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Notizen/Angewandte Mathematik/B 5 - Differentialrechnung in Anwendungen
Notizen · Angewandte MathematikAT · Matura

B 5 - Differentialrechnung in Anwendungen

Ableitungsbegriff, Ableitungsregeln, Kurvendiskussion und Extremwertaufgaben mit ökonomischer und technischer Interpretation.

6 Abschnitte·~15 Min Lesezeit·4 Kompetenzen·Niveau Basis 1 · Standard 1 · Vertiefung 4·Stand 06/2026

T·0555 / 13
Prüfungsprofil
B-5.1 · Änderungsraten interpretieren und Ableitung berechnenB-5.2 · Ableitungsregeln anwendenB-5.3 · Kurvendiskussion: Monotonie, Extrema, WendepunkteB-5.4 · Extremwertprobleme im Sachkontext lösen
Tiefe

Lesetiefe: Vertiefung

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Inhalt · 6 Abschnitte▾
  1. B 5 - Differentialrechnung in Anwendungen
    • 01Mittlere und momentane Änderungsrate○
    • 02Ableitungsregeln◐
    • 03Kurvendiskussion: Monotonie, Extrema, Wendepunkte●
    • 04Extremwertaufgaben in Anwendungen●
    • 05Ableitung von Exponential- und Logarithmusfunktionen●
    • 06Numerische Nullstellensuche (Newton-Verfahren)●
§ 01

Mittlere und momentane Änderungsrate#

●○○BasisLPB-5.1

Kernpunkte

Die Differentialrechnung beantwortet die Frage „wie schnell ändert sich etwas?". Der Einstieg ist die mittlere Änderungsrate f‾(a,b)=f(b)−f(a)b−a\overline{f}(a,b)=\tfrac{f(b)-f(a)}{b-a}f​(a,b)=b−af(b)−f(a)​ - die durchschnittliche Änderung über ein Intervall, geometrisch die Steigung der Sekante durch die beiden Randpunkte ().

Differentialquotient - Sekante wird Tangente

Differentialquotient - Sekante wird TangenteSchaubild von f, Nullstellen bei x = 0, 8, Hochpunkt bei (4, 4), y-Achsenabschnitt bei y = 0, im Bereich x von 0 bis 8123456781234PTangenteSekanteff(x)x
Abb. 1Bei h→0h \to 0h→0 geht die mittlere Änderungsrate in die momentane über.
Lässt man die beiden Punkte zusammenrücken (Intervallbreite h→0h\to 0h→0), wird aus der Sekante die Tangente und aus der mittleren die momentane Änderungsrate f′(x0)f'(x_0)f′(x0​). Genau dieser Grenzübergang definiert die Ableitung als Differentialquotient f′(x0)=lim⁡h→0f(x0+h)−f(x0)hf'(x_0)=\lim_{h\to 0}\tfrac{f(x_0+h)-f(x_0)}{h}f′(x0​)=limh→0​hf(x0​+h)−f(x0​)​.
Anschaulich ist die Ableitung also die Tangentensteigung im Punkt - der Wert, gegen den die Sekantensteigungen streben. Eine mittlere Rate beschreibt ein ganzes Intervall, eine momentane Rate genau einen Zeitpunkt; diese beiden klar zu trennen, ist die zentrale Hürde des Themas.
In der Physik ist das die Brücke von der mittleren Geschwindigkeit vˉ=ΔsΔt\bar v=\tfrac{\Delta s}{\Delta t}vˉ=ΔtΔs​ zur momentanen Geschwindigkeit v(t)=s′(t)v(t)=s'(t)v(t)=s′(t) - dem, was der Tacho anzeigt. So wird aus einer Weg-Zeit-Funktion durch Ableiten die Geschwindigkeit.
In der Wirtschaft heißt die Ableitung der Kostenfunktion Grenzkosten K′(x)K'(x)K′(x) - näherungsweise die Kosten der nächsten produzierten Einheit. Analog gibt es Grenzerlös und Grenzgewinn; diese Grenzgrößen sind das Fundament der Wirtschaftsmathematik (B 11).
Entscheidend für die volle Punktzahl ist die Einheit und Deutung: Die Ableitung trägt die Einheit von fff pro Einheit von xxx - EUR/Stück, m/s, Tiere/Jahr. Eine Angabe wie f′(5)=120f'(5)=120f′(5)=120 muss daher als „zum Zeitpunkt 555 wächst der Bestand momentan um 120120120 Einheiten pro Jahr" gedeutet werden.
f‾(a,b)=f(b)−f(a)b−a\overline{f}(a,b)=\dfrac{f(b)-f(a)}{b-a}f​(a,b)=b−af(b)−f(a)​

Mittlere Änderungsrate

f′(x0)=lim⁡h→0f(x0+h)−f(x0)hf'(x_{0})=\lim_{h\to 0}\dfrac{f(x_{0}+h)-f(x_{0})}{h}f′(x0​)=h→0lim​hf(x0​+h)−f(x0​)​

Differentialquotient (Ableitung an der Stelle x₀)

Musterbeispiel

Momentangeschwindigkeit aus Weg-Zeit-Funktion

Der Weg eines beschleunigten Fahrzeugs ist s(t)=2t2+5ts(t)=2t^{2}+5ts(t)=2t2+5t (in m, ttt in s). Bestimme die momentane Geschwindigkeit bei t=3 st=3\,\mathrm{s}t=3s.

  1. 01Ableitung bilden

    v(t)=s′(t)=4t+5v(t)=s'(t)=4t+5v(t)=s′(t)=4t+5.

  2. 02Einsetzen

    v(3)=4⋅3+5=17 m/sv(3)=4\cdot 3+5=17\,\mathrm{m/s}v(3)=4⋅3+5=17m/s.

Ergebnis: Momentane Geschwindigkeit bei t=3 st=3\,\mathrm{s}t=3s: v=17 m/sv=17\,\mathrm{m/s}v=17m/s.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Die mittlere Änderungsrate ist die Steigung der Sekante zwischen zwei Punkten.

    Differentialquotient - Sekante wird Tangente

    Differentialquotient - Sekante wird TangenteSchaubild von f, Nullstellen bei x = 0, 8, Hochpunkt bei (4, 4), y-Achsenabschnitt bei y = 0, im Bereich x von 0 bis 8123456781234PTangenteSekanteff(x)x
    Abb.Bei h→0h \to 0h→0 geht die mittlere Änderungsrate in die momentane über.
  2. 2

    Wenn der Abstand hhh gegen Null geht, wird die Sekante zur Tangente und ergibt die momentane Änderungsrate.

  3. 3

    Im Sachkontext verbinde immer die Einheit von Output durch Input mit einer kurzen Interpretation.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank2 Punkte

Aufgabenstellung

Die Funktion fff beschreibt den Bestand einer Population. Erkläre die Bedeutung von f′(5)=120f'(5)=120f′(5)=120 im Kontext, wenn f(t)f(t)f(t) die Population zur Zeit ttt (in Jahren) angibt. (HUM)

Maturafokus

  • Typ-1-Aufgaben: Berechnung und Interpretation von mittlerer Änderungsrate.
  • Sprachliche Interpretation in der Einheit verlangt.
  • Vorzeichen der Ableitung deutet auf Monotonie hin.

Typische Fehler

  • Mittlere und momentane Rate werden nicht klar getrennt.
  • Einheit der Ableitung wird vergessen oder falsch angegeben.
  • Tangentenpunkt mit Punkt der durchschnittlichen Steigung verwechselt.

Aktive Wiederholung

Die Kostenfunktion eines Betriebs lautet K(x)=0,5x2+20x+1000K(x)=0{,}5x^{2}+20x+1000K(x)=0,5x2+20x+1000. Berechne die mittlere Änderungsrate zwischen x=100x=100x=100 und x=200x=200x=200 und interpretiere.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Formelsammlung SRDP Angewandte Mathematik (BHS) (BMBWF) · SRDP BHS - Aufgabenarchiv Angewandte Mathematik (IQS / BMBWF)

§ 02

Ableitungsregeln#

●●○StandardLPB-5.2

Kernpunkte

Statt jede Ableitung mühsam über den Grenzwert zu bestimmen, gibt es einen kompakten Satz von Regeln, mit dem sich praktisch jede in der Matura auftretende Funktion ableiten lässt. Der erste Schritt ist immer, die Struktur der Funktion zu erkennen - Polynom, Produkt, Quotient oder Verkettung -, denn sie bestimmt die anzuwendende Regel.
Die Grundregeln decken Polynome ab: die Potenzregel (xn)′=n xn−1(x^{n})'=n\,x^{n-1}(xn)′=nxn−1, die Konstantenregel c′=0c'=0c′=0 (eine additive Konstante verschwindet) und die Summenregel (gliedweise ableiten). Ein konstanter Faktor bleibt erhalten - (c⋅f)′=c⋅f′(c\cdot f)'=c\cdot f'(c⋅f)′=c⋅f′ -, was beim Ableiten leicht verloren geht.
Die Ableitungen der wichtigen Standardfunktionen muss man parat haben: (ex)′=ex(\mathrm{e}^{x})'=\mathrm{e}^{x}(ex)′=ex, (ln⁡x)′=1x(\ln x)'=\tfrac{1}{x}(lnx)′=x1​, (sin⁡x)′=cos⁡x(\sin x)'=\cos x(sinx)′=cosx und (cos⁡x)′=−sin⁡x(\cos x)'=-\sin x(cosx)′=−sinx. Sie sind die Bausteine, die mit den Verknüpfungsregeln kombiniert werden.
Für zusammengesetzte Terme dienen Produktregel (uv)′=u′v+uv′(uv)'=u'v+uv'(uv)′=u′v+uv′ und Quotientenregel (uv)′=u′v−uv′v2\big(\tfrac{u}{v}\big)'=\tfrac{u'v-uv'}{v^{2}}(vu​)′=v2u′v−uv′​. Bei der Quotientenregel ist die Reihenfolge im Zähler entscheidend - ein vertauschtes Vorzeichen ist ein klassischer Fehler.
Die Kettenregel (u(v(x)))′=u′(v(x))⋅v′(x)(u(v(x)))'=u'(v(x))\cdot v'(x)(u(v(x)))′=u′(v(x))⋅v′(x) ist die wichtigste für angewandte Modelle: Bei e−0,3t\mathrm{e}^{-0{,}3t}e−0,3t liefert sie den inneren Faktor −0,3-0{,}3−0,3, also (e−0,3t)′=−0,3 e−0,3t(\mathrm{e}^{-0{,}3t})'=-0{,}3\,\mathrm{e}^{-0{,}3t}(e−0,3t)′=−0,3e−0,3t. Genau diesen inneren Faktor zu vergessen, ist der häufigste Fehler bei Wachstums- und Zerfallsfunktionen.
Zwar liefert das CAS die Ableitung auf Knopfdruck - in der Matura muss aber die zugrunde liegende Regel erkennbar dargestellt werden. Ein kurzer Hinweis auf die verwendete Regel („mit Produkt- und Kettenregel") sichert die Nachvollziehbarkeit und damit die Punkte.
(xn)′=n xn−1,(ekx)′=k ekx,(ln⁡x)′=1x(x^{n})'=n\,x^{n-1},\quad (\mathrm{e}^{kx})'=k\,\mathrm{e}^{kx},\quad (\ln x)'=\tfrac{1}{x}(xn)′=nxn−1,(ekx)′=kekx,(lnx)′=x1​

Wichtige Ableitungsregeln

(u⋅v)′=u′v+uv′,(u∘v)′(x)=u′(v(x))⋅v′(x)(u\cdot v)'=u'v+uv',\quad (u\circ v)'(x)=u'(v(x))\cdot v'(x)(u⋅v)′=u′v+uv′,(u∘v)′(x)=u′(v(x))⋅v′(x)

Produktregel und Kettenregel

Musterbeispiel

Kettenregel bei Exponentialfunktion

Leite f(t)=100⋅e−0,3tf(t)=100\cdot \mathrm{e}^{-0{,}3t}f(t)=100⋅e−0,3t ab.

  1. 01Aussere Funktion

    u(z)=100ezu(z)=100\mathrm{e}^{z}u(z)=100ez mit u′(z)=100ezu'(z)=100\mathrm{e}^{z}u′(z)=100ez.

  2. 02Innere Funktion

    v(t)=−0,3tv(t)=-0{,}3tv(t)=−0,3t mit v′(t)=−0,3v'(t)=-0{,}3v′(t)=−0,3.

  3. 03Kettenregel

    f′(t)=u′(v)⋅v′(t)=100e−0,3t⋅(−0,3)=−30e−0,3tf'(t)=u'(v)\cdot v'(t)=100\mathrm{e}^{-0{,}3t}\cdot(-0{,}3)=-30\mathrm{e}^{-0{,}3t}f′(t)=u′(v)⋅v′(t)=100e−0,3t⋅(−0,3)=−30e−0,3t.

Ergebnis: f′(t)=−30 e−0,3tf'(t)=-30\,\mathrm{e}^{-0{,}3t}f′(t)=−30e−0,3t.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Identifiziere zuerst die Struktur der Funktion - Polynom, Produkt, Komposition?

  2. 2

    Wähle dann die geeignete Regel und arbeite sauber Schritt für Schritt.

  3. 3

    Prüfe das Ergebnis durch Einsetzen einer einfachen Stelle.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank2 Punkte

Aufgabenstellung

Bilde die Ableitung der Funktion f(x)=3x4−2x2+5f(x)=3x^{4}-2x^{2}+5f(x)=3x4−2x2+5. (Alle Cluster)

Maturafokus

  • In HTL häufig Kettenregel mit Wachstumsmodellen.
  • In HAK/HUM oft Produktregel in Wirtschaftsmodellen.
  • Begründung der gewählten Regel mit einem kurzen Stichwort hilft beim Punkten.

Typische Fehler

  • Faktor kkk in Kettenregel bei (ekx)′(\mathrm{e}^{kx})'(ekx)′ vergessen.
  • Quotientenregel mit umgekehrtem Vorzeichen.
  • Konstante Faktoren beim Ableiten verloren.

Aktive Wiederholung

Leite die Funktion f(x)=(2x2+1)⋅e−0,5xf(x)=(2x^{2}+1)\cdot \mathrm{e}^{-0{,}5x}f(x)=(2x2+1)⋅e−0,5x ab.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Formelsammlung SRDP Angewandte Mathematik (BHS) (BMBWF) · SRDP BHS - Aufgabenarchiv Angewandte Mathematik (IQS / BMBWF)

§ 03

Kurvendiskussion: Monotonie, Extrema, Wendepunkte#

●●●VertiefungLPB-5.3

Kernpunkte

Die Kurvendiskussion liest aus den Ableitungen das vollständige Verhalten einer Funktion ab - Steigen und Fallen, Hoch- und Tiefpunkte, Wendepunkte. Sie ist das Standardwerkzeug, um technische und wirtschaftliche Modelle zu analysieren, etwa eine Gewinnfunktion auf ihr Maximum zu untersuchen ().

Kurvendiskussion: Hoch-, Tief- und Wendepunkt

Hoch-, Tief- und WendepunktSchaubild von f, Nullstellen bei x = 0, Hochpunkt bei (1, 4), Tiefpunkt bei (3, 0), y-Achsenabschnitt bei y = 0, im Bereich x von -0.3 bis 4.21234−4−2246HP(1, 4)TP(3, 0)WP(2, 2)ff(x)x
Abb. 2Für f(x)=x3−6x2+9xf(x)=x^{3}-6x^{2}+9xf(x)=x3−6x2+9x: Hochpunkt (1 ∣ 4)(1\,|\,4)(1∣4), Tiefpunkt (3 ∣ 0)(3\,|\,0)(3∣0) und dazwischen der Wendepunkt (2 ∣ 2)(2\,|\,2)(2∣2), an dem die Krümmung wechselt.
Die erste Ableitung steuert die Monotonie: f′(x)>0f'(x)>0f′(x)>0 bedeutet streng steigend, f′(x)<0f'(x)<0f′(x)<0 streng fallend, f′(x)=0f'(x)=0f′(x)=0 eine stationäre Stelle. Wo f′f'f′ das Vorzeichen wechselt, liegt ein lokales Extremum - das ist auch an der Ableitungskurve gut zu sehen ().

f(x)=x³-3x²+1 und Ableitung f'(x)

f(x) = x³ − 3x² + 1 und Ableitung f′(x)Schaubild von f, Nullstellen bei x = -0.532, 0.653, 2.879, Hochpunkt bei (0, 1), Tiefpunkt bei (2, -3), y-Achsenabschnitt bei y = 1, im Bereich x von -1 bis 3, Schaubild von f′, Nullstellen bei x = 0, 2, Tiefpunkt bei (1, -3), y-Achsenabschnitt bei y = 0, im Bereich x von -1 bis 3−1−0.50.511.522.53−4−2246810HHochpunktTTiefpunktff′f, f′x
Abb. 3Hochpunkt bei x=0x=0x=0, Tiefpunkt bei x=2x=2x=2 - Ableitung wechselt dort das Vorzeichen.
Für ein lokales Extremum gilt als notwendige Bedingung f′(x0)=0f'(x_0)=0f′(x0​)=0. Notwendig heißt: An jeder Extremstelle ist die Tangente waagrecht - aber nicht jede waagrechte Tangente gehört zu einem Extremum (ein Sattelpunkt erfüllt f′=0f'=0f′=0 ebenfalls).
Die hinreichende Bedingung entscheidet über die Art und nutzt die zweite Ableitung: f′′(x0)<0f''(x_0)<0f′′(x0​)<0 ergibt ein Maximum (Kurve linksoben gewölbt), f′′(x0)>0f''(x_0)>0f′′(x0​)>0 ein Minimum, f′′(x0)=0f''(x_0)=0f′′(x0​)=0 ist unentschieden und verlangt weitere Prüfung. Diesen zweiten Schritt zu überspringen und jede Stelle mit f′=0f'=0f′=0 als Extremum zu deklarieren, ist der häufigste Fehler.
Wendepunkte markieren den Wechsel des Krümmungsverhaltens: f′′(x0)=0f''(x_0)=0f′′(x0​)=0 und f′′′(x0)≠0f'''(x_0)\neq 0f′′′(x0​)=0. Dort ist die Steigung extremal (am steilsten oder flachsten). Das Krümmungsverhalten selbst zeigt f′′f''f′′ an - f′′(x)>0f''(x)>0f′′(x)>0 konvex (linksgekrümmt), f′′(x)<0f''(x)<0f′′(x)<0 konkav (rechtsgekrümmt).
In wirtschaftlichen Anwendungen tragen diese Punkte Bedeutung: Der Hochpunkt einer Gewinnfunktion ist der maximale Gewinn, der Wendepunkt der Punkt mit dem stärksten (oder schwächsten) Zuwachs - der Übergang von progressivem zu degressivem Wachstum. In der Matura wird neben der Rechnung stets diese Deutung im Sachkontext verlangt.
f′(x0)=0,  f′′(x0)<0⇒Maximumf'(x_{0})=0,\;f''(x_{0})<0\Rightarrow\text{Maximum}f′(x0​)=0,f′′(x0​)<0⇒Maximum

Hinreichende Bedingung Maximum

f′′(x0)=0,  f′′′(x0)≠0⇒Wendepunktf''(x_{0})=0,\;f'''(x_{0})\neq 0\Rightarrow\text{Wendepunkt}f′′(x0​)=0,f′′′(x0​)=0⇒Wendepunkt

Hinreichende Bedingung Wendepunkt

Interaktive Grafik lädt…

Musterbeispiel

Vollständige Kurvendiskussion

f(x)=x3−6x2+9xf(x)=x^{3}-6x^{2}+9xf(x)=x3−6x2+9x.

  1. 01Erste Ableitung

    f′(x)=3x2−12x+9=3(x−1)(x−3)f'(x)=3x^{2}-12x+9=3(x-1)(x-3)f′(x)=3x2−12x+9=3(x−1)(x−3).

  2. 02Kritische Stellen

    f′(x)=0⇒x=1f'(x)=0 \Rightarrow x=1f′(x)=0⇒x=1 und x=3x=3x=3.

  3. 03Zweite Ableitung

    f′′(x)=6x−12f''(x)=6x-12f′′(x)=6x−12. f′′(1)=−6<0f''(1)=-6<0f′′(1)=−6<0 Maximum, f′′(3)=6>0f''(3)=6>0f′′(3)=6>0 Minimum.

  4. 04Funktionswerte

    f(1)=1−6+9=4f(1)=1-6+9=4f(1)=1−6+9=4, f(3)=27−54+27=0f(3)=27-54+27=0f(3)=27−54+27=0.

  5. 05Wendepunkt

    f′′(x)=0⇒x=2f''(x)=0 \Rightarrow x=2f′′(x)=0⇒x=2, f(2)=8−24+18=2f(2)=8-24+18=2f(2)=8−24+18=2.

Ergebnis: Maximum (1 ∣ 4)(1\,|\,4)(1∣4), Minimum (3 ∣ 0)(3\,|\,0)(3∣0), Wendepunkt (2 ∣ 2)(2\,|\,2)(2∣2).

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Erste Ableitung gleich Null finden - das sind Kandidaten für Extrema.

  2. 2

    Zweite Ableitung entscheidet über Art des Extremums.

  3. 3

    Wendepunkte zeigen den Wechsel der Krümmung an.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank3 Punkte

Aufgabenstellung

Die Gewinnfunktion lautet G(x)=−0,01x3+0,9x2−15xG(x)=-0{,}01x^{3}+0{,}9x^{2}-15xG(x)=−0,01x3+0,9x2−15x (xxx Stück, GGG in Euro). Bestimme den Wendepunkt und interpretiere ihn im wirtschaftlichen Sinn. (HAK)

Maturafokus

  • In HTL: Kurvendiskussion für technische Modelle (Wegverlauf, Kraft).
  • In HAK/HUM: Gewinn-, Kosten- und Erlösfunktionen.
  • Wendepunkt-Bedeutung in Wirtschaft: Punkt mit maximaler/minimaler Zuwachsrate.

Typische Fehler

  • Hinreichende Bedingung wird vergessen - jeder Punkt mit f′=0f'=0f′=0 wird als Extrem angesehen.
  • Wendepunkt wird mit Extrempunkt verwechselt.
  • Monotonie wird nur lokal geprüf, nicht über Intervalle.

Aktive Wiederholung

Analysiere f(x)=x3−6x2+9x+2f(x)=x^{3}-6x^{2}+9x+2f(x)=x3−6x2+9x+2 auf Monotonie, Extrema und Wendepunkte.

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Formelsammlung SRDP Angewandte Mathematik (BHS) (BMBWF) · SRDP BHS - Aufgabenarchiv Angewandte Mathematik (IQS / BMBWF)

§ 04

Extremwertaufgaben in Anwendungen#

●●●VertiefungLPB-5.4

Kernpunkte

Extremwertaufgaben sind die wichtigste Anwendung der Differentialrechnung im Beruf: das Maximum eines Gewinns, das Minimum eines Materialeinsatzes, die optimale Abmessung einer Verpackung. Sie folgen stets demselben fünfschrittigen Schema - wer es beherrscht, löst jede dieser Aufgaben strukturiert ().

Extremwertaufgabe: maximale eingezäunte Fläche

Maximale Fläche A(x) = 40x − 2x²Schaubild von A(x), Nullstellen bei x = 0, 20, Hochpunkt bei (10, 200), y-Achsenabschnitt bei y = 0, im Bereich x von 0 bis 20510152050100150200Max(10, 200)A(x)Fläche (m²)Tiefe x (m)
Abb. 4Zielfunktion A(x)=x(40−2x)=40x−2x2A(x)=x(40-2x)=40x-2x^{2}A(x)=x(40−2x)=40x−2x2 (Zaun an einer Hauswand): Die Fläche ist bei der Tiefe x=10 mx=10\,\mathrm{m}x=10m maximal und beträgt 200 m2200\,\mathrm{m}^{2}200m2.
Schritt 1 ist die Modellierung: Zielgröße (was soll maximal/minimal werden?) und Nebenbedingung (welche Einschränkung gilt?) sauber trennen. Beim Zaun an der Hauswand etwa ist die Fläche die Zielgröße, die feste Zaunlänge die Nebenbedingung.
Schritt 2 reduziert die Zielfunktion auf eine einzige Variable, indem die Nebenbedingung eingesetzt wird. Aus der Bedingung 40=2x+y40=2x+y40=2x+y wird y=40−2xy=40-2xy=40−2x, und die Fläche A=x⋅yA=x\cdot yA=x⋅y wird zur Funktion einer Variablen A(x)=x(40−2x)A(x)=x(40-2x)A(x)=x(40−2x). Diesen Schritt zu überspringen und die falsche Variable zu optimieren, ist der häufigste Fehler.
Schritt 3 ist die eigentliche Optimierung: A′(x)=0A'(x)=0A′(x)=0 liefert die kritische Stelle, die hinreichende Bedingung (A′′<0A''<0A′′<0 für ein Maximum) sichert ihre Art ab. Für A(x)=40x−2x2A(x)=40x-2x^{2}A(x)=40x−2x2 ergibt sich x=10x=10x=10 mit A′′=−4<0A''=-4<0A′′=−4<0, also tatsächlich ein Maximum.
Schritt 4 prüft die Ränder des Definitionsbereichs: Das globale Optimum kann auch am Rand des sinnvollen Bereichs liegen, nicht nur an einer inneren Extremstelle. Ohne diese Randprüfung kann man das wahre Optimum verfehlen.
Schritt 5 ist die Interpretation mit Einheit: nicht nur „x=10x=10x=10", sondern „Tiefe 10 m10\,\mathrm{m}10m, Wandseite 20 m20\,\mathrm{m}20m, maximale Fläche 200 m2200\,\mathrm{m}^{2}200m2". Bei der Dosen-Optimierung führt dasselbe Schema auf das schöne Ergebnis h=2rh=2rh=2r - die materialsparendste Dose ist so hoch wie ihr Durchmesser.
f′(x)=0,  f′′(x)<0  ⇒  Maximumf'(x)=0,\;f''(x)<0\;\Rightarrow\;\text{Maximum}f′(x)=0,f′′(x)<0⇒Maximum

Hinreichende Bedingung Maximum

Musterbeispiel

Gewinnmaximum aus Gewinnfunktion

Eine Firma hat die Gewinnfunktion G(x)=−0,02x2+12x−800G(x)=-0{,}02x^{2}+12x-800G(x)=−0,02x2+12x−800 (in Euro, xxx produzierte Stück). Welche Stückzahl maximiert den Gewinn?

  1. 01Ableitung

    G′(x)=−0,04x+12G'(x)=-0{,}04x+12G′(x)=−0,04x+12.

  2. 02Notwendige Bedingung

    G′(x)=0⇒x=300G'(x)=0 \Rightarrow x=300G′(x)=0⇒x=300 Stück.

  3. 03Hinreichende Bedingung

    G′′(x)=−0,04<0G''(x)=-0{,}04<0G′′(x)=−0,04<0, also Maximum.

  4. 04Maximalgewinn

    G(300)=−0,02⋅90000+12⋅300−800=−1800+3600−800=1000G(300)=-0{,}02\cdot 90000+12\cdot 300-800=-1800+3600-800=1000G(300)=−0,02⋅90000+12⋅300−800=−1800+3600−800=1000 Euro.

Ergebnis: Gewinnmaximum 1000 Euro1000\,\mathrm{Euro}1000Euro bei 300300300 Stück.

Musterbeispiel

Optimierung Verpackungsoberfläche

Eine zylindrische Konservendose soll Volumen V=500 cm3V=500\,\mathrm{cm}^{3}V=500cm3 haben. Welche Höhe und welcher Radius minimieren die Oberfläche?

  1. 01Nebenbedingung

    πr2h=500⇒h=500πr2\pi r^{2}h=500 \Rightarrow h=\tfrac{500}{\pi r^{2}}πr2h=500⇒h=πr2500​.

  2. 02Zielfunktion

    O(r)=2πr2+2πrh=2πr2+1000rO(r)=2\pi r^{2}+2\pi r h=2\pi r^{2}+\tfrac{1000}{r}O(r)=2πr2+2πrh=2πr2+r1000​.

  3. 03Ableiten

    O′(r)=4πr−1000r2=0⇒r3=250π≈79,58O'(r)=4\pi r-\tfrac{1000}{r^{2}}=0 \Rightarrow r^{3}=\tfrac{250}{\pi}\approx 79{,}58O′(r)=4πr−r21000​=0⇒r3=π250​≈79,58, r≈4,30 cmr\approx 4{,}30\,\mathrm{cm}r≈4,30cm.

  4. 04Höhe

    h=500π⋅4,302≈8,60 cmh=\tfrac{500}{\pi\cdot 4{,}30^{2}}\approx 8{,}60\,\mathrm{cm}h=π⋅4,302500​≈8,60cm.

Ergebnis: Optimale Dose: r≈4,3 cmr\approx 4{,}3\,\mathrm{cm}r≈4,3cm, h≈8,6 cmh\approx 8{,}6\,\mathrm{cm}h≈8,6cm (Verhältnis h=2rh=2rh=2r).

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Trenne zuerst Zielgröße und Nebenbedingung sauber.

  2. 2

    Reduziere die Zielfunktion auf eine einzige Variable.

  3. 3

    Prüfe Randpunkte des Definitionsbereichs und interpretiere am Ende im Kontext.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank4 Punkte

Aufgabenstellung

Aus einem 40 m40\,\mathrm{m}40m langen Zaun soll ein rechteckiger Bereich an einer Hauswand abgegrenzt werden (eine Seite ist die Wand). Bestimme die Abmessungen, für die die Fläche maximal wird. (HTL)

Maturafokus

  • In HTL: Optimierung von Verpackungen, Materialeinsatz.
  • In HAK: Gewinnmaximierung, Kostenminimierung.
  • In HUM: Tourismus, Personalplanung.

Typische Fehler

  • Nebenbedingung wird ignoriert - falsche Variable optimiert.
  • Randwerte werden nicht geprüft, dadurch falsches globales Optimum.
  • Interpretation fehlt komplett.

Aktive Wiederholung

Aus einem Rechteck der Fläche 200 cm2200\,\mathrm{cm}^{2}200cm2 soll der Umfang minimiert werden. Bestimme Seitenlängen und minimalen Umfang.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Formelsammlung SRDP Angewandte Mathematik (BHS) (BMBWF) · SRDP BHS - Aufgabenarchiv Angewandte Mathematik (IQS / BMBWF)

§ 05

Ableitung von Exponential- und Logarithmusfunktionen#

●●●VertiefungLPB-5.1LPB-5.2

Kernpunkte

Die Exponential- und Logarithmusfunktionen verdienen eigene Aufmerksamkeit, weil sie alle Wachstums- und Zerfallsmodelle tragen und beim Ableiten eine bemerkenswerte Eigenschaft zeigen. Die natürliche Exponentialfunktion ist ihre eigene Ableitung: ddxex=ex\tfrac{\mathrm{d}}{\mathrm{d}x}\mathrm{e}^{x}=\mathrm{e}^{x}dxd​ex=ex - ihre Steigung ist in jedem Punkt gleich ihrem Funktionswert.
Mit der Kettenregel wird daraus die in der Praxis gebrauchte Form ddxekx=k ekx\tfrac{\mathrm{d}}{\mathrm{d}x}\mathrm{e}^{kx}=k\,\mathrm{e}^{kx}dxd​ekx=kekx und allgemein ddxeg(x)=g′(x) eg(x)\tfrac{\mathrm{d}}{\mathrm{d}x}\mathrm{e}^{g(x)}=g'(x)\,\mathrm{e}^{g(x)}dxd​eg(x)=g′(x)eg(x). Der innere Faktor g′(x)g'(x)g′(x) - bzw. kkk - darf nie fehlen; ihn zu vergessen ist hier der mit Abstand häufigste Fehler.
Die Ableitung des natürlichen Logarithmus ist ddxln⁡x=1x\tfrac{\mathrm{d}}{\mathrm{d}x}\ln x=\tfrac{1}{x}dxd​lnx=x1​ (für x>0x>0x>0). Bemerkenswert ist, dass diese einfache Bruchfunktion die Ableitung einer ganz anders aussehenden Funktion ist - der Definitionsbereich x>0x>0x>0 ist dabei stets mitzudenken.
Für eine allgemeine Basis gilt ddxax=axln⁡a\tfrac{\mathrm{d}}{\mathrm{d}x}a^{x}=a^{x}\ln adxd​ax=axlna. Der Faktor ln⁡a\ln alna entsteht, weil man ax=exln⁡aa^{x}=\mathrm{e}^{x\ln a}ax=exlna schreibt und die Kettenregel anwendet; für a=ea=\mathrm{e}a=e ist ln⁡a=1\ln a=1lna=1 und der Faktor verschwindet. Auch dieser Faktor wird leicht übersehen.
Die Bedeutung in Anwendungen ist direkt: Die Ableitung einer Wachstumsfunktion ist deren momentane Wachstumsrate. Bei N(t)=500 e0,04tN(t)=500\,\mathrm{e}^{0{,}04t}N(t)=500e0,04t ist N′(t)=20 e0,04tN'(t)=20\,\mathrm{e}^{0{,}04t}N′(t)=20e0,04t, und die Tangente bei t=0t=0t=0 hat die Steigung N′(0)=20N'(0)=20N′(0)=20 Einheiten pro Zeiteinheit ().

Ableitung der Exponentialfunktion als Wachstumsrate

Exponentielle Wachstumsrate N'(t)Schaubild von N(t), y-Achsenabschnitt bei y = 500, steigend, im Bereich x von 0 bis 2051015202004006008001000N(0) = 500Steigung N'(0) = 20N(t)Nt
Abb. 5Bei N(t)=500 e0,04tN(t)=500\,\mathrm{e}^{0{,}04t}N(t)=500e0,04t ist die Ableitung N′(t)=20 e0,04tN'(t)=20\,\mathrm{e}^{0{,}04t}N′(t)=20e0,04t die momentane Wachstumsrate; die Tangente bei t=0t=0t=0 hat die Steigung N′(0)=20N'(0)=20N′(0)=20.
Da die Ableitung proportional zum Funktionswert ist (N′=k⋅NN'=k\cdot NN′=k⋅N), beschreibt sie genau das Kennzeichen exponentiellen Wachstums: Die Änderungsrate ist proportional zum Bestand. Dieser Zusammenhang ist die Brücke zu den Differentialgleichungen der Modellierung (B 12).
(eg(x))′=g′(x) eg(x),(ln⁡x)′=1x,(ax)′=axln⁡a(\mathrm{e}^{g(x)})'=g'(x)\,\mathrm{e}^{g(x)},\quad (\ln x)'=\tfrac{1}{x},\quad (a^{x})'=a^{x}\ln a(eg(x))′=g′(x)eg(x),(lnx)′=x1​,(ax)′=axlna

Ableitungen exponentieller Funktionen

Musterbeispiel

Ableitung einer Zerfallsfunktion

Leite f(x)=3e−0,2xf(x)=3\mathrm{e}^{-0{,}2x}f(x)=3e−0,2x ab.

  1. 01Schritt 1 - Kettenregel

    Innere Funktion g(x)=−0,2xg(x)=-0{,}2xg(x)=−0,2x, g′(x)=−0,2g'(x)=-0{,}2g′(x)=−0,2.

  2. 02Schritt 2 - Ableitung

    f′(x)=3⋅(−0,2) e−0,2x=−0,6 e−0,2xf'(x)=3\cdot(-0{,}2)\,\mathrm{e}^{-0{,}2x}=-0{,}6\,\mathrm{e}^{-0{,}2x}f′(x)=3⋅(−0,2)e−0,2x=−0,6e−0,2x.

  3. 03Schritt 3 - Deuten

    f′(x)<0f'(x)<0f′(x)<0 für alle xxx - die Größe nimmt ständig ab, und zwar proportional zum aktuellen Wert (typisch für Zerfall/Abkühlung).

Ergebnis: f′(x)=−0,6 e−0,2xf'(x)=-0{,}6\,\mathrm{e}^{-0{,}2x}f′(x)=−0,6e−0,2x, stets negativ (monotone Abnahme).

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank2 Punkte

Aufgabenstellung

Bestimme die Ableitung von N(t)=500e0,04tN(t)=500\mathrm{e}^{0{,}04t}N(t)=500e0,04t und gib die momentane Wachstumsrate bei t=0t=0t=0 an. (HTL)

Maturafokus

  • Operator "Berechnen": Ableitung verketteter Exponential- und Logarithmusterme korrekt mit Kettenregel bilden.
  • Operator "Interpretieren": die Ableitung einer Wachstumsfunktion als momentane Wachstumsrate deuten.
  • Den inneren Faktor g′(x)g'(x)g′(x) bzw. ln⁡a\ln alna nie vergessen.

Typische Fehler

  • Bei ekx\mathrm{e}^{kx}ekx den inneren Faktor kkk vergessen (ddxekx≠ekx\tfrac{\mathrm{d}}{\mathrm{d}x}\mathrm{e}^{kx}\neq \mathrm{e}^{kx}dxd​ekx=ekx).
  • Bei axa^{x}ax den Faktor ln⁡a\ln alna ausgelassen.
  • Definitionsbereich von ln⁡x\ln xlnx (x>0x>0x>0) missachtet.

Aktive Wiederholung

Leite die Funktion f(x)=3e−0,2xf(x)=3\mathrm{e}^{-0{,}2x}f(x)=3e−0,2x ab und interpretiere f′(x)f'(x)f′(x) im Kontext eines Abkühlvorgangs.

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Formelsammlung SRDP Angewandte Mathematik (BHS) (BMBWF) · SRDP BHS - Aufgabenarchiv Angewandte Mathematik (IQS / BMBWF)

§ 06

Numerische Nullstellensuche (Newton-Verfahren)#

●●●VertiefungLPB-5.1

Kernpunkte

Viele praktisch wichtige Gleichungen - etwa x3−2x−5=0x^{3}-2x-5=0x3−2x−5=0 - lassen sich nicht mehr durch Umformen exakt lösen. Numerische Verfahren liefern stattdessen iterativ immer bessere Näherungen der Nullstelle. Das Newton-Verfahren ist das mit Abstand schnellste und nutzt die Ableitung, die hier ihre praktische Stärke ausspielt.
Die Iterationsformel lautet xn+1=xn−f(xn)f′(xn)x_{n+1}=x_{n}-\tfrac{f(x_{n})}{f'(x_{n})}xn+1​=xn​−f′(xn​)f(xn​)​: Aus einem Startwert x0x_0x0​ entsteht eine bessere Näherung x1x_1x1​, daraus x2x_2x2​ und so fort. Jeder Schritt braucht den Funktionswert und die Ableitung an der aktuellen Stelle - diese beiden zu vertauschen, ist der typische Fehler.
Geometrisch ist xn+1x_{n+1}xn+1​ die Nullstelle der Tangente an fff im Punkt (xn∣f(xn))(x_n\mid f(x_n))(xn​∣f(xn​)) (): Man ersetzt die Kurve lokal durch ihre Tangente und nimmt deren - leicht berechenbaren - Achsenschnitt als neue Näherung. Für f(x)=x2−5f(x)=x^{2}-5f(x)=x2−5 und x0=2x_0=2x0​=2 liefert ein Schritt bereits x1=2,25x_1=2{,}25x1​=2,25, sehr nahe an 5≈2,236\sqrt{5}\approx 2{,}2365​≈2,236.

Newton-Verfahren: Tangente trifft die x-Achse

Newton-Schritt für √5Schaubild von f, Nullstellen bei x = 2.236, y-Achsenabschnitt bei y = -5, steigend, im Bereich x von 0 bis 3.50.511.522.533.5−6−4−22468x₀x₁√5Tangenteff(x)x
Abb. 6Vom Startwert x0=2x_{0}=2x0​=2 liefert die Nullstelle der Tangente an f(x)=x2−5f(x)=x^{2}-5f(x)=x2−5 die bessere Näherung x1=2,25x_{1}=2{,}25x1​=2,25 für 5≈2,236\sqrt{5}\approx 2{,}2365​≈2,236.
Bei einem guten Startwert konvergiert das Verfahren quadratisch - die Zahl der korrekten Stellen verdoppelt sich grob mit jedem Schritt. Deshalb genügen meist wenige Iterationen für hohe Genauigkeit.
Es gibt aber Fallstricke: Ist f′(xn)≈0f'(x_n)\approx 0f′(xn​)≈0 (waagrechte Tangente), wird durch fast null geteilt und das Verfahren springt weit weg oder versagt. Auch ein schlecht gewählter Startwert kann zu einer anderen oder zu keiner Nullstelle führen - ein grober Vorab-Überblick über die Lage der Nullstelle ist daher wichtig.
In der Praxis bricht man ab, wenn die Änderung ∣xn+1−xn∣|x_{n+1}-x_n|∣xn+1​−xn​∣ unter eine vorgegebene Schranke fällt; CAS-Rechner haben Newton bzw. solve eingebaut. In der Matura wird meist verlangt, ein bis zwei Schritte von Hand auszuführen oder das Konvergenzverhalten zu begründen.
xn+1=xn−f(xn)f′(xn)x_{n+1}=x_{n}-\dfrac{f(x_{n})}{f'(x_{n})}xn+1​=xn​−f′(xn​)f(xn​)​

Newton-Iteration

Musterbeispiel

Ein Newton-Schritt für eine Wurzel

Nähere 5\sqrt{5}5​ als Nullstelle von f(x)=x2−5f(x)=x^{2}-5f(x)=x2−5, Startwert x0=2x_{0}=2x0​=2.

  1. 01Schritt 1 - Funktion und Ableitung

    f(x0)=22−5=−1f(x_{0})=2^{2}-5=-1f(x0​)=22−5=−1, f′(x)=2xf'(x)=2xf′(x)=2x, also f′(2)=4f'(2)=4f′(2)=4.

  2. 02Schritt 2 - Newton-Schritt

    x1=2−−14=2+0,25=2,25x_{1}=2-\tfrac{-1}{4}=2+0{,}25=2{,}25x1​=2−4−1​=2+0,25=2,25.

  3. 03Schritt 3 - Prüfen

    2,252=5,06252{,}25^{2}=5{,}06252,252=5,0625 - sehr nahe an 555; ein weiterer Schritt verbessert die Näherung gegen 5≈2,2361\sqrt{5}\approx 2{,}23615​≈2,2361.

Ergebnis: Nach einem Newton-Schritt: x1=2,25x_{1}=2{,}25x1​=2,25 als Näherung für 5\sqrt{5}5​.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank2 Punkte

Aufgabenstellung

Die Gleichung x3−2x−5=0x^{3}-2x-5=0x3−2x−5=0 ist nicht elementar lösbar. Führe ausgehend von x0=2x_{0}=2x0​=2 einen Newton-Schritt durch. (HTL)

Maturafokus

  • Operator "Berechnen": einen oder zwei Newton-Schritte aus Startwert, fff und f′f'f′ durchführen.
  • Operator "Begründen": Konvergenzverhalten oder Wahl des Startwerts erläutern.
  • Tangentensteigung f′(xn)f'(x_{n})f′(xn​) korrekt verwenden.

Typische Fehler

  • Im Iterationsschritt f(xn)f(x_{n})f(xn​) und f′(xn)f'(x_{n})f′(xn​) vertauscht.
  • Mit f′(xn)≈0f'(x_{n})\approx 0f′(xn​)≈0 weitergerechnet (Division nahe null, Sprung des Verfahrens).
  • Abbruchkriterium ignoriert oder zu früh abgebrochen.

Aktive Wiederholung

Bestimme mit einem Newton-Schritt eine Näherung für die Nullstelle von f(x)=x2−5f(x)=x^{2}-5f(x)=x2−5 ausgehend von x0=2x_{0}=2x0​=2.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Formelsammlung SRDP Angewandte Mathematik (BHS) (BMBWF) · SRDP BHS - Aufgabenarchiv Angewandte Mathematik (IQS / BMBWF)

Inhalt

Abschnitt -- / 06

    • 01Mittlere und momentane Änderungsrate○
    • 02Ableitungsregeln◐
    • 03Kurvendiskussion: Monotonie, Extrema, Wendepunkte●
    • 04Extremwertaufgaben in Anwendungen●
    • 05Ableitung von Exponential- und Logarithmusfunktionen●
    • 06Numerische Nullstellensuche (Newton-Verfahren)●

0/6 Gelesen

Aus den Notizen ins Training

B 5 - Differentialrechnung in Anwendungen

Festige dieses Thema an passenden Aufgaben aus der Fragenbank.

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Beispielfrage

Die Funktion fff beschreibt den Bestand einer Population. Erkläre die Bedeutung von f′(5)=120f'(5)=120f′(5)=120 im Kontext, wenn f(t)f(t)f(t) die Population zur Zeit ttt (in Jahren) angibt. (HUM)

2 BE · 2022

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Belege & Quellen

Quellen

BMBWF

  • Formelsammlung SRDP Angewandte Mathematik (BHS)

IQS / BMBWF

  • SRDP BHS - Aufgabenarchiv Angewandte Mathematik

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