Aufgabenstellung
Loading
Loading
Wissenschaftliche Methode der Psychologie: Experiment, Korrelation vs. Kausalität, Effektstärke, Replikationskrise, Ethik.
7Abschnitteca. 23Min Lesezeit3KompetenzenNiveauBasis 2 · Standard 4 · Vertiefung 1Stand 06/2026
Lesetiefe: Vertiefung
Schriftgröße: Standard
Forschungsmethoden der Psychologie
Pearson-Korrelationskoeffizient
r ∈ [-1, 1]; misst lineare Zusammenhänge, keine Kausalität.
Cohen's d (Effektstärke)
Standardisierte Mittelwertsdifferenz; Faustregel: d ≈ 0,2 klein, 0,5 mittel, 0,8 groß.
Entwerfen Sie für die Hypothese „Sport verbessert die Stimmung" je ein Experiment und eine Korrelationsstudie und vergleichen Sie deren Aussagekraft.
Unabhängige Variable (UV) = Sport (Sportgruppe vs. Kontrollgruppe bzw. Trainingsdosis), abhängige Variable (AV) = Stimmung, operationalisiert als Wert auf einem validierten Fragebogen (Abb. 2).
Personen werden randomisiert auf Sport- und Kontrollgruppe verteilt; Stimmung wird vorher und nachher gemessen, alle übrigen Bedingungen konstant gehalten. Die Randomisierung gleicht Störvariablen aus → ein Kausalschluss wird möglich.
Bei vielen Personen werden Sportumfang und Stimmung erhoben und ihr Zusammenhang als r berechnet. Das zeigt, OB beide zusammenhängen, aber nicht, was was verursacht.
Das Experiment kann Kausalität belegen; die Korrelationsstudie kann Drittvariablen (Gesundheit, soziale Kontakte) und die umgekehrte Wirkrichtung (gute Stimmung führt zu mehr Sport) nicht ausschließen.
Das Experiment hat hohe interne, aber oft geringere ökologische Validität (Laborbedingungen); die Feldkorrelation ist realitätsnäher, kausal aber unsicher. Ideal ist die Kombination samt Replikation.
Ergebnis: Beide Designs prüfen dieselbe Hypothese, aber nur das randomisierte Experiment erlaubt einen Kausalschluss; die Korrelationsstudie liefert (realitätsnähere) Hypothesen. Methodenwahl heißt, Kontrolle und Realitätsnähe abzuwägen.
SRDP-Aufgaben
Aufgabenstellung
Typische Fehler
Aktive Wiederholung
Entwerfen Sie für die Hypothese „Sport verbessert die Stimmung" jeweils ein Experiment und eine Korrelationsstudie. Welche Aussagekraft hat jede?
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Spektrum.de — Lexikon der Psychologie: Methodenlehre (Spektrum)
Zentrale statistische Kennwerte
Cohen's d (Effektstärke)
Standardisierte Mittelwertsdifferenz; Faustregel: d ≈ 0,2 klein, 0,5 mittel, 0,8 groß.
Bayes-Theorem
Posterior-Wahrscheinlichkeit einer Hypothese H bei Evidenz E; Grundlage induktiver Wissenschaftstheorie.
Interpretieren Sie das Ergebnis t(38) = 2{,}3, p = 0{,}027, d = 0{,}45 korrekt und benennen Sie typische Fehlinterpretationen.
Ein t-Test mit 38 Freiheitsgraden (also etwa 40 Personen) vergleicht zwei Mittelwerte — z. B. Experimental- gegen Kontrollgruppe.
, also „statistisch signifikant": Unter Annahme der Nullhypothese (kein Effekt) wären solche oder extremere Daten nur in ~2,7 % der Fälle zu erwarten. ACHTUNG: ist NICHT die Wahrscheinlichkeit, dass H0 wahr ist (Abb. 3).
ist ein mittlerer Effekt (Faustregel 0,2 / 0,5 / 0,8 = klein / mittel / groß). Erst die Effektstärke sagt etwas über die praktische Bedeutsamkeit aus.
Es gibt einen statistisch signifikanten, mittelgroßen Unterschied. Signifikanz ist nicht Relevanz: Bei sehr großen Stichproben kann selbst ein winziger Effekt signifikant werden.
Ein einzelnes signifikantes Ergebnis ist kein Beweis (Replikation nötig); ohne Konfidenzintervall fehlt die Präzisionsangabe, und bei n ≈ 40 ist die Schätzung noch unsicher.
Ergebnis: Das Ergebnis zeigt einen signifikanten, mittelgroßen Effekt (d = 0{,}45). Korrekt ist: p gibt die Datenwahrscheinlichkeit unter H0 an (nicht die Wahrscheinlichkeit von H0), und Signifikanz ist nicht gleich Bedeutsamkeit.
SRDP-Aufgaben
Aufgabenstellung
Typische Fehler
Aktive Wiederholung
Interpretieren Sie folgendes Ergebnis: t(38) = 2.3, p = 0.027, d = 0.45.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Spektrum.de — Lexikon: Effektstärke (Spektrum)
Die Replikationskrise und ihre Reformen
Erläutern Sie das Milgram-Experiment (1961/63), seine Befunde und ethischen Probleme. Diskutieren Sie, was es für die Frage menschlicher Verantwortung bedeutet.
VP („Lehrer") soll dem „Schüler" (Konföderierter) bei Fehlern elektrische Schocks verabreichen. Schocks steigen bis 450 V. Versuchsleiter („Autorität") drängt mit standardisierten Anweisungen.
Ca. 65 % der VP gingen bis 450 V. Stresssymptome (Schwitzen, Zittern) waren stark ausgeprägt, dennoch wurde gehorcht. Variationen (Autorität telefonisch, gemeinsame Räume) senkten die Quote deutlich.
Milgram erklärt mit Agentic State (Wechsel vom autonomen zum „ausführenden" Modus) und Bindungsmechanismen. Vergleich: Hannah Arendt, „Banalität des Bösen" (Eichmann in Jerusalem).
Täuschung, hoher psychischer Stress, kein wirklich freier Ausstieg. Postexperimentelle Debriefings nicht ausreichend. Heute schwer reproduzierbar; Burger (2009) modifizierte Variante mit ähnlichen Tendenzen.
Verantwortung bleibt individuell, aber die Soziale Situation („situational factors") prägt Handeln stark. Konsequenz: Bildung zu Zivilcourage, Schutzmechanismen in Organisationen, Whistleblower-Recht.
Ergebnis: Verbindung Philosophie–Psychologie: empirisch belegt, dass Gehorsam Verantwortung gefährdet — normativ fordert dies eine Ethik der individuellen und institutionellen Gegenwehr.
SRDP-Aufgaben
Aufgabenstellung
Typische Fehler
Aktive Wiederholung
Diskutieren Sie das Stanford-Prison-Experiment ethisch und methodisch — würde es heute eine Ethikkommission passieren?
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Open Science Collaboration (2015) — Estimating the reproducibility of psychological science (Science)
Aufbau des kontrollierten Experiments
Entwerfen Sie ein Experiment zur Wirkung von Schlaf auf die Gedächtnisleistung. Benennen Sie UV, AV, Störvariablen und zwei Kontrollmaßnahmen.
H1: Schlaf nach dem Lernen verbessert die Behaltensleistung. UV = Schlaf (Schlafgruppe vs. Wachgruppe nach dem Lernen), AV = Zahl korrekt erinnerter Items im Test (Abb. 5).
Alle Probanden lernen dieselbe Wortliste und werden randomisiert zugeteilt: Gruppe A schläft 8 Stunden, Gruppe B bleibt wach; danach derselbe Abruftest zur gleichen Tageszeit.
Tageszeit, Vorwissen, Koffein, Motivation und Ausgangsleistung könnten systematisch mit der UV variieren und das Ergebnis verfälschen (Confounder).
(1) Randomisierung verteilt Störvariablen zufällig gleich auf beide Gruppen; (2) Standardisierung (identische Wortliste, gleiche Lern- und Testzeit, Koffeinverbot) hält die Bedingungen konstant; zusätzlich blinde Auswertung.
Hohe interne Validität durch Kontrolle und Randomisierung; die externe Validität ist begrenzt (Laborwortliste ≠ Schulstoff), daher ist eine Replikation im Feld sinnvoll.
Ergebnis: Sauberes Design: UV = Schlaf, AV = Erinnerungsleistung, Confounder über Randomisierung und Standardisierung kontrolliert. So wird ein Kausalschluss möglich (hohe interne Validität), die Generalisierbarkeit bleibt zu prüfen.
SRDP-Aufgaben
Aufgabenstellung
Typische Fehler
Aktive Wiederholung
Entwerfen Sie ein Experiment zur Wirkung von Schlaf auf die Gedächtnisleistung und benennen Sie UV, AV und zwei Kontrollmaßnahmen.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Spektrum.de — Experiment (Spektrum)
Warum Korrelation keine Kausalität ist
Pearson-Korrelationskoeffizient
r ∈ [-1, 1]; misst lineare Zusammenhänge, keine Kausalität.
Cohen's d (Effektstärke)
Standardisierte Mittelwertsdifferenz; Faustregel: d ≈ 0,2 klein, 0,5 mittel, 0,8 groß.
Nennen Sie drei mögliche Erklärungen für die positive Korrelation zwischen Eisverkauf und Sonnenbrandfällen und beurteilen Sie, welche kausal plausibel ist.
Daten zeigen: Je höher der Eisverkauf, desto mehr Sonnenbrände — eine positive Korrelation (r größer als 0).
Hypothese: Eisessen verursacht Sonnenbrand. Inhaltlich unplausibel; es gibt keinen physiologischen Mechanismus, über den Eiskonsum die Haut schädigt.
Hypothese: Sonnenbrand verursacht Eiskonsum. Ebenfalls unplausibel als Hauptmechanismus; Sonnenbrand erklärt nicht die Gesamtmenge des Eisverkaufs.
Hypothese: Eine dritte Variable (Sonnenscheindauer/Hitze) treibt beide an. Bei heissem, sonnigem Wetter steigen sowohl Eisverkauf als auch UV-Exposition — eine klassische Scheinkorrelation.
Erklärung C ist am plausibelsten. Nur ein kontrolliertes Experiment (oder statistische Kontrolle der Drittvariable) kann kausale Schlüsse sichern; aus blosser Korrelation folgt keine Ursache.
Ergebnis: Die Korrelation ist eine Scheinkorrelation, getrieben durch die Drittvariable Wetter. Maturaregel: Bei Korrelationen stets Drittvariablen und Wirkrichtung prüfen, bevor man Kausalität behauptet.
SRDP-Aufgaben
Aufgabenstellung
Typische Fehler
Aktive Wiederholung
Nennen Sie drei mögliche Erklärungen für die Korrelation zwischen Eisverkauf und Sonnenbrandfällen und bewerten Sie sie.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Spektrum.de — Korrelation (Spektrum)
Paradigmen der Psychologie
Erklären Sie aggressives Verhalten aus tiefenpsychologischer, behavioristischer und kognitiv-biologischer Sicht und beurteilen Sie die Perspektiven.
Aggression als Ausdruck eines Triebs (Freuds Thanatos) bzw. aufgestauter, verdrängter Impulse, die nach Abfuhr (Katharsis) drängen; frühe Konflikte prägen die Disposition (Abb. 7).
Aggression ist gelernt: durch Verstärkung (erfolgreiche Aggression wird belohnt) und Modelllernen — Banduras Bobo-Doll-Experiment zeigt, dass Kinder beobachtete Aggression imitieren.
Kognitiv: feindselige Attributionen und aggressive „Skripte". Biologisch: Beteiligung von Amygdala, Testosteron, Serotonin und genetischer Disposition; die Frustrations-Aggressions-Hypothese verbindet Situation und Reaktion.
Die Paradigmen betonen verschiedene Ebenen (intrapsychisch / Lernumwelt / Kognition + Gehirn). Sie konkurrieren teils, ergänzen sich aber — keine erklärt Aggression allein vollständig.
Das biopsychosoziale Modell verbindet sie: Aggression entsteht aus dem Zusammenspiel von Disposition, Lerngeschichte, Kognition und Situation. Empirisch gut gestützt sind Lern- und biopsychosoziale Ansätze; die reine Katharsis-These gilt als widerlegt.
Ergebnis: Dieselbe Aggression erscheint je nach Paradigma als Triebabfuhr, gelerntes Verhalten oder kognitiv-neuronaler Prozess. Am tragfähigsten ist das integrative biopsychosoziale Modell — die Katharsis-These ist empirisch widerlegt.
SRDP-Aufgaben
Aufgabenstellung
Typische Fehler
Aktive Wiederholung
Erklären Sie aggressives Verhalten aus drei verschiedenen psychologischen Paradigmen.
Aktiv abrufen
Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Spektrum.de — Psychologie (Schulen) (Spektrum)
Belege & Quellen
Spektrum der Wissenschaft
Spektrum