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Notizen/Geografie und Wirtschaftskunde/GW 12 — Verkehrsträger, Brenner-Transit, nachhaltige Mobilität
Notizen · Geografie und WirtschaftskundeAT · Matura

GW 12 — Verkehrsträger, Brenner-Transit, nachhaltige Mobilität

Verkehrsträger und Modal Split, Personen- und Güterverkehr, Transitverkehr Brenner, Klimaticket und OEBB-Ausbau, nachhaltige Mobilität.

6 Abschnitte·~16 Min Lesezeit·2 Kompetenzen·Niveau Basis 1 · Standard 4 · Vertiefung 1·Stand 06/2026

T·121212 / 12
Prüfungsprofil
GW-Verk-1 · Verkehrssystem analysierenGW-Verk-2 · Mobilitätswende
Tiefe

Lesetiefe: Vertiefung

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Inhalt · 6 Abschnitte▾
  1. GW 12 — Verkehrsträger, Brenner-Transit, nachhaltige Mobilität
    • 01Verkehrsträger und Modal Split○
    • 02Brenner-Transit: Strasse, Schiene, BBT◐
    • 03Nachhaltige Mobilität: Klimaticket, OEBB, E-Mobilität◐
    • 04Wechselkurse und internationale Wirtschaft●
    • 05Verkehrsinfrastruktur, Logistik und Güterverkehr◐
    • 06Stadtverkehr, Pendeln und Verkehrsplanung◐
§ 01

Verkehrsträger und Modal Split#

●○○BasisLPGW-Verk-12.1

Kernpunkte

Der Verkehr nutzt mehrere Verkehrsträger: die Straße (Pkw, Lkw, Bus), die Schiene (Personen und Güter), die Wasserstraße, den Luftverkehr und Pipelines. Welcher Anteil auf welchen Träger entfällt, beschreibt der Modal Split ().

Modal Split Personenverkehr Österreich 2022 (% der Wege)

Modal Split Personenverkehr 2022 (%)Kreisdiagramm, Daten: Pkw (MIV): 64; Fuß/Rad: 18; Öffentlich: 16; Sonstige: 2Pkw (MIV) 64%Fuß/Rad 18%Öffentlich 16%Sonstige 2%
Abb. 1Anteil der Verkehrsmittel an allen zurückgelegten Wegen. Quelle: VCÖ/BMK.
Im österreichischen Personenverkehr dominiert 2022 klar der motorisierte Individualverkehr (MIV) mit rund 64 % der Wege; auf den öffentlichen Verkehr entfallen 16 %, auf Fuß und Rad 18 %, der Rest auf Sonstiges. Das Auto ist also nach wie vor das Rückgrat der Alltagsmobilität (siehe Beispiel).
Wien sticht heraus: Hier nutzen nur rund 26 % das Auto, dafür 32 % den öffentlichen Verkehr und ebenso viele gehen zu Fuß, 10 % radeln. Die Gründe sind ein dichtes U-Bahn-Netz, die günstige 365-Euro-Jahreskarte und die hohe bauliche Dichte — Angebot und Stadtstruktur formen das Verhalten.
Im Güterverkehr läuft der Großteil über die Straße (rund 64 %), die Schiene trägt rund 32 %, die Donau-Schifffahrt rund 4 %. Der Schienenanteil ist im EU-Vergleich hoch — ein Erfolg der Bahnpolitik —, doch der wachsende Lkw-Verkehr bleibt ein Problem.
Der Verkehr verursacht erhebliche externe Kosten — Lärm, Unfälle, Schadstoffe, Klimaschäden —, die die EU auf rund 1.000 Mrd. EUR pro Jahr schätzt und die selten im Preis enthalten sind. Genau hier setzt die Forderung nach Kostenwahrheit (Internalisierung) an.
Wie viel Verkehr entsteht, lässt sich abschätzen: Personen mal Wege pro Tag mal Kilometer pro Weg ergibt die Verkehrsleistung; im Schnitt legt jede Person in Österreich rund 30 km pro Tag zurück. Mehr und weitere Wege bedeuten mehr Verkehr — Raumstruktur und Mobilität hängen eng zusammen.
Verkehrspolitisch entscheidend ist die Klimabilanz: Der Verkehr verursacht rund 28 % der österreichischen Treibhausgasemissionen, und sein Ausstoß wuchs lange. Damit ist er der Sektor, in dem die Klimaziele am schwersten zu erreichen sind — und der Hebel für jede Mobilitätswende.
Anteil=Wege eines VerkehrsmittelsWege gesamt⋅100\text{Anteil} = \dfrac{\text{Wege eines Verkehrsmittels}}{\text{Wege gesamt}} \cdot 100Anteil=Wege gesamtWege eines Verkehrsmittels​⋅100

Modal-Split-Anteil

Musterbeispiel

Modal-Split-Anteile berechnen

In einer Stadt werden täglich 1.000 Wege zurückgelegt: 640 MIV, 160 öffentlich, 180 zu Fuss/Rad, 20 sonstige. Bestimme die Modal-Split-Anteile.

  1. 01MIV-Anteil

    640 / 1.000 . 100 = 64 %.

    6401000⋅100=64%\dfrac{640}{1000}\cdot 100 = 64\%1000640​⋅100=64%
  2. 02Öffentlicher Verkehr

    160 / 1.000 . 100 = 16 %.

    1601000⋅100=16%\dfrac{160}{1000}\cdot 100 = 16\%1000160​⋅100=16%
  3. 03Aktive Mobilität und Rest

    180 / 1.000 = 18 % Fuss/Rad; 20 / 1.000 = 2 % sonstige; Summe 100 %.

Ergebnis: Modal Split 64 % MIV, 16 % öffentlich, 18 % Fuss/Rad, 2 % sonstige — kfz-dominiert.

Musterbeispiel

CO2-Vergleich Auto vs. Bahn

Eine Strecke von 300 km: Pkw rund 150 g CO2 je Personenkilometer, Bahn rund 30 g. Wie viel CO2 wird je eingespart?

  1. 01Pkw

    300 km . 150 g = 45.000 g = 45 kg CO2.

    300⋅150=45000 g300\cdot 150 = 45000\,\text{g}300⋅150=45000g
  2. 02Bahn

    300 km . 30 g = 9.000 g = 9 kg CO2.

    300⋅30=9000 g300\cdot 30 = 9000\,\text{g}300⋅30=9000g
  3. 03Einsparung

    45 - 9 = 36 kg CO2 je Fahrt; relative Einsparung 36 / 45 = 80 %.

    3645=0,80=80%\dfrac{36}{45} = 0{,}80 = 80\%4536​=0,80=80%

Ergebnis: Die Bahn spart rund 36 kg CO2 je Fahrt (80 %) — Begründung für den Mobility Shift.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank10 Punkte

Aufgabenstellung

Erläutern Sie den Modal Split in Österreich. Wie unterscheidet sich Wien vom Bundesschnitt?

Maturafokus

  • Modal Split AT (PKW dominiert).
  • Wien-Modal-Split anders als AT-Schnitt.
  • Güterverkehr-Schienenanteil.

Typische Fehler

  • Modal Split nach Wegen vs. nach Personenkilometern verwechseln.
  • Externe Kosten ignorieren.
  • Transitverkehr und Binnenverkehr vermischen.

Aktive Wiederholung

Beschreibe den Modal Split Personen- und Güterverkehr AT. Welche Änderungen sehen Sie 2010-2023?

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: BMK VCÖ Mobilitätsverhalten (VCOE)

§ 02

Brenner-Transit: Strasse, Schiene, BBT#

●●○StandardLPGW-Verk-12.2

Kernpunkte

Der Brenner ist die wichtigste und meistbefahrene alpenquerende Achse Europas (): Rund 2,5 Mio. Lkw-Fahrten und 11 Mio. Pkw passieren ihn pro Jahr (2023). Was die transeuropäische Wirtschaft verbindet, belastet die Region direkt.

Brenner-Achse: Strasse, Schiene, BBT

N München Innsbruck Brennerpass (1370 m) Bozen Verona A13 / A22 Autobahn Bestandsstrecke Bahn BBT 64 km (geplant 2032) Verkehr Brenner 2023 LKW: ca. 2.5 Mio. Fahrten/Jahr PKW: ca. 11 Mio. Fahrten/Jahr Bahn: ca. 30 % Güteranteil Ziel nach BBT: > 50 % Bahn Massnahmen Tirol Sektorales Fahrverbot Block-/Dosierabfertigung Nachtfahrverbot (Lkw-Klasse) Maut-Differenzierung (Euro-Klasse) EU-Konflikt: Tiroler Massnahmen vs. Binnenmarkt (Warenverkehr); EuGH-Urteile 2011, 2022.
Abb. 2Nord-Sued-Korridor München-Verona; Brennerbasistunnel 2032.
Denn die Bevölkerung im Inn- und Wipptal leidet unter Lärm, Abgasen und Feinstaub, die sich in der Talkessellage stauen. Der Transit ist damit ein klassischer Konflikt zwischen überregionalem Nutzen und lokaler Belastung (siehe Beispiel).
Tirol steuert mit mehreren Maßnahmen gegen: dem sektoralen Fahrverbot für bestimmte Gütergruppen, der Block- und Dosierabfertigung an Spitzentagen, einem Nachtfahrverbot und einer nach Euro-Abgasklasse gestaffelten Maut. Es sind gezielte, keine generellen Verbote.
Diese Maßnahmen kollidieren mit dem EU-Binnenmarkt: Italien sieht den freien Warenverkehr beeinträchtigt und klagt (EuGH-Urteil 2011 zum Inntal-Fahrverbot, neue Beschwerden ab 2022). Hier prallen Tiroler Umweltschutz und die europäische Warenverkehrsfreiheit aufeinander — beides ist legitim.
Die große Hoffnung ist der Brennerbasistunnel (BBT): 64 km lang, geplante Eröffnung um 2032, verbindet er Innsbruck und Franzensfeste weitgehend flach. Er soll Güter von der Straße auf die Schiene verlagern und so Belastung und Emissionen senken.
Der BBT ist Teil der transeuropäischen Verkehrsnetze (TEN-T): Die EU baut grenzüberschreitende Korridore wie Skandinavien-Mittelmeer (über den Brenner), Rhein-Donau und Baltisch-Adria. Verkehrspolitik wird so europäisch gedacht, nicht national.
Begleitet wird das von einem nationalen Bahnausbau: der Koralm-Tunnel (Klagenfurt-Graz, ab 2025), der Semmering-Basistunnel (um 2030) und die viergleisige Westbahn. Diese Großprojekte sind die Infrastruktur, ohne die der angestrebte Mobility Shift nicht funktioniert.
Musterbeispiel

Verlagerung der Lkw auf die Schiene

Am Brenner fahren rund 2,5 Mio. Lkw pro Jahr. Der BBT soll den Schienenanteil am gesamten Güteraufkommen von 30 % auf 50 % heben. Wie viel des Aufkommens würde zusätzlich auf die Schiene verlagert?

  1. 01Ausgangslage

    Bisher laufen 30 % über die Schiene, 70 % über die Straße.

  2. 02Verlagerungsanteil

    Eine Erhöhung um 20 Prozentpunkte betrifft 20 % des Aufkommens.

    (0,50−0,30)⋅2,5 Mio.=0,5 Mio.(0{,}50 - 0{,}30) \cdot 2{,}5\,\text{Mio.} = 0{,}5\,\text{Mio.}(0,50−0,30)⋅2,5Mio.=0,5Mio.
  3. 03Deutung

    Rund 0,5 Mio. Lkw-Äquivalente pro Jahr kämen von der Straße — eine spürbare Entlastung des Inntals.

Ergebnis: Rund 0,5 Mio. Fahrten jährlich würden auf die Schiene verlagert — das Kernargument für den BBT.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank10 Punkte

Aufgabenstellung

Beschreiben Sie das Brenner-Transit-Problem und diskutieren Sie Massnahmen Tirols sowie das Projekt Brennerbasistunnel.

Maturafokus

  • Brenner-Verkehrszahlen.
  • BBT 2032.
  • EuGH-Konflikt Tirol vs. Italien.

Typische Fehler

  • BBT mit alter Brennerbahn verwechseln.
  • Sektorales Fahrverbot mit generellem Verbot.
  • TEN-T und EU ETS vermischen.

Aktive Wiederholung

Diskutiere den Brenner-Transit als Konflikt zwischen Klimaschutz und Binnenmarkt. Welche Lösungen verspricht der BBT?

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: BBT Brennerbasistunnel (BBT SE) · Land Tirol Verkehr (Amt der Tiroler Landesregierung)

§ 03

Nachhaltige Mobilität: Klimaticket, OEBB, E-Mobilität#

●●○StandardLPGW-Verk-12.3

Kernpunkte

Nachhaltige Mobilität folgt einer klaren Hierarchie (): zuerst Verkehr vermeiden (kurze Wege, Homeoffice), dann verlagern (vom Auto auf Bahn, Rad, Fuß) und erst zuletzt verbessern (effizientere Fahrzeuge). Diese Reihenfolge ist wichtiger als jede Einzelmaßnahme.

Strategie nachhaltiger Mobilität

Vermeiden, Verlagern, VerbessernBaumdiagramm, 3 Pfade, Daten: Vermeiden; Verlagern; VerbessernNachhaltige MobilitätVermeidenVerlagernVerbessern
Abb. 3Die Hierarchie lautet: zuerst Verkehr vermeiden, dann verlagern, erst zuletzt verbessern.
Das Aushängeschild der Verlagerung ist das Klimaticket (seit 26. 10. 2021): Für rund 1095 Euro im Jahr (3 Euro pro Tag) gilt es in allen öffentlichen Verkehrsmitteln österreichweit. Über 250.000 Käufer (2023) zeigen die Nachfrage — ein einfaches, attraktives Angebot wirkt (siehe Beispiel).
Damit das Angebot hält, läuft die ÖBB-Investitionsoffensive 2024–2029 mit rund 21 Mrd. EUR: Koralm- und Semmering-Basistunnel, viergleisige Westbahn, Elektrifizierung der Südstrecke. Ein Ticket nützt nur mit leistungsfähiger Infrastruktur dahinter.
Beim Verbessern wächst die E-Mobilität: rund 165.000 reine E-Pkw im Bestand (2024, etwa 3 %), aber bereits rund 18 % der Neuzulassungen (2023). Wichtig ist die Unterscheidung von Bestands- und Neuzulassungsanteil — der Bestand zieht erst langsam nach.
Voraussetzung ist ein dichtes Ladenetz (rund 23.000 öffentliche Ladepunkte, davon etwa 5.000 Schnelllader). Übergeordnet bündelt der Mobilitätsmasterplan 2030 die Ziele, mit der Marke eines klimaneutralen Verkehrssystems bis 2040.
Vorbild ist Wien mit der 365-Euro-Jahreskarte (seit 2012), einem öffentlichen Anteil von 32 % und Begegnungszonen. Das Potenzial ist groß: Rund 30 % der Pkw-Strecken in Österreich sind kürzer als 5 km — also gut mit Rad oder zu Fuß ersetzbar.
Den Rahmen setzt die EU mit Fit for 55: Ab 2035 dürfen keine neuen Verbrenner-Pkw mehr zugelassen werden, und ab 2027 erfasst der ETS2 auch Verkehr und Gebäude. Klimaschutz im Verkehr ist damit nicht nur nationale, sondern europäische Verpflichtung.
Musterbeispiel

Lohnt sich das Klimaticket?

Eine Pendlerin zahlt für Einzelfahrten rund 6 EUR pro Arbeitstag und arbeitet an 220 Tagen im Jahr. Lohnt sich das Klimaticket (1095 EUR/Jahr)?

  1. 01Kosten Einzelfahrten

    Tageskosten mal Arbeitstage.

    6⋅220=1320 EUR6 \cdot 220 = 1320\,\text{EUR}6⋅220=1320EUR
  2. 02Vergleich

    1320 EUR für Einzelfahrten gegenüber 1095 EUR für das Klimaticket.

  3. 03Ersparnis

    Differenz plus zusätzlicher Nutzen für Freizeitfahrten.

    1320−1095=225 EUR1320 - 1095 = 225\,\text{EUR}1320−1095=225EUR

Ergebnis: Das Klimaticket spart hier rund 225 EUR pro Jahr und bietet darüber hinaus unbegrenzte Mobilität — ein starker Verlagerungsanreiz.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank10 Punkte

Aufgabenstellung

Diskutieren Sie das Klimaticket Österreich und die OEBB-Investitionsoffensive als Bausteine nachhaltiger Mobilität.

Maturafokus

  • Klimaticket Preis und Wirkung.
  • OEBB Koralm/Semmering Eröffnungsjahre.
  • EU-Verbrenner-Aus 2035.

Typische Fehler

  • Klimaticket als reines Wien-Ticket sehen.
  • E-PKW-Anteil mit -Neuzulassungsanteil verwechseln.
  • ETS und ETS2 vermischen.

Aktive Wiederholung

Bewerte das Klimaticket nach 3 Jahren. Welche Wirkungen sind sichtbar, welche bleiben offen?

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: BMK Mobilitätsmasterplan 2030 (BMK) · OEBB Investitionsplan (OEBB-Infrastruktur AG)

§ 04

Wechselkurse und internationale Wirtschaft#

●●●VertiefungLPGW-Verk-12.4

Kernpunkte

Ein Wechselkurs ist der Preis einer Währung in einer anderen. In der bei uns üblichen Mengennotierung sagt EUR/USD = 1,08, dass ein Euro 1,08 US-Dollar kostet. Steigt diese Zahl, wird der Euro mehr wert (Aufwertung), sinkt sie, weniger (Abwertung).
Eine Aufwertung des Euro hat zwei Gesichter (): Importe werden billiger (Öl und Rohstoffe kosten in Euro weniger), Exporte aber teurer (österreichische Maschinen verteuern sich für US-Käufer). Für eine Exportwirtschaft ist eine starke Währung also nicht nur gut.

Wirkungen von Auf- und Abwertung

WechselkurswirkungenTabelle mit 3 Spalten und 2 Zeilen, Daten: Euro · Exporte · Importe; Aufwertung · teurer · billiger; Abwertung · billiger · teurerEUROEXPORTEIMPORTEAUFWERTUNGteurerbilligerABWERTUNGbilligerteurer
Abb. 4Eine Aufwertung verbilligt Importe und verteuert Exporte; eine Abwertung wirkt umgekehrt.
Eine Abwertung wirkt spiegelbildlich: Exporte werden auf dem Weltmarkt konkurrenzfähiger, Importe verteuern sich und können Inflation importieren (teurere Energie). Ob Auf- oder Abwertung „gut" ist, hängt also von der Perspektive ab — ein häufiger Wertungsfehler.
Wohin sich Wechselkurse langfristig bewegen, erklärt die Kaufkraftparität (PPP): Auf Dauer sollten Währungen so stehen, dass identische Güter überall gleich viel kosten — anschaulich der Big-Mac-Index. Kurzfristige Kurse weichen davon allerdings stark ab.
Kurz- bis mittelfristig dominiert die Zinsparität: Kapital fließt dorthin, wo die Rendite höher ist, und treibt dort den Wechselkurs. Erhöht eine Notenbank die Zinsen, wertet ihre Währung tendenziell auf — ein Grund, warum Geldpolitik und Wechselkurs zusammenhängen.
Der Devisenmarkt ist der größte Finanzmarkt der Welt (Tagesumsatz rund 7,5 Bio. USD, 2022). Für Österreich gilt eine Besonderheit: Als Euro-Mitglied hat es gegenüber rund 70 % seines Außenhandels (EU) gar keinen eigenen Wechselkurs — Kursrisiken bestehen nur gegenüber Drittwährungen wie USD oder CHF (siehe Beispiel).
Wie real solche Risiken sind, zeigte 2015 die Aufhebung des Franken-Mindestkurses durch die Schweizer Nationalbank: Der Franken wertete schlagartig auf. Das nützte dem österreichischen Tourismus (Schweizer Gäste mit mehr Kaufkraft), traf aber österreichische Kreditnehmer mit Franken-Krediten hart, deren Schuld in Euro sprunghaft stieg.
EURBetrag=Fremdwa¨hr. BetragKursEUR_{Betrag} = \dfrac{Fremdwähr.\,Betrag}{Kurs}EURBetrag​=KursFremdwa¨hr.Betrag​

Wechselkurs (mengennotiert EUR/Fremdw.)

Musterbeispiel

Wechselkurs umrechnen

Eine Reise nach New York kostet 5.000 USD. Wechselkurs EUR/USD = 1.08. Wie viel EUR? Bei Aufwertung auf 1.20?

  1. 01Zuerst

    5000 USD / 1.08 = 4630 EUR.

  2. 02Nach Aufwertung

    5000 USD / 1.20 = 4167 EUR.

  3. 03Differenz

    Ersparnis 463 EUR (ca. 10 % billiger) — EU-Bürger profitieren.

Ergebnis: Aufwertung EUR macht Auslandsreisen billiger; US-Tourist sieht teureres Europa.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank10 Punkte

Aufgabenstellung

Erläutern Sie das Konzept des Wechselkurses und diskutieren Sie die Auswirkungen einer Auf- bzw. Abwertung des Euro auf die österreichische Wirtschaft.

Maturafokus

  • Aufwertung vs. Abwertung Wirkungen.
  • PPP Konzept.
  • AT-CH-Wechselkurs als Beispiel.

Typische Fehler

  • Mengen- und Preisnotierung verwechseln.
  • Aufwertung als "gut" wertend.
  • Wechselkurs und Inflation gleichsetzen.

Aktive Wiederholung

Berechne, wie sich ein US-Bestelltour von 5.000 USD ändert, wenn EUR von 1.08 auf 1.20 zum USD aufwertet.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: ÖNB Wechselkurs-Statistik (ÖNB)

§ 05

Verkehrsinfrastruktur, Logistik und Güterverkehr#

●●○StandardLPGW-Verk-12.1

Kernpunkte

Verkehrsinfrastruktur ist ein zentraler Standortfaktor: Erst Straßen-, Schienen-, Wasserstraßen- und Luftverkehrsnetze erschließen Märkte und Regionen. Wer nicht angebunden ist, ist wirtschaftlich abgehängt — Erreichbarkeit ist die halbe Standortgunst ().

Brenner-Achse: Strasse, Schiene, BBT

N München Innsbruck Brennerpass (1370 m) Bozen Verona A13 / A22 Autobahn Bestandsstrecke Bahn BBT 64 km (geplant 2032) Verkehr Brenner 2023 LKW: ca. 2.5 Mio. Fahrten/Jahr PKW: ca. 11 Mio. Fahrten/Jahr Bahn: ca. 30 % Güteranteil Ziel nach BBT: > 50 % Bahn Massnahmen Tirol Sektorales Fahrverbot Block-/Dosierabfertigung Nachtfahrverbot (Lkw-Klasse) Maut-Differenzierung (Euro-Klasse) EU-Konflikt: Tiroler Massnahmen vs. Binnenmarkt (Warenverkehr); EuGH-Urteile 2011, 2022.
Abb. 5Nord-Sued-Korridor München-Verona; Brennerbasistunnel 2032.
Österreich verfügt über ein dichtes, hochrangiges Netz: das Autobahn- und Schnellstraßennetz der ASFINAG, das Schienen-Kernnetz der ÖBB mit den TEN-V-Korridoren, die Donau als Wasserstraße und den Flughafen Wien-Schwechat als Drehscheibe Richtung Osteuropa.
Logistik steuert Güter, Lager und Informationen entlang der Lieferkette. Das Prinzip Just-in-Time senkt Lagerkosten, weil Material erst bei Bedarf geliefert wird — erhöht aber das Verkehrsaufkommen und die Störanfälligkeit, wie die Lieferkettenkrisen der Pandemie zeigten.
Um Güter von der Straße auf die Schiene zu bringen, dient der intermodale Verkehr (Kombiverkehr): Container und ganze Lkw werden über Terminals auf die Bahn verladen — etwa die Rollende Landstraße am Brenner. So lassen sich die Stärken beider Verkehrsträger verbinden.
Bei der Netzgestaltung stehen sich zwei Logiken gegenüber: Hub-and-Spoke bündelt den Verkehr in Knoten (Hubs) und erhöht die Auslastung, Punkt-zu-Punkt verbindet direkt. Engpässe und Stau in den Knoten verursachen externe Kosten — die Effizienz hat ihren Preis.
Über allem stehen die transeuropäischen Netze (TEN-V): Die EU fördert grenzüberschreitende Korridore wie Skandinavien-Mittelmeer über den Brenner (siehe Beispiel). Verkehrsinfrastruktur ist damit europäische Politik — und ein Hebel, um Güter klimafreundlicher zu bewegen.
Musterbeispiel

Transportkosten je Tonnenkilometer

Ein Transport von 24 t über 300 km kostet 1440 EUR. Wie hoch sind die Kosten je Tonnenkilometer (tkm)?

  1. 01Tonnenkilometer berechnen

    24 t . 300 km = 7200 tkm.

  2. 02Kosten teilen

    1440 EUR / 7200 tkm.

    k=14407200=0,20 EURtkmk = \dfrac{1440}{7200} = 0{,}20\,\tfrac{\text{EUR}}{\text{tkm}}k=72001440​=0,20tkmEUR​
  3. 03Interpretation

    0,20 EUR/tkm dient als Vergleichsmass zwischen Verkehrsträgern.

Ergebnis: Die Transportkosten betragen 0,20 EUR je Tonnenkilometer.

Musterbeispiel

Verlagerungspotenzial Strasse zu Schiene

Von 5 Mio. t Güter werden derzeit 30 % auf der Schiene transportiert. Wie viel Tonnen kämen bei einer Erhöhung auf 45 % zusätzlich auf die Schiene?

  1. 01Aktuell Schiene

    30 % von 5 Mio. t = 1,5 Mio. t.

  2. 02Ziel Schiene

    45 % von 5 Mio. t = 2,25 Mio. t.

  3. 03Differenz

    2,25 - 1,5 = 0,75 Mio. t zusätzlich.

    Δ=(0,45−0,30)⋅5=0,75 Mio. t\Delta = (0{,}45 - 0{,}30) \cdot 5 = 0{,}75\,\text{Mio. t}Δ=(0,45−0,30)⋅5=0,75Mio. t

Ergebnis: Rund 0,75 Mio. t würden zusätzlich auf die Schiene verlagert.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank10 Punkte

Aufgabenstellung

Erläutern Sie die Bedeutung der Verkehrsinfrastruktur für die Wirtschaft und diskutieren Sie die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene.

Maturafokus

  • Infrastruktur als Standortfaktor begründen.
  • Just-in-Time-Logistik mit Vor- und Nachteilen erklären.
  • Intermodalen/Kombiverkehr beschreiben.

Typische Fehler

  • Infrastruktur nur als Strassen verstehen (Schiene, Wasser, Luft, Daten).
  • Just-in-Time pauschal positiv werten (Störanfälligkeit, Verkehr).
  • Verkehrsknoten (Hub) mit Endpunkt verwechseln.

Aktive Wiederholung

Analysiere die Bedeutung der TEN-V-Korridore für den österreichischen Güterverkehr und diskutiere die Verlagerung auf die Schiene.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: ASFINAG — Verkehrs- und Infrastrukturdaten (ASFINAG) · OEBB — Güterverkehr (Rail Cargo) (OEBB-Holding AG)

§ 06

Stadtverkehr, Pendeln und Verkehrsplanung#

●●○StandardLPGW-Verk-12.3

Kernpunkte

Pendeln — der tägliche Weg zwischen Wohn- und Arbeitsort — prägt den Verkehr in Österreich stark, vor allem im Umland der großen Städte (Wien, Graz, Linz, Salzburg). Wer im Grünen wohnt und in der Stadt arbeitet, erzeugt Verkehr; die Raumstruktur bestimmt die Mobilität mit ().

Brenner-Achse: Strasse, Schiene, BBT

N München Innsbruck Brennerpass (1370 m) Bozen Verona A13 / A22 Autobahn Bestandsstrecke Bahn BBT 64 km (geplant 2032) Verkehr Brenner 2023 LKW: ca. 2.5 Mio. Fahrten/Jahr PKW: ca. 11 Mio. Fahrten/Jahr Bahn: ca. 30 % Güteranteil Ziel nach BBT: > 50 % Bahn Massnahmen Tirol Sektorales Fahrverbot Block-/Dosierabfertigung Nachtfahrverbot (Lkw-Klasse) Maut-Differenzierung (Euro-Klasse) EU-Konflikt: Tiroler Massnahmen vs. Binnenmarkt (Warenverkehr); EuGH-Urteile 2011, 2022.
Abb. 6Nord-Sued-Korridor München-Verona; Brennerbasistunnel 2032.
Welches Verkehrsmittel gewählt wird, hängt von Angebot, Kosten, Zeit und Bequemlichkeit ab. Steuern lässt sich das mit zwei Hebeln: Push-Maßnahmen verteuern oder erschweren das Auto (Parkraumbewirtschaftung, City-Maut), Pull-Maßnahmen machen Alternativen attraktiv (Ausbau des öffentlichen Verkehrs, Radwege). Wirksam ist meist die Kombination.
Das städtebauliche Leitbild ist die Stadt der kurzen Wege bzw. die 15-Minuten-Stadt: Wenn Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und Freizeit nah beieinanderliegen (Nutzungsdurchmischung), entfallen viele Wege oder werden zu Fuß und mit dem Rad zurückgelegt — der motorisierte Individualverkehr sinkt von selbst.
Das Rückgrat der Stadtmobilität ist der öffentliche Personennahverkehr (U-Bahn, Straßenbahn, Bus). Wien zeigt mit seinem hohen Anteil und der 365-Euro-Jahreskarte, dass ein gutes, günstiges Angebot die Verkehrsmittelwahl spürbar verschiebt (siehe Beispiel).
Gute Verkehrsplanung folgt der Hierarchie Vermeiden vor Verlagern vor Verbessern und denkt Raum- und Verkehrsplanung zusammen: Wo gewidmet und gebaut wird, entscheidet über künftige Verkehrsströme. Verkehr lässt sich nicht nur nachträglich „managen", sondern vorab vermeiden.
Schließlich verursacht auch der Stadtverkehr externe Kosten — Lärm, Schadstoffe, Unfälle, Flächenverbrauch und Klimawirkung —, die meist nicht im Preis enthalten sind. Eine nachhaltige Mobilitätspolitik will diese Kosten sichtbar machen und gerecht verteilen.
Musterbeispiel

Modal-Split-Verschiebung

In einer Stadt nutzen 60 % das Auto, 25 % den OEPNV, 15 % das Rad. Eine Kampagne senkt den Autoanteil um 10 Prozentpunkte zugunsten des OEPNV. Wie sieht der neue Modal Split aus?

  1. 01Auto neu

    60 % - 10 % = 50 %.

  2. 02OEPNV neu

    25 % + 10 % = 35 %.

  3. 03Rad unverändert

    15 % bleiben; Summe 50 + 35 + 15 = 100 %.

Ergebnis: Neuer Modal Split: 50 % Auto, 35 % OEPNV, 15 % Rad.

Musterbeispiel

Pendlerquote berechnen

Eine Gemeinde hat 4000 Erwerbstätige, davon arbeiten 2600 ausserhalb der Gemeinde. Wie hoch ist die Auspendlerquote?

  1. 01Quote bilden

    2600 / 4000 . 100.

    q=26004000⋅100=65 %q = \dfrac{2600}{4000} \cdot 100 = 65\,\%q=40002600​⋅100=65%
  2. 02Einordnung

    65 % Auspendler kennzeichnen eine Wohngemeinde im Einzugsbereich eines Zentrums.

  3. 03Folgerung

    Hoher Bedarf an leistungsfähigem OEPNV zum Arbeitszentrum.

Ergebnis: Die Auspendlerquote beträgt 65 %.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank10 Punkte

Aufgabenstellung

Diskutieren Sie Herausforderungen des Stadt- und Pendelverkehrs und entwickeln Sie Lösungsansätze für eine nachhaltige Mobilität.

Maturafokus

  • Push- und Pull-Massnahmen unterscheiden.
  • Konzept der 15-Minuten-Stadt erklären.
  • Externe Kosten des Verkehrs benennen.

Typische Fehler

  • Verkehrsverlagerung mit Verkehrsvermeidung gleichsetzen.
  • Pendeln nur als individuelles Problem sehen (Raumstruktur entscheidend).
  • OEPNV-Förderung ohne Push-Massnahmen für ausreichend halten.

Aktive Wiederholung

Entwirf für eine österreichische Stadt ein Maßnahmenbündel zur Verlagerung des Pendelverkehrs vom Auto auf den OEPNV.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: BMK — Mobilitätsmasterplan 2030 (BMK) · VCÖ — Mobilität mit Zukunft (VCÖ)

Inhalt

Abschnitt -- / 06

    • 01Verkehrsträger und Modal Split○
    • 02Brenner-Transit: Strasse, Schiene, BBT◐
    • 03Nachhaltige Mobilität: Klimaticket, OEBB, E-Mobilität◐
    • 04Wechselkurse und internationale Wirtschaft●
    • 05Verkehrsinfrastruktur, Logistik und Güterverkehr◐
    • 06Stadtverkehr, Pendeln und Verkehrsplanung◐

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Aus den Notizen ins Training

GW 12 — Verkehrsträger, Brenner-Transit, nachhaltige Mobilität

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Erläutern Sie den Modal Split in Österreich. Wie unterscheidet sich Wien vom Bundesschnitt?

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Belege & Quellen

Quellen

VCOE

  • BMK VCÖ Mobilitätsverhalten

BBT SE

  • BBT Brennerbasistunnel

Amt der Tiroler Landesregierung

  • Land Tirol Verkehr

BMK

  • BMK Mobilitätsmasterplan 2030
  • BMK — Mobilitätsmasterplan 2030

OEBB-Infrastruktur AG

  • OEBB Investitionsplan

ÖNB

  • ÖNB Wechselkurs-Statistik

ASFINAG

  • ASFINAG — Verkehrs- und Infrastrukturdaten

OEBB-Holding AG

  • OEBB — Güterverkehr (Rail Cargo)

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EuraStudy·Notizen T·12·MMXXVI

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