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Notizen/Angewandte Mathematik/B 2 - Algebra: Terme, Gleichungen und Logarithmen
Notizen · Angewandte MathematikAT · Matura

B 2 - Algebra: Terme, Gleichungen und Logarithmen

Termumformungen, lineare und quadratische Gleichungen, Bruch- und Wurzelgleichungen, Exponential- und Logarithmusgleichungen mit beruflichem Anwendungsbezug.

6 Abschnitte·~16 Min Lesezeit·4 Kompetenzen·Niveau Basis 2 · Standard 4·Stand 06/2026

T·0222 / 13
Prüfungsprofil
B-2.1 · Lineare Gleichungen und Ungleichungen lösen und interpretierenB-2.2 · Quadratische Gleichungen lösenB-2.3 · Exponential- und Logarithmusgleichungen lösenB-2.4 · Lineare Gleichungssysteme aufstellen und interpretieren
Tiefe

Lesetiefe: Vertiefung

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Inhalt · 6 Abschnitte▾
  1. B 2 - Algebra: Terme, Gleichungen und Logarithmen
    • 01Lineare Gleichungen und Ungleichungen○
    • 02Quadratische Gleichungen◐
    • 03Exponential- und Logarithmusgleichungen◐
    • 04Lineare Gleichungssysteme◐
    • 05Termumformungen und Formeln umstellen○
    • 06Ungleichungen und Betragsgleichungen◐
§ 01

Lineare Gleichungen und Ungleichungen#

●○○BasisLPB-2.1

Kernpunkte

Die lineare Gleichung ist das am häufigsten gebrauchte Werkzeug der angewandten Mathematik - überall dort, wo eine Größe gleichmäßig von einer anderen abhängt: Lohn pro Stunde, Kosten pro Stück, Tarif pro verbrauchter Einheit. Wer sie sicher beherrscht, löst einen Großteil der Teil-1-Aufgaben routiniert.
Eine lineare Gleichung a x+b=0a\,x+b=0ax+b=0 hat für a≠0a\neq 0a=0 genau eine Lösung x=−bax=-\tfrac{b}{a}x=−ab​. Gelöst wird sie durch Äquivalenzumformungen - Operationen, welche die Lösungsmenge nicht verändern: dieselbe Zahl auf beiden Seiten addieren oder subtrahieren, beide Seiten mit einer von Null verschiedenen Zahl multiplizieren oder durch sie dividieren.
Bei Ungleichungen gilt eine zusätzliche Regel: Multipliziert oder dividiert man mit einer negativen Zahl, kehrt sich das Ungleichheitszeichen um. Diese eine Regel ist die mit Abstand häufigste Fehlerquelle - sie konsequent mitzudenken sichert leicht verdiente Punkte.
Bruchgleichungen werden durch Multiplikation mit dem Hauptnenner gelöst. Davor muss der Definitionsbereich festgelegt werden (alle Nenner ungleich null); nach dem Lösen ist zu prüfen, ob die gefundene Zahl überhaupt im Definitionsbereich liegt - sonst ist sie eine Scheinlösung.
Der typische Anwendungsfall ist der Tarif- oder Kostenvergleich: Zwei lineare Kostenfunktionen wie KA(x)=11,9+0,29xK_A(x)=11{,}9+0{,}29xKA​(x)=11,9+0,29x und KB(x)=19,9+0,23xK_B(x)=19{,}9+0{,}23xKB​(x)=19,9+0,23x werden gleichgesetzt. Die Lösung ist der Break-Even-Punkt, an dem beide gleich teuer sind () - links davon ist der eine, rechts der andere Tarif günstiger.

Tarifvergleich als Geradenschnitt

Tarifvergleich A vs. BSchaubild von Tarif A, y-Achsenabschnitt bei y = 11.9, steigend, im Bereich x von 0 bis 250, Schaubild von Tarif B, y-Achsenabschnitt bei y = 19.9, steigend, im Bereich x von 0 bis 2505010015020025020406080Break-EvenTarif ATarif BKosten (Euro)Verbrauch (kWh)
Abb. 1Zwei lineare Kostenfunktionen schneiden sich im Break-Even-Punkt; links davon ist Tarif A, rechts Tarif B günstiger.
In der Matura zählt am Ende die Interpretation im Kontext: Das Ergebnis braucht Einheit, ein plausibles Vorzeichen und einen Satz, der die Zahl als Antwort auf die gestellte Frage einordnet („Ab rund 134 kWh134\,\mathrm{kWh}134kWh pro Monat lohnt Tarif B"). Eine nackte Zahl ohne Deutung verschenkt im Beurteilungsraster Punkte.
x=−bax=-\dfrac{b}{a}x=−ab​

Lösung von ax+b=0, a≠0

Musterbeispiel

Lineare Tarifvergleichsaufgabe

Tarif A: KA(x)=11,9+0,29xK_{A}(x)=11{,}9+0{,}29xKA​(x)=11,9+0,29x; Tarif B: KB(x)=19,9+0,23xK_{B}(x)=19{,}9+0{,}23xKB​(x)=19,9+0,23x (xxx in kWh).

  1. 01Gleichsetzen

    11,9+0,29x=19,9+0,23x11{,}9+0{,}29x=19{,}9+0{,}23x11,9+0,29x=19,9+0,23x.

  2. 02Umstellen

    0,06x=80{,}06x=80,06x=8, also x=80,06≈133,33 kWhx=\tfrac{8}{0{,}06}\approx 133{,}33\,\mathrm{kWh}x=0,068​≈133,33kWh.

  3. 03Interpretation

    Ab rund 134 kWh134\,\mathrm{kWh}134kWh/Monat ist Tarif B günstiger.

Ergebnis: Break-Even bei rund 133 kWh133\,\mathrm{kWh}133kWh/Monat.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Stelle die Variablen sofort sauber dar - das macht jede Folgerechnung klarer.

  2. 2

    Bei Tarifvergleichen ist die Schnittstelle der Kostenfunktionen entscheidend.

  3. 3

    Schreibe das Ergebnis mit Einheit und einer kurzen Interpretation.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank3 Punkte

Aufgabenstellung

Eine lineare Funktion fff ist durch f(2)=7f(2)=7f(2)=7 und f(5)=16f(5)=16f(5)=16 gegeben. Bestimme den Funktionsterm. (Alle Cluster)

Maturafokus

  • Bei Tarif- oder Lohnaufgaben: zuerst klar Variable und Bedeutung definieren.
  • Definitionsbereich von Brüchen explizit angeben, bevor mit dem Nenner multipliziert wird.
  • Bei Ungleichungen Lösungsmenge im Kontext interpretieren ("ab welcher Menge lohnt sich Tarif B?").

Typische Fehler

  • Vorzeichen bei Multiplikation einer Ungleichung mit negativer Zahl vergessen.
  • Lösung wird ohne Einheit oder ohne Plausibilitätscheck angegeben.
  • Bruchgleichungen: nach Multiplikation mit Hauptnenner wird Definitionsbereich nicht mehr geprüft.

Aktive Wiederholung

Ein Stromtarif kostet 11,90 Euro11{,}90\,\mathrm{Euro}11,90Euro Grundgebühr pro Monat plus 0,29 Euro/kWh0{,}29\,\mathrm{Euro/kWh}0,29Euro/kWh. Ab welcher Verbrauchsmenge ist Tarif B mit 19,90 Euro19{,}90\,\mathrm{Euro}19,90Euro Grundgebühr und 0,23 Euro/kWh0{,}23\,\mathrm{Euro/kWh}0,23Euro/kWh günstiger?

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: BMBWF BHS-Lehrplan Angewandte Mathematik (HTL) (BMBWF) · Formelsammlung SRDP Angewandte Mathematik (BHS) (BMBWF)

§ 02

Quadratische Gleichungen#

●●○StandardLPB-2.2

Kernpunkte

Quadratische Zusammenhänge treten überall dort auf, wo eine Größe nicht gleichmäßig, sondern beschleunigt wächst oder fällt - bei Wurfbahnen, Bremswegen, Flächen in Abhängigkeit einer Kantenlänge oder Gewinnfunktionen mit einem Maximum. Ihr Graph ist stets eine Parabel ().

Quadratische Funktion f(x)=x²-x-2

Quadratische Funktion f(x) = x² − x − 2Schaubild von f, Nullstellen bei x = -1, 2, Tiefpunkt bei (0.5, -2.25), y-Achsenabschnitt bei y = -2, im Bereich x von -2.5 bis 3−2−1123−2246x₁x₂SScheitelff(x)x
Abb. 2Nullstellen x=−1x=-1x=−1, x=2x=2x=2, Scheitelpunkt (0,5 ∣ −2,25)(0{,}5\,|\,-2{,}25)(0,5∣−2,25).
Die allgemeine Form lautet ax2+bx+c=0ax^{2}+bx+c=0ax2+bx+c=0 mit a≠0a\neq 0a=0. Gelöst wird sie über die ABC-Lösungsformel oder - oft schneller - durch Faktorisieren bzw. Herausheben. Steht etwa 5t(4−t)=05t(4-t)=05t(4−t)=0 da, liest man die Lösungen t=0t=0t=0 und t=4t=4t=4 sofort ab, ohne die Formel zu bemühen.
Die Diskriminante D=b2−4acD=b^{2}-4acD=b2−4ac entscheidet schon vor dem Wurzelziehen über die Anzahl reeller Lösungen: D>0D>0D>0 ergibt zwei, D=0D=0D=0 genau eine (Berührpunkt mit der x-Achse), D<0D<0D<0 keine reelle Lösung. In Kontextaufgaben sagt sie damit aus, ob ein Ereignis überhaupt eintritt - „Erreicht das Geschoss die Zielhöhe?".
Drei Darstellungsformen beleuchten dieselbe Parabel von verschiedenen Seiten: Die allgemeine Form ax2+bx+cax^{2}+bx+cax2+bx+c zeigt den yyy-Achsenabschnitt ccc, die faktorisierte Form a(x−x1)(x−x2)a(x-x_1)(x-x_2)a(x−x1​)(x−x2​) die Nullstellen, die Scheitelform a(x−d)2+ea(x-d)^2+ea(x−d)2+e den Scheitelpunkt S(d ∣ e)S(d\,|\,e)S(d∣e) und die Symmetrieachse x=dx=dx=d. Je nach Frage wählt man die passende Form.
Der klassische Anwendungstyp ist die Wurfbahn h(t)=−g2t2+v0 t+h0h(t)=-\tfrac{g}{2}t^{2}+v_0\,t+h_0h(t)=−2g​t2+v0​t+h0​. Die Nullstellen sind die Zeitpunkte am Boden, der Scheitel ist die maximale Höhe zur Zeit t=−b2at=-\tfrac{b}{2a}t=−2ab​. So verbindet eine einzige Gleichung Start, Steigflug, Gipfel und Landung.
Anschaulich gilt: In Sachsituationen ist meist nur eine der beiden Lösungen sinnvoll. Eine negative Zeit, eine negative Stückzahl oder eine Höhe unter dem Boden scheiden physikalisch aus - das Aussortieren der unsinnigen Lösung gehört zur vollständigen Antwort und wird im Raster eigens gewertet.
x1,2=−b±b2−4ac2ax_{1,2}=\dfrac{-b\pm\sqrt{b^{2}-4ac}}{2a}x1,2​=2a−b±b2−4ac​​

Lösungsformel der quadratischen Gleichung ax²+bx+c=0

D=b2−4acD=b^{2}-4acD=b2−4ac

Diskriminante: bestimmt Anzahl reeller Lösungen

Interaktive Grafik lädt…

Musterbeispiel

Quadratische Gleichung in einer Wurfaufgabe

Die Höhe eines senkrecht nach oben geschleuderten Balles wird durch h(t)=20 t−5 t2h(t)=20\,t-5\,t^{2}h(t)=20t−5t2 (in m, ttt in s) beschrieben. Wann ist der Ball wieder am Boden?

  1. 01Gleichung aufstellen

    h(t)=0⇒20t−5t2=0⇒5t(4−t)=0h(t)=0 \Rightarrow 20t-5t^{2}=0 \Rightarrow 5t(4-t)=0h(t)=0⇒20t−5t2=0⇒5t(4−t)=0.

  2. 02Nullstellen

    t=0 st=0\,\mathrm{s}t=0s (Start) oder t=4 st=4\,\mathrm{s}t=4s (Landung).

  3. 03Interpretation

    Der Ball erreicht nach 4 s4\,\mathrm{s}4s wieder den Boden.

Ergebnis: Landezeit t=4 st=4\,\mathrm{s}t=4s.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Identifiziere aaa, bbb und ccc vorab und kontrolliere die Vorzeichen.

  2. 2

    Die Diskriminante verrät dir schon vorab, ob zwei, eine oder keine reelle Lösung existiert.

    D=b2−4acD=b^{2}-4acD=b2−4ac

    Diskriminante: bestimmt Anzahl reeller Lösungen

  3. 3

    In Anwendungen prüfe die Lösungen auf Sinnhaftigkeit - z.B. nur positive Zeiten.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank3 Punkte

Aufgabenstellung

Löse die Gleichung 2x2−5x−3=02x^{2}-5x-3=02x2−5x−3=0. Gib beide Lösungen an. (HTL / HAK)

Maturafokus

  • Bei Wurfaufgaben mit −g2t2+v0t+h0-\tfrac{g}{2}t^{2}+v_{0}t+h_{0}−2g​t2+v0​t+h0​ den Kontext der Lösung prüfen.
  • Faktorisieren spart oft die ABC-Formel.
  • Diskriminante in Kontextaufgaben deutet auf Realisierbarkeit (z.B. "Trifft das Geschoss das Ziel?").

Typische Fehler

  • Vorzeichenfehler bei −b-b−b in der Lösungsformel.
  • Beide Lösungen werden übernommen, obwohl nur positive Zeit sinnvoll ist.
  • Diskriminante wird bei Komplexität vergessen - dann werden nicht-reelle Lösungen behauptet.

Aktive Wiederholung

Eine Drohne wird in 2 m2\,\mathrm{m}2m Höhe mit einer Anfangsgeschwindigkeit von 8 m/s8\,\mathrm{m/s}8m/s nach oben gestartet; die Höhe folgt h(t)=−5t2+8t+2h(t)=-5t^{2}+8t+2h(t)=−5t2+8t+2. Wann erreicht sie wieder den Boden?

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Formelsammlung SRDP Angewandte Mathematik (BHS) (BMBWF) · SRDP BHS - Aufgabenarchiv Angewandte Mathematik (IQS / BMBWF)

§ 03

Exponential- und Logarithmusgleichungen#

●●○StandardLPB-2.3

Kernpunkte

Sobald die gesuchte Größe im Exponenten steht - „nach wie vielen Jahren?", „nach welcher Zeit?" -, reicht das Umstellen allein nicht mehr aus; man braucht den Logarithmus als Umkehrung des Potenzierens. Genau das ist das wiederkehrende Muster jeder Wachstums-, Zerfalls- und Zinsaufgabe.
Das Lösungsschema für a⋅ekx=ba\cdot \mathrm{e}^{kx}=ba⋅ekx=b ist immer dasselbe: erst die Exponentialfunktion isolieren (durch aaa teilen), dann beidseitig ln⁡\lnln anwenden, schließlich durch kkk teilen. Bei einer Basis qqq statt e\mathrm{e}e logarithmiert man genauso und nutzt ln⁡(qn)=nln⁡q\ln(q^{n})=n\ln qln(qn)=nlnq. Grafisch ist die Lösung der Schnitt der Wachstumskurve mit der waagrechten Ziellinie ().

Exponentialgleichung grafisch lösen

Lösung von 250·1,04ⁿ = 400Schaubild von 250·1,04ⁿ, y-Achsenabschnitt bei y = 250, steigend, im Bereich x von 0 bis 205101520100200300400500n ≈ 12Ziel 400250·1,04ⁿKapitaln (Jahre)
Abb. 3Die Lösung von 250⋅1,04n=400250\cdot 1{,}04^{n}=400250⋅1,04n=400 ist die Stelle, an der die Wachstumskurve die waagrechte Ziellinie 400400400 erreicht (n≈12n\approx 12n≈12).
Die Logarithmusgesetze sind die Potenzgesetze, von der anderen Seite gelesen: ln⁡(xy)=ln⁡x+ln⁡y\ln(xy)=\ln x+\ln yln(xy)=lnx+lny, ln⁡xy=ln⁡x−ln⁡y\ln\tfrac{x}{y}=\ln x-\ln ylnyx​=lnx−lny und vor allem ln⁡(xr)=rln⁡x\ln(x^{r})=r\ln xln(xr)=rlnx - das letzte Gesetz holt den Exponenten „nach vorne" und macht ihn so überhaupt erst berechenbar.
Der Basiswechsel log⁡ax=ln⁡xln⁡a\log_{a}x=\tfrac{\ln x}{\ln a}loga​x=lnalnx​ führt jeden Logarithmus auf den natürlichen ln⁡\lnln zurück, mit dem jeder Rechner umgehen kann. Praktisch braucht man ihn selten ausformuliert, weil man ohnehin direkt mit ln⁡\lnln logarithmiert.
Der Definitionsbereich ist unbedingt zu beachten: Das Argument eines Logarithmus muss positiv sein. Daraus folgt sofort, dass ln⁡(a+b)\ln(a+b)ln(a+b) nicht zu ln⁡a+ln⁡b\ln a+\ln blna+lnb wird - eine Summe im Argument lässt sich grundsätzlich nicht aufspalten.
In Anwendungen sind die Lösungen Zeitpunkte oder Raten und verlangen Interpretation: Eine Verdopplungszeit von 23,4523{,}4523,45 Jahren bedeutet, dass die Verdopplung erst nach 242424 vollen Jahren erreicht ist - bei „nach wie vielen ganzen Jahren" wird also aufgerundet, nicht kaufmännisch gerundet.
log⁡(xy)=log⁡x+log⁡y,log⁡ ⁣xy=log⁡x−log⁡y,log⁡(xr)=rlog⁡x\log(xy)=\log x+\log y,\quad \log\!\tfrac{x}{y}=\log x-\log y,\quad \log(x^{r})=r\log xlog(xy)=logx+logy,logyx​=logx−logy,log(xr)=rlogx

Logarithmusgesetze (x,y>0)

a⋅ekx=b  ⟺  x=1k⋅ln⁡ ⁣baa\cdot \mathrm{e}^{kx}=b\;\Longleftrightarrow\;x=\dfrac{1}{k}\cdot \ln\!\dfrac{b}{a}a⋅ekx=b⟺x=k1​⋅lnab​

Lösungsformel der einfachen Exponentialgleichung

t2=ln⁡2kt_{2}=\dfrac{\ln 2}{k}t2​=kln2​

Verdopplungszeit bei stetigem Wachstum

Musterbeispiel

Exponentialgleichung mit Faktor im Exponenten lösen

Die Wirkstoffkonzentration eines Medikaments folgt C(t)=80⋅e−0,25 tC(t)=80\cdot \mathrm{e}^{-0{,}25\,t}C(t)=80⋅e−0,25t (in mg, ttt in Stunden). Nach wie vielen Stunden ist sie auf 30 mg30\,\mathrm{mg}30mg gesunken?

  1. 01Gleichung ansetzen

    30=80⋅e−0,25 t30=80\cdot \mathrm{e}^{-0{,}25\,t}30=80⋅e−0,25t.

  2. 02Exponentialterm isolieren

    Durch 808080 teilen: e−0,25 t=3080=0,375\mathrm{e}^{-0{,}25\,t}=\tfrac{30}{80}=0{,}375e−0,25t=8030​=0,375.

  3. 03Logarithmieren

    −0,25 t=ln⁡0,375≈−0,9808-0{,}25\,t=\ln 0{,}375\approx -0{,}9808−0,25t=ln0,375≈−0,9808.

  4. 04Nach t auflösen

    t=ln⁡0,375−0,25≈−0,9808−0,25≈3,92t=\tfrac{\ln 0{,}375}{-0{,}25}\approx \tfrac{-0{,}9808}{-0{,}25}\approx 3{,}92t=−0,25ln0,375​≈−0,25−0,9808​≈3,92.

  5. 05Kontrolle

    Einsetzen: 80⋅e−0,25⋅3,92≈30 mg80\cdot \mathrm{e}^{-0{,}25\cdot 3{,}92}\approx 30\,\mathrm{mg}80⋅e−0,25⋅3,92≈30mg - passt.

Ergebnis: Nach rund 3,923{,}923,92 Stunden ist die Konzentration auf 30 mg30\,\mathrm{mg}30mg gesunken.

Musterbeispiel

Verdopplungszeit beim Sparkonto

Ein Sparbuch wird mit 3 %3\,\%3% pro Jahr verzinst. Nach wie vielen Jahren hat sich das Kapital verdoppelt?

  1. 01Wachstumsgleichung

    Kn=K0⋅1,03n=2K0K_{n}=K_{0}\cdot 1{,}03^{n}=2K_{0}Kn​=K0​⋅1,03n=2K0​.

  2. 02Durch K₀ teilen

    1,03n=21{,}03^{n}=21,03n=2.

  3. 03Logarithmieren

    n=ln⁡2ln⁡1,03≈0,69310,02956≈23,45n=\tfrac{\ln 2}{\ln 1{,}03}\approx \tfrac{0{,}6931}{0{,}02956}\approx 23{,}45n=ln1,03ln2​≈0,029560,6931​≈23,45.

  4. 04Aufrunden

    Erstmals nach 242424 vollen Jahren ist das Kapital verdoppelt.

Ergebnis: Nach rund 24 Jahren ist die Verdopplung erreicht.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Isoliere zuerst die Exponentialfunktion, bevor du logarithmierst.

  2. 2

    Nutze die Logarithmusgesetze, um Produkte und Quotienten zu trennen.

  3. 3

    Prüfe in Anwendungen, ob du auf ganzzahlige Zeitpunkte aufrunden musst.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank3 Punkte

Aufgabenstellung

Löse 3⋅1,05x=123\cdot 1{,}05^{x}=123⋅1,05x=12 nach xxx auf und gib das Ergebnis auf zwei Nachkommastellen an. (HAK / HUM)

Maturafokus

  • Standardform Kn=K0⋅qnK_{n}=K_{0}\cdot q^{n}Kn​=K0​⋅qn in Finanzaufgaben oder N(t)=N0⋅ektN(t)=N_{0}\cdot \mathrm{e}^{kt}N(t)=N0​⋅ekt in Wachstums-/Zerfallsaufgaben.
  • Achte bei Verdopplungs- oder Halbwertszeit immer auf die Form ln⁡2k\tfrac{\ln 2}{k}kln2​ bzw. −ln⁡2k-\tfrac{\ln 2}{k}−kln2​.
  • Kontextaufgaben verlangen die Interpretation der Lösungen (z.B. ganzzahlige Jahre durch Aufrunden).

Typische Fehler

  • ln⁡(a+b)\ln(a+b)ln(a+b) wird zu ln⁡a+ln⁡b\ln a+\ln blna+lnb verfälscht.
  • Basiswechsel mit falschem Bruch durchgeführt.
  • Negative Argumente bleiben unerkannt.

Aktive Wiederholung

Löse 250⋅1,04n=400250\cdot 1{,}04^{n}=400250⋅1,04n=400 nach nnn auf und runde auf zwei Nachkommastellen.

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Formelsammlung SRDP Angewandte Mathematik (BHS) (BMBWF) · IQS - Standardisierte Reife- und Diplomprüfung BHS (IQS)

§ 04

Lineare Gleichungssysteme#

●●○StandardLPB-2.4

Kernpunkte

Viele Aufgaben enthalten zwei oder mehr unbekannte Größen, die durch mehrere Bedingungen gleichzeitig verknüpft sind - zwei Eintrittspreise, zwei Mischungsmengen, drei Ströme in einer Schaltung. Ein lineares Gleichungssystem fasst genau diese Bedingungen zusammen und löst sie gemeinsam.
Bei zwei Unbekannten stehen drei gleichwertige Verfahren zur Wahl: Einsetzen, Gleichsetzen oder Addieren (Eliminieren). Welches am schnellsten ist, hängt von der Form der Gleichungen ab; das CAS löst das System auf Knopfdruck, doch das händische Verständnis sichert die Punkte bei Aufstellung und Interpretation.
Geometrisch ist die Lösung eines 2×22\times 22×2-Systems der Schnittpunkt zweier Geraden (), bei drei Unbekannten der Schnitt dreier Ebenen. Diese Deutung erklärt unmittelbar die drei Lösungsfälle: genau eine Lösung (Geraden schneiden sich), keine Lösung (parallel) oder unendlich viele (identisch).

Lineares 2×2-System als Geradenschnitt

Eindeutige Lösung eines 2×2-SystemsSchaubild von g, Nullstellen bei x = 1, y-Achsenabschnitt bei y = -1, steigend, im Bereich x von 0 bis 8, Schaubild von h, y-Achsenabschnitt bei y = 5, fallend, im Bereich x von 0 bis 81234567812345678L(4, 3)ghyx
Abb. 4Genau eine Lösung bedeutet genau einen Schnittpunkt: Hier schneiden sich die Geraden in L(4 ∣ 3)L(4\,|\,3)L(4∣3).
Drei Unbekannte löst man mit dem Gauß-Verfahren (schrittweises Eliminieren) oder über die Matrix-Inversion. In HTL-Clustern entstehen solche 3×33\times 33×3-Systeme typisch bei Spannungs- und Stromberechnungen (Kirchhoffsche Regeln).
Der heikelste Schritt ist das Aufstellen: Jede Variable muss zuerst klar mit ihrer realen Bedeutung verknüpft werden (Erwachsenenpreis aaa, Kinderpreis kkk). Ein vertauschtes Variablenpaar liefert ein formal korrektes, inhaltlich aber falsches System - ein häufiger und teurer Fehler.
Zur vollständigen Lösung gehören die Probe und die Interpretation: Man setzt die gefundenen Werte in beide Originalgleichungen ein und formuliert das Ergebnis im Sachkontext („Erwachsene zahlen 18 18\,18Euro, Kinder 20 20\,20Euro"). Gerade in Teil 2 wird diese Schluss-Deutung eigens bepunktet.
det⁡(abcd)=ad−bc\det\begin{pmatrix}a&b\\c&d\end{pmatrix}=ad-bcdet(ac​bd​)=ad−bc

Determinante 2x2

Musterbeispiel

Mischungssystem mit zwei Variablen

Aus 2 kg Sorte A (8 Euro/kg8\,\mathrm{Euro}/\mathrm{kg}8Euro/kg) und einer Menge xxx Sorte B (14 Euro/kg14\,\mathrm{Euro}/\mathrm{kg}14Euro/kg) wird eine Mischung erzeugt, die zu 11 Euro/kg11\,\mathrm{Euro}/\mathrm{kg}11Euro/kg verkauft werden soll. Berechne xxx.

  1. 01Kostengleichung

    2⋅8+x⋅142+x=11\tfrac{2\cdot 8+x\cdot 14}{2+x}=112+x2⋅8+x⋅14​=11.

  2. 02Hauptnenner

    16+14x=11(2+x)=22+11x16+14x=11(2+x)=22+11x16+14x=11(2+x)=22+11x.

  3. 03Auflösen

    3x=6⇒x=2 kg3x=6 \Rightarrow x=2\,\mathrm{kg}3x=6⇒x=2kg.

Ergebnis: Es werden 2 kg2\,\mathrm{kg}2kg der Sorte B beigemischt.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Ordne zuerst die Variablen einer realen Bedeutung zu.

  2. 2

    Stelle das Gleichungssystem sauber auf und wähle ein geeignetes Lösungsverfahren.

  3. 3

    Setze die Lösung am Originalsystem ein und interpretiere im Kontext.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank4 Punkte

Aufgabenstellung

Ein Eintritt für einen Themenpark kostet für Erwachsene aaa Euro und für Kinder kkk Euro. Eine Familie mit 2 Erwachsenen und 3 Kindern zahlt 96 Euro96\,\mathrm{Euro}96Euro, eine andere mit 3 Erwachsenen und 5 Kindern zahlt 154 Euro154\,\mathrm{Euro}154Euro. Berechne aaa und kkk. (HUM-Cluster)

Maturafokus

  • Bei Misch- oder Tarifaufgaben System ohne Lösungsfehler aufstellen.
  • In HTL: oft 3x3-Systeme bei Spannungs- oder Stromberechnungen.
  • In HAK/HUM: 2x2-Systeme bei Preis- oder Mengenmodellen.

Typische Fehler

  • Falsche Variablenbedeutung - Vertauschen von Erwachsenen- und Kinderpreis.
  • Vorzeichenfehler beim Addieren der Gleichungen.
  • Endergebnis ohne Interpretation, dadurch Punktabzug in Teil 2.

Aktive Wiederholung

Ein Hostel bietet zwei Zimmertypen: 4 Doppelzimmer und 3 Mehrbettzimmer beherbergen 26 Personen; 2 Doppelzimmer und 5 Mehrbettzimmer 24 Personen. Wie viele Personen sind in jedem Typ untergebracht?

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: BMBWF BHS-Lehrplan Mathematik und angewandte Mathematik (HAK) (BMBWF) · SRDP BHS - Aufgabenarchiv Angewandte Mathematik (IQS / BMBWF)

§ 05

Termumformungen und Formeln umstellen#

●○○BasisLPB-2.1

Kernpunkte

Technische und ökonomische Formeln sind selten schon nach der gesuchten Größe aufgelöst: Das Volumen V=13πr2hV=\tfrac{1}{3}\pi r^{2}hV=31​πr2h gibt VVV vor, gefragt ist aber oft hhh. Eine Formel umzustellen heißt, die gesuchte Variable durch Äquivalenzumformungen freizulegen, während alle anderen Größen symbolisch stehen bleiben.
Das Fundament ist dasselbe wie beim Gleichungslösen: Jede Operation wirkt auf die gesamte Seite, nicht nur auf einen Summanden. Wer „+3+3+3" nur an einen Teilterm hängt, zerstört die Gleichheit - der häufigste Umstellungsfehler überhaupt.
Beim Multiplizieren oder Dividieren mit einer Variablen ist immer zu prüfen, ob diese null sein kann; eine Division durch null ist verboten und schränkt den Definitionsbereich ein. Bei Bruchtermen sichert man vor dem Kürzen, dass kein Nenner null wird.
Die binomischen Formeln (a±b)2=a2±2ab+b2(a\pm b)^{2}=a^{2}\pm 2ab+b^{2}(a±b)2=a2±2ab+b2 und (a+b)(a−b)=a2−b2(a+b)(a-b)=a^{2}-b^{2}(a+b)(a−b)=a2−b2 sind die Abkürzungen des Ausmultiplizierens und Faktorisierens. Entscheidend ist der gemischte Term 2ab2ab2ab - (a+b)2=a2+b2(a+b)^{2}=a^{2}+b^{2}(a+b)2=a2+b2 ist falsch und ein klassischer Stolperstein.
Beim Auflösen nach einer Variablen unter einer Wurzel oder einem Quadrat ist Sorgfalt nötig: Quadrieren kann Scheinlösungen erzeugen, Wurzelziehen verlangt das ±\pm± und einen sinnvollen Definitionsbereich. In Sachkontexten wählt man danach den physikalisch sinnvollen Zweig.
In der Matura steht hier der Operator „umformen": eine gegebene Formel sauber nach der gesuchten Größe auflösen und erst dann die Zahlenwerte einsetzen. Symbolisch zuerst umzustellen ist nicht nur eleganter, sondern auch weniger fehleranfällig als das frühe Einsetzen großer Zahlen.
(a±b)2=a2±2ab+b2,(a+b)(a−b)=a2−b2(a\pm b)^{2}=a^{2}\pm 2ab+b^{2},\quad (a+b)(a-b)=a^{2}-b^{2}(a±b)2=a2±2ab+b2,(a+b)(a−b)=a2−b2

Binomische Formeln

Musterbeispiel

Formel nach einer Variablen umstellen

Stelle V=13πr2hV=\tfrac{1}{3}\pi r^{2}hV=31​πr2h nach hhh um und berechne hhh für V=314 cm3V=314\,\mathrm{cm}^{3}V=314cm3, r=5 cmr=5\,\mathrm{cm}r=5cm.

  1. 01Schritt 1 - Umstellen

    Beide Seiten mit 333 multiplizieren und durch πr2\pi r^{2}πr2 teilen: h=3Vπr2h=\tfrac{3V}{\pi r^{2}}h=πr23V​.

  2. 02Schritt 2 - Einsetzen

    h=3⋅314π⋅25=94278,54h=\tfrac{3\cdot 314}{\pi\cdot 25}=\tfrac{942}{78{,}54}h=π⋅253⋅314​=78,54942​.

  3. 03Schritt 3 - Auswerten

    h≈11,99 cm≈12 cmh\approx 11{,}99\,\mathrm{cm}\approx 12\,\mathrm{cm}h≈11,99cm≈12cm.

Ergebnis: Umgestellte Formel h=3Vπr2h=\tfrac{3V}{\pi r^{2}}h=πr23V​; konkret h≈12 cmh\approx 12\,\mathrm{cm}h≈12cm.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank1 Punkte

Aufgabenstellung

Stelle die Formel U=R⋅IU=R\cdot IU=R⋅I (Ohmsches Gesetz) nach dem Widerstand RRR um. (HTL)

Maturafokus

  • Operator "Umformen": eine technische oder ökonomische Formel sauber nach der gesuchten Größe auflösen.
  • Operator "Berechnen": nach Umstellung den Zahlenwert einsetzen und mit Einheit angeben.
  • Definitionsbereich bei Bruch- und Wurzeltermen ausdrücklich berücksichtigen.

Typische Fehler

  • Beim Umstellen nur einen Teil eines Terms statt der gesamten Seite mit derselben Operation behandelt.
  • Beim Wurzelziehen das ±\pm± vergessen oder den Definitionsbereich missachtet.
  • Binomische Formel falsch: (a+b)2=a2+b2(a+b)^{2}=a^{2}+b^{2}(a+b)2=a2+b2 (der gemischte Term 2ab2ab2ab fehlt).

Aktive Wiederholung

Stelle die Formel für das Kegelvolumen V=13πr2hV=\tfrac{1}{3}\pi r^{2}hV=31​πr2h nach der Höhe hhh um und berechne hhh für V=314 cm3V=314\,\mathrm{cm}^{3}V=314cm3 und r=5 cmr=5\,\mathrm{cm}r=5cm.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Formelsammlung SRDP Angewandte Mathematik (BHS) (BMBWF) · SRDP BHS - Aufgabenarchiv Angewandte Mathematik (IQS / BMBWF)

§ 06

Ungleichungen und Betragsgleichungen#

●●○StandardLPB-2.1

Kernpunkte

Während eine Gleichung nach einem exakten Wert fragt, beschreibt eine Ungleichung einen ganzen erlaubten Bereich - „mindestens", „höchstens", „innerhalb der Toleranz". Genau solche Bedingungen treten in der Praxis ständig auf: Mindeststückzahlen für Wirtschaftlichkeit, Budgetgrenzen, zulässige Maßabweichungen.
Lineare Ungleichungen löst man wie Gleichungen, mit einer entscheidenden Zusatzregel: Beim Multiplizieren oder Dividieren mit einer negativen Zahl dreht sich das Ungleichheitszeichen um. Aus −2x≤8-2x\leq 8−2x≤8 wird durch Division mit −2-2−2 also x≥−4x\geq -4x≥−4, nicht x≤−4x\leq -4x≤−4.
Die Lösung ist deshalb kein einzelner Wert, sondern ein Intervall (oder eine Vereinigung mehrerer Intervalle). Sie wird mit korrekten Klammern angegeben - eckig für eingeschlossene, rund für ausgeschlossene Grenzen, etwa L=[−4; ∞)L=[-4;\,\infty)L=[−4;∞).
Der Betrag ∣x∣|x|∣x∣ misst den Abstand von null - und damit ∣x−m∣|x-m|∣x−m∣ den Abstand von mmm. Diese Abstandsdeutung ist der Schlüssel: ∣x−50∣≤0,3|x-50|\leq 0{,}3∣x−50∣≤0,3 heißt „alle xxx mit Abstand höchstens 0,30{,}30,3 von 505050", also das geschlossene Intervall [49,7; 50,3][49{,}7;\,50{,}3][49,7;50,3] ().

Betragsungleichung als Intervall

Betragsungleichung |x − 50| ≤ 0,3Zahlenstrahl, Mitte, |x − 50| ≤ 0,349.549.75050.350.5, x − 50, ≤ 0,3Mitte
Abb. 5Die Bedingung ∣x−50∣≤0,3|x-50|\leq 0{,}3∣x−50∣≤0,3 beschreibt alle Werte mit Abstand höchstens 0,30{,}30,3 von 505050 - das geschlossene Intervall [49,7; 50,3][49{,}7;\ 50{,}3][49,7; 50,3].
Daraus ergeben sich die beiden Grundtypen: ∣x∣<a|x|<a∣x∣<a bedeutet −a<x<a-a<x<a−a<x<a (ein zusammenhängendes Intervall um null), ∣x∣>a|x|>a∣x∣>a dagegen x<−ax<-ax<−a oder x>ax>ax>a (zwei getrennte äußere Bereiche). Diese beiden Fälle nicht zu vertauschen, ist hier die häufigste Fehlerquelle.
Betragsungleichungen sind damit das natürliche Werkzeug für Toleranzangaben: Eine Soll-Größe mmm mit zulässiger Abweichung ttt ist genau die Bedingung ∣x−m∣≤t|x-m|\leq t∣x−m∣≤t. In der Matura verbindet der Operator „interpretieren" diese Lösungsmenge wieder mit dem Sachkontext - etwa dem zulässigen Maßbereich eines Werkstücks.
∣x∣<a⇔−a<x<a,∣x∣>a⇔x<−a  oder  x>a|x|<a\Leftrightarrow -a<x<a,\quad |x|>a\Leftrightarrow x<-a\;\text{oder}\;x>a∣x∣<a⇔−a<x<a,∣x∣>a⇔x<−aoderx>a

Betragsungleichungen

Musterbeispiel

Lineare Ungleichung mit Vorzeichenwechsel

Löse 3−2x≤113-2x\leq 113−2x≤11.

  1. 01Schritt 1 - Isolieren

    3−2x≤11⇒−2x≤83-2x\leq 11 \Rightarrow -2x\leq 83−2x≤11⇒−2x≤8.

  2. 02Schritt 2 - Durch -2 teilen

    Division durch −2-2−2 dreht das Zeichen um: x≥−4x\geq -4x≥−4.

  3. 03Schritt 3 - Lösungsmenge

    Lösungsmenge L=[−4; ∞)L=[-4;\,\infty)L=[−4;∞).

Ergebnis: Lösungsmenge L=[−4; ∞)L=[-4;\,\infty)L=[−4;∞).

Musterbeispiel

Toleranzgrenze als Betragsungleichung

Ein Werkstück darf vom Sollmass 50 mm50\,\mathrm{mm}50mm um höchstens 0,3 mm0{,}3\,\mathrm{mm}0,3mm abweichen. Bestimme den zulässigen Bereich.

  1. 01Schritt 1 - Modellieren

    Bedingung ∣x−50∣≤0,3|x-50|\leq 0{,}3∣x−50∣≤0,3.

  2. 02Schritt 2 - Auflösen

    −0,3≤x−50≤0,3-0{,}3\leq x-50\leq 0{,}3−0,3≤x−50≤0,3.

  3. 03Schritt 3 - Intervall

    49,7≤x≤50,349{,}7\leq x\leq 50{,}349,7≤x≤50,3.

Ergebnis: Zulässiger Bereich [49,7; 50,3] mm[49{,}7;\,50{,}3]\,\mathrm{mm}[49,7;50,3]mm.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank2 Punkte

Aufgabenstellung

Eine Maschine ist wirtschaftlich, wenn die Stückzahl xxx die Bedingung 5x−200≥05x-200\geq 05x−200≥0 erfüllt. Bestimme die Mindeststückzahl. (HAK)

Maturafokus

  • Operator "Lösen": Lösungsmenge als Intervall korrekt angeben, inklusive offener/geschlossener Grenzen.
  • Operator "Interpretieren": die Lösungsmenge im Sachkontext (z.B. zulässige Mengen) deuten.
  • Beim Umformen die Richtung des Ungleichheitszeichens kontrollieren.

Typische Fehler

  • Beim Multiplizieren mit einer negativen Zahl das Ungleichheitszeichen nicht umgedreht.
  • Betragsgleichung nur mit einer der beiden Lösungen beantwortet.
  • Bei ∣x∣>a|x|>a∣x∣>a fälschlich das Intervall −a<x<a-a<x<a−a<x<a angegeben statt der beiden äußeren Bereiche.

Aktive Wiederholung

Löse die Ungleichung 3−2x≤113-2x\leq 113−2x≤11 und gib die Lösungsmenge als Intervall an.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Formelsammlung SRDP Angewandte Mathematik (BHS) (BMBWF) · SRDP BHS - Aufgabenarchiv Angewandte Mathematik (IQS / BMBWF)

Inhalt

Abschnitt -- / 06

    • 01Lineare Gleichungen und Ungleichungen○
    • 02Quadratische Gleichungen◐
    • 03Exponential- und Logarithmusgleichungen◐
    • 04Lineare Gleichungssysteme◐
    • 05Termumformungen und Formeln umstellen○
    • 06Ungleichungen und Betragsgleichungen◐

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Aus den Notizen ins Training

B 2 - Algebra: Terme, Gleichungen und Logarithmen

Festige dieses Thema an passenden Aufgaben aus der Fragenbank.

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Beispielfrage

Eine lineare Funktion fff ist durch f(2)=7f(2)=7f(2)=7 und f(5)=16f(5)=16f(5)=16 gegeben. Bestimme den Funktionsterm. (Alle Cluster)

3 BE · 2023

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Belege & Quellen

Quellen

BMBWF

  • BMBWF BHS-Lehrplan Angewandte Mathematik (HTL)
  • Formelsammlung SRDP Angewandte Mathematik (BHS)

IQS / BMBWF

  • SRDP BHS - Aufgabenarchiv Angewandte Mathematik

IQS

  • IQS - Standardisierte Reife- und Diplomprüfung BHS

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