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Schwerpunkte des Alten Testaments für das katholische Abitur: Schöpfungsberichte (Gen 1 / Gen 2), Bundesvorstellungen (Noach, Abraham, Sinai, neuer Bund Jeremia 31), prophetische Sozial- und Gerichtskritik (Amos, Jesaja) sowie Weisheits- und Klagetraditionen (Ijob, Ps). Theologische Grundbegriffe und ihre Vorbereitung auf das Neue Testament.
6Abschnitteca. 28Min Lesezeit4KompetenzenNiveauBasis 1 · Standard 4 · Vertiefung 1Stand 06/2026
grundlegendes Niveau
gA: Aussageabsicht der beiden Schöpfungsberichte, drei zentrale Bundesschlüsse (Abraham, Sinai, neuer Bund), Amos als Sozialprophet, Ps 22 als Klagegebet.
erhöhtes Niveau
eA: Priesterschrift / Jahwist als literarische Schichten, Bundesformel und ihre Wandlung, prophetisches Selbstverständnis (Berufung, Vision, Wort-Ereignis-Formel), Theodizee in Ijob und Koh, Wirkungsgeschichte AT — NT (Typologie).
Lesetiefe: Vertiefung
Schriftgröße: Standard
Erörtern Sie, ob biblischer Schöpfungsglaube und Evolutionstheorie sich widersprechen. Beziehen Sie sich auf die katholische Lehrposition (Pius XII., Humani Generis 1950; Johannes Paul II. 1996; Franziskus, Laudato Si' 80).
Gen 1,1–2,4a (Priesterschrift, ca. 6. Jh. v. Chr.) und Gen 2,4b–25 (Jahwist, ca. 10. Jh.) sind keine naturwissenschaftlichen Berichte. Sie antworten auf Fragen: Wer ist der Ursprung? Welche Würde hat der Mensch? — nicht: Wie?
Die Evolutionstheorie (Darwin 1859, moderne Synthese) erklärt die Entstehung der Arten durch Variation und Selektion. Sie beschäftigt sich mit dem Wie der biologischen Entwicklung — nicht mit dem Warum oder Wozu.
Galilei (Brief an Christina, 1615): Schrift sagt, wie man in den Himmel kommt, nicht wie der Himmel geht. Theologie und Naturwissenschaft beantworten unterschiedliche Fragestellungen — sie konkurrieren nicht.
Humani Generis (1950): Evolutionstheorie ist diskutabel, wenn die unmittelbare Schöpfung der Geistseele festgehalten wird. Johannes Paul II. (Botschaft an Päpstliche Akademie 1996): Evolution ist „mehr als nur eine Hypothese". Laudato Si' 80 sieht Schöpfung als geöffneten Prozess.
Schöpfung als creatio continua: Gott wirkt nicht als zusätzliche Ursache neben den naturwissenschaftlichen Ursachen, sondern als ihr Grund. „Schöpfer" und „Evolution" sind keine konkurrierenden Antworten auf dieselbe Frage.
Kreationismus und Intelligent Design liegen auf falscher Ebene — sie verwechseln theologische mit naturwissenschaftlicher Aussage. Atheistischer Naturalismus überschreitet die Reichweite empirischer Wissenschaft. Die katholische Position vertritt eine differenzierte Komplementarität.
Ergebnis: Schöpfungsglaube und Evolutionstheorie betreffen unterschiedliche Aussageebenen und schließen einander nicht aus. Die katholische Lehrposition vertritt eine integrative Sicht: Gott schafft durch Evolution.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Erörtern Sie die literarkritische Quellenscheidung der Schöpfungs- und Urgeschichte. Die klassische Urkundenhypothese (J, E, D, P) wird heute differenziert diskutiert (R. Rendtorff, E. Blum); zugleich deutet vieles auf eine bewusste Auseinandersetzung von Gen 1 mit dem babylonischen Schöpfungsmythos Enuma Elisch hin. Diskutieren Sie, wie die exilische Entstehungssituation der Priesterschrift deren Theologie der Transzendenz und der Menschenwürde erklärt.
Aktive Wiederholung
Analysieren Sie die anthropologischen Aussagen von Gen 1,26–28 und Gen 2,7.18–24 und beurteilen Sie, wie die katholische Tradition (KKK 355–361) sie systematisch entfaltet.
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Einheitsübersetzung 2016 (Bibleserver) (Katholisches Bibelwerk) · Katechismus der Katholischen Kirche (Online-Ausgabe) (Libreria Editrice Vaticana)
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Erörtern Sie den Tun-Ergehen-Zusammenhang als alttestamentlichen Versuch, das Verhältnis von Schuld und Leid zu ordnen, und seine Krise in Ijob und Kohelet. Diskutieren Sie, inwiefern diese weisheitliche Theodizee-Frage auf das spätere philosophisch-theologische Theodizee-Problem (Leibniz, Hiob-Rezeption) vorausweist und warum Gottes Antwort an Ijob keine theoretische Lösung, sondern eine Verweisung ins Schöpfungsgeheimnis ist.
Aktive Wiederholung
Interpretieren Sie Am 5,21–24 und erörtern Sie, inwiefern die Sozialkritik des Amos die katholische Option für die Armen (vgl. Laudato Si' 158) vorbereitet.
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Einheitsübersetzung 2016 (Bibleserver) (Katholisches Bibelwerk) · Laudato Si' — Enzyklika zur Schöpfungsethik (Papst Franziskus)
Analysieren Sie Aufbau und theologische Logik des Dekalogs (Ex 20,2–17) und beurteilen Sie, inwiefern er mehr ist als ein Verbotskatalog.
Der Dekalog beginnt nicht mit einem Gebot, sondern mit der Befreiungsformel: „Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus Ägypten … herausgeführt hat." Die Gebote sind Antwort auf erfahrene Befreiung — Gnade geht dem Gesetz voraus.
Fremdgötter- und Bilderverbot, Schutz des Gottesnamens, Sabbatgebot (Ex 20,3–11): Sie ordnen die Beziehung zu Gott. Der Sabbat verbindet Schöpfung (Ex 20,11) und Befreiung (Dtn 5,15).
Elternehrung, Schutz von Leben, Ehe, Eigentum, Wahrheit und das Begehrensverbot (Ex 20,12–17): Sie ordnen das Zusammenleben. Die Reihenfolge schreitet von Gott zum Nächsten — Gottes- und Nächstenliebe sind verbunden.
Jesus fasst den Dekalog im Doppelgebot der Liebe zusammen (Mt 22,37–40: Gott und Nächsten lieben) und verschärft einzelne Gebote in der Bergpredigt (Mt 5,21f.). Der Dekalog bleibt gültig, wird aber auf seine Mitte hin ausgelegt.
Der Dekalog ist Bundesrecht: Er begründet Freiheit durch Ordnung, nicht durch Zwang. KKK 2052–2082 deutet ihn als Weg gelingenden Lebens. Als Verbotskatalog gelesen verfehlt man seine befreiende Grundstruktur.
Ergebnis: Der Dekalog ist kein bloßer Verbotskatalog, sondern Bundesrecht: eingeleitet durch Gottes Befreiungstat, gegliedert in Gottes- und Mitmenschbeziehung und im NT auf das Doppelgebot der Liebe hin ausgelegt.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Erörtern Sie die beiden Übersetzungstraditionen von Ex 3,14 („ehjeh ascher ehjeh"). Die griechisch-metaphysische Lesart („Ich bin der Seiende") führte über die Septuaginta und Thomas von Aquin zur Bestimmung Gottes als „ipsum esse subsistens" (das Sein selbst); die relationale Lesart („Ich werde für euch da sein") betont das treue Mitsein. Diskutieren Sie, welche Gottesbilder beide Übersetzungen tragen und ob sie sich ausschließen oder ergänzen.
Aktive Wiederholung
Interpretieren Sie die Selbstoffenbarung Gottes in Ex 3,13–15 und erörtern Sie, inwiefern der Exodus die katholische Befreiungstheologie begründet.
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Einheitsübersetzung 2016 (Bibleserver) (Katholisches Bibelwerk) · Katechismus der Katholischen Kirche (Online-Ausgabe) (Libreria Editrice Vaticana)
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Diskutieren Sie die christologische Psalmenauslegung. Nach Augustinus betet die Kirche die Psalmen „im, mit und durch Christus" (totus Christus): Das betende Ich ist zugleich der einzelne Mensch, das Volk Gottes und Christus selbst. Erörtern Sie, wie diese Lektüre die Fluchpsalmen für Christen betbar macht, ohne ihren Eigensinn als alttestamentliche Klage zu zerstören.
Aktive Wiederholung
Analysieren Sie die Gattungsstruktur von Ps 22 und erläutern Sie, inwiefern seine Aufnahme in Mk 15,34 die Verbindung von alttestamentlicher Klage und Passion Jesu herstellt.
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Einheitsübersetzung 2016 (Bibleserver) (Katholisches Bibelwerk) · Katechismus der Katholischen Kirche (Online-Ausgabe) (Libreria Editrice Vaticana)
Heilsgeschichtlicher Zeitstrahl
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Erörtern Sie die Bundestheologie nach der Schoa. Diskutieren Sie den Übergang von der Ersetzungstheologie zur Rede vom „ungekündigten Bund" (F. Mußner; Erklärungen der deutschen Bischöfe) und die offene Streitfrage zwischen einer „Zwei-Wege-Theologie" und dem in Dominus Iesus (2000) betonten universalen Heilsmittlertum Christi. Wie lässt sich die bleibende Erwählung Israels (Röm 11,29) mit dem christlichen Bekenntnis zu Christus vereinbaren?
Aktive Wiederholung
Interpretieren Sie das vierte Gottesknechtslied (Jes 52,13–53,12) und erörtern Sie, inwiefern seine christologische Deutung den alttestamentlichen Eigensinn wahrt.
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Einheitsübersetzung 2016 (Bibleserver) (Katholisches Bibelwerk) · Nostra Aetate — Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen (II. Vatikanisches Konzil)
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Vergleichen Sie die hermeneutischen Modelle des AT-NT-Verhältnisses — das typologische, das Verheißung-Erfüllung-Modell, das heilsgeschichtliche Modell (G. von Rad) und das Kontrastmodell (Markion sowie moderne Verkürzungen). Diskutieren Sie zudem den „sensus plenior": die Frage, ob ein Text einen von Gott gemeinten Vollsinn tragen kann, der über die Absicht des menschlichen Verfassers hinausgeht und sich erst in der neutestamentlichen Erfüllung zeigt.
Aktive Wiederholung
Erörtern Sie die typologische Lektüre des Alten Testaments (z. B. Adam–Christus, Röm 5,12–21) und beurteilen Sie, wie sie den bleibenden Eigenwert des AT für Christen und Juden wahren kann.
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Einheitsübersetzung 2016 (Bibleserver) (Katholisches Bibelwerk) · Nostra Aetate — Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen (II. Vatikanisches Konzil)
Belege & Quellen
Katholisches Bibelwerk
Libreria Editrice Vaticana
Papst Franziskus
II. Vatikanisches Konzil