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Notizen/Angewandte Mathematik/B 8 - Wahrscheinlichkeit und Verteilungen
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B 8 - Wahrscheinlichkeit und Verteilungen

Laplace- und bedingte Wahrscheinlichkeit, Erwartungswert, Binomial- und Normalverteilung mit Bezug zu Qualitätskontrolle, Marketing und Versicherung.

6 Abschnitte·~15 Min Lesezeit·4 Kompetenzen·Niveau Basis 1 · Standard 5·Stand 06/2026

T·0888 / 13
Prüfungsprofil
B-8.1 · Wahrscheinlichkeitsbegriff und PfadregelnB-8.2 · Bedingte Wahrscheinlichkeit und BayesB-8.3 · BinomialverteilungB-8.4 · Normalverteilung als Näherung
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Lesetiefe: Vertiefung

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Inhalt · 6 Abschnitte▾
  1. B 8 - Wahrscheinlichkeit und Verteilungen
    • 01Wahrscheinlichkeitsbegriff und Pfadregeln○
    • 02Bedingte Wahrscheinlichkeit und Bayes◐
    • 03Binomialverteilung◐
    • 04Normalverteilung◐
    • 05Erwartungswert und Varianz diskreter Zufallsvariablen◐
    • 06Kombinatorik: Permutationen und Kombinationen◐
§ 01

Wahrscheinlichkeitsbegriff und Pfadregeln#

●○○BasisLPB-8.1

Kernpunkte

Die Wahrscheinlichkeitsrechnung quantifiziert den Zufall - von der Qualitätskontrolle über das Versicherungswesen bis zur Risikoabschätzung. Eine Wahrscheinlichkeit ist stets eine Zahl zwischen 000 (unmöglich) und 111 (sicher); der erste Schritt jeder Aufgabe ist die klare Definition von Ergebnisraum und interessierendem Ereignis.
Beim Laplace-Versuch sind alle Ergebnisse gleich wahrscheinlich, und es gilt P(A)=Anzahl gu¨nstiger Fa¨lleAnzahl aller Fa¨lleP(A)=\tfrac{\text{Anzahl günstiger Fälle}}{\text{Anzahl aller Fälle}}P(A)=Anzahl aller Fa¨lleAnzahl gu¨nstiger Fa¨lle​. Das setzt Symmetrie voraus (fairer Würfel, gut gemischte Karten) - bei verfälschten Versuchen ist diese Formel nicht anwendbar.
Das Gegenereignis ist oft der schnellste Weg: P(Ac)=1−P(A)P(A^{c})=1-P(A)P(Ac)=1−P(A). Gerade Aufgaben vom Typ „mindestens einmal" löst man elegant über das Gegenereignis „kein einziges Mal" - statt vieler Pfade nur einen zu berechnen.
Bei mehrstufigen Zufallsexperimenten ist das Baumdiagramm das Werkzeug der Wahl (). Es gelten zwei Pfadregeln: Entlang eines Pfades werden die Wahrscheinlichkeiten multipliziert (Produktregel), und über alle Pfade, die zum Ereignis gehören, werden sie addiert (Summenregel).

Baumdiagramm - zweistufiges Experiment

Zweistufiges ZufallsexperimentBaumdiagramm, 4 Pfade, Daten: A → A₁: 0.18; A → A₂: 0.02; B → B₁: 0.24; B → B₂: 0.560.90.10.30.70.20.8P = 0.18P = 0.02P = 0.24P = 0.56ABStartA₁A₂B₁B₂
Abb. 1Pfadwahrscheinlichkeiten multiplizieren, Pfade einer Bedingung addieren.
Zwei Ereignisse sind unabhängig, wenn P(A∩B)=P(A)⋅P(B)P(A\cap B)=P(A)\cdot P(B)P(A∩B)=P(A)⋅P(B) gilt - der Eintritt des einen ändert die Wahrscheinlichkeit des anderen nicht. Unabhängigkeit darf nicht unbegründet angenommen werden; beim Ziehen ohne Zurücklegen etwa sind die Stufen gerade nicht unabhängig.
Für die Vereinigung gilt allgemein P(A∪B)=P(A)+P(B)−P(A∩B)P(A\cup B)=P(A)+P(B)-P(A\cap B)P(A∪B)=P(A)+P(B)−P(A∩B); nur bei disjunkten (unvereinbaren) Ereignissen entfällt der Schnittterm und es bleibt P(A∪B)=P(A)+P(B)P(A\cup B)=P(A)+P(B)P(A∪B)=P(A)+P(B). Den Schnitt zu vergessen, zählt Überschneidungen doppelt - ein häufiger Fehler.
P(A)=∣A∣∣Ω∣,P(Ac)=1−P(A)P(A)=\dfrac{|A|}{|\Omega|},\quad P(A^{c})=1-P(A)P(A)=∣Ω∣∣A∣​,P(Ac)=1−P(A)

Laplace-Wahrscheinlichkeit und Gegenereignis

Musterbeispiel

Baumdiagramm und Pfadwahrscheinlichkeit

Aus einer Urne mit 3 roten und 5 blauen Kugeln wird zweimal ohne Zurücklegen gezogen. Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, beide rote Kugeln zu ziehen?

  1. 011. Ziehung

    P(rot1)=38P(\text{rot}_{1})=\tfrac{3}{8}P(rot1​)=83​.

  2. 022. Ziehung (bedingt)

    Nach rot zur 1: P(rot2∣rot1)=27P(\text{rot}_{2}\mid \text{rot}_{1})=\tfrac{2}{7}P(rot2​∣rot1​)=72​.

  3. 03Pfadwahrscheinlichkeit

    P(RR)=38⋅27=656=328≈0,107P(RR)=\tfrac{3}{8}\cdot \tfrac{2}{7}=\tfrac{6}{56}=\tfrac{3}{28}\approx 0{,}107P(RR)=83​⋅72​=566​=283​≈0,107.

Ergebnis: P(RR)≈0,107P(RR)\approx 0{,}107P(RR)≈0,107 bzw. ca. 10,7 %10{,}7\,\%10,7%.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Beginne mit klarer Definition des Ergebnisraums und des interessierenden Ereignisses.

  2. 2

    Bei mehrstufigen Experimenten ist ein Baumdiagramm das Werkzeug der Wahl.

    Baumdiagramm - zweistufiges Experiment

    Zweistufiges ZufallsexperimentBaumdiagramm, 4 Pfade, Daten: A → A₁: 0.18; A → A₂: 0.02; B → B₁: 0.24; B → B₂: 0.560.90.10.30.70.20.8P = 0.18P = 0.02P = 0.24P = 0.56ABStartA₁A₂B₁B₂
    Abb.Pfadwahrscheinlichkeiten multiplizieren, Pfade einer Bedingung addieren.
  3. 3

    Gegenereignis ist oft der schnellste Weg, besonders bei "mindestens einmal".

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank1 Punkte

Aufgabenstellung

In einer Urne befinden sich 6 weisse und 4 schwarze Kugeln. Es wird eine Kugel zufällig gezogen. Bestimme die Wahrscheinlichkeit, eine schwarze Kugel zu ziehen. (Alle Cluster)

Maturafokus

  • Typ-1: Pfadwahrscheinlichkeit aus Baumdiagramm.
  • Gegenwahrscheinlichkeit "mindestens einer" sehr beliebt.
  • In Anwendungen klare Definition des Ereignisses.

Typische Fehler

  • Pfade addiert, obwohl sie nicht alle Fälle eines Ereignisses abdecken.
  • Unabhängigkeit ohne Begründung angenommen.
  • Gegenereignis falsch formuliert.

Aktive Wiederholung

Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, beim sechsmaligen Würfeln mindestens eine 6 zu bekommen?

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Formelsammlung SRDP Angewandte Mathematik (BHS) (BMBWF) · SRDP BHS - Aufgabenarchiv Angewandte Mathematik (IQS / BMBWF)

§ 02

Bedingte Wahrscheinlichkeit und Bayes#

●●○StandardLPB-8.2

Kernpunkte

Häufig liegt bereits eine Information vor, die die Wahrscheinlichkeit verändert - „Das Bauteil ist defekt; aus welchem Werk stammt es?". Die bedingte Wahrscheinlichkeit P(A∣B)=P(A∩B)P(B)P(A\mid B)=\tfrac{P(A\cap B)}{P(B)}P(A∣B)=P(B)P(A∩B)​ beschreibt die Wahrscheinlichkeit von AAA unter der Voraussetzung, dass BBB eingetreten ist - der Ergebnisraum wird auf BBB eingeschränkt.
Aus der Definition folgt unmittelbar der Multiplikationssatz P(A∩B)=P(B)⋅P(A∣B)P(A\cap B)=P(B)\cdot P(A\mid B)P(A∩B)=P(B)⋅P(A∣B) - genau die Pfadregel im Baumdiagramm (): Die Wahrscheinlichkeit eines Pfades ist das Produkt der Wahrscheinlichkeiten entlang seiner Äste.

Baumdiagramm zum Satz von Bayes

Bayes-Baum: Werk und AusschussBaumdiagramm, 4 Pfade, Daten: A → defekt: 0.012; A → ok: 0.588; B → defekt: 0.02; B → ok: 0.380.02defekt0.98ok0.05defekt0.95ok0.6A0.4BP = 0.012P = 0.588P = 0.02P = 0.38Werk AWerk BBauteilA·DA·okB·DB·ok
Abb. 2Zweistufiges Baumdiagramm (Werk →\to→ Qualität): Entlang eines Pfades multiplizieren, über die Pfade „defekt" addieren - so entsteht die totale Wahrscheinlichkeit für Bayes.
Der Satz von der totalen Wahrscheinlichkeit P(A)=∑iP(A∣Bi)⋅P(Bi)P(A)=\sum_i P(A\mid B_i)\cdot P(B_i)P(A)=∑i​P(A∣Bi​)⋅P(Bi​) summiert über alle Wege, die zu AAA führen. Für die Ausschusswahrscheinlichkeit etwa addiert man die Pfade über alle Werke - alle Pfade, nicht nur einen, zu berücksichtigen, ist hier entscheidend.
Das Bayes-Theorem P(B∣A)=P(A∣B)⋅P(B)P(A)P(B\mid A)=\tfrac{P(A\mid B)\cdot P(B)}{P(A)}P(B∣A)=P(A)P(A∣B)⋅P(B)​ kehrt die Bedingung um: Es schließt von der Wirkung auf die Ursache - vom Symptom auf die Krankheit, vom Defekt auf das Werk. Der Nenner P(A)P(A)P(A) wird dabei über die totale Wahrscheinlichkeit berechnet.
Zentral ist, P(A∣B)P(A\mid B)P(A∣B) und P(B∣A)P(B\mid A)P(B∣A) nicht zu verwechseln - sie sind im Allgemeinen verschieden. „Test positiv, wenn krank" ist nicht dasselbe wie „krank, wenn Test positiv"; das Bayes-Theorem ist genau die Brücke zwischen beiden.
Das erklärt das berühmte, kontraintuitive Ergebnis medizinischer Tests: Selbst bei hoher Sensitivität kann der positive Vorhersagewert P(krank∣+)P(\text{krank}\mid +)P(krank∣+) klein sein, wenn die Prävalenz niedrig ist - bei 1 %1\,\%1% Kranken sind oft nur rund 20 %20\,\%20% der positiv Getesteten tatsächlich krank. Die Prävalenz darf nie ignoriert werden.
P(A∣B)=P(A∩B)P(B),P(A∩B)=P(A)⋅P(B∣A)P(A\mid B)=\dfrac{P(A\cap B)}{P(B)},\quad P(A\cap B)=P(A)\cdot P(B\mid A)P(A∣B)=P(B)P(A∩B)​,P(A∩B)=P(A)⋅P(B∣A)

Bedingte Wahrscheinlichkeit und Multiplikationssatz

P(B∣A)=P(A∣B)⋅P(B)P(A)P(B\mid A)=\dfrac{P(A\mid B)\cdot P(B)}{P(A)}P(B∣A)=P(A)P(A∣B)⋅P(B)​

Bayes-Theorem

Musterbeispiel

Bayes-Theorem für einen medizinischen Test

Prävalenz 1 %1\,\%1%, Sensitivität 95 %95\,\%95%, Spezifität 96 %96\,\%96%. Berechne P(K∣+)P(K\mid +)P(K∣+).

  1. 01Annahmen

    P(K)=0,01P(K)=0{,}01P(K)=0,01, P(+∣K)=0,95P(+\mid K)=0{,}95P(+∣K)=0,95, P(+∣Kc)=0,04P(+\mid K^{c})=0{,}04P(+∣Kc)=0,04.

  2. 02Gesamtwahrscheinlichkeit positiv

    P(+)=0,95⋅0,01+0,04⋅0,99=0,0095+0,0396=0,0491P(+)=0{,}95\cdot 0{,}01+0{,}04\cdot 0{,}99=0{,}0095+0{,}0396=0{,}0491P(+)=0,95⋅0,01+0,04⋅0,99=0,0095+0,0396=0,0491.

  3. 03Bayes

    P(K∣+)=0,95⋅0,010,0491≈0,194P(K\mid +)=\tfrac{0{,}95\cdot 0{,}01}{0{,}0491}\approx 0{,}194P(K∣+)=0,04910,95⋅0,01​≈0,194.

Ergebnis: Nur ca. 19,4 %19{,}4\,\%19,4% der positiv Getesteten sind tatsächlich krank.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Bedingte Wahrscheinlichkeit beschränkt das Universum auf das gegebene Ereignis.

  2. 2

    Bayes-Theorem kehrt die Bedingung um - wichtig, wenn man von Symptom auf Ursache schliesst.

  3. 3

    Achte auf die Prävalenz - sie verändert das Ergebnis dramatisch.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank4 Punkte

Aufgabenstellung

In einem Betrieb stammen 60 %60\,\%60% aller Bauteile aus Werk A und 40 %40\,\%40% aus Werk B. Werk A liefert 2 %2\,\%2% Ausschuss, Werk B liefert 5 %5\,\%5% Ausschuss. Ein zufällig gewähltes Bauteil ist defekt. Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass es aus Werk B stammt? (HTL)

Maturafokus

  • Typische Anwendung: medizinische Tests, Fehlerquellen in Produktionsprozessen.
  • Bayes oft mit Baumdiagramm visualisieren.
  • Prävalenz nicht ignorieren.

Typische Fehler

  • P(A∣B)P(A\mid B)P(A∣B) und P(B∣A)P(B\mid A)P(B∣A) verwechselt.
  • Prävalenz nicht berücksichtigt.
  • Bei totaler Wahrscheinlichkeit nur einzelne Pfade summiert.

Aktive Wiederholung

Ein Test erkennt eine Krankheit zu 95 %95\,\%95% richtig; bei Gesunden ist er zu 4 %4\,\%4% fälschlich positiv. 1 %1\,\%1% der Bevölkerung ist krank. Wie hoch ist P(krank∣positiv)P(\text{krank}\mid \text{positiv})P(krank∣positiv)?

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Formelsammlung SRDP Angewandte Mathematik (BHS) (BMBWF) · SRDP BHS - Aufgabenarchiv Angewandte Mathematik (IQS / BMBWF)

§ 03

Binomialverteilung#

●●○StandardLPB-8.3

Kernpunkte

Die Binomialverteilung ist das Standardmodell für „Zählen von Erfolgen in einer festen Anzahl von Versuchen" - defekte Stücke in einer Stichprobe, Treffer in einer Serie, Zusagen unter Angefragten. Grundlage ist die Bernoulli-Kette: nnn unabhängige Versuche mit jeweils derselben Erfolgswahrscheinlichkeit ppp.
Die Anzahl der Erfolge XXX ist dann binomialverteilt, X∼B(n; p)X\sim B(n;\,p)X∼B(n;p), mit P(X=k)=(nk) pk (1−p)n−kP(X=k)=\binom{n}{k}\,p^{k}\,(1-p)^{n-k}P(X=k)=(kn​)pk(1−p)n−k. Anschaulich zählt (nk)\binom{n}{k}(kn​) die möglichen Positionen der kkk Erfolge, pkp^{k}pk ihre Wahrscheinlichkeit und (1−p)n−k(1-p)^{n-k}(1−p)n−k die der Misserfolge - den Faktor (nk)\binom{n}{k}(kn​) zu vergessen, ist der häufigste Fehler.
Lage und Streuung folgen einfachen Formeln: Erwartungswert E(X)=n pE(X)=n\,pE(X)=np, Varianz V(X)=n p (1−p)V(X)=n\,p\,(1-p)V(X)=np(1−p) und Standardabweichung σ=n p (1−p)\sigma=\sqrt{n\,p\,(1-p)}σ=np(1−p)​. Der Erwartungswert dient als schnelle Plausibilitätsschätzung - bei 303030 Teilen mit 5 %5\,\%5% Ausschuss erwartet man etwa 1,51{,}51,5 defekte.
Die Histogrammform hängt von ppp ab: Für p=0,5p=0{,}5p=0,5 ist die Verteilung symmetrisch, für kleine ppp rechtsschief mit dem Gipfel nahe E(X)E(X)E(X) (). Mit wachsendem nnn wird sie zunehmend glockenförmig.

Binomialverteilung B(15; 0,3)

Binomialverteilung B(15; 0,3)Säulendiagramm: P(X = k) nach k, Daten: P(X = k) · 0: 0.005; P(X = k) · 1: 0.03; P(X = k) · 2: 0.092; P(X = k) · 3: 0.17; P(X = k) · 4: 0.219; P(X = k) · 5: 0.206; P(X = k) · 6: 0.147; P(X = k) · 7: 0.081; P(X = k) · 8: 0.035; P(X = k) · 9: 0.012; P(X = k) · 10: 0.003; P(X = k) · 11: 0.001; P(X = k) · 12: 0; P(X = k) · 13: 0; P(X = k) · 14: 0; P(X = k) · 15: 000.050.10.150.20123456789101112131415P(X = k)k
Abb. 3Wahrscheinlichkeiten P(X=k)P(X=k)P(X=k) für k=0,…,15k=0,\dots,15k=0,…,15 - Maximum nahe E(X)=4,5E(X)=4{,}5E(X)=4,5.
Bei „höchstens/mindestens"-Aufgaben braucht man kumulative Wahrscheinlichkeiten P(X≤k)P(X\leq k)P(X≤k), die man am CAS oder aus Tabellen abliest. Diese drei Fälle - genau kkk, höchstens kkk, mindestens kkk - sauber zu unterscheiden, ist prüfungsentscheidend; „mindestens 1" löst man oft über das Gegenereignis.
Vor der Anwendung sind stets die Voraussetzungen zu prüfen: feste Versuchszahl nnn, Unabhängigkeit und konstantes ppp. Sind sie erfüllt und ist nnn groß bei ppp nahe 0,50{,}50,5, lässt sich die Binomialverteilung durch die Normalverteilung annähern (siehe nächster Abschnitt).
P(X=k)=(nk) pk(1−p)n−k,X∼B(n,p)P(X=k)=\binom{n}{k}\,p^{k}(1-p)^{n-k},\quad X\sim B(n,p)P(X=k)=(kn​)pk(1−p)n−k,X∼B(n,p)

Binomialverteilung

E(X)=n p,V(X)=n p (1−p)E(X)=n\,p,\quad V(X)=n\,p\,(1-p)E(X)=np,V(X)=np(1−p)

Erwartungswert und Varianz der Binomialverteilung

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Musterbeispiel

Binomialverteilung - Qualitätskontrolle

In der Produktion sind 4 %4\,\%4% der Teile defekt. In einer Stichprobe von 25 Teilen - wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, dass genau 222 defekt sind?

  1. 01Verteilung

    X∼B(25;0,04)X\sim B(25; 0{,}04)X∼B(25;0,04).

  2. 02Wahrscheinlichkeit

    P(X=2)=(252)⋅0,042⋅0,9623≈300⋅0,0016⋅0,3911≈0,188P(X=2)=\binom{25}{2}\cdot 0{,}04^{2}\cdot 0{,}96^{23}\approx 300\cdot 0{,}0016\cdot 0{,}3911\approx 0{,}188P(X=2)=(225​)⋅0,042⋅0,9623≈300⋅0,0016⋅0,3911≈0,188.

Ergebnis: P(X=2)≈0,188P(X=2)\approx 0{,}188P(X=2)≈0,188 bzw. 18,8 %18{,}8\,\%18,8%.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Prüfe zuerst, ob die Voraussetzungen der Binomialverteilung (Unabhängigkeit, konstantes ppp) erfüllt sind.

  2. 2

    Verwende den CAS-Rechner für kumulative Wahrscheinlichkeiten.

  3. 3

    Erwartungswert und Standardabweichung helfen bei der Plausibilitätsprüfung.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank3 Punkte

Aufgabenstellung

Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit, bei zehnmaligem Werfen einer fairen Münze genau 7 mal Kopf zu erhalten? Gib die Verteilung an. (Alle Cluster)

Maturafokus

  • Typ-2 Qualitätskontrolle, Marketing, Versicherung.
  • Höchstens/mindestens/genau kkk Erfolge sauber unterscheiden.
  • Erwartungswert als grobe Plausibilitätsschätzung verwenden.

Typische Fehler

  • Faktor (nk)\binom{n}{k}(kn​) vergessen.
  • Höchstens und mindestens vertauscht.
  • Bedingungen "unabhängig" und "konstantes p" nicht geprüft.

Aktive Wiederholung

In einer Stichprobe von 30 Bauteilen sind erfahrungsgemäß 5 %5\,\%5% defekt. Wie gross ist die Wahrscheinlichkeit für höchstens 2 defekte Teile?

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Formelsammlung SRDP Angewandte Mathematik (BHS) (BMBWF) · SRDP BHS - Aufgabenarchiv Angewandte Mathematik (IQS / BMBWF)

§ 04

Normalverteilung#

●●○StandardLPB-8.4

Kernpunkte

Die Normalverteilung ist die wichtigste stetige Verteilung: Sie beschreibt viele natürliche Streuungen - Füllmengen, Werkstückmaße, Messfehler -, bei denen sich viele kleine zufällige Einflüsse überlagern. Ihr Graph ist die symmetrische Glockenkurve (, ).

Normalverteilung - 68-95-99,7-Regel

Normalverteilung - 68-95-99,7-RegelSchaubild von φ(x), Hochpunkt bei (0, 0.399), y-Achsenabschnitt bei y = 0.399, im Bereich x von -4 bis 4−4−3−2−112340.10.20.30.4μμ − σμ + σμ − 2σμ + 2σμμ − σμ + σμ − 2σμ + 2σφ(x)φ(x)x
Abb. 4Anteile innerhalb 1, 2 und 3 Standardabweichungen um den Mittelwert.

Normalverteilung N(500, 4²)

Normalverteilung N(500; 4²)Schaubild von φ(x), Hochpunkt bei (500, 0.1), im Bereich x von 488 bis 5124904955005055100.020.040.060.080.1μ = 500μ − σμ + σφ(x)φ(x)X (mL)
Abb. 5Symmetrisch um μ=500\mu=500μ=500 mit σ=4\sigma=4σ=4.
Eine Normalverteilung X∼N(μ; σ2)X\sim N(\mu;\,\sigma^{2})X∼N(μ;σ2) ist vollständig durch zwei Parameter festgelegt: den Erwartungswert μ\muμ (Lage des Gipfels, Symmetrieachse) und die Standardabweichung σ\sigmaσ (Breite der Glocke). Achtung: N(μ;σ2)N(\mu;\sigma^{2})N(μ;σ2) wird mit der Varianz σ2\sigma^{2}σ2 notiert, gerechnet wird aber mit σ\sigmaσ.
Die Standardisierung Z=X−μσZ=\tfrac{X-\mu}{\sigma}Z=σX−μ​ überführt jede Normalverteilung in die Standardnormalverteilung Z∼N(0; 1)Z\sim N(0;\,1)Z∼N(0;1). Der zzz-Wert misst, wie viele Standardabweichungen ein Wert vom Mittelwert entfernt ist - hier durch σ\sigmaσ (nicht σ2\sigma^{2}σ2!) zu dividieren, ist die zentrale Fehlerquelle.
Die 68-95-99,7-Regel gibt die wichtigsten Anteile direkt: rund 68 %68\,\%68% der Werte liegen in [μ−σ; μ+σ][\mu-\sigma;\,\mu+\sigma][μ−σ;μ+σ], etwa 95 %95\,\%95% in [μ−2σ; μ+2σ][\mu-2\sigma;\,\mu+2\sigma][μ−2σ;μ+2σ] und 99,7 %99{,}7\,\%99,7% in [μ−3σ; μ+3σ][\mu-3\sigma;\,\mu+3\sigma][μ−3σ;μ+3σ]. Diese Faustregel löst viele Toleranz- und Qualitätsfragen ohne Tabelle.
Für beliebige Bereiche liefern Tabelle oder CAS die kumulative Wahrscheinlichkeit Φ(z)=P(Z≤z)\Phi(z)=P(Z\leq z)Φ(z)=P(Z≤z); umgekehrt bestimmt man aus einer vorgegebenen Wahrscheinlichkeit das zugehörige Quantil. Da die Verteilung stetig ist, gilt P(X≤x)=P(X<x)P(X\leq x)=P(X<x)P(X≤x)=P(X<x) - der einzelne Punkt hat Wahrscheinlichkeit null.
Schließlich verbindet die Näherung beide Welten: Eine Binomialverteilung lässt sich für n p≥5n\,p\geq 5np≥5 und n(1−p)≥5n(1-p)\geq 5n(1−p)≥5 gut durch eine Normalverteilung mit μ=np\mu=npμ=np und σ=np(1−p)\sigma=\sqrt{np(1-p)}σ=np(1−p)​ annähern - praktisch bei großen Stichproben, wo die Binomialrechnung aufwändig würde.
Z=X−μσ,X∼N(μ,σ2)Z=\dfrac{X-\mu}{\sigma},\quad X\sim N(\mu,\sigma^{2})Z=σX−μ​,X∼N(μ,σ2)

Standardisierung

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Musterbeispiel

Anteile mit der 68-95-99,7-Regel

Werkstückhöhe X∼N(50;0,52)X\sim N(50; 0{,}5^{2})X∼N(50;0,52) mm. Anteil zwischen 494949 und 515151 mm?

  1. 01Standardisieren

    z1=49−500,5=−2z_{1}=\tfrac{49-50}{0{,}5}=-2z1​=0,549−50​=−2, z2=2z_{2}=2z2​=2.

  2. 02Regel

    P(−2<Z<2)≈0,9545P(-2<Z<2)\approx 0{,}9545P(−2<Z<2)≈0,9545.

Ergebnis: Etwa 95,45 %95{,}45\,\%95,45% liegen im Bereich [49, 51][49,\,51][49,51].

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Standardisiere zuerst, dann nutze Tabelle oder CAS.

    Normalverteilung - 68-95-99,7-Regel

    Normalverteilung - 68-95-99,7-RegelSchaubild von φ(x), Hochpunkt bei (0, 0.399), y-Achsenabschnitt bei y = 0.399, im Bereich x von -4 bis 4−4−3−2−112340.10.20.30.4μμ − σμ + σμ − 2σμ + 2σμμ − σμ + σμ − 2σμ + 2σφ(x)φ(x)x
    Abb.Anteile innerhalb 1, 2 und 3 Standardabweichungen um den Mittelwert.
  2. 2

    Die 68-95-99,7-Regel deckt die Standardfaelle ab.

  3. 3

    Achte auf "unter" vs. "über" und auf Intervalle.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank3 Punkte

Aufgabenstellung

Die Füllmenge einer Limonadenflasche ist normalverteilt mit μ=500 mL\mu=500\,\mathrm{mL}μ=500mL und σ=2 mL\sigma=2\,\mathrm{mL}σ=2mL. Berechne die Wahrscheinlichkeit, dass eine Flasche weniger als 498 mL498\,\mathrm{mL}498mL enthält. (HUM)

Maturafokus

  • Typ-1: Standardisierung, Berechnung von P(X<x)P(X<x)P(X<x).
  • Typ-2: Qualitätskontrolle, Toleranzbereiche, Sigma-Regeln.
  • In HTL-Aufgaben oft Werkstücke mit Normalverteilung.

Typische Fehler

  • Varianz σ2\sigma^{2}σ2 und Standardabweichung σ\sigmaσ vertauscht (in der Standardisierung wird durch σ\sigmaσ, nicht durch σ2\sigma^{2}σ2, dividiert).
  • P(X≤x)P(X\leq x)P(X≤x) und P(X<x)P(X<x)P(X<x) als unterschiedlich behandelt (kontinuierliche Verteilung).
  • Tabellenwert für Φ(z)\Phi(z)Φ(z) falsch interpretiert.

Aktive Wiederholung

Eine Maschine füllt Flaschen mit μ=500 mL\mu=500\,\mathrm{mL}μ=500mL und σ=4 mL\sigma=4\,\mathrm{mL}σ=4mL. Bestimme P(495<X<505)P(495<X<505)P(495<X<505).

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

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§ 05

Erwartungswert und Varianz diskreter Zufallsvariablen#

●●○StandardLPB-8.3

Kernpunkte

Eine diskrete Zufallsvariable ordnet jedem Ausgang einen Zahlenwert zu (Gewinn, Auszahlung, Schadenshöhe). Erwartungswert und Varianz fassen ihre Wahrscheinlichkeitsverteilung in zwei Kennzahlen zusammen - das durchschnittliche Ergebnis und seine Schwankung ().

Wahrscheinlichkeitsverteilung einer Zufallsvariablen

Wahrscheinlichkeitsverteilung einer ZufallsvariablenSäulendiagramm: P(X), Daten: P(X) · X = 0: 0.5; P(X) · X = 5: 0.3; P(X) · X = 10: 0.200.10.20.30.40.5X = 0X = 5X = 100.50.30.2P(X)
Abb. 6Verteilung mit P(X=0)=0,5P(X{=}0)=0{,}5P(X=0)=0,5, P(X=5)=0,3P(X{=}5)=0{,}3P(X=5)=0,3, P(X=10)=0,2P(X{=}10)=0{,}2P(X=10)=0,2; der Erwartungswert E(X)=3,5E(X)=3{,}5E(X)=3,5 ist der wahrscheinlichkeitsgewichtete Schwerpunkt.
Der Erwartungswert E(X)=∑xi piE(X)=\sum x_i\,p_iE(X)=∑xi​pi​ ist der mit den Wahrscheinlichkeiten gewichtete Mittelwert - der „langfristige Durchschnitt" bei sehr vielen Wiederholungen. Er ist kein konkreter Einzelwert: Ein E(X)=3,5E(X)=3{,}5E(X)=3,5 kann durchaus ein Wert sein, der nie eintritt, und ist nicht mit dem wahrscheinlichsten Wert zu verwechseln.
Die Varianz V(X)=∑(xi−μ)2 piV(X)=\sum (x_i-\mu)^{2}\,p_iV(X)=∑(xi​−μ)2pi​ misst die mittlere quadratische Abweichung vom Erwartungswert, die Standardabweichung σ=V(X)\sigma=\sqrt{V(X)}σ=V(X)​ bringt die Streuung zurück in die Einheit der Daten. Varianz und Standardabweichung sind sauber zu trennen - gefragt ist meist σ\sigmaσ.
Lineare Transformationen folgen festen Regeln: E(aX+b)=a E(X)+bE(aX+b)=a\,E(X)+bE(aX+b)=aE(X)+b und V(aX+b)=a2 V(X)V(aX+b)=a^{2}\,V(X)V(aX+b)=a2V(X). Eine additive Konstante verschiebt den Erwartungswert, lässt die Streuung aber unberührt; ein Faktor aaa wirkt auf die Varianz quadratisch.
Im Glücksspiel ist der Erwartungswert das Fairnesskriterium: Bei einem fairen Spiel ist E(X)=0E(X)=0E(X)=0 (Einsatz und erwartete Auszahlung heben sich auf), bei E(X)<0E(X)<0E(X)<0 verliert man im Mittel. Voraussetzung jeder Rechnung ist, dass die Wahrscheinlichkeiten zu 111 summieren.
In der Versicherungsmathematik bestimmt der Erwartungswert die faire Prämie: Sie entspricht der erwarteten Schadenshöhe zuzüglich eines Sicherheits- und Kostenzuschlags. In der Matura ist das Ergebnis stets mit „im Mittel" zu deuten - nie als sicheres Einzelergebnis.
E(X)=∑xi pi,V(X)=∑(xi−E(X))2 piE(X)=\sum x_{i}\,p_{i},\quad V(X)=\sum (x_{i}-E(X))^{2}\,p_{i}E(X)=∑xi​pi​,V(X)=∑(xi​−E(X))2pi​

Erwartungswert und Varianz

Musterbeispiel

Erwartungswert eines Würfelspiels

Spielregel: bei "6" gewinnst du 10 Euro10\,\mathrm{Euro}10Euro, sonst verlierst du 2 Euro2\,\mathrm{Euro}2Euro.

  1. 01Wahrscheinlichkeiten

    P(X=10)=16P(X=10)=\tfrac{1}{6}P(X=10)=61​, P(X=−2)=56P(X=-2)=\tfrac{5}{6}P(X=−2)=65​.

  2. 02Erwartungswert

    E(X)=16⋅10+56⋅(−2)=10−106=0E(X)=\tfrac{1}{6}\cdot 10+\tfrac{5}{6}\cdot(-2)=\tfrac{10-10}{6}=0E(X)=61​⋅10+65​⋅(−2)=610−10​=0.

  3. 03Interpretation

    Faires Spiel - im Mittel weder Gewinn noch Verlust.

Ergebnis: E(X)=0E(X)=0E(X)=0, also faires Spiel.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Erwartungswert ist das langfristige Mittel, kein konkreter Wert eines Versuchs.

  2. 2

    Varianz misst die Streuung um den Erwartungswert.

  3. 3

    Versicherungsprämie = Erwartungswert plus Sicherheitszuschlag.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank3 Punkte

Aufgabenstellung

Eine Zufallsvariable XXX kann die Werte 0,5,100, 5, 100,5,10 mit Wahrscheinlichkeiten 0,5,  0,3,  0,20{,}5,\;0{,}3,\;0{,}20,5,0,3,0,2 annehmen. Bestimme E(X)E(X)E(X) und σ(X)\sigma(X)σ(X). (Alle Cluster)

Maturafokus

  • Klassische Anwendung: Glücksspiele, Versicherungen.
  • Wahrscheinlichkeitsverteilung sauber notieren, dann EEE und VVV berechnen.
  • Interpretation: "Im Mittel..." statt "Sicher...".

Typische Fehler

  • Wahrscheinlichkeiten summieren nicht zu 1.
  • Varianz mit Standardabweichung verwechselt.
  • Erwartungswert mit wahrscheinlichstem Wert verwechselt.

Aktive Wiederholung

Bei einem Spiel wird ein Würfel geworfen. Bei einer "6" gewinnt man 10 Euro10\,\mathrm{Euro}10Euro, sonst verliert man 2 Euro2\,\mathrm{Euro}2Euro. Lohnt sich das Spiel im Mittel?

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§ 06

Kombinatorik: Permutationen und Kombinationen#

●●○StandardLPB-8.1

Kernpunkte

Die Kombinatorik beantwortet die Frage „auf wie viele Arten?" und liefert damit die Anzahl der Fälle für Laplace-Wahrscheinlichkeiten - Codes, Sitzordnungen, Auswahlen, Lottozahlen. Das Baumdiagramm macht das schrittweise Zählen anschaulich ().

Baumdiagramm - zweistufiges Experiment

Zweistufiges ZufallsexperimentBaumdiagramm, 4 Pfade, Daten: A → A₁: 0.18; A → A₂: 0.02; B → B₁: 0.24; B → B₂: 0.560.90.10.30.70.20.8P = 0.18P = 0.02P = 0.24P = 0.56ABStartA₁A₂B₁B₂
Abb. 7Pfadwahrscheinlichkeiten multiplizieren, Pfade einer Bedingung addieren.
Das Fundament ist das Zählprinzip (Produktregel): Zerfällt eine Auswahl in kkk unabhängige Stufen mit je nin_ini​ Möglichkeiten, gibt es insgesamt n1⋅n2⋯nkn_1\cdot n_2\cdots n_kn1​⋅n2​⋯nk​ Fälle. Daraus leiten sich alle weiteren Formeln ab.
Permutationen ordnen alle nnn Elemente an - dafür gibt es n!n!n! Anordnungen (für die erste Position nnn Wahlmöglichkeiten, dann n−1n-1n−1 usw.). Sie beantworten „auf wie viele Arten lassen sich nnn Dinge in eine Reihenfolge bringen?".
Variationen sind geordnete Auswahlen ohne Zurücklegen von kkk aus nnn: Vkn=n!(n−k)!V_k^n=\tfrac{n!}{(n-k)!}Vkn​=(n−k)!n!​. Hier zählt die Reihenfolge - ein vierstelliger Code aus verschiedenen Ziffern oder eine Rangfolge der ersten drei Plätze.
Kombinationen sind ungeordnete Auswahlen ohne Zurücklegen: (nk)=n!k! (n−k)!\binom{n}{k}=\tfrac{n!}{k!\,(n-k)!}(kn​)=k!(n−k)!n!​. Hier zählt die Reihenfolge nicht - ein Dreierteam, eine Lottoziehung. Der Faktor k!k!k! im Nenner teilt genau die gleichwertigen Anordnungen heraus.
Die Wahl der richtigen Formel hängt an zwei Fragen: Spielt die Reihenfolge eine Rolle (Variation/Permutation) oder nicht (Kombination), und wird mit oder ohne Zurücklegen gezogen? Diese beiden Kriterien zu verwechseln, ist der häufigste Fehler. Der Binomialkoeffizient (nk)\binom{n}{k}(kn​) taucht hier nicht zufällig wieder auf - er ist derselbe Faktor wie in der Binomialverteilung.
P(n)=n!,Vkn=n!(n−k)!,(nk)=n!k! (n−k)!P(n)=n!,\quad V_{k}^{n}=\dfrac{n!}{(n-k)!},\quad \binom{n}{k}=\dfrac{n!}{k!\,(n-k)!}P(n)=n!,Vkn​=(n−k)!n!​,(kn​)=k!(n−k)!n!​

Permutationen, Variationen, Kombinationen

Musterbeispiel

Ungeordnete Auswahl (Kombination)

Auf wie viele Arten lassen sich 3 aus 10 Kandidaten ohne Berücksichtigung der Reihenfolge auswählen?

  1. 01Schritt 1 - Modell

    Ungeordnete Auswahl ohne Zurücklegen: Kombination (103)\binom{10}{3}(310​).

  2. 02Schritt 2 - Einsetzen

    (103)=10!3! 7!=10⋅9⋅83⋅2⋅1\binom{10}{3}=\tfrac{10!}{3!\,7!}=\tfrac{10\cdot 9\cdot 8}{3\cdot 2\cdot 1}(310​)=3!7!10!​=3⋅2⋅110⋅9⋅8​.

  3. 03Schritt 3 - Auswerten

    =7206=120=\tfrac{720}{6}=120=6720​=120 mögliche Dreierteams.

Ergebnis: Es gibt (103)=120\binom{10}{3}=120(310​)=120 mögliche Auswahlen.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank2 Punkte

Aufgabenstellung

Ein Code besteht aus 4 verschiedenen Ziffern aus den Ziffern 0 bis 9, wobei die Reihenfolge zählt. Berechne die Anzahl möglicher Codes. (HTL)

Maturafokus

  • Operator "Bestimmen": die richtige Abzählformel anhand der Kriterien Reihenfolge und Wiederholung wählen.
  • Operator "Berechnen": Anzahl der Möglichkeiten über Fakultät bzw. Binomialkoeffizient ermitteln.
  • Geordnet vs. ungeordnet und mit vs. ohne Zurücklegen sauber unterscheiden.

Typische Fehler

  • Variationen und Kombinationen verwechselt (Reihenfolge fälschlich berücksichtigt oder ignoriert).
  • Mit Zurücklegen statt ohne Zurücklegen (oder umgekehrt) gerechnet.
  • Beim Binomialkoeffizienten den Nenner k! (n−k)!k!\,(n-k)!k!(n−k)! unvollständig gebildet.

Aktive Wiederholung

Berechne, auf wie viele Arten ein Vorstand aus 3 Personen aus 10 Kandidaten gewählt werden kann, wenn die Reihenfolge keine Rolle spielt.

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Quellen: Formelsammlung SRDP Angewandte Mathematik (BHS) (BMBWF) · SRDP BHS - Aufgabenarchiv Angewandte Mathematik (IQS / BMBWF)

Inhalt

Abschnitt -- / 06

    • 01Wahrscheinlichkeitsbegriff und Pfadregeln○
    • 02Bedingte Wahrscheinlichkeit und Bayes◐
    • 03Binomialverteilung◐
    • 04Normalverteilung◐
    • 05Erwartungswert und Varianz diskreter Zufallsvariablen◐
    • 06Kombinatorik: Permutationen und Kombinationen◐

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B 8 - Wahrscheinlichkeit und Verteilungen

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Beispielfrage

In einer Urne befinden sich 6 weisse und 4 schwarze Kugeln. Es wird eine Kugel zufällig gezogen. Bestimme die Wahrscheinlichkeit, eine schwarze Kugel zu ziehen. (Alle Cluster)

1 BE · 2022

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