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Evolutionsfaktoren (Mutation, Rekombination, Selektion, Gendrift, Migration), Hardy-Weinberg-Gleichgewicht, Artbildung (allopatrisch und sympatrisch) sowie Belege und Methoden der Phylogenetik.
6Abschnitteca. 24Min Lesezeit3KompetenzenNiveauStandard 4 · Vertiefung 2Stand 06/2026
grundlegendes Niveau
gA: Darwin-Wallace-Prinzip, fünf Evolutionsfaktoren, Hardy-Weinberg-Bedingungen, Artbegriff (biologisch).
erhöhtes Niveau
eA: Synthetische Evolutionstheorie, Selektionstypen (stabilisierend, gerichtet, disruptiv), Gendrift in kleinen Populationen, molekulare Uhr und Koaleszenz.
Lesetiefe: Vertiefung
Schriftgröße: Standard
Hardy-Weinberg — Genotypfrequenzen
Hardy-Weinberg-Gleichgewicht
Gleichgewicht der Allelfrequenzen einer großen, panmiktischen Population ohne Selektion, Mutation, Migration und Drift.
Selektionskoeffizient
w — Fitness des betrachteten Genotyps, w_max — Fitness des am besten angepassten Genotyps.
Evolutionsfaktoren — Übersicht
In einer Population treten 1 von 10 000 Menschen als Albinos (aa) auf. Berechnen Sie die Allelfrequenzen p, q und den Anteil heterozygoter Träger.
Da Albinismus rezessiv ist, entspricht der Anteil der Betroffenen genau q².
Die Allelfrequenz des rezessiven Allels ergibt sich aus q = √q².
Wegen p + q = 1 folgt unmittelbar p = 1 − q.
Heterozygote Träger sind aufgrund der Binomialformel 2pq.
Rund 1,98 % der Bevölkerung sind heterozygote Träger — fast 200-mal mehr Menschen tragen das Allel, als phänotypisch sichtbar sind. Das erklärt, warum scheinbar verschwundene rezessive Erbkrankheiten dennoch auftreten.
Ergebnis: p ≈ 0,99; q ≈ 0,01; etwa 1,98 % heterozygote Träger.
Beim Birkenspanner besitzt die helle Form in einem rußbelasteten Wald eine relative Fitness von w = 0,8 gegenüber der dunklen Form (w_max = 1,0). Bestimmen Sie den Selektionskoeffizienten und beurteilen Sie die Richtung der Selektion.
Setze die relative Fitness in die Definition des Selektionskoeffizienten ein.
Der Bruch ergibt 0,8; die Differenz liefert den Koeffizienten.
Ein Selektionskoeffizient von s = 0,2 bedeutet, dass die helle Form pro Generation 20 % weniger zur nächsten Generation beiträgt als die dunkle Form.
Da die dunkle, getarnte Form auf rußgeschwärzter Rinde seltener gefressen wird, wirkt gerichtete Selektion zugunsten des dunklen Allels — die dunkle Form breitet sich aus.
Nach dem Rückgang der Luftverschmutzung kehrte sich der Selektionsdruck um (helle Form wieder begünstigt). Das dokumentiert Selektion als gerichteten, umweltabhängigen Prozess in Echtzeit.
Ergebnis: s = 0,2; gerichtete Selektion begünstigt die dunkle Form um 20 % pro Generation (Industriemelanismus).
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA: Diskutieren Sie das Hardy-Weinberg-Gleichgewicht als Nullhypothese in Populationsgenetik und erklären Sie, warum viele menschliche Genorte mit niedriger Mutationsrate zumindest näherungsweise im HW-Gleichgewicht stehen.
Aktive Wiederholung
Berechnen Sie die Allelfrequenzen p und q sowie den Konduktoranteil 2pq, wenn Albinismus (autosomal-rezessiv) bei 1 von 10 000 Menschen auftritt.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA: Diskutieren Sie die molekulare Uhr, ihre Kalibrierung über Fossilien und ihre Limitationen (Rate Heterogeneity, Sättigung von Substitutionen).
Aktive Wiederholung
Erläutern Sie allopatrische Artbildung am Beispiel der Darwinfinken und beurteilen Sie, warum molekulare Stammbäume klassische morphologische teilweise korrigieren.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA: Diskutieren Sie das Verhältnis biologischer und kultureller Evolution mit Bezug zu Dual-Inheritance-Theorie.
Aktive Wiederholung
Beurteilen Sie die Bedeutung paläogenetischer Analysen (Pääbo, Nobelpreis 2022) für die Rekonstruktion der Humanevolution.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Nobelpreis für Physiologie oder Medizin 2022 — Genome ausgestorbener Homininen und menschliche Evolution (Svante Pääbo) (Nobel Foundation)
Selektionstypen — Wirkung auf die Merkmalsverteilung
Selektionskoeffizient
w — Fitness des betrachteten Genotyps, w_max — Fitness des am besten angepassten Genotyps.
Evolutionsfaktoren — Übersicht
Beim Birkenspanner besitzt die helle Form in einem rußbelasteten Wald eine relative Fitness von w = 0,8 gegenüber der dunklen Form (w_max = 1,0). Bestimmen Sie den Selektionskoeffizienten und beurteilen Sie die Richtung der Selektion.
Setze die relative Fitness in die Definition des Selektionskoeffizienten ein.
Der Bruch ergibt 0,8; die Differenz liefert den Koeffizienten.
Ein Selektionskoeffizient von s = 0,2 bedeutet, dass die helle Form pro Generation 20 % weniger zur nächsten Generation beiträgt als die dunkle Form.
Da die dunkle, getarnte Form auf rußgeschwärzter Rinde seltener gefressen wird, wirkt gerichtete Selektion zugunsten des dunklen Allels — die dunkle Form breitet sich aus.
Nach dem Rückgang der Luftverschmutzung kehrte sich der Selektionsdruck um (helle Form wieder begünstigt). Das dokumentiert Selektion als gerichteten, umweltabhängigen Prozess in Echtzeit.
Ergebnis: s = 0,2; gerichtete Selektion begünstigt die dunkle Form um 20 % pro Generation (Industriemelanismus).
Bei einer Vogelart liegt das mittlere Gelegegewicht über Generationen stabil, während sehr leichte und sehr schwere Gelege seltener erfolgreich aufkommen. Bestimmen Sie den Selektionstyp und begründen Sie Ihre Zuordnung.
Die Häufigkeitsverteilung des Merkmals bleibt symmetrisch um einen konstanten Mittelwert; die Varianz nimmt ab.
Sehr leichte (zu wenig Reserven) und sehr schwere Gelege (zu hohe Belastung der Eltern) zeigen geringeren Fortpflanzungserfolg.
Werden beide Extreme benachteiligt und der Mittelwert begünstigt, handelt es sich um stabilisierende Selektion.
Bei gerichteter Selektion würde sich der Mittelwert verschieben, bei disruptiver Selektion würden gerade die Extreme begünstigt (Aufspaltung der Verteilung).
Stabilisierende Selektion ist der häufigste Selektionstyp in konstanten Umwelten; sie reduziert die genetische Variabilität und erklärt die Konstanz vieler Merkmale (z. B. menschliches Geburtsgewicht).
Ergebnis: Stabilisierende Selektion — der Mittelwert wird begünstigt, beide Extreme benachteiligt; die Varianz sinkt.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA: Diskutieren Sie frequenzabhängige Selektion und balancierte Polymorphismen (Heterozygotenvorteil) als Mechanismen, die genetische Variabilität erhalten.
Aktive Wiederholung
Berechnen Sie den Selektionskoeffizienten für eine Form mit relativer Fitness w = 0,8 und beurteilen Sie aus einer gegebenen Verteilung, welcher Selektionstyp vorliegt.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Evolutionsfaktoren — Übersicht
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA: Diskutieren Sie die Grenzen der molekularen Uhr (Raten-Heterogenität, Sättigung von Substitutionen) und Methoden ihrer Kalibrierung.
Aktive Wiederholung
Analysieren Sie eine Sequenzunterschiedsmatrix dreier Arten und erläutern Sie, warum molekulare Daten klassische morphologische Stammbäume ergänzen und teilweise korrigieren.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Räuber-Beute-Oszillation (Lotka-Volterra)
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA: Diskutieren Sie die Koevolution von Blüten und Bestäubern (z. B. Schwärmer und langspornige Orchideen, Darwins Vorhersage) als Beispiel reziproker Selektion.
Aktive Wiederholung
Erläutern Sie den Unterschied zwischen Bates´scher und Müller´scher Mimikry und beurteilen Sie die Red-Queen-Hypothese als Erklärung evolutionären Wettrüstens.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Belege & Quellen