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Geographische Arbeitstechniken als prüfungstragende Methodenkompetenz: Karten lesen und auswerten (Maßstab, Signaturen, Kartentypen), Diagramme und Statistiken interpretieren, GIS und Fernerkundung nutzen, Modelle anwenden sowie eine systematische Raumanalyse mit begründeter Bewertung durchführen. Verbindet alle Inhaltsfelder, weil die Materialauswertung den größten Teil der Abiturbewertung ausmacht.
6Abschnitteca. 26Min Lesezeit3KompetenzenNiveauBasis 2 · Standard 3 · Vertiefung 1Stand 06/2026
grundlegendes Niveau
gA-Niveau: Maßstab umrechnen, Karten- und Diagrammtypen benennen, Material strukturiert beschreiben und die geographischen Arbeitsschritte (Beschreiben → Erklären → Bewerten) einhalten.
erhöhtes Niveau
eA-Niveau: quantitative Auswertungen (Gini/Lorenz, Klassenbildung, Indexwerte) eigenständig durchführen, GIS-Verschneidungen und Fernerkundungsdaten methodenkritisch nutzen sowie die Aussagekraft von Darstellungsformen und Modellen reflektiert beurteilen.
Lesetiefe: Vertiefung
Schriftgröße: Standard
Maßstab und Entfernungsmessung
Maßstabsumrechnung
Geländestrecke = Kartenstrecke · Maßstabszahl M. Bei 1:25.000 ist M = 25.000; eine Kartenstrecke von 4 cm entspricht 4 cm · 25.000 = 100.000 cm = 1 km.
In einer topographischen Karte 1:25.000 wird zwischen zwei Orten eine Strecke von 4,8 cm gemessen; ein Waldstück bedeckt 8 cm². Berechnen Sie die reale Entfernung und die reale Waldfläche.
Bei 1:25.000 entspricht 1 cm Karte 25.000 cm Gelände = 250 m. Die Maßstabszahl ist M = 25.000.
s_Gelände = 4,8 cm · 250 m/cm = 1200 m = 1,2 km.
Beim Flächenmaßstab wird die Maßstabszahl quadriert: 1 cm² = (250 m)² = 62.500 m² = 6,25 ha. Daher 8 cm² · 6,25 ha/cm² = 50 ha.
Der häufigste Fehler ist, beim Flächenmaß den Maßstab nicht zu quadrieren (sonst käme fälschlich 8 cm² · 250 m = falsche Einheit heraus). Längen skalieren linear mit M, Flächen quadratisch mit M². Die Ergebnisse (1,2 km; 50 ha) lassen sich anschließend in Sachzusammenhänge einordnen, etwa zur Abschätzung von Schutzgebietsgrößen.
Ergebnis: Reale Entfernung 1,2 km; reale Waldfläche 50 ha. Längen skalieren mit M, Flächen mit M².
Typische Fehler
Aktive Wiederholung
Werten Sie den vorgelegten Kartenausschnitt aus: Berechnen Sie Entfernung und Fläche eines markierten Objekts und erläutern Sie, welcher Kartentyp für die Darstellung der Bevölkerungsdichte geeignet ist.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Klassenbildung für eine Choroplethenkarte (gleiche Intervalle)
Für sieben Kreise einer Region sind die Arbeitslosenquoten (in %) erhoben: 4, 6, 6, 8, 10, 12, 17. Bestimmen Sie arithmetisches Mittel, Median und Modus sowie die Standardabweichung und beurteilen Sie, welches Lagemaß die Verteilung am besten beschreibt.
Die Werte sind bereits aufsteigend sortiert (n = 7). Der Median ist der mittlere (4.) Wert = 8 %. Der Modus (häufigster Wert) ist 6 % (zweimal vertreten).
Summe = 4 + 6 + 6 + 8 + 10 + 12 + 17 = 63; arithmetisches Mittel = 63 / 7 = 9,0 %.
Abweichungen vom Mittel (9,0): −5, −3, −3, −1, +1, +3, +8. Quadrate: 25, 9, 9, 1, 1, 9, 64; Summe = 118. Varianz (Division durch n = 7) = 118 / 7 ≈ 16,86; Standardabweichung = √16,86 ≈ 4,1 Prozentpunkte.
Das arithmetische Mittel (9,0 %) liegt deutlich über dem Median (8 %), weil der hohe Ausreißer (17 %) das Mittel nach oben zieht. Bei rechtsschiefen Verteilungen mit Ausreißern beschreibt der robuste Median das „typische" Niveau besser als das ausreißerempfindliche Mittel. Die Standardabweichung (≈ 4,1) quantifiziert die räumliche Streuung der Arbeitslosenquoten. (Wird stattdessen die Stichprobenvarianz mit Division durch n − 1 = 6 verwendet, ergibt sich σ ≈ 4,4 — die Abituraufgabe gibt vor, welche Konvention gilt.)
Ergebnis: Mittel 9,0 %, Median 8 %, Modus 6 %, Standardabweichung ≈ 4,1 Prozentpunkte; wegen des Ausreißers (17 %) ist der Median das robustere Lagemaß.
Typische Fehler
Aktive Wiederholung
Analysieren Sie das vorgelegte Diagramm zur Bevölkerungsentwicklung und beurteilen Sie, ob die gewählte Darstellungsform die Aussage angemessen oder verzerrend wiedergibt.
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
GIS — Layerprinzip und Verschneidung (Overlay)
Typische Fehler
Aktive Wiederholung
Erläutern Sie an einem Beispiel (z. B. Standortsuche für einen Windpark), wie eine GIS-Verschneidung mehrerer Layer zu einer Eignungskarte führt, und beurteilen Sie die Grenzen der Methode.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Gradnetz und Zeitzonen
Ein Flug startet in Berlin (13° E, MEZ = UTC+1) um 10:00 Uhr Ortszeit und dauert 11 Stunden bis Los Angeles (118° W, Pacific Time = UTC−8). Bestimmen Sie die Längendifferenz, den Zeitunterschied und die Ankunfts-Ortszeit.
Berlin 13° E und Los Angeles 118° W liegen auf verschiedenen Seiten des Nullmeridians: Δλ = 13° + 118° = 131°.
Die Zonen sind UTC+1 (Berlin) und UTC−8 (Los Angeles). Differenz = 1 − (−8) = 9 Stunden. Los Angeles ist Berlin um 9 Stunden „nach" (westlich = früher am Tag).
Abflug 10:00 Uhr MEZ entspricht 10:00 − 9 h = 01:00 Uhr Ortszeit in Los Angeles am selben Tag.
Flugdauer 11 h auf die LA-Ortszeit des Abflugs addieren: 01:00 + 11 h = 12:00 Uhr LA-Ortszeit. Der Reisende „gewinnt" durch die Westrichtung scheinbar Zeit (kommt nach 11 h Flug nur 2 h nach Abflugsortszeit an). Die rechnerische Trennung von Zonenzeit (15°/h) und Flugdauer verhindert den klassischen Vorzeichenfehler.
Ergebnis: Längendifferenz 131°, Zeitunterschied 9 h; Ankunft um 12:00 Uhr Ortszeit in Los Angeles.
Typische Fehler
Aktive Wiederholung
Bestimmen Sie für zwei vorgegebene Orte die Längendifferenz und den Zeitunterschied und beschreiben Sie die Lage eines der Orte mithilfe von Koordinaten und naturräumlicher Einordnung.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Wenden Sie die vier Raumkonzepte nach Wardenga (Container-, Lagerelations-, Wahrnehmungs- und konstruierter Raum) auf eine konkrete Fragestellung an und reflektieren Sie, wie die Konzeptwahl die Analyse und das Urteil verändert.
Aktive Wiederholung
Führen Sie für den vorgelegten Raum eine Raumanalyse durch: Beschreiben Sie die Raumstruktur, erklären Sie die prägenden Prozesse und beurteilen Sie die künftige Entwicklung kriteriengeleitet.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Lorenz-Kurve und Gini-Koeffizient
Gini-Koeffizient (Trapezformel)
Näherung über kumulierte Bevölkerungsanteile x und kumulierte Einkommensanteile y (jeweils auf 1 normiert). Gleichwertig zu G = A/(A+B) der Lorenz-Kurve.
Human Development Index
Geometrisches Mittel aus Lebenserwartungs-, Bildungs- und Einkommensindex; jeder normiert auf [0,1]. UNDP HDR seit 1990.
Klassenbildung für eine Choroplethenkarte (gleiche Intervalle)
Für ein Land sind die Einkommensanteile der fünf Bevölkerungsquintile (ärmstes → reichstes) gegeben: 8 %, 12 %, 16 %, 22 %, 42 %. Zeichnen Sie gedanklich die Lorenz-Kurve und berechnen Sie den Gini-Koeffizienten mit der Trapezmethode.
Kumulierte Einkommensanteile y: 8 %, 20 %, 36 %, 58 %, 100 %. Die kumulierten Bevölkerungsanteile x sind 20 %, 40 %, 60 %, 80 %, 100 % (jedes Quintil = 20 %).
B als Summe von 5 Trapezen mit Breite Δx = 0,2: B = 0,2 · [(0+0,08)/2 + (0,08+0,20)/2 + (0,20+0,36)/2 + (0,36+0,58)/2 + (0,58+1,0)/2] = 0,2 · 1,72 = 0,344.
Die Gesamtfläche unter der Diagonale beträgt 0,5. Es gilt G = A/(A+B) mit A+B = 0,5 → G = (0,5 − B)/0,5 = 1 − 2B = 1 − 2·0,344 = 0,312.
Ein Gini von 0,31 entspricht einer moderaten Einkommensungleichheit, vergleichbar mit Deutschland (≈ 0,30). Werte um 0,25 (Norwegen) sind sehr gleich, Werte über 0,60 (Südafrika) extrem ungleich. Der Gini fasst die gesamte Lorenz-Kurve in einer Kennzahl zusammen, verliert aber Information über die Form der Verteilung (zwei Länder können gleichen Gini bei unterschiedlicher Kurvenform haben).
Ergebnis: Gini ≈ 0,31 — moderate Einkommensungleichheit (etwa auf DE-Niveau); G = 1 − 2B aus der Lorenz-Kurve.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Vergleichen Sie für denselben Datensatz die Choroplethen-Klassifizierung nach gleichen Intervallen, Quantilen und natürlichen Brüchen (Jenks) und erörtern Sie, wie die Methodenwahl die räumliche Aussage der Karte verändert.
Aktive Wiederholung
Berechnen Sie aus den vorgelegten Quintilsdaten den Gini-Koeffizienten, ordnen Sie das Ergebnis international ein und beurteilen Sie die Aussagekraft des Index für regionale Disparitäten.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.