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Notizen/Musik/Allgemeine Musiklehre — Tonsystem, Intervalle, Akkorde, Funktionsharmonik
Notizen · MusikDE · Abitur

Allgemeine Musiklehre — Tonsystem, Intervalle, Akkorde, Funktionsharmonik

Musikalisches Basiswissen ist Voraussetzung jeder Werkanalyse. Es umfasst das Tonsystem (chromatische Skala, Stammtöne, Alterationen), die diatonischen Tonleitern (Dur, Moll in drei Varianten, Kirchentonarten), die Intervalle (Halbtonschritte und Klassifikation), die Akkordbildung (Drei- und Vierklang) und die Funktionsharmonik (Tonika - Subdominante - Dominante mit Kadenzbildung). Diese Bausteine bilden das Vokabular, mit dem klassische und romantische Musik beschrieben wird.

6 Abschnitte·~36 Min Lesezeit·4 Kompetenzen·Niveau Basis 2 · Standard 4·Stand 06/2026

T·0111 / 9
Prüfungsprofil
KMK-EPA-Musik-Basis-1 · Tonsystem und Notation sicher beherrschenKMK-EPA-Musik-Basis-2 · Intervalle bestimmen und klassifizierenKMK-EPA-Musik-Basis-3 · Akkorde aufbauen und funktional deutenKMK-EPA-Musik-Erschließen-1 · Harmonische Strukturen analysieren
Operatoren:benennenbestimmenanalysierenbeschreibenklassifizieren

grundlegendes Niveau

gA-Niveau: Stammtöne und Alterationen, Vorzeichen der wichtigsten Tonarten (bis vier Kreuze/B), Intervalle bis zur Oktav sicher benennen, Dur- und Moll-Dreiklang aufbauen, Hauptfunktionen T-S-D in einer einfachen Kadenz erkennen.

erhöhtes Niveau

eA-Niveau: Quintenzirkel komplett (auch enharmonische Verwechslung Fis/Ges), alle Intervalle inkl. übermäßig/vermindert, Vierklang mit Septim, Funktionsharmonik mit Nebenfunktionen (Tp, Sp, Dp) und Doppeldominante, modale Tonleitern (dorisch, mixolydisch etc.), Modulationen über gemeinsame Akkorde.

Tiefe

Lesetiefe: Vertiefung

Schrift

Schriftgröße: Standard

Inhalt · 6 Abschnitte▾
  1. Allgemeine Musiklehre — Tonsystem, Intervalle, Akkorde, Funktionsharmonik
    • 01Tonsystem, Notation, Quintenzirkel○
    • 02Tonleitern — Dur, Moll-Varianten, Kirchentonarten◐
    • 03Intervalle — Bezeichnung, Halbtöne, Konsonanz/Dissonanz◐
    • 04Akkordbildung — Dreiklang, Vierklang, Umkehrungen◐
    • 05Funktionsharmonik — Tonika, Subdominante, Dominante, Kadenz◐
    • 06Rhythmik, Metrik, Notenwerte — Notation und Lesen○
§ 01

Tonsystem, Notation, Quintenzirkel#

●○○BasisLPkmk-epa-musik-basis

Quintenzirkel — Dur- und Molltonarten mit Vorzeichen

Quintenzirkel — Dur- und MolltonartenSegmentkreis, 12 Segmente, Daten: Quintenzirkel, C, G, D, A, E, H, Fis/Ges, Des, As, Es, B, FCaGeDhAfisEcisHgisFis/Gesdis/esDesbAsfEscBgFdQuintenzirkelIm Uhrzeigersinn je eine Quinte höher; innen die Molltonart.
Abb. 1Außenkreis: Durtonarten (im Uhrzeigersinn jeweils eine Quinte höher, ein Kreuz mehr). Innenkreis: paralleltonarten in Moll. Gegenüber liegen enharmonisch verwechselte Tonarten (Fis-Dur = Ges-Dur).

Kernpunkte

Das westliche Tonsystem teilt die Oktave in zwölf gleich große Halbtonschritte - die chromatische Skala. Aus diesen zwölf Tönen wählt jede Tonart sieben aus; den Bezugsrahmen bilden die sieben Stammtöne C - D - E - F - G - A - H, die genau den weißen Klaviertasten entsprechen, ehe nach dem H wieder das (eine Oktave höhere) C folgt. Die Stammtöne sind nicht gleichmäßig verteilt: Zwischen E und F sowie zwischen H und C liegt von Natur aus nur ein Halbton (keine schwarze Taste dazwischen), zwischen allen übrigen Nachbarstammtönen ein Ganzton. Dieses ungleiche Stufenmuster der weißen Tasten ist der Grund, warum man überhaupt Vorzeichen braucht, um eine Tonleiter auf einen anderen Grundton zu versetzen - es ist die Wurzel des gesamten Tonart- und Quintenzirkelsystems.
Eine Eigenheit der deutschen Notation ist der siebte Stammton: Er heißt im Deutschen H, während die englische und die Jazz-Notation denselben Ton B nennen. Der deutsche Buchstabe B bezeichnet hingegen das um einen Halbton erniedrigte H (englisch B-flat). Historisch entstand diese Doppelung im Mittelalter aus dem „b rotundum" (rundes b, das erniedrigte H = unser B) und dem „b quadratum" (eckiges b, das natürliche H), aus dessen Schriftbild sich der Buchstabe H entwickelte. Praktisch heißt das: Steht in einem englischsprachigen Leadsheet ein Akkordsymbol „B", ist der deutsche Ton H gemeint, nicht das deutsche B - die häufigste Lesefalle bei Pop- und Jazz-Material in der Klausur.
Alterationen verändern einen Stammton chromatisch, ohne seinen Notennamen im Liniensystem zu verschieben. Das Kreuz (♯) erhöht um einen Halbton und hängt dem Tonnamen die Endung -is an (c → cis, f → fis); das Be (♭) erniedrigt um einen Halbton mit der Endung -es (d → des, g → ges), wobei bei a und e die Form zu „as" und „es" verkürzt wird. Doppelkreuz (𝄪) und Doppel-Be (♭♭) alterieren um zwei Halbtöne (fisis, eses) und treten vor allem in entfernten Tonarten und bei chromatischer Stimmführung auf. Wichtig für das Lesen: Generalvorzeichen am Zeilenanfang gelten für das ganze Stück, ein Versetzungszeichen im Takt nur bis zum nächsten Taktstrich, und das Auflösungszeichen (♮) hebt eine Alteration wieder auf.
Notenschlüssel legen fest, welche Linie welcher Tonhöhe entspricht, und ersparen so übermäßig viele Hilfslinien. Der Violinschlüssel (G-Schlüssel) fixiert das g1 auf der zweiten Linie und dient hohen Stimmen und Instrumenten; der Bassschlüssel (F-Schlüssel) fixiert das kleine f auf der vierten Linie und notiert tiefe Lagen. Die beweglichen C-Schlüssel (Alt- und Tenorschlüssel) setzen das c1 auf eine mittlere Linie, sodass Mittellagen ohne Hilfslinien lesbar bleiben - der Altschlüssel ist der Standardschlüssel der Viola (Bratsche), der Tenorschlüssel wird bei hohen Lagen von Cello, Fagott und Posaune verwendet. Für die Streichquartett-Analyse ist der Altschlüssel der Bratsche unverzichtbar: Wer ihn nicht sicher liest, transponiert die ganze dritte Stimme falsch.
Der Quintenzirkel ordnet die zwölf Dur-Tonarten im Abstand reiner Quinten kreisförmig an und macht damit die Vorzeichenlogik anschaulich. Im Uhrzeigersinn steigt man jeweils eine Quinte aufwärts (C → G → D → A → E → H → Fis) und gewinnt pro Schritt ein Kreuz hinzu; gegen den Uhrzeigersinn geht man eine Quinte abwärts (C → F → B → Es → As → Des) und gewinnt pro Schritt ein Be. Die Kreuze treten dabei stets in derselben Reihenfolge fis - cis - gis - dis - ais - eis hinzu (das jeweils neue Kreuz steht auf dem Leitton, der 7. Stufe der neuen Tonart), die Bes in umgekehrter Reihenfolge b - es - as - des - ges - ces. Praktisch erkennt man eine Kreuztonart am letzten (rechten) Kreuz: ein Halbton darüber liegt der Grundton (letztes Kreuz fis → Grundton g = G-Dur); bei Be-Tonarten ist das vorletzte Be der Grundton.
Parallele Tonarten teilen sich Vorzeichen und Stammtonvorrat, haben aber verschiedene Tonika und verschiedenes Tongeschlecht: Zu jeder Dur-Tonart liegt die Paralleltonart eine kleine Terz tiefer auf der 6. Stufe (C-Dur / a-Moll, G-Dur / e-Moll, F-Dur / d-Moll). Weil beide dieselben Generalvorzeichen tragen, lässt sich allein aus dem Vorzeichensatz nie entscheiden, ob ein Stück in Dur oder der parallelen Molltonart steht - die Entscheidung fällt erst durch den Schlussklang, die betonten Akkorde und vor allem den Leitton: Erscheint in einer scheinbar vorzeichenlosen Passage ein gis, deutet das auf das harmonische a-Moll (erhöhte 7. Stufe) und nicht auf C-Dur. Diese Disambiguierung ist die klassische Anfangsaufgabe jeder Werkanalyse.
Variantentonarten haben dagegen dieselbe Tonika, aber unterschiedliches Tongeschlecht und damit unterschiedliche Vorzeichen (C-Dur / c-Moll, E-Dur / e-Moll). Der plötzliche Wechsel ins Varianttongeschlecht („Dur-Moll-Eintrübung") ist ein zentrales Ausdrucksmittel der Romantik, weil das tonale Zentrum erhalten bleibt, der Charakter aber umschlägt - Schubert nutzt es exemplarisch im „Lindenbaum" (Winterreise D 911 Nr. 5, 1827), wo der Schritt von E-Dur nach e-Moll die schmerzhafte Wendung der Erinnerung trägt (siehe das Worked Example zu diesem Lied). Man verwechsle die Variante (gleiche Tonika) nicht mit der Parallele (gleiche Vorzeichen): Das ist eine der häufigsten Begriffsverwechslungen der Klausur.
Die enharmonische Verwechslung schließlich bezeichnet zwei verschiedene Schreibweisen für denselben Klang (Fis = Ges, Cis = Des, His = C). In der heute üblichen gleichstufigen Stimmung, in der alle zwölf Halbtöne exakt gleich groß sind, klingen enharmonisch verwechselte Töne identisch; in den älteren ungleichstufigen Stimmungen (mitteltönig) waren sie es nicht. Trotz klanglicher Gleichheit ist die Schreibweise nicht beliebig: Sie zeigt die harmonische Funktion an (ein gis als Leitton nach a, ein as als erniedrigte Stufe in Es-Dur) und macht enharmonische Umdeutungen zum eleganten Modulationsmittel, mit dem ein Akkord überraschend in eine entfernte Tonart umgedeutet wird (etwa beim verminderten Septakkord).

Abiturfokus

  • Vorzeichen aller Dur- und Molltonarten bis vier Kreuze und vier Be sicher schreiben - Reihenfolge der Kreuze/Bes parat haben.
  • Quintenzirkel zur Tonartbestimmung in der Partitur nutzen (letztes Kreuz + Halbton = Grundton).
  • Parallel- und Varianttonart sauber trennen: Parallele = gleiche Vorzeichen, Variante = gleiche Tonika.
  • Notenschlüssel sicher lesen, besonders den Altschlüssel der Bratsche im Streichquartett.
  • Tonart erst nach Prüfung von Schlussklang und Leitton festlegen, nicht allein nach den Generalvorzeichen.

Typische Fehler

  • Verwechslung von H (deutsch) und B (englisch / Jazz) - im Leadsheet meint „B" stets den deutschen Ton H.
  • Parallele und Variant-Tonart werden gleichgesetzt (gleiche Vorzeichen vs. gleiche Tonika).
  • Die Tonart wird allein aus den Vorzeichen geraten, ohne Schlussklang und Leitton zu prüfen (Dur/Moll-Mehrdeutigkeit).
  • Doppelalterationen (𝄪, ♭♭) werden übersehen und als einfache Alterationen gelesen.
  • Der Altschlüssel der Viola wird im Violinschlüssel gelesen - die ganze Stimme wird dadurch falsch transponiert.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Erläutern Sie, wie die enharmonische Verwechslung als Modulationsmittel wirkt. Zeigen Sie am verminderten Septakkord (z. B. h-d-f-as), dass er durch enharmonische Umdeutung in vier verschiedene Dominantfunktionen aufgelöst werden kann, und ordnen Sie dies dem Wandel von der mitteltönigen zur gleichstufigen Stimmung zu.

Aktive Wiederholung

Bestimmen Sie die Tonart eines vorgelegten Notenausschnitts allein anhand der Generalvorzeichen. Geben Sie sowohl die Dur- als auch die parallele Mollvariante an und begründen Sie Ihre Entscheidung mit dem Schlussakkord und dem Auftreten eines Leittons.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: KMK EPA Musik 1989 / 2005 (KMK) · Riemann Musiklexikon (Schott) (Schott Music) · Klett Spielräume Musik Oberstufe (Klett)

§ 02

Tonleitern — Dur, Moll-Varianten, Kirchentonarten#

●●○StandardLPkmk-epa-musik-basis

Quintenzirkel — Dur- und Molltonarten mit Vorzeichen

Quintenzirkel — Dur- und MolltonartenSegmentkreis, 12 Segmente, Daten: Quintenzirkel, C, G, D, A, E, H, Fis/Ges, Des, As, Es, B, FCaGeDhAfisEcisHgisFis/Gesdis/esDesbAsfEscBgFdQuintenzirkelIm Uhrzeigersinn je eine Quinte höher; innen die Molltonart.
Abb. 2Außenkreis: Durtonarten (im Uhrzeigersinn jeweils eine Quinte höher, ein Kreuz mehr). Innenkreis: paralleltonarten in Moll. Gegenüber liegen enharmonisch verwechselte Tonarten (Fis-Dur = Ges-Dur).

Kernpunkte

Eine Tonleiter (Skala) ist die geordnete Aufreihung der Töne einer Tonart innerhalb einer Oktave; ihr Charakter entsteht ausschließlich aus dem Muster der Ganz- und Halbtonschritte zwischen den Stufen, nicht aus dem Grundton. Die Dur-Tonleiter hat das Schritt­muster Ganz-Ganz-Halb-Ganz-Ganz-Ganz-Halb, mit Halbtönen zwischen 3./4. und 7./8. Stufe (C-Dur: c-d-e-f-g-a-h-c). Dieses Muster bleibt bei jeder Transposition erhalten - genau deshalb braucht man Vorzeichen: Beginnt die Dur-Leiter auf G, muss das f zum fis erhöht werden, damit der Halbton wieder zwischen 7. und 8. Stufe (fis-g) fällt. Der Leitton (7. Stufe, ein Halbton unter dem Grundton) erzeugt den charakteristischen Auflösungsdrang nach oben und ist das hörbare Kennzeichen von Dur.
Das natürliche Moll (äolisch) hat das Muster Ganz-Halb-Ganz-Ganz-Halb-Ganz-Ganz mit Halbtönen zwischen 2./3. und 5./6. Stufe (a-Moll: a-h-c-d-e-f-g-a). Es ist mit seiner Dur-Paralleltonart vorzeichengleich (a-Moll = C-Dur), unterscheidet sich aber durch die kleine Terz über dem Grundton, die den dunkleren Moll-Charakter ausmacht. Entscheidend ist, dass dem natürlichen Moll der Leitton fehlt: Die 7. Stufe (g in a-Moll) liegt einen ganzen Ton unter der Tonika, sodass die Dominante (e-g-h) ein Moll-Dreiklang ohne Auflösungsspannung wäre - ein Mangel, den die beiden folgenden Moll-Varianten beheben.
Das harmonische Moll erhöht die 7. Stufe um einen Halbton und gewinnt so einen echten Leitton (a-Moll harmonisch: a-h-c-d-e-f-gis-a). Der Sinn ist rein harmonisch: Erst durch das gis wird die Dominante zum Dur-Dreiklang (E-Dur: e-gis-h) und damit zur spannungsgeladenen, kadenzfähigen Funktion, die sich überzeugend zur Tonika auflöst. Der Preis dafür ist die übermäßige Sekunde zwischen 6. und 7. Stufe (f-gis, drei Halbtöne), die in einer Melodie sperrig und „orientalisch" klingt. Das harmonische Moll ist deshalb das Standardmaterial für die Harmonik (Akkordbildung) eines Moll-Stücks, nicht unbedingt für seine Melodieführung.
Das melodische Moll löst genau dieses melodische Problem: Aufwärts werden sowohl die 6. als auch die 7. Stufe erhöht (a-h-c-d-e-fis-gis-a), wodurch die sperrige übermäßige Sekunde verschwindet und die Linie geschmeidig zum Grundton aufsteigt; abwärts kehrt man zum natürlichen Moll zurück (a-g-f-e-d-c-h-a), weil hier kein Leitton-Sog nötig ist. In der Klausur ist die Behandlung der Abwärtsbewegung das sichere Unterscheidungsmerkmal: Eine Moll-Linie mit erhöhter 6. und 7. Stufe nur im Aufstieg ist melodisches Moll. In der Praxis mischen Komponisten die drei Moll-Formen je nach harmonischem und melodischem Bedarf frei innerhalb eines Stücks.
Die Kirchentonarten (Modi) sind das vor-tonale Skalensystem des Mittelalters und der Renaissance; man erhält die sechs gebräuchlichen, indem man die weißen Tasten von je einem anderen Stammton aus durchspielt. Es entstehen vier eigenständige Modi und zwei, die mit Dur und Moll zusammenfallen: dorisch (auf d - ein Moll mit großer Sext), phrygisch (auf e - ein Moll mit kleiner Sekunde, also tiefalterierter 2. Stufe), lydisch (auf f - ein Dur mit übermäßiger Quart), mixolydisch (auf g - ein Dur mit kleiner Septime), äolisch (auf a = natürliches Moll) und ionisch (auf c = Dur). Jeder Modus hat einen charakteristischen Ton, der ihn von Dur bzw. Moll abhebt - die tiefe 2. Stufe macht phrygisch, die hohe 4. Stufe lydisch. Im Jazz (Modal Jazz, Miles Davis „So What", 1959, dorisch) und im Folk-Rock leben die Modi als Alternative zur Funktionsharmonik fort.
Die Pentatonik ist eine fünftönige Skala ohne Halbtonschritte und gilt als die global verbreitetste Skalenform überhaupt. Die anhemitonische (halbtonlose) Dur-Pentatonik c-d-e-g-a entsteht, wenn man aus der Dur-Leiter die beiden „kritischen" Töne f und h (die einzigen, die Halbton-Reibungen und den Tritonus bilden) entfernt - deshalb klingt sie reibungsarm und ist Grundlage zahlloser Volkslieder, der ostasiatischen Musik und von Filmscores. Ihre Mollform (a-c-d-e-g) bildet zusammen mit der „Blue Note" (der erniedrigten 5. Stufe) die Blues-Skala (a-c-d-es-e-g), das improvisatorische Kernmaterial von Blues, Jazz und Rock.
Über die diatonischen und pentatonischen Skalen hinaus kennt die Musik symmetrische Skalen, die die Dur-Moll-Tonalität gezielt unterlaufen: die chromatische Skala (alle zwölf Halbtöne) und die Ganztonleiter (sechs Töne im reinen Ganztonabstand, z. B. c-d-e-fis-gis-ais). Weil der Ganztonleiter jeder Halbton und damit jeder Leitton fehlt, hat sie kein tonales Zentrum und klingt schwebend-richtungslos - Claude Debussy nutzt sie im Impressionismus als Mittel der „verschwommenen", funktionslosen Klangfläche (etwa in „Voiles", Préludes I, 1910). Diese Skalen schlagen die Brücke zur Musik des 20. Jahrhunderts, in der das Auflösen der Dur-Moll-Hierarchie zum Programm wird.

Abiturfokus

  • Die drei Moll-Varianten sicher unterscheiden - das Erkennungszeichen ist die Behandlung der 6./7. Stufe im Abstieg.
  • Begründen, warum harmonisches Moll die Dominante zum Dur-Dreiklang macht (Leitton-Funktion).
  • Kirchentonarten am charakteristischen Ton erkennen (Renaissance, Modal Jazz, Folk; „So What" = dorisch).
  • Pentatonik und Blues-Skala als universales bzw. stilbildendes Material einordnen.

Typische Fehler

  • Harmonisches und melodisches Moll werden verwechselt - der entscheidende Unterschied ist die Abwärtsbewegung.
  • Modi werden pauschal als „Moll-Skalen" missdeutet - dorisch/phrygisch sind Moll-, lydisch/mixolydisch Dur-Modi.
  • Die Erhöhung der 7. Stufe in Moll wird als „Vorzeichenfehler" gelesen statt als bewusster Leitton.
  • Pentatonik wird als „primitiv" abqualifiziert - sie ist die global verbreitetste Skalenform.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Erläutern Sie die Verwendung der Kirchentonarten im 20. Jahrhundert (Vaughan Williams, Bartok, Jazz Modal Style). Welche kompositorische Funktion übernehmen Modi als Alternative zur Funktionsharmonik?

Aktive Wiederholung

Konstruieren Sie auf dem Grundton D je eine dorische, eine phrygische und eine mixolydische Tonleiter. Vergleichen Sie die Halbtonschritt-Verteilung mit D-Dur bzw. d-Moll und benennen Sie den charakteristischen Ton jeder Skala.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Klett Spielräume Musik Oberstufe (Klett) · Riemann Musiklexikon (Schott) (Schott Music)

§ 03

Intervalle — Bezeichnung, Halbtöne, Konsonanz/Dissonanz#

●●○StandardLPkmk-epa-musik-basis

Intervalltabelle — Bezeichnungen, Halbtonschritte, Stimmungs-Charakter

Intervalle — Halbtöne und Konsonanz/DissonanzTabelle mit 4 Spalten und 13 Zeilen, Daten: Intervall · Halbtöne · Klassifikation · Beispiel ab C; reine Prime · 0 · vollk. Konsonanz · C–C; kleine Sekunde · 1 · scharfe Dissonanz · C–Des; große Sekunde · 2 · milde Dissonanz · C–D; kleine Terz · 3 · unvollk. Konsonanz · C–Es (Moll); große Terz · 4 · unvollk. Konsonanz · C–E (Dur); reine Quarte · 5 · vollk. Konsonanz · C–F; Tritonus · 6 · diabolus in musica · C–Fis; reine Quinte · 7 · vollk. Konsonanz · C–G; kleine Sexte · 8 · unvollk. Konsonanz · C–As; große Sexte · 9 · unvollk. Konsonanz · C–A; kleine Septime · 10 · Dissonanz (Dom7) · C–B; große Septime · 11 · scharfe Dissonanz · C–H; reine Oktave · 12 · vollk. Konsonanz · C–c, hervorgehobene Zelle: TritonusINTERVALLHALBTÖNEKLASSIFIKATIONBEISPIEL AB CREINE PRIME0vollk. KonsonanzC–CKLEINE SEKUNDE1scharfe DissonanzC–DesGROSSE SEKUNDE2milde DissonanzC–DKLEINE TERZ3unvollk. KonsonanzC–Es (Moll)GROSSE TERZ4unvollk. KonsonanzC–E (Dur)REINE QUARTE5vollk. KonsonanzC–FTRITONUS6diabolus in musicaC–FisREINE QUINTE7vollk. KonsonanzC–GKLEINE SEXTE8unvollk. KonsonanzC–AsGROSSE SEXTE9unvollk. KonsonanzC–AKLEINE SEPTIME10Dissonanz (Dom7)C–BGROSSE SEPTIME11scharfe DissonanzC–HREINE OKTAVE12vollk. KonsonanzC–cKomplementärintervalle ergänzen sich zu 12 (Quarte +Quinte).
Abb. 3Vom Prim (0 Halbtöne) zur Oktav (12 Halbtöne). Konsonanzen (reine und große/kleine Terzen, Sexten) versus Dissonanzen (Sekunden, Septimen, Tritonus).

Kernpunkte

Ein Intervall ist der Abstand zwischen zwei Tönen und wird stets zweidimensional bestimmt: nach der Quantität (der Anzahl der eingeschlossenen Stammtöne, die den Grundnamen liefert - Prim, Sekunde, Terz, Quart, Quint, Sext, Septime, Oktave) und nach der Qualität (der genauen Halbtongröße - rein, groß, klein, übermäßig, vermindert). Beide Angaben zusammen sind nötig, weil derselbe Grundname verschiedene Größen haben kann: c-e und c-es sind beide Terzen (drei Stammtöne c-d-e), aber c-e ist eine große (4 Halbtöne), c-es eine kleine Terz (3 Halbtöne). Man zählt die Stammtöne immer einschließlich des Anfangstons - daher ist c-c eine Prim (1), c-d eine Sekunde (2).
Das Qualitätssystem folgt einer festen Logik: Prim, Quart, Quint und Oktave treten in ihrer leitereigenen Form als reine Intervalle auf (sie haben kein „groß/klein", weil sie in Dur und Moll gleich groß sind), während Sekunde, Terz, Sexte und Septime zwischen groß und klein wechseln (in Dur leitereigen groß, in Moll oft klein). Vergrößert man ein Intervall um einen weiteren Halbton, wird es übermäßig, verkleinert man es, wird es vermindert - so wird aus der reinen Quint c-g die übermäßige Quint c-gis und die verminderte Quint c-ges. Diese Stufenfolge vermindert - klein - groß - übermäßig (bei Sekunde/Terz/Sexte/Septime) bzw. vermindert - rein - übermäßig (bei Prim/Quart/Quint/Oktave) ist das Gerüst jeder Intervallbestimmung.
Für die schnelle Klausurarbeit lohnt es sich, die Halbtonzahlen der Intervalle bis zur Oktave auswendig zu kennen: kleine Sekunde 1, große Sekunde 2, kleine Terz 3, große Terz 4, reine Quart 5, Tritonus 6, reine Quint 7, kleine Sext 8, große Sext 9, kleine Septime 10, große Septime 11, Oktave 12. Das verlässliche Verfahren lautet: zuerst die Stammtöne zählen (liefert den Grundnamen), dann die Halbtöne abzählen (liefert die Qualität). Wer nur die Halbtöne zählt, verwechselt enharmonisch gleiche Intervalle; wer nur die Stammtöne zählt, verfehlt die Qualität.
Die Einteilung in Konsonanzen und Dissonanzen ordnet die Intervalle nach ihrer Klangstabilität und ist historisch der Schlüssel zur Stilbestimmung. Vollkommene Konsonanzen (reine Prim, Quart, Quint, Oktave) klingen leer-stabil, unvollkommene Konsonanzen (große/kleine Terzen und Sexten) voll und wohlklingend, Dissonanzen (Sekunden, Septimen, Tritonus, alle übermäßigen/verminderten Intervalle) spannungsvoll und auflösungsbedürftig. Die Quart ist ein Sonderfall: über dem Bass gilt sie als Dissonanz (sie muss vorbereitet und aufgelöst werden), zwischen Oberstimmen als Konsonanz. Wie streng Dissonanzen vorbereitet und aufgelöst werden, datiert einen Satz: Der Palestrina-Stil der Renaissance behandelt sie äußerst kontrolliert, der Jazz emanzipiert sie zum Klangwert.
Der Tritonus (drei Ganztöne, 6 Halbtöne) ist das berühmteste Spannungsintervall - im Mittelalter als „diabolus in musica" (Teufel in der Musik) gemieden, weil er weder rein noch glatt singbar ist. Im Barock wird er zum Funktionsmotor: Im Dominantseptakkord (G7 = g-h-d-f) bilden Terz und Septime (h-f) gerade einen Tritonus, dessen Auflösungsdrang die ganze authentische Kadenz antreibt (h strebt aufwärts nach c, f abwärts nach e). Im Jazz ist er Grundbaustein - die „Tritonus-Substitution" tauscht eine Dominante gegen eine andere, die denselben Tritonus enthält - und als „Blue Note" (verminderte Quint) prägt er den Blues-Charakter.
Komplementärintervalle (Umkehrungsintervalle) ergänzen sich zur Oktave: Prim und Oktave, Sekunde und Septime, Terz und Sexte, Quart und Quint sind jeweils Umkehrungen voneinander (Summe der Halbtöne = 12). Bei der Umkehrung kehrt sich auch die Qualität um - groß wird klein, übermäßig wird vermindert, rein bleibt rein. Diese Regel ist ein praktisches Kontrollwerkzeug: Eine schwer abzählbare große Sext (9 Halbtöne) lässt sich als Umkehrung der leicht erkennbaren kleinen Terz (3 Halbtöne) bestimmen, und ein vermutetes Intervall kann durch seine Umkehrung gegengeprüft werden.
Schließlich ist die enharmonische Identität zu beachten: Übermäßige Quart und verminderte Quint klingen in gleichstufiger Stimmung gleich (beide 6 Halbtöne), sind aber notations- und funktionsverschieden. Die Schreibweise verrät die harmonische Absicht: Eine verminderte Quint f-ces zieht zusammen (auflösen nach innen), eine übermäßige Quart f-h spreizt auseinander (auflösen nach außen). Genauso sind übermäßige Sekunde (c-dis) und kleine Terz (c-es) klanggleich, aber die übermäßige Sekunde signalisiert harmonisches Moll oder eine chromatische Stimmführung. In der Analyse gilt deshalb: Die Notation ist nie beliebig, sie zeigt die Funktion.

Abiturfokus

  • Intervalle zweistufig bestimmen: erst Stammtöne zählen (Grundname), dann Halbtöne (Qualität).
  • Konsonanz/Dissonanz-Behandlung als Stilindikator lesen (Palestrina streng, Jazz emanzipiert).
  • Den Tritonus im Dominantseptakkord und als Blue Note als Schlüsselintervall erkennen.
  • Komplementär-/Umkehrungsregel zur Kontrolle und für weite Intervalle einsetzen.

Typische Fehler

  • Vertauschen von Stammton-Differenz und Halbtonzahl (eine Quart umfasst 4 Stammtöne, aber 5 Halbtöne).
  • Übermäßige Quart und verminderte Quint werden gleichgesetzt - klanggleich, aber funktional und in der Auflösungsrichtung verschieden.
  • Die Qualität wird allein aus der Halbtonzahl geraten, ohne den Stammtonnamen zu prüfen.
  • Die Quart wird pauschal als Konsonanz behandelt, obwohl sie über dem Bass dissonant ist.

Aktive Wiederholung

Bestimmen Sie alle Intervalle der ersten vier Takte eines vorgelegten Bach-Choralsatzes (z. B. „O Haupt voll Blut und Wunden", BWV 244). Klassifizieren Sie nach Konsonanz/Dissonanz und beschreiben Sie an einer Stelle die Vorbereitung und Auflösung einer Dissonanz.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Riemann Musiklexikon (Schott) (Schott Music) · Klett Spielräume Musik Oberstufe (Klett)

§ 04

Akkordbildung — Dreiklang, Vierklang, Umkehrungen#

●●○StandardLPkmk-epa-musik-basis

Akkord-Stapelung — Dreiklang, Vierklang, erweiterter Akkord

Akkord-Stapelung — Dreiklang, Vierklang, ErweiterungTabelle mit 4 Spalten und 4 Zeilen, Daten: Akkord · Typ · Töne (Terzschichtung) · Stufe; C-Dur · Dur-Dreiklang · c – e – g · I; c-Moll · Moll-Dreiklang · c – es – g · i; G7 · Dominantseptakkord · g – h – d – f · V7; Cmaj9 · Jazz-Erweiterung · c – e – g – h – d · Maj9, hervorgehobene Zelle: G7AKKORDTYPTÖNE (TERZSCHICHTUNG)STUFEC-DURDur-Dreiklangc – e – gIC-MOLLMoll-Dreiklangc – es – giG7Dominantseptakkordg – h – d – fV7CMAJ9Jazz-Erweiterungc – e – g – h – dMaj9Terzschichtung: c-e-g-h-d-f-a (ungerade Stufen). Vierklang =+ Septim.
Abb. 4Akkorde entstehen durch Terzschichtung. Dreiklang = Grundton + Terz + Quint. Vierklang = + Septim. Jazz-Akkorde erweitern um None, Undezime, Tredezime.

Kernpunkte

Ein Akkord ist das gleichzeitige Erklingen von mindestens drei Tönen; der abendländische Grundtyp ist der Dreiklang, der durch Terzschichtung entsteht - auf einen Grundton werden eine Terz und darüber eine weitere Terz gestapelt, sodass Grundton, Terz und Quint übereinanderstehen. Aus der Kombination großer und kleiner Terzen ergeben sich genau vier Dreiklangstypen: Dur (große + kleine Terz, c-e-g - hell, stabil), Moll (kleine + große Terz, c-es-g - dunkler, stabil), vermindert (kleine + kleine Terz, c-es-ges - dissonant durch den Tritonus c-ges, auflösungsbedürftig) und übermäßig (große + große Terz, c-e-gis - schwebend, in gleichstufiger Stimmung symmetrisch). Die Qualität der unteren Terz entscheidet über Dur oder Moll, die obere über die Stabilität.
Schichtet man eine weitere Terz auf den Dreiklang, entsteht der Vierklang oder Septakkord, benannt nach der Septime über dem Grundton. Die wichtigsten Typen sind: der Dur-Septakkord/Major-Seven (c-e-g-h, große Septime, klanglich weich), der Moll-Septakkord (c-es-g-b), der Dominantseptakkord (Dur-Dreiklang + kleine Septime, c-e-g-b - der harmonische Motor der Kadenz), der halbverminderte Septakkord (verminderter Dreiklang + kleine Septime, c-es-ges-b) und der verminderte Septakkord (verminderter Dreiklang + verminderte Septime, c-es-ges-heses - aus lauter kleinen Terzen, symmetrisch und dadurch enharmonisch vieldeutig). Der Dominantseptakkord ist der bedeutsamste, weil sein eingebauter Tritonus (zwischen Terz und Septime) den Auflösungsdrang zur Tonika erzeugt.
Akkorde müssen nicht in Grundstellung erklingen; je nachdem, welcher Akkordton im Bass liegt, entstehen Umkehrungen mit verändertem Klang und veränderter Stabilität. In der Grundstellung liegt der Grundton im Bass (vollste, stabilste Form); in der 1. Umkehrung die Terz (Sextakkord, klanglich leichter); in der 2. Umkehrung die Quint (Quartsextakkord, der wegen der Quart über dem Bass als labil gilt und typischerweise als Kadenzvorhalt vor der Dominante auftritt). Vierklänge haben zusätzlich eine 3. Umkehrung mit der Septime im Bass. Die Basslage zu prüfen ist daher der erste Schritt jeder Akkordbestimmung - der tiefste Ton ist nicht automatisch der Grundton.
Die Generalbass-Bezifferung, das Notationssystem des Barock, codiert genau diese Umkehrungen durch Ziffern unter der Bassstimme, die die Intervalle der Oberstimmen über dem Bass angeben. Ein Dreiklang in Grundstellung bleibt unbeziffert (verstanden als 5/3), die 1. Umkehrung trägt eine 6 (Sextakkord), die 2. Umkehrung 6/4 (Quartsextakkord). Beim Septakkord steht 7 für die Grundstellung, 6/5 für die 1., 4/3 für die 2. und 2 für die 3. Umkehrung. Der Continuo-Spieler realisierte aus dieser Kurzschrift die volle Harmonie - das Lesen der Bezifferung ist daher Pflicht für die Analyse barocker Partituren und das Verständnis der Stimmführung in der Kadenz.
Im Jazz und in der Popmusik werden die Vierklänge durch weitere Terzen zu Optionstönen erweitert: None (9), Undezime (11) und Tredezime (13) bauen über der Septime auf (Cmaj9 = c-e-g-h-d). Alterierte Akkorde verändern diese Optionstöne chromatisch (7♭9, 7♯9, 7♭5, 7♯5) und liefern die spannungsreichen Dominantklänge des Bebop. Diese Erweiterungen sind kein Bruch mit der Terzschichtung, sondern ihre Fortsetzung - der Akkord wird zur „skalengefüllten" Klangfläche, in der nicht mehr jeder Einzelton, sondern die Gesamtfarbe zählt.
Die Akkordsymbol-Schreibweise (Chord Symbols) ist die international gebräuchliche Kurznotation: Ein Großbuchstabe allein bezeichnet den Dur-Dreiklang (C = c-e-g), ein nachgestelltes „m" Moll (Cm = c-es-g), „7" den Dominantseptakkord (C7), „maj7" die große Septime (Cmaj7), „dim" oder „°" den verminderten, „aug" oder „+" den übermäßigen Akkord, „sus" einen Vorhalt (sus4 ersetzt die Terz durch die Quart). Ein Schrägstrich gibt den Basston an (C/E = C-Dur mit e im Bass = 1. Umkehrung). Zentral ist hier die deutsch-englische Tonnamen-Falle: Das Symbol „B" meint den deutschen Ton H, „B♭" das deutsche B.
Für die Analyse ist die saubere Trennung zwischen Akkordbau und harmonischer Funktion entscheidend: Die Bestimmung „G-Dur-Septakkord, Grundstellung" beschreibt nur die Klanggestalt - welche Rolle dieser Akkord spielt (Dominante in C-Dur, Tonika in G-Dur oder Doppeldominante in F-Dur), entscheidet erst der tonale Zusammenhang. Derselbe Akkord kann je nach Umgebung verschiedene Funktionen tragen. Die Akkordbestimmung dieses Abschnitts liefert also das Vokabular, das im folgenden Abschnitt zur Funktionsharmonik in einen syntaktischen Zusammenhang gestellt wird.
Musterlösung

Vollständige Kadenz in C-Dur konstruieren und vierstimmig aussetzen

Konstruieren Sie eine vollständige authentische Kadenz (T - S - D7 - T) in C-Dur. Geben Sie die Akkordtöne jeder Funktion an, beziffern Sie den Generalbass und beschreiben Sie die Stimmführung der beiden Leittöne im Übergang D7 - T.

  1. 011. Hauptfunktionen als Dreiklänge bestimmen

    Tonika I = C-Dur (c-e-g). Subdominante IV = F-Dur (f-a-c). Dominante V = G-Dur (g-h-d). Alle drei sind Dur-Dreiklänge aus den leitereigenen Tönen von C-Dur (keine Vorzeichen). Zusammen enthalten T, S und D alle sieben Stammtöne der Tonleiter.

  2. 022. Dominante zur Dominantseptime erweitern

    Die Septime f wird über den Dominantgrundton g geschichtet: V7 = G7 = g-h-d-f. Das Intervall g-f ist eine kleine Septime (10 Halbtöne). Der Akkord enthält den Tritonus h-f (6 Halbtöne) zwischen Terz und Septime - er erzeugt den charakteristischen Auflösungsdrang.

  3. 033. Stimmführung der beiden Leittöne

    Der Leitton h (zugleich Terz der Dominante und Leitton der Tonart C-Dur) löst sich einen Halbton aufwärts nach c (Grundton der Tonika) auf. Die Septime f löst sich einen Halbton abwärts nach e (Terz der Tonika) auf. Der Tritonus h-f kontrahiert also in Gegenbewegung zur Terz c-e.

  4. 044. Generalbass-Bezifferung

    In Grundstellung wird die Tonika ohne Ziffer notiert, die Subdominante als Dreiklang in Grundstellung ebenfalls ziffernlos, die Dominantseptime mit der Ziffer 7. Beziffert: C (—) - F (—) - G7 (7) - C (—). Im aussetzenden Satz führt der Continuist die Septime vorbereitet ein und löst sie regelgerecht abwärts auf.

  5. 055. Kontrolle der Funktionslogik

    Die Folge T - S - D7 - T realisiert das funktionsharmonische Grundgerüst: die Subdominante trägt von der Tonika weg, die Dominante führt mit höchster Spannung (Tritonus) zurück. Ersetzt man den Schluss-Akkord durch a-Moll (vi), entsteht statt der authentischen Kadenz ein Trugschluss V - VI.

Ergebnis: Authentische Kadenz in C-Dur: C (c-e-g) - F (f-a-c) - G7 (g-h-d-f) - C (c-e-g). Im Übergang G7 - C löst sich der Leitton h aufwärts nach c, die Septime f abwärts nach e; der Tritonus h-f kontrahiert in Gegenbewegung zur Terz c-e.

Abiturfokus

  • Die vier Dreiklangs- und die fünf Septakkordtypen am Terzaufbau sicher unterscheiden.
  • Umkehrungen über die Basslage bestimmen und mit der Generalbass-Bezifferung (6, 6/4, 6/5) verknüpfen.
  • Den Dominantseptakkord über seinen eingebauten Tritonus als Kadenzmotor erkennen.
  • Jazz-Akkordsymbole lesen und in Stufen-/Funktionsschrift übertragen (Tonnamen-Falle B = H beachten).

Typische Fehler

  • Der Akkord wird nach der höchsten Stimme statt nach dem Grundton der Terzschichtung benannt.
  • Verminderter und halbverminderter Septakkord werden verwechselt (Septimqualität prüfen).
  • Umkehrungen werden ohne Beachtung der Basslage zugeordnet - der tiefste Ton gilt vorschnell als Grundton.
  • Akkordbau und Funktion werden vermischt - die Klanggestalt allein legt die harmonische Funktion noch nicht fest.

Aktive Wiederholung

Identifizieren Sie alle Akkorde der ersten Zeile des Bach-Chorals „Wachet auf, ruft uns die Stimme" (BWV 140). Geben Sie für jeden Klang Grundton, Akkordart und Umkehrung an und beziffern Sie den Bass.

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Klett Spielräume Musik Oberstufe (Klett) · Riemann Musiklexikon (Schott) (Schott Music)

§ 05

Funktionsharmonik — Tonika, Subdominante, Dominante, Kadenz#

●●○StandardLPkmk-epa-musik-basisLPmusik-funktionsharmonik

Funktionsharmonik — Tonika, Subdominante, Dominante (Kadenzschema)

Funktionsharmonik — Kadenz T–S–D–TNetzgraph, T · I · C-Dur → S · IV · F-Dur, S · IV · F-Dur → D7 · V7 · G7, D7 · V7 · G7 → T · I · C-DurT · I · C-DurS · IV · F-DurD7 · V7 · G7T · I · C-Dur
Abb. 5Klassische Hauptfunktionen (T-S-D-T) in C-Dur. Stufentheorie: I-IV-V-I. Authentische Kadenz schließt auf der Tonika.

Kernpunkte

Die Funktionstheorie, von Hugo Riemann begründet (Vereinfachte Harmonielehre, 1893), deutet Akkorde nicht isoliert, sondern nach ihrer Rolle (Funktion) im tonalen Gefüge. Ihr Kerngedanke: Alle Akkorde einer Tonart lassen sich auf drei Hauptfunktionen zurückführen - Tonika (T, Stufe I), Subdominante (S, Stufe IV) und Dominante (D, Stufe V). Diese drei Dur-Dreiklänge stehen selbst im Quintabstand (F - C - G in C-Dur) und enthalten zusammen alle sieben Töne der Tonleiter. Harmonik wird damit als Syntax verständlich: ein Spannungsverlauf zwischen Ruhe (T), Wegführung (S) und Rückkehrdrang (D), nicht als bloße Akkordliste.
Der Charakter der drei Funktionen ergibt sich aus ihrer Lage zur Tonika. Die Tonika ist der Ruhepunkt und das tonale Zentrum (in C-Dur c-e-g). Die Subdominante (F-Dur, f-a-c) liegt eine Quinte unter der Tonika und führt von ihr weg, sie öffnet den harmonischen Raum. Die Dominante (G-Dur, g-h-d) liegt eine Quinte über der Tonika und drängt mit höchster Spannung zu ihr zurück - getragen vom Leitton h (7. Stufe, strebt aufwärts nach c) und, sobald sie zum Dominantseptakkord G7 erweitert wird, vom Tritonus h-f, der sich in Gegenbewegung nach c-e auflöst. Dieser eingebaute Auflösungssog macht die Dominant-Tonika-Folge zum stärksten Fortschreitungsschritt der tonalen Musik.
Die Kadenz ist die Akkordfolge, die eine Tonart hörbar bestätigt; ihre Typen muss man in der Analyse sicher benennen. Die authentische (vollkommene) Kadenz T - S - D - T (I - IV - V - I) durchläuft den vollen Spannungsbogen und schließt durch den Dominant-Tonika-Schritt im Bass mit Grundtönen ab. Der Halbschluss endet offen auf der Dominante (verlangt Fortsetzung), die plagale Kadenz IV - I ist der weiche „Amen-Schluss" ohne Leitton, und der Trugschluss V - vi täuscht die erwartete Tonika vor und biegt im letzten Moment zur Tonikaparallele ab (in C-Dur G → a-Moll) - ein beliebtes romantisches Überraschungsmittel.
Über die drei Hauptfunktionen hinaus deutet Riemann die übrigen leitereigenen Akkorde als Nebenfunktionen, vor allem die Parallelklänge: Die Tonikaparallele Tp (vi. Stufe, a-Moll in C-Dur), die Subdominantparallele Sp (ii. Stufe, d-Moll) und die Dominantparallele Dp (iii. Stufe, e-Moll) liegen jeweils eine kleine Terz unter ihrer Hauptfunktion und teilen mit ihr zwei Töne. Sie vertreten die Hauptfunktion, tragen aber durch das Moll-Tongeschlecht eine eigene, weichere Färbung - ein Trugschluss V - Tp etwa „ersetzt" die Tonika durch ihre Parallele. Daneben kennt die Theorie den Gegenklang (Leittonwechselklang), der eine Hauptfunktion auf der anderen Seite ergänzt.
Neben der deutschen Funktionstheorie steht die international (und im Jazz) übliche Stufentheorie, die in der Tradition Simon Sechters die Akkorde schlicht nach ihrer Skalenstufe mit römischen Ziffern benennt (in C-Dur: I = C, ii = d-Moll, iii = e-Moll, IV = F, V = G, vi = a-Moll, vii° = h vermindert; Großbuchstaben für Dur, Kleinbuchstaben für Moll). Beide Systeme beschreiben dieselbe Musik aus verschiedener Perspektive: Die Funktionstheorie betont die Bedeutung (Spannung/Lösung), die Stufentheorie die Position in der Skala. In der Klausur ist beides erlaubt - entscheidend ist, EIN System konsequent durchzuhalten und nicht zu mischen.
Modulation ist der Wechsel der Tonart innerhalb eines Stücks und das wichtigste Mittel großräumiger Spannungsdramaturgie. Die geschmeidigste Technik ist der Pivot-Akkord (gemeinsamer Akkord), der in alter und neuer Tonart leitereigen ist und als „Drehpunkt" umgedeutet wird; daneben stehen die enharmonische Umdeutung (etwa des verminderten Septakkords) und die chromatische Rückung. Die Wahl der Zieltonart ist epochentypisch: In der klassischen Exposition moduliert man zur Dominante (bei Moll zur Tonikaparallele), in Durchführungen in entfernte Tonarten, und die Romantik entdeckt die Mediantverwandtschaft (Terzverwandtschaft, z. B. C-Dur → E-Dur) als farbiges Modulationsmittel jenseits des Quintenzirkels.
Schließlich erweitern Zwischendominanten und die Doppeldominante die Kadenz, indem sie eine andere Stufe vorübergehend wie eine Tonika behandeln (Tonikalisierung). Eine Zwischendominante ist die Dominante zu einer Nebenstufe (V/ii, V/vi), die diese kurz hervorhebt; die Doppeldominante (DD, V/V) ist die Dominante der Dominante - in C-Dur der D-Dur-Akkord mit fis, der die eigentliche Dominante G vorbereitet und die Schlussspannung steigert. Solche Akkorde tragen tonartfremde Töne (das fis in C-Dur) und sind in der Analyse das sichere Zeichen, dass die Funktionsharmonik über die reine Leitereigenheit hinaus erweitert wird - der erste Schritt zur chromatischen Harmonik der Spätromantik.

Akkord-Stapelung — Dreiklang, Vierklang, erweiterter Akkord

Akkord-Stapelung — Dreiklang, Vierklang, ErweiterungTabelle mit 4 Spalten und 4 Zeilen, Daten: Akkord · Typ · Töne (Terzschichtung) · Stufe; C-Dur · Dur-Dreiklang · c – e – g · I; c-Moll · Moll-Dreiklang · c – es – g · i; G7 · Dominantseptakkord · g – h – d – f · V7; Cmaj9 · Jazz-Erweiterung · c – e – g – h – d · Maj9, hervorgehobene Zelle: G7AKKORDTYPTÖNE (TERZSCHICHTUNG)STUFEC-DURDur-Dreiklangc – e – gIC-MOLLMoll-Dreiklangc – es – giG7Dominantseptakkordg – h – d – fV7CMAJ9Jazz-Erweiterungc – e – g – h – dMaj9Terzschichtung: c-e-g-h-d-f-a (ungerade Stufen). Vierklang =+ Septim.
Abb. 6Akkorde entstehen durch Terzschichtung. Dreiklang = Grundton + Terz + Quint. Vierklang = + Septim. Jazz-Akkorde erweitern um None, Undezime, Tredezime.
Musterlösung

Vollständige Kadenz in C-Dur konstruieren und vierstimmig aussetzen

Konstruieren Sie eine vollständige authentische Kadenz (T - S - D7 - T) in C-Dur. Geben Sie die Akkordtöne jeder Funktion an, beziffern Sie den Generalbass und beschreiben Sie die Stimmführung der beiden Leittöne im Übergang D7 - T.

  1. 011. Hauptfunktionen als Dreiklänge bestimmen

    Tonika I = C-Dur (c-e-g). Subdominante IV = F-Dur (f-a-c). Dominante V = G-Dur (g-h-d). Alle drei sind Dur-Dreiklänge aus den leitereigenen Tönen von C-Dur (keine Vorzeichen). Zusammen enthalten T, S und D alle sieben Stammtöne der Tonleiter.

  2. 022. Dominante zur Dominantseptime erweitern

    Die Septime f wird über den Dominantgrundton g geschichtet: V7 = G7 = g-h-d-f. Das Intervall g-f ist eine kleine Septime (10 Halbtöne). Der Akkord enthält den Tritonus h-f (6 Halbtöne) zwischen Terz und Septime - er erzeugt den charakteristischen Auflösungsdrang.

  3. 033. Stimmführung der beiden Leittöne

    Der Leitton h (zugleich Terz der Dominante und Leitton der Tonart C-Dur) löst sich einen Halbton aufwärts nach c (Grundton der Tonika) auf. Die Septime f löst sich einen Halbton abwärts nach e (Terz der Tonika) auf. Der Tritonus h-f kontrahiert also in Gegenbewegung zur Terz c-e.

  4. 044. Generalbass-Bezifferung

    In Grundstellung wird die Tonika ohne Ziffer notiert, die Subdominante als Dreiklang in Grundstellung ebenfalls ziffernlos, die Dominantseptime mit der Ziffer 7. Beziffert: C (—) - F (—) - G7 (7) - C (—). Im aussetzenden Satz führt der Continuist die Septime vorbereitet ein und löst sie regelgerecht abwärts auf.

  5. 055. Kontrolle der Funktionslogik

    Die Folge T - S - D7 - T realisiert das funktionsharmonische Grundgerüst: die Subdominante trägt von der Tonika weg, die Dominante führt mit höchster Spannung (Tritonus) zurück. Ersetzt man den Schluss-Akkord durch a-Moll (vi), entsteht statt der authentischen Kadenz ein Trugschluss V - VI.

Ergebnis: Authentische Kadenz in C-Dur: C (c-e-g) - F (f-a-c) - G7 (g-h-d-f) - C (c-e-g). Im Übergang G7 - C löst sich der Leitton h aufwärts nach c, die Septime f abwärts nach e; der Tritonus h-f kontrahiert in Gegenbewegung zur Terz c-e.

Musterlösung

Schubert, „Der Lindenbaum“ (Winterreise D 911 Nr. 5) — Funktionsharmonische Analyse

Analysieren Sie das Lied „Der Lindenbaum“ aus Schuberts Liederzyklus „Winterreise“ (Text: Wilhelm Müller, 1827). Untersuchen Sie das Verhältnis von Dur- und Moll-Strophen, die funktionsharmonischen Wendungen und die Wort-Ton-Beziehung.

  1. 011. Werkkontext und Form

    „Der Lindenbaum“ ist Nr. 5 von 24 Liedern der „Winterreise“ (komponiert 1827). Form: erweiterte Strophenform mit Variantentechnik. Drei Hauptteile entsprechen den drei Erinnerungsschritten des lyrischen Ichs (Erinnerung - Versuchung - Resignation). Tonart: E-Dur (Strophe 1, 3) wechselt nach e-Moll (Strophe 2, „Mir tat sein Rauschen ...“).

  2. 022. Klavier-Introduktion und Wort-Ton-Beziehung

    Triolenfiguren im Klavier (3/4-Takt) malen das Rauschen der Blätter im Wind - hochgradig programmatisch. Die rechte Hand spielt durchgängig Sechzehntel-Triolen, die linke Hand stützt mit Tonika und Dominante in E-Dur. Eintaktiger Vorhang öffnet die Erinnerungsszene.

  3. 033. Strophe 1 (E-Dur): Funktionsharmonische Stützen

    Gesang setzt mit Sextsprung c#-e ein („Am Brunnen vor dem Tore“). Harmonische Folge T - S - D - T (I - IV - V - I) in E-Dur, ausgeschmückt durch Vorhalte und Durchgangsnoten. Die Strophe endet mit authentischer Kadenz V7 - I (H7 - E-Dur). Erinnerungston: friedlich, klar, dur-haltig.

  4. 044. Strophe 2 (e-Moll): Variantentonart als psychologischer Bruch

    Variantentonart-Wechsel von E-Dur nach e-Moll (gleiche Tonika, andere Terz) signalisiert die schmerzhafte Wendung der Erinnerung. Harmonik wird chromatisch angereichert: e-Moll, h-Moll (Moll-Dominante v; zugleich Paralleltonart von D-Dur), C-Dur (Untermediante / VI — innerhalb von e-Moll die diatonische sechste Stufe, gegenüber dem Grundton E-Dur als tiefalterierte ♭VI hörbar). Eine echte neapolitanische Wendung wäre F-Dur (♭II) als zusätzliche Spannungsfarbe. Begleitfigur des Klaviers wechselt zu pulsierenden Achtel-Akkorden statt fließender Triolen - Sturmcharakter, Naturmetapher für den inneren Aufruhr.

  5. 055. Strophe 3 (E-Dur, modifiziert): Resignation

    Rückkehr nach E-Dur, aber die Triolen-Begleitung ist nun chromatisch eingefärbt. Spannungstöne (verminderte Septakkorde, Doppeldominanten) zeigen, dass die Idylle nicht ungetrübt zurückkehrt. Die Schlusswendung enthält einen Trugschluss V - VI (H7 - cis-Moll) vor dem endgültigen Ganzschluss - musikalisches Äquivalent zum textlichen Schwanken zwischen Sehnsucht und Resignation.

  6. 066. Interpretatorische Synthese

    Die Tonartendisposition E-Dur - e-Moll - E-Dur spiegelt den dramaturgischen Bogen Erinnerung - Versuchung - Resignation. Schubert nutzt Variantentechnik (Hauptmittel der Romantik) statt der klassischen Dominantmodulation - der Charakterwechsel bleibt im selben tonalen Zentrum verankert, was die psychologische Innerlichkeit verstärkt. Der Text wird nicht „vertont“, sondern in eine eigenständige musikalische Dramaturgie überführt.

Ergebnis: Schuberts „Lindenbaum“ zeigt exemplarisch die romantische Liedästhetik: erweiterte Strophenform, programmatische Klavierbegleitung (Blätterrauschen), Variantentechnik als Ausdruck psychischer Wendungen, Chromatik als Mittel innerer Konflikte. Die funktionsharmonische Grundsubstanz bleibt klassisch, wird aber durch Modulationen, Trugschlüsse und Variantentonarten emotionalisiert.

Abiturfokus

  • Funktionssymbole T-S-D-Tp-Sp-Dp sicher anwenden - das Standardraster der deutschen Schulharmonielehre.
  • Kadenztypen (authentisch, plagal, Halbschluss, Trugschluss) am Schlussakkord und Bassschritt unterscheiden.
  • Die Dominantwirkung über Leitton und Tritonus erklären, nicht nur benennen.
  • Modulationen über Pivot-Akkorde nachzeichnen und die epochentypische Zieltonart benennen.
  • Zwischendominante und Doppeldominante an ihren tonartfremden Tönen erkennen.

Typische Fehler

  • Stufen- und Funktionsbezeichnung werden vermischt - in der Klausur ein System konsequent durchhalten.
  • Der Trugschluss (V - vi/Tp) wird mit dem Halbschluss (Ende auf V) verwechselt.
  • Doppel- und Zwischendominante werden als „verlängerte Dominante" missverstanden statt als Tonikalisierung.
  • Nebenfunktionen werden nur als „Stellvertreter" gesehen - sie haben durch das Moll-Tongeschlecht eigene Farbe.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Beschreiben Sie die Funktionsharmonik in einem chromatisch erweiterten Beispiel (z. B. Wagner, „Tristan“-Akkord). Wie weit trägt das Funktionsmodell, wo bricht es?

Aktive Wiederholung

Analysieren Sie funktionsharmonisch die ersten acht Takte des Bach-Chorals „Jesu, meine Freude" (BWV 227, e-Moll). Bezeichnen Sie jeden Akkord mit Funktionssymbol UND Stufenzahl, markieren Sie die Kadenztypen der Zeilenenden und kennzeichnen Sie etwaige Zwischendominanten.

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Riemann Musiklexikon (Schott) (Schott Music) · Klett Spielräume Musik Oberstufe (Klett)

§ 06

Rhythmik, Metrik, Notenwerte — Notation und Lesen#

●○○BasisLPkmk-epa-musik-basis

Notenwerte und Pausen — Dauerverhältnisse

Notenwerte — Halbierung Ganze · Halbe · ViertelBaumdiagramm, 4 Pfade, Daten: Halbe · 2 → Viertel · 1; Halbe · 2 → Viertel · 1; Halbe · 2 → Viertel · 1; Halbe · 2 → Viertel · 1Halbe · 2Halbe · 2Ganze · 4 SchlägeViertel · 1Viertel · 1Viertel · 1Viertel · 1
Abb. 7Vom Ganzen (4 Schläge bei 4/4-Takt) über Halbe und Viertel - jeweils Halbierung; die Summenzeile zeigt 8 Achtel = 4 Viertel = 2 Halbe = 1 Ganze. Punktierung verlängert um die Hälfte des Grundwerts.

Kernpunkte

Das Notenwertsystem beruht auf fortlaufender Halbierung: Die ganze Note wird in zwei Halbe, vier Viertel, acht Achtel, sechzehn Sechzehntel usw. geteilt. Die absolute Dauer eines Wertes hängt von der Taktart ab - im 4/4-Takt füllt eine ganze Note den Takt (vier Schläge), eine Viertel einen Schlag; im 3/4-Takt füllen drei Viertel den Takt. Der Wert sagt also nur das Verhältnis, nicht die Sekundendauer (die regelt erst das Tempo). Die Punktierung verlängert einen Notenwert um die Hälfte seines eigenen Wertes (punktierte Halbe = Halbe + Viertel = 3 Viertel), die Doppelpunktierung um weitere Viertelwerte; ein Haltebogen (Ligatur) verbindet zwei Werte zu einer ununterbrochenen Dauer, auch über den Taktstrich hinweg.
Pausen sind die rhythmisch exakt bemessenen Schweige-Zeichen und tragen dieselbe Wertehierarchie wie die Noten (ganze, halbe, Viertel-, Achtelpause usw.) - sie sind nicht „nichts", sondern strukturierte Stille, die Phrasen gliedert, Atemzäsuren setzt und Spannung erzeugt. Im Schriftbild hängt die ganze Pause unter der vierten Linie, die halbe sitzt auf der dritten Linie (eine häufig verwechselte Unterscheidung), die kürzeren Pausen tragen je eigene Fähnchen-Zeichen. Eine ganze Pause gilt zudem als „Taktpause" - sie füllt jeden Takt unabhängig von dessen Taktart.
Die Taktart, notiert als Bruch zu Beginn des Stücks, gibt im Zähler die Anzahl, im Nenner den Wert der Grundschläge an (3/4 = drei Viertel pro Takt). Man unterscheidet einfache Taktarten mit Zweier- oder Dreierteilung der Schläge (2/4, 3/4, 4/4) von zusammengesetzten Taktarten, deren Schläge sich in Dreiergruppen gliedern (6/8 = zwei Schläge zu je drei Achteln, nicht sechs gleichwertige Achtel). Geradtaktige Metren (2/4, 4/4, alla breve 2/2) wirken schreitend, ungeradtaktige (3/4 Walzer, 6/8 Tarantella, 9/8, 12/8 Gigue) wiegend; unregelmäßige Metren (5/4 in Holsts „Mars" aus „The Planets", 7/8 in osteuropäischer Volksmusik) erzeugen bewusste Asymmetrie.
Das Metrum ordnet den Schlägen eine feste Betonungshierarchie zu: Im 4/4-Takt ist die Eins schwer (Hauptakzent), die Drei mittelschwer (Nebenakzent), Zwei und Vier leicht; im 3/4 ist nur die Eins betont. Diese Akzentstruktur ist der Hintergrund, vor dem rhythmische Spannungsmittel wirken. Die Synkope verschiebt die Betonung gegen das Metrum auf einen eigentlich leichten Zählzeitteil (etwa durch eine über den schweren Schlag gebundene Note) und ist der rhythmische Grundbaustein des Jazz; die Hemiole fasst innerhalb eines Dreiertakts zwei Takte zu drei größeren Schlägen zusammen (3/4 klingt vorübergehend wie 3/2) - ein Lieblingsmittel von Brahms und schon des Barock.
Tempo-Angaben legen die Geschwindigkeit und damit zugleich den Charakter fest. Die traditionellen italienischen Bezeichnungen reichen von Largo/Adagio (breit, langsam) über Andante (gehend) und Allegretto (mäßig munter) bis Allegro/Vivace/Presto (schnell bis sehr schnell), oft ergänzt um Charakterzusätze (con brio, cantabile, maestoso). Seit der Verbreitung des Metronoms (Mälzel, um 1815) treten exakte Schlagzahlen hinzu (Viertel = 120 BPM); Beethoven war einer der ersten, der seine Werke metronomisch bezeichnete. Wichtig ist, dass die Tempobezeichnung in der Klassik immer auch eine Charakterangabe ist - ein Allegro ist nicht nur „schnell", sondern „munter".
Tuolen (irreguläre Teilungen) durchbrechen die binäre Halbierung: Die Triole setzt drei gleiche Noten in den Zeitraum von zweien (drei Achteltriolen = eine Viertel), die Quintole fünf in vier, die Duole zwei in den Raum von drei (im 6/8). Erklingen zwei verschiedene Teilungen gleichzeitig - etwa Dreier gegen Zweier (3:2) -, entsteht Polyrhythmik, die im 19. Jahrhundert (Chopin, Brahms) als Klangverfeinerung, im 20. Jahrhundert und in afrikanisch geprägter Musik als Strukturprinzip dient. Die saubere Unterscheidung von Triole und regulären Achteln ist eine klassische Lese- und Hörfalle.
Der Auftakt (Anakrusis) ist ein oder mehrere unbetonte Schläge vor der ersten vollen Takt-Eins; das Stück beginnt also „mitten im Takt" auf einer leichten Zählzeit und strebt zur folgenden Eins hin. Auftaktige Themen wirken vorwärtsdrängend (viele Volkslieder, Beethovens Fünfte beginnt auftaktig mit dem Schicksalsmotiv), volltaktige eher gesetzt. Notationskonvention: Der Auftakt wird vom Schlusstakt abgezogen, sodass Anfangs- und Schlusstakt zusammen einen vollständigen Takt ergeben. Die richtige Bestimmung des Auftakts ist Voraussetzung für die korrekte metrische Analyse, weil sie über Schwer- und Leichtbetonung der ganzen Phrase entscheidet.

Abiturfokus

  • Notenwerte, Punktierungen und Pausen im jeweiligen Takt sicher in Dauern umrechnen.
  • Einfache, zusammengesetzte und unregelmäßige Taktarten an der Schlaggliederung erkennen (6/8 = 2×3).
  • Synkope und Hemiole als Verschiebungen gegen das Metrum identifizieren und belegen.
  • Tempobezeichnungen als Geschwindigkeits- UND Charakterangabe lesen (Allegro vs. Allegretto).

Typische Fehler

  • Punktierungen werden falsch berechnet - die punktierte Halbe ist 3 Viertel, nicht 2.
  • Triolen werden mit regulären Achteln verwechselt.
  • Alla breve (2/2) wird als 4/4 gelesen, was Tempo und Phrasierung verfälscht.
  • Der 6/8-Takt wird als sechs gleichwertige Schläge statt als zwei Dreiergruppen gelesen.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Erläutern Sie die metrische Mehrdeutigkeit durch Hemiole an einem Beispiel von Brahms (etwa dem Kopfsatz der 3. Sinfonie F-Dur op. 90, 1883, mit dem Widerstreit von 6/4 und 3/2). Wie nutzt Brahms die Hemiole, um die Phrasenwahrnehmung gezielt in der Schwebe zu halten?

Aktive Wiederholung

Notieren Sie den Rhythmus eines vorgesungenen Beispiels im 6/8-Takt. Bestimmen Sie den Auftakt, gliedern Sie die zwei Dreierschläge je Takt und kennzeichnen Sie alle Synkopen.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Klett Spielräume Musik Oberstufe (Klett)

Inhalt

Abschnitt -- / 06

    • 01Tonsystem, Notation, Quintenzirkel○
    • 02Tonleitern — Dur, Moll-Varianten, Kirchentonarten◐
    • 03Intervalle — Bezeichnung, Halbtöne, Konsonanz/Dissonanz◐
    • 04Akkordbildung — Dreiklang, Vierklang, Umkehrungen◐
    • 05Funktionsharmonik — Tonika, Subdominante, Dominante, Kadenz◐
    • 06Rhythmik, Metrik, Notenwerte — Notation und Lesen○

0/6 Gelesen

Aus den Notizen ins Training

Allgemeine Musiklehre — Tonsystem, Intervalle, Akkorde, Funktionsharmonik

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Belege & Quellen

Quellen

KMK

  • KMK EPA Musik 1989 / 2005

Schott Music

  • Riemann Musiklexikon (Schott)

Klett

  • Klett Spielräume Musik Oberstufe

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