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Notizen/Angewandte Mathematik/B 1 - Zahlen, Masse und Einheiten
Notizen · Angewandte MathematikAT · Matura

B 1 - Zahlen, Masse und Einheiten

Größenordnungen, SI-Einheiten, sinnvolles Runden, Prozent- und Promille-Rechnung sowie Fehlerabschätzung - die Werkzeuge, mit denen jede berufliche Anwendung beginnt.

6 Abschnitte·~17 Min Lesezeit·4 Kompetenzen·Niveau Basis 4 · Standard 1 · Vertiefung 1·Stand 06/2026

T·0111 / 13
Prüfungsprofil
B-1.1 · Mit Zahlen und Größen in verschiedenen Darstellungsformen rechnenB-1.2 · SI-Einheiten, Umrechnungen, sinnvolles RundenB-1.3 · Prozent- und Promillerechnung im Kontext anwendenB-1.4 · Mess- und Rundungsfehler beurteilen
Tiefe

Lesetiefe: Vertiefung

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Inhalt · 6 Abschnitte▾
  1. B 1 - Zahlen, Masse und Einheiten
    • 01Zahldarstellung und Größenordnungen○
    • 02Prozent-, Promille- und Anteilrechnung○
    • 03Mess- und Rundungsfehler◐
    • 04Überschlag und Plausibilitätsrechnung○
    • 05Direkte und indirekte Proportionalität○
    • 06Fehlerfortpflanzung bei Messgrößen●
§ 01

Zahldarstellung und Größenordnungen#

●○○BasisLPB-1.1LPB-1.2

Kernpunkte

In Technik und Wirtschaft treten Zahlen über riesige Größenordnungen hinweg auf - vom Bauteildurchmesser im Mikrometerbereich bis zum Jahresumsatz in Millionen Euro. Wer solche Werte als lange Ziffernketten wie 0,00000000450{,}00000000450,0000000045 schreibt, verzählt sich fast unweigerlich. Die Zehnerpotenz- oder Gleitkommadarstellung macht sie handhabbar: 4,5⋅10−94{,}5\cdot 10^{-9}4,5⋅10−9 sagt dasselbe, ist aber auf einen Blick lesbar und vergleichbar.
Die wissenschaftliche Notation schreibt jede Zahl eindeutig als a⋅10na\cdot 10^{n}a⋅10n mit 1≤∣a∣<101\leq |a|<101≤∣a∣<10. Die Mantisse aaa trägt die eigentliche Information, der Exponent nnn nur die Größenordnung. Beim Multiplizieren addiert man die Exponenten (103⋅104=10710^{3}\cdot 10^{4}=10^{7}103⋅104=107), beim Dividieren subtrahiert man sie - das ersetzt das fehleranfällige Hantieren mit Nullenketten und macht Wertevergleiche zu einem reinen Exponentenvergleich ().

Größenordnungen (Zehnerpotenzen)

10⁻⁹ m 10⁻⁶ m 10⁻³ m 1 m 10³ m 10⁶ m 10⁹ m 10¹² m Atom Zelle mm Mensch km Erde Sonne Sonnensystem Eine beschriftete Stufe = Faktor 1000
Abb. 1Vom Nanometer bis zum Sonnensystem - jede beschriftete Stufe entspricht Faktor 1000 (drei Zehnerpotenzen).
Maßeinheiten-Präfixe sind nichts anderes als gebräuchliche Zehnerpotenzen: Kilo =103=10^{3}=103, Mega =106=10^{6}=106, Giga =109=10^{9}=109 bzw. Milli =10−3=10^{-3}=10−3, Mikro =10−6=10^{-6}=10−6, Nano =10−9=10^{-9}=10−9. Anschaulich liegen die Größenordnungen wie Stufen einer Tonleiter, jede Stufe der Faktor zehn; so wird aus 4,5⋅10−9 m4{,}5\cdot 10^{-9}\,\mathrm{m}4,5⋅10−9m schlicht 4,5 nm4{,}5\,\mathrm{nm}4,5nm.
Signifikante Stellen sind alle verlässlichen Ziffern eines Messwerts und damit eine Aussage über die Messgenauigkeit. Führende Nullen zählen nicht (0,00420{,}00420,0042 hat zwei), eingebettete und nachgestellte Nullen schon (1,0301{,}0301,030 hat vier). Diese Stellenzahl darf im Ergebnis nicht künstlich anwachsen - ein gerundeter Endwert hat höchstens so viele signifikante Stellen wie die ungenaueste Eingangsgröße.
Vor jeder Rechnung mit gemischten Einheiten zuerst auf eine gemeinsame Einheit umrechnen, erst dann mit den reinen Zahlen rechnen. Bei Flächen und Volumina potenziert sich der Umrechnungsfaktor mit: 1 m=100 cm1\,\mathrm{m}=100\,\mathrm{cm}1m=100cm, aber 1 m2=10 000 cm21\,\mathrm{m}^{2}=10\,000\,\mathrm{cm}^{2}1m2=10000cm2 und 1 m3=106 cm31\,\mathrm{m}^{3}=10^{6}\,\mathrm{cm}^{3}1m3=106cm3 - genau hier entstehen die häufigsten Faktor-Fehler ().

SI-Einheiten und Umrechnungen

SI-Präfixe als ZehnerpotenzenTabelle mit 4 Spalten und 4 Zeilen, Daten: Präfix · Symbol · Faktor · Beispiel; Mega · M · 10⁶ · MW; Kilo · k · 10³ · kg; Milli · m · 10⁻³ · mA; Mikro · µ · 10⁻⁶ · µmPRÄFIXSYMBOLFAKTORBEISPIELMegaM10⁶MWKilok10³kgMillim10⁻³mAMikroµ10⁻⁶µm
Abb. 2Präfixe sind Zehnerpotenzen: k=103\mathrm{k} = 10^{3}k=103, M=106\mathrm{M} = 10^{6}M=106, m=10−3\mathrm{m} = 10^{-3}m=10−3.
Daraus folgt der wichtigste Praxisgriff: Die Tonleiter-Vorstellung dient als schneller Plausibilitätscheck. Liegt ein CAS-Ergebnis eine ganze Stufe daneben, steckt fast immer ein Faktor-zehn- oder ein Einheitenfehler dahinter - nicht ein Rechenfehler in den Ziffern selbst.
In der Matura zählt die saubere Schlussangabe: das Ergebnis sinnvoll runden, mit Einheit versehen und - wo gefordert - in wissenschaftlicher Notation darstellen. Eine vom Rechner übernommene Angabe wie 6,74371 m3h6{,}74371\,\tfrac{\mathrm{m}^{3}}{\mathrm{h}}6,74371hm3​ täuscht eine Genauigkeit vor, die die Eingangsdaten gar nicht hergeben, und kostet im Beurteilungsraster Punkte.
a⋅10n,1≤∣a∣<10a\cdot 10^{n},\quad 1\leq |a|<10a⋅10n,1≤∣a∣<10

Wissenschaftliche Notation

Musterbeispiel

Sinnvolles Runden in einer technischen Angabe

Eine Wasserpumpe fördert in 12 min eine Menge von 1 348 742 mL1\,348\,742\,\mathrm{mL}1348742mL. Gib die mittlere Förderleistung in m3h\tfrac{\mathrm{m}^{3}}{\mathrm{h}}hm3​ auf zwei signifikante Stellen an.

  1. 01Volumen in Kubikmeter

    1 348 742 mL=1,348742 m31\,348\,742\,\mathrm{mL}=1{,}348742\,\mathrm{m}^{3}1348742mL=1,348742m3 (1000 mL = 1 L, 1000 L = 1 m^3).

  2. 02Zeit in Stunden

    12 min=0,2 h12\,\mathrm{min}=0{,}2\,\mathrm{h}12min=0,2h.

  3. 03Leistung

    V˙=1,3487420,2=6,74371 m3h\dot V=\dfrac{1{,}348742}{0{,}2}=6{,}74371\,\tfrac{\mathrm{m}^{3}}{\mathrm{h}}V˙=0,21,348742​=6,74371hm3​.

  4. 04Signifikant runden

    Zwei signifikante Stellen: V˙≈6,7 m3h\dot V\approx 6{,}7\,\tfrac{\mathrm{m}^{3}}{\mathrm{h}}V˙≈6,7hm3​.

Ergebnis: Förderleistung rund 6,7 m3h6{,}7\,\tfrac{\mathrm{m}^{3}}{\mathrm{h}}6,7hm3​.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Stell dir die Größenordnungen wie eine Tonleiter vor - jede Stufe entspricht Faktor zehn.

  2. 2

    Bringe alle Größen erst auf die gleiche Einheit, dann rechne mit den reinen Zahlen.

    SI-Einheiten und Umrechnungen

    SI-Präfixe als ZehnerpotenzenTabelle mit 4 Spalten und 4 Zeilen, Daten: Präfix · Symbol · Faktor · Beispiel; Mega · M · 10⁶ · MW; Kilo · k · 10³ · kg; Milli · m · 10⁻³ · mA; Mikro · µ · 10⁻⁶ · µmPRÄFIXSYMBOLFAKTORBEISPIELMegaM10⁶MWKilok10³kgMillim10⁻³mAMikroµ10⁻⁶µm
    Abb.Präfixe sind Zehnerpotenzen: k=103\mathrm{k} = 10^{3}k=103, M=106\mathrm{M} = 10^{6}M=106, m=10−3\mathrm{m} = 10^{-3}m=10−3.
  3. 3

    Runde am Schluss auf so viele Stellen, wie die unsicherste Eingangsgröße erlaubt.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank2 Punkte

Aufgabenstellung

In einem Behälter befinden sich 250 mL250\,\mathrm{mL}250mL Flüssigkeit. Stelle das Volumen in m3\mathrm{m}^{3}m3 und in dm3\mathrm{dm}^{3}dm3 dar (HUM-Cluster).

Maturafokus

  • In Typ-1-Aufgaben: korrektes Anpassen der Zehnerpotenz oder Identifikation der signifikanten Stellen.
  • Ergebnisangaben in Kontextaufgaben müssen sinnvoll gerundet und mit Einheit versehen sein.
  • CAS-Ergebnisse wie 6,74371 kW6{,}74371\,\mathrm{kW}6,74371kW in der Antwort auf realistische Stellen kürzen.

Typische Fehler

  • Verwechseln von Komma und Punkt als Dezimaltrenner.
  • Präfixe falsch angewendet: 1 km=100 m1\,\mathrm{km}=100\,\mathrm{m}1km=100m (richtig: 1000 m1000\,\mathrm{m}1000m).
  • Falsche Anzahl signifikanter Stellen, wenn führende Nullen mitgezählt werden.

Aktive Wiederholung

Schreibe 0,000 072 5 m0{,}000\,072\,5\,\mathrm{m}0,0000725m in wissenschaftlicher Notation, gib die Anzahl signifikanter Stellen an und konvertiere in Mikrometer.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: BMBWF BHS-Lehrplan Angewandte Mathematik (HTL) (BMBWF) · Formelsammlung SRDP Angewandte Mathematik (BHS) (BMBWF)

§ 02

Prozent-, Promille- und Anteilrechnung#

●○○BasisLPB-1.3

Kernpunkte

Prozentrechnung ist die Sprache jeder kaufmännischen und technischen Anteilsangabe - vom Rabatt über die Mehrwertsteuer bis zur Schadstoffkonzentration. Im Kern steht ein einziger Dreisatz: Der Anteilswert WWW ist der Bruchteil p100\tfrac{p}{100}100p​ des Grundwerts GGG. Die Grundwertgleichung W=p100⋅GW = \tfrac{p}{100}\cdot GW=100p​⋅G lässt sich nach jeder der drei Größen auflösen - das ist bereits der gesamte rechnerische Apparat.
Der entscheidende erste Schritt ist immer die Frage „Was sind hier 100 %100\,\%100%?". Der Grundwert ist die Bezugsgröße; verändert er sich, ändert sich die Bedeutung jedes Prozentsatzes. Ein Prozentsatz ohne klar benannten Grundwert ist wertlos - genau hier scheitern die meisten Kontextaufgaben.
Auf- und Abschläge drückt man am sichersten über Multiplikatoren aus: +12 %⇒⋅1,12+12\,\%\Rightarrow {}\cdot 1{,}12+12%⇒⋅1,12, −7 %⇒⋅0,93-7\,\%\Rightarrow {}\cdot 0{,}93−7%⇒⋅0,93. Ketten von Änderungen werden dann einfach multipliziert. Daraus folgt unmittelbar, warum +20 %+20\,\%+20% gefolgt von −20 %-20\,\%−20% nicht zum Ausgangswert zurückführt: 1,2⋅0,8=0,961{,}2\cdot 0{,}8=0{,}961,2⋅0,8=0,96, es bleiben also nur 96 %96\,\%96% () - der zweite Faktor wirkt auf den größeren Zwischenwert.

Aufschlag und Abschlag heben sich nicht auf

Aufschlag und Abschlag heben sich nicht aufSäulendiagramm: Wert, Daten: Wert · Start: 100; Wert · nach +20 %: 120; Wert · dann −20 %: 96020406080100120Startnach +20 %dann −20 %10012096Wert
Abb. 3Start 100; nach +20 %+20\,\%+20% und anschliessend −20 %-20\,\%−20% bleiben nur 96 - der Abschlag bezieht sich auf den grösseren Zwischenwert 120.
Brutto und netto unterscheiden sich genau um die Umsatzsteuer. In Österreich gilt der Standardsatz 20 %20\,\%20%, ermäßigt 10 %10\,\%10% (z. B. Lebensmittel). Aus netto wird brutto über B=N⋅(1+s)B=N\cdot(1+s)B=N⋅(1+s); die Rückrechnung ist deshalb N=B1+sN=\tfrac{B}{1+s}N=1+sB​ und keinesfalls B⋅0,8B\cdot 0{,}8B⋅0,8 - der häufigste Fehler bei der Nettopreisbestimmung.
Promille (Zeichen ‰) ist 110\tfrac{1}{10}101​ eines Prozents, also 1 %=10 1\,\% = 10\,1%=10‰ bzw. 1 1\,1‰ =11000\,=\tfrac{1}{1000}=10001​; ppm steht für „parts per million" =10−6=10^{-6}=10−6. Diese feineren Einheiten braucht man, wenn Anteile sehr klein sind - Promille beim Blutalkohol, ppm bei Schadstoff- oder Salzkonzentrationen.
Anschaulich, aber prüfungsentscheidend ist die Trennung von Prozentpunkten und relativer Änderung: Steigt eine Quote „von 5 %5\,\%5% auf 7 %7\,\%7%", so sind das +2+2+2 Prozentpunkte, aber eine relative Zunahme von +40 %+40\,\%+40%. In wirtschaftlichen Berichten muss diese Unterscheidung sauber benannt werden, sonst kippt die Aussage.
p % von G=p100⋅G,p=WG⋅100p\,\% \text{ von } G = \dfrac{p}{100}\cdot G,\qquad p = \dfrac{W}{G}\cdot 100p% von G=100p​⋅G,p=GW​⋅100

Prozent- und Grundwertformel

B=N⋅(1+s),N=B1+sB=N\cdot(1+s),\quad N=\dfrac{B}{1+s}B=N⋅(1+s),N=1+sB​

Brutto-/Netto mit Steuersatz s

Musterbeispiel

Prozent- und Promille-Rechnung im Kontext

Eine Lösung enthält 4,5 %4{,}5\,\%4,5% Alkohol. In einem 0,33 L0{,}33\,\mathrm{L}0,33L-Glas - wie viel Alkohol (in mL) befindet sich darin? Wie viel ml Wasser muss zugegeben werden, damit nur noch 3 %3\,\%3% Alkoholgehalt vorliegen?

  1. 01Alkoholmenge

    VA=0,045⋅330 mL=14,85 mLV_{A}=0{,}045\cdot 330\,\mathrm{mL}=14{,}85\,\mathrm{mL}VA​=0,045⋅330mL=14,85mL.

  2. 02Verdünnen

    Gesamtvolumen VVV so wählen, dass 14,85V=0,03⇒V=495 mL\tfrac{14{,}85}{V}=0{,}03 \Rightarrow V=495\,\mathrm{mL}V14,85​=0,03⇒V=495mL.

  3. 03Wasserzugabe

    Differenz ΔV=495−330=165 mL\Delta V=495-330=165\,\mathrm{mL}ΔV=495−330=165mL Wasser zugeben.

Ergebnis: Im Glas sind ca. 14,9 mL14{,}9\,\mathrm{mL}14,9mL Alkohol; mit 165 mL165\,\mathrm{mL}165mL Wasser sinkt der Anteil auf 3 %3\,\%3%.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Bestimme zuerst, welcher Wert dein Grundwert ist - er entspricht 100 Prozent.

  2. 2

    Schreibe Auf- und Abschläge als Multiplikatoren, dann lassen sich Ketten leicht kombinieren.

  3. 3

    Prüfe das Ergebnis grob im Kopf, um Faktor-zehn-Fehler zu erkennen.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank2 Punkte

Aufgabenstellung

Ein Tablet wurde im November mit einem Aktionspreis von 399 Euro399\,\mathrm{Euro}399Euro angeboten. Der ursprüngliche Preis betrug 499 Euro499\,\mathrm{Euro}499Euro. Um wie viel Prozent wurde der Preis gesenkt? (HAK / HUM-Cluster)

Maturafokus

  • In Tourismus- und HUM-Aufgaben oft Rabatt, MwSt., Skonto kombiniert.
  • Bei "um p %p\,\%p% steigt/sinkt" immer prüfen, auf welchen Grundwert sich bezieht.
  • In wirtschaftlichen Berichten Pro-Punkt-Differenz vs. relative Änderung sauber trennen.

Typische Fehler

  • Verwechslung von Prozentpunkten und Prozent: "von 5 %5\,\%5% auf 7 %7\,\%7%" ist +2+2+2 Prozentpunkte, aber +40 %+40\,\%+40%.
  • Rückrechnung vom Bruttopreis BBB auf netto: fälschlich B⋅0,8B\cdot 0{,}8B⋅0,8 statt B1,2\tfrac{B}{1{,}2}1,2B​.
  • Auf- und Abschläge werden additiv statt multiplikativ kombiniert.

Aktive Wiederholung

Ein Notebook kostet brutto 899,00899{,}00899,00 Euro inkl. 20 %20\,\%20% MwSt. Berechne den Nettopreis und den darauf zu gewährenden Wiederverkaufsrabatt von 15 %15\,\%15%.

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: BMBWF BHS-Lehrplan Mathematik und angewandte Mathematik (HAK) (BMBWF) · SRDP BHS - Aufgabenarchiv Angewandte Mathematik (IQS / BMBWF)

§ 03

Mess- und Rundungsfehler#

●●○StandardLPB-1.4

Kernpunkte

Jede reale Messung ist mit einer Unsicherheit behaftet - eine Waage, ein Messschieber oder ein Durchflusssensor liefert nie den „wahren" Wert exakt. Die Mathematik macht diese Unsicherheit greifbar und vergleichbar, damit man beurteilen kann, ob ein Werkstück, eine Liefermenge oder ein Laborwert noch im erlaubten Rahmen liegt.
Der absolute Fehler Δx=∣xMess−xwahr∣\Delta x = |x_{\text{Mess}}-x_{\text{wahr}}|Δx=∣xMess​−xwahr​∣ misst die Abweichung in derselben Einheit wie die Größe selbst (z. B. 0,8 g0{,}8\,\mathrm{g}0,8g). Er sagt, wie weit man danebenliegt, aber nichts darüber, ob das viel oder wenig ist - 0,8 g0{,}8\,\mathrm{g}0,8g sind bei einer Goldmünze gravierend, bei einem Mehlsack belanglos.
Der relative Fehler ε=Δx∣x∣\varepsilon=\tfrac{\Delta x}{|x|}ε=∣x∣Δx​ ist dimensionslos und meist in Prozent angegeben. Erst er macht Genauigkeiten vergleichbar, weil er die Abweichung ins Verhältnis zur Größe setzt. In der Qualitätskontrolle ist der relative Fehler daher das eigentliche Bewertungsmaß.
Toleranzangaben fassen das Erlaubte zusammen: x±Δxx\pm\Delta xx±Δx beschreibt das zulässige Intervall [x−Δx; x+Δx][x-\Delta x;\ x+\Delta x][x−Δx; x+Δx]. So definiert ein Sollmaß 52,0 mm±0,3 mm52{,}0\,\mathrm{mm}\pm 0{,}3\,\mathrm{mm}52,0mm±0,3mm alle gültigen Maße zwischen 51,7 mm51{,}7\,\mathrm{mm}51,7mm und 52,3 mm52{,}3\,\mathrm{mm}52,3mm (); ein Bauteil außerhalb dieses Bandes ist Ausschuss.

Toleranzband einer Längenangabe

Toleranzband 52,0 mm ± 0,3 mmZahlenstrahl, Soll, Toleranz51.551.75252.352.5ToleranzSoll
Abb. 4Sollmass 52,0 mm52{,}0\,\mathrm{mm}52,0mm mit Toleranz ±0,3 mm\pm 0{,}3\,\mathrm{mm}±0,3mm: zulässig ist jedes Mass im Intervall [51,7; 52,3][51{,}7;\ 52{,}3][51,7; 52,3].
Bei der Fehlerfortpflanzung gilt eine einfache Faustregel: Bei Summen und Differenzen addieren sich die absoluten Fehler, bei Produkten und Quotienten die relativen Fehler. Daraus folgt, dass eine berechnete Größe nie genauer sein kann als ihre ungenaueste Eingangsgröße.
Sinnvolles Runden orientiert sich deshalb am Gesamtfehler: Das Endergebnis erhält höchstens so viele signifikante Stellen, wie der Fehler rechtfertigt. Wichtig ist die Reihenfolge - erst mit voller Genauigkeit rechnen, erst ganz am Schluss runden, sonst pflanzt sich der Rundungsfehler durch die ganze Rechnung fort.
In der Praxis ist der wahre Wert oft unbekannt; man verwendet dann den Mittelwert mehrerer Messungen als beste Näherung. In der Matura sollte diese Annahme explizit genannt werden, wenn man einen relativen Fehler gegen einen geschätzten „wahren" Wert berechnet.
Δx=∣xMess−xwahr∣\Delta x = |x_{\text{Mess}}-x_{\text{wahr}}|Δx=∣xMess​−xwahr​∣

Absoluter Fehler

εrel=∣xMess−xwahr∣∣xwahr∣,εrel %=εrel⋅100\varepsilon_{\text{rel}}=\dfrac{|x_{\text{Mess}}-x_{\text{wahr}}|}{|x_{\text{wahr}}|},\quad \varepsilon_{\text{rel}}\,\%=\varepsilon_{\text{rel}}\cdot 100εrel​=∣xwahr​∣∣xMess​−xwahr​∣​,εrel​%=εrel​⋅100

Relativer Fehler in Prozent

(x±Δx)⋅(y±Δy)≈xy±(∣x∣ Δy+∣y∣ Δx)(x\pm\Delta x)\cdot(y\pm\Delta y)\approx xy\pm\bigl(|x|\,\Delta y+|y|\,\Delta x\bigr)(x±Δx)⋅(y±Δy)≈xy±(∣x∣Δy+∣y∣Δx)

Fortpflanzung beim Produkt

Musterbeispiel

Relativer Fehler einer Massenmessung

Eine Waage zeigt 254,7 g254{,}7\,\mathrm{g}254,7g, der wahre Wert ist 253,9 g253{,}9\,\mathrm{g}253,9g. Bestimme absoluten und relativen Fehler.

  1. 01Absoluter Fehler

    Δm=∣254,7−253,9∣=0,8 g\Delta m = |254{,}7-253{,}9|=0{,}8\,\mathrm{g}Δm=∣254,7−253,9∣=0,8g.

  2. 02Relativer Fehler

    ε=0,8253,9≈0,00315\varepsilon=\tfrac{0{,}8}{253{,}9}\approx 0{,}00315ε=253,90,8​≈0,00315, also ≈0,32 %\approx 0{,}32\,\%≈0,32%.

  3. 03Bewertung

    Liegt damit deutlich unter Standardtoleranz 1 %1\,\%1%.

Ergebnis: Δm=0,8 g\Delta m=0{,}8\,\mathrm{g}Δm=0,8g, ε≈0,32 %\varepsilon\approx 0{,}32\,\%ε≈0,32%.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Trenne zuerst absoluten und relativen Fehler - sie beantworten verschiedene Fragen.

  2. 2

    Bei Produkten und Quotienten addieren sich die relativen Fehler, bei Summen die absoluten.

  3. 3

    Prüfe das Endergebnis: ist es mit der ungenauesten Eingangsgröße vereinbar?

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank3 Punkte

Aufgabenstellung

Ein Bauteil hat die Sollmasse 200 g200\,\mathrm{g}200g mit einer Toleranz von ±2 %\pm 2\,\%±2%. Welche Massen sind zulässig? (HTL-Cluster)

Maturafokus

  • Relative Fehler in Prozent für Qualitätskontrolle und Toleranzbewertung.
  • In HTL-Aufgaben oft Fehlerfortpflanzung in physikalischen Formeln (z.B. Widerstand, Dichte).
  • In HAK-Aufgaben Toleranzbereiche bei Mengen- und Preisangaben.

Typische Fehler

  • Fehler werden zu spät (nach Rundung) berechnet, dadurch falsche Ergebnisse.
  • Absoluter und relativer Fehler werden vermischt.
  • Wahre Werte unbekannt - daher wird oft der Mittelwert mehrerer Messungen als Näherung verwendet, dies muss explizit erwähnt werden.

Aktive Wiederholung

Ein Werkstück soll Länge 52,0 mm±0,3 mm52{,}0\,\mathrm{mm}\pm 0{,}3\,\mathrm{mm}52,0mm±0,3mm haben. Bestimme den maximal zulässigen relativen Fehler in Prozent.

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Formelsammlung SRDP Angewandte Mathematik (BHS) (BMBWF) · IQS - Standardisierte Reife- und Diplomprüfung BHS (IQS)

§ 04

Überschlag und Plausibilitätsrechnung#

●○○BasisLPB-1.1LPB-1.2

Kernpunkte

Der Taschenrechner bzw. das CAS rechnet fehlerfrei - aber nur mit dem, was man eintippt. Ein vertippter Faktor, ein vergessenes Komma oder eine falsche Einheit liefert ein präzises, aber sinnloses Ergebnis. Die Überschlagsrechnung ist das Gegengewicht: eine schnelle Kopfrechnung, die das Resultat auf seine Größenordnung prüft.
Das Vorgehen ist immer gleich: Alle Eingangsgrößen grob auf eine einzige signifikante Stelle runden und dann mit diesen runden Zahlen im Kopf rechnen. Aus 1 825⋅0,471\,825\cdot 0{,}471825⋅0,47 wird 2 000⋅0,5=1 0002\,000\cdot 0{,}5=1\,0002000⋅0,5=1000 - in Sekunden und ohne Hilfsmittel.
Ein Überschlag ist bewusst grob und liefert keinen exakten Wert, sondern ein Erwartungsfenster. Liegt das CAS-Ergebnis innerhalb von etwa ±10\pm 10±10 bis 20 %20\,\%20% um den Überschlag, ist es plausibel; weicht es um einen Faktor zehn ab, steckt fast sicher ein Eingabefehler dahinter.
Bei stark ungleichen Größenordnungen darf der kleinste Summand für den Überschlag oft ganz entfallen - der große Term dominiert. Das beschleunigt die Kopfrechnung, ohne die Aussagekraft des Überschlags zu schmälern.
Anschaulich liefert der Überschlag eine grobe Klammer um den wahren Wert: Man weiß vorher, in welchem Bereich das Ergebnis liegen muss, und erkennt einen Ausreißer sofort. Gerade in Teil-1-Aufgaben, wo wenig Zeit bleibt, ist das die wirtschaftlichste Kontrolle.
In der Matura ist der abschließende Plausibilitätscheck deshalb eine der einfachsten Punkte-Sicherungen überhaupt: Ein kurzer Überschlag schützt vor groben Faktor-zehn- und Einheitenfehlern, die sonst eine ganze, sonst richtig gerechnete Aufgabe entwerten würden.
Musterbeispiel

Überschlag einer Kostensumme

Überschlage: 1 825⋅0,47+938⋅0,531\,825\cdot 0{,}47+938\cdot 0{,}531825⋅0,47+938⋅0,53.

  1. 01Runden

    2 000⋅0,5+1 000⋅0,5=1 000+500=1 5002\,000\cdot 0{,}5+1\,000\cdot 0{,}5=1\,000+500=1\,5002000⋅0,5+1000⋅0,5=1000+500=1500.

  2. 02CAS-Wert

    CAS liefert 857,75+497,14=1 354,89857{,}75+497{,}14=1\,354{,}89857,75+497,14=1354,89.

  3. 03Plausibilität

    Liegt um ca. 10 %10\,\%10% unter Überschlag - akzeptabel.

Ergebnis: CAS-Wert ≈1 355\approx 1\,355≈1355, Überschlag ≈1 500\approx 1\,500≈1500, plausibel.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Runde großzügig und rechne im Kopf, um Plausibilität zu prüfen.

  2. 2

    Prüfe das CAS-Ergebnis - liegt es im erwarteten Bereich?

  3. 3

    Ein guter Überschlag rettet dich vor peinlichen Faktor-zehn-Fehlern.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank2 Punkte

Aufgabenstellung

Ein Restaurant kalkuliert: 121212 Personen je 24,90 Euro24{,}90\,\mathrm{Euro}24,90Euro plus 888 Personen je 18,50 Euro18{,}50\,\mathrm{Euro}18,50Euro. Überschlage zuerst, dann berechne exakt. (HUM/Tourismus)

Maturafokus

  • Vor allem in Teil-1: kurzer Überschlag verhindert grobe Fehler.
  • Cluster HUM/HAK: Aufgaben mit Einnahmen, Kosten und Tagesumsatz.
  • CAS-Resultat immer mit Überschlag prüfen, bevor man es abgibt.

Typische Fehler

  • CAS-Resultat ungeprüft übernommen.
  • Falsche Runden-Strategie bei Multiplikationen.
  • Endsumme übersehen, weil nur Teilresultate überschlagen wurden.

Aktive Wiederholung

Überschlage, ohne Taschenrechner: 1 825⋅0,47+938⋅0,531\,825 \cdot 0{,}47 + 938 \cdot 0{,}531825⋅0,47+938⋅0,53. Prüfe danach mit CAS.

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Formelsammlung SRDP Angewandte Mathematik (BHS) (BMBWF) · SRDP BHS - Aufgabenarchiv Angewandte Mathematik (IQS / BMBWF)

§ 05

Direkte und indirekte Proportionalität#

●○○BasisLPB-1.1LPB-1.3

Kernpunkte

Proportionalität beschreibt, wie zwei Größen miteinander mitwachsen - die Grundlage von Maßstab, Rezeptumrechnung, Preiskalkulation und Geschwindigkeit-Zeit-Beziehungen. Bevor man rechnet, muss man die Art des Zusammenhangs klären, denn davon hängt das ganze weitere Vorgehen ab.
Direkte Proportionalität bedeutet y=k⋅xy=k\cdot xy=k⋅x: Verdoppelt sich xxx, verdoppelt sich auch yyy. Kennzeichen ist der konstante Quotient yx=k\tfrac{y}{x}=kxy​=k - mehr Personen brauchen proportional mehr Mehl, doppelte Fahrzeit bei gleichem Tempo bedeutet doppelte Strecke. Grafisch ist das eine Ursprungsgerade mit Steigung kkk ().

Direkte und indirekte Proportionalität

Direkte und indirekte ProportionalitätSchaubild von y = k·x, steigend, im Bereich x von 0.7 bis 6, Schaubild von y = k/x, fallend, im Bereich x von 0.7 bis 6123456123456y = k·xy = k/xyx
Abb. 5Direkt y=k xy=k\,xy=kx ist eine Ursprungsgerade (konstanter Quotient yx\tfrac{y}{x}xy​), indirekt y=kxy=\tfrac{k}{x}y=xk​ eine Hyperbel (konstantes Produkt x yx\,yxy).
Indirekte (umgekehrte) Proportionalität bedeutet y=kxy=\tfrac{k}{x}y=xk​: Verdoppelt sich xxx, halbiert sich yyy. Kennzeichen ist hier das konstante Produkt x⋅y=kx\cdot y=kx⋅y=k - doppelt so viele Pumpen brauchen die halbe Zeit, denn die zu leistende Arbeit (Pumpe mal Zeit) bleibt gleich. Grafisch ist das eine fallende Hyperbel ().
Die Probe ist damit einfach und prüfungssicher: Ist der Quotient yx\tfrac{y}{x}xy​ über die Wertepaare konstant, liegt direkte Proportionalität vor; ist das Produkt x⋅yx\cdot yx⋅y konstant, indirekte. Den Operator „entscheiden" beantwortet man genau über diese beiden Konstanten.
Der sichere Standardweg ist der Schluss über die Einheit: Erst die Einheitsmenge bestimmen (Mehl pro Person, Zeit für eine Pumpe), dann auf die gefragte Anzahl hochrechnen. Bei indirekter Proportionalität rechnet man dabei über die konstante Gesamtmenge k=x⋅yk=x\cdot yk=x⋅y.
Anschaulich verraten schon die Graphen die Art: Die Ursprungsgerade startet im Nullpunkt und steigt gleichmäßig, die Hyperbel fällt und nähert sich beiden Achsen, ohne sie zu erreichen. Wer den Sachverhalt zuerst grafisch einordnet, vermeidet den klassischen Fehler, eine indirekte Beziehung mit dem direkten Dreisatz zu behandeln.
y=k⋅x  (direkt),x⋅y=k  (indirekt)y=k\cdot x\;(\text{direkt}),\quad x\cdot y=k\;(\text{indirekt})y=k⋅x(direkt),x⋅y=k(indirekt)

Proportionalitätsarten

Musterbeispiel

Indirekte Proportionalität (Pumpenaufgabe)

Vier Pumpen brauchen 9 Stunden. Wie lange brauchen sechs Pumpen?

  1. 01Schritt 1 - Art bestimmen

    Mehr Pumpen => weniger Zeit: indirekte Proportionalität, also Pumpen⋅Zeit=k\text{Pumpen}\cdot \text{Zeit}=kPumpen⋅Zeit=k.

  2. 02Schritt 2 - Konstante

    k=4⋅9=36k=4\cdot 9=36k=4⋅9=36 Pumpenstunden.

  3. 03Schritt 3 - Auflösen

    t=k6=366=6t=\tfrac{k}{6}=\tfrac{36}{6}=6t=6k​=636​=6 Stunden.

Ergebnis: Sechs Pumpen benötigen 6 Stunden.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank2 Punkte

Aufgabenstellung

Für ein Rezept für 4 Personen werden 600 g600\,\mathrm{g}600g Mehl benötigt. Berechne die Mehlmenge für 10 Personen. (HUM/Tourismus)

Maturafokus

  • Operator "Entscheiden": prüfen, ob ein Sachverhalt direkt oder indirekt proportional ist (konstanter Quotient vs. konstantes Produkt).
  • Operator "Berechnen": fehlende Größe über den Schluss durch die Einheit ermitteln.
  • In HUM/Tourismus häufig Rezept-, Massstabs- und Personalbedarfsaufgaben.

Typische Fehler

  • Indirekte als direkte Proportionalität behandelt (z.B. mehr Arbeiter => mehr Zeit statt weniger Zeit).
  • Dreisatz ohne Prüfung der Proportionalitätsart angewendet.
  • Einheiten beim Schluss durch die Einheit nicht mitgeführt.

Aktive Wiederholung

Vier Pumpen leeren ein Becken in 9 Stunden. Berechne, wie lange sechs gleich starke Pumpen benötigen, und begründe die Proportionalitätsart.

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Quellen: Formelsammlung SRDP Angewandte Mathematik (BHS) (BMBWF) · SRDP BHS - Aufgabenarchiv Angewandte Mathematik (IQS / BMBWF)

§ 06

Fehlerfortpflanzung bei Messgrößen#

●●●VertiefungLPB-1.4

Kernpunkte

Wenn man aus gemessenen Größen eine neue berechnet - etwa eine Fläche aus zwei Längen oder eine Dichte aus Masse und Volumen -, vererben sich deren Unsicherheiten auf das Ergebnis. Die Fehlerfortpflanzung beschreibt, wie groß dieser geerbte Fehler ist, und damit, wie genau das Endergebnis überhaupt sein kann.
Jede Eingangsgröße trägt einen absoluten Fehler Δx\Delta xΔx und einen relativen Fehler Δxx\tfrac{\Delta x}{x}xΔx​. Welcher davon sich fortpflanzt, hängt von der Rechenoperation ab - das ist der Schlüssel zur ganzen Fehlerrechnung.
Bei Summen und Differenzen addieren sich die absoluten Fehler: Δ(x±y)≈Δx+Δy\Delta(x\pm y)\approx \Delta x+\Delta yΔ(x±y)≈Δx+Δy. Anschaulich kann sich die Abweichung im ungünstigsten Fall aufsummieren, deshalb wird mit dem Maximalfehler gerechnet.
Bei Produkten und Quotienten addieren sich dagegen die relativen Fehler: Δ(xy)xy≈Δxx+Δyy\tfrac{\Delta(xy)}{xy}\approx \tfrac{\Delta x}{x}+\tfrac{\Delta y}{y}xyΔ(xy)​≈xΔx​+yΔy​. Eine Fläche A=a⋅bA=a\cdot bA=a⋅b aus zwei je 1 %1\,\%1% genauen Längen ist also nur noch etwa 2 %2\,\%2% genau.
Beim Potenzieren y=xny=x^{n}y=xn vervielfacht sich der relative Fehler mit dem Exponenten: Δyy≈∣n∣⋅Δxx\tfrac{\Delta y}{y}\approx |n|\cdot \tfrac{\Delta x}{x}yΔy​≈∣n∣⋅xΔx​. Daraus folgt, warum Volumina besonders empfindlich sind - ein 1 %1\,\%1% ungenauer Radius liefert ein rund 3 %3\,\%3% ungenaues Kugelvolumen (). Längen, Flächen und Volumina stehen im Fehler im Verhältnis 1:2:31:2:31:2:3.

Potenzen verstärken den relativen Fehler

Potenzen verstärken den relativen FehlerSäulendiagramm: rel. Fehler in %, Daten: rel. Fehler in % · r (n = 1): 1; rel. Fehler in % · A ∝ r² (n = 2): 2; rel. Fehler in % · V ∝ r³ (n = 3): 300.511.522.53r (n = 1)A ∝ r² (n = 2)V ∝ r³ (n = 3)123rel. Fehler in %
Abb. 6Bei 1 %1\,\%1% Eingangsfehler wächst der relative Fehler des Ergebnisses proportional zur Potenz: Länge 1 %1\,\%1%, Fläche 2 %2\,\%2%, Volumen 3 %3\,\%3%.
In der Matura sind hier die Operatoren „abschätzen" und „beurteilen" zentral: Man bestimmt den Gesamtfehler aus den Einzelfehlern und begründet daraus die sinnvolle Stellenzahl des Endergebnisses. Eine überpräzise Angabe täuscht eine Genauigkeit vor, die die Messungen nicht hergeben - das Ergebnis ist nur auf so viele Stellen sinnvoll, wie der Gesamtfehler zulässt.
Δ(xy)xy≈Δxx+Δyy,Δ(xn)xn≈∣n∣ Δxx\dfrac{\Delta(xy)}{xy}\approx \dfrac{\Delta x}{x}+\dfrac{\Delta y}{y},\quad \dfrac{\Delta(x^{n})}{x^{n}}\approx |n|\,\dfrac{\Delta x}{x}xyΔ(xy)​≈xΔx​+yΔy​,xnΔ(xn)​≈∣n∣xΔx​

Fehlerfortpflanzung

Musterbeispiel

Relativer Fehler einer Rechteckfläche

Mit a=12,0±0,1 cma=12{,}0\pm 0{,}1\,\mathrm{cm}a=12,0±0,1cm und b=8,0±0,1 cmb=8{,}0\pm 0{,}1\,\mathrm{cm}b=8,0±0,1cm: relativer Fehler von A=a⋅bA=a\cdot bA=a⋅b.

  1. 01Schritt 1 - Einzelfehler

    Relativer Fehler von aaa: 0,112≈0,0083\tfrac{0{,}1}{12}\approx 0{,}0083120,1​≈0,0083; von bbb: 0,18=0,0125\tfrac{0{,}1}{8}=0{,}012580,1​=0,0125.

  2. 02Schritt 2 - Addieren

    Bei Produkt addieren sich die relativen Fehler: 0,0083+0,0125=0,02080{,}0083+0{,}0125=0{,}02080,0083+0,0125=0,0208.

  3. 03Schritt 3 - Deuten

    Der relative Fehler von AAA beträgt rund 2,1 %2{,}1\,\%2,1%; mit A=96 cm2A=96\,\mathrm{cm}^{2}A=96cm2 entspricht das ΔA≈2 cm2\Delta A\approx 2\,\mathrm{cm}^{2}ΔA≈2cm2.

Ergebnis: Relativer Fehler ≈2,1 %\approx 2{,}1\,\%≈2,1%, also A≈96±2 cm2A\approx 96\pm 2\,\mathrm{cm}^{2}A≈96±2cm2.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank2 Punkte

Aufgabenstellung

Der Radius einer Kugel wird mit r=5,0 cmr=5{,}0\,\mathrm{cm}r=5,0cm und einem relativen Fehler von 1 %1\,\%1% gemessen. Schätze den relativen Fehler des Volumens V=43πr3V=\tfrac{4}{3}\pi r^{3}V=34​πr3 ab. (HTL)

Maturafokus

  • Operator "Abschätzen": Gesamtfehler eines berechneten Werts aus den Einzelfehlern bestimmen.
  • Operator "Beurteilen": die sinnvolle Stellenzahl des Endergebnisses aus dem Fehler begründen.
  • Relative und absolute Fehler je nach Operation korrekt verknüpfen.

Typische Fehler

  • Bei Produkten die absoluten statt der relativen Fehler addiert.
  • Den Faktor nnn beim Potenzieren der Fehlerfortpflanzung vergessen.
  • Endergebnis mit mehr Stellen angegeben, als der Fehler rechtfertigt.

Aktive Wiederholung

Ein Quader hat die Kanten a=12,0 cma=12{,}0\,\mathrm{cm}a=12,0cm und b=8,0 cmb=8{,}0\,\mathrm{cm}b=8,0cm, jeweils mit ±0,1 cm\pm 0{,}1\,\mathrm{cm}±0,1cm Messunsicherheit. Schätze den relativen Fehler des Flächeninhalts A=a⋅bA=a\cdot bA=a⋅b ab.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Formelsammlung SRDP Angewandte Mathematik (BHS) (BMBWF) · SRDP BHS - Aufgabenarchiv Angewandte Mathematik (IQS / BMBWF)

Inhalt

Abschnitt -- / 06

    • 01Zahldarstellung und Größenordnungen○
    • 02Prozent-, Promille- und Anteilrechnung○
    • 03Mess- und Rundungsfehler◐
    • 04Überschlag und Plausibilitätsrechnung○
    • 05Direkte und indirekte Proportionalität○
    • 06Fehlerfortpflanzung bei Messgrößen●

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Aus den Notizen ins Training

B 1 - Zahlen, Masse und Einheiten

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Beispielfrage

In einem Behälter befinden sich 250 mL250\,\mathrm{mL}250mL Flüssigkeit. Stelle das Volumen in m3\mathrm{m}^{3}m3 und in dm3\mathrm{dm}^{3}dm3 dar (HUM-Cluster).

2 BE · 2022

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Belege & Quellen

Quellen

BMBWF

  • BMBWF BHS-Lehrplan Angewandte Mathematik (HTL)
  • Formelsammlung SRDP Angewandte Mathematik (BHS)

IQS / BMBWF

  • SRDP BHS - Aufgabenarchiv Angewandte Mathematik

IQS

  • IQS - Standardisierte Reife- und Diplomprüfung BHS

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