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Kierkegaard, Sartre, Camus, Heidegger, Wittgenstein, Postmoderne.
6Abschnitteca. 21Min Lesezeit3KompetenzenNiveauStandard 1 · Vertiefung 5Stand 06/2026
Lesetiefe: Vertiefung
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Hauptfiguren der Existenzphilosophie
Erläutern Sie Camus' Diagnose des Absurden und prüfen Sie die drei möglichen Reaktionen am Bild des Sisyphos.
Das Absurde entsteht aus dem Zusammenstoss zwischen dem menschlichen Sinnbedürfnis und einem Universum, das keine Antwort gibt. Es liegt weder allein im Menschen noch allein in der Welt, sondern in ihrer Konfrontation.
Der körperliche Selbstmord beendet die Konfrontation, indem er einen der Pole (den Menschen) aufhebt. Camus verwirft ihn: er löst das Absurde nicht, sondern flieht vor ihm.
Der „Sprung" in Religion oder Metaphysik stellt künstlich Sinn her und hebt den anderen Pol (die sinnlose Welt) auf. Camus verwirft auch ihn als unredliche Flucht (philosophischer Selbstmord).
Die Auflehnung (revolte) hält beide Pole aufrecht: Der Mensch erkennt die Sinnlosigkeit an und lebt dennoch bewusst und intensiv weiter, ohne falsche Tröstung.
Sisyphos wälzt ewig den Stein bergauf. Gerade im hellsichtigen Annehmen dieses Schicksals liegt seine Freiheit: „Man muss sich Sisyphos als glücklichen Menschen vorstellen."
Ergebnis: Camus verwirft Selbstmord und religiösen Sprung als Fluchtbewegungen und plädiert für die hellsichtige Auflehnung. Sinn entsteht nicht aus einer Garantie, sondern aus dem bewussten Bejahen des absurden Lebens.
SRDP-Aufgaben
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Diskutieren Sie Sartres These „Wir sind zur Freiheit verurteilt" — Befreiung oder Last?
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Stanford Encyclopedia of Philosophy — „Existentialism" (Stanford University)
Früh- und Spätwittgenstein
Wittgenstein meint, viele philosophische Probleme entstünden durch Missverständnisse der Sprache. Zeigen Sie das am Wort „Zeit" (Augustinus: „Was ist die Zeit? Wenn niemand mich fragt, weiß ich es; will ich es erklären, weiß ich es nicht.").
Augustinus sucht ein verborgenes Wesen „der Zeit" — als wäre „Zeit" der Name eines Gegenstands, den man wie ein Ding inspizieren könnte. Genau hier setzt die Verwirrung an.
Statt nach einer verborgenen Entität zu fahnden, fragt der späte Wittgenstein: Wie wird das Wort „Zeit" tatsächlich GEBRAUCHT? Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache (Abb. 2).
„Wie viel Zeit haben wir?", „zur rechten Zeit", „die Zeit messen" — in jedem Kontext funktioniert „Zeit" anders. Es gibt kein einheitliches Wesen, nur Familienähnlichkeiten zwischen den Verwendungen.
Die Verwirrung entsteht, weil wir das Substantiv „Zeit" nach dem Muster von Dingwörtern (wie „Apfel") deuten und ein Objekt suchen. Die Sprache „feiert", sie läuft leer; ein Bild hält uns gefangen.
Philosophie löst das Problem nicht durch eine Theorie der Zeit, sondern indem sie den realen Gebrauch sichtbar macht und die Bilderfalle auflöst: „ein Kampf gegen die Verhexung unseres Verstandes durch die Mittel unserer Sprache".
Ergebnis: Das „Rätsel der Zeit" ist kein metaphysisches, sondern ein grammatisches Problem: Es entsteht, weil „Zeit" wie ein Dingname behandelt wird. Wittgensteins Methode löst es auf, indem sie den vielfältigen Sprachgebrauch beschreibt, statt ein verborgenes Wesen zu suchen.
SRDP-Aufgaben
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Erläutern Sie den Wandel von Wittgensteins Sprachverständnis und seine Bedeutung für die Philosophie.
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Stanford Encyclopedia of Philosophy — „Ludwig Wittgenstein" (Stanford University)
Positionen der Postmoderne
Lyotard diagnostiziert das Ende der großen Erzählungen. Prüfen Sie, ob die Forderung nach globaler Klimagerechtigkeit eine solche Metaerzählung ist.
Eine „große Erzählung" (Metanarrativ) ist eine umfassende Geschichte, die Wissen und Handeln legitimiert — Fortschritt, Aufklärung, Emanzipation. Postmoderne ist „Unglaube gegenüber den Metaerzählungen" (Lyotard, Abb. 3).
Klimagerechtigkeit liefert ein universales Ziel (Rettung der Menschheit), eine Rettungs-/Fortschrittsnarration und legitimiert globales Handeln — strukturell einer großen Erzählung ähnlich.
Sie stützt sich auf konkrete, revidierbare wissenschaftliche Befunde und auf partikulare Betroffenheiten (lokale Gerechtigkeit), nicht auf eine spekulative Geschichtsphilosophie oder Heilsgeschichte.
Die These „es gibt keine großen Erzählungen mehr" ist selbst eine umfassende Erzählung über die Geschichte (Habermas’ Einwand) — radikale Erzählungsskepsis untergräbt sich performativ selbst.
Klimagerechtigkeit ist eher eine empirisch fundierte, pluralismusverträgliche „mittlere" Erzählung als ein klassisches Metanarrativ. Das zeigt: Die Postmoderne kann normative Orientierung nicht einfach ersetzen — eine berechtigte Grenze radikalen Pluralismus.
Ergebnis: Klimagerechtigkeit ist keine klassische Metaerzählung (empirisch fundiert, revidierbar, pluralismusoffen), erfüllt aber Legitimationsfunktionen einer solchen. Der Fall deckt zugleich Lyotards Selbstwiderspruch auf — die Postmoderne braucht weiter normative Maßstäbe.
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Diskutieren Sie: Ist eine „große Erzählung" wie Klimagerechtigkeit ein Rückfall hinter die Postmoderne — oder ihr legitimer Erbe?
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Stanford Encyclopedia of Philosophy — „Postmodernism" (Stanford University)
Husserls phänomenologische Reduktion
Erläutern Sie an der Wahrnehmung einer Tasse Kaffee, was Husserl mit der Intentionalität des Bewusstseins meint, und was die phänomenologische Reduktion leistet.
Bewusstsein ist immer „Bewusstsein VON etwas" — es ist gerichtet. Ich erlebe nicht „ein Sehen", sondern ich sehe DIE TASSE; jeder Akt (Wahrnehmen, Erinnern, Wünschen) hat ein Objekt (Abb. 4).
Husserl unterscheidet die Noesis (den Akt: das Wahrnehmen) vom Noema (dem Wahrgenommenen, so wie es erscheint: die Tasse als braun, dampfend, von dieser Seite gesehen).
Ich sehe die Tasse stets nur in „Abschattungen" (von einer Seite), erfasse sie aber als ein ganzes Ding. Das Bewusstsein meint also mehr, als jeweils sinnlich gegeben ist.
Ich klammere die Frage „Existiert die Tasse wirklich?" (die natürliche Einstellung) ein und betrachte nur, WIE sie sich dem Bewusstsein zeigt. So werden die Wesensstrukturen der Erfahrung freigelegt.
„Zu den Sachen selbst!" — die Phänomenologie beschreibt die Erfahrung, ohne sie vorschnell naturwissenschaftlich oder metaphysisch zu deuten. Sie ist daher keine bloße Introspektion (kein Tagebuch über Gefühle), sondern Wesensanalyse.
Ergebnis: Intentionalität heißt: Bewusstsein ist stets auf einen Gegenstand gerichtet (Noesis–Noema), den es perspektivisch, aber als Ganzes meint. Die Epoché klammert die Existenzfrage ein und legt so die Wesensstrukturen der Erfahrung frei.
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Erläutern Sie an einem Wahrnehmungsbeispiel, was es heißt, dass Bewusstsein intentional verfasst ist.
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Quellen: Stanford Encyclopedia of Philosophy — „Phenomenology" (Stanford University)
Existenz vor Essenz (Sartre)
Beurteilen Sie an einem Alltagsbeispiel mit Sartres Begriffen, ob die Berufung auf „Sachzwänge" ein Fall von mauvaise foi (Selbstbetrug) ist.
Für Sartre geht die Existenz der Essenz voraus: Der Mensch ist zur Freiheit verurteilt und wählt sich in jeder Situation selbst. Es gibt keine Entschuldigung, die diese Freiheit aufhebt.
Ein Angestellter sagt: „Ich musste die unethische Anweisung ausführen, ich hatte keine Wahl — das ist eben mein Job."
Mauvaise foi ist die Flucht vor der eigenen Freiheit, indem man sich als blosses Objekt von Umständen ausgibt. Der Angestellte verschleiert, dass er sich auch hätte weigern oder kündigen können.
Sartre leugnet die Situation (Geworfenheit) nicht: Es gibt reale Zwänge und Kosten. Entscheidend ist aber, dass der Mensch sich zu diesen Zwängen verhält und ihnen Bedeutung gibt — die Wahl bleibt seine.
Wird der Sachzwang als absolute Entschuldigung präsentiert, liegt mauvaise foi vor. Wird er als reales, aber abwägbares Hindernis benannt, zu dem man sich verantwortlich verhält, ist es authentisches Handeln.
Ergebnis: Die Berufung auf Sachzwänge ist dann Selbstbetrug, wenn sie die immer bestehende Wahlmöglichkeit verdeckt. Authentizität heisst, Zwänge anzuerkennen und dennoch die eigene Verantwortung zu übernehmen.
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Beurteilen Sie an einem Alltagsbeispiel, ob die Berufung auf „Sachzwänge" ein Fall von mauvaise foi ist.
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Quellen: Stanford Encyclopedia of Philosophy — „Jean-Paul Sartre" (Stanford University)
Nietzsche: Herren- und Sklavenmoral
Nietzsche fragt: Würdest du wollen, dass dein Leben sich unendlich oft exakt wiederholt? Erklären Sie den Gedanken als ethischen Prüfstein und beurteilen Sie ihn.
Ein Dämon flüstert dir zu, du müsstest dieses Leben mit jeder Einzelheit unendlich oft wiederleben — nichts Neues, nur die identische Wiederkehr (Fröhliche Wissenschaft § 341).
Der Gedanke ist kein kosmologischer Beweis, sondern ein existentielles Experiment: Wie stehst du zu deinem Leben? Würdest du verzweifeln — oder den Gedanken als „größtes Gewicht" bejahen?
Nur wer sein Leben so bejaht, dass er dessen ewige Wiederkehr WOLLEN könnte, lebt affirmativ. „Amor fati" (Liebe zum Schicksal) ist Nietzsches Gegengift gegen den Nihilismus — sie setzt die Umwertung der lebensverneinenden Werte voraus (Abb. 6).
Wer ohne metaphysische Garantien eigene Werte schafft und sein Leben restlos bejaht, verkörpert die schöpferische Haltung, die Nietzsche dem reaktiven Ressentiment der Sklavenmoral entgegensetzt.
Stärke: Sinn wird von einer jenseitigen Garantie in die radikale Bejahung des Diesseits verlegt. Einwände: Lässt sich das „Wollen" einer exakten Wiederholung überhaupt denken? Und droht die Lebensbejahung, reales Leid zu verharmlosen? Der Prüfstein ist eher ein Haltungstest als ein Argument.
Ergebnis: Die ewige Wiederkehr ist ein existentieller Test der Lebensbejahung (amor fati), keine kosmologische These. Sie verlegt Sinn ins Diesseits, bleibt aber als Gedankenexperiment angreifbar (Denkbarkeit, Gefahr der Leidverharmlosung).
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Aktive Wiederholung
Diskutieren Sie, ob Nietzsches Idee der Selbsterschaffung von Werten eine tragfähige Antwort auf den Nihilismus ist.
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Stanford Encyclopedia of Philosophy — „Nietzsche's Moral and Political Philosophy" (Stanford University)
Belege & Quellen
Stanford University