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DE-Abitur · MusikT·066 / 9
Das 20. Jahrhundert sprengt die tonale Tradition durch mehrere parallele Strategien: Schönbergs Zweite Wiener Schule etabliert Atonalität und Zwölftontechnik; Strawinsky erneuert Rhythmik und Klangfarbe („Le Sacre du Printemps“ 1913); Webern radikalisiert die Reduktion. Nach 1945 entstehen Serialismus (Boulez, Stockhausen), elektronische Musik (WDR Köln), Aleatorik (Cage), Minimalismus (Reich, Glass), klangkompositorische Verfahren (Lachenmann, Ligeti). Die Moderne ist nicht ein Stil, sondern ein Pluralismus.
6Abschnitteca. 14Min Lesezeit2Kompetenzen
Operatoren:einordnen · analysieren · vergleichen · beurteilen
grundlegendes Niveau
gA-Niveau: Schönberg-Zwölftontechnik in Grundzügen, Strawinsky-Rhythmik („Sacre“), Cage-Aleatorik („4’33″“) als wichtigste Wendepunkte kennen.
erhöhtes Niveau
eA-Niveau: Detaillierte Erläuterung der seriellen Komposition (Reihe, vier Operationen, Matrix); Vergleich Schönberg-Strawinsky-Webern; Nachkriegs-Avantgarde (Boulez „Le marteau sans maitre“, Stockhausen „Gesang der Jünglinge“); Aleatorik und Cage-Ästhetik; Minimal Music (Reich „Clapping Music“, Glass „Einstein on the Beach“); Klangkomposition (Ligeti „Atmospheres“, Lachenmann).
Kernpunkte
ZEITSTRAHL DER MUSIKGESCHICHTE — EPOCHEN UND LEITKOMPONISTEN
Welche drei Beschriftungen in "Zeitstrahl der Musikgeschichte — Epochen und Leitkomponisten" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Musterlösung
Erläutern Sie die Zwölftontechnik anhand von Schönbergs Klavierstück op. 33a (1929). Bilden Sie die Grundreihe, ihre Umkehrung, ihren Krebs und ihren Krebs der Umkehrung.
Die Grundreihe besteht aus allen 12 Tönen der chromatischen Skala in einer festen Reihenfolge, jeder Ton genau einmal. Schönbergs Grundreihe (Originalform O, in op. 33a) lautet: B - F - C - H - A - Fis - Cis - Dis - G - As - D - E (Tonhöhenklassen 10-5-0-11-9-6-1-3-7-8-2-4). Die Reihe beginnt auf B (= b/Bb, Tonhöhenklasse 10); in der pc-bezogenen Zählung mit C = 0 trägt diese Transposition daher die Bezeichnung P-10 (P0 wäre die Form, die auf C beginnt). Diese Reihenfolge ist das thematische Material des gesamten Werks.
(a) Original (O) - die Reihe in ihrer ersten Form. (b) Umkehrung (I) - alle Intervalle in entgegengesetzter Richtung (Sekund aufwärts wird Sekund abwärts). (c) Krebs (R) - die Reihe rückwärts gelesen. (d) Krebsumkehrung (RI) - die Umkehrung rückwärts gelesen. Jede dieser vier Formen kann auf jede der 12 chromatischen Tonhöhen transponiert werden - so ergeben sich 48 Reihenformen (4 x 12).
Komponisten und Analytiker nutzen eine 12x12-Matrix: oben Original und seine Transpositionen O0-O11, links die Umkehrungen I0-I11. Diagonal von oben links nach unten rechts: O0 - identisches Intervallmuster. Die Krebsformen liest man rückwärts. Diese Matrix erlaubt schnelles Auffinden aller 48 Reihen.
Grundprinzip: jeder Ton der chromatischen Skala soll gleich häufig vorkommen, kein Ton soll als Tonart-Zentrum dominieren. Damit wird die funktionsharmonische Hierarchie (T-S-D) aufgehoben. Schönberg sprach von „Methode der Komposition mit zwölf nur aufeinander bezogenen Tönen“ - Atonalität wird systematisch organisiert.
Aufgabentyp: Identifizieren Sie in einem gegebenen Notenausschnitt die verwendete Reihenform. Vorgehensweise: (a) Reihenfolge der Töne transkribieren; (b) mit O0 abgleichen; (c) Intervallmuster der Umkehrung prüfen; (d) Krebs-Verfahren testen (Reihe rückwärts lesen). Hilfsmittel ist die Reihenmatrix.
Schönberg formulierte die Zwölftontechnik 1921/23 als Ausweg aus der „Krise der Tonalität“ der Spätromantik (Wagner, Mahler, Strauß). Zweite Wiener Schule: Schönberg, Berg, Webern. Spätere Radikalisierung im Serialismus (Boulez, Stockhausen, Babbitt): nicht nur Tonhöhe, auch Dauer, Lautstärke, Klangfarbe werden seriell organisiert („totaler Serialismus“).
Ergebnis: Die Zwölftontechnik ist ein systematisches Verfahren zur Atonalität: eine fixierte Tonreihe (Original) wird durch Umkehrung, Krebs und Krebsumkehrung sowie 12 Transpositionen zu 48 Reihenformen multipliziert. Damit wird tonale Hierarchie aufgehoben - Grundlage der musikalischen Moderne.
Typische Fehler
Quellen: MGG Online — Die Musik in Geschichte und Gegenwart (Bärenreiter / Metzler) · Grove Music Online (Oxford Music Online) (Oxford University Press) · Klett Spielräume Musik Oberstufe (Klett)
Kernpunkte
ZEITSTRAHL DER MUSIKGESCHICHTE — EPOCHEN UND LEITKOMPONISTEN
Welche drei Beschriftungen in "Zeitstrahl der Musikgeschichte — Epochen und Leitkomponisten" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
SINFONIEORCHESTER — SITZORDNUNG UND INSTRUMENTENGRUPPEN
Welche drei Beschriftungen in "Sinfonieorchester — Sitzordnung und Instrumentengruppen" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Typische Fehler
Quellen: MGG Online — Die Musik in Geschichte und Gegenwart (Bärenreiter / Metzler) · Grove Music Online (Oxford Music Online) (Oxford University Press) · IMSLP — Petrucci Music Library (gemeinfreie Partituren) (IMSLP)
Kernpunkte
ZEITSTRAHL DER MUSIKGESCHICHTE — EPOCHEN UND LEITKOMPONISTEN
Welche drei Beschriftungen in "Zeitstrahl der Musikgeschichte — Epochen und Leitkomponisten" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Vergleichen Sie integralen Serialismus (Boulez „Structures Ia“, 1952) mit Aleatorik (Cage „Music of Changes“). Beide Verfahren überlassen formale Entscheidungen einem außermusikalischen System - inwiefern sind sie konzeptuelle Antipoden?
Quellen: MGG Online — Die Musik in Geschichte und Gegenwart (Bärenreiter / Metzler) · Grove Music Online (Oxford Music Online) (Oxford University Press)
Kernpunkte
ZEITSTRAHL DER MUSIKGESCHICHTE — EPOCHEN UND LEITKOMPONISTEN
Welche drei Beschriftungen in "Zeitstrahl der Musikgeschichte — Epochen und Leitkomponisten" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Musterlösung
Erläutern Sie das Kompositionsprinzip von Steve Reichs „Clapping Music“ (1972). Beschreiben Sie das Pattern, die Phasenverschiebung und den formalen Verlauf.
Das gesamte Stück basiert auf einem einzigen rhythmischen Pattern von zwölf Achteln, das durch Händeklatschen ausgeführt wird (eine Folge aus Klatschen und Pausen, gruppiert 3-2-1-2). Es gibt keine Tonhöhen, nur Rhythmus und Klangfarbe des Klatschens.
Zwei Spieler beginnen das Pattern exakt unisono. Spieler 1 wiederholt das Pattern unverändert als konstante Referenz. Spieler 2 verschiebt das Pattern in festgelegten Abständen um jeweils ein Achtel nach vorn.
Nach mehreren Wiederholungen rückt Spieler 2 um genau ein Achtel weiter. Dadurch entstehen bei jeder Verschiebung neue Überlagerungsmuster (Interferenzen) zwischen den beiden identischen Patterns. Bei zwölf Achteln gibt es zwölf mögliche Verschiebungsstufen.
Nach zwölf Verschiebungen ist Spieler 2 wieder in Phase mit Spieler 1 (Verschiebung um zwölf Achtel = volle Patternlänge = Unisono). Das Stück endet, wenn beide wieder synchron klatschen. Die Form ist also ein vollständiger Phasenzyklus zurück zum Ausgangszustand.
„Clapping Music“ ist ein Modellfall der Minimal Music: minimales Material, prozesshafte Transformation, Wahrnehmung des allmählichen Wandels als ästhetischer Gegenstand. Reich überträgt das Tonband-Phasing seiner frühen Werke („It’s Gonna Rain“) auf live ausgeführte Körperperkussion.
Ergebnis: In „Clapping Music“ klatschen zwei Spieler dasselbe zwölf-Achtel-Pattern; einer hält es konstant, der andere verschiebt es schrittweise um je ein Achtel. Nach zwölf Verschiebungen sind beide wieder unisono - ein vollständiger Phasenzyklus. Das Stück verkörpert das minimalistische Prinzip der prozesshaften Transformation minimalen Materials.
Typische Fehler
Quellen: MGG Online — Die Musik in Geschichte und Gegenwart (Bärenreiter / Metzler) · Grove Music Online (Oxford Music Online) (Oxford University Press) · Klett Spielräume Musik Oberstufe (Klett)
Kernpunkte
ZEITSTRAHL DER MUSIKGESCHICHTE — EPOCHEN UND LEITKOMPONISTEN
Welche drei Beschriftungen in "Zeitstrahl der Musikgeschichte — Epochen und Leitkomponisten" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
INTERVALLTABELLE — BEZEICHNUNGEN, HALBTONSCHRITTE, STIMMUNGS-CHARAKTER
Welche drei Beschriftungen in "Intervalltabelle — Bezeichnungen, Halbtonschritte, Stimmungs-Charakter" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Vergleichen Sie die Auflösung der Tonalität bei Debussy (durch Klangfarbe und Ganztonleiter) und bei Schönberg (durch konsequente Atonalität). Beide überwinden die Funktionsharmonik - mit welchen unterschiedlichen Mitteln und Zielen?
Quellen: MGG Online — Die Musik in Geschichte und Gegenwart (Bärenreiter / Metzler) · Grove Music Online (Oxford Music Online) (Oxford University Press) · IMSLP — Petrucci Music Library (gemeinfreie Partituren) (IMSLP) · Klett Spielräume Musik Oberstufe (Klett)
Kernpunkte
ZEITSTRAHL DER MUSIKGESCHICHTE — EPOCHEN UND LEITKOMPONISTEN
Welche drei Beschriftungen in "Zeitstrahl der Musikgeschichte — Epochen und Leitkomponisten" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Erläutern Sie das Prinzip des integralen Serialismus an Boulez’ „Structures Ia“ (1952). Inwiefern führt die vollständige Vorausbestimmung aller Parameter paradoxerweise zu einem dem Zufall (Cage) ähnlichen Klangresultat?
Quellen: MGG Online — Die Musik in Geschichte und Gegenwart (Bärenreiter / Metzler) · Grove Music Online (Oxford Music Online) (Oxford University Press) · Klett Spielräume Musik Oberstufe (Klett)