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Notizen/Musik/Musikgeschichte I — Mittelalter, Renaissance, Barock
Notizen · MusikDE · Abitur

Musikgeschichte I — Mittelalter, Renaissance, Barock

Die abendländische Musikgeschichte beginnt mit dem einstimmigen Gregorianischen Choral (8.-9. Jh.). Im 12. Jh. entsteht in Paris die mehrstimmige Notre-Dame-Schule (Leoninus, Perotinus). Die Renaissance (15.-16. Jh.) bringt mit Josquin, Palestrina und Lasso die Blütezeit der Vokalpolyphonie. Der Barock (1600–1750) etabliert Generalbass, Oper (Monteverdi), Konzert (Vivaldi) und Fuge (Bach, Händel). Charakteristisch: Affektenlehre, Generalbasspraxis, kontrapunktische Dichte. Bach und Händel markieren das Ende der Epoche.

6 Abschnitte·~28 Min Lesezeit·2 Kompetenzen·Niveau Basis 1 · Standard 5·Stand 06/2026

T·0333 / 9
Prüfungsprofil
KMK-EPA-Musik-Geschichte-1 · Musikalische Epochen und Stile einordnenKMK-EPA-Musik-Geschichte-2 · Werke im historischen Kontext beschreiben
Operatoren:einordnenbeschreibenanalysierenkontextualisieren

grundlegendes Niveau

gA-Niveau: Drei Epochen-Blöcke (Mittelalter, Renaissance, Barock) mit je 1–2 zentralen Komponisten und Gattungen sicher benennen. Gregorianik als einstimmig, Renaissance als vokalpolyphon, Barock als instrumentaldominiert und kontrapunktisch.

erhöhtes Niveau

eA-Niveau: Periodisierung der Epochen mit Wendepunkten (Notre-Dame ca. 1180, Beginn Generalbass ca. 1600, Tod Bach 1750). Stilistische Details: cantus firmus-Technik, isorhythmische Motette, Madrigalismus, Affektenlehre, konzertierender Stil, da capo-Arie. Hauptwerke einordnen und exemplarisch analysieren können.

Tiefe

Lesetiefe: Vertiefung

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Schriftgröße: Standard

Inhalt · 6 Abschnitte▾
  1. Musikgeschichte I — Mittelalter, Renaissance, Barock
    • 01Mittelalter — Gregorianischer Choral, Notre-Dame, Ars antiqua/nova◐
    • 02Renaissance — Vokalpolyphonie, Josquin, Palestrina, Madrigal◐
    • 03Frühbarock und Hochbarock — Monteverdi, Vivaldi, Generalbass, Oper◐
    • 04Spätbarock — Bach und Händel im Vergleich◐
    • 05Barocke Vokalgattungen — Kantate, Passion, Oratorium, Oper◐
    • 06Notation und Instrumente im historischen Wandel○
§ 01

Mittelalter — Gregorianischer Choral, Notre-Dame, Ars antiqua/nova#

●●○StandardLPkmk-epa-musik-geschichte

Zeitstrahl der Musikgeschichte — Epochen und Leitkomponisten

Musikepochen — Mittelalter bis ModerneZeitleiste von 800 bis 2026, 1200: Pérotin, 1500: Josquin, 1685: J. S. Bach, 1810: Beethoven, 1913: Strawinsky, 800–1400: Mittelalter, 1400–1600: Renaissance, 1600–1750: Barock, 1750–1820: Wiener Klassik, 1820–1900: Romantik, 1900–2026: Moderne8002026JahrMittelalterRenaissanceBarockWiener KlassikRomantikModerne1200Pérotin1500Josquin1685J. S. Bach1810Beethoven1913Strawinsky
Abb. 1Grobe Periodisierung: Mittelalter (bis 1400), Renaissance (1400–1600), Barock (1600–1750), Wiener Klassik (1750–1820), Romantik (1820–1900), Moderne (ab 1900).

Kernpunkte

Der Gregorianische Choral ist das älteste umfassend überlieferte Repertoire der abendländischen Kunstmusik: einstimmiger (monophoner), unbegleiteter, lateinischer Gesang der römisch-katholischen Liturgie, der ab dem 8./9. Jahrhundert schriftlich fixiert wurde. Sein Name geht auf die Legende zurück, Papst Gregor I. (um 600) habe die Gesänge unter göttlicher Eingebung geordnet - tatsächlich ist das Repertoire das Ergebnis eines langen Vereinheitlichungsprozesses fränkisch-römischer Liturgie unter den Karolingern. Seine Tonsprache ist modal (auf den acht Kirchentönen, nicht auf Dur/Moll), frei im Rhythmus (am Sprachfluss orientiert) und kennt kein metrisches Taktgerüst.
Nach dem Verhältnis von Silbe und Tonzahl unterscheidet man drei Vortragsstile, die zugleich verschiedene Text-Musik-Beziehungen verkörpern: syllabisch (eine Note pro Silbe - textbetont, schlicht, etwa in Psalmrezitationen), neumatisch (wenige Noten, kleine Tongruppen pro Silbe) und melismatisch (lange Tonketten - Melismen - auf einer einzigen Silbe, etwa auf dem „Alleluia", wo das Wort im Klang aufgeht). Der Stil verrät die liturgische Gattung und die Feierlichkeit des Augenblicks; je melismatischer, desto kunstvoller und festlicher.
Die Notation entwickelte sich aus der Notwendigkeit, dieses Repertoire memorierbar zu machen: Zunächst zeigten Neumen (8.-10. Jh.) nur die ungefähre Richtung der Melodie über dem Text an (relative Höhe, kein fixes Intervall); Guido von Arezzo führte um 1025 das Liniensystem ein, das die Tonhöhe erstmals präzise fixierte. Die rhythmische Bezeichnung folgte erst mit der Mensuralnotation ab dem 13. Jahrhundert. Diese Notationsgeschichte ist die Voraussetzung jeder mehrstimmigen Komposition - erst wer Tonhöhe und später Dauer aufschreiben kann, kann Stimmen aufeinander abstimmen.
Hildegard von Bingen (1098-1179), Benediktineräbtissin, Mystikerin und Universalgelehrte, ist die früheste namentlich bekannte Komponistin der Musikgeschichte. Ihre geistlichen Gesänge - gesammelt in der „Symphonia armonie celestium revelationum" - zeichnen sich durch weite Ambitus, kühne Melismen und eine sehr persönliche, ekstatische Tonsprache aus; ihr „Ordo virtutum" ist ein frühes geistliches Spiel (liturgisches Drama) mit gesungenen Tugenden-Allegorien. Sie steht für die Tatsache, dass die scheinbar anonyme mittelalterliche Musikkultur durchaus individuelle, namentlich fassbare Schöpferpersönlichkeiten kannte.
Der entscheidende Schritt zur komponierten Mehrstimmigkeit vollzieht sich um 1170-1240 an der Pariser Kathedrale Notre-Dame: Die Notre-Dame-Schule mit den (nur dem Namen nach fassbaren) Meistern Leoninus und Perotinus entwickelt das Organum, in dem über einen langgezogenen Choralton (Cantus firmus aus der Gregorianik) eine oder mehrere bewegliche Oberstimmen gesetzt werden. Perotinus komponiert sogar drei- und vierstimmige Organa (Organum triplum/quadruplum). Wichtig für die Einordnung: Notre-Dame markiert nicht den Beginn der Mehrstimmigkeit überhaupt (frühe Organum-Praxis ist älter), aber den Beginn der schriftlich fixierten, rhythmisch geordneten Mehrstimmigkeit als Kunstwerk.
Das 13. und 14. Jahrhundert ordnet man in Ars antiqua (13. Jh.) und Ars nova (14. Jh.). Die Ars nova - benannt nach dem um 1320 Philippe de Vitry zugeschriebenen Traktat „Ars nova" - bringt eine rhythmische Revolution: Die zweizeitige (binäre) Teilung wird der bis dahin als „vollkommen" geltenden dreizeitigen gleichgestellt, das rhythmische Repertoire wird differenzierter notierbar. Ihr charakteristisches Verfahren ist die isorhythmische Motette, in der ein Tenor ein wiederholtes Rhythmusmodell (talea) und eine davon unabhängig wiederholte Tonfolge (color) überlagert - eine frühe, streng konstruktive Form musikalischer Großorganisation.
Guillaume de Machaut (um 1300-1377), zugleich Dichter und Komponist, ist der überragende Meister der Ars nova. Seine vierstimmige „Messe de Nostre Dame" (vor 1365) gilt als die erste vollständige Vertonung des Mess-Ordinariums (Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Agnus Dei samt Ite missa est) aus einer Hand und teils isorhythmisch angelegt - musikhistorisch der Schritt von der Sammlung einzelner Sätze (vgl. die ältere, mehreren Händen zugeschriebene Tournai-Messe) zum einheitlich konzipierten Komponistenwerk. Neben der geistlichen Mehrstimmigkeit stand die weltliche, einstimmige Liedkunst der Trobadors (südfranzösisch), Trouvères (nordfranzösisch) und des deutschen Minnesangs (Walther von der Vogelweide) - die höfische Lyrik des Adels.

Abiturfokus

  • Gregorianik als einstimmig und modale Tonsprache erkennen.
  • Notre-Dame als historischen Beginn der mehrstimmigen Komposition (nicht der Mehrstimmigkeit überhaupt) einordnen.
  • Hildegard von Bingen als wichtige Gestalt des Hochmittelalters benennen.
  • Ars nova als rhythmische Neuerung (Mensuralnotation, Isorhythmik) gegenüber der Ars antiqua abgrenzen und Machaut als ihren Hauptvertreter benennen.

Typische Fehler

  • Gregorianik wird als „katholisch-mittelalterlich generell“ verallgemeinert - sie ist ein konkreter liturgischer Repertoire-Bestand.
  • Notre-Dame-Schule wird mit der Kathedrale Notre-Dame allgemein gleichgesetzt, statt mit dem konkreten Komponistenkreis.
  • Ars antiqua und Ars nova werden vertauscht (antiqua = älter, 13. Jh.; nova = jünger, 14. Jh.).
  • Machauts Messe wird mit Palestrinas Renaissance-Messen gleichgesetzt - sie steht stilistisch und zeitlich (14. Jh.) deutlich vor der Vokalpolyphonie der Niederländer.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Erläutern Sie das Prinzip der Isorhythmie an Machauts „Messe de Nostre Dame“. Wie verhalten sich talea (Rhythmusmodell) und color (Tonfolge) im Tenor zueinander, und warum markiert die Messe musikhistorisch einen Schritt von der liturgischen Sammlung (vgl. die ältere, mehreren Händen zugeschriebene Tournai-Messe) hin zum einheitlich konzipierten Komponistenwerk?

Aktive Wiederholung

Beschreiben Sie die Vortragsweisen des Gregorianischen Chorals (syllabisch, neumatisch, melismatisch) an einem vorgelegten Notenbeispiel. Welcher Text-Musik-Bezug wird damit jeweils gestaltet?

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: IMSLP — Petrucci Music Library (gemeinfreie Partituren) (IMSLP) · MGG Online — Die Musik in Geschichte und Gegenwart (Bärenreiter / Metzler)

§ 02

Renaissance — Vokalpolyphonie, Josquin, Palestrina, Madrigal#

●●○StandardLPkmk-epa-musik-geschichte

Zeitstrahl der Musikgeschichte — Epochen und Leitkomponisten

Musikepochen — Mittelalter bis ModerneZeitleiste von 800 bis 2026, 1200: Pérotin, 1500: Josquin, 1685: J. S. Bach, 1810: Beethoven, 1913: Strawinsky, 800–1400: Mittelalter, 1400–1600: Renaissance, 1600–1750: Barock, 1750–1820: Wiener Klassik, 1820–1900: Romantik, 1900–2026: Moderne8002026JahrMittelalterRenaissanceBarockWiener KlassikRomantikModerne1200Pérotin1500Josquin1685J. S. Bach1810Beethoven1913Strawinsky
Abb. 2Grobe Periodisierung: Mittelalter (bis 1400), Renaissance (1400–1600), Barock (1600–1750), Wiener Klassik (1750–1820), Romantik (1820–1900), Moderne (ab 1900).

Kernpunkte

Die Renaissance (ca. 1430-1600) ist die große Blütezeit der mehrstimmigen Vokalmusik; ihr Klangideal ist der ausgewogene, voll klingende, durchimitierte A-cappella-Satz für vier bis sechs gleichberechtigte Stimmen. Führend ist über mehr als ein Jahrhundert die franko-flämische (niederländische) Schule, deren Meister an allen europäischen Höfen wirken - von Guillaume Dufay über Johannes Ockeghem bis zu Josquin Desprez. Im Vergleich zum Mittelalter ändert sich der Klang grundlegend: Die Terz und Sexte gelten nun als vollwertige Konsonanzen, der Satz wird fülliger, und die Stimmen sind nicht mehr nach Funktion (Tenor-Gerüst plus Oberstimmen), sondern als gleichwertiges Gewebe konzipiert.
Die Satztechnik kennt zwei Leitprinzipien. Die ältere Cantus-firmus-Technik legt eine vorgegebene Melodie (Gregorianik oder ein Volkslied) als langgezogenes Gerüst in eine Stimme - meist den Tenor - und spinnt die übrigen Stimmen polyphon darum (Tenor-Messe). Die jüngere, von Josquin zur Vollendung geführte Durchimitation behandelt alle Stimmen gleich: Jede neue Textzeile bekommt ein eigenes melodisches Motiv (Soggetto), das nacheinander von allen Stimmen imitatorisch übernommen wird, sodass sich Imitationsfelder aneinanderreihen (Josquins Motette „Ave Maria … virgo serena"). Diese Durchimitation wird zum stilbildenden Verfahren des 16. Jahrhunderts.
Giovanni Pierluigi da Palestrina (um 1525-1594) gilt als der Vollender der römischen Vokalpolyphonie im Geist der katholischen Gegenreformation. Sein Stil verbindet vollkommene Klangschönheit mit strengster Regelhaftigkeit: ausgewogene melodische Linien (überwiegend schrittweise, Sprünge ausgeglichen), kontrollierte Dissonanzbehandlung (Dissonanzen nur als vorbereitete Vorhalte oder Durchgänge) und klare Textverständlichkeit. Die Legende, seine „Missa Papae Marcelli" habe das Konzil von Trient davon überzeugt, die kunstvolle Mehrstimmigkeit in der Liturgie nicht zu verbieten, ist historisch nicht gesichert, zeigt aber, welche Modellstellung dieser Stil gewann - Fux’ „Gradus ad Parnassum" (1725) macht den Palestrina-Satz zum bis heute gelehrten Maßstab des strengen Kontrapunkts.
Die weltliche Gegenform zur geistlichen Motette ist das italienische Madrigal (16. Jh.): ein mehrstimmiges weltliches Lied auf anspruchsvolle Liebes- und Naturlyrik, das die Musik eng an den Text bindet. Sein Kennzeichen ist der Madrigalismus (Wort-Ton-Malerei): einzelne Wörter werden musikalisch illustriert - „fuggire" (fliehen) durch hastige Läufe, „morire" (sterben) durch absteigende chromatische Linien, „cielo" (Himmel) durch hohe Lagen. Bei Luca Marenzio ist diese Textausdeutung verfeinert, bei Carlo Gesualdo (etwa „Moro, lasso") bis zu extremer, ihrer Zeit weit vorauseilender Chromatik gesteigert; der junge Monteverdi treibt das Madrigal an die Schwelle des Barock. Der Madrigalismus ist der direkte Vorläufer der barocken Affektenlehre.
Die Reformation verändert die Musiklandschaft tief: Martin Luther, selbst musikalisch gebildet, schafft mit dem deutschsprachigen Kirchenlied (Choral) eine gemeindefähige, einprägsame Gattung („Ein feste Burg ist unser Gott") und begründet damit die protestantische Choraltradition, aus der zwei Jahrhunderte später Bachs Choralkantaten und Passionen erwachsen. Der protestantische Choral ist textverständlich und von der Gemeinde singbar - ein bewusster Gegenentwurf zur kunstvollen lateinischen Polyphonie und zugleich der Keim einer eigenständigen deutschen Kirchenmusik.
Schließlich beginnt sich in der Renaissance die Instrumentalmusik aus ihrer dienenden Rolle zu lösen und eigene Gattungen auszubilden: stilisierte Tänze (Pavane, Galliarde) als Vorform der Suite, die Toccata (freies, virtuoses Tastenstück), das Ricercar (imitatorisches Instrumentalstück als Vorform der Fuge) und eine reiche Lautenmusik in der höfischen Kultur. Diese Verselbständigung der Instrumentalmusik ist eine der wichtigsten langfristigen Entwicklungen, die den Übergang zum Barock vorbereiten.

Abiturfokus

  • Durchimitation und Cantus-firmus-Technik als die zwei Renaissance-Satzprinzipien unterscheiden.
  • Den Palestrina-Stil als streng reguliertes satztechnisches Modell (Dissonanzbehandlung, Stimmführung) einordnen.
  • Madrigalismus (Wort-Ton-Malerei) als Vorläufer der barocken Affektenlehre erkennen.
  • Reformation und protestantischen Choral als kulturhistorische Wende benennen.

Typische Fehler

  • Die Renaissance wird als „freie Mehrstimmigkeit" verallgemeinert - Durchimitation und Cantus firmus sind regelhaft.
  • Der Palestrina-Stil wird mit „schönem Gesang" gleichgesetzt - er ist ein streng geregelter Satz.
  • Madrigal (weltlich) und Motette (geistlich) werden verwechselt.
  • Die Trient-Legende um die Missa Papae Marcelli wird als gesicherte Tatsache referiert.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Vergleichen Sie die radikale Chromatik bei Gesualdo (z. B. „Moro lasso“) mit Palestrinas konservativem Stil. Welche stilistische Spaltung der Spätrenaissance wird sichtbar?

Aktive Wiederholung

Analysieren Sie die ersten 16 Takte einer Palestrina-Motette (z. B. „Sicut cervus“). Markieren Sie Imitationseinsätze, Konsonanz/Dissonanz-Behandlung und Phrasenübergänge.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: MGG Online — Die Musik in Geschichte und Gegenwart (Bärenreiter / Metzler) · Grove Music Online (Oxford Music Online) (Oxford University Press) · IMSLP — Petrucci Music Library (gemeinfreie Partituren) (IMSLP)

§ 03

Frühbarock und Hochbarock — Monteverdi, Vivaldi, Generalbass, Oper#

●●○StandardLPkmk-epa-musik-geschichte

Zeitstrahl der Musikgeschichte — Epochen und Leitkomponisten

Musikepochen — Mittelalter bis ModerneZeitleiste von 800 bis 2026, 1200: Pérotin, 1500: Josquin, 1685: J. S. Bach, 1810: Beethoven, 1913: Strawinsky, 800–1400: Mittelalter, 1400–1600: Renaissance, 1600–1750: Barock, 1750–1820: Wiener Klassik, 1820–1900: Romantik, 1900–2026: Moderne8002026JahrMittelalterRenaissanceBarockWiener KlassikRomantikModerne1200Pérotin1500Josquin1685J. S. Bach1810Beethoven1913Strawinsky
Abb. 3Grobe Periodisierung: Mittelalter (bis 1400), Renaissance (1400–1600), Barock (1600–1750), Wiener Klassik (1750–1820), Romantik (1820–1900), Moderne (ab 1900).

Kernpunkte

Der Barock (ca. 1600-1750) beginnt mit zwei epochalen Neuerungen - der Generalbass-Praxis und der Geburt der Oper - und endet konventionell mit dem Tod Bachs (1750). Der Name leitet sich vom portugiesischen „barroco" (unregelmäßig geformte, schiefrunde Perle) ab und war ursprünglich abwertend („überladen, unregelmäßig") gemeint. Charakteristisch für die Epoche ist ein neues, polar gedachtes Satzbild: Über einem tragenden Bass und unter einer führenden Oberstimme spannt sich der harmonische Raum auf - ein Gegensatz zur stimmengleichen Polyphonie der Renaissance. Affektgeladenheit, Bewegungsenergie und kontrapunktische Dichte prägen den barocken Stil.
Der Generalbass (Basso continuo) ist das technische Fundament der ganzen Epoche - so sehr, dass man den Barock als „Generalbasszeitalter" bezeichnet. Notiert wird nur die Bassstimme mit untergesetzten Ziffern (Bezifferung), die die darüber zu greifenden Intervalle bzw. Akkorde angeben; aus dieser Kurzschrift realisiert eine Continuo-Gruppe die volle Harmonie - ein Akkordinstrument (Cembalo, Orgel, Laute) füllt die Akkorde, ein Bassinstrument (Violoncello, Violone, Fagott) verstärkt die Basslinie. Der Generalbass ist also kein bloßer „tiefer Ton", sondern ein ganzes Aufführungs- und Harmonisierungsverfahren, das improvisatorische Freiheit mit harmonischer Festlegung verbindet.
Die Affektenlehre ist die ästhetische Leitidee des Barock: Musik soll typisierte Gemütszustände (Affekte) - Freude, Trauer, Zorn, Liebe, Hoffnung - darstellen und im Hörer erregen. Ein Satz oder eine Arie verkörpert dabei in der Regel einen einzigen Hauptaffekt von Anfang bis Ende und hält ihn durch konstante musikalische Mittel (Tonart, Tempo, Rhythmus, charakteristische Tonfiguren) durch. Die Affektenlehre ist also keine subjektive Gefühlsäußerung des Komponisten, sondern eine rhetorisch-objektive Zuordnung bestimmter Mittel zu bestimmten Affekten - der absteigende chromatische Lamento-Bass etwa „bedeutet" Klage. Sie verlängert den Madrigalismus der Renaissance ins systematisch Geregelte.
Die Oper wird um 1600 in Florenz aus dem Kreis der Camerata fiorentina geboren, die das antike Drama wiederbeleben will und dazu die Monodie erfindet - den von Generalbass gestützten Sologesang, der dem Sprachrhythmus folgt (stile recitativo). Claudio Monteverdi (1567-1643) hebt die junge Gattung mit „L’Orfeo" (1607) auf künstlerische Höhe; im Verlauf des Jahrhunderts kristallisiert sich die Trennung von Rezitativ (handlungstragend, sprechnah) und Arie (affekthaltig, melodisch ausgestaltet) heraus, und die neapolitanische Schule (Alessandro Scarlatti) standardisiert die Da-capo-Arie (ABA) als zentralen Affektträger der Opera seria.
Antonio Vivaldi (1678-1741), Priester und Geiger in Venedig, prägt das barocke Solokonzert wie kein zweiter (über 500 Konzerte). Seine „Vier Jahreszeiten" (aus „Le quattro stagioni" op. 8, 1725) sind berühmte Programm-Konzerte, deren Sätze begleitende Sonette musikalisch ausmalen. Formal beruhen sie auf der Ritornellform: Ein im Tutti vorgestelltes Ritornell kehrt - oft verkürzt und in verschiedene Tonarten transponiert - mehrfach wieder und rahmt die solistischen Episoden (siehe Worked Example). Wichtig ist die Einordnung: Es sind Konzerte mit programmatischer Beigabe, keine bloße Programmmusik - die musikalische Form (Ritornell-Episode-Wechsel) bleibt das Primäre.
Neben Italien entstehen eigene nationale Ausprägungen. In England schreibt Henry Purcell (1659-1695) mit „Dido and Aeneas" (1689) ein Hauptwerk der englischen Vokalmusik; sein Lamento der Dido „When I am laid in earth" über einem chromatisch absteigenden Ground-Bass (Basso ostinato) ist ein Modellfall barocker Affektgestaltung. In Venedig pflegt die Schule um Giovanni Gabrieli den Concertato-Stil und die Mehrchörigkeit (cori spezzati): Verschiedene Klanggruppen - Soli gegen Tutti, hohe gegen tiefe, räumlich getrennte Chöre im Markusdom - werden gegeneinander gestellt. Dieses Wechselspiel kontrastierender Klangkörper ist das übergreifende Bauprinzip barocker Musik und kehrt im Concerto grosso wieder.
Musterlösung

Vivaldi, „Der Frühling“ (Le quattro stagioni op. 8 Nr. 1), 1. Satz — Ritornellform

Analysieren Sie den ersten Satz (Allegro) aus Vivaldis Violinkonzert „La Primavera“. Identifizieren Sie die Ritornellform, ordnen Sie die programmatischen Episoden zu und benennen Sie das tonale Gerüst.

  1. 011. Werkkontext und Gattung

    Solokonzert für Violine, Streicher und Basso continuo in E-Dur (1725 veröffentlicht). Der Satz ist von einem Sonett begleitet, dessen Zeilen einzelnen Abschnitten zugeordnet sind - frühe Programmmusik. Grundform: Ritornellform (Wechsel von Tutti-Ritornell und Solo-Episoden).

  2. 022. Eröffnungsritornell (Tutti, E-Dur)

    Das Ritornell stellt das Hauptthema im Tutti vor: zweiteilig, mit kraftvollem Kopfmotiv und echohafter Wiederholung (forte - piano). Es steht fest in der Tonika E-Dur und kehrt im Satzverlauf - oft verkürzt und in andere Tonarten transponiert - mehrfach wieder. Funktion: tonaler und thematischer Ankerpunkt.

  3. 033. Solo-Episoden mit Programm

    Zwischen den Ritornellen treten die Solo-Episoden, in denen die Solovioline programmatische Bilder ausmalt: Vogelgesang (hohe Triller und Terz-Figuren mehrerer Soloviolinen), murmelnde Quellen (fließende Sechzehntel), Gewitter (rasche Tonleitern, Tremoli, Donner im Bass). Die Episoden modulieren in verwandte Tonarten (Dominante H-Dur, Tonikaparallele cis-Moll).

  4. 044. Tonales Gerüst des Satzes

    Ritornelle markieren die Stationen des Tonartenplans: E-Dur (Beginn) - H-Dur (Dominante) - cis-Moll (Tonikaparallele) - zurück nach E-Dur (Schluss). Das abschließende Ritornell bringt das Hauptthema wieder in der Tonika und rundet den Satz tonal ab.

  5. 055. Interpretation und Einordnung

    Die Ritornellform ist das barocke Pendant zum späteren Sonatenrondo: ein wiederkehrender Tutti-Block rahmt kontrastierende Solopartien. Vivaldis Verbindung von fester Form und konkretem Programm macht den Satz zum Modellfall barocker Konzert- und Programmmusik.

Ergebnis: Der Satz folgt der Ritornellform: ein E-Dur-Ritornell kehrt mehrfach (auch transponiert nach H-Dur und cis-Moll) wieder und rahmt programmatische Solo-Episoden (Vogelgesang, Quelle, Gewitter). Tonal schließt der Satz wie er begann - in der Tonika E-Dur.

Abiturfokus

  • Den Generalbass als Harmonisierungs- UND Aufführungsverfahren (Bezifferung, Continuo-Gruppe) erläutern.
  • Die Affektenlehre als regelhafte, rhetorische Mittel-Affekt-Zuordnung (nicht subjektive Emotion) darstellen.
  • Die Monodie und Monteverdis „L’Orfeo" als Geburtsakt der Oper einordnen.
  • Die Ritornellform an Vivaldis Konzert nachweisen (Ritornell-Episode-Wechsel, Tonartenplan).

Typische Fehler

  • Generalbass wird mit „tiefer Stimme" gleichgesetzt - gemeint ist das ganze Continuo-Verfahren.
  • Die Affektenlehre wird subjektiv-emotional gedeutet statt als typisierte Mittel-Affekt-Zuordnung.
  • Vivaldis Konzerte werden als reine Programmmusik gelesen - die Ritornellform bleibt das Primäre.
  • Rezitativ und Arie werden nicht nach Funktion (Handlung vs. Affekt) unterschieden.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Erläutern Sie Monteverdis Unterscheidung von „prima prattica" und „seconda prattica" im Streit mit dem Theoretiker Giovanni Artusi. Wie rechtfertigt Monteverdi die freiere, dem Text untergeordnete Dissonanzbehandlung der seconda prattica, und warum markiert dieser Streit den Übergang von der Renaissance zum Barock?

Aktive Wiederholung

Analysieren Sie den ersten Satz aus Vivaldis „Frühling" (Le quattro stagioni, op. 8 Nr. 1, 1725). Identifizieren Sie die Ritornell-Einsätze und ihre Tonarten, ordnen Sie die programmatischen Solo-Episoden (Vogelgesang, Quelle, Gewitter) zu und erläutern Sie das Verhältnis von Form und Programm.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: IMSLP — Petrucci Music Library (gemeinfreie Partituren) (IMSLP) · MGG Online — Die Musik in Geschichte und Gegenwart (Bärenreiter / Metzler) · Klett Spielräume Musik Oberstufe (Klett)

§ 04

Spätbarock — Bach und Händel im Vergleich#

●●○StandardLPkmk-epa-musik-geschichte

Zeitstrahl der Musikgeschichte — Epochen und Leitkomponisten

Musikepochen — Mittelalter bis ModerneZeitleiste von 800 bis 2026, 1200: Pérotin, 1500: Josquin, 1685: J. S. Bach, 1810: Beethoven, 1913: Strawinsky, 800–1400: Mittelalter, 1400–1600: Renaissance, 1600–1750: Barock, 1750–1820: Wiener Klassik, 1820–1900: Romantik, 1900–2026: Moderne8002026JahrMittelalterRenaissanceBarockWiener KlassikRomantikModerne1200Pérotin1500Josquin1685J. S. Bach1810Beethoven1913Strawinsky
Abb. 4Grobe Periodisierung: Mittelalter (bis 1400), Renaissance (1400–1600), Barock (1600–1750), Wiener Klassik (1750–1820), Romantik (1820–1900), Moderne (ab 1900).

Kernpunkte

Johann Sebastian Bach (1685-1750) ist der musikgeschichtliche Höhe- und Endpunkt des Barock. Als gläubiger Lutheraner wirkte er ab 1723 als Thomaskantor in Leipzig, verantwortlich für die Kirchenmusik der Stadt. Sein Werk umspannt nahezu alle Gattungen außer der Oper: rund 200 erhaltene geistliche Kantaten, die Johannes- und die Matthäus-Passion, die h-Moll-Messe, das „Wohltemperierte Klavier", die großen Orgelwerke, die Brandenburgischen Konzerte sowie späte, gleichsam enzyklopädische Sammelwerke wie das „Musikalische Opfer" und die „Kunst der Fuge". Die Werke werden nach dem Bach-Werke-Verzeichnis (BWV, Wolfgang Schmieder 1950) gezählt - nach Gattungen, nicht chronologisch, weshalb BWV-Nummern keine Opuszahlen sind.
Bachs Stil ist durch höchste kontrapunktische Dichte gekennzeichnet: Jede Stimme ist melodisch eigenständig geführt, jeder Ton Resultat eines Stimmverlaufs. Zugleich ist sein Werk eine große Synthese der Nationalstile - er verbindet die italienische Konzertform (Vivaldi-Studium, Ritornellprinzip), die französische Suite und Ouvertüre und die deutsche kontrapunktische und Choraltradition. Der protestantische Choral bildet den theologischen und musikalischen Kern seiner Kantaten und Passionen: Die bekannte Gemeindemelodie wird harmonisiert, umspielt, in Arien und Chören ausgedeutet und so zum Träger der Verkündigung.
Georg Friedrich Händel (1685-1759), im selben Jahr wie Bach geboren, schlägt einen ganz anderen Lebensweg ein: Nach Stationen in Italien lässt er sich 1712 dauerhaft in London nieder und wird zum kosmopolitischen Musikunternehmer. Seine Hauptgattungen sind zunächst die italienische Opera seria (etwa „Giulio Cesare", „Rinaldo") und nach deren wirtschaftlichem Niedergang das englischsprachige Oratorium („Messiah" 1742, „Israel in Egypt"). Händels Tonsprache ist eingängig, melodisch plastisch und auf große, klare Affektwirkung berechnet.
Stilistisch stehen sich beide gegensätzlich gegenüber: Bach ist kontrapunktisch dicht und konstruktiv, Händel opernhaft-dramatisch, homophoner, auf die unmittelbare Wirkung der Melodie und der Chormassen zielend. Händels Oratorium wird zum „Massenmedium" der bürgerlichen Londoner Gesellschaft - öffentlich, kommerziell, in englischer Sprache und damit verständlich. Der Chor übernimmt hier eine dramaturgische Hauptrolle, die ihn von der italienischen Solo-Oper unterscheidet.
Der Vergleich erschließt zwei Lebens- und Wirkungsmodelle des Barock: Bach komponiert vorwiegend gebunden - für den lutherischen Gottesdienst, den Hof und das Lehrwerk -, Händel frei für den kommerziellen Musikmarkt von Opern- und Konzerthaus. Entsprechend war Händel zu Lebzeiten europaweit berühmt, während Bach als Komponist überregional wenig bekannt war und nach seinem Tod zunächst als „altmodisch" galt - sein Sohn Carl Philipp Emanuel und die galante Generation hatten den dichten Kontrapunkt bereits überwunden.
Die Bach-Renaissance setzt erst im 19. Jahrhundert ein: Felix Mendelssohn Bartholdys Wiederaufführung der Matthäus-Passion 1829 in Berlin gilt als ihr Auslöser und markiert den Beginn der bewussten Pflege „alter Musik". Aus dieser Wiederentdeckung erwachsen die Bach-Gesamtausgabe und später die historisch informierte Aufführungspraxis (HIP) des 20. Jahrhunderts - die historische Größe Bachs ist also auch eine Konstruktion der Nachwelt, kein Faktum seiner eigenen Zeit. Daneben standen weitere bedeutende Spätbarock-Komponisten: Georg Philipp Telemann (zu Lebzeiten berühmter als Bach), Dietrich Buxtehude (Orgelmeister, Vorbild des jungen Bach) und Johann Pachelbel.

Fuge — Aufbau und kontrapunktische Verfahren

Fuge — Themeneinsätze und kontrapunktische VerfahrenTabelle mit 3 Spalten und 4 Zeilen, Daten: Stimme · Einsatz (Exposition) · Tonart; Sopran · Dux (Thema) · Tonika; Alt · Comes (Antwort) · Dominante; Tenor · Dux · Tonika; Bass · Comes · Dominante, hervorgehobene Zelle: Dux (Thema)STIMMEEINSATZ (EXPOSITION)TONARTSOPRANDux (Thema)TonikaALTComes (Antwort)DominanteTENORDuxTonikaBASSComesDominanteDux (Thema) wird vom Comes in der Dominante beantwortet;Durchführung moduliert, Schluss mit Engführung + Orgelpunkt.
Abb. 5Drei Hauptteile: Exposition (Themeneinsätze in allen Stimmen), Durchführung (Verarbeitung in entfernten Tonarten, Engführung), Schluss (Engführung, Orgelpunkt, Schluss-Tonika).
Musterlösung

J. S. Bach, Fuge c-Moll BWV 847 (WTK I) — Kontrapunktische Analyse

Analysieren Sie die Fuge in c-Moll aus dem Wohltemperierten Klavier Teil I (BWV 847). Identifizieren Sie das Thema, beschreiben Sie die Exposition und benennen Sie kontrapunktische Verfahren.

  1. 011. Thema (Dux)

    Dreistimmige Fuge. Thema beginnt im Alt (Mittelstimme) in c-Moll (T. 1–3): rhythmisch prägnante Sechzehntel-Figur, charakteristisches Sprungintervall (Quint abwärts, Sext aufwärts), endet auf der Dominante g. Das Thema hat ca. 2 Takte Länge und ist motivisch dicht.

  2. 022. Exposition (T. 1–9)

    Dux in Alt (T. 1–3, c-Moll) -> Comes in Sopran (T. 3–5, g-Moll, tonale Beantwortung: der Themenanfang wird zur Wahrung der Dominanttonart angepasst) -> Dux in Bass (T. 7–9, c-Moll). Begleitung der jeweils anderen Stimmen durch Kontrasubjekt (regelmäßige Sechzehntelbewegung) - feste Verbindung zwischen Thema und Kontrasubjekt durchgängig.

  3. 033. Durchführung (T. 9–22)

    Zwischenspiel (T. 9–10) moduliert nach Es-Dur (parallele Durtonart). Themen-Einsätze in Es-Dur (T. 11), g-Moll (T. 15), B-Dur (T. 19). Sequenzbildung in den Zwischenspielen, motivische Verarbeitung. Bach führt durchgängig ein regelmäßiges (festes) Kontrasubjekt mit, das fast jeden Themeneinsatz begleitet - die Fuge ist aber keine echte Doppelfuge, da kein zweites, eigenständig exponiertes Thema auftritt (eine Doppelfuge hat zwei selbständig durchgeführte Subjekte).

  4. 044. Schlussteil (T. 22–31)

    Rückkehr nach c-Moll. Letzte Themen-Einsätze in der Tonika; diese Fuge enthält keine Engführung (im Gegensatz zur C-Dur-Fuge BWV 846 des WTK I, der berühmten Engführungsfuge) - sie ist durch zahlreiche Zwischenspiele gekennzeichnet. Pedalpunkt auf G (Dominante) baut Spannung auf, löst in c-Moll-Tonika (T. 29) mit picardischer Terz (C-Dur als Schlussklang - barocke Konvention).

  5. 055. Kontrapunktische Verfahren

    Verfahren in dieser Fuge: (a) tonale Beantwortung, (b) festes Kontrasubjekt, (c) Sequenzierung in Zwischenspielen, (d) Pedalpunkt, (e) picardische Terz. Nicht angewandt (in dieser Fuge): Engführung, Umkehrung, Krebs, Augmentation/Diminution - diese finden sich in anderen Bach-Fugen (Engführung z. B. in BWV 846 C-Dur; Umkehrung/Krebs z. B. in der Kunst der Fuge BWV 1080).

  6. 066. Ästhetische Einordnung

    Die Fuge zeigt die hohe Verdichtung des Spätbarock: aus einem kurzen, scharf konturierten Thema entwickelt sich ein ganzer Satz durch konsequente kontrapunktische Verarbeitung. Bachs Ideal: jeder Ton ist Resultat eines Stimmenverlaufs. Das WTK ist Sammlung pädagogischen und kompositorischen Charakters - 24 Präludien-Fugen-Paare in allen Dur- und Molltonarten (Manifest der temperierten Stimmung).

Ergebnis: BWV 847 ist eine dreistimmige Fuge mit klassischer Exposition (Dux im Alt - Comes im Sopran - Dux im Bass), Durchführung in Nebentonarten (Es, g, B) und einem Schlussteil mit abschließenden Themen-Einsätzen und Pedalpunkt (ohne Engführung). Die picardische Terz am Ende ist gattungstypisches Merkmal des Barock.

Abiturfokus

  • Bach und Händel an Gattungen, Stil und Wirkungskontext sicher unterscheiden.
  • Die Bach-Kantate als musikalisch-theologische Synthese (Choral, Rezitativ, Arie, Chor) beschreiben.
  • Das Händel-Oratorium als öffentliche, bürgerliche, chorzentrierte Gattung einordnen.
  • Die Bach-Renaissance (Mendelssohn 1829) als Konstruktion des 19. Jahrhunderts erklären.

Typische Fehler

  • Bach und Händel werden stilistisch gleichgesetzt - Bach ist kontrapunktisch dicht, Händel opernhaft-homophon.
  • Die Bach-Renaissance wird ignoriert - Bachs Kanonstellung ist eine Leistung des 19. Jahrhunderts.
  • Die BWV-Nummern (Schmieder 1950, nach Gattungen geordnet) werden für chronologische Opuszahlen gehalten.
  • Händel wird auf die Oper reduziert - sein Hauptbeitrag in England ist das englische Oratorium.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Erläutern Sie die Rolle der Rhetorik in Bachs Musik (Figurenlehre nach Athanasius Kircher, Andreas Werckmeister). Welche barocken Figuren (climax, exclamatio, suspiratio, catabasis) sind in einer Bach-Arie wirksam?

Aktive Wiederholung

Vergleichen Sie eine Bach-Arie (z. B. „Ich folge dir gleichfalls“ aus der Johannes-Passion) mit einer Händel-Arie (z. B. „Lascia ch’io pianga“ aus Rinaldo). Untersuchen Sie Affektgestaltung, Wort-Ton-Beziehung und Faktur.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: IMSLP — Petrucci Music Library (gemeinfreie Partituren) (IMSLP) · MGG Online — Die Musik in Geschichte und Gegenwart (Bärenreiter / Metzler) · Grove Music Online (Oxford Music Online) (Oxford University Press) · Klett Spielräume Musik Oberstufe (Klett)

§ 05

Barocke Vokalgattungen — Kantate, Passion, Oratorium, Oper#

●●○StandardLPkmk-epa-musik-geschichteLPkmk-epa-musik-gattungen

Zeitstrahl der Musikgeschichte — Epochen und Leitkomponisten

Musikepochen — Mittelalter bis ModerneZeitleiste von 800 bis 2026, 1200: Pérotin, 1500: Josquin, 1685: J. S. Bach, 1810: Beethoven, 1913: Strawinsky, 800–1400: Mittelalter, 1400–1600: Renaissance, 1600–1750: Barock, 1750–1820: Wiener Klassik, 1820–1900: Romantik, 1900–2026: Moderne8002026JahrMittelalterRenaissanceBarockWiener KlassikRomantikModerne1200Pérotin1500Josquin1685J. S. Bach1810Beethoven1913Strawinsky
Abb. 6Grobe Periodisierung: Mittelalter (bis 1400), Renaissance (1400–1600), Barock (1600–1750), Wiener Klassik (1750–1820), Romantik (1820–1900), Moderne (ab 1900).

Kernpunkte

Rezitativ und Arie sind die beiden Grundbausteine, aus denen sich alle großen barocken Vokalgattungen aufbauen, und ihre Funktionen sind komplementär. Das Rezitativ trägt die Handlung und die Information voran: Es folgt eng dem Sprachrhythmus und der Satzmelodie (deklamatorisch), ist knapp und meist nur vom Continuo begleitet, harmonisch beweglich und zeitlich offen. Die Arie hingegen hält die Handlung an und entfaltet einen einzigen Affekt: Sie ist melodisch ausgestaltet, vom Orchester begleitet, formal geschlossen (oft Da-capo-Form ABA) und gibt der Figur Raum zur reflektierenden Gefühlsdarstellung. Das Prinzip „Rezitativ erzählt, Arie empfindet" ist der Schlüssel zur Analyse jeder barocken Vokalkomposition.
Das Rezitativ selbst gibt es in zwei Spielarten, deren Unterschied dramaturgisch bedeutsam ist. Das Secco-Rezitativ („trocken") wird nur vom Continuo (Cembalo/Orgel plus Bassinstrument) gestützt und dient der raschen Handlungsführung. Das Accompagnato- oder Orchester-Rezitativ wird vom vollen Streicher- oder Orchesterklang begleitet und ist den dramatisch und emotional gewichtigen Momenten vorbehalten (etwa Christi Worte am Kreuz, die Bach in der Matthäus-Passion mit einem „Heiligenschein" aus Streicherklang umgibt). Der Wechsel von Secco zu Accompagnato signalisiert also einen Höhepunkt der Handlung.
Die geistliche Kantate, die Bach in Leipzig wöchentlich für den Gottesdienst schuf, verbindet diese Bausteine zu einer auf den jeweiligen Sonntag des Kirchenjahres bezogenen Einheit: Eingangschor, Rezitative und Arien wechseln in einer Folge, die den biblischen Text auslegt, und ein schlichter vierstimmiger Schlusschoral fasst die Botschaft aus der Perspektive der Gemeinde zusammen - er ist kein bloßer Abschluss, sondern die Stimme der versammelten Gläubigen, in die der Hörer einstimmen kann (BWV 140 „Wachet auf, ruft uns die Stimme").
Die Passion steigert dieses Prinzip zur großen Form: Bachs Johannes- und Matthäus-Passion vertonen die Leidensgeschichte Christi nach dem Evangelium. Der Evangelist erzählt im Secco-Rezitativ (Tenor), die handelnden Figuren (Jesus, Pilatus) treten als Solisten auf, die Volksmenge wird in dramatischen Turba-Chören dargestellt (homophone Rufe „Kreuzige ihn!"), kontemplative Arien halten inne und deuten das Geschehen, und Choräle gliedern und kommentieren es aus der Gemeindeperspektive. So entsteht ein vielschichtiges Zusammenspiel von Erzählung, Handlung, Betrachtung und Gemeindestimme.
Das Oratorium erzählt - wie die Passion - geistliche Stoffe konzertant, also ohne Bühne, Kostüm und szenische Aktion; es wird im Konzert- oder Kirchenraum aufgeführt. In Händels „Messiah" (1742) trägt der Chor die zentrale dramaturgische Rolle (das „Hallelujah" als Höhepunkt), während die Solisten in Rezitativen und Arien die Heilsbotschaft entfalten. Das Oratorium ist damit die nicht-szenische Schwestergattung der Oper.
Die Oper schließlich ist die szenisch dargestellte Schwester des Oratoriums: Auf der Bühne, mit Kostüm und Handlung, entfaltet sich dieselbe Abfolge von handlungstragenden Rezitativen und affekthaltigen Arien. Die italienische Opera seria (von Monteverdi bis zur neapolitanischen Schule) standardisiert dabei die Da-capo-Arie (ABA mit verzierter Reprise des A-Teils) als zentralen Affektträger und Schaustück sängerischer Virtuosität. Über allen diesen Gattungen liegt als gemeinsames klangliches Fundament der Generalbass, dessen Continuo-Gruppe die bezifferten Harmonien realisiert und Sänger wie Soloinstrumente trägt.

Abiturfokus

  • Rezitativ (Handlung, deklamatorisch) und Arie (Affekt, ausgestaltet, oft da capo) nach Funktion unterscheiden.
  • Secco- und Accompagnato-Rezitativ als handlungstreibend vs. dramatisch-gewichtig auseinanderhalten.
  • Kantate, Passion und Oratorium an ihrer Satzfolge und der Rolle von Chor und Choral charakterisieren.
  • Oper (szenisch) und Oratorium (konzertant) gegenüberstellen.

Typische Fehler

  • Rezitativ und Arie werden nicht nach ihrer Funktion (Handlung vs. Affekt) unterschieden.
  • Oratorium und Oper werden gleichgesetzt - das Oratorium ist nicht szenisch.
  • Der Schlusschoral der Kantate wird als bloßer Abschluss statt als Gemeindeperspektive gedeutet.
  • Secco- und Accompagnato-Rezitativ werden verwechselt - der Orchesterklang markiert die Höhepunkte.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Untersuchen Sie die Turba-Chöre der Matthäus-Passion. Wie gestaltet Bach die Volksmenge musikalisch (Homophonie, Imitation, Affekt), und welche dramaturgische Wirkung erzielt er?

Aktive Wiederholung

Analysieren Sie die Abfolge der Sätze in einem Satz aus Bachs Kantate BWV 140 „Wachet auf, ruft uns die Stimme“. Ordnen Sie Rezitativ, Arie, Choral und Chor ihren dramaturgischen Funktionen zu.

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: IMSLP — Petrucci Music Library (gemeinfreie Partituren) (IMSLP) · MGG Online — Die Musik in Geschichte und Gegenwart (Bärenreiter / Metzler) · Klett Spielräume Musik Oberstufe (Klett)

§ 06

Notation und Instrumente im historischen Wandel#

●○○BasisLPkmk-epa-musik-geschichteLPkmk-epa-musik-basis

Quintenzirkel — Dur- und Molltonarten mit Vorzeichen

Quintenzirkel — Dur- und MolltonartenSegmentkreis, 12 Segmente, Daten: Quintenzirkel, C, G, D, A, E, H, Fis/Ges, Des, As, Es, B, FCaGeDhAfisEcisHgisFis/Gesdis/esDesbAsfEscBgFdQuintenzirkelIm Uhrzeigersinn je eine Quinte höher; innen die Molltonart.
Abb. 7Außenkreis: Durtonarten (im Uhrzeigersinn jeweils eine Quinte höher, ein Kreuz mehr). Innenkreis: paralleltonarten in Moll. Gegenüber liegen enharmonisch verwechselte Tonarten (Fis-Dur = Ges-Dur).

Kernpunkte

Die Notenschrift ist kein zeitloses, sondern ein über Jahrhunderte gewachsenes System, dessen Entwicklung jeweils neue kompositorische Möglichkeiten eröffnete. Am Anfang stehen die Neumen (8.-10. Jh.), die über dem Text nur die ungefähre melodische Richtung anzeigten und das mündlich Gewusste als Gedächtnisstütze fixierten. Guido von Arezzo macht um 1025 mit dem Liniensystem die Tonhöhe exakt ablesbar; im 13. Jahrhundert kommt mit der Mensuralnotation erstmals die präzise Bezeichnung der Tondauern hinzu (Voraussetzung jeder rhythmisch koordinierten Mehrstimmigkeit); seit dem 17. Jahrhundert nähert sich die Schrift der heutigen Notenschrift mit Taktstrichen und festen Notenwerten an. Jede dieser Stufen erweiterte, was überhaupt komponierbar und reproduzierbar war.
Guido von Arezzo führte zudem die Solmisationssilben (ut-re-mi-fa-sol-la, gewonnen aus den Anfangssilben eines Johannes-Hymnus) ein - ein System relativer Tonbenennung, das das Vom-Blatt-Singen und die Gehörbildung revolutionierte und in der „Tonika-Do"-Methode bis heute fortlebt. Diese Erfindung verband zum ersten Mal eine systematische Sing-Pädagogik mit der schriftlichen Fixierung und legte damit den Grund für die abendländische Notenlese-Kultur.
Parallel zur Notation entwickelten sich die Stimmungssysteme, die das Verhältnis der zwölf Halbtöne zueinander regeln - ein bis heute ungelöstes mathematisches Dilemma, weil reine Quinten und reine Oktaven sich nicht widerspruchsfrei stapeln lassen (pythagoreisches Komma). Die pythagoreische Stimmung bevorzugt reine Quinten (auf Kosten der Terzen), die mitteltönige Stimmung reine Terzen (auf Kosten entfernter Tonarten, die unspielbar „heulen"), die wohltemperierten Stimmungen verteilen die Unreinheiten ungleichmäßig so, dass alle Tonarten brauchbar, aber verschieden gefärbt sind, und die heute übliche gleichstufige Stimmung teilt die Oktave in zwölf exakt gleiche Halbtöne - alle Tonarten werden gleichermaßen (geringfügig unrein, aber) spielbar.
Bachs „Wohltemperiertes Klavier" (Teil I 1722, Teil II 1742) ist die programmatische Demonstration dieses Fortschritts: Indem es in beiden Teilen je 24 Präludium-Fugen-Paare durch alle zwölf Dur- und Molltonarten führt, zeigt es, dass eine temperierte Stimmung das Spielen und Modulieren in jeder Tonart erlaubt - in mitteltöniger Stimmung wäre das undenkbar gewesen. Der Titel „wohltemperiert" verweist dabei auf eine ungleichstufige Temperatur, nicht zwingend auf die heutige Gleichstufigkeit; die Tonartencharakteristik (jede Tonart ein eigener „Affekt") setzt sogar gerade die ungleiche Färbung voraus.
Auch die Instrumente wandeln sich technisch und verändern damit den möglichen Klang. Das barocke Cembalo erzeugt den Ton durch Anzupfen der Saiten und kann die Lautstärke nicht durch den Anschlag steuern (dynamisch starr); das um 1700 von Bartolomeo Cristofori erfundene Hammerklavier (Pianoforte) schlägt die Saiten an und ermöglicht erstmals stufenloses Lauter und Leiser - daher der Name „piano e forte" -, was die expressive Klaviermusik der Klassik und Romantik erst möglich macht; der moderne Konzertflügel mit Eisenrahmen, größerem Tonumfang und kräftigerem Klang ist das Ergebnis der industriellen Klavierbauentwicklung des 19. Jahrhunderts.
Streich-, Holz- und Blechblasinstrumente entwickeln sich parallel: Vor allem die Erfindung der Ventile bei Trompete und Horn (ab dem frühen 19. Jh.) macht das chromatische Spiel auf dem Blech möglich und erweitert die harmonischen Mittel des Orchesters erheblich. Entsprechend wächst der Orchesterapparat von der barocken Größe (ca. 20-30 Spieler) über das klassische Orchester bis zu den riesigen Besetzungen der Spätromantik (über 100 Spieler bei Mahler oder Strauss) - die Instrumentengeschichte ist damit eine Voraussetzung der Klangerweiterung von Barock bis Moderne.
Schließlich ist die Stimmtonhöhe (Kammerton a¹) historisch keineswegs fest: Im Barock lag sie oft tiefer (verbreitet um a¹ = 415 Hz), heute ist sie höher genormt (meist a¹ = 442 Hz, teils 443 Hz). Die historisch informierte Aufführungspraxis (HIP) nimmt diese tieferen Stimmtöne, originale Instrumente (Darmsaiten, Naturhörner) und die zeitgenössischen Stimmungssysteme bewusst wieder auf, um den historischen Klang zu rekonstruieren - weshalb eine Barock-Aufnahme „tiefer" und anders gefärbt klingen kann als eine moderne.

Notenwerte und Pausen — Dauerverhältnisse

Notenwerte — Halbierung Ganze · Halbe · ViertelBaumdiagramm, 4 Pfade, Daten: Halbe · 2 → Viertel · 1; Halbe · 2 → Viertel · 1; Halbe · 2 → Viertel · 1; Halbe · 2 → Viertel · 1Halbe · 2Halbe · 2Ganze · 4 SchlägeViertel · 1Viertel · 1Viertel · 1Viertel · 1
Abb. 8Vom Ganzen (4 Schläge bei 4/4-Takt) über Halbe und Viertel - jeweils Halbierung; die Summenzeile zeigt 8 Achtel = 4 Viertel = 2 Halbe = 1 Ganze. Punktierung verlängert um die Hälfte des Grundwerts.

Abiturfokus

  • Die Stationen der Notationsgeschichte (Neumen → Linien → Mensural → modern) und ihren jeweiligen Fortschritt benennen.
  • Den Zusammenhang von temperierter Stimmung und Bachs „Wohltemperiertem Klavier" erläutern.
  • Cembalo und Hammerklavier nach Tonerzeugung (gezupft/geschlagen) und Dynamik unterscheiden.
  • Die historische Variabilität von Stimmung und Kammerton im Sinne der HIP einordnen.

Typische Fehler

  • Die Notenschrift wird als „schon immer so" angesehen statt als historisch gewachsenes System.
  • Cembalo und Hammerklavier werden gleichgesetzt - das Cembalo kann den Anschlag nicht dynamisch differenzieren.
  • Die historische Stimmtonhöhe und Stimmung werden ignoriert, was HIP-Aufnahmen unverständlich macht.
  • „Wohltemperiert" wird mit „gleichstufig" gleichgesetzt - gemeint ist eine ungleichstufige Temperatur mit Tonartencharakter.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Erläutern Sie das mathematische Grundproblem jeder Stimmung (das pythagoreische Komma: zwölf reine Quinten ergeben nicht exakt sieben Oktaven). Wie „verteilt" die gleichstufige Stimmung diese Differenz, und was geht dabei gegenüber den ungleichstufigen Stimmungen an Tonartencharakteristik verloren?

Aktive Wiederholung

Erklären Sie den Zusammenhang zwischen der Entwicklung der Stimmungssysteme (mitteltönig → wohltemperiert → gleichstufig) und der kompositorischen Möglichkeit, in alle Tonarten zu modulieren. Begründen Sie, warum Bachs „Wohltemperiertes Klavier" ohne eine temperierte Stimmung undenkbar wäre.

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: IMSLP — Petrucci Music Library (gemeinfreie Partituren) (IMSLP) · Riemann Musiklexikon (Schott) (Schott Music) · Klett Spielräume Musik Oberstufe (Klett)

Inhalt

Abschnitt -- / 06

    • 01Mittelalter — Gregorianischer Choral, Notre-Dame, Ars antiqua/nova◐
    • 02Renaissance — Vokalpolyphonie, Josquin, Palestrina, Madrigal◐
    • 03Frühbarock und Hochbarock — Monteverdi, Vivaldi, Generalbass, Oper◐
    • 04Spätbarock — Bach und Händel im Vergleich◐
    • 05Barocke Vokalgattungen — Kantate, Passion, Oratorium, Oper◐
    • 06Notation und Instrumente im historischen Wandel○

0/6 Gelesen

Aus den Notizen ins Training

Musikgeschichte I — Mittelalter, Renaissance, Barock

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~28
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Kompetenzen
Üben

Belege & Quellen

Quellen

IMSLP

  • IMSLP — Petrucci Music Library (gemeinfreie Partituren)

Bärenreiter / Metzler

  • MGG Online — Die Musik in Geschichte und Gegenwart

Oxford University Press

  • Grove Music Online (Oxford Music Online)

Klett

  • Klett Spielräume Musik Oberstufe

Schott Music

  • Riemann Musiklexikon (Schott)

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