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Notizen/Geschichte und Politische Bildung/GSK 10 — Globalgeschichte 20./21. Jh.: Kalter Krieg, Dekolonisation, Naher Osten, 9/11, Ukraine 2022, Klimakrise
Notizen · Geschichte und Politische BildungAT · Matura

GSK 10 — Globalgeschichte 20./21. Jh.: Kalter Krieg, Dekolonisation, Naher Osten, 9/11, Ukraine 2022, Klimakrise

Bipolare Weltordnung 1947–1989; Entkolonialisierung; Naher Osten als Konfliktherd seit 1948; 9/11 als globale Zäsur; russischer Angriffskrieg auf die Ukraine 2022; Klimakrise als historische Tiefenzäsur.

6 Abschnitte·~14 Min Lesezeit·2 Kompetenzen·Niveau Basis 1 · Standard 3 · Vertiefung 2·Stand 06/2026

T·101010 / 12
Prüfungsprofil
HSK-GG · Globalgeschichtliche Strukturen verstehenHOK-GG · Gegenwart aus globaler Geschichte erklären
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Lesetiefe: Vertiefung

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Inhalt · 6 Abschnitte▾
  1. GSK 10 — Globalgeschichte 20./21. Jh.: Kalter Krieg, Dekolonisation, Naher Osten, 9/11, Ukraine 2022, Klimakrise
    • 01Kalter Krieg 1947–1989/91◐
    • 02Dekolonisation und Naher-Osten-Konflikt◐
    • 039/11, Ukraine 2022 und Klimakrise als historische Zäsuren●
    • 04Wendejahr 1989 und postsozialistische Transformation●
    • 05Globalisierung: Weltwirtschaft, Verflechtung und Ungleichheit○
    • 06Europäische Integration: von der EGKS zur EU◐
§ 01

Kalter Krieg 1947–1989/91#

●●○StandardLPGSK-GG-10.1

Blockbildung Kalter Krieg (ca. 1955–1989)

NATO (1949) USA, GB, FR, BRD (1955), IT, BENELUX, u.a. „Westen" Marktwirtschaft, Mehrparteien-Demokratie Marshall-Plan (ERP) 1948 Warschauer Pakt (1955) UdSSR, DDR, ČSSR, PL, HU, RO, BG, ALB „Ostblock" Planwirtschaft, Einparteienherrschaft RGW / COMECON 1949 Eiserner Vorhang Neutral AT, CH, SE, IRL, FIN Österreich: Staatsvertrag 1955, „immerwährende Neutralität" (BVG 26.10.1955) — Brückenfunktion.
Abb. 1NATO ↔ Warschauer Pakt; Neutrale; Eiserner Vorhang quer durch Europa.

Kernpunkte

Definition: ideologisch-militärisch-ökonomische Systemkonkurrenz USA ↔ UdSSR ohne direkten Krieg zwischen den Hauptmächten („Heißer Stellvertreterkrieg" in Korea, Vietnam, Afghanistan).
Zäsuren: Truman-Doktrin 1947, Marshall-Plan 1948, Berlin-Blockade 1948/49, NATO 1949, Korea 1950–1953, Warschauer Pakt 1955, Kuba-Krise 1962, Vietnamkrieg, KSZE Helsinki 1975, Afghanistan 1979.
Detente (Entspannung) 1969ff. (Brandt, Brezhnev, Nixon); KSZE-Schlussakte 1.8.1975 (Wien als Mitgestalter).
Auflösung: Gorbatschow Perestroika/Glasnost ab 1985, Solidarność Polen, Wendejahr 1989 (Berliner Mauerfall 9.11.), Auflösung UdSSR 26.12.1991.
Österreich: Brückenfunktion, KSZE-Folge­konferenzen Wien, OSZE-Sitz Wien.
Musterbeispiel

Die Kubakrise 1962 als Modell der Eskalation und Deeskalation

Analysiere die Kubakrise (Oktober 1962) und erkläre, warum sie als gefährlichster Moment und zugleich als Wendepunkt des Kalten Krieges gilt.

  1. 01Ausgangslage

    Nach der gescheiterten US-Invasion in der Schweinebucht (1961) stationiert die UdSSR sowjetische Mittelstreckenraketen auf Kuba — in unmittelbarer Reichweite der USA. US-Aufklärung entdeckt die Stellungen.

  2. 02Eskalation

    Präsident Kennedy verhängt eine Seeblockade („Quarantäne") gegen Kuba und fordert den Abzug der Raketen. Die Welt steht am Rand eines Atomkriegs (Strategie der Abschreckung, „brinkmanship").

  3. 03Deeskalation

    In direkten Verhandlungen lenkt Chruschtschow ein: Abzug der sowjetischen Raketen gegen öffentliche US-Zusage, Kuba nicht anzugreifen, und geheime US-Zusage, Jupiter-Raketen aus der Türkei abzuziehen.

  4. 04Folgen einordnen

    Einrichtung des „heissen Drahtes" (direkte Telefonverbindung Moskau–Washington 1963), Teststopp-Abkommen 1963, Beginn einer Phase relativer Entspannung — die Krise verdeutlicht die Logik der wechselseitigen Abschreckung (MAD).

Ergebnis: Die Kubakrise war der gefährlichste Moment des Kalten Krieges; ihre friedliche Lösung durch direkte Verhandlungen und gegenseitige Zugestaendnisse machte sie zugleich zum Wendepunkt hin zu institutionalisierter Kommunikation und Entspannungspolitik.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank10 Punkte

Aufgabenstellung

Diskutieren Sie den Kalten Krieg als globalen Systemkonflikt. Welche Bedeutung hatte die KSZE-Schlussakte 1975 und welche Rolle spielte Österreich?

Maturafokus

  • Kalter Krieg als System (nicht reiner militärischer Gegensatz, sondern ideologisch-ökonomisch).
  • KSZE Helsinki 1975 als Wendepunkt der Menschenrechtsdiplomatie.
  • AT als KSZE/OSZE-Akteur explizit nennen.

Typische Fehler

  • Kalten Krieg als „westlicher Sieg" deterministisch erzählen.
  • KSZE auf Wirtschaft reduzieren — Menschenrechtskorb war entscheidend.
  • Auflösung 1989/91 monokausal („Reagan-These") erklären.

Aktive Wiederholung

Analysiere den Kalten Krieg als Systemkonflikt. Welche Rolle spielte Österreich (Neutralität, KSZE, Wien als UN-Stadt)?

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: AEIOU — Kalter Krieg, KSZE (AEIOU)

§ 02

Dekolonisation und Naher-Osten-Konflikt#

●●○StandardLPGSK-GG-10.2LPGSK-GG-10.3

Naher Osten: UN-Teilungsplan 1947 vs. heutige Gebietsverteilung

1947 UN-Plan JÜD ARAB JÜD Jerusalem internat. 1949 Israel West- jordan Gaza 1967 nach 6-Tg.-Krieg Israel besetzt Westjordanland Gaza, Sinai Golan Seit Oslo (1993ff.) Gaza Areas A/B/C Schematische Vereinfachung — Hauptzweck: Veränderung der Gebietskontrolle 1947 → heute zeigen.
Abb. 2UN-Resolution 181 (1947) und Status seit 1967/Oslo: schrumpfendes palästinensisches Gebiet.

Kernpunkte

Dekolonisationswelle 1945ff.: Indien-Pakistan 1947, Indonesien 1949, Algerien 1962, Subsahara-Afrika 1957ff., Vietnam 1954/1975.
UN-Resolution 1514 (1960): Selbstbestimmungsrecht der Völker; postkoloniale Bewegungen (Bandung-Konferenz 1955, Bewegung der Blockfreien).
Postkoloniale Strukturen: künstliche Grenzen, Bürgerkriege, ökonomische Abhängigkeiten, Migration.
Naher Osten: Sykes-Picot 1916 (geheimes Abkommen GB/FR), Balfour-Deklaration 1917 (jüdische „nationale Heimstätte"), britisches Mandat Palästina 1923–1948.
UN-Teilungsplan 29.11.1947 (Resolution 181): Zwei-Staaten-Lösung; arabische Ablehnung; Israel-Unabhängigkeit 14.5.1948.
Kriege: 1948 (Unabhängigkeitskrieg/Nakba), 1956 (Suez), 1967 (Sechs-Tage-Krieg, Besetzung Westjordanland/Gaza/Golan/Sinai), 1973 (Jom-Kippur), Friedensvertrag mit Ägypten 1979 (Camp David).
Oslo-Prozess ab 1993, Zweite Intifada 2000ff., Gaza-Rückzug 2005, wiederholte Eskalationen; aktuelle Lage nach 7.10.2023.
Irak-Kriege: 1991 (Kuwait), 2003 (US-Invasion ohne UN-Mandat); Bürgerkriege Syrien ab 2011; IS-Aufstieg.
Musterbeispiel

Triebkräfte der Dekolonisierung nach 1945 ordnen

Erkläre, warum die europäischen Kolonialreiche zwischen 1945 und 1975 zerfielen, und systematisiere die Faktoren.

  1. 01Schwäche der Kolonialmächte

    Der Zweite Weltkrieg schwächt GB, FR, NL, BEL wirtschaftlich und militärisch; die Legitimität der Kolonialherrschaft ist nach dem Kampf gegen den NS-Rassismus erschüttert.

  2. 02Nationale Befreiungsbewegungen

    Organisierte Unabhängigkeitsbewegungen (Indien: Kongresspartei, Gandhi/Nehru; Algerien: FLN; Indonesien: Sukarno) mobilisieren Massen — teils gewaltfrei, teils im Befreiungskrieg.

  3. 03Internationaler Rahmen

    UN-Charta (Selbstbestimmungsrecht), Druck der Supermächte USA und UdSSR gegen klassischen Kolonialismus, Bandung-Konferenz 1955 und Bewegung der Blockfreien stärken die antikoloniale Front.

  4. 04Verlauf und Folgen

    Indien/Pakistan 1947, „Jahr Afrikas" 1960 (17 Staaten), Algerien 1962. Folgeprobleme: willkürliche Grenzen, fehlende Strukturen, Neokolonialismus (wirtschaftliche Abhängigkeit) und Stellvertreterkonflikte des Kalten Krieges.

Ergebnis: Die Dekolonisierung resultierte aus dem Zusammenwirken geschwächter Kolonialmächte, starker Befreiungsbewegungen und eines antikolonialen internationalen Klimas; die übernommenen Grenzen und Abhängigkeiten belasten viele Staaten bis heute.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank10 Punkte

Aufgabenstellung

Analysieren Sie den Nahostkonflikt als langfristiges Strukturphänomen. Diskutieren Sie die Rolle kolonialer Vorgeschichte, der UN-Resolutionen und nationaler Bewegungen.

Maturafokus

  • Naher Osten als langfristige Konfliktstruktur, nicht als einzelne Ereignisse.
  • Sykes-Picot/Balfour als koloniale Erblast.
  • UN-Resolutionen 181 (1947), 242 (1967) korrekt zitieren.

Typische Fehler

  • Naher-Osten-Konflikt religiös erklären statt strukturell.
  • Dekolonisation als „Befreiungsgeschichte" allein darstellen — postkoloniale Strukturen wirken weiter.
  • Begriff „arabische Welt" homogenisierend gebrauchen.

Aktive Wiederholung

Erkläre die Entstehung des Nahostkonflikts vom britischen Mandat bis zur Gegenwart. Welche Rolle spielen kolonialer Hintergrund, UN-Resolutionen und nationale Bewegungen?

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: UN — Resolutionen 181, 242, 338 (United Nations) · Demokratiezentrum Wien — Nahost (Demokratiezentrum Wien)

§ 03

9/11, Ukraine 2022 und Klimakrise als historische Zäsuren#

●●●VertiefungLPGSK-GG-10.4LPGSK-GG-10.5

Naher Osten: UN-Teilungsplan 1947 vs. heutige Gebietsverteilung

1947 UN-Plan JÜD ARAB JÜD Jerusalem internat. 1949 Israel West- jordan Gaza 1967 nach 6-Tg.-Krieg Israel besetzt Westjordanland Gaza, Sinai Golan Seit Oslo (1993ff.) Gaza Areas A/B/C Schematische Vereinfachung — Hauptzweck: Veränderung der Gebietskontrolle 1947 → heute zeigen.
Abb. 3UN-Resolution 181 (1947) und Status seit 1967/Oslo: schrumpfendes palästinensisches Gebiet.

Kernpunkte

11.9.2001: Al-Qaida-Anschläge auf WTC + Pentagon (ca. 3.000 Tote); „War on Terror"; Afghanistan-Krieg 2001ff., Irak 2003.
Nachfolgekonsequenzen: Patriot Act, Guantánamo, Folterdiskussion (CIA-Black Sites), Massenüberwachung (Snowden 2013).
Arabischer Frühling 2010/11 (Tunesien, Ägypten, Libyen, Syrien): kurzfristige Hoffnungen, langfristige Konflikte (Syrien-Krieg seit 2011, ca. 12 Mio. Vertriebene).
EU-Migrationskrise 2015: höchster Asyl-Andrang nach WK2; Westbalkanroute; Dublin-System überfordert; Merkel-Wende September 2015; AT-Wendepunkte (Spielfeld, Burgenland-Drama).
Russland-Ukraine: Annexion Krim 2014, Donbass-Krieg 2014ff., Vollangriff 24.2.2022; größter Landkrieg in Europa seit 1945; EU-Sanktionen, Energiekrise, Ukraine-Beitrittskandidatur.
Klimakrise als historische Zäsur: IPCC-Berichte ab 1990, Pariser Abkommen 2015 (1,5/2°C-Ziel), Fridays for Future ab 2018, AT-Klimaplan 2022.
Anthropozän als Periodisierungsvorschlag (Crutzen 2000): Mensch als geologische Kraft.
AT-Bezug: Hochwasser 2002/2013/2024, Gletscherrückgang, Energieversorgung post-Russland.

Blockbildung Kalter Krieg (ca. 1955–1989)

NATO (1949) USA, GB, FR, BRD (1955), IT, BENELUX, u.a. „Westen" Marktwirtschaft, Mehrparteien-Demokratie Marshall-Plan (ERP) 1948 Warschauer Pakt (1955) UdSSR, DDR, ČSSR, PL, HU, RO, BG, ALB „Ostblock" Planwirtschaft, Einparteienherrschaft RGW / COMECON 1949 Eiserner Vorhang Neutral AT, CH, SE, IRL, FIN Österreich: Staatsvertrag 1955, „immerwährende Neutralität" (BVG 26.10.1955) — Brückenfunktion.
Abb. 4NATO ↔ Warschauer Pakt; Neutrale; Eiserner Vorhang quer durch Europa.
Musterbeispiel

Beurteilen: der Ukraine-Krieg 2022 und die österreichische Neutralität

Beurteilen Sie den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine (seit 24.2.2022) als „Zeitenwende" und diskutieren Sie die Folgen für die österreichische Neutralität.

  1. 01Ereignis einordnen

    Der Vollangriff vom 24.2.2022 (nach der Krim-Annexion 2014) ist der größte Landkrieg in Europa seit 1945; die EU reagiert mit Sanktionen und der Beitrittskandidatur der Ukraine.

  2. 02„Zeitenwende" prüfen

    Der Begriff (Scholz) markiert das Ende der Annahme, Krieg sei in Europa undenkbar geworden — die „Friedensdividende" nach 1991 entfällt.

  3. 03AT-Folgen

    Österreich trifft die Energieabhängigkeit von russischem Gas hart; die Neutralitätsdebatte intensiviert sich.

  4. 04Argumente abwägen

    Pro Neutralität: völkerrechtliche Identität und Vermittlerrolle. Differenzierung: EU-Solidarität, GASP und Sicherheitskooperation — militärische Bündnisfreiheit bleibt, aber nicht politische Indifferenz.

  5. 05Urteil

    Österreich bleibt neutral, beteiligt sich aber an EU-Sanktionen und humanitärer Hilfe — die Neutralität wird im Licht von 2022 neu interpretiert, nicht aufgegeben.

Ergebnis: Eine starke Beurteilung erklärt die „Zeitenwende" und trennt militärische Bündnisfreiheit von politischer Indifferenz — Österreich bleibt neutral, aber nicht wertneutral.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Klimakrise ist historische Zäsur — Anthropozän bezeichnet den Menschen als geologischen Faktor.

  2. 2

    Ukraine 2022 zeigt: Geschichte ist nicht „zu Ende" — alte Konflikte kehren in neuer Form zurück.

  3. 3

    9/11 wirkt rechtsstaatlich nach: Massenüberwachung, Folterdiskurs, Migration als „Sicherheitsthema".

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank10 Punkte

Aufgabenstellung

Analysieren Sie den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine (seit 24.2.2022) als historische Zäsur für Europa. Welche Folgen ergeben sich für die österreichische Neutralität, EU-Politik und Energieversorgung?

Maturafokus

  • 9/11 als globale Zäsur (sicherheitspolitisch, rechtsstaatlich, kulturell).
  • Ukraine-Krieg 2022 als „Zeitenwende" (Scholz-Rede) — auch für AT-Neutralitätsdebatte.
  • Klimakrise als historische Tiefenzäsur, nicht nur Umweltthema.

Typische Fehler

  • 9/11 als rein militärisches Ereignis darstellen.
  • Ukraine-Krieg auf NATO-Erweiterung reduzieren (komplexes Ursachenbündel).
  • Klimakrise als „Naturphänomen" entpolitisieren.

Aktive Wiederholung

Analysiere drei historische Zäsuren des 21. Jh. (9/11, Ukraine 2022, Klimakrise). Inwiefern sind sie verbunden? Inwiefern eigenständig?

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Demokratiezentrum Wien — Aktuelle Konflikte (Demokratiezentrum Wien)

§ 04

Wendejahr 1989 und postsozialistische Transformation#

●●●VertiefungLPGSK-GG-10.6

Blockbildung Kalter Krieg (ca. 1955–1989)

NATO (1949) USA, GB, FR, BRD (1955), IT, BENELUX, u.a. „Westen" Marktwirtschaft, Mehrparteien-Demokratie Marshall-Plan (ERP) 1948 Warschauer Pakt (1955) UdSSR, DDR, ČSSR, PL, HU, RO, BG, ALB „Ostblock" Planwirtschaft, Einparteienherrschaft RGW / COMECON 1949 Eiserner Vorhang Neutral AT, CH, SE, IRL, FIN Österreich: Staatsvertrag 1955, „immerwährende Neutralität" (BVG 26.10.1955) — Brückenfunktion.
Abb. 5NATO ↔ Warschauer Pakt; Neutrale; Eiserner Vorhang quer durch Europa.

Kernpunkte

Vorgeschichte: Solidarność Polen ab 1980, Gorbatschow „Perestroika" und „Glasnost" seit 1985, ungarisch-österreichische Grenzöffnung Mai/August 1989 („Paneuropäisches Picknick" 19.8.1989 Sopron).
Schlüsselereignisse: Mauerfall Berlin 9.11.1989, Samtene Revolution ČSSR November 1989, Sturz Ceauşescu Rumänien Dezember 1989, Wiedervereinigung Deutschland 3.10.1990.
Transformation 1989–1995: Marktwirtschaft, Privatisierung, demokratische Wahlen; Visegrád-Gruppe (1991 als Dreiergruppe PL, HU, ČSFR; ab 1993 Vierergruppe PL, CZ, SK, HU); Jugoslawienkriege 1991–2001 als Sonderfall (Kriegsverbrechen, Srebrenica 1995).
EU-Osterweiterung 2004 (10 Staaten), 2007 (BG, RO), 2013 (HR) — größte EU-Erweiterung der Geschichte.
Österreich als „Wendeland": Grenzöffnung-Akteur (Alois Mock), Neustrukturierung der Nachbarschaftspolitik, Migration aus Mittel- und Osteuropa.
Forschungsdebatte: Triumphalismus (Fukuyama „Ende der Geschichte" 1992) vs. Skeptik (Krastev/Holmes, „The Light That Failed" 2019) — postsozialistische Demokratisierung verläuft uneinheitlich (Ungarn, Polen seit 2010 illiberaler Trend).
Musterbeispiel

Mehrebenenanalyse: warum fiel 1989 die Mauer?

Erklären Sie den Zusammenbruch des Ostblocks 1989 mehrebenig und benennen Sie die Rolle Österreichs sowie eine Kontingenz.

  1. 01Strukturelle Ursachen

    Wirtschaftliche Erschöpfung des Ostblocks, Reformstau und der Legitimitätsverlust der Einparteienherrschaft schwächen das System über Jahre.

  2. 02Reform von oben

    Gorbatschows „Perestroika" und „Glasnost" (ab 1985) und der Verzicht auf die Breschnew-Doktrin geben den Reformbewegungen Raum.

  3. 03Druck von unten

    Solidarność in Polen (ab 1980) und Massenproteste (z. B. Leipzig) erhöhen den Druck auf die Regime.

  4. 04AT als Akteur

    Die ungarisch-österreichische Grenzöffnung und das Paneuropäische Picknick (Sopron, 19.8.1989) öffnen den „Eisernen Vorhang"; Außenminister Mock ist ein sichtbarer Akteur.

  5. 05Kontingenz und Folge

    Der Mauerfall am 9.11.1989 wird durch eine missverständliche Pressekonferenz beschleunigt — kein zwingender Ablauf; die Transformation verläuft ambivalent (Demokratisierung, aber seit 2010 illiberale Tendenzen in Ungarn/Polen).

Ergebnis: Eine starke Antwort erklärt 1989 als Zusammenspiel von Struktur (ökonomische Krise), Reform von oben (Gorbatschow) und Druck von unten (Solidarność, Grenzöffnung) — kein „Geschenk des Westens", mit Österreich als Akteur und offenem Ausgang.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank10 Punkte

Aufgabenstellung

Diskutieren Sie das Wendejahr 1989 als globalen Strukturbruch. Welche Rolle spielten Österreich (Grenzöffnung, Mock) und die EU-Osterweiterung 2004 für die heutige europäische Ordnung?

Maturafokus

  • Wendejahr 1989 als multi-akteur Prozess (nicht „Geschenk des Westens").
  • AT-Rolle (Mock, Grenzöffnung) konkret benennen.
  • Postsozialistische Transformation als ambivalent: demokratisch + ökonomisch teils brutal.

Typische Fehler

  • 1989 als „westlicher Sieg" deterministisch erzählen.
  • EU-Osterweiterung ohne kritische Reflexion (Lohngefälle, Migration, „Brain Drain").
  • AT-Anteil (Grenzöffnung, Mock-Genscher) übersehen.

Aktive Wiederholung

Analysiere das Wendejahr 1989 und die postsozialistische Transformation. Welche Rolle spielte Österreich? Welche Probleme zeigen sich heute (z. B. illiberale Demokratie in Ungarn/Polen)?

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: AEIOU — Mock, Grenzöffnung 1989 (AEIOU)

§ 05

Globalisierung: Weltwirtschaft, Verflechtung und Ungleichheit#

●○○BasisLPGSK-GG-10.2LPGSK-Sach-1.1

Blockbildung Kalter Krieg (ca. 1955–1989)

NATO (1949) USA, GB, FR, BRD (1955), IT, BENELUX, u.a. „Westen" Marktwirtschaft, Mehrparteien-Demokratie Marshall-Plan (ERP) 1948 Warschauer Pakt (1955) UdSSR, DDR, ČSSR, PL, HU, RO, BG, ALB „Ostblock" Planwirtschaft, Einparteienherrschaft RGW / COMECON 1949 Eiserner Vorhang Neutral AT, CH, SE, IRL, FIN Österreich: Staatsvertrag 1955, „immerwährende Neutralität" (BVG 26.10.1955) — Brückenfunktion.
Abb. 6NATO ↔ Warschauer Pakt; Neutrale; Eiserner Vorhang quer durch Europa.

Kernpunkte

Globalisierung bezeichnet die zunehmende weltweite Verflechtung von Wirtschaft, Politik, Kultur und Kommunikation — beschleunigt seit den 1990er Jahren (Ende des Kalten Krieges, Internet, Containerlogistik).
Treiber sind technischer Fortschritt (Transport, IT), Liberalisierung des Welthandels (GATT/WTO) und transnationale Konzerne sowie internationale Finanzmärkte.
Institutionen wie WTO, Internationaler Währungsfonds (IWF) und Weltbank prägen die Regeln; sie sind als „Global Governance" zugleich umstritten.
Folgen sind ambivalent: weltweiter Wohlstandsgewinn und Armutsreduktion in Teilen Asiens, aber auch wachsende Ungleichheit, Abhängigkeiten, ökologische Belastung und Krisenanfälligkeit (Finanzkrise 2008).
Globalisierung ist kein neues Phänomen (vgl. frühneuzeitlicher Welthandel, langes 19. Jh.), aber in Tempo und Reichweite qualitativ neu.
Musterbeispiel

Abwägen: Chancen und Risiken der Globalisierung

Beurteilen Sie Chancen und Risiken der Globalisierung an einem konkreten Beispiel (z. B. globale Lieferketten oder die Finanzkrise 2008).

  1. 01Treiber benennen

    Containerlogistik, Internet, Handelsliberalisierung (GATT/WTO) und transnationale Konzerne verflechten die Weltwirtschaft seit den 1990ern.

  2. 02Chance

    Globale Arbeitsteilung senkt Preise und hat in Teilen Asiens (z. B. China) Hunderte Millionen aus der Armut geholt.

  3. 03Risiko

    Zugleich wachsen Ungleichheit, Abhängigkeiten und ökologische Belastung; Krisen verbreiten sich schnell (Finanzkrise 2008, Lieferketten-Schocks).

  4. 04Beispiel führen

    Globale Lieferketten machen Produkte billig, aber verwundbar — Pandemie und Ukraine-Krieg zeigten die Abhängigkeit von einzelnen Regionen.

  5. 05Urteil

    Globalisierung ist weder nur Segen noch nur Fluch; ein triftiges Urteil benennt Gewinner, Verlierer und die Steuerungsfrage (Global Governance).

Ergebnis: Eine abwägende Beurteilung führt ein konkretes Beispiel (Lieferketten, Finanzkrise 2008) und trennt Chancen (Wohlstand, Armutsreduktion) von Risiken (Ungleichheit, Krisenanfälligkeit) — statt pauschal zu werten.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Globalisierung ist die weltweite Verflechtung von Wirtschaft, Politik, Kultur und Kommunikation.

  2. 2

    Treiber sind Technik, Handelsliberalisierung und transnationale Konzerne.

  3. 3

    Die Folgen sind ambivalent: Wohlstandsgewinne, aber auch Ungleichheit und Krisenanfälligkeit.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank8 Punkte

Aufgabenstellung

Erklären Sie Treiber und ambivalente Folgen der Globalisierung seit den 1990er Jahren und beurteilen Sie Chancen und Risiken an einem konkreten Beispiel.

Maturafokus

  • Mit dem Operator „erklären" Treiber und Folgen der Globalisierung mehrdimensional darstellen.
  • Chancen und Risiken abwägend „beurteilen" statt einseitig zu werten.
  • Globalisierung historisch einordnen (kein völlig neues Phänomen, aber neue Qualität).

Typische Fehler

  • Globalisierung wird nur ökonomisch (Handel) gedacht, ohne kulturelle/politische Dimension.
  • Sie wird pauschal als nur positiv oder nur negativ bewertet.
  • Globalisierung wird als reines Phänomen der Gegenwart ohne historische Tiefe dargestellt.

Aktive Wiederholung

Erkläre Treiber und ambivalente Folgen der Globalisierung seit den 1990er Jahren. Beurteile Chancen und Risiken an einem konkreten Beispiel.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Demokratiezentrum Wien — Globalisierung (Demokratiezentrum Wien)

§ 06

Europäische Integration: von der EGKS zur EU#

●●○StandardLPGSK-GG-10.3LPGSK-Ori-1.1

EU-Institutionen — Vertrag von Lissabon

EU-Institutionen (Lissabon)Netzgraph, Europäischer Rat → EU-Kommission, EU-Kommission → Rat der EU, Rat der EU → EU-ParlamentEuropäischerRatEU-ParlamentRat der EUEU-KommissionEuGHEZBLeitlinienVorschlagMitentscheidung
Abb. 7Ordentliches Gesetzgebungsverfahren: die Kommission (Initiativrecht, 27 Mitglieder) schlägt vor, Rat der EU (Fachminister:innen, qual. Mehrheit) und Parlament (720 Abg., direkt gewählt; AT 20 Sitze) entscheiden mit. EuGH (Luxemburg) und EZB (Frankfurt) sind unabhängig. Vertrag von Lissabon 2009.

Kernpunkte

Die europäische Integration beginnt als Friedensprojekt nach 1945: Montanunion (EGKS 1951) verflicht Kohle und Stahl, um Krieg zwischen Frankreich und Deutschland unmöglich zu machen.
Die Römischen Verträge 1957 gründen die EWG (Gemeinsamer Markt) und Euratom; es folgt eine schrittweise Vertiefung und Erweiterung.
Der Vertrag von Maastricht 1992 schafft die Europäische Union (drei „Säulen"), die Unionsbürgerschaft und den Weg zur Währungsunion (Euro 1999/2002).
Erweiterungen integrieren Sued- und (nach 1989) Osteuropa; die Osterweiterung 2004/2007 überwindet die Teilung des Kontinents.
Die EU steht in Dauerkrisen und -debatten: Finanz- und Eurokrise, Migration, Brexit (2020), Rechtsstaatlichkeit (Ungarn, Polen) — Integration ist kein linearer Selbstläufer.
Musterbeispiel

Darstellen und deuten: die europäische Integration als Friedensprojekt

Stellen Sie die Etappen der europäischen Integration von der EGKS bis zur EU dar und erklären Sie, warum sie als Friedensprojekt begann.

  1. 01Friedensmotiv

    Nach 1945 verflicht die Montanunion (EGKS 1951) Kohle und Stahl Frankreichs und Deutschlands, um einen erneuten Krieg materiell unmöglich zu machen.

  2. 02Wirtschaftliche Vertiefung

    Die Römischen Verträge 1957 schaffen die EWG (Gemeinsamer Markt) und Euratom — Integration über wirtschaftliche Verflechtung.

  3. 03Politische Union

    Der Vertrag von Maastricht 1992 gründet die EU, die Unionsbürgerschaft und den Weg zum Euro (1999/2002).

  4. 04Erweiterung

    Die Osterweiterung 2004/2007 überwindet die Teilung des Kontinents nach 1989.

  5. 05Krisen einordnen

    Finanz- und Eurokrise, Migration, Brexit (2020) und Rechtsstaatskonflikte zeigen: Integration ist kein linearer Selbstläufer.

Ergebnis: Eine starke Antwort ordnet die Etappen (EGKS → EWG → Maastricht → Erweiterungen), deutet die Integration als Friedens- UND Wirtschaftsprojekt und ordnet die Krisen sachlich ein.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Die Integration beginnt 1951 mit der Montanunion als Friedensprojekt.

  2. 2

    Maastricht 1992 schafft die EU, die Unionsbürgerschaft und den Weg zum Euro.

  3. 3

    Die Osterweiterung 2004/2007 überwindet die Teilung Europas — Krisen bleiben aber begleitend.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank8 Punkte

Aufgabenstellung

Stellen Sie die Etappen der europäischen Integration von der EGKS bis zur EU dar, erklären Sie das Friedensmotiv und ordnen Sie aktuelle Krisen ein.

Maturafokus

  • Mit dem Operator „darstellen" die Etappen der Integration (EGKS, EWG, Maastricht, Erweiterungen) ordnen.
  • Die Integration als Friedens- UND Wirtschaftsprojekt deuten.
  • Krisen der EU sachlich einordnen, ohne in pauschale Wertung zu verfallen.

Typische Fehler

  • EWG und EU werden zeitlich gleichgesetzt (EU erst 1992/93).
  • Die Integration wird allein ökonomisch gedeutet, ohne das Friedensmotiv.
  • Erweiterung und Vertiefung werden nicht unterschieden.

Aktive Wiederholung

Stelle die Etappen der europäischen Integration von der EGKS bis zur EU dar. Erkläre, warum die Integration als Friedensprojekt begann, und ordne aktuelle Krisen ein.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: AEIOU — Europäische Integration, EU (AEIOU)

Inhalt

Abschnitt -- / 06

    • 01Kalter Krieg 1947–1989/91◐
    • 02Dekolonisation und Naher-Osten-Konflikt◐
    • 039/11, Ukraine 2022 und Klimakrise als historische Zäsuren●
    • 04Wendejahr 1989 und postsozialistische Transformation●
    • 05Globalisierung: Weltwirtschaft, Verflechtung und Ungleichheit○
    • 06Europäische Integration: von der EGKS zur EU◐

0/6 Gelesen

Aus den Notizen ins Training

GSK 10 — Globalgeschichte 20./21. Jh.: Kalter Krieg, Dekolonisation, Naher Osten, 9/11, Ukraine 2022, Klimakrise

Festige dieses Thema an passenden Aufgaben aus der Fragenbank.

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Kompetenzen
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Beispielfrage

Diskutieren Sie den Kalten Krieg als globalen Systemkonflikt. Welche Bedeutung hatte die KSZE-Schlussakte 1975 und welche Rolle spielte Österreich?

10 BE · 2023

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Belege & Quellen

Quellen

AEIOU

  • AEIOU — Kalter Krieg, KSZE

United Nations

  • UN — Resolutionen 181, 242, 338

Demokratiezentrum Wien

  • Demokratiezentrum Wien — Nahost

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EuraStudy·Notizen T·10·MMXXVI

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