familienähnlichkeit, nicht Beliebigkeit.
  • Katharsis wird rein emotional (Gefühlsabfuhr) statt auch kognitiv (Erkenntnis) gelesen.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Verbinden Sie Hegels und Dantos These vom „Ende der Kunst". Hegel erklärt in den „Vorlesungen über die Ästhetik" die Kunst „nach der Seite ihrer höchsten Bestimmung" für ein „Vergangenes": Sie sei nicht mehr die höchste Weise, in der der Geist seine Wahrheit ausspreche — diese Rolle übernähmen Religion und Philosophie. Arthur Danto („Die Verklärung des Gewöhnlichen", 1981; „After the End of Art", 1997) säkularisiert dies: Mit Warhols Brillo Boxes wird die Frage „Was ist Kunst?" zur inneren Frage der Kunst selbst — die Kunst erreicht ihre eigene philosophische Erfüllung und tritt in eine pluralistische, „posthistorische" Phase ein, in der keine Stilrichtung mehr verbindlich ist. Diskutieren Sie, ob „Ende der Kunst" das Aufhören der Kunst oder nur das Ende einer bestimmten Fortschrittserzählung meint — und was daraus für die Bewertbarkeit von Kunst folgt.

Aktive Wiederholung

Beurteilen Sie anhand der Institutionstheorie, ob ein industriell gefertigter Alltagsgegenstand im Museum „Kunst" ist. Vergleichen Sie mit dem Mimesis-Begriff.

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Stanford Encyclopedia of Philosophy — Kant’s Aesthetics (Stanford University) · Stanford Encyclopedia of Philosophy — Theodor W. Adorno (Stanford University)

§ 04

Ästhetische Erfahrung und Kunstkritik#

●●●VertiefungLPkmk-epa-philosophie-aesthetik

Kernpunkte

Die ästhetische Erfahrung unterscheidet sich von der alltäglichen Wahrnehmung durch interesseloses Verweilen, gesteigerte Aufmerksamkeit und die Einheit von Sinnlichkeit und Reflexion. Sie ist ein Wahrnehmungsmodus, in dem der Gegenstand um seiner selbst willen (nicht als Mittel) und in kontemplativer, verdichteter Bewusstheit betrachtet wird. Die Kategorie rückte ins Zentrum, als die Kunst ihre abbildend-religiöse Funktion verlor und das Erleben selbst zur Hauptsache wurde (die „ästhetische Einstellung").
John Dewey („Art as Experience", 1934) gibt der pragmatistischen Ästhetik ihre Leitfigur: Ästhetische Erfahrung ist kein abgesonderter Bereich, sondern die Vollendung der gewöhnlichen Erfahrung — „an experience" (eine Erfahrung): eine in sich geschlossene, erfüllte Erlebniseinheit mit Anfang, Entwicklung und vollendendem Abschluss, im Gegensatz zum zerstreuten, unterbrochenen Fluss des Alltags. Die Kunst steigert und rundet den Rhythmus des lebendigen Erlebens; das Ästhetische ist die qualitative Ganzheit, die jede Erfahrung erreichen kann. Dewey demokratisiert damit das Ästhetische gegen den Museumsfetisch.
Adornos Negativität (im Anschluss an den ersten Abschnitt dieses Themas) bestimmt die ästhetische Erfahrung anspruchsvoller: Authentische Kunst widersteht der „Verfügbarmachung" (dem konsumierbaren Verbrauch); ihr Rätselcharakter und ihre Hermetik sind Widerstand gegen die instrumentelle Vernunft und die Kulturindustrie. Die ästhetische Erfahrung solcher Kunst ist kein angenehmer Genuss, sondern eine fordernde, ja schockhafte Begegnung mit dem Wahrheitsgehalt des Werks; das Verstehen bleibt unabgeschlossen — das Kunstwerk wahrt sein Rätsel.
Hans-Georg Gadamer („Wahrheit und Methode", 1960) deutet Kunst als „Spiel" — aber so, dass das Spiel den Vorrang vor den Spielern hat: Der Spieler wird in die eigene Hin-und-her-Bewegung des Spiels hineingezogen und von ihm aufgenommen. Kunst ist die „Verwandlung ins Gebilde": Das Spiel wird zum bleibenden Werk, das den Betrachter einschließt. Ästhetische Erfahrung ist daher ein „Seinszuwachs" und Erkenntnis durch Teilhabe, nicht distanziertes Urteil; ein Kunstwerk zu verstehen gleicht dem Verstehen eines Textes — einer „Horizontverschmelzung". Gegen die Subjektivierung des Ästhetischen (Kants „Geschmack") besteht Gadamer darauf, dass Kunst Wahrheit vermittelt.
Die Rezeptionsästhetik (Hans Robert Jauß, Wolfgang Iser — die „Konstanzer Schule") verlegt die Bedeutung vom Werk in das Zusammenspiel von Werk und Leser/Betrachter. Iser: Der literarische Text enthält „Leerstellen", die der Leser konkretisieren muss; erst der Lesevorgang aktualisiert das Werk. Jauß: Ein Werk wird vor dem „Erwartungshorizont" des Lesers rezipiert, und sein Wert/seine Innovation zeigen sich in der „ästhetischen Distanz", mit der es diesen Horizont enttäuscht oder verwandelt; die Bedeutung ist historisch wandelbar. Das Werk ist ohne seine Rezeption nicht abgeschlossen — wobei die Leerstellen vom Text gesteuert sind, nicht beliebig zu füllen.
Schließlich die Kunstkritik und der Geschmacksstreit: Wie lässt sich über Kunst rational urteilen? Es besteht eine Spannung zwischen Kriterien (Originalität, Kohärenz, Tiefe, technische Meisterschaft) und Subjektivität („de gustibus non est disputandum"). Methodisch sind drei Schritte zu trennen: die Beschreibung (was da ist), die Interpretation (was es bedeutet) und die Bewertung (wie gut es ist) — die Vermengung von Interpretation und Bewertung ist ein klassischer Fehler. Für die Klausur: die ästhetische Erfahrung von der gewöhnlichen Wahrnehmung abgrenzen; Adornos (Negativität, Rätsel) und Gadamers (Spiel, teilhabende Wahrheit) Modelle ästhetischer Erkenntnis kontrastieren; die Rezeptionsästhetik als Verschiebung vom Werk zum Leser erklären; und Beschreibung, Interpretation und Bewertung sauber auseinanderhalten.

Abiturfokus

  • Ästhetische Erfahrung von gewöhnlicher Wahrnehmung abgrenzen.
  • Adornos und Gadamers Kunstbegriff als zwei Modelle ästhetischer Erkenntnis kontrastieren.
  • Die Rezeptionsästhetik als Verschiebung vom Werk zum Leser erklären.
  • Beschreibung, Interpretation und Bewertung in der Kunstkritik trennen.

Typische Fehler

  • Ästhetische Erfahrung wird mit bloßem Gefallen gleichgesetzt.
  • Gadamers „Spiel" wird als Unernst statt als Seinsweise des Kunstwerks gelesen.
  • Die Rezeptionsästhetik wird als „jeder versteht es, wie er will" (Beliebigkeit) verflacht — die Leerstellen sind vom Text gesteuert.
  • Interpretation und Bewertung werden vermischt.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Entscheidet die Absicht des Künstlers über die Bedeutung des Werks? William K. Wimsatt und Monroe Beardsley diagnostizieren den „intentional fallacy" (1946): Die Autorintention sei für die Deutung weder zuverlässig verfügbar noch maßgeblich — es zähle das Werk, nicht das Gemeinte. Roland Barthes radikalisiert dies zum „Tod des Autors" (1967): Der Sinn entstehe erst beim Leser, nicht in einem zu rekonstruierenden Autorwillen. Dem steht die hermeneutische Tradition gegenüber (Schleiermacher; E. D. Hirsch, „Validity in Interpretation", 1967), die die Autorintention als Maßstab gültiger Deutung verteidigt. Diskutieren Sie im Licht der Rezeptionsästhetik (Iser, Jauß), ob die Bedeutung im Werk, im Autor oder im Leser liegt — und ob ein „anything goes" der Interpretation droht, wenn man die Autorintention ganz preisgibt.

Aktive Wiederholung

Analysieren Sie die ästhetische Erfahrung vor einem konkreten (frei beschreibbaren) Kunstwerk und beurteilen Sie, ob Adornos oder Gadamers Modell sie besser erfasst.

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Stanford Encyclopedia of Philosophy — Theodor W. Adorno (Stanford University) · Stanford Encyclopedia of Philosophy — Kant’s Aesthetics (Stanford University)

§ 05

Bedeutung und Referenz — Frege und die analytische Sprachphilosophie#

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Kernpunkte

Gottlob Frege („Über Sinn und Bedeutung", 1892), der Begründer der analytischen Sprachphilosophie, unterscheidet den Sinn (die „Art des Gegebenseins", die Weise, wie ein Gegenstand präsentiert wird) von der Bedeutung (dem Gegenstand selbst, auf den verwiesen wird — der Referenz). Sein Beispiel: „Morgenstern" und „Abendstern" haben verschiedenen Sinn (der Gegenstand wird als letztes Gestirn der Morgendämmerung bzw. als erstes des Abends gegeben), aber dieselbe Bedeutung — den Planeten Venus. Achtung auf die terminologische Falle: Freges „Bedeutung" ist die Referenz (der Gegenstand), NICHT das, was man umgangssprachlich „Bedeutung/Sinn" nennt; spätere Autoren sagen „Referenz" oder „Nominatum".
Freges Motivation ist der Erkenntniswert von Identitätsaussagen. „a = a" (der Morgenstern ist der Morgenstern) ist trivial, a priori, nichtssagend; „a = b" (der Morgenstern ist der Abendstern) ist erkenntniserweiternd, eine astronomische Entdeckung. Trügen die Namen nur ihre Referenz bei, sagte „a = b" nicht mehr als „a = a" (beide setzen Venus mit sich selbst gleich). Der Unterschied muss also im Sinn liegen: „a" und „b" geben denselben Gegenstand auf verschiedene Weise — deshalb kann „a = b" informativ sein. Die Sinn/Bedeutung-Unterscheidung wird genau zur Lösung dieses Rätsels eingeführt.
Frege trennt den Sinn ferner von der Vorstellung (dem subjektiven, von Person zu Person schwankenden inneren Bild): Der Sinn ist objektiv und intersubjektiv, von vielen fassbar. Er überträgt die Unterscheidung auf ganze Sätze: Der Sinn eines Satzes ist der „Gedanke" (die objektive, wahrheitswertfähige Proposition), die Bedeutung eines Satzes ist sein Wahrheitswert (das Wahre oder das Falsche) — denn bei der Wahrheitssuche bleibt unter Ersetzung gleichbedeutender Ausdrücke gerade der Wahrheitswert erhalten. Dazu tritt das Kontextprinzip (schon in den „Grundlagen der Arithmetik", 1884): „nur im Zusammenhange eines Satzes bedeuten die Wörter etwas" — gegen den Atomismus isolierter Wörter.
Bertrand Russell („On Denoting", 1905) löst ein verwandtes Problem anders. Bestimmte Kennzeichnungen („der gegenwärtige König von Frankreich") sehen aus wie Namen, sind es aber nicht: „Der gegenwärtige König von Frankreich ist kahl" wird analysiert als quantifizierte Aussage — „es gibt genau ein x, das gegenwärtig König von Frankreich ist, und dieses x ist kahl". Das löst das Problem leerer Kennzeichnungen: Da es keinen solchen König gibt, ist die Aussage schlicht falsch (nicht sinnlos), und die Zweiwertigkeit bleibt gewahrt. (Frege hielt dagegen leere Namen für sinnvoll, aber bedeutungslos, sodass solche Sätze wahrheitswertlos würden.)
Bedeutungstheorien im Überblick: die Referenztheorie (Bedeutung = bezeichneter Gegenstand — scheitert an leeren Namen und am Sinnunterschied); die Vorstellungstheorie (Bedeutung = mentale Vorstellung, Locke — scheitert, weil Vorstellungen privat und schwankend sind, vgl. Wittgensteins Privatsprachenargument); die Gebrauchstheorie (Wittgenstein II: Bedeutung = Gebrauch in der Sprache); und die wahrheitskonditionale Semantik (Donald Davidson im Anschluss an Tarski: Die Bedeutung eines Satzes kennen heißt seine Wahrheitsbedingungen kennen — „Schnee ist weiß" ist wahr genau dann, wenn Schnee weiß ist). Diese vier sind konkurrierende Antworten auf die Frage, WAS Bedeutung ist.
Saul Kripke („Naming and Necessity", 1980) greift die deskriptivistische Namenstheorie (die Frege-Russell-Tradition, die die Referenz eines Namens an einen Sinn bzw. ein Bündel von Kennzeichnungen bindet) an. Eigennamen sind nach Kripke „starre Bezeichner" (rigid designators): Sie bezeichnen in jeder möglichen Welt, in der der Gegenstand existiert, DENSELBEN Gegenstand, während Kennzeichnungen dies nicht tun (in einer anderen Welt hätte jemand anderes „der Lehrer Alexanders" sein können, aber „Aristoteles" benennt weiterhin Aristoteles). Die Referenz wird nicht durch zugeordnete Kennzeichnungen festgelegt, sondern durch eine historische „Kausalkette" der Übermittlung bis zu einer ursprünglichen Taufe. Für die Klausur: die Sinn/Bedeutung-Unterscheidung am Morgenstern/Abendstern-Beispiel darstellen; das Identitätsaussagen-Problem als Freges Motivation erklären; die vier Bedeutungstheorien abgrenzen; Kripkes „rigid designator" gegen den Deskriptivismus stellen; und die Fallen meiden (Freges „Bedeutung" ist die Referenz; Russells Kennzeichnungen sind keine Namen).

Abiturfokus

  • Freges Sinn/Bedeutung-Unterscheidung am Morgenstern/Abendstern-Beispiel präzise darstellen.
  • Das Erkenntnisproblem der Identitätsaussagen als Freges Motivation erklären.
  • Die vier Bedeutungstheorien voneinander abgrenzen.
  • Kripkes „rigid designator" gegen den Deskriptivismus stellen.

Typische Fehler

  • Sinn und Bedeutung werden vertauscht (Freges „Bedeutung" ist die Referenz, nicht der Sinn).
  • Der Sinn wird mit der subjektiven Vorstellung verwechselt — bei Frege ist der Sinn objektiv und intersubjektiv, die Vorstellung dagegen privat.
  • Die Gebrauchstheorie (Wittgenstein) wird mit der Referenztheorie vermischt.
  • Russells Kennzeichnungstheorie wird als Namenstheorie missverstanden.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Hilary Putnam erweitert Kripkes Externalismus auf Gattungsbegriffe („The Meaning of ‚Meaning‘", 1975) mit dem Gedankenexperiment der „Zwillingserde". Dort ist alles wie auf der Erde, nur besteht das, was „Wasser" genannt wird, nicht aus H2O, sondern aus einer anders aufgebauten Substanz XYZ, die sich oberflächlich gleich verhält. Ein Erdbewohner und sein molekülgleicher Doppelgänger auf der Zwillingserde sind innerlich identisch, meinen mit „Wasser" aber Verschiedenes (H2O bzw. XYZ). Putnams Schluss: „Bedeutungen sind nicht im Kopf" — die Referenz hängt von der tatsächlichen Beschaffenheit der Welt und von der sprachlichen Arbeitsteilung der Gemeinschaft ab, nicht allein vom inneren Zustand des Sprechers (semantischer Externalismus). Diskutieren Sie, wie dies Freges internalistische Bestimmung der Bedeutung über den Sinn herausfordert und ob Sinn und Referenz so noch zusammengehalten werden können.

Aktive Wiederholung

Erläutern Sie an „Der Autor von Faust" und „Goethe", wie Frege den Erkenntniswert von Identitätsaussagen erklärt. Wo greift Kripkes Einwand?

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Stanford Encyclopedia of Philosophy — Ludwig Wittgenstein (Stanford University) · Stanford Encyclopedia of Philosophy — Informal Logic (Stanford University)

§ 06

Strukturalismus und Poststrukturalismus der Sprache#

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Kernpunkte

Ferdinand de Saussure („Cours de linguistique générale", posthum 1916) begründet die strukturale Linguistik. Das sprachliche Zeichen (signe) verbindet einen Signifikanten (signifiant, das Lautbild) mit einem Signifikat (signifié, die Vorstellung/den Begriff) — beide sind mental und relational, nicht das Ding selbst (der Referent wird ausgeklammert). Zwei Kernthesen: erstens ist die Verbindung arbiträr (willkürlich) — es gibt kein natürliches Band zwischen Laut und Begriff (verschiedene Sprachen haben verschiedene Wörter für denselben Begriff); zweitens entsteht Bedeutung als Wert durch Differenz im System (langue), nicht durch einen positiven Bezug auf Dinge — ein Zeichen IST, was die anderen nicht sind. Saussure unterscheidet langue (das System) von parole (der einzelnen Rede) und das Synchrone vom Diachronen.
Der Strukturalismus (Claude Lévi-Strauss in der Ethnologie, der frühe Barthes, Lacan in der Psychoanalyse) deutet kulturelle Phänomene (Mythen, Verwandtschaftssysteme, Mode) als von unbewussten, sprachartigen Strukturen (binären Oppositionen, etwa roh/gekocht) geordnet. Die Methode sucht die Tiefenstruktur unter den Oberflächenphänomenen. Eine radikale Folge für das Subjekt: Der Mensch ist nicht Ursprung und Herr der Bedeutung, sondern ein Effekt der Strukturen (die Dezentrierung des Subjekts) — „es spricht" durch uns; die Strukturen gehen dem Einzelnen voraus und konstituieren ihn.
Jacques Derrida („De la grammatologie" / „Grammatologie", 1967) eröffnet den Poststrukturalismus, indem er die strukturalistischen Werkzeuge gegen die Annahme einer stabilen Struktur mit festem Zentrum wendet. Seine Kritik gilt dem „Logozentrismus" und der „Metaphysik der Präsenz": Die abendländische Tradition bevorzuge die Stimme vor der Schrift und unterstelle einen selbstpräsenten Sinn/Ursprung (logos). Sein Kunstwort „différance" (mit a, nur in der Schrift hörbar — selbst eine Demonstration) verbindet Differenz und Aufschub: Bedeutung wird durch Differenz erzeugt UND endlos aufgeschoben — kein Zeichen liefert je einen voll präsenten Sinn, da jedes auf andere weiterverweist (die „Spur"). Das berüchtigte „Il n’y a pas de hors-texte" („es gibt kein Außerhalb-des-Textes") meint nicht „nur Texte existieren", sondern: Es gibt keinen Zugang zum Sinn jenseits des differentiellen Spiels der Bezeichnung.
Michel Foucault („Die Ordnung des Diskurses", 1970; „Archäologie des Wissens", 1969) bindet Sprache an Macht. Diskurse sind historisch spezifische Aussagensysteme, die regeln, was gesagt werden kann, was als wahr gilt und wer sprechen darf (Ausschließungsregeln). Wissen und Macht sind verflochten (pouvoir/savoir) — nicht als Parole „Wissen ist Macht", sondern: Wissensformen und Machtformen bringen einander hervor; Macht ist nicht bloß repressiv, sondern produktiv (sie erzeugt Subjekte, Normen, „Wahrheiten"). Was als neutrale Wahrheit erscheint, ist Effekt diskursiver Formationen und ihrer Machtverhältnisse.
Die Sprachrelativität (die Sapir-Whorf-Hypothese) besagt, die Struktur einer Sprache präge das Denken und die Weltwahrnehmung. Die starke Version (sprachlicher Determinismus) behauptet, die Sprache bestimme das Denken und mache manche Gedanken in manchen Sprachen unmöglich; die schwache Version (sprachliche Relativität) behauptet nur einen Einfluss auf das gewohnheitsmäßige Denken (Farbkategorien, grammatisches Geschlecht, Raumbezüge). Die starke Version ist empirisch weitgehend abgelehnt (Übersetzbarkeit, Universalien — Berlin und Kay zu Farbwörtern; gegen den Mythos der „vielen Eskimo-Wörter für Schnee"), die schwache hat einige experimentelle Stützen. Es geht um die übergreifende Frage, wieweit Sprache die Wirklichkeit konstituiert statt bloß abzubilden.
Für die Gegenwart bedeutsam ist die politische Dimension der Begriffe: Genderlinguistik, „Framing" (George Lakoff: Wie ein Thema benannt wird, prägt die Debatte) und der „Kampf um Wörter" in öffentlichen Auseinandersetzungen (etwa „Klimaschutz" gegen „Klimahysterie", „Flüchtling" gegen „Migrant"). Die poststrukturalistische Einsicht, dass Benennen Macht ist, ist hochaktuell. Die ganze Tradition steht freilich unter dem Relativismusvorwurf und dem Verdacht des performativen Selbstwiderspruchs (Habermas: Eine Theorie, die jede stabile Bedeutung/Wahrheit leugnet, beansprucht selbst, wahr zu sein). Für die Klausur: Saussures Zeichenmodell (Signifikant/Signifikat, Arbitrarität, Differenz) sauber darstellen; den Übergang vom Strukturalismus zum Poststrukturalismus (Derrida, Foucault) nachzeichnen; Derridas „différance" und Foucaults Macht-Wissen-Komplex als die zwei poststrukturalistischen Pointen erklären; und die starke von der schwachen Sapir-Whorf-Version unterscheiden.

Abiturfokus

  • Saussures Zeichenmodell (Signifikant/Signifikat, Arbitrarität, Differenz) sauber darstellen.
  • Den Übergang vom Strukturalismus zum Poststrukturalismus (Derrida, Foucault) nachzeichnen.
  • Derridas „différance" und Foucaults Macht-Wissen-Komplex als zwei poststrukturalistische Pointen erklären.
  • Die Sapir-Whorf-Hypothese in starker und schwacher Version unterscheiden.

Typische Fehler

  • Signifikant und Signifikat werden vertauscht.
  • Dekonstruktion wird mit „Zerstörung" oder „alles ist beliebig" verwechselt.
  • Foucaults Macht wird rein negativ (Unterdrückung) gelesen — bei ihm ist Macht auch produktiv (sie erzeugt Subjekte, Normen, „Wahrheiten").
  • Die starke Sapir-Whorf-These wird als gesichert dargestellt.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Vergleichen Sie Wittgensteins „Bedeutung ist Gebrauch" mit Derridas „différance". Beide bestreiten eine fixe, von außen garantierte Wort-Welt-Zuordnung und verlegen die Bedeutung in ein Geflecht von Beziehungen statt in einen Bezug auf vorgegebene Gegenstände. Doch sie ziehen entgegengesetzte Konsequenzen: Wittgenstein verankert die Bedeutung in der STABILEN, geregelten Praxis einer Lebensform (die Gemeinschaft sichert das richtige Regelfolgen), während Derrida gerade die UNABSCHLIESSBARKEIT und den endlosen Aufschub der Bedeutung betont (kein Zentrum, keine letzte Festlegung). Diskutieren Sie, ob die pragmatische Bedeutungstheorie die dekonstruktive entschärft (die Praxis gibt Halt) oder ob Derrida zu Recht zeigt, dass auch jede Praxis verschiebbar bleibt — und welche Folgen das für den Streit um den Relativismus (Habermas’ Vorwurf des performativen Selbstwiderspruchs) hat.

Aktive Wiederholung

Erörtern Sie mit Foucaults Diskurstheorie, inwiefern öffentliche Debatten über Begriffe (z. B. „Klimaschutz" vs. „Klimahysterie") Machtkämpfe um das Sagbare sind.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Stanford Encyclopedia of Philosophy — Ludwig Wittgenstein (Stanford University) · Stanford Encyclopedia of Philosophy — Jürgen Habermas (Stanford University)

Inhalt

Abschnitt -- / 06

    • 01Ästhetik — Kant und Adorno◐
    • 02Sprachphilosophie — Wittgenstein und Habermas●
    • 03Kunstbegriff — Mimesis, Ausdruck, Institution◐
    • 04Ästhetische Erfahrung und Kunstkritik●
    • 05Bedeutung und Referenz — Frege und die analytische Sprachphilosophie●
    • 06Strukturalismus und Poststrukturalismus der Sprache●

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Aus den Notizen ins Training

Ästhetik und Sprachphilosophie — Kant, Adorno, Wittgenstein, Habermas

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Kompetenzen
Üben

Belege & Quellen

Quellen

Stanford University

  • Stanford Encyclopedia of Philosophy — Kant’s Aesthetics
  • Stanford Encyclopedia of Philosophy — Theodor W. Adorno
  • Stanford Encyclopedia of Philosophy — Ludwig Wittgenstein
  • Stanford Encyclopedia of Philosophy — Jürgen Habermas
  • Stanford Encyclopedia of Philosophy — Informal Logic

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