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Klassische Ethologie nach Lorenz und Tinbergen, Lernformen (klassische und operante Konditionierung, Prägung, Einsicht), Sozialverhalten, Kommunikation und Bedeutung für evolutionsbiologische Fitness.
6Abschnitteca. 22Min Lesezeit3KompetenzenNiveauStandard 4 · Vertiefung 2Stand 06/2026
grundlegendes Niveau
gA: Reflex, Instinkthandlung, Schlüsselreiz, AAM, klassische und operante Konditionierung an einfachen Beispielen.
erhöhtes Niveau
eA: Tinbergens vier Fragen, ESS, Kin Selection und Hamilton-Regel, Spieltheorie (Falke-Taube), Soziobiologie.
Lesetiefe: Vertiefung
Schriftgröße: Standard
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA: Diskutieren Sie Tinbergens vier Fragen (Verursachung, Ontogenese, Funktion, Phylogenese) als integriertes Forschungsprogramm der Ethologie.
Aktive Wiederholung
Erläutern Sie das Konzept des Schlüsselreizes anhand von Tinbergens Stichling-Experimenten und beurteilen Sie die Bedeutung überoptimaler Reize.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 1973 — Verhaltensforschung (von Frisch, Lorenz, Tinbergen) (Nobel Foundation)
Ein Hund lernt zunächst, beim Ertönen einer Glocke zu speicheln, und später, durch Pfotegeben ein Leckerli zu erhalten. Analysieren Sie beide Lernvorgänge, ordnen Sie die Reiz-Reaktions-Komponenten zu und erläutern Sie den grundlegenden Unterschied.
Der zunächst neutrale Reiz (Glocke) wird mehrfach mit dem unbedingten Reiz (Futter) gekoppelt, der die unbedingte Reaktion (Speicheln) auslöst.
Nach wiederholter Paarung wird die Glocke zum bedingten Reiz und löst allein das (nun bedingte) Speicheln aus. Gelernt wird eine Reiz-Reiz-Assoziation; die Reaktion ist unwillkürlich (reflexartig).
Beim Pfotegeben folgt auf ein spontan gezeigtes Verhalten eine positive Verstärkung (Leckerli); die Auftretenswahrscheinlichkeit des Verhaltens steigt.
Gelernt wird eine Verhalten-Konsequenz-Assoziation. Das Verhalten ist willkürlich und wird durch seine Folgen gesteuert (Verstärkung erhöht, Bestrafung senkt die Häufigkeit).
Kernunterschied: Bei der klassischen Konditionierung steht der Reiz vor der Reaktion und ein Reflex wird umkonditioniert; bei der operanten Konditionierung folgt die Konsequenz auf ein selbst gezeigtes Verhalten. Beide sind Formen assoziativen Lernens.
Ergebnis: Glocke → Speicheln ist klassische (Reiz-Reiz-, reflexartige) Konditionierung; Pfotegeben → Leckerli ist operante (Verhalten-Konsequenz-) Konditionierung.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA: Diskutieren Sie die Rolle dopaminerger Belohnungssysteme (Nucleus accumbens, ventrales tegmentales Areal) als neuronale Grundlage operanter Konditionierung.
Aktive Wiederholung
Vergleichen Sie klassische und operante Konditionierung anhand eines Beispiels aus der Tierdressur und beurteilen Sie die Wirkung verschiedener Verstärkungspläne.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Selektionstypen — Wirkung auf die Merkmalsverteilung
Ein Erdhörnchen warnt durch einen Alarmruf seine Verwandten und erhöht dadurch sein eigenes Prädationsrisiko (Kosten C = 0,1) zugunsten zweier Vollgeschwister (Nutzen je B = 0,3). Prüfen Sie mit der Hamilton-Regel, ob sich dieses altruistische Verhalten evolutionär durchsetzen kann.
Vollgeschwister teilen im Mittel die Hälfte ihrer Allele: r = 0,5.
Altruismus ist begünstigt, wenn der mit der Verwandtschaft gewichtete Nutzen die Kosten übersteigt.
Der Nutzen wirkt auf zwei begünstigte Geschwister, daher Summation von B.
Da 0,3 > 0,1, ist die Bedingung erfüllt: Der indirekte Fitnessgewinn über die geretteten Verwandten überwiegt die eigenen Kosten.
Das Verhalten erhöht die Gesamtfitness (inclusive fitness) des warnenden Tieres. Verwandtenselektion erklärt, warum scheinbar selbstloses Verhalten genetisch begünstigt sein kann, ohne der Individualselektion zu widersprechen.
Ergebnis: r·B = 0,3 > C = 0,1; die Hamilton-Regel ist erfüllt — der Alarmruf ist über Verwandtenselektion evolutionär begünstigt.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA: Diskutieren Sie das Falke-Taube-Modell als ESS und seine Anwendung auf Konflikt- und Friedensstrategien in Tiergruppen.
Aktive Wiederholung
Erläutern Sie Hamiltons Regel und beurteilen Sie das altruistische Verhalten der Honigbienen-Arbeiterinnen vor dem Hintergrund der Haplodiploidie.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Optimale Nahrungssuche — Kosten-Nutzen-Optimum
Eine Sammlerin tanzt im Schwänzeltanz 40° rechts von der Senkrechten nach oben; die Schwänzelphase dauert 2 s. Bestimmen Sie Richtung und Entfernung der Futterquelle und erläutern Sie die zugrundeliegende Codierung.
Im Schwänzeltanz an der senkrechten Wabe steht „oben" für die Sonnenrichtung. Der Winkel zur Senkrechten entspricht dem Winkel zwischen Sonne und Futterquelle.
40° rechts von oben bedeutet: Die Futterquelle liegt 40° rechts der aktuellen Sonnenrichtung.
Die Dauer der Schwänzelphase codiert die Entfernung; als Faustregel entsprechen etwa 1 s rund 1 km (artabhängig).
Bei 2 s Schwänzeldauer liegt die Futterquelle näherungsweise 2 km entfernt.
Die Tanzsprache (von Frisch) ist ein symbolisches Kommunikationssystem: Sie übersetzt eine Himmelsrichtung in einen Schwerkraftwinkel und eine Distanz in eine Zeitdauer — ein seltenes Beispiel für referentielle Kommunikation bei Wirbellosen.
Ergebnis: Futterquelle ca. 40° rechts der Sonnenrichtung, rund 2 km entfernt; Richtung über Winkel, Entfernung über Schwänzeldauer codiert.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA: Diskutieren Sie das Marginalwerttheorem (Charnov) quantitativ und seine Anwendung auf die Verweildauer in unterschiedlich ergiebigen Habitaten.
Aktive Wiederholung
Analysieren Sie ein Kosten-Nutzen-Diagramm der Nahrungssuche und bestimmen Sie die optimale Verweildauer; beurteilen Sie, wie ein erhöhtes Prädationsrisiko das Optimum verschiebt.
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Selektionstypen — Wirkung auf die Merkmalsverteilung
Ein Erdhörnchen warnt durch einen Alarmruf seine Verwandten und erhöht dadurch sein eigenes Prädationsrisiko (Kosten C = 0,1) zugunsten zweier Vollgeschwister (Nutzen je B = 0,3). Prüfen Sie mit der Hamilton-Regel, ob sich dieses altruistische Verhalten evolutionär durchsetzen kann.
Vollgeschwister teilen im Mittel die Hälfte ihrer Allele: r = 0,5.
Altruismus ist begünstigt, wenn der mit der Verwandtschaft gewichtete Nutzen die Kosten übersteigt.
Der Nutzen wirkt auf zwei begünstigte Geschwister, daher Summation von B.
Da 0,3 > 0,1, ist die Bedingung erfüllt: Der indirekte Fitnessgewinn über die geretteten Verwandten überwiegt die eigenen Kosten.
Das Verhalten erhöht die Gesamtfitness (inclusive fitness) des warnenden Tieres. Verwandtenselektion erklärt, warum scheinbar selbstloses Verhalten genetisch begünstigt sein kann, ohne der Individualselektion zu widersprechen.
Ergebnis: r·B = 0,3 > C = 0,1; die Hamilton-Regel ist erfüllt — der Alarmruf ist über Verwandtenselektion evolutionär begünstigt.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA: Diskutieren Sie die Fisher´sche Runaway-Selektion und das „Good-Genes"-Modell als konkurrierende Erklärungen für die Evolution exzessiver Schmuckmerkmale.
Aktive Wiederholung
Erläutern Sie das Handicap-Prinzip am Beispiel des Pfauenrads und beurteilen Sie, warum ein überlebensnachteiliges Merkmal durch sexuelle Selektion gefördert werden kann.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA: Diskutieren Sie den molekularen Rückkopplungsmechanismus der inneren Uhr (Period/Cryptochrome) und seine medizinische Bedeutung (Chronopharmakologie, Schichtarbeit).
Aktive Wiederholung
Analysieren Sie ein Aktogramm einer im Dauerdunkel gehaltenen Maus und erläutern Sie, warum der freilaufende Rhythmus auf eine endogene innere Uhr schließen lässt.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 2017 — molekulare Mechanismen der circadianen Rhythmik (Hall, Rosbash, Young) (Nobel Foundation)
Belege & Quellen