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Notizen/Mathematik/Hypothesentests und Konfidenzintervalle
Notizen · MathematikDE · Abitur

Hypothesentests und Konfidenzintervalle

Schließende Statistik: Nullhypothese und Gegenhypothese, einseitige und zweiseitige Tests, Signifikanzniveau und kritischer Wert, Fehler 1. und 2. Art sowie Konfidenzintervalle für unbekannte Wahrscheinlichkeiten. Auf eA-Niveau Fehleranalyse und Gütefunktion.

6 Abschnitte·~11 Min Lesezeit·4 Kompetenzen·Niveau Standard 3 · Vertiefung 3·Stand 05/2026

T·0999 / 10
Prüfungsprofil
L5 · Leitidee Daten und ZufallK1 · Mathematisch argumentierenK3 · Mathematisch modellierenK5 · Mit symbolischen, formalen und technischen Elementen umgehen
Operatoren:testenbeurteilenberechneninterpretieren

grundlegendes Niveau

gA: Einseitiger Test mit Binomialverteilung, Bestimmung des Ablehnungsbereichs mit GTR, Interpretation des Ergebnisses in Sachkontext.

erhöhtes Niveau

eA: Fehler 1. und 2. Art quantifizieren, Gütefunktion, zweiseitige Tests, asymptotische Approximation durch Normalverteilung, Konfidenzintervalle.

Tiefe

Lesetiefe: Vertiefung

Schrift

Schriftgröße: Standard

Inhalt · 6 Abschnitte▾
  1. Hypothesentests und Konfidenzintervalle
    • 01Hypothesen, Signifikanzniveau und Fehlerarten◐
    • 02Durchführung eines Binomialtests◐
    • 03Konfidenzintervalle für unbekannte Wahrscheinlichkeiten●
    • 04Fehler 2. Art und Gütefunktion●
    • 05Zweiseitiger Signifikanztest◐
    • 06Signifikanztest mit Normalapproximation●
§ 01

Hypothesen, Signifikanzniveau und Fehlerarten#

●●○StandardLPL5

Kernpunkte

Nullhypothese H0H_{0}H0​ (Status quo, „nichts ändert sich") gegen Gegenhypothese H1H_{1}H1​.
Signifikanzniveau α\alphaα: maximal zulässige Wahrscheinlichkeit für einen Fehler 1. Art (Ablehnung von H0H_{0}H0​, obwohl wahr).
Fehler 1. Art: H0H_{0}H0​ wird abgelehnt, obwohl wahr — Wahrscheinlichkeit α\alphaα.
Fehler 2. Art: H0H_{0}H0​ wird nicht abgelehnt, obwohl falsch — Wahrscheinlichkeit β\betaβ, abhängig vom tatsächlichen Parameter.
Einseitiger Test: H1H_{1}H1​ ist „kleiner als" oder „größer als" — Ablehnungsbereich an einer Seite.
Zweiseitiger Test: H1H_{1}H1​ ist „ungleich" — Ablehnungsbereich an beiden Rändern.

Abiturfokus

  • KMK-Operator „testen": Hypothesen, Signifikanzniveau, Verteilung, kritischer Wert, Entscheidung explizit dokumentieren.
  • Fehler 1. und 2. Art klar trennen und mit Wahrscheinlichkeiten benennen.
  • Einseitig vs. zweiseitig der Forschungsfrage entsprechen lassen.
  • Interpretation in Sachkontext am Ende.

Typische Fehler

  • H0H_{0}H0​ mit H1H_{1}H1​ vertauscht (Behauptung als Nullhypothese formuliert).
  • Fehler 2. Art wird ignoriert.
  • Signifikanzniveau überschritten ohne Kommentar.
  • Entscheidung als „H0H_{0}H0​ ist wahr" formuliert statt „Nullhypothese kann nicht verworfen werden".

LK-Vertiefung

eA: Berechnen Sie für einen einseitigen Test mit n=50n = 50n=50, p0=0,5p_{0} = 0{,}5p0​=0,5 und Ablehnungsbereich X≥31X \geq 31X≥31 die Wahrscheinlichkeit eines Fehlers 2. Art, wenn tatsächlich p=0,65p = 0{,}65p=0,65.

Aktive Wiederholung

Formulieren Sie für die Behauptung „der durchschnittliche IQ einer Gruppe ist höher als 100" geeignete Hypothesen und nennen Sie Fehler 1. und 2. Art im Sachkontext.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

§ 02

Durchführung eines Binomialtests#

●●○StandardLPL5

Hypothesentest — Annahme- und Ablehnungsbereich

k Ablehnung H₀ P(X ≤ k) ≤ α Annahme H₀ Anzahl Treffer X
Abb. 1Linksseitiger Test mit Signifikanzniveau α: Ablehnungsbereich links des kritischen Werts k.

Kernpunkte

Schritt 1: Hypothesen H0H_{0}H0​ und H1H_{1}H1​ formulieren.
Schritt 2: Testverteilung unter H0H_{0}H0​ (in der Regel Binomial B(n,p0)B(n, p_{0})B(n,p0​)).
Schritt 3: Kritischen Wert kkk bestimmen, sodass P(X≤k∣H0)≤αP(X \leq k\mid H_{0}) \leq \alphaP(X≤k∣H0​)≤α bzw. P(X≥k∣H0)≤αP(X \geq k\mid H_{0}) \leq \alphaP(X≥k∣H0​)≤α.
Schritt 4: Stichprobenergebnis mit Ablehnungsbereich vergleichen.
Schritt 5: Entscheidung und Interpretation im Sachkontext.
Bei großem nnn: Approximation durch Normalverteilung mit Stetigkeitskorrektur.
Linksseitig: P(X≤k∣H0)≤α,Rechtsseitig: P(X≥k∣H0)≤α\text{Linksseitig: } P(X \leq k\mid H_{0}) \leq \alpha,\quad \text{Rechtsseitig: } P(X \geq k\mid H_{0}) \leq \alphaLinksseitig: P(X≤k∣H0​)≤α,Rechtsseitig: P(X≥k∣H0​)≤α

Kritische Werte beim einseitigen Hypothesentest

Musterlösung

Einseitiger Hypothesentest

Ein Hersteller behauptet, dass mindestens 80 % seiner Produkte fehlerfrei sind. In einer Stichprobe von 100 Produkten finden sich 72 fehlerfrei. Testen Sie auf dem Niveau α=0,05\alpha = 0{,}05α=0,05 linksseitig.

  1. 01Schritt 1 — Hypothesen

    H0:p≥0,8H_{0}: p \geq 0{,}8H0​:p≥0,8 (Herstellerbehauptung); H1:p<0,8H_{1}: p < 0{,}8H1​:p<0,8.

  2. 02Schritt 2 — Testverteilung

    Unter H0H_{0}H0​: X∼B(100;0,8)X \sim B(100; 0{,}8)X∼B(100;0,8) mit E(X)=80E(X) = 80E(X)=80, σ=16=4\sigma = \sqrt{16} = 4σ=16​=4.

  3. 03Schritt 3 — Kritischer Wert

    Suche das größte kkk mit P(X≤k∣p=0,8)≤0,05P(X \leq k\mid p = 0{,}8) \leq 0{,}05P(X≤k∣p=0,8)≤0,05. Per Tabelle/GTR: k=72k = 72k=72 liefert P(X≤72)≈0,034≤0,05P(X \leq 72) \approx 0{,}034 \leq 0{,}05P(X≤72)≈0,034≤0,05.

  4. 04Schritt 4 — Entscheidung

    Beobachtet: X=72≤72X = 72 \leq 72X=72≤72, also H0H_{0}H0​ wird abgelehnt — Behauptung ist auf 5 %-Niveau widerlegt.

    Xbeob=72∈[0;72]=AblehnungsbereichX_{\text{beob}} = 72 \in [0; 72] = \text{Ablehnungsbereich}Xbeob​=72∈[0;72]=Ablehnungsbereich

Ergebnis: Auf Signifikanzniveau α=0,05\alpha = 0{,}05α=0,05 ist die Herstellerbehauptung statistisch nicht haltbar.

Abiturfokus

  • KMK-Operator „berechnen" und „beurteilen": vollständige Schrittfolge zwingend.
  • GTR/CAS-Funktion zur kumulativen Binomialverteilung sicher beherrschen.
  • Bei Approximation Approximationsbedingung np(1−p)>9np(1-p) > 9np(1−p)>9 prüfen.
  • Sachkontext-Interpretation in vollständigem Satz.

Typische Fehler

  • Kritischer Wert mit Wahrscheinlichkeit verwechselt.
  • Ablehnungsbereich an falscher Seite (z. B. rechtsseitig statt linksseitig).
  • Stetigkeitskorrektur bei Approximation vergessen.
  • Entscheidung ohne Vergleich mit Ablehnungsbereich.

LK-Vertiefung

eA: Approximieren Sie obiges Testproblem mit der Normalverteilung und vergleichen Sie das Ergebnis mit dem exakten Binomialtest.

Aktive Wiederholung

Ein Würfel soll daraufhin getestet werden, ob er gezinkt ist (Sechs fällt zu oft). In 200 Würfen erscheint 45 Mal die Sechs. Testen Sie auf α=0,05\alpha = 0{,}05α=0,05 rechtsseitig.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

§ 03

Konfidenzintervalle für unbekannte Wahrscheinlichkeiten#

●●●VertiefungLPL5

Konfidenzintervalle — mehrere Stichproben

p (wahrer Wert) verfehlt p 10 Stichproben — 9 KI enthalten p, 1 verfehlt → 95%-Methode
Abb. 2Zehn 95%-KI: rund neun von zehn enthalten den wahren Parameter p; die Methode liegt, nicht jedes Einzel-KI.

Kernpunkte

Ein (1−α)(1-\alpha)(1−α)-Konfidenzintervall für ppp enthält den wahren Parameter mit Wahrscheinlichkeit 1−α1-\alpha1−α (Methode, nicht einzelnes Intervall).
Approximatives KI: p^±z1−α/2⋅p^(1−p^)/n\hat{p} \pm z_{1-\alpha/2}\cdot \sqrt{\hat{p}(1-\hat{p})/n}p^​±z1−α/2​⋅p^​(1−p^​)/n​ mit p^=X/n\hat{p} = X/np^​=X/n.
Standardwerte für zzz: z0,975≈1,96z_{0{,}975} \approx 1{,}96z0,975​≈1,96 (95 %-KI), z0,995≈2,58z_{0{,}995} \approx 2{,}58z0,995​≈2,58 (99 %-KI).
Voraussetzung: np^(1−p^)>9n\hat{p}(1-\hat{p}) > 9np^​(1−p^​)>9 (Normalverteilungs-Approximation).
Stichprobengröße für gewünschte Genauigkeit: n≥z2p^(1−p^)d2n \geq \tfrac{z^{2}\hat{p}(1-\hat{p})}{d^{2}}n≥d2z2p^​(1−p^​)​ mit halber Intervallbreite ddd.
Häufige Anwendung: Wahlumfragen, Qualitätskontrolle, medizinische Studien.
KI1−α(p)=p^±z1−α/2⋅p^(1−p^)nKI_{1-\alpha}(p) = \hat{p} \pm z_{1-\alpha/2}\cdot \sqrt{\dfrac{\hat{p}(1-\hat{p})}{n}}KI1−α​(p)=p^​±z1−α/2​⋅np^​(1−p^​)​​

Approximatives (1-α)-Konfidenzintervall für p

Musterlösung

Konfidenzintervall für einen Anteil bestimmen

In einer Umfrage stimmen 360 von 600 Befragten einer These zu. Berechnen Sie ein 95 %-Konfidenzintervall für den wahren Anteil ppp und interpretieren Sie das Ergebnis.

  1. 01Schritt 1 — Punktschätzer

    Relative Häufigkeit p^=360600=0,6\hat{p}=\tfrac{360}{600}=0{,}6p^​=600360​=0,6.

  2. 02Schritt 2 — Standardfehler

    p^(1−p^)n=0,6⋅0,4600=0,0004=0,02\sqrt{\tfrac{\hat{p}(1-\hat{p})}{n}}=\sqrt{\tfrac{0{,}6\cdot 0{,}4}{600}}=\sqrt{0{,}0004}=0{,}02np^​(1−p^​)​​=6000,6⋅0,4​​=0,0004​=0,02.

    σp^=0,6⋅0,4600=0,02\sigma_{\hat{p}}=\sqrt{\dfrac{0{,}6\cdot 0{,}4}{600}}=0{,}02σp^​​=6000,6⋅0,4​​=0,02
  3. 03Schritt 3 — Intervall

    Mit z0,975≈1,96z_{0{,}975}\approx 1{,}96z0,975​≈1,96: 0,6±1,96⋅0,02=0,6±0,03920{,}6\pm 1{,}96\cdot 0{,}02 = 0{,}6\pm 0{,}03920,6±1,96⋅0,02=0,6±0,0392.

    KI0,95=[0,561; 0,639]KI_{0{,}95}=[0{,}561;\,0{,}639]KI0,95​=[0,561;0,639]
  4. 04Schritt 4 — Interpretieren

    Die Schätzmethode liefert in 95 % der Stichproben ein Intervall, das den wahren Anteil enthält; hier liegt ppp vermutlich zwischen rund 56 % und 64 %.

Ergebnis: Das 95 %-Konfidenzintervall ist etwa [0,561; 0,639][0{,}561;\,0{,}639][0,561;0,639] — der wahre Zustimmungsanteil liegt mit hoher Sicherheit zwischen 56 % und 64 %.

Abiturfokus

  • KMK-Operator „berechnen": p^\hat{p}p^​ aus Stichprobe, zzz aus Tabelle, Intervall sauber notieren.
  • KMK-Operator „interpretieren": KI-Aussage methodenbezogen formulieren („das Verfahren liefert in 95 % der Stichproben ein Intervall, das den wahren Wert überdeckt") — nicht „der wahre Wert liegt mit 95 % Wahrscheinlichkeit in genau diesem Intervall".
  • Stichprobengrößenberechnung als typische LK-Aufgabe.
  • Modellkritik bei kleinem nnn — Approximation versagt.

Typische Fehler

  • KI wird als „95 % der Werte" interpretiert statt als „Methode, die in 95 % der Fälle den wahren Wert enthält".
  • zzz-Wert für falsches Konfidenzniveau verwendet.
  • Wurzel im Standardfehler vergessen.
  • Konfidenzintervall ohne Plausibilitätsprüfung (Werte unter 0 oder über 1).

LK-Vertiefung

eA: Berechnen Sie die erforderliche Stichprobengröße, um den Anteil ppp einer Bevölkerung mit 95 %-KI und maximaler Breite ±2 %\pm 2\,\%±2%-Punkte zu schätzen, wenn vorab keine Schätzung von ppp vorliegt (Annahme p^=0,5\hat{p} = 0{,}5p^​=0,5).

Aktive Wiederholung

In einer Umfrage stimmen 360 von 600 Befragten einer These zu. Bestimmen Sie ein 95 %-Konfidenzintervall für den wahren Anteil ppp.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

§ 04

Fehler 2. Art und Gütefunktion#

●●●VertiefungLPL5LPK1

Kernpunkte

Der Fehler 2. Art (β\betaβ) tritt auf, wenn H0H_{0}H0​ nicht abgelehnt wird, obwohl H0H_{0}H0​ falsch ist; er hängt vom tatsächlichen Parameter p1p_{1}p1​ ab.
Berechnung: β(p1)=Pp1(X∈A‾)\beta(p_{1}) = P_{p_{1}}(X\in \overline{A})β(p1​)=Pp1​​(X∈A) — die Wahrscheinlichkeit, mit der die wahre Verteilung Werte im Annahmebereich A‾\overline{A}A von H0H_{0}H0​ erzeugt.
Die Gütefunktion (Trennschärfe) ist g(p1)=1−β(p1)g(p_{1}) = 1-\beta(p_{1})g(p1​)=1−β(p1​): die Wahrscheinlichkeit, eine falsche Nullhypothese korrekt zu verwerfen.
Trade-off: Senkt man α\alphaα (kleinerer Ablehnungsbereich), steigt β\betaβ — beide Fehler lassen sich bei festem nnn nicht gleichzeitig minimieren.
Größere Stichprobe nnn verkleinert bei festem α\alphaα den Fehler 2. Art und erhöht die Trennschärfe.
Die Gütefunktion ist umso steiler, je weiter p1p_{1}p1​ von p0p_{0}p0​ entfernt liegt: große Abweichungen werden zuverlässiger erkannt.
β(p1)=Pp1(X∈A‾)(Annahme von H0 trotz wahrem p1),Gu¨te =1−β(p1)\beta(p_{1}) = P_{p_{1}}(X \in \overline{A})\quad\text{(Annahme von } H_{0}\text{ trotz wahrem } p_{1}),\qquad \text{Güte } = 1-\beta(p_{1})β(p1​)=Pp1​​(X∈A)(Annahme von H0​ trotz wahrem p1​),Gu¨te =1−β(p1​)

Fehler 2. Art und Gütefunktion

Der Fehler 2. Art hängt vom tatsächlichen Parameter p1p_{1}p1​ ab; die Gütefunktion 1−β1-\beta1−β misst die Wahrscheinlichkeit, eine falsche Nullhypothese korrekt abzulehnen.

Musterlösung

Fehler 2. Art quantifizieren

Ein rechtsseitiger Test mit n=50n=50n=50, p0=0,5p_{0}=0{,}5p0​=0,5 lehnt H0H_{0}H0​ ab, falls X≥32X\geq 32X≥32. Bestimmen Sie die Wahrscheinlichkeit eines Fehlers 2. Art, wenn in Wahrheit p1=0,7p_{1}=0{,}7p1​=0,7 gilt.

  1. 01Schritt 1 — Annahmebereich festlegen

    Der Annahmebereich von H0H_{0}H0​ ist A‾={0,1,…,31}\overline{A}=\{0,1,\dots,31\}A={0,1,…,31}, also X≤31X\leq 31X≤31.

  2. 02Schritt 2 — Fehler 2. Art definieren

    Ein Fehler 2. Art liegt vor, wenn H0H_{0}H0​ angenommen wird (X≤31X\leq 31X≤31), obwohl tatsächlich p1=0,7p_{1}=0{,}7p1​=0,7 gilt: β=Pp1(X≤31)\beta=P_{p_{1}}(X\leq 31)β=Pp1​​(X≤31).

  3. 03Schritt 3 — Verteilung unter p₁

    Unter p1=0,7p_{1}=0{,}7p1​=0,7 ist X∼B(50;0,7)X\sim B(50;0{,}7)X∼B(50;0,7) mit E(X)=35E(X)=35E(X)=35. Per GTR/Tabelle: P(X≤31)≈0,141P(X\leq 31)\approx 0{,}141P(X≤31)≈0,141.

    β=P0,7(X≤31)≈0,141\beta = P_{0{,}7}(X\leq 31)\approx 0{,}141β=P0,7​(X≤31)≈0,141
  4. 04Schritt 4 — Güte berechnen

    Die Güte (Trennschärfe) ist 1−β≈0,8591-\beta\approx 0{,}8591−β≈0,859: der Test erkennt die Abweichung p=0,7p=0{,}7p=0,7 mit rund 86 % Wahrscheinlichkeit.

Ergebnis: Fehler 2. Art β≈14,1 %\beta\approx 14{,}1\,\%β≈14,1%; die Gütefunktion liefert hier eine Trennschärfe von rund 86 %.

Abiturfokus

  • KMK-Operator „berechnen": β\betaβ als kumulative Wahrscheinlichkeit der wahren Verteilung über dem Annahmebereich bestimmen.
  • KMK-Operator „beurteilen": Aussagekraft des Tests anhand der Güte 1−β1-\beta1−β einordnen.
  • KMK-Operator „erläutern": den Zielkonflikt zwischen Fehler 1. und 2. Art im Sachkontext beschreiben.
  • Annahmebereich A‾\overline{A}A exakt (inklusive/exklusive Grenzen) bestimmen, bevor β\betaβ gerechnet wird.

Typische Fehler

  • β\betaβ wird unter H0H_{0}H0​ statt unter dem wahren Parameter p1p_{1}p1​ berechnet.
  • Annahme- und Ablehnungsbereich werden vertauscht.
  • Güte 1−β1-\beta1−β mit dem Signifikanzniveau α\alphaα verwechselt.
  • Es wird angenommen, α\alphaα und β\betaβ ließen sich bei festem nnn gemeinsam beliebig verkleinern.

LK-Vertiefung

eA: Skizzieren Sie qualitativ die Gütefunktion g(p1)=1−β(p1)g(p_{1})=1-\beta(p_{1})g(p1​)=1−β(p1​) für p1∈[0,5; 1]p_{1}\in[0{,}5;\,1]p1​∈[0,5;1] des obigen Tests und erläutern Sie, wie sich eine Verdopplung des Stichprobenumfangs auf den Verlauf auswirkt.

Aktive Wiederholung

Ein rechtsseitiger Test mit n=50n=50n=50, p0=0,5p_{0}=0{,}5p0​=0,5 lehnt H0H_{0}H0​ bei X≥32X\geq 32X≥32 ab. Berechnen Sie den Fehler 2. Art und die Güte, wenn tatsächlich p1=0,7p_{1}=0{,}7p1​=0,7 gilt.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

§ 05

Zweiseitiger Signifikanztest#

●●○StandardLPL5

Kernpunkte

Beim zweiseitigen Test lautet die Gegenhypothese H1:p≠p0H_{1}: p\neq p_{0}H1​:p=p0​; geprüft wird auf Abweichung in beide Richtungen.
Das Signifikanzniveau α\alphaα wird auf beide Ränder aufgeteilt: je α2\tfrac{\alpha}{2}2α​ für den linken und rechten Ablehnungsbereich.
Die kritischen Grenzen erfüllen P(X≤klinks)≤α2P(X\leq k_{\text{links}})\leq \tfrac{\alpha}{2}P(X≤klinks​)≤2α​ und P(X≥krechts)≤α2P(X\geq k_{\text{rechts}})\leq \tfrac{\alpha}{2}P(X≥krechts​)≤2α​.
Der Annahmebereich liegt symmetrisch um den Erwartungswert E(X)=np0E(X)=np_{0}E(X)=np0​; bei der Binomialverteilung ist er wegen der Diskretheit nicht exakt symmetrisch.
Faustregel über die 1,96σ1{,}96\sigma1,96σ-Umgebung liefert eine schnelle Näherung der Grenzen, die exakte Binomialrechnung ist aber genauer.
Zweiseitige Tests sind angebracht, wenn Abweichungen in beide Richtungen relevant sind (z. B. „Ist die Münze fair?“, „Hat sich der Anteil verändert?“).
Musterlösung

Zweiseitiger Test auf eine vorgegebene Wahrscheinlichkeit

Eine Münze wird 100100100-mal geworfen und zeigt 616161-mal Kopf. Prüfen Sie zweiseitig auf α=0,05\alpha=0{,}05α=0,05, ob die Münze fair ist (p0=0,5p_{0}=0{,}5p0​=0,5).

  1. 01Schritt 1 — Hypothesen

    H0:p=0,5H_{0}: p=0{,}5H0​:p=0,5 (fair) gegen H1:p≠0,5H_{1}: p\neq 0{,}5H1​:p=0,5. Der Ablehnungsbereich liegt an beiden Rändern mit je α2=0,025\tfrac{\alpha}{2}=0{,}0252α​=0,025.

  2. 02Schritt 2 — Verteilung und Streuung

    Unter H0H_{0}H0​: X∼B(100;0,5)X\sim B(100;0{,}5)X∼B(100;0,5), E(X)=50E(X)=50E(X)=50, σ=100⋅0,5⋅0,5=5\sigma=\sqrt{100\cdot 0{,}5\cdot 0{,}5}=5σ=100⋅0,5⋅0,5​=5.

  3. 03Schritt 3 — Kritische Grenzen (exakte Binomialverteilung)

    Gesucht sind die Grenzen mit Randwahrscheinlichkeit je ≤0,025\leq 0{,}025≤0,025. Per Tabelle/GTR: P(X≤39)≈0,018P(X\leq 39)\approx 0{,}018P(X≤39)≈0,018 und P(X≥61)≈0,018P(X\geq 61)\approx 0{,}018P(X≥61)≈0,018, während P(X≤40)≈0,028>0,025P(X\leq 40)\approx 0{,}028>0{,}025P(X≤40)≈0,028>0,025. Annahmebereich ist also [40;60][40;60][40;60], Ablehnung bei X≤39X\leq 39X≤39 oder X≥61X\geq 61X≥61.

    Aann=[40; 60],X≤39  ∨  X≥61⇒AblehnungA_{\text{ann}} = [40;\,60],\quad X\leq 39 \;\lor\; X\geq 61 \Rightarrow \text{Ablehnung}Aann​=[40;60],X≤39∨X≥61⇒Ablehnung
  4. 04Schritt 4 — Entscheidung

    Beobachtet: X=61≥61X=61\geq 61X=61≥61 liegt im rechten Ablehnungsbereich; H0H_{0}H0​ wird verworfen — die Münze gilt auf 5 %-Niveau als nicht fair. (Die 1,96σ1{,}96\sigma1,96σ-Faustregel 50±9,850\pm 9{,}850±9,8 liefert eine gute, aber etwas engere Näherung.)

Ergebnis: Bei X=61X=61X=61 wird H0:p=0,5H_{0}: p=0{,}5H0​:p=0,5 im zweiseitigen Test auf α=0,05\alpha=0{,}05α=0,05 abgelehnt; die Münze ist statistisch auffällig kopflastig.

Abiturfokus

  • KMK-Operator „testen": Aufteilung von α\alphaα auf beide Ränder explizit dokumentieren.
  • KMK-Operator „bestimmen": linke und rechte kritische Grenze getrennt über kumulative Wahrscheinlichkeiten ermitteln.
  • KMK-Operator „entscheiden": Stichprobenwert mit beiden Ablehnungsbereichen vergleichen.
  • Wahl zwischen ein- und zweiseitigem Test aus der Fragestellung sauber begründen.

Typische Fehler

  • Das volle α\alphaα statt α2\tfrac{\alpha}{2}2α​ wird auf einen Rand angewendet.
  • Nur ein Rand des Ablehnungsbereichs wird betrachtet (einseitige Logik).
  • Symmetrie des Annahmebereichs wird bei der diskreten Binomialverteilung überstrapaziert.
  • Ein zweiseitiger Test wird gewählt, obwohl die Fragestellung eine eindeutige Richtung vorgibt.

LK-Vertiefung

eA: Bestimmen Sie für einen zweiseitigen Test mit n=200n=200n=200, p0=0,5p_{0}=0{,}5p0​=0,5 und α=0,01\alpha=0{,}01α=0,01 die kritischen Grenzen über die Normalapproximation und vergleichen Sie mit der exakten Binomiallösung.

Aktive Wiederholung

Eine Münze zeigt bei 100100100 Würfen 616161-mal Kopf. Prüfen Sie zweiseitig auf α=0,05\alpha=0{,}05α=0,05, ob die Münze fair ist, und geben Sie Annahme- und Ablehnungsbereich an.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

§ 06

Signifikanztest mit Normalapproximation#

●●●VertiefungLPL5LPK5

Kernpunkte

Für große nnn mit np0(1−p0)>9np_{0}(1-p_{0})>9np0​(1−p0​)>9 darf die Binomialtestgröße durch die Normalverteilung approximiert werden (Satz von de Moivre–Laplace).
Standardisierte Testgröße: Z=X−np0np0(1−p0)Z=\dfrac{X-np_{0}}{\sqrt{np_{0}(1-p_{0})}}Z=np0​(1−p0​)​X−np0​​ ist näherungsweise standardnormalverteilt.
Kritische Werte aus den Quantilen der Standardnormalverteilung: z0,95=1,645z_{0{,}95}=1{,}645z0,95​=1,645 (einseitig, α=0,05\alpha=0{,}05α=0,05), z0,975=1,96z_{0{,}975}=1{,}96z0,975​=1,96 (zweiseitig, α=0,05\alpha=0{,}05α=0,05).
Stetigkeitskorrektur (±0,5\pm 0{,}5±0,5) verbessert die Approximation, da eine diskrete durch eine stetige Verteilung ersetzt wird.
Vorgehen: Approximationsbedingung prüfen, standardisieren, mit kritischem zzz-Wert vergleichen, entscheiden, interpretieren.
Die Approximation ist Rechenerleichterung bei großem nnn; ist die Bedingung verletzt, bleibt die exakte Binomialrechnung verbindlich.
Z=X−np0np0(1−p0)    ≈    N(0 ; 1),z1−α=1,645  (α=0,05)Z = \dfrac{X - n p_{0}}{\sqrt{n p_{0}(1-p_{0})}}\;\;\approx\;\; N(0\,;\,1),\qquad z_{1-\alpha} = 1{,}645\;(\alpha=0{,}05)Z=np0​(1−p0​)​X−np0​​≈N(0;1),z1−α​=1,645(α=0,05)

Normalapproximation der Testgröße (z-Standardisierung)

Für np0(1−p0)>9n p_{0}(1-p_{0})>9np0​(1−p0​)>9 wird die Binomialtestgröße standardisiert; der kritische Wert ergibt sich aus dem Quantil der Standardnormalverteilung.

Musterlösung

Hypothesentest mit Normalapproximation

In 400400400 Stichproben tritt ein Merkmal 176176176-mal auf. Testen Sie rechtsseitig auf α=0,05\alpha=0{,}05α=0,05 die Hypothese H0:p≤0,4H_{0}: p\leq 0{,}4H0​:p≤0,4 mithilfe der Normalapproximation.

  1. 01Schritt 1 — Approximationsbedingung prüfen

    np0(1−p0)=400⋅0,4⋅0,6=96>9n p_{0}(1-p_{0})=400\cdot 0{,}4\cdot 0{,}6=96>9np0​(1−p0​)=400⋅0,4⋅0,6=96>9 — die Normalapproximation ist zulässig.

  2. 02Schritt 2 — Erwartungswert und Streuung

    Unter H0H_{0}H0​ am Rand p0=0,4p_{0}=0{,}4p0​=0,4: E(X)=160E(X)=160E(X)=160, σ=96≈9,80\sigma=\sqrt{96}\approx 9{,}80σ=96​≈9,80.

  3. 03Schritt 3 — Standardisieren

    Testgröße z=176−1609,80≈1,63z=\dfrac{176-160}{9{,}80}\approx 1{,}63z=9,80176−160​≈1,63. Kritischer Wert beim rechtsseitigen Test: z0,95=1,645z_{0{,}95}=1{,}645z0,95​=1,645.

    z=176−16096≈1,63<1,645z=\dfrac{176-160}{\sqrt{96}}\approx 1{,}63 < 1{,}645z=96​176−160​≈1,63<1,645
  4. 04Schritt 4 — Entscheidung

    Da z≈1,63<1,645z\approx 1{,}63 < 1{,}645z≈1,63<1,645 liegt der Wert knapp im Annahmebereich; H0H_{0}H0​ kann auf 5 %-Niveau nicht verworfen werden.

Ergebnis: Mit z≈1,63<1,645z\approx 1{,}63<1{,}645z≈1,63<1,645 wird H0:p≤0,4H_{0}: p\leq 0{,}4H0​:p≤0,4 nicht abgelehnt — der beobachtete Anteil von 44 % reicht knapp nicht für Signifikanz.

Abiturfokus

  • KMK-Operator „berechnen": Testgröße zzz standardisieren und mit dem Quantil vergleichen.
  • KMK-Operator „überprüfen": Approximationsbedingung np0(1−p0)>9np_{0}(1-p_{0})>9np0​(1−p0​)>9 ausdrücklich nachweisen.
  • KMK-Operator „beurteilen": Entscheidung treffen und Genauigkeit gegenüber dem exakten Test einordnen.
  • Stetigkeitskorrektur bei eA-Aufgaben mitführen und begründen.

Typische Fehler

  • Approximation wird ohne Prüfung der Bedingung np0(1−p0)>9np_{0}(1-p_{0})>9np0​(1−p0​)>9 verwendet.
  • Standardisierung mit der Varianz statt der Standardabweichung (Wurzel vergessen).
  • Falsches Quantil: einseitiges 1,6451{,}6451,645 vs. zweiseitiges 1,961{,}961,96 verwechselt.
  • Stetigkeitskorrektur weggelassen, obwohl sie die Entscheidung an der Grenze ändern kann.

LK-Vertiefung

eA: Wiederholen Sie obigen Test mit Stetigkeitskorrektur (X−0,5X-0{,}5X−0,5) und beurteilen Sie, ob sich die Testentscheidung dadurch ändert.

Aktive Wiederholung

In 400400400 Stichproben tritt ein Merkmal 176176176-mal auf. Testen Sie rechtsseitig auf α=0,05\alpha=0{,}05α=0,05 die Hypothese H0:p≤0,4H_{0}: p\leq 0{,}4H0​:p≤0,4 mithilfe der Normalapproximation.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Inhalt

Abschnitt -- / 06

    • 01Hypothesen, Signifikanzniveau und Fehlerarten◐
    • 02Durchführung eines Binomialtests◐
    • 03Konfidenzintervalle für unbekannte Wahrscheinlichkeiten●
    • 04Fehler 2. Art und Gütefunktion●
    • 05Zweiseitiger Signifikanztest◐
    • 06Signifikanztest mit Normalapproximation●

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Hypothesentests und Konfidenzintervalle

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