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Notizen/Angewandte Mathematik/B 12 - Modellierung und lineare Optimierung
Notizen · Angewandte MathematikAT · Matura

B 12 - Modellierung und lineare Optimierung

Wahl geeigneter Modelle für berufliche Situationen, lineares und beschränktes Wachstum, lineare Optimierung mit grafischer Lösung.

6 Abschnitte·~16 Min Lesezeit·4 Kompetenzen·Niveau Standard 4 · Vertiefung 2·Stand 06/2026

T·121212 / 13
Prüfungsprofil
B-12.1 · Wachstums- und Zerfallsmodelle wählen und anwendenB-12.2 · Logistisches und beschränktes Wachstum verstehenB-12.3 · Lineare Optimierung mit grafischer LösungB-12.4 · Differentialgleichungen einfacher Art (HTL-Cluster)
Tiefe

Lesetiefe: Vertiefung

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Inhalt · 6 Abschnitte▾
  1. B 12 - Modellierung und lineare Optimierung
    • 01Wachstums- und Zerfallsmodelle◐
    • 02Lineare Optimierung (grafisches Verfahren)◐
    • 03Einfache Differentialgleichungen (HTL)●
    • 04Modellparameter aus Datenpunkten bestimmen◐
    • 05Halbwertszeit und Verdopplungszeit◐
    • 06Modellbewertung und Grenzen der Extrapolation●
§ 01

Wachstums- und Zerfallsmodelle#

●●○StandardLPB-12.1

Kernpunkte

Die Modellierung ist der Kern der angewandten Mathematik: Ein realer Vorgang wird durch eine Funktion beschrieben, mit ihr berechnet und prognostiziert. Bei Wachstums- und Zerfallsprozessen stehen vier Grundmodelle zur Wahl, deren richtige Auswahl der erste und wichtigste Schritt ist.
Lineares Wachstum N(t)=N0+a⋅tN(t)=N_0+a\cdot tN(t)=N0​+a⋅t addiert in gleichen Zeiten denselben Betrag aaa (konstanter Zuwachs); sein Graph ist eine Gerade. Es passt, wenn die Daten gleiche Differenzen aufweisen - etwa eine feste Sparrate ohne Verzinsung.
Exponentielles Wachstum N(t)=N0⋅qtN(t)=N_0\cdot q^{t}N(t)=N0​⋅qt multipliziert in gleichen Zeiten mit demselben Faktor qqq (konstante Quotienten, ). Es beschreibt Zinsen, Populationen und Zerfall - kennt aber keine Obergrenze und wächst daher langfristig unrealistisch stark.

Exponentielles Wachstum vs. Zerfall

Exponentielles Wachstum vs. ZerfallSchaubild von N(t) = N₀·a^t, a > 1, y-Achsenabschnitt bei y = 1, steigend, im Bereich x von 0 bis 8, Schaubild von a < 1 (Zerfall), y-Achsenabschnitt bei y = 1, fallend, im Bereich x von 0 bis 8, waagerechte Asymptote bei y = 012345678510152025N₀N → 0N(t) = N₀·at, a> 1a < 1 (Zerfall)Nt
Abb. 1Wachstumsfaktor a>1a > 1a>1 liefert J-Kurve, a<1a < 1a<1 asymptotischen Zerfall.
Beschränktes Wachstum N(t)=K−(K−N0) e−ktN(t)=K-(K-N_0)\,\mathrm{e}^{-kt}N(t)=K−(K−N0​)e−kt nähert sich einer Sättigungsgrenze KKK von unten und wächst dabei stetig langsamer - typisch für Abkühlung oder das Befüllen eines Behälters. Es hat keinen Wendepunkt.
Logistisches Wachstum verbindet beide Welten zur S-Kurve: anfangs nahezu exponentiell, dann mit einem Wendepunkt bei halber Kapazität abflachend gegen die Grenze KKK (). Es ist das realistischste Modell für begrenzte Ressourcen und der Hauptunterschied zum beschränkten Wachstum (das keine S-Form hat).

Logistisches Wachstum gegen Kapazität K=1000

Logistisches Wachstum gegen Kapazität K = 1000Schaubild von N(t), y-Achsenabschnitt bei y = 50, steigend, im Bereich x von 0 bis 20, waagerechte Asymptote bei y = 100051015202004006008001000K = 1000N(t)N(t)t (Zeiteinheiten)
Abb. 2S-foermige Kurve - exponentiell am Anfang, gesättigt am Ende.
Die Modellwahl prüft man am Datenmuster: gleiche Differenzen deuten auf linear, gleiche Quotienten auf exponentiell, eine erkennbare Sättigung auf beschränktes oder logistisches Wachstum. Häufige Fehler sind, ein Exponentialmodell über realistische Grenzen zu extrapolieren oder den Wachstumsfaktor qqq mit der Wachstumsrate p=q−1p=q-1p=q−1 zu verwechseln.
N(t)=N0⋅ekt  oder  N(t)=N0⋅qtN(t)=N_{0}\cdot \mathrm{e}^{kt}\;\text{oder}\;N(t)=N_{0}\cdot q^{t}N(t)=N0​⋅ektoderN(t)=N0​⋅qt

Exponentielles Wachstum / Zerfall

N(t)=K−(K−N0)e−ktN(t)=K-(K-N_{0})\mathrm{e}^{-kt}N(t)=K−(K−N0​)e−kt

Beschränktes Wachstum (Sattigung)

N(t)=K1+(K−N0N0)e−ktN(t)=\dfrac{K}{1+\left(\tfrac{K-N_{0}}{N_{0}}\right)\mathrm{e}^{-kt}}N(t)=1+(N0​K−N0​​)e−ktK​

Logistisches Wachstum mit Kapazität K

Interaktive Grafik lädt…

Musterbeispiel

Logistisches Wachstum modellieren

Eine Tierpopulation wird durch N(t)=8001+15e−0,3tN(t)=\tfrac{800}{1+15\mathrm{e}^{-0{,}3t}}N(t)=1+15e−0,3t800​ beschrieben. Bestimme Anfangs- und Sättigungswert sowie den Wendepunkt.

  1. 01Anfangswert

    N(0)=8001+15=80016=50N(0)=\tfrac{800}{1+15}=\tfrac{800}{16}=50N(0)=1+15800​=16800​=50.

  2. 02Sättigung

    lim⁡t→∞N(t)=800\lim_{t\to\infty}N(t)=800limt→∞​N(t)=800.

  3. 03Wendepunkt

    Beim logistischen Modell ist Wendepunkt bei halber Kapazität: N=400N=400N=400. Aus 400=8001+15e−0,3t400=\tfrac{800}{1+15\mathrm{e}^{-0{,}3t}}400=1+15e−0,3t800​ folgt 1+15e−0,3t=21+15\mathrm{e}^{-0{,}3t}=21+15e−0,3t=2, also e−0,3t=115\mathrm{e}^{-0{,}3t}=\tfrac{1}{15}e−0,3t=151​, t=ln⁡150,3≈9,03t=\tfrac{\ln 15}{0{,}3}\approx 9{,}03t=0,3ln15​≈9,03.

Ergebnis: Anfangswert 50, Sättigung 800, Wendepunkt (9,03 ∣ 400)(9{,}03\,|\,400)(9,03∣400).

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Prüfe zuerst Datenmuster: gleiche Differenzen oder gleiche Quotienten?

  2. 2

    Bei Sättigung kommt beschränktes oder logistisches Modell in Frage.

    Logistisches Wachstum gegen Kapazität K=1000

    Logistisches Wachstum gegen Kapazität K = 1000Schaubild von N(t), y-Achsenabschnitt bei y = 50, steigend, im Bereich x von 0 bis 20, waagerechte Asymptote bei y = 100051015202004006008001000K = 1000N(t)N(t)t (Zeiteinheiten)
    Abb.S-foermige Kurve - exponentiell am Anfang, gesättigt am Ende.
  3. 3

    Extrapoliere nur über sinnvolle Zeiträume.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank3 Punkte

Aufgabenstellung

Eine Stadt wächst exponentiell von 80 00080\,00080000 Einwohnern im Jahr 2010 auf 95 00095\,00095000 im Jahr 2020. Bestimme die jährliche Wachstumsrate und prognostiziere die Bevölkerung 2030. (HUM)

Maturafokus

  • Erkennen, welches Modell zum Sachverhalt passt.
  • Parameter aus zwei oder drei Datenpunkten bestimmen.
  • Interpretation von Parametern: Anfangswert, Wachstumsrate, Sättigung.

Typische Fehler

  • Exponentialmodell über realistische Grenzen extrapoliert.
  • Beschränktes Wachstum mit logistischem verwechselt.
  • Wachstumsfaktor mit Wachstumsrate verwechselt.

Aktive Wiederholung

Eine Bakterienkultur verdoppelt sich alle 4 Stunden. Stelle ein Wachstumsmodell auf und bestimme die Anzahl nach 10 Stunden, wenn anfangs 200 Bakterien vorhanden sind.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Formelsammlung SRDP Angewandte Mathematik (BHS) (BMBWF) · SRDP BHS - Aufgabenarchiv Angewandte Mathematik (IQS / BMBWF)

§ 02

Lineare Optimierung (grafisches Verfahren)#

●●○StandardLPB-12.3

Kernpunkte

Die lineare Optimierung löst Planungsprobleme mit knappen Ressourcen: Welche Produktmengen maximieren den Gewinn, wenn Arbeitszeit und Material begrenzt sind? Gesucht wird das Maximum (oder Minimum) einer linearen Zielfunktion z=a x+b yz=a\,x+b\,yz=ax+by unter mehreren linearen Nebenbedingungen.
Jede Restriktion ist eine Ungleichung (etwa 2x+3y≤602x+3y\leq 602x+3y≤60 für die Arbeitszeit), nicht eine Gleichung - sie als Gleichheit zu formulieren, ist ein häufiger Fehler. Hinzu kommen stets die Nichtnegativitätsbedingungen x,y≥0x,y\geq 0x,y≥0, da keine negativen Stückzahlen produziert werden.
Alle Ungleichungen zusammen begrenzen im Koordinatensystem den zulässigen Bereich - ein Polygon, dessen Punkte alle Bedingungen erfüllen (). Jede Restriktion „schneidet" eine Halbebene weg; was übrig bleibt, ist die Menge der realisierbaren Produktionspläne.

Lineare Optimierung - zulässiger Bereich

Lineare Optimierung: zulässiger BereichGeometrische Zeichnung, Optimum, zulässiger BereichOptimumx₁x₂zulässigerBereichZielfunktion
Abb. 3Der zulässige Bereich ist das Polygon aller Restriktionen; die Zielfunktion verschiebt sich parallel, ihr Optimum liegt stets in einer Ecke.
Das Eckenprinzip ist der Schlüssel: Das Optimum einer linearen Zielfunktion liegt stets in einem Eckpunkt des zulässigen Bereichs (oder auf einer ganzen Kante). Man muss also nicht unendlich viele Punkte prüfen, sondern nur die endlich vielen Ecken.
Praktisch berechnet man daher die Eckpunkte als Schnittpunkte je zweier Restriktionsgeraden, wertet die Zielfunktion in jeder Ecke aus und wählt den besten Wert. Die grafische Alternative zeichnet die Zielfunktion als Geradenschar und verschiebt sie parallel bis zur letzten Ecke des Bereichs.
Häufige Fehler sind, den Eckpunkt am Schnitt der „falschen" Geraden zu wählen oder die Nichtnegativität zu vergessen. Weiterführend geben Schattenpreise an, wie stark sich das Optimum ändert, wenn man eine Ressourcengrenze lockert - in der Matura genügt meist das saubere Eckenverfahren mit Interpretation des optimalen Produktionsplans.
z=ax+by→max⁡,u.B.d.N.  Ax⃗≤b⃗,  x⃗≥0⃗z=ax+by \to \max, \quad \text{u.B.d.N.}\;A\vec x\leq \vec b,\;\vec x\geq \vec 0z=ax+by→max,u.B.d.N.Ax≤b,x≥0

Lineares Programm

Musterbeispiel

Lineare Optimierung - Produktion zweier Produkte

Ein Betrieb stellt Produkte A und B her. Pro Stück AAA Deckungsbeitrag 40 Euro40\,\mathrm{Euro}40Euro, pro BBB 30 Euro30\,\mathrm{Euro}30Euro. Restriktionen: Maschine 2 A+B≤1002\,A+B\leq 1002A+B≤100, Material A+B≤80A+B\leq 80A+B≤80, A,B≥0A,B\geq 0A,B≥0. Maximiere den Deckungsbeitrag.

  1. 01Zielfunktion

    D(A,B)=40A+30BD(A,B)=40A+30BD(A,B)=40A+30B, soll maximiert werden.

  2. 02Eckpunkte des zulässigen Bereichs

    (0, 0)(0,\,0)(0,0), (0, 80)(0,\,80)(0,80), (20, 60)(20,\,60)(20,60), (50, 0)(50,\,0)(50,0).

  3. 03Werte berechnen

    D(0, 0)=0D(0,\,0)=0D(0,0)=0, D(0, 80)=2400D(0,\,80)=2400D(0,80)=2400, D(20, 60)=800+1800=2600D(20,\,60)=800+1800=2600D(20,60)=800+1800=2600, D(50, 0)=2000D(50,\,0)=2000D(50,0)=2000.

  4. 04Optimum

    Maximaler Deckungsbeitrag 2 600 Euro2\,600\,\mathrm{Euro}2600Euro bei A=20A=20A=20, B=60B=60B=60.

Ergebnis: Optimum: A=20A=20A=20, B=60B=60B=60, D=2 600 EuroD=2\,600\,\mathrm{Euro}D=2600Euro.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Markiere zuerst den zulässigen Bereich durch Schneiden aller Ungleichungen.

    Lineare Optimierung - zulässiger Bereich

    Lineare Optimierung: zulässiger BereichGeometrische Zeichnung, Optimum, zulässiger BereichOptimumx₁x₂zulässigerBereichZielfunktion
    Abb.Der zulässige Bereich ist das Polygon aller Restriktionen; die Zielfunktion verschiebt sich parallel, ihr Optimum liegt stets in einer Ecke.
  2. 2

    Berechne die Eckpunkte als Schnittpunkte je zweier Restriktionen.

  3. 3

    Werte die Zielfunktion in allen Ecken aus und wähle das Optimum.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank4 Punkte

Aufgabenstellung

Eine Tischlerei stellt Stühle (xxx) und Bänke (yyy) her. Restriktionen: 2x+y≤122x+y\leq 122x+y≤12, x+2y≤10x+2y\leq 10x+2y≤10, x,y≥0x,y\geq 0x,y≥0. Maximiere z=30x+25yz=30x+25yz=30x+25y. (HTL)

Maturafokus

  • Restriktionen sauber als Ungleichungen formulieren.
  • Eckpunkte des zulässigen Bereichs berechnen.
  • Zielfunktionswerte an den Ecken vergleichen.

Typische Fehler

  • Restriktion mit Gleichheitszeichen formuliert.
  • Eckpunkt am Schnitt der "falschen" Geraden gewählt.
  • Nichtnegativitätsbedingung ignoriert.

Aktive Wiederholung

Ein Betrieb produziert Sessel (xxx) und Tische (yyy). Pro Sessel 2 Stunden Arbeit, pro Tisch 3 Stunden; insgesamt 60 Stunden verfuegbar. Pro Sessel 1 m21\,\mathrm{m}^{2}1m2 Holz, pro Tisch 2 m22\,\mathrm{m}^{2}2m2; insgesamt 40 m240\,\mathrm{m}^{2}40m2. Deckungsbeitrag 505050 bzw. 80 Euro80\,\mathrm{Euro}80Euro. Maximiere.

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Formelsammlung SRDP Angewandte Mathematik (BHS) (BMBWF) · SRDP BHS - Aufgabenarchiv Angewandte Mathematik (IQS / BMBWF)

§ 03

Einfache Differentialgleichungen (HTL)#

●●●VertiefungLPB-12.4

Kernpunkte

Eine Differentialgleichung (DGL) beschreibt einen Prozess nicht durch die Funktion selbst, sondern durch den Zusammenhang zwischen ihr und ihrer Ableitung - also durch das Änderungsgesetz. Sie ist die natürliche Sprache der Naturwissenschaften und im HTL-Cluster ein eigener Schwerpunkt.
Das wichtigste Beispiel ist N′(t)=k N(t)N'(t)=k\,N(t)N′(t)=kN(t): „Die Änderungsrate ist proportional zum Bestand." Ihre Lösung ist das exponentielle Wachstum N(t)=N0 ektN(t)=N_0\,\mathrm{e}^{kt}N(t)=N0​ekt - genau die Eigenschaft, die schon bei der Ableitung der Exponentialfunktion (B 5) auftrat. Das Vorzeichen von kkk entscheidet über Wachstum (k>0k>0k>0) oder Zerfall (k<0k<0k<0).
Das Newtonsche Abkühlungsgesetz T′(t)=−k (T(t)−TU)T'(t)=-k\,(T(t)-T_U)T′(t)=−k(T(t)−TU​) besagt, dass die Abkühlrate proportional zur Temperaturdifferenz zur Umgebung ist. Seine Lösung T(t)=TU+(T0−TU) e−ktT(t)=T_U+(T_0-T_U)\,\mathrm{e}^{-kt}T(t)=TU​+(T0​−TU​)e−kt nähert sich asymptotisch der Umgebungstemperatur TUT_UTU​ () - ein beschränkter Prozess.

Newtonsches Abkühlungsgesetz

Newtonsche AbkühlungSchaubild von T(t), y-Achsenabschnitt bei y = 80, fallend, im Bereich x von 0 bis 60, waagerechte Asymptote bei y = 2010203040506020406080T₀ = 8060° nach 10 minUmgebung 20°CT(t)T (°C)t (min)
Abb. 4Die Lösung T(t)=TU+(T0−TU) e−ktT(t)=T_{U}+(T_{0}-T_{U})\,\mathrm{e}^{-kt}T(t)=TU​+(T0​−TU​)e−kt der Abkühl-DGL nähert sich asymptotisch der Umgebungstemperatur TU=20 ∘CT_{U}=20\,^{\circ}\mathrm{C}TU​=20∘C.
Die logistische DGL N′(t)=k N(t) (1−N(t)K)N'(t)=k\,N(t)\,\bigl(1-\tfrac{N(t)}{K}\bigr)N′(t)=kN(t)(1−KN(t)​) bremst das Wachstum, je näher der Bestand der Kapazität KKK kommt; ihre Lösung ist die S-Kurve. So entsteht aus einem einfachen Änderungsgesetz das realistische Sättigungsverhalten.
Im HTL-Unterricht werden diese Standard-DGL hauptsächlich erkannt, nicht hergeleitet: Man identifiziert den Lösungstyp anhand der Struktur der Gleichung, setzt die Anfangsbedingung ein und bestimmt den Parameter kkk aus einem weiteren Datenpunkt.
Bei der Anwendung ist Sorgfalt mit dem Vorzeichen des Wachstumsfaktors und der Anfangsbedingung geboten; die Lösung darf nicht über ihren Gültigkeitsbereich hinaus extrapoliert werden. In der Matura folgt auf die Rechnung stets die Sachinterpretation der Lösung im jeweiligen Kontext.
N′(t)=kN(t)⇒N(t)=N0ektN'(t)=kN(t)\Rightarrow N(t)=N_{0}\mathrm{e}^{kt}N′(t)=kN(t)⇒N(t)=N0​ekt

Exponential-DGL

T′(t)=−k(T(t)−TU)⇒T(t)=TU+(T0−TU)e−ktT'(t)=-k(T(t)-T_{U})\Rightarrow T(t)=T_{U}+(T_{0}-T_{U})\mathrm{e}^{-kt}T′(t)=−k(T(t)−TU​)⇒T(t)=TU​+(T0​−TU​)e−kt

Newtonsches Abkühlungsgesetz

Musterbeispiel

Newtonsches Abkühlungsgesetz anwenden

Anfangstemperatur 80∘C80^{\circ}\mathrm{C}80∘C, Umgebung 20∘C20^{\circ}\mathrm{C}20∘C, nach 10 min 60∘C60^{\circ}\mathrm{C}60∘C.

  1. 01Modell

    T(t)=20+60e−ktT(t)=20+60\mathrm{e}^{-kt}T(t)=20+60e−kt (mit T0−TU=60T_{0}-T_{U}=60T0​−TU​=60).

  2. 02k bestimmen

    60=20+60e−10k⇒e−10k=4060=2360=20+60\mathrm{e}^{-10k}\Rightarrow \mathrm{e}^{-10k}=\tfrac{40}{60}=\tfrac{2}{3}60=20+60e−10k⇒e−10k=6040​=32​, also k=ln⁡1,510≈0,0405k=\tfrac{\ln 1{,}5}{10}\approx 0{,}0405k=10ln1,5​≈0,0405.

  3. 03Temperatur nach 30 min

    T(30)=20+60e−1,216≈20+60⋅0,296≈37,8∘T(30)=20+60\mathrm{e}^{-1{,}216}\approx 20+60\cdot 0{,}296\approx 37{,}8^{\circ}T(30)=20+60e−1,216≈20+60⋅0,296≈37,8∘.

Ergebnis: Nach 303030 min ist die Temperatur ca. 37,8∘C37{,}8^{\circ}\mathrm{C}37,8∘C.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Erkenne, welche Standard-DGL vorliegt - Exponential, Newton, logistisch.

  2. 2

    Setze die Anfangsbedingung ein, um Parameter zu bestimmen.

  3. 3

    Interpretiere die Lösung im Sachkontext.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank3 Punkte

Aufgabenstellung

Die Bestandsfunktion NNN erfüllt N′(t)=−0,08⋅N(t)N'(t)=-0{,}08\cdot N(t)N′(t)=−0,08⋅N(t). Bestimme den Lösungstyp und gib bei N(0)=500N(0)=500N(0)=500 die Funktion sowie den Wert nach 10 Zeiteinheiten an. (HTL)

Maturafokus

  • Erkennen, welcher Lösungstyp zur DGL passt.
  • Anfangsbedingung einsetzen, Parameter bestimmen.
  • Sachinterpretation der Lösung.

Typische Fehler

  • Zeichen des Wachstumsfaktors verwechselt.
  • Anfangsbedingung nicht berücksichtigt.
  • Lösung über Sättigung hinaus extrapoliert.

Aktive Wiederholung

Eine Tasse Kaffee kühlt von 80∘C80^{\circ}\mathrm{C}80∘C in einem 20∘C20^{\circ}\mathrm{C}20∘C-Raum ab. Nach 101010 Minuten ist die Temperatur 60∘C60^{\circ}\mathrm{C}60∘C. Bestimme kkk und prognostiziere die Temperatur nach 303030 Minuten.

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Formelsammlung SRDP Angewandte Mathematik (BHS) (BMBWF) · SRDP BHS - Aufgabenarchiv Angewandte Mathematik (IQS / BMBWF)

§ 04

Modellparameter aus Datenpunkten bestimmen#

●●○StandardLPB-12.1

Kernpunkte

Ein Modell ist erst nutzbar, wenn seine Parameter bestimmt sind. Hat man den Modelltyp gewählt, legen gemessene Datenpunkte die freien Parameter eindeutig fest - ein Exponentialmodell etwa durch zwei Punkte (). Das ist die Brücke von der allgemeinen Funktionsklasse zur konkreten Prognosefunktion.

Modellkurve durch zwei Datenpunkte

Exponentialmodell aus zwei DatenpunktenSchaubild von N(t), y-Achsenabschnitt bei y = 213.3, steigend, im Bereich x von 0 bis 8123456782004006008001000N(t)Nt
Abb. 5Zwei Messpunkte legen das Exponentialmodell N(t)=N0 qtN(t)=N_{0}\,q^{t}N(t)=N0​qt eindeutig fest: aus dem Quotienten der Werte folgt qqq, aus einem Punkt dann N0N_{0}N0​.
Beim linearen Modell N(t)=N0+a tN(t)=N_0+a\,tN(t)=N0​+at liefern zwei Datenpunkte alles: die Steigung a=N2−N1t2−t1a=\tfrac{N_2-N_1}{t_2-t_1}a=t2​−t1​N2​−N1​​ als Zuwachs pro Zeiteinheit und den Achsenabschnitt N0N_0N0​ durch Einsetzen eines Punktes.
Beim exponentiellen Modell N(t)=N0⋅qtN(t)=N_0\cdot q^{t}N(t)=N0​⋅qt ergibt sich der Wachstumsfaktor aus dem Quotienten zweier Werte: q=(N2N1)1/(t2−t1)q=\bigl(\tfrac{N_2}{N_1}\bigr)^{1/(t_2-t_1)}q=(N1​N2​​)1/(t2​−t1​). Entscheidend ist der Quotient (nicht die Differenz!) und der Wurzelexponent 1t2−t1\tfrac{1}{t_2-t_1}t2​−t1​1​, der den Zeitabstand berücksichtigt - beides zu übersehen, sind die häufigsten Fehler.
Wachstumsfaktor qqq und Wachstumsrate ppp hängen über q=1+pq=1+pq=1+p zusammen: Ein q=1,03q=1{,}03q=1,03 bedeutet 3 %3\,\%3% Wachstum, ein q=0,9q=0{,}9q=0,9 eine Abnahme um 10 %10\,\%10%. Die beiden zu verwechseln, verfälscht die Interpretation - qqq ist der Faktor, ppp die prozentuale Änderung.
Bei beschränkten und logistischen Modellen geht man zweistufig vor: Zuerst legt man die Kapazität KKK aus dem Sättigungsverhalten der Daten fest, dann bestimmt man kkk (und ggf. ccc) aus einem weiteren Punkt durch Logarithmieren. So braucht jedes Modell genau so viele Datenpunkte wie freie Parameter.
Die Plausibilitätsprüfung schließt jede Parameterbestimmung ab: Ein berechnetes q<1q<1q<1 bedeutet Abnahme, q>1q>1q>1 Zunahme, und dies muss zur Datenlage passen. In der Matura ist der Operator „bestimmen" wörtlich zu nehmen - die Parameter werden rechnerisch hergeleitet, nicht geraten, und die Modellwahl wird am Datenmuster begründet.
q=(N2N1)1/(t2−t1),p=q−1q=\left(\dfrac{N_{2}}{N_{1}}\right)^{1/(t_{2}-t_{1})},\quad p=q-1q=(N1​N2​​)1/(t2​−t1​),p=q−1

Wachstumsfaktor aus zwei Datenpunkten

Musterbeispiel

Exponentialmodell aus zwei Werten

Bestand N(2)=320N(2)=320N(2)=320 und N(6)=720N(6)=720N(6)=720. Bestimme qqq, N0N_{0}N0​ und das Modell.

  1. 01Schritt 1 - Wachstumsfaktor

    q=(720320)1/(6−2)=(2,25)1/4≈1,2247q=\left(\tfrac{720}{320}\right)^{1/(6-2)}=\left(2{,}25\right)^{1/4}\approx 1{,}2247q=(320720​)1/(6−2)=(2,25)1/4≈1,2247.

  2. 02Schritt 2 - Anfangswert

    Aus N(2)=N0 q2=320N(2)=N_{0}\,q^{2}=320N(2)=N0​q2=320 folgt N0=3201,22472=3201,5≈213,3N_{0}=\tfrac{320}{1{,}2247^{2}}=\tfrac{320}{1{,}5}\approx 213{,}3N0​=1,22472320​=1,5320​≈213,3.

  3. 03Schritt 3 - Modell und Interpretation

    Modell N(t)≈213,3⋅1,2247tN(t)\approx 213{,}3\cdot 1{,}2247^{t}N(t)≈213,3⋅1,2247t; jährliche Wachstumsrate p=q−1≈22,5 %p=q-1\approx 22{,}5\,\%p=q−1≈22,5%.

Ergebnis: Modell N(t)≈213,3⋅1,2247tN(t)\approx 213{,}3\cdot 1{,}2247^{t}N(t)≈213,3⋅1,2247t mit rund 22,5 %22{,}5\,\%22,5% Wachstum pro Zeiteinheit.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank2 Punkte

Aufgabenstellung

Eine Population beträgt im Jahr 0 genau 1 2001\,2001200 und im Jahr 3 genau 1 5001\,5001500 Tiere. Bestimme den jährlichen Wachstumsfaktor (auf vier Nachkommastellen). (HUM)

Maturafokus

  • Operator "Bestimmen": Modellparameter rechnerisch aus gegebenen Wertepaaren herleiten, nicht raten.
  • Operator "Begründen": Wahl des Modelltyps anhand des Datenmusters (gleiche Differenzen vs. gleiche Quotienten) belegen.
  • Wachstumsrate korrekt aus dem Wachstumsfaktor in Prozent angeben.

Typische Fehler

  • Beim Exponentialmodell die Differenz statt des Quotienten der Werte gebildet.
  • Den Zeitabstand t2−t1≠1t_{2}-t_{1}\neq 1t2​−t1​=1 beim Wurzelexponenten übersehen.
  • Wachstumsrate ppp und Wachstumsfaktor qqq verwechselt (p=q−1p=q-1p=q−1).

Aktive Wiederholung

Ein Kapital wächst von 5 000 Euro5\,000\,\mathrm{Euro}5000Euro (Jahr 0) auf 6 200 Euro6\,200\,\mathrm{Euro}6200Euro (Jahr 5). Bestimme den jährlichen Wachstumsfaktor sowie die Wachstumsrate und gib das Modell N(t)N(t)N(t) an.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Formelsammlung SRDP Angewandte Mathematik (BHS) (BMBWF) · SRDP BHS - Aufgabenarchiv Angewandte Mathematik (IQS / BMBWF)

§ 05

Halbwertszeit und Verdopplungszeit#

●●○StandardLPB-12.1

Kernpunkte

Verdopplungs- und Halbwertszeit sind die anschaulichen Kennzahlen exponentieller Prozesse (). Sie beantworten „wie lange dauert es, bis sich der Bestand verdoppelt (bzw. halbiert)?" und charakterisieren das Tempo eines Wachstums oder Zerfalls unabhängig vom Anfangswert.

Exponentielles Wachstum vs. Zerfall

Exponentielles Wachstum vs. ZerfallSchaubild von N(t) = N₀·a^t, a > 1, y-Achsenabschnitt bei y = 1, steigend, im Bereich x von 0 bis 8, Schaubild von a < 1 (Zerfall), y-Achsenabschnitt bei y = 1, fallend, im Bereich x von 0 bis 8, waagerechte Asymptote bei y = 012345678510152025N₀N → 0N(t) = N₀·at, a> 1a < 1 (Zerfall)Nt
Abb. 6Wachstumsfaktor a>1a > 1a>1 liefert J-Kurve, a<1a < 1a<1 asymptotischen Zerfall.
Genau diese Unabhängigkeit ist das Kennzeichen: Beim exponentiellen Wachstum vergeht zwischen jeder Verdopplung dieselbe Zeitspanne - egal, ob von 100100100 auf 200200200 oder von 100010001000 auf 200020002000. Die Verdopplungszeit vom Anfangswert abhängig zu machen, ist ein typischer Denkfehler.
Hergeleitet wird sie aus N0 qt2=2N0N_0\,q^{t_2}=2N_0N0​qt2​=2N0​: Nach Kürzen von N0N_0N0​ und Logarithmieren folgt t2=ln⁡2ln⁡qt_2=\tfrac{\ln 2}{\ln q}t2​=lnqln2​, beim stetigen Modell N0 ektN_0\,\mathrm{e}^{kt}N0​ekt entsprechend t2=ln⁡2kt_2=\tfrac{\ln 2}{k}t2​=kln2​. Das Logarithmusgesetz ln⁡(qt)=tln⁡q\ln(q^{t})=t\ln qln(qt)=tlnq ist hier der Schlüssel - ln⁡2ln⁡q\tfrac{\ln 2}{\ln q}lnqln2​ und ln⁡2⋅ln⁡q\ln 2\cdot\ln qln2⋅lnq nicht zu verwechseln.
Beim Zerfall heißt die analoge Größe Halbwertszeit t1/2=ln⁡2∣k∣t_{1/2}=\tfrac{\ln 2}{|k|}t1/2​=∣k∣ln2​ (bzw. ln⁡0,5ln⁡q\tfrac{\ln 0{,}5}{\ln q}lnqln0,5​ mit q<1q<1q<1). Der Betrag bzw. das negative ln⁡0,5\ln 0{,}5ln0,5 sorgen dafür, dass eine positive Zeit herauskommt - mit positivem kkk zu rechnen, liefert fälschlich eine negative Halbwertszeit.
Zur schnellen Kontrolle dient die Faustregel „72": Die Verdopplungszeit in Jahren beträgt näherungsweise 72/p%72/p_\%72/p%​ - bei 4 %4\,\%4% Zins also etwa 181818 Jahre, sehr nahe am exakten Wert 17,6717{,}6717,67. So lässt sich ein Logarithmus-Ergebnis ohne Rechner plausibilisieren.
Halbwerts- und Verdopplungszeit kennzeichnen exponentielle Prozesse eindeutig und treten fächerübergreifend auf: in der Physik beim radioaktiven Zerfall, in der Medizin beim Wirkstoffabbau, in der Finanzmathematik bei der Kapitalverdopplung. In der Matura sind sie exakt über den Logarithmus zu berechnen und im Kontext zu deuten.
t2=ln⁡2ln⁡q=ln⁡2k,t1/2=ln⁡2∣k∣t_{2}=\dfrac{\ln 2}{\ln q}=\dfrac{\ln 2}{k},\quad t_{1/2}=\dfrac{\ln 2}{|k|}t2​=lnqln2​=kln2​,t1/2​=∣k∣ln2​

Verdopplungs- und Halbwertszeit

Musterbeispiel

Halbwertszeit aus der Zerfallskonstante

Zerfall N(t)=N0e−0,11tN(t)=N_{0}\mathrm{e}^{-0{,}11t}N(t)=N0​e−0,11t (ttt in Tagen). Bestimme die Halbwertszeit.

  1. 01Schritt 1 - Ansatz

    Halbwertszeit: N0e−0,11 t1/2=12N0N_{0}\mathrm{e}^{-0{,}11\,t_{1/2}}=\tfrac{1}{2}N_{0}N0​e−0,11t1/2​=21​N0​.

  2. 02Schritt 2 - Logarithmieren

    e−0,11 t1/2=0,5⇒−0,11 t1/2=ln⁡0,5=−0,6931\mathrm{e}^{-0{,}11\,t_{1/2}}=0{,}5\Rightarrow -0{,}11\,t_{1/2}=\ln 0{,}5=-0{,}6931e−0,11t1/2​=0,5⇒−0,11t1/2​=ln0,5=−0,6931.

  3. 03Schritt 3 - Auflösen und Deuten

    t1/2=0,69310,11≈6,30t_{1/2}=\tfrac{0{,}6931}{0{,}11}\approx 6{,}30t1/2​=0,110,6931​≈6,30 Tage - nach gut sechs Tagen ist stets die Hälfte der jeweils vorhandenen Substanz zerfallen.

Ergebnis: Halbwertszeit t1/2≈6,3t_{1/2}\approx 6{,}3t1/2​≈6,3 Tage.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank2 Punkte

Aufgabenstellung

Ein Kapital wird mit 4 %4\,\%4% p.a. verzinst. Berechne die Verdopplungszeit und vergleiche sie mit der Näherung der 72er-Regel. (HAK)

Maturafokus

  • Operator "Berechnen": Halbwerts- bzw. Verdopplungszeit über den Logarithmus exakt bestimmen.
  • Operator "Interpretieren": die konstante Verdopplungs-/Halbwertszeit als Kennzeichen des exponentiellen Modells deuten.
  • Näherung mit der 72er-Regel zur Plausibilitätskontrolle des exakten Ergebnisses heranziehen.

Typische Fehler

  • Logarithmusgesetz falsch angewendet: ln⁡2/ln⁡q\ln 2/\ln qln2/lnq statt ln⁡2⋅ln⁡q\ln 2 \cdot \ln qln2⋅lnq verwechselt.
  • Beim Zerfall mit positivem kkk gerechnet und so eine negative Halbwertszeit erhalten.
  • Verdopplungszeit fälschlich vom Anfangswert abhängig gemacht.

Aktive Wiederholung

Ein radioaktives Präparat zerfällt nach N(t)=N0e−0,11tN(t)=N_{0}\mathrm{e}^{-0{,}11t}N(t)=N0​e−0,11t (ttt in Tagen). Berechne die Halbwertszeit und interpretiere das Ergebnis.

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Formelsammlung SRDP Angewandte Mathematik (BHS) (BMBWF) · SRDP BHS - Aufgabenarchiv Angewandte Mathematik (IQS / BMBWF)

§ 06

Modellbewertung und Grenzen der Extrapolation#

●●●VertiefungLPB-12.1LPB-12.2

Kernpunkte

Ein gutes Modellierungsergebnis endet nicht mit der Rechnung, sondern mit der Bewertung: Wie tragfähig ist das Modell, und wo liegen seine Grenzen? Jedes mathematische Modell ist eine Vereinfachung der Wirklichkeit, und seine Aussagekraft endet dort, wo seine Annahmen nicht mehr gelten.
Das klassische Beispiel ist das Exponentialmodell: Es überschätzt langfristig dramatisch, weil es keine Sättigung kennt - eine Population kann nicht unbegrenzt wachsen, ein Umsatz nicht ewig exponentiell steigen. Bei begrenzten Ressourcen ist das logistische Modell mit seiner Kapazitätsgrenze realistischer ().

Logistisches Wachstum gegen Kapazität K=1000

Logistisches Wachstum gegen Kapazität K = 1000Schaubild von N(t), y-Achsenabschnitt bei y = 50, steigend, im Bereich x von 0 bis 20, waagerechte Asymptote bei y = 100051015202004006008001000K = 1000N(t)N(t)t (Zeiteinheiten)
Abb. 7S-foermige Kurve - exponentiell am Anfang, gesättigt am Ende.
Zentral ist die Unterscheidung von Interpolation und Extrapolation: Werte innerhalb des Datenbereichs (Interpolation) sind meist verlässlich, Vorhersagen über den Datenbereich hinaus (Extrapolation) werden mit wachsender Distanz zunehmend unsicher. Eine Prognose über 100100100 Jahre ist daher mit großer Vorsicht zu genießen.
Die Modellgüte lässt sich überprüfen, indem man Modellwerte mit weiteren, nicht zur Anpassung verwendeten Messdaten vergleicht, oder über das Bestimmtheitsmaß R2R^{2}R2 der Regression (B 7). Ein hohes R2R^{2}R2 belegt allerdings nur die Passung im Datenbereich, nicht die Gültigkeit der Extrapolation.
Die Sensitivität ist ein weiterer Bewertungsaspekt: Kleine Änderungen der Parameter - etwa der Wachstumsrate um wenige Zehntelprozent - können langfristige Prognosen stark verschieben. Diese Unsicherheit muss bei Entscheidungen offen kommuniziert werden, statt eine Scheingenauigkeit vorzutäuschen.
In der Matura ist die Modellkritik im Anforderungsbereich III gefragt: die Eignung und Grenzen eines Modells begründen, eine weit reichende Extrapolation kritisch hinterfragen und konkurrierende Modelle (exponentiell vs. logistisch) anhand der Daten abwägen. Reine Rechnung ohne diese Bewertung kostet Punkte - und „hohe Korrelation" ist nie ein Beweis für Kausalität.
Nexp(t)=N0qt  vs.  Nlog(t)=K1+c e−ktN_{\text{exp}}(t)=N_{0}q^{t}\;\text{vs.}\;N_{\text{log}}(t)=\dfrac{K}{1+c\,\mathrm{e}^{-kt}}Nexp​(t)=N0​qtvs.Nlog​(t)=1+ce−ktK​

Konkurrierende Wachstumsmodelle

Musterbeispiel

Exponentielles vs. logistisches Modell beurteilen

Eine Population folgt zunächst N(t)=100⋅1,5tN(t)=100\cdot 1{,}5^{t}N(t)=100⋅1,5t. Beurteile, bis wann dieses Modell sinnvoll ist, wenn der Lebensraum höchstens 5 0005\,0005000 Individuen trägt.

  1. 01Schritt 1 - Grenze bestimmen

    Kapazitätsgrenze erreicht, wenn 100⋅1,5t=5 000⇒1,5t=50⇒t=ln⁡50ln⁡1,5≈9,65100\cdot 1{,}5^{t}=5\,000\Rightarrow 1{,}5^{t}=50\Rightarrow t=\tfrac{\ln 50}{\ln 1{,}5}\approx 9{,}65100⋅1,5t=5000⇒1,5t=50⇒t=ln1,5ln50​≈9,65.

  2. 02Schritt 2 - Bewerten

    Ab t≈9,65t\approx 9{,}65t≈9,65 liefert das Exponentialmodell unrealistisch hohe Werte, weil es die Kapazitätsgrenze ignoriert.

  3. 03Schritt 3 - Alternative

    Geeigneter ist ein logistisches Modell mit Kapazität K=5 000K=5\,000K=5000, das anfangs nahezu exponentiell verläuft und gegen KKK sättigt.

Ergebnis: Das Exponentialmodell ist nur etwa für t<9,65t<9{,}65t<9,65 tragfähig; danach ist ein logistisches Modell vorzuziehen.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank3 Punkte

Aufgabenstellung

Ein Unternehmen modelliert seinen Umsatz exponentiell und prognostiziert daraus den Umsatz in 15 Jahren. Beurteile diese Prognose und nenne zwei Faktoren, welche die Aussagekraft begrenzen. (HAK)

Maturafokus

  • Operator "Beurteilen": Eignung und Grenzen eines gewählten Modells im Sachkontext begründen.
  • Operator "Argumentieren": warum eine weit reichende Extrapolation kritisch zu sehen ist.
  • Operator "Vergleichen": konkurrierende Modelle (exponentiell vs. logistisch) anhand von Daten gegeneinander abwägen.

Typische Fehler

  • Ein gut passendes Modell unbegrenzt extrapoliert, ohne Saettigungs- oder Realitätsgrenzen zu nennen.
  • Hohe Korrelation als Beweis für Kausalität missdeutet.
  • Modellkritik fehlt vollständig - reine Rechnung ohne Bewertung kostet Punkte im Anforderungsbereich III.

Aktive Wiederholung

Ein exponentielles Modell sagt für eine Stadt in 100 Jahren mehr Einwohner voraus, als die Region beherbergen kann. Beurteile die Aussagekraft des Modells und schlage eine geeignetere Modellklasse vor.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Formelsammlung SRDP Angewandte Mathematik (BHS) (BMBWF) · SRDP BHS - Aufgabenarchiv Angewandte Mathematik (IQS / BMBWF)

Inhalt

Abschnitt -- / 06

    • 01Wachstums- und Zerfallsmodelle◐
    • 02Lineare Optimierung (grafisches Verfahren)◐
    • 03Einfache Differentialgleichungen (HTL)●
    • 04Modellparameter aus Datenpunkten bestimmen◐
    • 05Halbwertszeit und Verdopplungszeit◐
    • 06Modellbewertung und Grenzen der Extrapolation●

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Aus den Notizen ins Training

B 12 - Modellierung und lineare Optimierung

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Beispielfrage

Eine Stadt wächst exponentiell von 80 00080\,00080000 Einwohnern im Jahr 2010 auf 95 00095\,00095000 im Jahr 2020. Bestimme die jährliche Wachstumsrate und prognostiziere die Bevölkerung 2030. (HUM)

3 BE · 2023

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Belege & Quellen

Quellen

BMBWF

  • Formelsammlung SRDP Angewandte Mathematik (BHS)

IQS / BMBWF

  • SRDP BHS - Aufgabenarchiv Angewandte Mathematik

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