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Werkanalyse ist die prüfungszentrale Methodik der Musik-Klausur. Sie umfasst (a) klangliche Erstwahrnehmung, (b) formale Analyse (Periode, Satz, Form), (c) harmonische Analyse (Funktionen, Modulationen), (d) melodisch-thematische Analyse (Motive, Themenköpfe), (e) Faktur-Analyse (Stimmgefüge, Instrumentation), (f) historische Einordnung (Epoche, Komponist, Gattung), (g) Interpretation (Wort-Ton, Programm, Ästhetik). Daneben: Musik im historisch-gesellschaftlichen Kontext - Musik im NS, HIP (historisch informierte Aufführungspraxis), interkulturelle Perspektiven.
6Abschnitteca. 24Min Lesezeit3KompetenzenNiveauBasis 1 · Standard 3 · Vertiefung 2Stand 06/2026
grundlegendes Niveau
gA-Niveau: Fünf-Schritt-Analyse (Wahrnehmung - Form - Harmonik - Melodik - Faktur) sicher anwenden. Historische Einordnung in ein Epochenraster (Mittelalter, Renaissance, Barock, Klassik, Romantik, Moderne). Drei Funktionen der Filmmusik.
erhöhtes Niveau
eA-Niveau: Sieben-Schritt-Analyse mit Wort-Ton-Bezug und Interpretation. HIP-Konzept und seine Rezeptionsgeschichte. Reflexion zu Musik im NS, in der DDR, in interkulturellen Kontexten. Methodenreflexion: was leistet Werkanalyse, wo sind ihre Grenzen?
Lesetiefe: Vertiefung
Schriftgröße: Standard
Funktionsharmonik — Tonika, Subdominante, Dominante (Kadenzschema)
Sonatenhauptsatzform — formales Strukturschema
Wenden Sie den Fünf-Schritt-Analysealgorithmus exemplarisch auf den Beginn eines vierstimmigen Bach-Choralsatzes (Sopran-Alt-Tenor-Bass) an. Demonstrieren Sie jeden Schritt mit belegbaren Beobachtungen.
Vierstimmiger, homophoner Chorsatz, ruhiges Tempo, getragener Charakter. Besetzung: vier Singstimmen (oder Tasteninstrument). Keine Soloeinwürfe - durchgehend akkordisch. Erste Einschätzung der Tonart anhand des Schlussklangs der ersten Zeile.
Die Melodie ist in Choralzeilen gegliedert, die jeweils durch eine Fermate (Zeilenende) markiert sind. Jede Zeile schließt mit einer Kadenz. Die Phrasen entsprechen den Textzeilen des Kirchenlieds - klare, kurzgliedrige Periodik.
Tonart aus Generalvorzeichen und Schlusskadenz bestimmen. Jeder Akkord wird mit Funktion (T, S, D, Tp, Sp, Dp) und Stufe beziffert. Zeilenenden tragen typischerweise Halb- oder Ganzschlüsse; Binnenkadenzen können in die Dominante oder Tonikaparallele führen (Zwischendominanten beachten).
Die Sopranstimme trägt die Choralmelodie (Cantus firmus). Untersucht werden Schrittbewegung vs. Sprünge, Höhepunkt der Phrase und die Bezüge zwischen den Zeilen. Die Unterstimmen sind harmonisch führend, melodisch jedoch eigenständig (Stimmführung).
Homophoner Satz mit vier selbstständigen Stimmen. Prüfung der Stimmführungsregeln: keine Parallelquinten/-oktaven, Leittöne lösen sich aufwärts, Septimen abwärts, Gegenbewegung wird bevorzugt. Belege jede Beobachtung mit Taktangabe.
Jeder Schritt muss mit konkreten Taktbezügen belegt werden („T. 2 Quartsextakkord als Kadenzvorbereitung“). Die Reihenfolge der Schritte ist Gerüst, kein Selbstzweck - die Schritte stützen die abschließende Interpretation.
Ergebnis: Die Fünf-Schritt-Analyse eines Bach-Choralsatzes liefert: (1) homophoner vierstimmiger Satz, (2) durch Fermaten gegliederte Choralzeilen mit Kadenzen, (3) funktionsharmonische Bezifferung mit Halb-/Ganzschlüssen, (4) Choralmelodie im Sopran als Cantus firmus, (5) regelgerechte Stimmführung. Jede Beobachtung wird mit Taktangabe belegt.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Erweitern Sie das Fünf-Schritt-Raster zur vollständigen Sieben-Schritt-Analyse (Schritt 6 historische Einordnung, Schritt 7 Wort-Ton-Bezug und Interpretation). Erläutern Sie zugleich die Grenzen des Parameter-Rasters: Wie verändert sich der Sinn von „Harmonik" und „Form", wenn man es auf atonale Musik (Schönberg) oder einen Jazz-Standard statt auf einen klassischen Satz anwendet?
Aktive Wiederholung
Wenden Sie den Fünf-Schritt-Algorithmus auf den Anfang von Bachs Brandenburgischem Konzert Nr. 2 F-Dur (1. Satz, BWV 1047) an. Notieren Sie zu jedem Schritt mindestens drei Beobachtungen mit Taktangaben.
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: KMK EPA Musik 1989 / 2005 (KMK) · NRW Kernlehrplan Musik Gymnasium GOSt (MSB NRW) · Klett Spielräume Musik Oberstufe (Klett)
Zeitstrahl der Musikgeschichte — Epochen und Leitkomponisten
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Diskutieren Sie kritisch die historisch informierte Aufführungspraxis. Liefert HIP wirklich „das Original", oder ist die Vorstellung historischer Authentizität selbst ein modernes, konstruiertes Ideal? Wägen Sie Erkenntnisgewinn und Grenzen gegeneinander ab.
Aktive Wiederholung
Ordnen Sie eine Bach-Kantate (z. B. BWV 140 „Wachet auf, ruft uns die Stimme") historisch ein: Komponist, Schaffensphase, Anlass im Kirchenjahr, Gattungsmerkmale, Vorbilder und Wirkungsgeschichte.
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: MGG Online — Die Musik in Geschichte und Gegenwart (Bärenreiter / Metzler) · Grove Music Online (Oxford Music Online) (Oxford University Press) · Klett Spielräume Musik Oberstufe (Klett)
Analysieren Sie das Lied „Der Lindenbaum“ aus Schuberts Liederzyklus „Winterreise“ (Text: Wilhelm Müller, 1827). Untersuchen Sie das Verhältnis von Dur- und Moll-Strophen, die funktionsharmonischen Wendungen und die Wort-Ton-Beziehung.
„Der Lindenbaum“ ist Nr. 5 von 24 Liedern der „Winterreise“ (komponiert 1827). Form: erweiterte Strophenform mit Variantentechnik. Drei Hauptteile entsprechen den drei Erinnerungsschritten des lyrischen Ichs (Erinnerung - Versuchung - Resignation). Tonart: E-Dur (Strophe 1, 3) wechselt nach e-Moll (Strophe 2, „Mir tat sein Rauschen ...“).
Triolenfiguren im Klavier (3/4-Takt) malen das Rauschen der Blätter im Wind - hochgradig programmatisch. Die rechte Hand spielt durchgängig Sechzehntel-Triolen, die linke Hand stützt mit Tonika und Dominante in E-Dur. Eintaktiger Vorhang öffnet die Erinnerungsszene.
Gesang setzt mit Sextsprung c#-e ein („Am Brunnen vor dem Tore“). Harmonische Folge T - S - D - T (I - IV - V - I) in E-Dur, ausgeschmückt durch Vorhalte und Durchgangsnoten. Die Strophe endet mit authentischer Kadenz V7 - I (H7 - E-Dur). Erinnerungston: friedlich, klar, dur-haltig.
Variantentonart-Wechsel von E-Dur nach e-Moll (gleiche Tonika, andere Terz) signalisiert die schmerzhafte Wendung der Erinnerung. Harmonik wird chromatisch angereichert: e-Moll, h-Moll (Moll-Dominante v; zugleich Paralleltonart von D-Dur), C-Dur (Untermediante / VI — innerhalb von e-Moll die diatonische sechste Stufe, gegenüber dem Grundton E-Dur als tiefalterierte ♭VI hörbar). Eine echte neapolitanische Wendung wäre F-Dur (♭II) als zusätzliche Spannungsfarbe. Begleitfigur des Klaviers wechselt zu pulsierenden Achtel-Akkorden statt fließender Triolen - Sturmcharakter, Naturmetapher für den inneren Aufruhr.
Rückkehr nach E-Dur, aber die Triolen-Begleitung ist nun chromatisch eingefärbt. Spannungstöne (verminderte Septakkorde, Doppeldominanten) zeigen, dass die Idylle nicht ungetrübt zurückkehrt. Die Schlusswendung enthält einen Trugschluss V - VI (H7 - cis-Moll) vor dem endgültigen Ganzschluss - musikalisches Äquivalent zum textlichen Schwanken zwischen Sehnsucht und Resignation.
Die Tonartendisposition E-Dur - e-Moll - E-Dur spiegelt den dramaturgischen Bogen Erinnerung - Versuchung - Resignation. Schubert nutzt Variantentechnik (Hauptmittel der Romantik) statt der klassischen Dominantmodulation - der Charakterwechsel bleibt im selben tonalen Zentrum verankert, was die psychologische Innerlichkeit verstärkt. Der Text wird nicht „vertont“, sondern in eine eigenständige musikalische Dramaturgie überführt.
Ergebnis: Schuberts „Lindenbaum“ zeigt exemplarisch die romantische Liedästhetik: erweiterte Strophenform, programmatische Klavierbegleitung (Blätterrauschen), Variantentechnik als Ausdruck psychischer Wendungen, Chromatik als Mittel innerer Konflikte. Die funktionsharmonische Grundsubstanz bleibt klassisch, wird aber durch Modulationen, Trugschlüsse und Variantentonarten emotionalisiert.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Erläutern Sie das Konzept der „absoluten Musik“ (Hanslick) im Gegensatz zur Programmmusik. Welche ästhetischen und politischen Implikationen hat die Frage, ob Musik „bedeuten“ kann?
Aktive Wiederholung
Analysieren Sie die Wort-Ton-Beziehung in Schuberts „Der Doppelgänger" (Schwanengesang D 957 Nr. 13, Heine-Text). Wie unterstreichen die Klavier-Akkord-Pulsation (h-Moll), die deklamatorische Singstimme und der harmonische Aufbau die Lyrik der unheimlichen Selbstbegegnung?
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: KMK EPA Musik 1989 / 2005 (KMK) · Klett Spielräume Musik Oberstufe (Klett) · MGG Online — Die Musik in Geschichte und Gegenwart (Bärenreiter / Metzler)
Zeitstrahl der Musikgeschichte — Epochen und Leitkomponisten
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Erörtern Sie die Verantwortung des Künstlers unter der Diktatur am Beispiel Richard Strauss’ (Präsident der Reichsmusikkammer) und Wilhelm Furtwänglers. Lässt sich künstlerische Tätigkeit von politischer Mitverantwortung trennen? Wägen Sie die Argumente für „innere Emigration" und für Mitschuld ab.
Aktive Wiederholung
Erläutern Sie die Bedeutung der Musik in Theresienstadt am Beispiel von Hans Krasas Kinderoper „Brundibár" (1938/43). Wie verbinden sich darin ästhetische, historische und ethische Dimensionen?
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: MGG Online — Die Musik in Geschichte und Gegenwart (Bärenreiter / Metzler) · Grove Music Online (Oxford Music Online) (Oxford University Press) · Klett Spielräume Musik Oberstufe (Klett) · KMK EPA Musik 1989 / 2005 (KMK)
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Skizzieren Sie den Aufbau einer Antwort auf einen „erörtern"-/„beurteilen"-Auftrag (AB III), etwa zur Frage „Kann Musik etwas bedeuten?". Wie gliedert man eine abwägende Stellungnahme (These — Gegenargument — Abwägung — begründetes Urteil), und wie bindet man die vorausgehende Analyse als Beleg ein?
Aktive Wiederholung
Erläutern Sie an einem selbstgewählten Beispiel die Unterschiede zwischen den Operatoren „analysieren", „interpretieren" und „beurteilen". Was ist jeweils konkret zu leisten, und welchem Anforderungsbereich gehört jeder an?
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: KMK EPA Musik 1989 / 2005 (KMK) · NRW Kernlehrplan Musik Gymnasium GOSt (MSB NRW) · ISB Bayern — Lehrplan PLUS Musik Q12 (ISB Bayern) · Bildungsplan Musik — Baden-Württemberg (KM BW)
Funktionsharmonik — Tonika, Subdominante, Dominante (Kadenzschema)
Notenwerte und Pausen — Dauerverhältnisse
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Erläutern Sie an einem Beispiel die Grenzen der reinen Höranalyse. Welche Aussagen (z. B. exakte Akkordbezifferung, Stimmführungsdetails) lassen sich erst mit Partitur sicher treffen?
Aktive Wiederholung
Analysieren Sie ein etwa dreiminütiges Hörbeispiel ohne Notentext. Legen Sie eine Zeitachse an, markieren Sie die Formabschnitte und notieren Sie zu jedem Abschnitt Besetzung, Tongeschlecht und Charakter.
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: ISB Bayern — Lehrplan PLUS Musik Q12 (ISB Bayern) · Bildungsplan Musik — Baden-Württemberg (KM BW) · Klett Spielräume Musik Oberstufe (Klett)
Belege & Quellen
Bärenreiter / Metzler
Oxford University Press
ISB Bayern