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Die EPA-Domäne „Musik gestalten“ ergänzt die analytische Werkerschließung um die produktive und reproduktive Praxis. Sie umfasst das Komponieren und Arrangieren (Periode, Liedsatz, Begleitsatz), die Improvisation (frei und gebunden, Blues- und modale Konzepte), das vokale und instrumentale Musizieren, die Gehörbildung als Wahrnehmungsschulung und die Reflexion der eigenen gestalterischen Arbeit. In mehreren Bundesländern (insbesondere mit fachpraktischem Abitur in BW und BY) ist ein praktischer Anteil prüfungsrelevant.
6Abschnitteca. 22Min Lesezeit4KompetenzenNiveauBasis 2 · Standard 3 · Vertiefung 1Stand 06/2026
grundlegendes Niveau
gA-Niveau: einfache Gestaltungsaufgaben (achttaktige Periode, Begleitsatz mit Hauptfunktionen), gebundene Improvisation über ein Blues- oder Pentatonik-Schema, sicheres vokales/instrumentales Vortragen eines vorbereiteten Stücks, knappe Reflexion der eigenen Arbeit.
erhöhtes Niveau
eA-Niveau: anspruchsvollere Kompositions-/Arrangieraufgaben (mehrstimmiger Satz, stilgebundenes Arrangement), freie und modale Improvisation, reflektierte Gestaltung mit begründeten ästhetischen Entscheidungen, Bezug zwischen eigener Praxis und analysierten Vorbildern.
Lesetiefe: Vertiefung
Schriftgröße: Standard
Kompositorischer Gestaltungsprozess — von der Idee zur Reflexion
Liedform und Periode — formale Bausteine
Gestalten Sie eine achttaktige Periode in C-Dur (4/4-Takt) für eine Singstimme. Legen Sie die harmonische Grundlage von Vorder- und Nachsatz fest und begründen Sie die Kadenzwahl.
Die Periode besteht aus zwei viertaktigen Hälften: dem Vordersatz (T. 1–4) mit „fragender“ Wirkung und dem Nachsatz (T. 5–8) mit „antwortender“ Wirkung. Beide beginnen mit demselben Kopfmotiv (parallele Anlage), enden aber unterschiedlich.
Der Vordersatz führt von der Tonika zur Dominante und bleibt dort offen stehen: z. B. C (I) - a-Moll (vi) - F (IV) - G (V). Der Schluss auf der Dominante G (Halbschluss) erzeugt Spannung und verlangt nach Fortsetzung.
Der Nachsatz nimmt das Kopfmotiv wieder auf und führt zur Auflösung: z. B. C (I) - F (IV) - G7 (V7) - C (I). Der authentische Schluss G7 - C (Ganzschluss) schließt die Periode ab. Der Leitton h löst sich nach c, die Septime f nach e auf.
Die Melodie des Vordersatzes endet auf einem Ton des Dominantakkords (z. B. d oder h) - offen klingend. Die Melodie des Nachsatzes endet auf dem Grundton c der Tonika - geschlossen klingend. So spiegelt die Melodie die Kadenzlogik.
Prüfung: Symmetrie 4+4 Takte, identischer Beginn beider Hälften, Halbschluss vs. Ganzschluss, melodische Offenheit/Geschlossenheit. Erfüllt der Entwurf alle Kriterien, liegt eine regelgerechte Periode vor.
Ergebnis: Eine achttaktige Periode in C-Dur: Vordersatz (T. 1–4) I-vi-IV-V mit Halbschluss auf G, Nachsatz (T. 5–8) I-IV-V7-I mit authentischem Ganzschluss G7-C. Das gemeinsame Kopfmotiv und der Gegensatz Halb-/Ganzschluss erzeugen die Frage-Antwort-Struktur.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Arrangieren Sie ein einfaches Lied für eine kleine Besetzung (z. B. Singstimme, Klavier, ein Melodieinstrument). Begründen Sie Ihre Entscheidungen zu Tonart, Besetzung und Satzdichte.
Aktive Wiederholung
Gestalten Sie zu der vorgegebenen viertaktigen Melodie einen passenden vierstimmigen Begleitsatz mit den Hauptfunktionen T, S und D. Achten Sie auf die Stimmführung (Leitton, Septime, keine Parallelen) und begründen Sie Ihre Funktionswahl an den Kadenzstellen.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: KMK EPA Musik 1989 / 2005 (KMK) · Klett Spielräume Musik Oberstufe (Klett) · Riemann Musiklexikon (Schott) (Schott Music)
Akkord-Stapelung — Dreiklang, Vierklang, erweiterter Akkord
Entwickeln Sie ein Konzept für eine einfache Improvisation über das zwölftaktige Blues-Schema in C. Bestimmen Sie Tonmaterial, Phrasierung und formale Orientierung.
Das Schema lautet C7-C7-C7-C7 / F7-F7-C7-C7 / G7-F7-C7-G7 (Stufen I-IV-V als Dominantseptakkorde). Die Improvisation muss diese Akkordstationen hörbar nachzeichnen.
Als einfachstes Material dient die C-Blues-Skala: c - es - f - fis - g - b - c (Moll-Pentatonik c-es-f-g-b plus Blue Note fis). Sie passt über alle drei Stufen des Schemas und enthält die charakteristischen Blue Notes (es, fis, b).
Phrasen werden in der Regel über je zwei oder vier Takte gebildet, mit Pausen dazwischen (Atmen). Das Call-and-Response-Prinzip (Ruf-Antwort) gliedert die Improvisation: eine kurze Phrase (Call) wird beantwortet (Response), passend zur AAB-Struktur des Blues.
Ein Chorus = ein Durchlauf des zwölftaktigen Schemas. Über mehrere Chorusse hinweg wird die Improvisation gesteigert: zunehmend dichtere Rhythmik, größerer Ambitus, Hinzunahme von Spannungstönen. Swing-Phrasierung (ternäre Achtel) gibt den Groove.
Die Improvisation bleibt formgebunden: das Blues-Schema ist Rahmen, nicht Beliebigkeit. Bewertet wird, ob die Phrasen die Akkordstationen treffen, ob die Blue Notes stilgerecht eingesetzt sind und ob ein nachvollziehbarer Spannungsbogen entsteht.
Ergebnis: Konzept: über dem C-Blues-Schema (C7-F7-G7) wird mit der C-Blues-Skala (c-es-f-fis-g-b) improvisiert, in Call-and-Response-Phrasen mit Swing-Phrasierung, über mehrere Chorusse gesteigert. Die Improvisation bleibt an Form und Harmonik gebunden - kreative Eigenleistung im festen Rahmen.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Vergleichen Sie gebundene (Blues) und modale Improvisation (dorisch) hinsichtlich Tonmaterial, harmonischer Bewegung und gestalterischer Freiheit. Welche Anforderungen stellt jede Spielweise an die Improvisierenden?
Aktive Wiederholung
Entwerfen Sie ein Improvisationskonzept über das zwölftaktige Blues-Schema in C: Bestimmen Sie das Tonmaterial (Blues-Skala/Pentatonik), die Phrasierung und einen Spannungsbogen über drei Chorusse.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Klett Spielräume Musik Oberstufe (Klett) · Grove Music Online (Oxford Music Online) (Oxford University Press)
Kompositorischer Gestaltungsprozess — von der Idee zur Reflexion
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Zeigen Sie an einer konkreten Stelle Ihres Vortragsstücks, wie eine analytische Einsicht in eine interpretatorische Entscheidung übersetzt wird — etwa, wie das Wissen um einen harmonischen Zielpunkt oder einen formalen Höhepunkt eine bestimmte dynamische Steigerung oder agogische Dehnung begründet.
Aktive Wiederholung
Erläutern Sie an einem vorbereiteten Vortragsstück, mit welchen interpretatorischen Mitteln (Phrasierung, Dynamik, Agogik, Artikulation) Sie den Charakter des Werkes herausarbeiten.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Bildungsplan Musik — Baden-Württemberg (KM BW) · KMK EPA Musik 1989 / 2005 (KMK) · Klett Spielräume Musik Oberstufe (Klett)
Intervalltabelle — Bezeichnungen, Halbtonschritte, Stimmungs-Charakter
Funktionsharmonik — Tonika, Subdominante, Dominante (Kadenzschema)
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Erschließen Sie eine kurze gehörte Akkordfolge (etwa vier Akkorde) funktional aus dem Höreindruck. Wie erkennt man am Klang die Funktionen T–S–D und einen eingeschobenen Trugschluss, und wie schlägt diese Hörfähigkeit die Brücke zur schriftlichen Höranalyse?
Aktive Wiederholung
Bestimmen Sie aus drei kurzen Klangbeispielen jeweils das gehörte Intervall, den Akkordtyp und die Kadenzart. Begründen Sie Ihre Entscheidung jeweils mit dem konkreten Klangcharakter.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Riemann Musiklexikon (Schott) (Schott Music) · Klett Spielräume Musik Oberstufe (Klett)
Kompositorischer Gestaltungsprozess — von der Idee zur Reflexion
Gestalten Sie eine achttaktige Periode in C-Dur (4/4-Takt) für eine Singstimme. Legen Sie die harmonische Grundlage von Vorder- und Nachsatz fest und begründen Sie die Kadenzwahl.
Die Periode besteht aus zwei viertaktigen Hälften: dem Vordersatz (T. 1–4) mit „fragender“ Wirkung und dem Nachsatz (T. 5–8) mit „antwortender“ Wirkung. Beide beginnen mit demselben Kopfmotiv (parallele Anlage), enden aber unterschiedlich.
Der Vordersatz führt von der Tonika zur Dominante und bleibt dort offen stehen: z. B. C (I) - a-Moll (vi) - F (IV) - G (V). Der Schluss auf der Dominante G (Halbschluss) erzeugt Spannung und verlangt nach Fortsetzung.
Der Nachsatz nimmt das Kopfmotiv wieder auf und führt zur Auflösung: z. B. C (I) - F (IV) - G7 (V7) - C (I). Der authentische Schluss G7 - C (Ganzschluss) schließt die Periode ab. Der Leitton h löst sich nach c, die Septime f nach e auf.
Die Melodie des Vordersatzes endet auf einem Ton des Dominantakkords (z. B. d oder h) - offen klingend. Die Melodie des Nachsatzes endet auf dem Grundton c der Tonika - geschlossen klingend. So spiegelt die Melodie die Kadenzlogik.
Prüfung: Symmetrie 4+4 Takte, identischer Beginn beider Hälften, Halbschluss vs. Ganzschluss, melodische Offenheit/Geschlossenheit. Erfüllt der Entwurf alle Kriterien, liegt eine regelgerechte Periode vor.
Ergebnis: Eine achttaktige Periode in C-Dur: Vordersatz (T. 1–4) I-vi-IV-V mit Halbschluss auf G, Nachsatz (T. 5–8) I-IV-V7-I mit authentischem Ganzschluss G7-C. Das gemeinsame Kopfmotiv und der Gegensatz Halb-/Ganzschluss erzeugen die Frage-Antwort-Struktur.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Setzen Sie Ihre eigene Gestaltungsarbeit zu einem analysierten Vorbild in Beziehung. Welche Mittel des Vorbilds haben Sie aufgegriffen, welche bewusst abgewandelt, und mit welcher Wirkung?
Aktive Wiederholung
Beurteilen Sie eine selbst erstellte Gestaltung (Komposition oder Improvisation) anhand der Kriterien formale Stimmigkeit, Wirkung und handwerkliche Sauberkeit. Benennen Sie konkret und am Material, was gelungen ist und was sich verbessern ließe.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: KMK EPA Musik 1989 / 2005 (KMK) · Bildungsplan Musik — Baden-Württemberg (KM BW) · Klett Spielräume Musik Oberstufe (Klett)
Kompositorischer Gestaltungsprozess — von der Idee zur Reflexion
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Entwickeln Sie eine Strategie für die Wahl und Vorbereitung eines Vortragsstücks, das sowohl interpretatorische Gestaltung als auch eine fundierte Werkerläuterung im Prüfungsgespräch ermöglicht. Welche analytischen Aspekte des Stücks würden Sie gezielt vorbereiten, um Vortrag und Reflexion zu verbinden?
Aktive Wiederholung
Erläutern Sie die Anforderungen eines fachpraktischen Prüfungsteils: Welche Leistungen (Vortrag, Gestaltung, Reflexion) werden erwartet und nach welchen Kriterien werden sie bewertet?
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Bildungsplan Musik — Baden-Württemberg (KM BW) · ISB Bayern — Lehrplan PLUS Musik Q12 (ISB Bayern) · KMK EPA Musik 1989 / 2005 (KMK)
Belege & Quellen
Schott Music
Oxford University Press
ISB Bayern