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Notizen/Chemie/Reaktionsenergetik, Kinetik und Gleichgewicht (CHE-En)
Notizen · ChemieAT · Matura

Reaktionsenergetik, Kinetik und Gleichgewicht (CHE-En)

Enthalpie, Entropie und Gibbs-Energie als Triebkräfte; Reaktionsgeschwindigkeit, Aktivierungsenergie, Katalyse; chemisches Gleichgewicht (Massenwirkungsgesetz, Le Chatelier).

6 Abschnitte·~15 Min Lesezeit·3 Kompetenzen·Niveau Standard 4 · Vertiefung 2·Stand 06/2026

T·0444 / 12
Prüfungsprofil
CHE-En-4.1 · Energieumsatz chemischer Reaktionen mit Enthalpie/Entropie/Gibbs beurteilenCHE-En-4.2 · Reaktionskinetik (Geschwindigkeit, EA, Katalyse) erläuternCHE-En-4.3 · Chemisches Gleichgewicht und das Prinzip von Le Chatelier anwenden
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Lesetiefe: Vertiefung

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Inhalt · 6 Abschnitte▾
  1. Reaktionsenergetik, Kinetik und Gleichgewicht (CHE-En)
    • 01Thermochemie: Enthalpie, Entropie, Gibbs-Energie◐
    • 02Reaktionsgeschwindigkeit, Aktivierungsenergie, Katalyse◐
    • 03Chemisches Gleichgewicht und Le Chatelier◐
    • 04Hesscher Satz und Standardbildungsenthalpien●
    • 05Bindungsenergien und Reaktionswärme◐
    • 06Massenwirkungsgesetz und Gleichgewichtskonstante●
§ 01

Thermochemie: Enthalpie, Entropie, Gibbs-Energie#

●●○StandardLPCHE-En-4.1

Kernpunkte

Jede chemische Reaktion ist auch ein Energieumsatz: Beim Verbrennen wird Wärme frei, zum Garen von Speisen muss man sie zuführen. Die Thermochemie beschreibt diese Energieflüsse quantitativ und beantwortet zwei getrennte Fragen - wie viel Energie wird umgesetzt (Enthalpie) und läuft die Reaktion überhaupt freiwillig ab (Gibbs-Energie)?
Die Reaktionsenthalpie ΔRH\Delta_{R}HΔR​H ist der Wärmeumsatz bei konstantem Druck. Ist sie negativ, gibt die Reaktion Wärme an die Umgebung ab - sie ist exotherm (z. B. jede Verbrennung); ist sie positiv, nimmt die Reaktion Wärme auf - sie ist endotherm (z. B. das Auflösen mancher Salze). Das Energieprofil () zeigt ΔH\Delta HΔH als Höhenunterschied zwischen Edukten und Produkten.

Reaktionsenergiediagramm mit/ohne Katalysator

Reaktionsenergiediagramm mit/ohne KatalysatorEnergiediagramm, 2 Zustände, Aktivierungsenergie Eₐ = 80, Reaktionsenthalpie ΔH = -15ohne Katalysatormit KatalysatorEaΔHEdukteÜbergangszustandProdukteEReaktionsverlauf
Abb. 1Aktivierungsenergie EAE_{A}EA​ sinkt durch Katalysator, ΔH\Delta HΔH bleibt gleich.
Tabelliert werden Standardbildungsenthalpien ΔfH∘\Delta_{f}H^{\circ}Δf​H∘ - die Enthalpieänderung bei der Bildung von 1 mol Verbindung aus den Elementen in ihrer stabilsten Form. Per Konvention ist ΔfH∘\Delta_{f}H^{\circ}Δf​H∘ für Elemente in Standardform (etwa OX2\ce{O2}OX2​ oder Graphit) gleich null; das macht sie zum Bezugspunkt aller Enthalpierechnungen.
Weil die Enthalpie eine Zustandsgröße ist, hängt ΔRH\Delta_{R}HΔR​H nur von Anfangs- und Endzustand ab, nicht vom Reaktionsweg (Hesscher Satz). Daraus folgt die zentrale Rechenregel ΔRH=∑Hf∘(Produkte)−∑Hf∘(Edukte)\Delta_{R}H = \sum H_{f}^{\circ}(\text{Produkte}) - \sum H_{f}^{\circ}(\text{Edukte})ΔR​H=∑Hf∘​(Produkte)−∑Hf∘​(Edukte), jeweils mit den Koeffizienten gewichtet (siehe das Rechenbeispiel und den eigenen Abschnitt zum Hesschen Satz).
Die zweite Triebkraft ist die Entropie SSS - ein Maß für die Unordnung bzw. die Zahl der zugänglichen Anordnungen eines Systems. Sie steigt, wenn aus wenigen Teilchen viele werden oder ein Feststoff zu Gas wird (ΔS>0\Delta S>0ΔS>0). Die Natur strebt zugleich nach minimaler Energie UND maximaler Unordnung; diese beiden Tendenzen können einander entgegenwirken.
Beide Triebkräfte vereint die Gibbs-Energie ΔG=ΔH−T ΔS\Delta G=\Delta H - T\,\Delta SΔG=ΔH−TΔS. Sie entscheidet über die Freiwilligkeit: ΔG<0\Delta G<0ΔG<0 heißt exergonisch (läuft freiwillig ab), ΔG>0\Delta G>0ΔG>0 endergonisch (läuft nicht von selbst), ΔG=0\Delta G=0ΔG=0 bedeutet Gleichgewicht. Der Temperaturfaktor TTT erklärt, warum manche endotherme Reaktionen erst bei hoher Temperatur freiwillig werden: Dann überwiegt der T ΔST\,\Delta STΔS-Term die positive Enthalpie.
ΔRH=∑HProdukte∘−∑HEdukte∘\Delta_{R}H = \sum H_{\text{Produkte}}^{\circ} - \sum H_{\text{Edukte}}^{\circ}ΔR​H=∑HProdukte∘​−∑HEdukte∘​

Reaktionsenthalpie (Hess-Satz)

ΔG=ΔH−T ΔS\Delta G = \Delta H - T\,\Delta SΔG=ΔH−TΔS

Gibbs-Energie - Triebkraft einer Reaktion

ΔG=−R T ln⁡K\Delta G = -R\,T\,\ln KΔG=−RTlnK

Verknüpfung Gibbs-Energie / Gleichgewichtskonstante

Musterbeispiel

Hess-Satz - Bildungsenthalpie berechnen

Bestimme ΔRH\Delta_{R}HΔR​H für CHX4+2 OX2→COX2+2 HX2O\ce{CH4 + 2 O2 -> CO2 + 2 H2O}CHX4​+2OX2​​COX2​+2HX2​O aus Bildungsenthalpien: ΔfH∘(CHX4)=−74,9\Delta_{f}H^{\circ}(\ce{CH4})=-74{,}9Δf​H∘(CHX4​)=−74,9, ΔfH∘(COX2)=−393,5\Delta_{f}H^{\circ}(\ce{CO2})=-393{,}5Δf​H∘(COX2​)=−393,5, ΔfH∘(HX2O, l)=−285,8 kJ/mol\Delta_{f}H^{\circ}(\ce{H2O,l})=-285{,}8\,\text{kJ/mol}Δf​H∘(HX2​O,l)=−285,8kJ/mol.

  1. 01Hess-Satz

    ΔRH=∑HProdukte∘−∑HEdukte∘\Delta_{R}H = \sum H_{\text{Produkte}}^{\circ} - \sum H_{\text{Edukte}}^{\circ}ΔR​H=∑HProdukte∘​−∑HEdukte∘​.

  2. 02Produktseite

    −393,5+2⋅(−285,8)=−965,1 kJ/mol-393{,}5 + 2\cdot(-285{,}8) = -965{,}1\,\text{kJ/mol}−393,5+2⋅(−285,8)=−965,1kJ/mol.

  3. 03Eduktseite

    −74,9+2⋅0=−74,9 kJ/mol-74{,}9 + 2\cdot 0 = -74{,}9\,\text{kJ/mol}−74,9+2⋅0=−74,9kJ/mol (ΔfH∘\Delta_{f}H^{\circ}Δf​H∘ Elementarstoffe = 0).

  4. 04Differenz

    ΔRH=−965,1−(−74,9)=−890,2 kJ/mol\Delta_{R}H = -965{,}1 - (-74{,}9) = -890{,}2\,\text{kJ/mol}ΔR​H=−965,1−(−74,9)=−890,2kJ/mol.

Ergebnis: Stark exotherm: ΔRH≈−890 kJ/mol\Delta_{R}H\approx -890\,\text{kJ/mol}ΔR​H≈−890kJ/mol - das ist der Heizwert von Methan (Erdgas).

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Stell dir die Reaktion als Berg- und Talwanderung der Energie vor - Enthalpie ist der Höhenunterschied.

    Reaktionsenergiediagramm mit/ohne Katalysator

    Reaktionsenergiediagramm mit/ohne KatalysatorEnergiediagramm, 2 Zustände, Aktivierungsenergie Eₐ = 80, Reaktionsenthalpie ΔH = -15ohne Katalysatormit KatalysatorEaΔHEdukteÜbergangszustandProdukteEReaktionsverlauf
    Abb.Aktivierungsenergie EAE_{A}EA​ sinkt durch Katalysator, ΔH\Delta HΔH bleibt gleich.
  2. 2

    Entropie ist das Mass der Unordnung; mehr freie Teilchen heisst höhere Entropie.

  3. 3

    Gibbs verbindet beides: ΔG<0\Delta G<0ΔG<0 heisst freiwillig, ΔG>0\Delta G>0ΔG>0 nicht.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank4 Punkte

Aufgabenstellung

Erläutere am Beispiel des Schmelzens von Eis, wie Enthalpie und Entropie zusammenwirken, um die Temperaturabhängigkeit der Triebkraft zu erklären.

Maturafokus

  • Hess-Satz mit Bildungsenthalpien sicher anwenden.
  • Vorzeichen von ΔH\Delta HΔH und ΔS\Delta SΔS qualitativ einschätzen können.
  • Argumentation mit Gibbs immer: "freiwillig, weil ΔG<0\Delta G<0ΔG<0, da... ".

Typische Fehler

  • Vorzeichen von ΔH\Delta HΔH wird verwechselt (positiv = Wärme aufgenommen, nicht abgegeben).
  • Standardbildungsenthalpie von Elementen wird falsch als nicht null angesetzt.
  • Entropie wird auf einzelne Moleküle bezogen statt auf das System.

Aktive Wiederholung

Berechne ΔRH\Delta_{R}HΔR​H für die Reaktion 2 HX2+OX2→2 HX2O(l)\ce{2 H2 + O2 -> 2 H2O(l)}2HX2​+OX2​​2HX2​O(l) mit ΔfH∘(HX2O, l)=−285,8 kJ/mol\Delta_{f}H^{\circ}(\ce{H2O,l})=-285{,}8\,\text{kJ/mol}Δf​H∘(HX2​O,l)=−285,8kJ/mol.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: OpenStax Chemistry 2e Kap. 16 Thermodynamics (OpenStax)

§ 02

Reaktionsgeschwindigkeit, Aktivierungsenergie, Katalyse#

●●○StandardLPCHE-En-4.2

Kernpunkte

Die Thermodynamik sagt, OB eine Reaktion freiwillig abläuft - die Kinetik sagt, WIE SCHNELL. Beides ist unabhängig: Die Umwandlung von Diamant in Graphit ist thermodynamisch freiwillig, aber so langsam, dass Diamanten praktisch ewig halten. Die Reaktionskinetik untersucht die Geschwindigkeit und die Faktoren, die sie steuern.
Die Reaktionsgeschwindigkeit vvv misst, wie schnell sich Konzentrationen ändern: v=−1ad[Edukt]dt=1bd[Produkt]dtv=-\dfrac{1}{a}\dfrac{d[\text{Edukt}]}{dt}=\dfrac{1}{b}\dfrac{d[\text{Produkt}]}{dt}v=−a1​dtd[Edukt]​=b1​dtd[Produkt]​, wobei die Koeffizienten a,ba,ba,b für ein einheitliches Maß sorgen. Typischerweise ist vvv zu Beginn am größten und nimmt ab, weil die Edukte verbraucht werden ().

Reaktion 1. Ordnung - Konzentrationsverlauf

Reaktion 1. Ordnung - KonzentrationsverlaufSchaubild von c(t) = c₀·e^(−k·t), y-Achsenabschnitt bei y = 1, fallend, im Bereich x von 0 bis 405101520253035400.20.40.60.81t½ ≈ 6,9 min (c = c₀/2)c(t) = c₀·e(−k·t)c / (mol/L)t / min
Abb. 3Exponentieller Abfall der Edukt-Konzentration: c(t) = c0 e^(-kt), k = 0,1 1/min.
Wie vvv von den Konzentrationen abhängt, beschreibt das experimentell bestimmte Geschwindigkeitsgesetz v=k⋅[A]m[B]nv=k\cdot [A]^{m}[B]^{n}v=k⋅[A]m[B]n. Bei einer Reaktion 1. Ordnung gilt [A](t)=[A]0 e−kt[A](t)=[A]_{0}\,\mathrm{e}^{-kt}[A](t)=[A]0​e−kt, also ein exponentieller Abfall (); ihre Halbwertszeit t1/2=ln⁡2kt_{1/2}=\dfrac{\ln 2}{k}t1/2​=kln2​ ist - anders als oft vermutet - unabhängig von der Anfangskonzentration.
Damit Teilchen reagieren, müssen sie zusammenstoßen, dabei genügend Energie mitbringen und richtig orientiert sein. Die Mindestenergie ist die Aktivierungsenergie EAE_{A}EA​ - die Barriere zwischen Edukten und Produkten im Energieprofil (). Nur der Bruchteil der Teilchen rechts dieser Schwelle in der Maxwell-Boltzmann-Verteilung kann tatsächlich reagieren ().

Reaktionsenergiediagramm mit/ohne Katalysator

Reaktionsenergiediagramm mit/ohne KatalysatorEnergiediagramm, 2 Zustände, Aktivierungsenergie Eₐ = 80, Reaktionsenthalpie ΔH = -15ohne Katalysatormit KatalysatorEaΔHEdukteÜbergangszustandProdukteEReaktionsverlauf
Abb. 2Aktivierungsenergie EAE_{A}EA​ sinkt durch Katalysator, ΔH\Delta HΔH bleibt gleich.

Maxwell-Boltzmann-Verteilung (eine Temperatur)

Maxwell-Boltzmann-Verteilung (eine Temperatur)Schaubild von N(v), Nullstellen bei x = 0, Hochpunkt bei (2.828, 2.943), y-Achsenabschnitt bei y = 0, im Bereich x von 0 bis 102468100.511.522.53EA-SchwelleN(v)Anzahl Teilchen (rel.)v (relative Einheit)
Abb. 4Geschwindigkeitsverteilung der Teilchen; nur Teilchen rechts der Markierung überschreiten EA. Höhere Temperatur würde das Maximum nach rechts verschieben und den Anteil über EA vergrößern.
Die Arrhenius-Gleichung k=A e−EA/RTk=A\,\mathrm{e}^{-E_{A}/RT}k=Ae−EA​/RT fasst die Temperaturabhängigkeit: Höhere Temperatur verschiebt die Maxwell-Boltzmann-Verteilung nach rechts, sodass exponentiell mehr Teilchen die Barriere überwinden (Faustregel: +10+10+10 K verdoppeln etwa die Geschwindigkeit). Entscheidend ist also weniger, dass die Teilchen „schneller" sind, sondern dass mehr von ihnen über genug Energie verfügen.
Ein Katalysator beschleunigt die Reaktion, indem er einen alternativen Reaktionsweg mit niedrigerer Aktivierungsenergie eröffnet (); er wird dabei nicht verbraucht. Wichtig für die Matura: Ein Katalysator verändert NUR die Geschwindigkeit, nicht die Lage des Gleichgewichts - er beschleunigt Hin- und Rückreaktion gleichermaßen. Man unterscheidet heterogene Katalyse (z. B. Platin im Abgaskatalysator), homogene (Säurekatalyse) und Enzyme als hochspezifische Biokatalysatoren.
k=A⋅e−EAR Tk = A\cdot\mathrm{e}^{-\tfrac{E_{A}}{R\,T}}k=A⋅e−RTEA​​

Arrhenius-Gleichung (Reaktionsgeschwindigkeit)

t1/2=ln⁡2kt_{1/2}=\dfrac{\ln 2}{k}t1/2​=kln2​

Halbwertszeit für Reaktion 1. Ordnung

[A](t)=[A]0 e−kt[A](t)=[A]_{0}\,\mathrm{e}^{-kt}[A](t)=[A]0​e−kt

Konzentrations-Zeit-Gesetz, 1. Ordnung

Musterbeispiel

Aktivierungsenergie aus Arrhenius-Werten

Eine Reaktion hat k(298 K)=1,0⋅10−3 1/sk(298\,\text{K})=1{,}0\cdot 10^{-3}\,\text{1/s}k(298K)=1,0⋅10−31/s und k(318 K)=5,0⋅10−3 1/sk(318\,\text{K})=5{,}0\cdot 10^{-3}\,\text{1/s}k(318K)=5,0⋅10−31/s. Bestimme EAE_{A}EA​.

  1. 01Verhältnis bilden

    ln⁡(k2/k1)=ln⁡5=1,609\ln(k_{2}/k_{1})=\ln 5=1{,}609ln(k2​/k1​)=ln5=1,609.

  2. 02Arrhenius umstellen

    ln⁡(k2/k1)=EAR(1T1−1T2)\ln(k_{2}/k_{1})=\dfrac{E_{A}}{R}\left(\dfrac{1}{T_{1}}-\dfrac{1}{T_{2}}\right)ln(k2​/k1​)=REA​​(T1​1​−T2​1​).

  3. 031/T-Differenz

    1/298−1/318=0,003356−0,003145=2,11⋅10−4 1/K1/298-1/318=0{,}003356-0{,}003145=2{,}11\cdot 10^{-4}\,\text{1/K}1/298−1/318=0,003356−0,003145=2,11⋅10−41/K.

  4. 04Lösen

    EA=R⋅ln⁡(k2/k1)(1/T1−1/T2)=8,314⋅1,6092,11⋅10−4≈63 400 J/molE_{A}=\dfrac{R\cdot \ln(k_{2}/k_{1})}{(1/T_{1}-1/T_{2})}=\dfrac{8{,}314\cdot 1{,}609}{2{,}11\cdot 10^{-4}}\approx 63\,400\,\text{J/mol}EA​=(1/T1​−1/T2​)R⋅ln(k2​/k1​)​=2,11⋅10−48,314⋅1,609​≈63400J/mol.

Ergebnis: EA≈63 kJ/molE_{A}\approx 63\,\text{kJ/mol}EA​≈63kJ/mol - moderater Wert, typisch für chemische Reaktionen in Lösung.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Die Reaktionsgeschwindigkeit hängt von Konzentration, Temperatur und Katalysator ab.

  2. 2

    Arrhenius zeigt: Eine 10-Grad-Erhöhung verdoppelt etwa die Geschwindigkeit - das verschiebt die Maxwell-Boltzmann-Verteilung.

    Maxwell-Boltzmann-Verteilung (eine Temperatur)

    Maxwell-Boltzmann-Verteilung (eine Temperatur)Schaubild von N(v), Nullstellen bei x = 0, Hochpunkt bei (2.828, 2.943), y-Achsenabschnitt bei y = 0, im Bereich x von 0 bis 102468100.511.522.53EA-SchwelleN(v)Anzahl Teilchen (rel.)v (relative Einheit)
    Abb.Geschwindigkeitsverteilung der Teilchen; nur Teilchen rechts der Markierung überschreiten EA. Höhere Temperatur würde das Maximum nach rechts verschieben und den Anteil über EA vergrößern.
  3. 3

    Katalysatoren öffnen einen Alternativweg mit niedrigerer Barriere - sie verändern das Gleichgewicht aber nicht.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank5 Punkte

Aufgabenstellung

Erkläre am Beispiel des Drei-Wege-Katalysators in einem Auto die Wirkung eines Katalysators und nenne die wichtigsten Reaktionen.

Maturafokus

  • Begriffe Ordnung und Molekularität auseinanderhalten - Ordnung ist experimentell.
  • Arrhenius-Diagramm: ln⁡k\ln klnk gegen 1/T1/T1/T ergibt Gerade mit Steigung −EA/R-E_{A}/R−EA​/R.
  • Katalyse: heterogen (Pt, VX2OX5\ce{V2O5}VX2​OX5​, Zeolithe) vs. homogen (Säurekatalyse); Enzyme als Biokatalysatoren.

Typische Fehler

  • Katalysator verschiebt das Gleichgewicht - falsch, er beschleunigt nur die Annäherung.
  • Temperatur erhöht die Reaktionsgeschwindigkeit, weil "die Teilchen schneller sind" - tatsächlich überwiegend, weil mehr Teilchen die Aktivierungsenergie haben.
  • Halbwertszeit hängt bei 1. Ordnung von der Anfangskonzentration ab - falsch, sie ist konstant.

Aktive Wiederholung

Eine Reaktion 1. Ordnung hat k=0,050 1/sk=0{,}050\,\text{1/s}k=0,0501/s. Wie lange dauert es, bis 90 % des Edukts umgesetzt sind?

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: OpenStax Chemistry 2e Kap. 12 Kinetics (OpenStax)

§ 03

Chemisches Gleichgewicht und Le Chatelier#

●●○StandardLPCHE-En-4.3

Kernpunkte

Viele Reaktionen laufen nicht vollständig ab, sondern enden in einem Gleichgewicht: Edukte und Produkte liegen nebeneinander vor, und die Mengen ändern sich nicht mehr. Das täuscht Stillstand vor - tatsächlich laufen Hin- und Rückreaktion ständig weiter, nur exakt gleich schnell (dynamisches Gleichgewicht, ).

Annäherung an das chemische Gleichgewicht

Annäherung an das chemische GleichgewichtSchaubild von c(Produkt), Nullstellen bei x = 0, y-Achsenabschnitt bei y = 0, steigend, im Bereich x von 0 bis 10, waagerechte Asymptote bei y = 0.82468100.10.20.30.40.50.60.70.80.9Gleichgewichtc(Produkt)c(Produkt) / (mol/L)t (rel. Einheit)
Abb. 5Die Produktkonzentration steigt zunächst rasch und nähert sich dann einem konstanten Wert - Hin- und Rückreaktion laufen weiter, aber gleich schnell.
Quantitativ beschreibt das Massenwirkungsgesetz die Lage: Für a A+b B⇌c C+d D\ce{aA + bB <=> cC + dD}aA+bB​cC+dD ist die Gleichgewichtskonstante Kc=[C]c[D]d[A]a[B]bK_{c}=\dfrac{[C]^{c}[D]^{d}}{[A]^{a}[B]^{b}}Kc​=[A]a[B]b[C]c[D]d​, wobei die Koeffizienten als Exponenten erscheinen. Ein großes KcK_{c}Kc​ bedeutet, dass das Gleichgewicht auf der Produktseite liegt, ein kleines auf der Eduktseite.
Die Gleichgewichtskonstante hängt allein von der Temperatur ab - nicht von den Ausgangskonzentrationen, nicht vom Druck und auch nicht von einem Katalysator. Reine Feststoffe und reine Flüssigkeiten erscheinen nicht im Massenwirkungsgesetz, weil ihre „Konzentration" (Aktivität) konstant gleich 1 ist.
Wie ein Gleichgewicht auf Störungen reagiert, sagt das Prinzip von Le Chatelier (Prinzip des kleinsten Zwangs) voraus: Eine Störung verschiebt das Gleichgewicht stets so, dass sie abgemildert wird. Das System „wehrt sich" gegen die Veränderung - eine anschauliche und prüfungssichere Argumentationshilfe.
Daraus folgen konkrete Regeln: Erhöht man die Konzentration eines Edukts, verschiebt sich das Gleichgewicht zur Produktseite; erhöht man den Druck (nur bei Gasen relevant), weicht es zur Seite mit weniger Gasmolekülen aus; erhöht man die Temperatur, wird die endotherme Richtung begünstigt. Bei einer exothermen Reaktion sinkt KKK also mit steigender Temperatur.
Diese Steuerbarkeit nutzt die Technik gezielt zur Ausbeuteoptimierung: Man bietet ein Edukt im Überschuss an oder entzieht das Produkt laufend (etwa durch Auskondensieren oder ein Trockenmittel). So lässt sich selbst eine ungünstige Gleichgewichtslage praktisch nutzen - das klassische Beispiel ist die Ammoniaksynthese (Haber-Bosch).
Kc=∏[Produkte]ν∏[Edukte]νK_{c}=\dfrac{\prod[\text{Produkte}]^{\nu}}{\prod[\text{Edukte}]^{\nu}}Kc​=∏[Edukte]ν∏[Produkte]ν​

Massenwirkungsgesetz (Konzentrationen im Gleichgewicht)

Kp=Kc⋅(R T)ΔnGasK_{p}=K_{c}\cdot (R\,T)^{\Delta n_{\text{Gas}}}Kp​=Kc​⋅(RT)ΔnGas​

Umrechnung Kp und Kc für Gasreaktionen

Musterbeispiel

Gleichgewichtskonzentrationen ausrechnen

Für HX2+IX2⇌2 HI\ce{H2 + I2 <=> 2 HI}HX2​+IX2​​2HI ist Kc=54,3K_{c}=54{,}3Kc​=54,3 bei 700 K. Es werden je 1,00 mol H2 und I2 in einem 1,00-L-Gefaess eingeführt. Welche Konzentrationen liegen im Gleichgewicht vor?

  1. 01Ansatz

    Sei xxx die umgesetzte Stoffmenge. Dann [HX2]=[IX2]=1−x[\ce{H2}]=[\ce{I2}]=1-x[HX2​]=[IX2​]=1−x, [HI]=2x[\ce{HI}]=2x[HI]=2x.

  2. 02MWG

    Kc=(2x)2(1−x)2=54,3K_{c}=\dfrac{(2x)^{2}}{(1-x)^{2}}=54{,}3Kc​=(1−x)2(2x)2​=54,3.

  3. 03Wurzel ziehen

    2x1−x=54,3≈7,37\dfrac{2x}{1-x}=\sqrt{54{,}3}\approx 7{,}371−x2x​=54,3​≈7,37.

  4. 04Auflösen

    2x=7,37(1−x)⇒x=7,379,37≈0,7872x=7{,}37(1-x)\Rightarrow x=\dfrac{7{,}37}{9{,}37}\approx 0{,}7872x=7,37(1−x)⇒x=9,377,37​≈0,787.

  5. 05Konzentrationen

    [HX2]=[IX2]=0,213 mol/L[\ce{H2}]=[\ce{I2}]=0{,}213\,\text{mol/L}[HX2​]=[IX2​]=0,213mol/L, [HI]=1,574 mol/L[\ce{HI}]=1{,}574\,\text{mol/L}[HI]=1,574mol/L.

Ergebnis: Im Gleichgewicht überwiegt HI\ce{HI}HI deutlich - Kc≫1K_{c}\gg 1Kc​≫1 heisst Produkte begunstigt.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Im Gleichgewicht ist nichts statisch - Hin- und Rückreaktion laufen weiter, nur die Konzentrationen ändern sich nicht mehr.

  2. 2

    Le Chatelier ist eine Stoerungs-Bewältigung: wenn du Edukt zugibst, wird neues Produkt gebildet.

  3. 3

    In der Industrie steuern Druck, Temperatur und Stoffströme das Gleichgewicht, um Ausbeute zu maximieren.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank5 Punkte

Aufgabenstellung

Erläutere am Beispiel des Haber-Bosch-Verfahrens, wie Le Chateliers Prinzip und Reaktionskinetik gegeneinander abgewogen werden.

Maturafokus

  • Massenwirkungsgesetz mit Aktivitäten/Konzentrationen ohne Einheiten.
  • Le-Chatelier-Argumente sauber begründen, nicht nur Aussage hinwerfen.
  • Druckabhängigkeit nur bei Gasen, in Lösung praktisch null.

Typische Fehler

  • Feste Stoffe (CaCOX3\ce{CaCO3}CaCOX3​ in CaCOX3⇌CaO+COX2\ce{CaCO3 <=> CaO + CO2}CaCOX3​​CaO+COX2​) werden in KcK_{c}Kc​ eingerechnet - tatsächlich nicht.
  • Katalysator verschiebt das Gleichgewicht - falsch.
  • Erhöhung der Temperatur verschiebt immer in Richtung Produkte - hängt vom Vorzeichen von ΔH\Delta HΔH ab.

Aktive Wiederholung

Wie verschiebt sich das Gleichgewicht NX2+3 HX2⇌2 NHX3 (ΔH<0)\ce{N2 + 3 H2 <=> 2 NH3 (\Delta H<0)}NX2​+3HX2​​2NHX3​ (ΔH<0) bei (a) Druckerhöhung, (b) Temperaturerhöhung, (c) NH3-Entfernung?

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: OpenStax Chemistry 2e Kap. 13 Equilibria (OpenStax)

§ 04

Hesscher Satz und Standardbildungsenthalpien#

●●●VertiefungLPCHE-En-4.1

Reaktionsenergiediagramm mit/ohne Katalysator

Reaktionsenergiediagramm mit/ohne KatalysatorEnergiediagramm, 2 Zustände, Aktivierungsenergie Eₐ = 80, Reaktionsenthalpie ΔH = -15ohne Katalysatormit KatalysatorEaΔHEdukteÜbergangszustandProdukteEReaktionsverlauf
Abb. 6Aktivierungsenergie EAE_{A}EA​ sinkt durch Katalysator, ΔH\Delta HΔH bleibt gleich.

Kernpunkte

Hesscher Satz: Die Reaktionsenthalpie ist wegunabhängig - sie hängt nur von Anfangs- und Endzustand ab, nicht vom Reaktionsweg (Folge der Zustandsgröße Enthalpie).
Reaktionen lassen sich additiv kombinieren: Werden Teilreaktionen addiert, addieren sich ihre Enthalpien; wird eine Reaktion umgekehrt, kehrt sich das Vorzeichen um.
Standardbildungsenthalpie ΔfH∘\Delta_f H^\circΔf​H∘: Enthalpieänderung bei Bildung von 1 mol Verbindung aus den Elementen in ihrer stabilsten Form bei Standardbedingungen.
Elemente in ihrer Standardform (z.B. OX2\ce{O2}OX2​, C\ce{C}C als Graphit) haben definitionsgemäß ΔfH∘=0\Delta_f H^\circ = 0Δf​H∘=0.
Reaktionsenthalpie aus Bildungsenthalpien: ΔrH∘=∑ΔfH∘(Produkte)−∑ΔfH∘(Edukte)\Delta_r H^\circ = \sum \Delta_f H^\circ(\text{Produkte}) - \sum \Delta_f H^\circ(\text{Edukte})Δr​H∘=∑Δf​H∘(Produkte)−∑Δf​H∘(Edukte), jeweils mit Koeffizienten gewichtet.
Der Hesssche Satz erlaubt die Berechnung schwer messbarer Enthalpien (z.B. Bildung von CO) über leicht messbare Verbrennungen.
Vorzeichenkonvention: negatives ΔH\Delta HΔH = exotherm (Wärme frei), positives ΔH\Delta HΔH = endotherm (Wärme aufgenommen).
ΔrH∘=∑νi ΔfHProd∘−∑νj ΔfHEdukt∘\Delta_r H^\circ = \sum \nu_i\,\Delta_f H^\circ_{\text{Prod}} - \sum \nu_j\,\Delta_f H^\circ_{\text{Edukt}}Δr​H∘=∑νi​Δf​HProd∘​−∑νj​Δf​HEdukt∘​

Reaktionsenthalpie aus Bildungsenthalpien

Musterbeispiel

Verbrennungsenthalpie von Methan berechnen

Berechne ΔrH∘\Delta_r H^\circΔr​H∘ für CHX4+2 OX2→COX2+2 HX2O\ce{CH4 + 2 O2 -> CO2 + 2 H2O}CHX4​+2OX2​​COX2​+2HX2​O mit ΔfH∘\Delta_f H^\circΔf​H∘: CHX4=−74,9\ce{CH4}=-74{,}9CHX4​=−74,9; COX2=−393,5\ce{CO2}=-393{,}5COX2​=−393,5; HX2O=−285,8\ce{H2O}=-285{,}8HX2​O=−285,8 kJ/mol; OX2=0\ce{O2}=0OX2​=0.

  1. 01Produkte summieren

    ΔfH∘(COX2)+2⋅ΔfH∘(HX2O)=−393,5+2⋅(−285,8)=−965,1 kJ\Delta_f H^\circ(\ce{CO2}) + 2 \cdot \Delta_f H^\circ(\ce{H2O}) = -393{,}5 + 2\cdot(-285{,}8) = -965{,}1\,\text{kJ}Δf​H∘(COX2​)+2⋅Δf​H∘(HX2​O)=−393,5+2⋅(−285,8)=−965,1kJ.

  2. 02Edukte summieren

    ΔfH∘(CHX4)+2⋅0=−74,9 kJ\Delta_f H^\circ(\ce{CH4}) + 2 \cdot 0 = -74{,}9\,\text{kJ}Δf​H∘(CHX4​)+2⋅0=−74,9kJ.

  3. 03Bilanz bilden

    ΔrH∘=−965,1−(−74,9)=−890,2 kJ/mol\Delta_r H^\circ = -965{,}1 - (-74{,}9) = -890{,}2\,\text{kJ/mol}Δr​H∘=−965,1−(−74,9)=−890,2kJ/mol.

  4. 04Interpretieren

    Das stark negative ΔH\Delta HΔH zeigt eine deutlich exotherme Reaktion - Methan ist ein energiereicher Brennstoff. Bezug: Thema "Umweltchemie" (COX2\ce{CO2}COX2​-Bilanz).

Ergebnis: ΔrH∘≈−890 kJ/mol\Delta_r H^\circ \approx -890\,\text{kJ/mol}Δr​H∘≈−890kJ/mol, stark exotherm. Querverweis zum Thema "Umwelt- und Atmosphärenchemie".

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank3 Punkte

Aufgabenstellung

Berechne die Standardbildungsenthalpie von Kohlenstoffmonoxid CO\ce{CO}CO mit dem Hesschen Satz aus C+OX2→COX2\ce{C + O2 -> CO2}C+OX2​​COX2​ (ΔH=−393,5\Delta H=-393{,}5ΔH=−393,5 kJ/mol) und CO+12 OX2→COX2\ce{CO + 1/2 O2 -> CO2}CO+21​OX2​​COX2​ (ΔH=−283,0\Delta H=-283{,}0ΔH=−283,0 kJ/mol).

Maturafokus

  • Berechne ΔrH∘\Delta_r H^\circΔr​H∘ aus tabellierten Bildungsenthalpien mit korrekter Produkte-minus-Edukte-Bilanz (Operator: berechnen).
  • Wende den Hesschen Satz an, indem du Teilreaktionen zielgerichtet addierst und Vorzeichen anpasst (Operator: anwenden).
  • Begründe, warum die Reaktionsenthalpie wegunabhängig ist (Zustandsgröße).
  • Interpretiere das Vorzeichen energetisch im Sachkontext (exo-/endotherm).

Typische Fehler

  • Edukte und Produkte werden in der Bilanz vertauscht (Vorzeichenfehler).
  • Koeffizienten der Reaktionsgleichung werden bei der Gewichtung der Bildungsenthalpien vergessen.
  • Beim Umkehren einer Teilreaktion wird das Vorzeichen von ΔH\Delta HΔH nicht angepasst.
  • Bildungsenthalpie eines Elements in Standardform wird nicht als null erkannt.

Aktive Wiederholung

Berechne die Reaktionsenthalpie der Verbrennung von Methan CHX4+2 OX2→COX2+2 HX2O\ce{CH4 + 2 O2 -> CO2 + 2 H2O}CHX4​+2OX2​​COX2​+2HX2​O aus den Bildungsenthalpien ΔfH∘(CHX4)=−74,9\Delta_f H^\circ(\ce{CH4})=-74{,}9Δf​H∘(CHX4​)=−74,9, ΔfH∘(COX2)=−393,5\Delta_f H^\circ(\ce{CO2})=-393{,}5Δf​H∘(COX2​)=−393,5 und ΔfH∘(HX2O)=−285,8\Delta_f H^\circ(\ce{H2O})=-285{,}8Δf​H∘(HX2​O)=−285,8 kJ/mol.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: OpenStax Chemistry 2e, Kap. 5 "Thermochemistry" (OpenStax)

§ 05

Bindungsenergien und Reaktionswärme#

●●○StandardLPCHE-En-4.1

Reaktionsenergiediagramm mit/ohne Katalysator

Reaktionsenergiediagramm mit/ohne KatalysatorEnergiediagramm, 2 Zustände, Aktivierungsenergie Eₐ = 80, Reaktionsenthalpie ΔH = -15ohne Katalysatormit KatalysatorEaΔHEdukteÜbergangszustandProdukteEReaktionsverlauf
Abb. 7Aktivierungsenergie EAE_{A}EA​ sinkt durch Katalysator, ΔH\Delta HΔH bleibt gleich.

Kernpunkte

Bindungsspaltung ist endotherm (Energie muss zugeführt werden), Bindungsknüpfung ist exotherm (Energie wird frei).
Näherung der Reaktionsenthalpie: ΔrH≈∑EBindung, gespalten−∑EBindung, gebildet\Delta_r H \approx \sum E_{\text{Bindung, gespalten}} - \sum E_{\text{Bindung, gebildet}}Δr​H≈∑EBindung, gespalten​−∑EBindung, gebildet​.
Mittlere Bindungsenergien sind Durchschnittswerte über viele Moleküle; daher liefert die Bindungsenergiebilanz nur Näherungswerte, keine exakten Werte.
Eine Reaktion ist exotherm, wenn die in den Produkten geknüpften Bindungen stärker (energieärmer) sind als die in den Edukten gespaltenen.
Bindungsenergie korreliert mit Bindungsordnung: Dreifachbindung > Doppelbindung > Einfachbindung (z.B. N≡N\ce{N#N}N≡N sehr stabil, 945 kJ/mol).
Die hohe Stabilität der NX2\ce{N2}NX2​-Dreifachbindung erklärt die kinetische Trägheit von Luftstickstoff und den hohen Energiebedarf der Ammoniaksynthese.
ΔrH≈∑Egespalten−∑Egebildet\Delta_r H \approx \sum E_{\text{gespalten}} - \sum E_{\text{gebildet}}Δr​H≈∑Egespalten​−∑Egebildet​

Reaktionsenthalpie aus Bindungsenergien

Musterbeispiel

Reaktionsenthalpie aus Bindungsenergien

Berechne ΔrH\Delta_r HΔr​H für HX2+ClX2→2 HCl\ce{H2 + Cl2 -> 2 HCl}HX2​+ClX2​​2HCl mit E(H−H)=436E(\ce{H-H})=436E(H−H)=436, E(Cl−Cl)=243E(\ce{Cl-Cl})=243E(Cl−Cl)=243, E(H−Cl)=431E(\ce{H-Cl})=431E(H−Cl)=431 kJ/mol.

  1. 01Gespaltene Bindungen

    1 H−H\ce{H-H}H−H + 1 Cl−Cl\ce{Cl-Cl}Cl−Cl =436+243=679 kJ= 436 + 243 = 679\,\text{kJ}=436+243=679kJ.

  2. 02Gebildete Bindungen

    2 H−Cl\ce{H-Cl}H−Cl =2⋅431=862 kJ= 2 \cdot 431 = 862\,\text{kJ}=2⋅431=862kJ.

  3. 03Bilanz

    ΔrH≈679−862=−183 kJ/mol\Delta_r H \approx 679 - 862 = -183\,\text{kJ/mol}Δr​H≈679−862=−183kJ/mol.

  4. 04Interpretieren

    Negatives Ergebnis -> exotherm; die zwei H-Cl-Bindungen sind energetisch günstiger als die gespaltenen Edukt-Bindungen.

Ergebnis: ΔrH≈−183 kJ/mol\Delta_r H \approx -183\,\text{kJ/mol}Δr​H≈−183kJ/mol, exotherm. Näherung über mittlere Bindungsenergien; vgl. Thema "Reaktionskinetik" (Aktivierungsenergie steuert das Tempo).

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank3 Punkte

Aufgabenstellung

Schätze die Reaktionsenthalpie der Hydrierung von Ethen CX2HX4+HX2→CX2HX6\ce{C2H4 + H2 -> C2H6}CX2​HX4​+HX2​​CX2​HX6​ über Bindungsenergien ab: E(C=C)=614E(\ce{C=C})=614E(C=C)=614, E(C−C)=348E(\ce{C-C})=348E(C−C)=348, E(C−H)=413E(\ce{C-H})=413E(C−H)=413, E(H−H)=436E(\ce{H-H})=436E(H−H)=436 kJ/mol.

Maturafokus

  • Berechne eine Näherung der Reaktionsenthalpie über Bindungsenergien (gespalten minus gebildet) (Operator: berechnen).
  • Begründe exo-/endotherm anhand der relativen Bindungsstärke von Edukten und Produkten (Operator: begründen).
  • Vergleiche die Bindungsenergiebilanz mit dem Bildungsenthalpie-Verfahren und benenne Genauigkeitsgrenzen (Operator: vergleichen).
  • Verknüpfe Bindungsordnung und Bindungsenergie.

Typische Fehler

  • Vorzeichen vertauscht: Spaltung kostet Energie (+), Bildung setzt frei (-) - nicht umgekehrt.
  • Die Näherungsformel wird als exakt behandelt, obwohl mittlere Bindungsenergien verwendet werden.
  • Anzahl der gespaltenen/gebildeten Bindungen wird nicht stöchiometrisch korrekt gezählt.
  • Mehrfachbindungen werden wie Einfachbindungen gezählt.

Aktive Wiederholung

Berechne näherungsweise die Reaktionsenthalpie von HX2+ClX2→2 HCl\ce{H2 + Cl2 -> 2 HCl}HX2​+ClX2​​2HCl aus den Bindungsenergien E(H−H)=436E(\ce{H-H})=436E(H−H)=436, E(Cl−Cl)=243E(\ce{Cl-Cl})=243E(Cl−Cl)=243 und E(H−Cl)=431E(\ce{H-Cl})=431E(H−Cl)=431 kJ/mol.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: OpenStax Chemistry 2e, Kap. 7 "Strengths of Ionic and Covalent Bonds" (OpenStax)

§ 06

Massenwirkungsgesetz und Gleichgewichtskonstante#

●●●VertiefungLPCHE-En-4.3

Kernpunkte

Im dynamischen Gleichgewicht laufen Hin- und Rückreaktion gleich schnell; Konzentrationen bleiben makroskopisch konstant.
Massenwirkungsgesetz: Kc=[Produkte]ν[Edukte]νK_c = \dfrac{[\text{Produkte}]^{\nu}}{[\text{Edukte}]^{\nu}}Kc​=[Edukte]ν[Produkte]ν​, jeweils mit den Stöchiometriekoeffizienten als Exponenten.
Grosses Kc≫1K_c \gg 1Kc​≫1: Gleichgewicht liegt auf Produktseite; kleines Kc≪1K_c \ll 1Kc​≪1: auf Eduktseite.
Reine Feststoffe und reine Flüssigkeiten erscheinen nicht im MWG (Aktivität = 1).
KcK_cKc​ hängt nur von der Temperatur ab, nicht von Konzentration oder Druck; ein Katalysator ändert KcK_cKc​ nicht (nur die Einstellgeschwindigkeit).
Der Reaktionsquotient QQQ hat dieselbe Form wie KcK_cKc​, gilt aber für beliebige Momentankonzentrationen: Q<KQ < KQ<K -> Reaktion läuft vorwärts, Q>KQ > KQ>K -> rückwärts.
Für Gasgleichgewichte ist KpK_pKp​ (mit Partialdrücken) üblich; Umrechnung über Kp=Kc (RT)ΔnK_p = K_c\,(RT)^{\Delta n}Kp​=Kc​(RT)Δn.
Kc=[NHX3]2[NX2] [HX2]3K_c = \frac{[\ce{NH3}]^2}{[\ce{N2}]\,[\ce{H2}]^3}Kc​=[NX2​][HX2​]3[NHX3​]2​

MWG der Ammoniaksynthese

Musterbeispiel

Gleichgewichtskonstante berechnen

Berechne KcK_cKc​ für NX2+3 HX2⇌2 NHX3\ce{N2 + 3 H2 <=> 2 NH3}NX2​+3HX2​​2NHX3​ bei [NX2]=0,50[\ce{N2}]=0{,}50[NX2​]=0,50, [HX2]=1,0[\ce{H2}]=1{,}0[HX2​]=1,0, [NHX3]=0,40[\ce{NH3}]=0{,}40[NHX3​]=0,40 mol/L.

  1. 01MWG aufstellen

    Kc=[NHX3]2[NX2] [HX2]3K_c = \dfrac{[\ce{NH3}]^2}{[\ce{N2}]\,[\ce{H2}]^3}Kc​=[NX2​][HX2​]3[NHX3​]2​.

  2. 02Werte einsetzen

    Kc=(0,40)20,50⋅(1,0)3=0,160,50K_c = \dfrac{(0{,}40)^2}{0{,}50 \cdot (1{,}0)^3} = \dfrac{0{,}16}{0{,}50}Kc​=0,50⋅(1,0)3(0,40)2​=0,500,16​.

  3. 03Auswerten

    Kc=0,32  (mol/L)−2K_c = 0{,}32\;\text{(mol/L)}^{-2}Kc​=0,32(mol/L)−2.

  4. 04Interpretieren

    Kc<1K_c < 1Kc​<1 deutet darauf hin, dass unter diesen Bedingungen das Gleichgewicht mäßig auf der Eduktseite liegt - Bezug zum Thema "Anorganische Anwendungschemie" (Druckverschiebung bei Haber-Bosch).

Ergebnis: Kc=0,32  (mol/L)−2K_c = 0{,}32\;(\text{mol/L})^{-2}Kc​=0,32(mol/L)−2. Die Lage zeigt, warum Haber-Bosch hohen Druck nutzt (Le Chatelier).

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank3 Punkte

Aufgabenstellung

Für HX2+IX2⇌2 HI\ce{H2 + I2 <=> 2 HI}HX2​+IX2​​2HI ist Kc=50K_c=50Kc​=50. Momentan liegen [HX2]=[IX2]=0,20[\ce{H2}]=[\ce{I2}]=0{,}20[HX2​]=[IX2​]=0,20 und [HI]=0,20 molL[\ce{HI}]=0{,}20\,\tfrac{\text{mol}}{\text{L}}[HI]=0,20Lmol​ vor. In welche Richtung läuft die Reaktion? Begründe mit dem Reaktionsquotienten.

Maturafokus

  • Stelle das MWG für eine gegebene Reaktion korrekt auf (Koeffizienten als Exponenten) (Operator: aufstellen).
  • Berechne KcK_cKc​ aus Gleichgewichtskonzentrationen oder eine fehlende Konzentration aus KcK_cKc​ (Operator: berechnen).
  • Vergleiche QQQ und KKK, um die Reaktionsrichtung vorherzusagen (Operator: beurteilen).
  • Begründe, warum Feststoffe nicht im MWG auftauchen.

Typische Fehler

  • Koeffizienten werden nicht als Exponenten gesetzt.
  • Feststoffe/reine Flüssigkeiten werden fälschlich in das MWG aufgenommen.
  • KcK_cKc​ wird als druck- oder konzentrationsabhaengig angenommen (nur temperaturabhängig).
  • Reaktionsquotient QQQ und Gleichgewichtskonstante KKK werden gleichgesetzt.

Aktive Wiederholung

Stelle das Massenwirkungsgesetz für NX2+3 HX2⇌2 NHX3\ce{N2 + 3 H2 <=> 2 NH3}NX2​+3HX2​​2NHX3​ auf und berechne KcK_cKc​ aus den Gleichgewichtskonzentrationen [NX2]=0,50[\ce{N2}]=0{,}50[NX2​]=0,50, [HX2]=1,0[\ce{H2}]=1{,}0[HX2​]=1,0 und [NHX3]=0,40[\ce{NH3}]=0{,}40[NHX3​]=0,40 mol/L.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: OpenStax Chemistry 2e, Kap. 13 "Fundamental Equilibrium Concepts" (OpenStax)

Inhalt

Abschnitt -- / 06

    • 01Thermochemie: Enthalpie, Entropie, Gibbs-Energie◐
    • 02Reaktionsgeschwindigkeit, Aktivierungsenergie, Katalyse◐
    • 03Chemisches Gleichgewicht und Le Chatelier◐
    • 04Hesscher Satz und Standardbildungsenthalpien●
    • 05Bindungsenergien und Reaktionswärme◐
    • 06Massenwirkungsgesetz und Gleichgewichtskonstante●

0/6 Gelesen

Aus den Notizen ins Training

Reaktionsenergetik, Kinetik und Gleichgewicht (CHE-En)

Festige dieses Thema an passenden Aufgaben aus der Fragenbank.

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Beispielfrage

Erläutere am Beispiel des Schmelzens von Eis, wie Enthalpie und Entropie zusammenwirken, um die Temperaturabhängigkeit der Triebkraft zu erklären.

4 BE · 2022

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Belege & Quellen

Quellen

OpenStax

  • OpenStax Chemistry 2e Kap. 16 Thermodynamics

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