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DE-Abitur · PhilosophieT·033 / 15
Die mittelalterliche Philosophie (ca. 400–1400) denkt im Spannungsfeld von Glaube (fides) und Vernunft (ratio): Wie verhalten sich die offenbarte Wahrheit der Religion und die natürliche Erkenntnis der Philosophie? Augustinus prägt die Patristik durch die Synthese von Platonismus und Christentum; die Scholastik systematisiert das Verhältnis von Theologie und Aristotelischer Philosophie (Anselm, Thomas von Aquin). Der Universalienstreit verhandelt den ontologischen Status der Allgemeinbegriffe, und mit dem Nominalismus (Ockham) und der spätscholastischen Trennung der Bereiche beginnt der Weg in die Neuzeit. Das Mittelalter ist kein „dunkles Zeitalter", sondern die Schule der begrifflichen Strenge.
4Abschnitteca. 8Min Lesezeit2Kompetenzen
Operatoren:darstellen · rekonstruieren · analysieren · erörtern · beurteilen
grundlegendes Niveau
gA-Niveau: Leitfrage Glaube und Vernunft; Augustinus („credo ut intelligam"); Anselms ontologischer Gottesbeweis (Grundidee); Thomas von Aquin (Harmonie von Glaube und Vernunft, fünf Wege); Universalienstreit als Streit um die Allgemeinbegriffe.
erhöhtes Niveau
eA-Niveau: Augustins Synthese von Neuplatonismus und Christentum (Illuminationslehre, Zeitanalyse Conf. XI); Anselms Proslogion II als Originalargument rekonstruieren; Aquins Aristotelismus (natürliche vs. Offenbarungstheologie, ancilla theologiae) und die fünf Wege; Universalienstreit (Realismus — Konzeptualismus — Nominalismus) mit Ockhams Rasiermesser.
Kernpunkte
Typische Fehler
Quellen: KMK EPA Philosophie 2006 (KMK) · NRW KLP Philosophie GOSt 2013 (MSB NRW)
Kernpunkte
KLASSISCHE GOTTESBEWEISE
Welche drei Beschriftungen in "Klassische Gottesbeweise" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Musterlösung
Rekonstruieren Sie Anselms ontologischen Gottesbeweis (Proslogion II) als formales Argument und prüfen Sie ihn anhand von Gaunilos und Kants Einwänden.
Anselm definiert Gott als „id quo maius cogitari non potest" — das, worüber hinaus nichts Größeres gedacht werden kann. Selbst der Tor (Ps 14,1), der sagt „es ist kein Gott", versteht diesen Begriff und hat ihn so im Verstand (in intellectu).
P1: Gott (als id quo maius …) existiert zumindest im Verstand. P2: Existenz in der Wirklichkeit (in re) ist größer/vollkommener als bloße Existenz im Verstand. P3: Angenommen, Gott existierte nur im Verstand — dann ließe sich ein Größeres denken (dasselbe Wesen, das auch in Wirklichkeit existiert).
Aus P3 folgt ein Widerspruch: „das, worüber hinaus nichts Größeres gedacht werden kann", wäre etwas, worüber hinaus doch Größeres gedacht werden kann. Also muss Gott auch in der Wirklichkeit existieren. K: Gott existiert notwendig.
Gaunilo (Pro insipiente): Analog ließe sich die „vollkommenste Insel" herbeidenken — aus dem Begriff der größten Insel folgte ihre Existenz, was absurd ist. Anselms Replik: Das Argument gilt nur für ein Wesen, dessen Nicht-Existenz undenkbar ist (notwendige Existenz), nicht für kontingente Dinge wie Inseln.
Kant (KrV B 620 ff.): „Sein ist offenbar kein reales Prädikat" — Existenz fügt einem Begriff keine Eigenschaft hinzu. „100 wirkliche Taler enthalten nicht das Mindeste mehr als 100 mögliche Taler." Existenz ist eine Setzung (Position), kein vollkommenheitssteigerndes Merkmal. Damit bricht P2 zusammen.
Das Argument ist formal gültig (reductio), aber P2 ist nach Kant falsch: Existenz steigert keine Vollkommenheit. Der Beweis macht die Existenz analytisch aus einem Begriff — doch Existenzaussagen sind synthetisch. Bleibender Wert: die Klärung des Verhältnisses von Begriff und Sein; moderne modallogische Varianten (Gödel, Plantinga) verlagern die Frage auf die Möglichkeit notwendiger Existenz.
Ergebnis: Anselms Beweis ist als reductio formal stringent, scheitert aber an Prämisse P2: Mit Kant ist Existenz kein reales Prädikat, das Vollkommenheit steigert. Der ontologische Beweis überführt unzulässig eine Begriffsanalyse in eine Existenzaussage.
Typische Fehler
Quellen: Stanford Encyclopedia of Philosophy — Ontological Arguments (Stanford University) · KMK EPA Philosophie 2006 (KMK)
Kernpunkte
Typische Fehler
Quellen: Stanford Encyclopedia of Philosophy — Cosmological Argument (Stanford University) · KMK EPA Philosophie 2006 (KMK)
Kernpunkte
Typische Fehler
Quellen: Stanford Encyclopedia of Philosophy — Informal Logic (Stanford University) · KMK EPA Philosophie 2006 (KMK)