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Notizen/Geografie und Wirtschaftskunde/GW 11 — Bundesländer, alpiner Raum, Energiewende AT
Notizen · Geografie und WirtschaftskundeAT · Matura

GW 11 — Bundesländer, alpiner Raum, Energiewende AT

Wirtschaftsstruktur der neun Bundesländer, alpine Raumnutzung und Konflikte, Energiewende und EAG, Landwirtschaft AT, Industrie-Hotspots, Forschung und Innovation.

6 Abschnitte·~16 Min Lesezeit·2 Kompetenzen·Niveau Basis 1 · Standard 4 · Vertiefung 1·Stand 06/2026

T·111111 / 12
Prüfungsprofil
GW-AT-1 · Regionale Wirtschaftsstruktur ATGW-AT-2 · Raumordnung und Konflikte
Tiefe

Lesetiefe: Vertiefung

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Inhalt · 6 Abschnitte▾
  1. GW 11 — Bundesländer, alpiner Raum, Energiewende AT
    • 01Bundesländer: Wirtschaftsstruktur und Disparitäten◐
    • 02Alpine Raumnutzung und Konflikte◐
    • 03Landwirtschaft AT, Energiewende◐
    • 04Raumordnung, Bodenverbrauch und Stadtentwicklung◐
    • 05Forschung, Innovation und Wirtschaftsstandort Österreich●
    • 06Demografischer Wandel und regionaler Arbeitsmarkt○
§ 01

Bundesländer: Wirtschaftsstruktur und Disparitäten#

●●○StandardLPGW-AT-11.1

Kernpunkte

Österreich gliedert sich in neun Bundesländer von sehr unterschiedlichem Gewicht (): von Wien mit rund 1,97 Mio. Einwohnern über Niederösterreich (1,71) und Oberösterreich (1,51) bis zum Burgenland mit nur rund 0,30 Mio. Wien ist zugleich das einwohnerstärkste und flächenkleinste Bundesland — ein häufiger Prüfungsstolperstein.

Bevölkerung der Bundesländer 2024 (Mio.)

Bevölkerung der Bundesländer 2024 (Mio.)Säulendiagramm: Bevölkerung (Mio.) nach Bundesland, Daten: Wien: 1.97; NÖ: 1.71; OÖ: 1.51; Stmk: 1.26; Tirol: 0.77; Krnt: 0.57; Sbg: 0.57; Vbg: 0.4; Bgld: 0.300.511.5WienNÖOÖStmkTirolKrntSbgVbgBgld1.971.711.511.260.770.570.570.40.3Bevölkerung (Mio.)Bundesland
Abb. 1Einwohnerzahl der neun Bundesländer. Quelle: Statistik Austria.
Auch wirtschaftlich klaffen die Länder auseinander. Beim BIP pro Kopf liegen Wien sowie die tourismus- und industriestarken Westländer (Salzburg, Vorarlberg, Tirol) vorn, während Burgenland und Kärnten zurückfallen (siehe Beispiel). Es gibt also ein messbares Ost-West- und Stadt-Land-Gefälle.
Die Industrie konzentriert sich in klaren Hotspots: voestalpine in Linz (Stahl), BMW in Steyr (Motoren), KTM in Mattighofen (Motorräder), Andritz, AVL und Magna Steyr im Großraum Graz. Oberösterreich und die Steiermark sind damit die industriellen Kraftzentren des Landes.
Die Wirtschaftsstruktur folgt dem Naturraum: Der tourismusgeprägte Westen (Tirol, Salzburg, Vorarlberg, Kärntner Seen) lebt von Bergen und Seen, der Osten (Pannonisches Becken, Steirisches Hügelland) von der Landwirtschaft. So spezialisiert sich jede Region auf ihre Standortgunst.
Eine Sonderrolle spielt Wien: Als Bundeshauptstadt bündelt es Dienstleistungs-, Finanz- und Verwaltungsfunktionen, ist Sitz der ATX-Konzerne und internationaler Organisationen. Die Hauptstadtfunktion erklärt einen Großteil seines hohen Wirtschaftsgewichts.
Damit Bund, Länder und Gemeinden bei der Raumentwicklung nicht aneinander vorbeiplanen, koordiniert die Österreichische Raumordnungskonferenz (ÖROK). Sie stimmt Strategien ab — die eigentliche Raumordnungskompetenz liegt aber bei den Ländern und Gemeinden.
Schließlich greifen EU-Strukturfonds (EFRE, ESF) zum Abbau regionaler Unterschiede: Das Burgenland war lange Ziel-1-Region mit Höchstförderung und gilt heute als Übergangsgebiet — ein Beleg dafür, dass gezielte Förderung Disparitäten verringern kann.
Bevo¨lkerungsdichte=EinwohnerFla¨che\text{Bevölkerungsdichte} = \dfrac{\text{Einwohner}}{\text{Fläche}}Bevo¨lkerungsdichte=Fla¨cheEinwohner​

Bevölkerungsdichte (E/km²)

Musterbeispiel

Bevölkerungsdichte Wien vs. Burgenland

Wien: 1,97 Mio Einwohner, 415 km^2. Burgenland: 0,30 Mio Einwohner, 3.965 km^2. Berechne und vergleiche die Bevölkerungsdichte.

  1. 01Wien

    1.970.000 / 415 = 4.747 E/km^2.

    1970000415≈4747\dfrac{1970000}{415} \approx 47474151970000​≈4747
  2. 02Burgenland

    300.000 / 3.965 = 76 E/km^2.

    3000003965≈76\dfrac{300000}{3965} \approx 763965300000​≈76
  3. 03Vergleich

    Verhältnis 4.747 / 76 = 62 — Wien ist rund 62-mal dichter besiedelt, Ausdruck des Stadt-Land-Gegensatzes.

    474776≈62\dfrac{4747}{76} \approx 62764747​≈62

Ergebnis: Wien ca. 4.747 E/km^2, Burgenland ca. 76 E/km^2 — rund 62-facher Dichteunterschied.

Musterbeispiel

Relatives BIP pro Kopf

Wien BIP/Kopf 50.500 EUR, Burgenland 37.000 EUR, AT-Schnitt 47.000 EUR. Bestimme die Indexwerte (AT = 100).

  1. 01Index Wien

    50.500 / 47.000 . 100 = 107,4.

    5050047000⋅100≈107\dfrac{50500}{47000}\cdot 100 \approx 1074700050500​⋅100≈107
  2. 02Index Burgenland

    37.000 / 47.000 . 100 = 78,7.

    3700047000⋅100≈79\dfrac{37000}{47000}\cdot 100 \approx 794700037000​⋅100≈79
  3. 03Deutung

    Wien liegt rund 7 % über, das Burgenland rund 21 % unter dem Bundesschnitt — messbares Ost-West- und Stadt-Land-Gefälle.

Ergebnis: Index Wien ca. 107, Burgenland ca. 79 (AT = 100) — deutliche regionale Disparität.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank10 Punkte

Aufgabenstellung

Charakterisieren Sie die Wirtschaftsstruktur Österreichs auf Bundesländerebene und diskutieren Sie regionale Disparitäten.

Maturafokus

  • AT-Bundesländer mit Einwohnerzahl grob.
  • BIP-Disparitäten (Ost-West-Gefälle, Wien sticht heraus).
  • Industrie-Hotspots.

Typische Fehler

  • Wien als "größte Bundesland-Fläche" sehen (es ist die kleinste).
  • Vorarlberg als steirisches Bundesland einordnen.
  • OEROK mit OEROEK verwechseln.

Aktive Wiederholung

Vergleiche die Wirtschaftsstruktur Vorarlbergs (Industrie + Tourismus) mit jener des Burgenlandes (Landwirtschaft + Pendler). Welche Disparitäten ergeben sich?

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Statistik Austria Bundesländer (Statistik Austria)

§ 02

Alpine Raumnutzung und Konflikte#

●●○StandardLPGW-AT-11.2

Kernpunkte

Der Alpenraum ist ein Stockwerk-Gebirge: Mit der Höhe ändert sich die Nutzung (). Im Talraum konzentrieren sich Siedlung, Industrie und Verkehr, darüber folgen Acker- und Forstwirtschaft, in den Hochlagen Almwirtschaft und Tourismus, ganz oben Fels und Gletscher. Auf engstem Raum drängen sich also viele Ansprüche.

Alpine Höhenstufen und Nutzung

Talraum < 600 m Submontan 600-1000 Montan 1000-1500 Subalpin 1500-2000 Alpin 2000-2500 Nival > 2500 Siedlung, Acker, Industrie Dauersiedlung, Wein, Grünland Bergbauernhöfe, Wald, Tourismus Almwirtschaft, Wintertourismus Schitourismus, Schutzhütten Gletscher, alpinist. Nutzung Dorf Wald Schilift Höhenstufen verschieben sich infolge Klimawandel um ca. 100-150 m nach oben (IPCC AR6).
Abb. 2Submontan, montan, subalpin, alpin, nival mit jeweiliger Nutzung.
Die Landwirtschaft im Gebirge ist kleinteilig und schwer: Rund 73 % der österreichischen Betriebe liegen in Berggebieten (Erschwerniszonen). Sie sind kaum konkurrenzfähig, pflegen aber die Kulturlandschaft, die der Tourismus braucht — weshalb sie gezielt gefördert werden (Bergbauernförderung).
Gerade weil der nutzbare Raum knapp ist, häufen sich Konflikte: Schigebietserweiterungen (die geplante Gletscherverbindung Pitztal-Ötztal wurde 2022 abgesagt), neue Wasserkraftwerke (Kaunertal-Ausbau) und der Verkehr, der Wildtierkorridore zerschneidet. Stets stehen Wirtschaft und Naturschutz gegeneinander (siehe Beispiel).
Dem stehen Schutzgebiete gegenüber: sechs Nationalparks (der größte, Hohe Tauern, ist auch der größte Mitteleuropas), Biosphärenparks wie der Wienerwald, Naturschutzgebiete und das europaweite Natura-2000-Netz. Sie sichern Biodiversität und Erholungsraum.
Auf internationaler Ebene schützt die Alpenkonvention (1991 in Salzburg unterzeichnet) den gesamten Alpenbogen — ein völkerrechtlicher Vertrag von acht Alpenstaaten plus EU. Sie ist kein EU-Mechanismus, sondern ein eigenständiges Schutzregime für eine grenzüberschreitende Region.
Eine prägende Nutzungsform ist die Almwirtschaft: Rund 8.000 Almen erfüllen eine dreifache Funktion — ökologisch (Biodiversität der offenen Weideflächen), kulturlandschaftlich und touristisch. Wird eine Alm aufgegeben, verbuscht die Fläche und beides geht verloren.
Schließlich überlagern zwei Trends die Raumnutzung: Die alpine Peripherie schrumpft (Abwanderung der Jungen), während Zentralorte wie Innsbruck und Salzburg wachsen; und der Klimawandel verändert die Nutzbarkeit selbst — tauender Permafrost, Steinschlag und Gletscherschwund entwerten hochgelegene Flächen.
Musterbeispiel

Akteure eines alpinen Konflikts

Beim geplanten Ausbau eines alpinen Speicherkraftwerks treffen verschiedene Interessen aufeinander. Ordne die Akteure ihren Hauptinteressen zu und benenne den Zielkonflikt.

  1. 01Energiewirtschaft/Land

    Will Ökostrom und Speicherkapazität für die Energiewende — Interesse: Versorgungssicherheit und Wertschöpfung.

  2. 02Naturschutz/Alpenverein

    Will das unberührte Hochtal und die Gletscherreste erhalten — Interesse: Ökosystem und Landschaftsbild.

  3. 03Gemeinde/Tourismus

    Wägt ab: Arbeitsplätze und Einnahmen gegen mögliche Schäden am Tourismuskapital „intakte Natur".

  4. 04Zielkonflikt benennen

    Klimaschutz (mehr Erneuerbare) gegen Naturschutz (Eingriff in ein sensibles Ökosystem) — beides sind legitime Umweltziele.

Ergebnis: Der Kernkonflikt ist Klimaschutz gegen Naturschutz; eine tragfähige Lösung verlangt Abwägung, Alternativenprüfung und Beteiligung aller Akteure.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank10 Punkte

Aufgabenstellung

Diskutieren Sie alpine Nutzungskonflikte am Beispiel Tirols. Welche Rolle spielen Tourismus, Energieversorgung und Naturschutz?

Maturafokus

  • Höhenstufen mit Nutzung verbinden.
  • Alpenkonvention 1991.
  • Konflikt Schigebiet vs. Naturschutz.

Typische Fehler

  • Bergbauern als "verlustig" sehen — Fördersystem stützt Erhalt.
  • Alpenkonvention mit EU-Mechanismus verwechseln.
  • Hohe Tauern als kleinen Nationalpark einordnen.

Aktive Wiederholung

Analysiere einen aktuellen alpinen Konflikt (z. B. Kaunertal-Ausbau). Welche Akteure mit welchen Interessen treffen aufeinander?

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Alpenkonvention (Permanent Secretariat of the Alpine Convention) · BMK Nationalpark Hohe Tauern (NP Hohe Tauern)

§ 03

Landwirtschaft AT, Energiewende#

●●○StandardLPGW-AT-11.3

Kernpunkte

Österreichs Landwirtschaft ist klein, aber strukturprägend: Rund 153.000 land- und forstwirtschaftliche Betriebe (mit sinkender Tendenz) erwirtschaften nur etwa 1,3 % der Bruttowertschöpfung und beschäftigen rund 4 % der Erwerbstätigen — sichern aber Ernährung und Kulturlandschaft.
Der Strukturwandel ist dramatisch: Gab es 1990 noch rund 280.000 Betriebe, sind es heute rund 153.000 — ein Höfesterben, das mit der Konzentration auf größere Betriebe einhergeht („wachsen oder weichen"). Familienbetriebe geben auf, die verbleibenden werden größer.
Ein Aushängeschild ist die Biolandwirtschaft: Mit rund 27 % der Anbaufläche (2023) ist Österreich EU-Spitzenreiter; das Ziel des GAP-Strategieplans liegt bei 35 % bis 2030. Bio ist hier ein bewusstes Standort- und Vermarktungsmerkmal, kein Nischenphänomen.
Finanziert wird die Landwirtschaft über die EU-Agrarpolitik (GAP) mit zwei Säulen: Die 1. Säule sind flächenbezogene Direktzahlungen, die 2. Säule fördert die ländliche Entwicklung — Bio, Bergbauern und Umweltleistungen. Ohne diese Zahlungen wären viele Betriebe nicht überlebensfähig.
Bei der Energie ist Österreich gespalten: Vom gesamten Bruttoinlandsverbrauch (rund 320 TWh) sind nur etwa 36 % erneuerbar, beim Strom dagegen rund 75 %. Der hohe Stromanteil täuscht also — Wärme und Verkehr hängen noch stark an fossilen Energieträgern ( zeigt die Emissionsentwicklung).

CO2-Emissionen Österreich 1990-2022 (Mt CO2-Äquivalent)

CO2-Emissionen Österreich (Mt CO2-Äq.)Liniendiagramm: Mt CO2-Äq. nach Jahr, Daten: 1990: 78.7; 1995: 79.4; 2000: 81; 2005: 92.8; 2010: 84.5; 2015: 78.9; 2020: 73.6; 2022: 72.702040608019901995200020052010201520202022Mt CO2-Äq.Jahr
Abb. 3Treibhausgasemissionen nach UNFCCC. Quelle: Umweltbundesamt / IPCC AR6.
Das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG, 2021) zielt auf 100 % erneuerbaren Strom (bilanziell) bis 2030 — über den Ausbau von Wind (Niederösterreich, Burgenland), Photovoltaik (überall), Wasserkraft (Westalpen) und Biomasse. „Bilanziell" heißt: übers Jahr gerechnet, nicht in jeder Stunde autark (siehe Beispiel).
Die größte Schwachstelle ist das Erdgas: 2022 stammten rund 80 % aus Russland, und dieser Anteil blieb auch 2024 hoch — ein politisches Risiko. Diversifizierung (LNG über Italien, Norwegen, Algerien, eigene Speicher wie Haidach) und der Ausbau Erneuerbarer sind daher zugleich Klima- und Sicherheitspolitik.
Musterbeispiel

Erneuerbaren-Anteil und Ausbaubedarf

Österreich verbraucht rund 72 TWh Strom pro Jahr, davon sind 75 % erneuerbar. Wie viel TWh sind noch fossil, und wie viel muss bilanziell zugebaut werden, um 100 % zu erreichen?

  1. 01Erneuerbar heute

    75 % von 72 TWh.

    72⋅0,75=54 TWh72 \cdot 0{,}75 = 54\,\text{TWh}72⋅0,75=54TWh
  2. 02Noch fossil

    72 minus 54 ergibt 18 TWh (rund 25 %).

  3. 03Ausbaubedarf

    Um die fossilen 18 TWh bilanziell zu ersetzen, müssen rund 18 TWh erneuerbar zugebaut werden — die Größenordnung des EAG-Ziels (27 TWh inklusive Verbrauchswachstum).

Ergebnis: Rund 18 TWh sind noch fossil; ihr bilanzieller Ersatz ist der Kern des EAG-Ausbauziels bis 2030.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank10 Punkte

Aufgabenstellung

Skizzieren Sie die Energiewende in Österreich. Welche Rolle spielen EAG, EU-GAP und Importabhängigkeit?

Maturafokus

  • AT-Biolandwirtschaftsanteil 27 % (EU-Spitze).
  • EAG-Ziel 2030.
  • Energieabhängigkeit Russland.

Typische Fehler

  • Bio-Anteil mit Anteil "Biomasse" verwechseln.
  • GAP-Säulen verkehrt nummerieren.
  • "100 % erneuerbar" als stündlich autark.

Aktive Wiederholung

Diskutiere die Energieabhängigkeit Österreichs von russischem Erdgas. Welche Diversifizierungsstrategien gibt es?

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: BMK Energiebericht (BMK) · BMLUK Grüner Bericht (BMLUK)

§ 04

Raumordnung, Bodenverbrauch und Stadtentwicklung#

●●○StandardLPGW-AT-11.2

Kernpunkte

Raumordnung steuert, wo gebaut, gewirtschaftet und Natur belassen wird. In Österreich ist sie Landeskompetenz: Jedes Bundesland hat ein eigenes Raumordnungsgesetz, und die Gemeinden setzen es über Flächenwidmungs- und Bebauungspläne um (). Der Bund hat hier — anders als oft vermutet — keine direkte Zuständigkeit.

Widmungskategorien der Raumordnung

Widmungskategorien der RaumordnungBaumdiagramm, 3 Pfade, Daten: Bauland; Grünland; VerkehrsflächeFlächenwidmungBaulandGrünlandVerkehrsfläche
Abb. 4Die Flächenwidmung weist jeder Fläche eine Nutzung zu und steuert so den Bodenwert.
Das zentrale Instrument ist die Flächenwidmung: Sie teilt jede Fläche einer Kategorie zu — Bauland, Grünland oder Verkehrsfläche — und steuert damit nicht nur die Nutzung, sondern auch den Bodenwert. Wird Grünland zu Bauland umgewidmet, vervielfacht sich sein Wert oft schlagartig.
Das größte Problem ist der hohe Bodenverbrauch: rund 11 bis 12 Hektar pro Tag werden in Anspruch genommen (nur ein Teil davon tatsächlich versiegelt — Versiegelung ist die kleinere Teilmenge). Die Bodenstrategie der ÖROK nennt als Ziel deutlich weniger, rund 2,5 ha pro Tag (siehe Beispiel).
Treiber ist die Zersiedelung: verstreute Einfamilienhaussiedlungen verbrauchen viel Boden und verteuern Infrastruktur und Verkehr, weil Kanäle, Straßen und Busse zu jedem Haus geführt werden müssen. Kompakte Siedlung ist also nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch günstiger.
Eine sichtbare Folge ist das Ortskernsterben: Geschäfte wandern aus dem Zentrum an Einkaufszentren am Ortsrand ab, der Kern verödet (Donut-Effekt). Leerstand im Zentrum und Neubau am Rand wachsen so paradox nebeneinander.
Dagegen gibt es Instrumente: Innenentwicklung vor Außenentwicklung (zuerst Lücken und Leerstand nutzen), Baulandmobilisierung (gehortetes Bauland aktivieren), Vertragsraumordnung und Leerstandsabgaben. Sie alle zielen darauf, vorhandene Flächen besser zu nutzen, statt neue zu verbrauchen.
Als Leitbild dient die kompakte Stadt: Smart-City- und 15-Minuten-Stadt-Konzepte setzen auf Dichte, Durchmischung und kurze Wege. Auch die Stadtregion Wien zeigt den Handlungsbedarf — ein stark suburbanisiertes Umland in Niederösterreich und im Burgenland erzeugt Pendlerströme und Stadt-Umland-Konflikte.
Musterbeispiel

Bodenverbrauch und Reduktionsziel

Österreich verbraucht rund 12 ha Boden pro Tag, das Ziel liegt bei 2,5 ha/Tag. Um welchen Anteil muss der Verbrauch sinken, und wie viel ha pro Jahr liegen über dem Ziel?

  1. 01Nötige Reduktion

    Differenz geteilt durch Ausgangswert.

    12−2,512≈0,79=79 %\dfrac{12 - 2{,}5}{12} \approx 0{,}79 = 79\,\%1212−2,5​≈0,79=79%
  2. 02Überschuss pro Tag

    12 minus 2,5 ergibt 9,5 ha über dem Ziel.

  3. 03Überschuss pro Jahr

    Tagesüberschuss mal 365.

    9,5⋅365≈3470 ha9{,}5 \cdot 365 \approx 3470\,\text{ha}9,5⋅365≈3470ha

Ergebnis: Der Verbrauch müsste um rund 79 % sinken; aktuell liegt er pro Jahr rund 3470 ha über dem Ziel.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank10 Punkte

Aufgabenstellung

Erläutern Sie die Kompetenzverteilung in der österreichischen Raumordnung und analysieren Sie Ursachen und Folgen des hohen Bodenverbrauchs.

Maturafokus

  • Die Kompetenzverteilung in der Raumordnung erläutern (operator: erläutern).
  • Ursachen und Folgen des Bodenverbrauchs analysieren (operator: analysieren).
  • Instrumente gegen Zersiedelung beurteilen (operator: beurteilen).

Typische Fehler

  • Raumordnung als Bundeskompetenz darstellen — sie ist Landes- und Gemeindesache.
  • Flaechenwidmungs- und Bebauungsplan verwechseln.
  • Bodenverbrauch nur mit Wohnbau gleichsetzen (auch Verkehr und Gewerbe).

Aktive Wiederholung

Analysieren Sie Ursachen und Folgen des hohen Bodenverbrauchs in Österreich und beurteilen Sie zwei Gegenmassnahmen.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: OEROK Bodenstrategie (OEROK)

§ 05

Forschung, Innovation und Wirtschaftsstandort Österreich#

●●●VertiefungLPGW-AT-11.1

Kernpunkte

Österreich gehört zu den forschungsintensivsten Ländern Europas: Die F&E-Quote (Forschungsausgaben im Verhältnis zum BIP) liegt 2023 bei rund 3,2 % — über dem EU-Schnitt und über dem EU-Ziel von 3 % (). Forschung ist damit ein Kern der Standortstrategie.

F&E-Quote im Vergleich 2023 (% des BIP)

F&E-Quote im Vergleich 2023 (% des BIP)Säulendiagramm: F&E (% des BIP) nach Land, Daten: Schweden: 3.4; AT: 3.2; DE: 3.1; EU-Ziel: 3; EU-Schnitt: 2.200.511.522.53SchwedenATDEEU-ZielEU-Schnitt3.43.23.132.2F&E (% des BIP)Land
Abb. 5Forschungs- und Entwicklungsausgaben im Verhältnis zum BIP; EU-Ziel 3,0 %. Quelle: Eurostat.
Getragen wird die Forschung von drei Akteuren: den Unternehmen (rund zwei Drittel der F&E-Ausgaben), den Hochschulen und außeruniversitären Einrichtungen wie dem AIT, dem ISTA oder Joanneum Research. Wichtig: Der Staat finanziert nur einen Teil — der Großteil ist Unternehmensforschung.
Gefördert wird über spezialisierte Agenturen: die FFG für angewandte Forschung, der FWF für die Grundlagenforschung und die aws für die allgemeine Wirtschaftsförderung. FFG und FWF nicht zu verwechseln — angewandt gegen grundlagenorientiert — ist ein typischer Prüfungspunkt.
Innovation ballt sich in regionalen Clustern: Automotive in der Steiermark und Oberösterreich, Life Sciences in Wien, Mechatronik in Oberösterreich und Mikroelektronik in Kärnten (Infineon in Villach). Solche Cluster bündeln Zulieferer, Forschung und Fachkräfte — genau der Standortvorteil aus dem Cluster-Modell.
Die Standortqualität speist sich aus weichen wie harten Faktoren: gut ausgebildete Arbeitskräfte, die zentrale Lage in Europa und hohe Lebensqualität auf der Habenseite; hohe Lohnnebenkosten, Energiekosten und Bürokratie auf der Sollseite (siehe Beispiel). Eine ehrliche Standortbewertung wägt beides ab.
Die größte Wachstumsbremse ist der Fachkräftemangel: Demografischer Wandel und Bildungsstruktur führen zu Engpässen vor allem in den MINT-Fächern und der Pflege. Ohne Zuwanderung und Ausbildungsoffensive bleibt der Mangel ein Standortrisiko.
Österreichs Wirtschaft ist stark international verflochten (Exportquote rund 60 %, enge Bindung an Deutschland) und zieht ausländische Direktinvestitionen an. Die zentralen Zukunftsfelder sind Digitalisierung und Dekarbonisierung — wer hier vorne liegt, sichert die Standortqualität von morgen.
Musterbeispiel

F&E-Quote berechnen

Österreich gibt rund 15 Mrd. EUR für Forschung und Entwicklung aus, das BIP beträgt rund 471 Mrd. EUR. Wie hoch ist die F&E-Quote, und wie verhält sie sich zum EU-Ziel?

  1. 01Quote bilden

    F&E-Ausgaben durch BIP mal 100.

    15471⋅100≈3,2 %\dfrac{15}{471} \cdot 100 \approx 3{,}2\,\%47115​⋅100≈3,2%
  2. 02Mit EU-Ziel vergleichen

    Der Wert liegt über dem EU-Ziel von 3,0 % und über dem EU-Schnitt von rund 2,2 %.

  3. 03Deutung

    Die hohe Quote ist ein Standortvorteil — sie sichert Innovation und damit Wettbewerbsfähigkeit trotz hoher Lohnkosten.

Ergebnis: Die F&E-Quote liegt bei rund 3,2 % und damit über dem EU-Ziel — ein Pfeiler der Standortqualität.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank10 Punkte

Aufgabenstellung

Beurteilen Sie die Standortqualität Österreichs anhand von Standortfaktoren und der Forschungsquote.

Maturafokus

  • Standortfaktoren Österreichs gewichten (operator: gewichten).
  • Das österreichische Innovationssystem charakterisieren (operator: charakterisieren).
  • Den Zusammenhang von Forschungsquote und Wettbewerbsfähigkeit beurteilen (operator: beurteilen).

Typische Fehler

  • Forschungsquote auf den Staat allein zurückführen — der größte Teil ist Unternehmens-F&E.
  • Standortvorteile nennen, ohne Nachteile gegenüberzustellen.
  • FFG und FWF verwechseln (angewandt vs. Grundlagenforschung).

Aktive Wiederholung

Beurteilen Sie die Standortqualität Österreichs anhand von vier Standortfaktoren und leiten Sie eine wirtschaftspolitische Empfehlung ab.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: FFG Forschungsförderung (FFG) · WIFO Standortanalyse (WIFO)

§ 06

Demografischer Wandel und regionaler Arbeitsmarkt#

●○○BasisLPGW-AT-11.1

Kernpunkte

Österreich zählt rund 9,2 Mio. Einwohner (2024), und die Bevölkerung wächst — allerdings fast ausschließlich durch Zuwanderung, denn die natürliche Bilanz (Geburten minus Sterbefälle) ist zeitweise negativ (). Das Wachstum allein der natürlichen Bilanz zuzuschreiben, wäre also falsch.

Bevölkerungsentwicklung Österreich 1950-2024 (Mio.)

Bevölkerung Österreich (Mio.)Liniendiagramm: Bevölkerung (Mio.) nach Jahr, Daten: 1950: 6.94; 1970: 7.47; 1990: 7.68; 2000: 8; 2010: 8.39; 2020: 8.93; 2024: 9.16024681950197019902000201020202024Bevölkerung (Mio.)Jahr
Abb. 6Jahresdurchschnittsbevölkerung. Quelle: Statistik Austria.
Der prägende Trend ist die Alterung: Der Anteil der über 65-Jährigen steigt, der Altenquotient nimmt zu (siehe Beispiel). Das setzt das umlagefinanzierte Pensions- und Pflegesystem unter Druck, weil immer weniger Erwerbstätige immer mehr Ältere finanzieren.
Innerhalb des Landes verschiebt sich die Bevölkerung: Zuzug in die Stadtregionen (Wien, Graz, Linz, Innsbruck) und deren Umland, Abwanderung aus den peripheren Alpentälern. Stadt- und Landregionen entwickeln sich auseinander.
Besonders die Jungen und gut Ausgebildeten verlassen den ländlichen Raum Richtung Ballungszentren (Brain Drain). Zurück bleibt eine überalterte Peripherie — ein Teufelskreis, weil mit den Jungen auch Nachfrage, Steuerkraft und Zukunftsperspektive abwandern.
Der Arbeitsmarkt zeigt deutliche regionale Unterschiede: Die Arbeitslosenquote ist in Wien höher, im Westen niedriger, und der Tourismus bringt saisonale Schwankungen. Eine einzige nationale Quote verdeckt diese regionalen Realitäten.
Strukturell wandelt sich die Erwerbsbeteiligung: Die Frauenerwerbsquote steigt, allerdings mit einer hohen Teilzeitquote bei Frauen. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie (Kinderbetreuung) ist damit nicht nur ein soziales, sondern auch ein arbeitsmarktpolitisches Thema.
Zuwanderung deckt einen Teil des Arbeitskräftebedarfs, stellt aber die Integration (Bildung, Sprache, Wohnen) vor Aufgaben. Und im schrumpfenden ländlichen Raum wird die Daseinsvorsorge zur Herausforderung: Nahversorgung, Gesundheit, öffentlicher Verkehr und Schulen müssen trotz sinkender Bevölkerung erhalten bleiben.
Musterbeispiel

Altenquotient einer Region

Eine Region hat 90 000 Personen im erwerbsfähigen Alter (15–64) und 27 000 über 65. Berechne den Altenquotienten und ordne ihn ein.

  1. 01Altenquotient

    Über-65 je 100 Erwerbsfähige.

    27 00090 000⋅100=30\dfrac{27\,000}{90\,000} \cdot 100 = 309000027000​⋅100=30
  2. 02Einordnen

    30 bedeutet: auf 100 Erwerbsfähige kommen 30 Ältere — etwa der österreichische Wert, Tendenz steigend.

  3. 03Deutung

    Ein steigender Altenquotient erhöht die Last für das Pensions- und Pflegesystem.

Ergebnis: Altenquotient 30 — auf 100 Erwerbsfähige kommen 30 über 65; ein typischer, steigender Wert für Österreich.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank10 Punkte

Aufgabenstellung

Beschreiben Sie den demografischen Wandel Österreichs und analysieren Sie die Folgen der Abwanderung für periphere Regionen.

Maturafokus

  • Den demografischen Wandel Österreichs beschreiben (operator: beschreiben).
  • Ursachen regionaler Abwanderung analysieren (operator: analysieren).
  • Massnahmen zur Sicherung der Daseinsvorsorge beurteilen (operator: beurteilen).

Typische Fehler

  • Bevölkerungswachstum allein der natürlichen Bilanz zuschreiben (es ist v. a. Zuwanderung).
  • Binnen- und Aussenwanderung vermischen.
  • Alterung nur als Pensionsthema sehen (auch Arbeitsmarkt und Daseinsvorsorge).

Aktive Wiederholung

Analysieren Sie den demografischen Wandel in einer peripheren Alpenregion und beurteilen Sie zwei Massnahmen gegen die Abwanderung junger Menschen.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Statistik Austria Demografie (Statistik Austria)

Inhalt

Abschnitt -- / 06

    • 01Bundesländer: Wirtschaftsstruktur und Disparitäten◐
    • 02Alpine Raumnutzung und Konflikte◐
    • 03Landwirtschaft AT, Energiewende◐
    • 04Raumordnung, Bodenverbrauch und Stadtentwicklung◐
    • 05Forschung, Innovation und Wirtschaftsstandort Österreich●
    • 06Demografischer Wandel und regionaler Arbeitsmarkt○

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Aus den Notizen ins Training

GW 11 — Bundesländer, alpiner Raum, Energiewende AT

Festige dieses Thema an passenden Aufgaben aus der Fragenbank.

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Beispielfrage

Charakterisieren Sie die Wirtschaftsstruktur Österreichs auf Bundesländerebene und diskutieren Sie regionale Disparitäten.

10 BE · 2024

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Belege & Quellen

Quellen

Statistik Austria

  • Statistik Austria Bundesländer
  • Statistik Austria Demografie

Permanent Secretariat of the Alpine Convention

  • Alpenkonvention

NP Hohe Tauern

  • BMK Nationalpark Hohe Tauern

BMK

  • BMK Energiebericht

BMLUK

  • BMLUK Grüner Bericht

OEROK

  • OEROK Bodenstrategie

FFG

  • FFG Forschungsförderung

WIFO

  • WIFO Standortanalyse

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