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Notizen/Mathematik/Folgen und Reihen
Notizen · MathematikDE · Abitur

Folgen und Reihen

Zahlenfolgen, Konvergenz und Grenzwerte, arithmetische und geometrische Folgen mit Summenformeln, unendliche geometrische Reihen sowie auf eA-Niveau die vollständige Induktion als Beweistechnik. Folgen sind Grundlage diskreter Wachstumsmodelle und Brücke zur Differential- und Integralrechnung.

6 Abschnitte·~11 Min Lesezeit·3 Kompetenzen·Niveau Basis 1 · Standard 2 · Vertiefung 3·Stand 05/2026

T·0777 / 10
Prüfungsprofil
L1 · Leitidee Algorithmus und ZahlL4 · Leitidee Funktionaler ZusammenhangK1 · Mathematisch argumentieren
Operatoren:untersuchenbeweisenberechnenbeschreiben

grundlegendes Niveau

gA: Erkennen arithmetischer und geometrischer Folgen, Berechnung von ana_{n}an​ und Partialsummen, Konvergenz anschaulich.

erhöhtes Niveau

eA: ε-Definition der Konvergenz, vollständige Induktion (Schritte: Induktionsanfang, Induktionsvoraussetzung, Induktionsschluss), Grenzwertsätze und unendliche Reihen.

Tiefe

Lesetiefe: Vertiefung

Schrift

Schriftgröße: Standard

Inhalt · 6 Abschnitte▾
  1. Folgen und Reihen
    • 01Folgen und Konvergenz◐
    • 02Arithmetische und geometrische Folgen○
    • 03Vollständige Induktion●
    • 04Monotonie, Beschränktheit und Monotoniekriterium◐
    • 05Rekursive Folgen und Fixpunkte●
    • 06Reihen, Partialsummen und Konvergenzkriterien●
§ 01

Folgen und Konvergenz#

●●○StandardLPL1

Konvergenz einer Folge gegen Grenzwert g

Konvergenz einer Folge gegen den Grenzwert gSchaubild von g, y-Achsenabschnitt bei y = 2, im Bereich x von 0 bis 11, Schaubild von g + ε, y-Achsenabschnitt bei y = 2.6, im Bereich x von 0 bis 11, Schaubild von g − ε, y-Achsenabschnitt bei y = 1.4, im Bereich x von 0 bis 112468100.511.522.53N₀gg + εg − εaₙn
Abb. 1Ab einem Index N₀ liegen alle Folgenglieder im ε-Schlauch um g.

Kernpunkte

Eine Folge (an)n∈N(a_{n})_{n\in\mathbb{N}}(an​)n∈N​ ordnet jedem nnn eine reelle Zahl zu; explizite Darstellung an=f(n)a_{n} = f(n)an​=f(n) oder rekursive Darstellung an+1=g(an)a_{n+1} = g(a_{n})an+1​=g(an​).
Eine Folge konvergiert gegen den Grenzwert ggg, wenn ab einem N0N_{0}N0​ alle Folgenglieder im ε\varepsilonε-Schlauch um ggg liegen.
Folgen, die nicht konvergieren, sind divergent — bestimmt divergent (±∞\pm\infty±∞) oder unbestimmt (alternierend, oszillierend).
Wichtige Standardfolgen: 1n→0\tfrac{1}{n}\to 0n1​→0, 1nk→0\tfrac{1}{n^{k}}\to 0nk1​→0, qn→0q^{n}\to 0qn→0 für ∣q∣<1|q| < 1∣q∣<1, (1+1n)n→e\left(1 + \tfrac{1}{n}\right)^{n}\to \mathrm{e}(1+n1​)n→e.
Grenzwertsätze: Summe, Produkt, Quotient (bei Nichtnullnenner) von konvergenten Folgen sind konvergent.
Monotone und beschränkte Folgen sind nach dem Monotoniekriterium konvergent.
lim⁡n→∞an=g  ⇔  ∀ε>0  ∃N0∈N:  n≥N0⇒∣an−g∣<ε\lim_{n\to\infty} a_{n} = g \;\Leftrightarrow\; \forall \varepsilon > 0\; \exists N_{0}\in\mathbb{N}:\; n\geq N_{0} \Rightarrow |a_{n} - g| < \varepsilonn→∞lim​an​=g⇔∀ε>0∃N0​∈N:n≥N0​⇒∣an​−g∣<ε

ε-Definition der Konvergenz

Abiturfokus

  • KMK-Operator „untersuchen": Konvergenz anschaulich (Grafik) und algebraisch (Grenzwertsätze) belegen.
  • Standardfolgen als „Bausteine" für komplexe Folgen einsetzen.
  • Divergente Folgen klar von oszillierenden trennen.
  • Rekursive Folgen: Fixpunkt a=g(a)a = g(a)a=g(a) als möglicher Grenzwert.

Typische Fehler

  • Konvergenz wird aus „immer kleiner werden" geschlossen — monoton fallend ist nicht ausreichend.
  • Grenzwert wird mit dem ersten Folgenglied verwechselt.
  • Divergenz wird mit Oszillation gleichgesetzt.
  • Bei rekursiven Folgen wird ohne Konvergenzprüfung der Fixpunkt als Grenzwert genannt.

LK-Vertiefung

eA: Zeigen Sie mit der ε\varepsilonε-Definition, dass die Folge an=1na_{n} = \tfrac{1}{n}an​=n1​ gegen 0 konvergiert (Angabe eines N0(ε)N_{0}(\varepsilon)N0​(ε)).

Aktive Wiederholung

Untersuchen Sie die Folge an=2n+1n+3a_{n} = \tfrac{2n+1}{n+3}an​=n+32n+1​ auf Konvergenz und bestimmen Sie ggf. den Grenzwert.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

§ 02

Arithmetische und geometrische Folgen#

●○○BasisLPL1

Kernpunkte

Arithmetische Folge: konstante Differenz ddd, an=a1+(n−1)da_{n} = a_{1} + (n-1)dan​=a1​+(n−1)d.
Geometrische Folge: konstanter Quotient qqq, an=a1⋅qn−1a_{n} = a_{1}\cdot q^{n-1}an​=a1​⋅qn−1.
Partialsumme arithmetisch: Sn=n2(a1+an)S_{n} = \tfrac{n}{2}(a_{1} + a_{n})Sn​=2n​(a1​+an​) (Gauß-Formel).
Partialsumme geometrisch: Sn=a1⋅1−qn1−qS_{n} = a_{1}\cdot \tfrac{1 - q^{n}}{1 - q}Sn​=a1​⋅1−q1−qn​ für q≠1q \neq 1q=1.
Unendliche geometrische Reihe konvergiert für ∣q∣<1|q| < 1∣q∣<1 gegen a11−q\tfrac{a_{1}}{1-q}1−qa1​​.
Anwendungen: Rentenrechnung, Tilgungspläne, exponentieller Zerfall in diskreter Form.
an=a1+(n−1)d    ∣    an=a1⋅qn−1    ∣    Snarith=n2(a1+an)    ∣    Sngeom=a1⋅1−qn1−qa_{n} = a_{1} + (n-1)d\;\;|\;\;a_{n} = a_{1}\cdot q^{n-1}\;\;|\;\;S_{n}^{\text{arith}} = \tfrac{n}{2}(a_{1}+a_{n})\;\;|\;\;S_{n}^{\text{geom}} = a_{1}\cdot \tfrac{1-q^{n}}{1-q}an​=a1​+(n−1)d∣an​=a1​⋅qn−1∣Snarith​=2n​(a1​+an​)∣Sngeom​=a1​⋅1−q1−qn​

Arithmetische und geometrische Folgen und Reihen

Musterlösung

Geometrische Reihe mit unendlich vielen Gliedern

Berechnen Sie den Wert der unendlichen geometrischen Reihe ∑n=0∞12n\sum_{n=0}^{\infty} \tfrac{1}{2^{n}}∑n=0∞​2n1​.

  1. 01Schritt 1 — Konvergenzbedingung

    Quotient q=12q = \tfrac{1}{2}q=21​ mit ∣q∣<1|q| < 1∣q∣<1, also konvergent.

  2. 02Schritt 2 — Formel anwenden

    Grenzwert: S=a01−q=11−1/2=2S = \tfrac{a_{0}}{1-q} = \tfrac{1}{1-1/2} = 2S=1−qa0​​=1−1/21​=2.

    S=11−q=2S = \dfrac{1}{1-q} = 2S=1−q1​=2

Ergebnis: Reihenwert S=2S = 2S=2 — Standardbeispiel für konvergente geometrische Reihe.

Abiturfokus

  • KMK-Operator „berechnen": Formel benennen, Werte einsetzen.
  • Arithmetisch vs. geometrisch korrekt klassifizieren — Test über an+1−ana_{n+1} - a_{n}an+1​−an​ vs. an+1/ana_{n+1}/a_{n}an+1​/an​.
  • Bei unendlicher Reihe Konvergenzbedingung ∣q∣<1|q| < 1∣q∣<1 prüfen.
  • Anwendung in Sachkontext (Zins, Tilgung) sauber interpretieren.

Typische Fehler

  • Arithmetisch mit geometrisch verwechselt.
  • Partialsumme mit a1+ana_{1} + a_{n}a1​+an​ statt der korrekten Summenformel.
  • Unendliche Reihe ohne Konvergenzprüfung berechnet.
  • Index-Verschiebung: nnn-tes Glied vs. (n−1)(n-1)(n−1)-te Differenz.

LK-Vertiefung

eA: Beweisen Sie mit vollständiger Induktion die Gauß-Formel ∑k=1nk=n(n+1)2\sum_{k=1}^{n} k = \tfrac{n(n+1)}{2}∑k=1n​k=2n(n+1)​.

Aktive Wiederholung

Eine geometrische Folge hat a1=3a_{1} = 3a1​=3 und q=0,8q = 0{,}8q=0,8. Berechnen Sie a10a_{10}a10​ und die Partialsumme S10S_{10}S10​.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

§ 03

Vollständige Induktion#

●●●VertiefungLPL1LPK1

Kernpunkte

Vollständige Induktion ist Standardbeweistechnik für Aussagen über N\mathbb{N}N.
Drei Schritte: Induktionsanfang (Basisfall n=1n = 1n=1 oder n0n_{0}n0​), Induktionsvoraussetzung (Aussage gilt für nnn), Induktionsschluss (n→n+1n \to n+1n→n+1).
Induktionsschluss nutzt die Voraussetzung und algebraische Umformung, um die Aussage für n+1n+1n+1 zu erhalten.
Häufige Anwendungen: Summenformeln, Teilbarkeitsaussagen, Ungleichungen (z. B. Bernoulli).
Strukturelle Klarheit ist zentral: jeden der drei Schritte explizit beschriften.
Verschiedene Varianten: starke Induktion, transfinite Induktion (für LK selten relevant).
Musterlösung

Vollständige Induktion — Summe ungerader Zahlen

Beweisen Sie mit vollständiger Induktion, dass ∑k=1n(2k−1)=n2\sum_{k=1}^{n}(2k-1)=n^{2}∑k=1n​(2k−1)=n2 für alle n∈N∗n\in\mathbb{N}^{*}n∈N∗ gilt.

  1. 01Schritt 1 — Induktionsanfang

    Für n=1n=1n=1: linke Seite =2⋅1−1=1=2\cdot 1-1=1=2⋅1−1=1, rechte Seite =12=1=1^{2}=1=12=1. Die Aussage gilt für n=1n=1n=1.

  2. 02Schritt 2 — Induktionsvoraussetzung

    Es gelte für ein n∈N∗n\in\mathbb{N}^{*}n∈N∗: ∑k=1n(2k−1)=n2\sum_{k=1}^{n}(2k-1)=n^{2}∑k=1n​(2k−1)=n2.

  3. 03Schritt 3 — Induktionsschritt

    Addiere das nächste ungerade Glied 2(n+1)−1=2n+12(n+1)-1=2n+12(n+1)−1=2n+1 und nutze die Voraussetzung.

    ∑k=1n+1(2k−1)=n2+(2n+1)=(n+1)2\sum_{k=1}^{n+1}(2k-1) = n^{2} + (2n+1) = (n+1)^{2}k=1∑n+1​(2k−1)=n2+(2n+1)=(n+1)2
  4. 04Schritt 4 — Schluss

    Die Aussage gilt auch für n+1n+1n+1, nach dem Induktionsprinzip also für alle n∈N∗n\in\mathbb{N}^{*}n∈N∗.

Ergebnis: Die Summe der ersten nnn ungeraden Zahlen ist stets n2n^{2}n2 — vollständig bewiesen.

Abiturfokus

  • KMK-Operator „beweisen": dreischrittiger Aufbau zwingend.
  • Induktionsvoraussetzung deutlich kenntlich machen („Es gelte für ein n∈Nn \in \mathbb{N}n∈N:").
  • Übergang n→n+1n \to n+1n→n+1 algebraisch sauber dokumentieren.
  • Bei Ungleichungen: Vorsicht bei Multiplikation/Division mit eventuell negativen Termen.

Typische Fehler

  • Induktionsanfang vergessen oder „trivial" abgetan.
  • Induktionsschluss ohne Verwendung der Voraussetzung — Beweis ist dann ungültig.
  • Algebraische Umformung im Induktionsschluss enthält Fehler.
  • Gültigkeitsbereich (ab welchem n0n_{0}n0​?) nicht angegeben.

LK-Vertiefung

eA: Beweisen Sie die Bernoulli-Ungleichung (1+x)n≥1+nx(1+x)^{n} \geq 1 + nx(1+x)n≥1+nx für x>−1x > -1x>−1 und n∈Nn \in \mathbb{N}n∈N mittels vollständiger Induktion.

Aktive Wiederholung

Beweisen Sie mit vollständiger Induktion: ∑k=1n(2k−1)=n2\sum_{k=1}^{n} (2k-1) = n^{2}∑k=1n​(2k−1)=n2 für alle n∈N∗n \in \mathbb{N}^{*}n∈N∗.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

§ 04

Monotonie, Beschränktheit und Monotoniekriterium#

●●○StandardLPL1

Kernpunkte

Eine Folge heißt (streng) monoton wachsend, wenn an+1≥ana_{n+1}\geq a_{n}an+1​≥an​ (bzw. an+1>ana_{n+1}>a_{n}an+1​>an​) für alle nnn gilt; analog monoton fallend.
Nachweis über die Differenz an+1−ana_{n+1}-a_{n}an+1​−an​ (Vorzeichen) oder bei positiven Gliedern über den Quotienten an+1/ana_{n+1}/a_{n}an+1​/an​ im Vergleich zu 111.
Eine Folge ist nach oben beschränkt, wenn es eine obere Schranke SSS mit an≤Sa_{n}\leq San​≤S gibt; nach unten analog mit unterer Schranke.
Monotoniekriterium: Eine monoton wachsende und nach oben beschränkte Folge konvergiert; der Grenzwert ist die kleinste obere Schranke (Supremum).
Beschränktheit allein garantiert keine Konvergenz (z. B. an=(−1)na_{n}=(-1)^{n}an​=(−1)n ist beschränkt, aber divergent); erst zusammen mit Monotonie folgt Konvergenz.
Die Schranke gibt eine Vorab-Plausibilität für den Grenzwert: bei an=3−6n+2a_{n}=3-\tfrac{6}{n+2}an​=3−n+26​ ist die obere Schranke 333 zugleich der Grenzwert.
an+1−an>0    (streng monoton wachsend),an+1an<1    (monoton fallend, an>0)a_{n+1} - a_{n} > 0\;\;(\text{streng monoton wachsend}),\qquad \frac{a_{n+1}}{a_{n}} < 1\;\;(\text{monoton fallend, } a_{n}>0)an+1​−an​>0(streng monoton wachsend),an​an+1​​<1(monoton fallend, an​>0)

Monotoniekriterien über Differenz bzw. Quotient

Das Differenzkriterium eignet sich für additiv aufgebaute Folgen, das Quotientenkriterium für multiplikativ aufgebaute (Potenzen, Fakultäten).

Musterlösung

Monotonie und Beschränktheit nachweisen

Untersuchen Sie die Folge an=3nn+2a_{n}=\dfrac{3n}{n+2}an​=n+23n​ auf Monotonie und Beschränktheit und begründen Sie damit die Konvergenz.

  1. 01Schritt 1 — Differenz bilden

    Bestimme an+1−an=3(n+1)n+3−3nn+2a_{n+1}-a_{n}=\dfrac{3(n+1)}{n+3}-\dfrac{3n}{n+2}an+1​−an​=n+33(n+1)​−n+23n​. Auf den Hauptnenner (n+3)(n+2)(n+3)(n+2)(n+3)(n+2) gebracht ergibt der Zähler 3(n+1)(n+2)−3n(n+3)=3 [ (n2+3n+2)−(n2+3n) ]=63(n+1)(n+2)-3n(n+3)=3\,[\,(n^{2}+3n+2)-(n^{2}+3n)\,]=63(n+1)(n+2)−3n(n+3)=3[(n2+3n+2)−(n2+3n)]=6.

    an+1−an=6(n+3)(n+2)>0a_{n+1}-a_{n}=\dfrac{6}{(n+3)(n+2)}>0an+1​−an​=(n+3)(n+2)6​>0
  2. 02Schritt 2 — Monotonie folgern

    Der Zähler 6 ist positiv und der Nenner für alle n∈Nn\in\mathbb{N}n∈N positiv, also an+1−an>0a_{n+1}-a_{n}>0an+1​−an​>0: die Folge ist streng monoton wachsend.

  3. 03Schritt 3 — Schranke bestimmen

    Wegen an=3nn+2=3−6n+2<3a_{n}=\dfrac{3n}{n+2}=3-\dfrac{6}{n+2}<3an​=n+23n​=3−n+26​<3 ist die Folge nach oben durch 333 beschränkt; sie ist nach unten durch a1=1a_{1}=1a1​=1 beschränkt.

  4. 04Schritt 4 — Konvergenz schließen

    Eine monoton wachsende, nach oben beschränkte Folge konvergiert (Monotoniekriterium); der Grenzwert ist die kleinste obere Schranke g=3g=3g=3.

Ergebnis: Die Folge ist streng monoton wachsend und durch 333 beschränkt; nach dem Monotoniekriterium konvergiert sie gegen g=3g=3g=3.

Abiturfokus

  • KMK-Operator „untersuchen": Monotonie über das Vorzeichen der Differenz an+1−ana_{n+1}-a_{n}an+1​−an​ formal begründen, nicht nur an Einzelwerten.
  • KMK-Operator „begründen": Beschränktheit durch Termumformung an=c−rn+sa_{n}=c-\tfrac{r}{n+s}an​=c−n+sr​ und Abschätzung belegen.
  • KMK-Operator „nachweisen": Konvergenz über das Monotoniekriterium aus Monotonie + Beschränktheit folgern.
  • Quotientenkriterium bei multiplikativ gebauten Folgen (Potenzen, Fakultäten) bevorzugen.

Typische Fehler

  • Monotonie wird aus wenigen Anfangsgliedern „abgelesen“ statt allgemein über an+1−ana_{n+1}-a_{n}an+1​−an​ bewiesen.
  • Beschränktheit nach oben mit Konvergenz gleichgesetzt — die Monotonie wird vergessen.
  • Beim Quotientenkriterium wird das Vorzeichen der Glieder nicht beachtet (gilt nur für an>0a_{n}>0an​>0).
  • Die kleinste obere Schranke wird mit einer beliebigen oberen Schranke verwechselt; der Grenzwert ist das Supremum.

LK-Vertiefung

eA: Zeigen Sie, dass die Folge an=(1+1n)na_{n}=\left(1+\tfrac{1}{n}\right)^{n}an​=(1+n1​)n streng monoton wachsend und durch 333 nach oben beschränkt ist, und schließen Sie auf die Existenz des Grenzwerts e\mathrm{e}e.

Aktive Wiederholung

Untersuchen Sie die Folge an=2n−1n+1a_{n}=\dfrac{2n-1}{n+1}an​=n+12n−1​ auf Monotonie und Beschränktheit und begründen Sie mit dem Monotoniekriterium die Konvergenz samt Grenzwert.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

§ 05

Rekursive Folgen und Fixpunkte#

●●●VertiefungLPL1LPL4

Spinnwebdiagramm — rekursive Folge nähert sich dem Fixpunkt

Spinnwebdiagramm — rekursive Folge nähert sich dem FixpunktSchaubild von y = g(x), y-Achsenabschnitt bei y = 3, steigend, im Bereich x von 0 bis 12, Schaubild von y = x, Nullstellen bei x = 0, y-Achsenabschnitt bei y = 0, steigend, im Bereich x von 0 bis 122468101224681012Fixpunkt g = 6y = g(x)y = xan+1x = an
Abb. 2Treppen- bzw. Spinnwebzug zwischen der Rekursionskurve y=g(x)y=g(x)y=g(x) und der Winkelhalbierenden y=xy=xy=x; der Schnittpunkt ist der Fixpunkt.

Kernpunkte

Eine rekursive Folge ist durch Startwert(e) und eine Rekursionsvorschrift an+1=g(an)a_{n+1}=g(a_{n})an+1​=g(an​) definiert; jedes Glied entsteht aus dem vorigen.
Konvergiert (an)(a_{n})(an​) gegen ggg und ist ggg stetig, so erfüllt der Grenzwert die Fixpunktgleichung g=g(g)g=g(g)g=g(g) — Lösen dieser Gleichung liefert Kandidaten für den Grenzwert.
Die Fixpunktgleichung liefert den Grenzwert nur unter vorausgesetzter Konvergenz; Konvergenz selbst ist separat (z. B. über Monotonie + Beschränktheit) zu zeigen.
Das Spinnwebdiagramm zwischen y=g(x)y=g(x)y=g(x) und y=xy=xy=x veranschaulicht den Iterationsverlauf; der Schnittpunkt ist der Fixpunkt.
Lineare Rekursionen an+1=q an+ba_{n+1}=q\,a_{n}+ban+1​=qan​+b besitzen den Fixpunkt g=b1−qg=\tfrac{b}{1-q}g=1−qb​ und konvergieren für ∣q∣<1|q|<1∣q∣<1.
Anwendungen: Heron-Verfahren zur Wurzelberechnung, diskrete logistische Modelle, Tilgungs- und Verzinsungsfolgen.
an+1=q an+b  ⇒  Fixpunkt g=b1−q  (∣q∣<1)a_{n+1}=q\,a_{n}+b\;\Rightarrow\;\text{Fixpunkt } g=\dfrac{b}{1-q}\;(|q|<1)an+1​=qan​+b⇒Fixpunkt g=1−qb​(∣q∣<1)

Fixpunkt einer linearen Rekursion

Musterlösung

Rekursive Folge — Grenzwert über Fixpunkt

Die Folge sei rekursiv durch a1=2a_{1}=2a1​=2 und an+1=12(an+2an)a_{n+1}=\tfrac{1}{2}\bigl(a_{n}+\tfrac{2}{a_{n}}\bigr)an+1​=21​(an​+an​2​) (Heron-Verfahren für 2\sqrt{2}2​) definiert. Bestimmen Sie den Grenzwert unter der Annahme der Konvergenz.

  1. 01Schritt 1 — Erste Glieder berechnen

    a2=12(2+1)=1,5a_{2}=\tfrac{1}{2}(2+1)=1{,}5a2​=21​(2+1)=1,5; a3=12(1,5+21,5)≈1,4167a_{3}=\tfrac{1}{2}(1{,}5+\tfrac{2}{1{,}5})\approx 1{,}4167a3​=21​(1,5+1,52​)≈1,4167; die Glieder nähern sich rasch einem Wert.

  2. 02Schritt 2 — Fixpunktgleichung ansetzen

    Konvergiert (an)(a_{n})(an​) gegen g>0g>0g>0, so gilt im Grenzwert g=12(g+2g)g=\tfrac{1}{2}\bigl(g+\tfrac{2}{g}\bigr)g=21​(g+g2​), da ana_{n}an​ und an+1a_{n+1}an+1​ denselben Grenzwert haben.

    g=12(g+2g)g=\tfrac{1}{2}\Bigl(g+\tfrac{2}{g}\Bigr)g=21​(g+g2​)
  3. 03Schritt 3 — Gleichung lösen

    Multiplikation mit 2g2g2g: 2g2=g2+22g^{2}=g^{2}+22g2=g2+2, also g2=2g^{2}=2g2=2 und damit g=2g=\sqrt{2}g=2​ (negative Lösung entfällt wegen an>0a_{n}>0an​>0).

  4. 04Schritt 4 — Plausibilität prüfen

    2≈1,41421\sqrt{2}\approx 1{,}414212​≈1,41421 stimmt mit dem Trend der berechneten Glieder überein; das Verfahren konvergiert quadratisch.

Ergebnis: Der Grenzwert der rekursiven Folge ist g=2g=\sqrt{2}g=2​; die Fixpunktgleichung g=g(g)g=g(g)g=g(g) liefert den Wert nur unter vorausgesetzter Konvergenz.

Abiturfokus

  • KMK-Operator „berechnen": die ersten Glieder zur Trendabschätzung bestimmen, bevor die Fixpunktgleichung gelöst wird.
  • KMK-Operator „bestimmen": Fixpunktgleichung g=g(g)g=g(g)g=g(g) aufstellen und alle Lösungen mit Vorzeichenbetrachtung diskutieren.
  • KMK-Operator „begründen": ausdrücklich anmerken, dass der Fixpunkt nur bei vorausgesetzter Konvergenz der Grenzwert ist.
  • Bei linearer Rekursion den Fixpunkt b1−q\tfrac{b}{1-q}1−qb​ direkt nutzen und die Konvergenzbedingung ∣q∣<1|q|<1∣q∣<1 prüfen.

Typische Fehler

  • Der Fixpunkt wird ohne Konvergenznachweis als Grenzwert ausgegeben.
  • Bei der Fixpunktgleichung wird eine Lösung (z. B. die negative Wurzel) nicht durch den Definitionsbereich der Folge ausgeschlossen.
  • Rekursive und explizite Darstellung werden verwechselt; an+1=g(an)a_{n+1}=g(a_{n})an+1​=g(an​) liefert nicht direkt einen Funktionsterm an=f(n)a_{n}=f(n)an​=f(n).
  • Beim Heron-Verfahren wird der Faktor 12\tfrac{1}{2}21​ vergessen, sodass die Iteration nicht gegen 2\sqrt{2}2​ strebt.

LK-Vertiefung

eA: Untersuchen Sie die rekursive Folge a1=1a_{1}=1a1​=1, an+1=2+ana_{n+1}=\sqrt{2+a_{n}}an+1​=2+an​​ auf Monotonie und Beschränktheit und bestimmen Sie den Grenzwert über die Fixpunktgleichung.

Aktive Wiederholung

Die Folge sei durch a1=4a_{1}=4a1​=4 und an+1=12an+3a_{n+1}=\tfrac{1}{2}a_{n}+3an+1​=21​an​+3 gegeben. Bestimmen Sie den Fixpunkt, begründen Sie die Konvergenz und geben Sie den Grenzwert an.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

§ 06

Reihen, Partialsummen und Konvergenzkriterien#

●●●VertiefungLPL1LPK1

Kernpunkte

Eine Reihe ∑k=1∞ak\sum_{k=1}^{\infty} a_{k}∑k=1∞​ak​ ist der Grenzwert der Partialsummenfolge Sn=∑k=1nakS_{n}=\sum_{k=1}^{n} a_{k}Sn​=∑k=1n​ak​; sie konvergiert, wenn (Sn)(S_{n})(Sn​) konvergiert.
Notwendiges Kriterium: Konvergiert ∑ak\sum a_{k}∑ak​, so ist lim⁡k→∞ak=0\lim_{k\to\infty} a_{k}=0limk→∞​ak​=0. Ist die Gliederfolge keine Nullfolge, divergiert die Reihe sicher.
Das notwendige Kriterium ist nicht hinreichend: die harmonische Reihe ∑1k\sum \tfrac{1}{k}∑k1​ divergiert, obwohl 1k→0\tfrac{1}{k}\to 0k1​→0.
Geometrische Reihe als Referenz: ∑k=0∞qk=11−q\sum_{k=0}^{\infty} q^{k}=\tfrac{1}{1-q}∑k=0∞​qk=1−q1​ für ∣q∣<1|q|<1∣q∣<1, sonst Divergenz.
Vergleichskriterium: Ist 0≤ak≤bk0\leq a_{k}\leq b_{k}0≤ak​≤bk​ und ∑bk\sum b_{k}∑bk​ konvergent (Majorante), so konvergiert auch ∑ak\sum a_{k}∑ak​; mit divergenter Minorante folgt umgekehrt Divergenz.
Bedeutung für die Analysis: Reihen sind die diskrete Vorstufe des Integrals und Grundlage von Potenzreihendarstellungen elementarer Funktionen (eA).
∑k=0∞qk=11−q  (∣q∣<1),∑ak konv.⇒lim⁡k→∞ak=0\sum_{k=0}^{\infty} q^{k}=\dfrac{1}{1-q}\;(|q|<1),\qquad \sum a_{k}\text{ konv.}\Rightarrow \lim_{k\to\infty} a_{k}=0k=0∑∞​qk=1−q1​(∣q∣<1),∑ak​ konv.⇒k→∞lim​ak​=0

Geometrische Reihe und notwendiges Konvergenzkriterium

Musterlösung

Reihen auf Konvergenz prüfen — notwendiges Kriterium und harmonische Reihe

Begründen Sie, warum die Reihe ∑n=1∞n2n+1\sum_{n=1}^{\infty}\tfrac{n}{2n+1}∑n=1∞​2n+1n​ divergiert, und ordnen Sie die harmonische Reihe ∑n=1∞1n\sum_{n=1}^{\infty}\tfrac{1}{n}∑n=1∞​n1​ ein.

  1. 01Schritt 1 — Notwendiges Kriterium nennen

    Eine Reihe ∑an\sum a_{n}∑an​ kann nur konvergieren, wenn die Gliederfolge eine Nullfolge ist: lim⁡n→∞an=0\lim_{n\to\infty} a_{n}=0limn→∞​an​=0. Andernfalls liegt Divergenz vor.

  2. 02Schritt 2 — Gliederfolge der ersten Reihe

    Hier ist an=n2n+1→12≠0a_{n}=\tfrac{n}{2n+1}\to \tfrac{1}{2}\neq 0an​=2n+1n​→21​=0 für n→∞n\to\inftyn→∞.

    lim⁡n→∞n2n+1=12≠0\lim_{n\to\infty}\frac{n}{2n+1}=\frac{1}{2}\neq 0n→∞lim​2n+1n​=21​=0
  3. 03Schritt 3 — Divergenz folgern

    Da die Glieder nicht gegen 000 streben, ist das notwendige Kriterium verletzt; die Reihe divergiert.

  4. 04Schritt 4 — Harmonische Reihe abgrenzen

    Bei 1n\tfrac{1}{n}n1​ gilt zwar 1n→0\tfrac{1}{n}\to 0n1​→0, doch das notwendige Kriterium ist nicht hinreichend: die harmonische Reihe divergiert dennoch (langsam). Eine Nullfolge der Glieder garantiert also keine Konvergenz der Reihe.

Ergebnis: Die erste Reihe divergiert, weil an→12≠0a_{n}\to\tfrac{1}{2}\neq 0an​→21​=0. Die harmonische Reihe zeigt, dass an→0a_{n}\to 0an​→0 nur notwendig, nicht hinreichend für Konvergenz ist.

Abiturfokus

  • KMK-Operator „untersuchen": zuerst das notwendige Kriterium (Nullfolge?) prüfen, bevor aufwendigere Kriterien angewandt werden.
  • KMK-Operator „begründen": Divergenz durch Verletzung des notwendigen Kriteriums oder durch divergente Minorante belegen.
  • KMK-Operator „berechnen": Wert konvergenter geometrischer Reihen über a01−q\tfrac{a_{0}}{1-q}1−qa0​​ angeben.
  • Abgrenzung notwendig/hinreichend an der harmonischen Reihe explizit thematisieren.

Typische Fehler

  • Aus ak→0a_{k}\to 0ak​→0 wird voreilig auf Konvergenz der Reihe geschlossen (Verwechslung notwendig/hinreichend).
  • Partialsummenfolge SnS_{n}Sn​ und Gliederfolge ana_{n}an​ werden vertauscht.
  • Beim Vergleichskriterium fehlt die Voraussetzung nichtnegativer Glieder.
  • Konvergenzbedingung ∣q∣<1|q|<1∣q∣<1 der geometrischen Reihe wird nicht geprüft.

LK-Vertiefung

eA: Zeigen Sie mit dem Vergleichskriterium, dass ∑k=1∞1k2\sum_{k=1}^{\infty}\dfrac{1}{k^{2}}∑k=1∞​k21​ konvergiert, indem Sie 1k2≤1k(k−1)\tfrac{1}{k^{2}}\leq \tfrac{1}{k(k-1)}k21​≤k(k−1)1​ für k≥2k\geq 2k≥2 nutzen und die Teleskopsumme ∑1k(k−1)\sum \tfrac{1}{k(k-1)}∑k(k−1)1​ auswerten.

Aktive Wiederholung

Begründen Sie, ob die Reihe ∑k=1∞2k+35k+1\sum_{k=1}^{\infty}\dfrac{2k+3}{5k+1}∑k=1∞​5k+12k+3​ konvergiert oder divergiert, und nennen Sie das verwendete Kriterium.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Inhalt

Abschnitt -- / 06

    • 01Folgen und Konvergenz◐
    • 02Arithmetische und geometrische Folgen○
    • 03Vollständige Induktion●
    • 04Monotonie, Beschränktheit und Monotoniekriterium◐
    • 05Rekursive Folgen und Fixpunkte●
    • 06Reihen, Partialsummen und Konvergenzkriterien●

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Folgen und Reihen

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