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DE-Abitur · PhilosophieT·055 / 15
Das 19. Jahrhundert denkt im Schatten und in der Kritik Kants. Hegel vollendet den Deutschen Idealismus mit einer dialektischen Philosophie des absoluten Geistes, der sich in der Geschichte entfaltet. Aus der Auseinandersetzung mit Hegel entstehen die großen Gegenbewegungen: Marx stellt die Dialektik „vom Kopf auf die Füße", deutet die Geschichte materialistisch als Klassenkampf und entwickelt die Ideologiekritik; Kierkegaard setzt gegen das System die einzelne Existenz und den Glaubenssprung; Nietzsche diagnostiziert mit dem „Tod Gottes" die Wertkrise der Moderne und fordert die Umwertung aller Werte. Diese Denker bereiten die Existenzphilosophie, die Kritische Theorie und die Postmoderne vor.
3Abschnitteca. 7Min Lesezeit2Kompetenzen
Operatoren:darstellen · analysieren · rekonstruieren · erörtern · beurteilen
grundlegendes Niveau
gA-Niveau: Hegels Dialektik (These — Antithese — Synthese) und Weltgeist; Marx’ historischer Materialismus (Basis/Überbau, Klassenkampf, Entfremdung); Nietzsches „Tod Gottes" und Umwertung der Werte; Kierkegaards einzelne Existenz gegen das System.
erhöhtes Niveau
eA-Niveau: Hegels dialektische Bewegung (Aufhebung in dreifachem Sinn), Herr-Knecht-Dialektik, „das Wahre ist das Ganze"; Marx’ Umstülpung der Hegelschen Dialektik, Mehrwert- und Ideologiekritik, vier Dimensionen der Entfremdung; Nietzsches Herren-/Sklavenmoral, Wille zur Macht, Übermensch (gegen die NS-Vereinnahmung); Kierkegaards Existenzstadien und Sprung.
Kernpunkte
Typische Fehler
Quellen: Stanford Encyclopedia of Philosophy — Informal Logic (Stanford University) · KMK EPA Philosophie 2006 (KMK)
Kernpunkte
Typische Fehler
Quellen: Stanford Encyclopedia of Philosophy — Karl Marx (Stanford University) · KMK EPA Philosophie 2006 (KMK)
Kernpunkte
KIERKEGAARDS DREI EXISTENZSTADIEN
Welche drei Beschriftungen in "Kierkegaards drei Existenzstadien" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Musterlösung
Deuten Sie Nietzsches Wort vom „Tod Gottes" (Die fröhliche Wissenschaft § 125) und beurteilen Sie, ob es eine atheistische Triumphmeldung oder eine Krisendiagnose ist.
Im Aphorismus „Der tolle Mensch" läuft ein Mann mit einer Laterne am hellen Vormittag über den Markt und ruft: „Wo ist Gott? … Wir haben ihn getötet — ihr und ich!" Die Umstehenden, die nicht an Gott glauben, lachen ihn aus.
„Gott" steht nicht nur für den christlichen Gott, sondern für das gesamte übersinnliche Fundament der abendländischen Kultur: objektive Werte, Wahrheit, Sinn, Moral. Sein „Tod" ist der Glaubwürdigkeitsverlust dieses Fundaments durch Aufklärung und Wissenschaft.
Der tolle Mensch kommt „zu früh": die Menschen haben Gott getötet, ohne die Tragweite zu erfassen. Bilder des Sturzes („Wohin bewegen wir uns? … Stürzen wir nicht fortwährend?") zeigen Orientierungsverlust, nicht Befreiung. Es ist eine Krisendiagnose.
Mit dem Wegfall des obersten Wertfundaments droht der Nihilismus — die Entwertung aller Werte, das „Es fehlt das Ziel; es fehlt die Antwort auf das Warum?". Nietzsche sieht ihn als unheimlichsten Gast, aber auch als notwendige Durchgangsstufe.
Überwindung durch Umwertung aller Werte: der Mensch soll selbst zum Wertsetzer werden (Wille zur Macht), den Übermenschen als neues Ideal entwerfen und die ewige Wiederkunft bejahen (amor fati). Aktiver statt passiver Nihilismus.
Das Wort ist eine kulturdiagnostische Krisenansage, keine simple Atheismus-Feier — gerade die lachenden Ungläubigen verfehlen den Ernst. Stärke: hellsichtige Diagnose des modernen Sinnverlusts. Problem: Nietzsches Antwort (Übermensch, Wille zur Macht) ist anschlussfähig für problematische Vereinnahmungen und bleibt selbst begründungsbedürftig.
Ergebnis: Der „Tod Gottes" ist eine Diagnose der Wertkrise (drohender Nihilismus durch Wegfall des übersinnlichen Fundaments), nicht eine atheistische Triumphmeldung. Nietzsche fordert die aktive Umwertung der Werte — eine kraftvolle, aber selbst begründungsbedürftige und missbrauchsanfällige Antwort.
Typische Fehler
Quellen: Stanford Encyclopedia of Philosophy — Søren Kierkegaard (Stanford University) · Stanford Encyclopedia of Philosophy — Informal Logic (Stanford University)