Aufgabenstellung
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Präfixe, Suffixe, Komposita und Etymologie. Wer das System der Wortbildung kennt, erschliesst aus 2.500 Grundvokabeln 8.000 abgeleitete Formen. Lateinisches Lehnwortgut ist die Basis der modernen Wissenschaftssprache.
4Abschnitteca. 17Min Lesezeit3KompetenzenNiveauBasis 2 · Standard 2Stand 06/2026
Lesetiefe: Vertiefung
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Stammformen - die drei Verbalstämme
Zerlege das Wort, bestimme Stamm und Suffix und erläutere die Bedeutung.
im- (Assimilation von in-): "auf / gegen / in".
par- / per- (aus paro = "bereitstellen") - hier von imperare = "befehlen", ursprünglich "auf-bereiten / anordnen".
-tor (m., 3. Dekl.) = Handelnder. imperator = "der Befehlende".
imperator, imperatoris, m., 3. Deklination.
Imperator, Imperium, imperativ - alle aus diesem Wortfeld.
Ergebnis: imperator = "der Befehlshaber / Feldherr / später: Kaiser". -tor signalisiert immer den Handelnden; -tor-Substantive sind männlich, 3. Dekl. Mischstamm.
Präfixe sind die Richtungspfeile des Verbs - ad-, ex-, re-, per-, sub- verändern jeweils die Bewegung oder Intensität.
Suffixe verraten Wortart und Genus: -tor (Handelnder, m.), -tio (Handlung, f.), -tas (Eigenschaft, f.) - regelmäßig.
Wer das System kennt, errechnet aus 2.500 Grundwörtern weitere 5.000 abgeleitete Formen.
SRDP-Aufgaben
Aufgabenstellung
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Bestimme Präfix, Stamm und Bedeutung folgender Komposita: accipio, excipio, recipio, percipio, suscipio, transgredior, intercedo, praeficio, condono. Welche deutschen Lehnwörter leiten sich davon ab?
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Stowasser - Lateinisch-deutsches Schulwörterbuch (oebv) · Duden - Etymologie. Herkunftswoerterbuch (Duden)
Drei Schritte der Übersetzung: Dekodieren - Konstruieren - Rekonstruieren
Erkläre die semantische Diskrepanz zwischen lat. virtus und dt. Tugend.
virtus stammt von vir ("Mann") + -tus (Eigenschaftssuffix). Ursprünglich: "Mannhaftigkeit".
Bei Cicero: virtus umfasst Tapferkeit, Charakterstärke, moralische Vortrefflichkeit; politische Tüchtigkeit. Eine männlich konnotierte Vortugend.
Bei Augustinus wird virtus christliche Tugend (Demut, Geduld, Liebe) - Verschiebung von kriegerisch-republikanisch zu spirituell.
Heute "Tugend" = moralische Eigenschaft (Bescheidenheit, Ehrlichkeit). Die männliche Komponente und die politisch-kriegerische Aktivitätsbedeutung sind verloren.
In Cicero-Texten: virtus meist mit "Tapferkeit / Tüchtigkeit / Tugendhaftigkeit" wiedergeben, nicht mit dem moralisch verengten "Tugend".
Ergebnis: virtus ist ein etymologisch transparentes, aber semantisch verschobenes Wort - die Übersetzung muss den römischen Kontext berücksichtigen.
Wortschatz ist Investition - 30 Minuten pro Tag über ein Schuljahr ergeben 3.000 sichere Vokabeln.
Lerne Wortfelder statt Einzelwörter: capio + alle Komposita ergeben 8 Vokabeln zum Preis von einer.
Falsche Freunde sind die stärksten Punkträuber - virtus ist nicht "Tugend", civis ist nicht "zivil", liber kann "Buch" oder "frei" heissen.
SRDP-Aufgaben
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Lerne in den nächsten 14 Tagen das Wortfeld virtus (virtus, virtutis - virilis - viriliter - vir, viri - virago); fertige Karteikarten an; nutze pro Wort ein Beispielzitat aus einem Maturatext. Prüfe nach Tag 7 und Tag 14 die Behaltensleistung.
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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.
Quellen: Stowasser - Lateinisch-deutsches Schulwörterbuch (oebv) · Pons Latein-Wörterbuch online (PONS)
Drei Schritte der Übersetzung: Dekodieren - Konstruieren - Rekonstruieren
Bestimme die kontextangemessene Bedeutung von res in drei Wendungen und begründe: (1) "rem publicam servare", (2) "res adversae", (3) "rerum natura".
res, rei f.: Sache, Ding, Angelegenheit, Lage, Besitz, Vorteil; in festen Verbindungen spezialisiert.
res publica = feste Verbindung "der Staat / das Gemeinwesen" (wörtlich "die öffentliche Sache"). Bedeutung: "den Staat retten/bewahren".
res + adversae ("ungünstig") = Sachfeld Schicksal/Lage: "widrige Umstände / Unglück". Gegenstück: res secundae ("Glück").
rerum (Gen.Pl.) + natura = philosophisches Sachfeld (Lucretius): "die Natur der Dinge / die Beschaffenheit der Welt".
Ergebnis: Dasselbe Wort res ergibt "Staat", "Umstände" und "Welt/Dinge" - allein die feste Verbindung bzw. das Sachfeld entscheidet. Die Bedeutung steht im Kontext, nicht im Lexikon.
Polysemie ist der Normalfall - res, ratio, petere tragen je ein halbes Dutzend Bedeutungen.
Die Rektion ist der Bedeutungsschalter: welcher Kasus folgt, entscheidet, welche Bedeutung gilt.
Sachfeldkontrolle: Im Kriegsbericht heisst acies "Schlachtreihe", im philosophischen Text "Schärfe des Geistes".
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Bestimme für das Wort res in fünf vorgegebenen Kontexten jeweils die kontextangemessene Bedeutung und begründe mit Sachfeld und Rektion: res publica, res gestae, rerum natura, res adversae, in medias res.
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Quellen: Stowasser - Lateinisch-deutsches Schulwörterbuch (oebv) · Perseus Project - Latin Word Study Tool (Tufts University)
Stilmittel der lateinischen Rhetorik - vier Familien
Erläutere, warum die Wahl zwischen occidere und trucidare in einem historiographischen Text bedeutungstragend ist, und deute eine Beispielstelle.
Beide Verben bezeichnen das Töten eines Menschen - die Grundbedeutung ("Denotation") ist gleich.
occidere = "niederhauen, töten" (neutral, oft im Kampf, gerechtfertigt); trucidare = "abschlachten, hinmetzeln" (brutal, masslos, verurteilend).
Wählt ein Historiker trucidare statt occidere, signalisiert er eine moralische Verurteilung der Tat - die Wortwahl ist bereits Wertung (z.B. Sallust über Grausamkeiten).
trucidare verstärkt durch seinen lautlich harten Klang (Plosive) und seine pejorative Konnotation die emotionale Wirkung - Form und Bedeutung wirken zusammen.
Ergebnis: Die Synonymwahl ist nie neutral: occidere berichtet, trucidare verurteilt. Wer die Konnotation in der Übersetzung und Deutung erfasst, erkennt die wertende Perspektive des Autors.
Synonyme sind nie deckungsgleich - jedes trägt eine eigene Konnotation und Stilebene.
occidere berichtet, trucidare verurteilt - die Synonymwahl ist bereits Wertung.
Antonympaare wie pax/bellum oder libertas/servitus tragen oft die Argumentationsstruktur eines Textes.
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Typische Fehler
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Analysiere das Wortfeld "töten" (necare, occidere, interficere, trucidare): Ordne die vier Verben nach steigender Brutalität bzw. Wertung und erläutere an je einem Beispielkontext, welche Konnotation die Wortwahl signalisiert.
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Quellen: Stowasser - Lateinisch-deutsches Schulwörterbuch (oebv) · AHS-Lehrplan Latein (BMBWF / RIS)
Belege & Quellen