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Notizen/Französisch/Sprachmittlung DE↔FR — médiation linguistique
Notizen · FranzösischDE · Abitur

Sprachmittlung DE↔FR — médiation linguistique

Methodik der Sprachmittlung: NICHT Übersetzung, sondern adressatengerechte sinngemäße Wiedergabe eines Ausgangstextes in die jeweils andere Sprache. Schwerpunkt im Abitur: DE→FR (Pressetext über deutsche Themen für ein französisches Publikum) und FR→DE (französische Quelle für ein deutsches Publikum). Bewertet werden Inhalt, Adressatenbezug, sprachliche Angemessenheit und kulturelle Erklärung.

6 Abschnitte·~26 Min Lesezeit·2 Kompetenzen·Niveau Basis 3 · Standard 3·Stand 06/2026

T·0777 / 12
Prüfungsprofil
KMK-FFS-2012-I.5 · Funktionale kommunikative Kompetenz: Sprachmittlung als eigenständige FähigkeitCEFR-B2-Mediation · B2-Mediation: kulturell adäquate Vermittlung zwischen zwei Sprachgemeinschaften
Operatoren:résumertransposerexpliquerreformulerzusammenfassenerklären

grundlegendes Niveau

gA: zusammenfassende Sprachmittlung 150-200 Wörter, drei Hauptaspekte des Ausgangstextes, klarer Adressatenbezug (Brief, Mail, Bericht).

erhöhtes Niveau

eA: differenzierte Sprachmittlung 250-300 Wörter, mit kultureller Erklärung (Glossar deutscher Eigenheiten für französisches Publikum: Bundesländer, dual education, Energiewende), eigenständige Strukturierung nach Adressatenbedürfnis.

Tiefe

Lesetiefe: Vertiefung

Schrift

Schriftgröße: Standard

Inhalt · 6 Abschnitte▾
  1. Sprachmittlung DE↔FR — médiation linguistique
    • 01Grundprinzipien — Adressat, Funktion, Inhalt○
    • 02Techniken — paraphrase, abstraction, glossierung◐
    • 03Richtung FR→DE — Vermittlung französischer Quellen ins Deutsche◐
    • 04Bewertung und Erwartungshorizont der Sprachmittlung◐
    • 05Textsorten und Aufgabentypen der Mediation○
    • 06Zeitmanagement und Strategie im Sprachmittlungsteil○
§ 01

Grundprinzipien — Adressat, Funktion, Inhalt#

●○○BasisLPF-Sprm-1.1

Kernpunkte

Die Sprachmittlung (la médiation linguistique) ist eine eigenständige kommunikative Kompetenz der KMK-Bildungsstandards und gerade KEINE Übersetzung. Während die Übersetzung (la traduction) Wort für Wort und möglichst formtreu überträgt, gibt die Sprachmittlung den SINN eines Ausgangstextes adressaten- und situationsgerecht wieder — sie überträgt nicht den Wortlaut, sondern die Information, die ein bestimmter Empfänger in einer bestimmten Situation braucht (vgl. ). Dieser Unterschied ist das Fundament der ganzen Disziplin: Wer wörtlich übersetzt, verfehlt die Aufgabe methodisch — und verliert Punkte in Inhalt UND Sprache.

Sprachmittlung — Verfahren DE↔FR

Médiation linguistique — 4 phasesNetzgraph, 1 Lire / écouter → 2 Cibler, 2 Cibler → 3 Sélectionner, 3 Sélectionner → 4 Produire1 Lire / écouter2 Cibler3 Sélectionner4 Produire
Abb. 1Sinngemäße Übertragung statt Übersetzung: Ausgangstext lesen → Adressat klären → Informationsauswahl → Zielsprache produzieren. Marqueurs DE→FR : « D'après l'article... », « Selon l'auteur... »; FR→DE : „Der Autor betont / hebt hervor / prangert ... an."
Jede Sprachmittlung ruht auf drei Säulen, die man vor dem Schreiben klären muss: 1) der Inhalt (Qu'est-ce que dit le texte source? — die Kerninformationen), 2) der Adressat (À qui s'adresse la médiation? — wer den Zieltext liest), 3) die Funktion und Textsorte des Zieltextes (E-Mail, Brief, Bericht, Artikel — mit welchem Zweck?). Diese drei Größen bestimmen gemeinsam, was übernommen, was weggelassen und was erklärt wird. Sie stehen alle in der Aufgabenstellung — die man deshalb VOR dem Ausgangstext liest.
Die Adressatenanalyse ist der Dreh- und Angelpunkt: Alter, Bildungsstand, kulturelle Vorkenntnisse und Interesse des Empfängers entscheiden über Auswahl und Register. Ein französischer Jugendlicher weiß in der Regel wenig über die deutsche Energiewende, das duale Ausbildungssystem oder den Begriff Mittelstand — genau dieses fehlende Vorwissen muss der Mittler ausgleichen, indem er die betreffenden Realien knapp erklärt. Wer den Adressaten ignoriert und einen wissenschaftlichen Bericht für Schüler verfasst, verfehlt einen eigenen Bewertungspunkt.
Daraus folgt die zentrale Doppelbewegung der Mediation: Auslassen und Hinzufügen. Auslassen (l'omission) ist erlaubt und nötig — detaillierte Statistiken, irrelevante Nebenstränge und kulturspezifische Anekdoten, die im Zielkontext nicht funktionieren, fallen weg. Hinzufügen (l'explicitation) ist ebenso nötig — kulturspezifische Begriffe werden für den Adressaten erläutert (« le Bundestag, c'est-à-dire le parlement allemand »). Beides folgt nicht der Willkür, sondern dem Bedarf des Empfängers.
Das Register (le registre) wird an Adressat und Textsorte angepasst: Für eine Schülerzeitung wählt man ein registre courant, für die Wirtschaftspresse ein registre soutenu, für eine formelle Behörde die Höflichkeitsform (vouvoiement). Das Register ist kein stilistisches Beiwerk, sondern Teil des Adressatenbezugs und damit der Bewertung — ein lockerer Forumsbeitrag und ein offizieller Brief verlangen verschiedene Sprachen.
Schließlich gilt eine harte formale Vorgabe: die Wortzahl. Das Abitur gibt je nach Anforderungsniveau etwa 150–300 Wörter vor (gA kürzer, eA länger), mit einer Toleranz von rund ±10 %. Deutliches Überschreiten kostet Aufbau- und Kohärenzpunkte (man hat nicht ausgewählt), deutliches Unterschreiten Inhaltspunkte (Kernaussagen fehlen). Die Wortzahl ist damit kein bloßer Formalismus, sondern ein Maß für die Qualität der Auswahl.
Musterlösung

Analyser une consigne de médiation avant de rédiger

Analysez la consigne suivante avant toute rédaction : « Faites un compte-rendu en 200 mots à l'intention d'un magazine pour adolescents francophones, à partir d'un article allemand sur le service civique. » Déterminez les paramètres de la médiation.

  1. 01Étape 1 — Identifier la textsorte

    Textsorte cible : un compte-rendu (Bericht) — texte structuré, sachlich, avec une éventuelle accroche. Ni une lettre, ni une simple traduction.

  2. 02Étape 2 — Identifier le destinataire

    Destinataire : des adolescents francophones. Conséquence : registre courant, ton accessible, exemples concrets, pas de jargon administratif.

  3. 03Étape 3 — Identifier les réalités à gloser

    Le « service civique » allemand (Bundesfreiwilligendienst / FSJ) doit être expliqué : « un engagement volontaire d'un an au service de la collectivité, après le lycée ».

  4. 04Étape 4 — Fixer le cadre

    200 mots (±10 %), trois à quatre informations-clés à sélectionner, omission des détails statistiques non essentiels. Le plan en mots-clés précède la rédaction.

Ergebnis: Paramètres dégagés : compte-rendu / public adolescent / registre courant / glose du « service civique » / 200 mots. Cette analyse de la consigne, faite AVANT la rédaction, détermine la réussite de la médiation.

Abiturfokus

  • Lesen Sie die AUFGABE vor dem Ausgangstext: wer ist der Adressat? welche Funktion?
  • Markieren Sie im Quelltext die 3-5 zentralen Aussagen — alle anderen sind verzichtbar.
  • Erstellen Sie einen Plan in 5-10 Stichworten vor dem Schreiben.
  • Schreiben Sie eine erkennbare Textsorte: für eine E-Mail eröffnungsformel + clôture, für einen Bericht: Überschrift + strukturierte Absätze.
  • Vermeiden Sie Direktübernahmen aus dem Quelltext — Sprachmittlung erfordert Reformulierung.

Typische Fehler

  • Wort-für-Wort-Übersetzung — verfehlt das Mediationsziel und produziert „Übersetzungsfranzösisch".
  • Alle Inhalte beibehalten — Wortzahl überschritten und unwichtige Details aufgenommen.
  • Adressat ignoriert — Schülern wird ein wissenschaftlicher Bericht angeboten.
  • Kulturspezifische Begriffe ohne Erklärung übernommen: « Hartz IV », « Bundestag » — französische Schüler verstehen das nicht ohne Glossierung.
  • Aufgabentyp (Mail, Brief, Bericht) ignoriert — der Text liest sich wie eine generische Zusammenfassung.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Erörtern Sie die interkulturelle Dimension der Sprachmittlung: Der Mittler ist nicht nur ein sprachlicher, sondern ein kultureller Vermittler (un passeur culturel), der zwischen zwei Wissens- und Wertewelten übersetzt. Analysieren Sie an einem Beispiel, welche impliziten kulturellen Voraussetzungen (présupposés culturels) ein deutscher Text bei einem französischen Leser nicht voraussetzen darf, und entwickeln Sie Kriterien, wann eine Erklärung (explicitation) nötig ist und wann sie den Zieltext überfrachtet.

Aktive Wiederholung

Imaginez le texte source allemand suivant : « Die Energiewende beschäftigt die deutschen Wähler. Seit 2011 wurde der Ausstieg aus der Atomkraft beschlossen. Erneuerbare Energien decken nun 50% des Stroms ab. Doch der Strompreis steigt. » Rédigez en 150-180 mots une médiation à destination d'un journal pour lycéens français qui ne connaît pas le contexte allemand. Expliquez les concepts spécifiques (Energiewende, Atomausstieg) et adaptez le ton au public adolescent.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

§ 02

Techniken — paraphrase, abstraction, glossierung#

●●○StandardLPF-Sprm-2.1

Kernpunkte

Die Grundtechnik jeder Sprachmittlung ist die Reformulation (Umformulierung): denselben Inhalt mit anderen Worten ausdrücken, statt ihn wörtlich zu übertragen. Konkrete Verfahren sind der Gebrauch von Synonymen, die Änderung des Satzbaus, der Wechsel zwischen Aktiv und Passiv sowie die Umwandlung von Nomen in Verben und umgekehrt (Nominalisierung/Verbalisierung). Die Reformulation ist die Probe darauf, ob man einen Inhalt wirklich verstanden hat — wer ihn nur in zwei verschiedenen Sätzen ausdrücken kann, hat ihn durchdrungen; wer am Wortlaut klebt, produziert einen calque (eine Lehnübersetzung).
Die Abstraction (auch synthèse, Verdichtung) fasst mehrere Detailaussagen zu einer allgemeineren zusammen — eine zentrale Mediationstechnik, weil der Zieltext kürzer ist als die Quelle. So werden « Hartz IV, ALG II, Bürgergeld » zu « les aides sociales pour les chômeurs en Allemagne », eine Aufzählung von fünf Maßnahmen zu « plusieurs réformes du marché du travail ». Die Kunst besteht darin, die richtige Abstraktionshöhe zu finden: hoch genug, um zu verdichten, konkret genug, um nichts Wesentliches zu verlieren.
Die Glossierung (la glose) erklärt kulturspezifische Begriffe (les realia) für den Adressaten, der sie nicht kennt: « les Bundesländer (les régions fédérales allemandes) », « le système de formation en alternance (qui combine école professionnelle et entreprise) ». Davon zu unterscheiden ist die Explicitation, die implizite historische oder kulturelle Hintergründe ausspricht — etwa „die Wende 1989" als « la chute du mur de Berlin en 1989, qui a conduit à la réunification ». Beide Techniken machen das Stillschweigende der Quelle für den fremden Leser sichtbar.
Auswahl und Anordnung sind eigene Techniken. Das Auslassen (l'omission) entfernt streng alles, was nicht zur Kernaussage beiträgt — Beispiele, Nebenstränge, entbehrliche Statistiken. Die Strukturierung erlaubt ausdrücklich eine vom Quelltext ABWEICHENDE Reihenfolge: Man darf vom Wichtigsten zum Unwichtigeren ordnen, statt der Chronologie der Quelle zu folgen, wenn das dem Adressaten besser dient. Die Mediation ist also eine aktive Neugestaltung, kein lineares Nachzeichnen.
Damit die kürzeren, neu geordneten Aussagen zusammenhängen, sind connecteurs unentbehrlich — dieselben Verknüpfungswörter wie in commentaire und discussion (d'abord, ensuite, en outre, par ailleurs, en revanche, enfin). Sie machen aus einer Liste von Informationen einen kohärenten Text. Fehlende Konnektoren sind ein häufiger Grund, warum eine inhaltlich vollständige Mediation dennoch zusammenhanglos wirkt und Kohärenzpunkte verliert.
Zitate aus dem Quelltext sind möglich, aber sparsam und reformuliert einzusetzen — und nur für echte Schlüsselaussagen (« Selon l'article… », « D'après l'auteur… »). Strikt verboten ist es dagegen, fremdsprachige Originalzitate unübersetzt einzubetten — ein deutscher Satz in einem französischen Zieltext (oder umgekehrt) ist ein methodischer Grundfehler, weil die Mediation gerade die sprachliche Brücke leisten soll. Alles im Zieltext steht in der Zielsprache.
Musterlösung

Reformulation, abstraction et glose (médiation DE→FR)

Transformez le texte source allemand suivant en une médiation française à l'aide des trois techniques (reformulation, abstraction, glose) : « Das duale Ausbildungssystem verbindet betriebliche Praxis und Berufsschule. Viele Jugendliche wählen nach der Schule eine Ausbildung statt eines Studiums. »

  1. 01Étape 1 — Glose de la réalité culturelle

    Le « duale Ausbildungssystem » n'a pas d'équivalent direct en France et doit être glosé : « la formation en alternance, qui combine apprentissage en entreprise et cours en école professionnelle ».

  2. 02Étape 2 — Reformulation (changer la structure)

    On évite le calque mot à mot. « verbindet betriebliche Praxis und Berufsschule » devient une relative explicative (« qui combine… »), et le nominal allemand se résout en construction verbale française, plus fluide.

  3. 03Étape 3 — Abstraction

    « eine Ausbildung statt eines Studiums wählen » se condense en une opposition claire : « préférer une formation professionnelle à des études universitaires », sans détailler les filières.

  4. 04Étape 4 — Produire le texte cible

    On assemble le tout en une ou deux phrases cohérentes, avec un connecteur, dans un registre courant adapté à un lecteur français non spécialiste.

Ergebnis: Texte cible : « En Allemagne, la formation en alternance — qui combine apprentissage en entreprise et cours en école professionnelle — est très répandue : après le lycée, de nombreux jeunes préfèrent ce type de formation à des études universitaires. » La réalité est glosée, la structure reformulée, le détail abstrait — sans aucune traduction littérale.

Abiturfokus

  • Lernen Sie 10-15 Standard-Glosses für deutsche Konzepte: Bundestag, Bundesrat, Kanzler, Bundesländer, Mittelstand, Volkshochschule, dual education, Energiewende, Hartz IV/Bürgergeld, soziale Marktwirtschaft.
  • Üben Sie active-passive Umwandlung: « Die Regierung hat beschlossen X » → « X a été décidé par le gouvernement » oder « le gouvernement a décidé X ».
  • Reformulation testen: kann ich denselben Inhalt in zwei verschiedenen Sätzen ausdrücken?
  • Adressatenbezug PRÜFEN beim Schreiben: würde ein französischer Jugendlicher / Erwachsener / Spezialist das verstehen?
  • Lassen Sie 5-10 Minuten Schlussrelecture: Inhalt vollständig? Adressat respektiert? Wortzahl eingehalten?

Typische Fehler

  • Sklavische Übersetzung anstatt Reformulation — die Mediation klingt „deutsch".
  • Kulturspezifika ohne Gloss übernommen.
  • Synthese fehlt: die Mediation listet 10 Punkte statt 3-4 Hauptaussagen.
  • Aktiv-Passiv falsch umgewandelt: « X a été décidé » verlangt « par + Akteur » nur, wenn der Akteur wichtig ist.
  • Zitate aus dem Quelltext in der falschen Sprache (deutsch in französischen Text einbetten) — VERBOTEN.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Untersuchen Sie die Grenze zwischen legitimer Glossierung und unzulässiger Interpretation. Eine Mediation soll Realien erklären, aber nicht den Quelltext bewerten oder eigene Ansichten hinzufügen (keine prise de position). Analysieren Sie an Beispielen, wann eine Erläuterung neutral bleibt (« le Mittelstand, c'est-à-dire les PME allemandes ») und wann sie unbemerkt eine Wertung einschmuggelt, und entwickeln Sie ein Bewusstsein für die geforderte Neutralität (l'objectivité du médiateur).

Aktive Wiederholung

Glossariez à un lecteur français cinq concepts spécifiquement allemands : « Bundestag », « duales Ausbildungssystem », « Energiewende », « Mittelstand », « Bürgergeld ». Pour chacun, donnez : a) une traduction littérale impossible (pourquoi?), b) une glose courte (5-10 mots), c) une phrase complète intégrée dans un contexte de médiation.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

§ 03

Richtung FR→DE — Vermittlung französischer Quellen ins Deutsche#

●●○StandardLPF-Sprm-3.1

Kernpunkte

Die Mediationsrichtung FR→DE (französische Quelle, deutscher Zieltext) wird in mehreren Bundesländern geprüft. Hier ist der Adressat eine deutschsprachige Person ohne nähere Frankreichkenntnis, und das Prinzip bleibt dasselbe wie in der Gegenrichtung: sinngemäße, adressatengerechte Wiedergabe statt Übersetzung. Der Unterschied liegt in der Blickrichtung — jetzt sind es die französischen Realien (laïcité, baccalauréat, banlieue, gilets jaunes, DOM-TOM), die dem deutschen Leser erklärt werden müssen, weil er ihren kulturellen Hintergrund nicht teilt.
Die Glossierung der französischen Realien folgt festen Mustern: « le bac » wird zu „das französische Abitur (baccalauréat)", « la laïcité » zu „die laïcité, das französische Prinzip der strikten Trennung von Staat und Religion (gesetzlich verankert 1905)", « la banlieue » zu „die sozial benachteiligten Vorstädte der Großstädte". Eigennamen und Institutionen behält man im Original, erläutert sie aber knapp als Apposition: « l'Assemblée nationale » → „die Assemblée nationale, das französische Parlament". So bleibt der deutsche Text lesbar, ohne die kulturelle Information zu verlieren.
Die größte sprachliche Stolperfalle dieser Richtung ist der Nominalstil. Das Französische bildet gern lange Substantivketten (« la mise en œuvre de la réforme du système de retraite »), die im Deutschen oft besser verbal aufgelöst werden („die Rentenreform umsetzen" statt „die Umsetzung der Reform des Rentensystems"). Wer den französischen Nominalstil Wort für Wort ins Deutsche kopiert, erzeugt schwerfällige, unidiomatische Sätze — die Auflösung in Verben ist das Kennzeichen einer gelungenen Übertragung.
Das Register wird vom Ausgangs- zum Zieltext angepasst, nicht mechanisch gespiegelt: Ein französischer Pressetext im registre courant wird zu klarem deutschen Standarddeutsch, ein essayistischer registre soutenu zu gehobenerem Deutsch — aber Stilfiguren des Originals werden NICHT übersetzt, sondern ihr Inhalt wird wiedergegeben. Die Mediation überträgt Information, nicht literarische Form.
Auf der Detailebene sind Formate anzupassen: Das französische Tausender-Trennzeichen ist ein schmales Leerzeichen (1 000 000), das deutsche traditionell ein Punkt (1.000.000); das Dezimalkomma gilt in beiden Sprachen. Solche scheinbaren Kleinigkeiten gehören zur sprachlichen Sorgfalt, die in der Bewertung mitzählt.
Schließlich sind die faux amis (falsche Freunde) in dieser Richtung aktiv zu prüfen: « la lecture » heißt „die Lektüre", nicht „die Lektion" (= la leçon); « la veste » heißt „die Jacke", nicht „die Weste" (= le gilet); « passer un examen » heißt „eine Prüfung ablegen", nicht „bestehen" (= réussir un examen); « la conférence » meint oft „der Vortrag", nicht nur „die Konferenz". Diese Verwechslungen sind eine der häufigsten Fehlerquellen und sollten im eigenen Fehlerprofil gezielt überwacht werden.
Musterlösung

Médiation FR→DE d'un extrait sur les gilets jaunes

Réalisez la médiation en allemand (env. 70 mots) du texte source français suivant, pour un lecteur allemand non informé : « Le mouvement des gilets jaunes, né en novembre 2018, dénonçait la hausse de la taxe sur les carburants. Les manifestants, vêtus du gilet de sécurité jaune obligatoire dans chaque voiture, occupaient les ronds-points. Ils réclamaient plus de justice fiscale et un référendum d'initiative citoyenne (RIC). »

  1. 01Schritt 1 — Kernaussagen markieren

    Drei Hauptaussagen: 1) Entstehung 2018 als Protest gegen Spritsteuer, 2) Symbol der gelben Warnweste + Besetzung der Kreisverkehre, 3) Forderungen nach Steuergerechtigkeit und Bürgerreferendum (RIC).

  2. 02Schritt 2 — Realien glossieren

    « gilet de sécurité jaune » ist die in Frankreich gesetzlich vorgeschriebene Warnweste — als verbindendes Symbol erklären. « référendum d'initiative citoyenne (RIC) » ist ein „von Bürgern angestoßenes Referendum" — auf Deutsch erläutern, da es das Instrument in dieser Form nicht gibt.

  3. 03Schritt 3 — Nominalstil auflösen und Register wählen

    Standarddeutsch, sachlich-informierend. « la hausse de la taxe » → „die Erhöhung der Steuer" oder verbal „weil die Steuer stieg".

  4. 04Schritt 4 — Zieltext formulieren

    Die Aussagen in flüssiges, adressatengerechtes Deutsch bringen, ohne Detailstatistik, mit knapper Erklärung der Symbole.

Ergebnis: Zieltext (ca. 70 Wörter): „Die Bewegung der gilets jaunes entstand im November 2018 als Protest gegen die geplante Erhöhung der Spritsteuer. Ihren Namen trägt sie nach der gelben Warnweste, die in Frankreich in jedem Auto Pflicht ist und so zum verbindenden Erkennungszeichen wurde. Die Demonstranten besetzten Kreisverkehre im ganzen Land. Sie forderten mehr Steuergerechtigkeit und ein von Bürgern angestoßenes Referendum (RIC) — ein direktdemokratisches Instrument, das es in Frankreich bislang nicht gibt." — Realien sind erklärt, der Nominalstil verbal aufgelöst.

Abiturfokus

  • Operator „zusammenfassen / wiedergeben": die Kernaussagen des französischen Textes für den deutschen Adressaten verständlich machen — Vollständigkeit vor stilistischer Eleganz.
  • Realien erkennen und glossieren: jeder französische kulturspezifische Begriff braucht eine knappe deutsche Erklärung in Klammern oder als Apposition.
  • Nominalstil auflösen: französische Substantivketten in flüssiges, verbales Deutsch übertragen, nicht Wort für Wort.
  • Adressatenbezug benennen: ein deutscher Schüler kennt das französische Schulsystem nicht — collège, lycée, bac müssen erklärt werden.
  • Den Quelltext zweimal lesen, bevor die deutsche Fassung entsteht; erst dann die drei bis fünf Hauptaussagen markieren.

Typische Fehler

  • Wörtliche Übersetzung französischer Wendungen („faire la grève" → „den Streik machen" statt „streiken").
  • Französische Realien unkommentiert übernommen — der deutsche Leser versteht „banlieue" oder „laïcité" nicht ohne Erklärung.
  • Falsche Freunde übersehen: « la conférence » als „Konferenz" statt „Vortrag", « passer un examen » als „eine Prüfung bestehen" statt „eine Prüfung ablegen".
  • Französischer Nominalstil ins Deutsche kopiert — schwerfällige Substantivketten statt verbaler Auflösung.
  • Register verfehlt: ein lockerer französischer Blogtext wird in steifes Behördendeutsch übertragen.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Vergleichen Sie systematisch die Anforderungen der beiden Richtungen DE→FR und FR→DE. In welche Richtung ist die sprachliche Korrektheit (correction linguistique) anspruchsvoller, weil man in der Fremdsprache produziert, und in welche die inhaltliche Treue, weil man eine fremdsprachige Quelle vollständig erfassen muss? Analysieren Sie an einem Beispiel die typischen Interferenzfehler (Nominalstil, faux amis, Satzbau), die beim Übertragen ins Deutsche bzw. ins Französische auftreten, und leiten Sie daraus gezielte Korrekturstrategien ab.

Aktive Wiederholung

Imaginez le texte source français suivant : « Depuis la réforme du bac de 2021, les lycéens français choisissent des spécialités dès la première. La laïcité reste un principe structurant de l'école publique. » Rédigez en 120-150 mots une médiation à destination d'un élève allemand qui ne connaît pas le système scolaire français. Glosez les réalités spécifiques (bac, spécialités, laïcité) et adaptez le registre.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

§ 04

Bewertung und Erwartungshorizont der Sprachmittlung#

●●○StandardLPF-Sprm-Raster-1.1

Kernpunkte

Die Sprachmittlung wird zweidimensional bewertet — und beide Dimensionen sind gleichwertig: die inhaltliche Leistung (Vollständigkeit, Auswahl, Adressatenbezug) und die sprachliche Leistung (Sprachrichtigkeit, Spektrum, Kohärenz). Diese Trennung zu kennen ist strategisch entscheidend, denn ein inhaltlich vollständiger, aber sprachlich fehlerhafter Text verliert ebenso Punkte wie ein sprachlich eleganter, der die Kerninformationen verfehlt. Beide Säulen müssen tragen.
Die Inhaltspunkte werden in der Regel über eine Checkliste der im Erwartungshorizont (le barème) gelisteten Teilaussagen vergeben: Für jede dort geforderte Kerninformation, die korrekt UND adressatengerecht wiedergegeben ist, gibt es einen Punkt. Daraus folgt eine klare Konsequenz für die Auswahl: Das Auslassen erlaubter Nebenaussagen ist KEIN Fehler — es ist sogar erwünscht —, das Auslassen einer geforderten Kerninformation kostet dagegen einen Punkt. Die Kunst der Mediation ist gerade, die punktbringenden Aussagen von den verzichtbaren zu trennen.
Der Adressatenbezug ist ein eigener, oft unterschätzter Bewertungspunkt. Er umfasst die Glossierung der kulturspezifischen Begriffe, die Wahl der korrekten Zieltextsorte (Mail, Brief, Bericht, Artikel) und das passende Register. Wer einen kulturspezifischen Begriff unerklärt lässt oder die geforderte Textsortenkonvention missachtet, verschenkt hier sicher erreichbare Punkte — und zwar unabhängig davon, wie vollständig der Inhalt ist.
Bei der Sprachrichtigkeit (la correction linguistique) wiegen systematische Fehler (Genus, accord, Tempuswahl, Konjugation) schwerer als gelegentliche Flüchtigkeitsfehler, weil sie eine Lücke in der Kompetenz anzeigen. In französischen Zieltexten zählen besonders der accord du participe passé und die korrekten subjonctif-Auslöser; in deutschen Zieltexten die Kasus- und Verbstellung. Ein eigenes Fehlerprofil zu kennen und es in der Schlussrelecture gezielt zu prüfen, ist hier die wirksamste Strategie.
Das Spektrum (l'étendue / la richesse de la langue) belohnt idiomatische Reformulierung und variablen Wortschatz, während die reine Quelltext-Übernahme (le calque) abgewertet wird. Hier zahlt sich die Beherrschung der Mediationstechniken unmittelbar aus: Wer paraphrasiert, synthetisiert und mit eigenen Konnektoren verknüpft, zeigt sprachliche Selbstständigkeit; wer am Wortlaut der Quelle klebt, zeigt das Gegenteil.
Zwei Faktoren wirken übergreifend. Die Wortzahl-Toleranz beträgt meist rund ±10 %: deutliches Überschreiten kostet Aufbau- und Kohärenzpunkte (mangelnde Auswahl), deutliches Unterschreiten Inhaltspunkte (fehlende Kernaussagen). Und die wörtliche Übersetzung statt Mediation gilt als methodischer Grundfehler, der zugleich in der inhaltlichen UND der sprachlichen Dimension Abzüge nach sich zieht — sie verfehlt das Wesen der Aufgabe und sollte daher in jeder Relecture aktiv aufgespürt werden.

Abiturfokus

  • Operator „beurteilen": einen Beispieltext gegen einen Erwartungshorizont prüfen und die fehlenden Kerninformationen benennen.
  • Vor der Abgabe gegen eine eigene Checkliste prüfen: alle Kernaussagen? Adressat respektiert? Textsorte erkennbar? Wortzahl im Rahmen?
  • Glossierungen explizit setzen — sie sind ein eigener Bewertungspunkt, kein optionaler Zusatz.
  • Systematische Fehlerquellen vor der Klausur identifizieren (eigenes Fehlerprofil) und gezielt in der Schlussrelecture prüfen.
  • Calque (wörtliche Quelltext-Übernahme) im eigenen Text aufspüren und reformulieren.

Typische Fehler

  • Annahme, eine vollständige Inhaltswiedergabe garantiere die volle Punktzahl — ohne Adressatenbezug und Reformulierung fehlen Punkte.
  • Erwartete Kerninformationen ausgelassen, dafür unwichtige Details aufgenommen.
  • Glossierung kulturspezifischer Begriffe vergessen — verfehlt einen eigenen Bewertungspunkt.
  • Wortzahl massiv überschritten in der Annahme „mehr Inhalt = mehr Punkte" — kostet Kohärenz.
  • Sprachfehler im Zieltext ignoriert, weil „der Inhalt stimmt" — Sprachrichtigkeit ist eine eigene, gleichwertige Dimension.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Erstellen Sie selbst einen Erwartungshorizont (un barème) für eine Mediationsaufgabe: Definieren Sie die geforderten Kerninformationen, die nötigen Glossierungen und die Textsortenmerkmale und legen Sie eine Punkteverteilung zwischen inhaltlicher und sprachlicher Leistung fest. Wenden Sie diesen Raster auf eine eigene oder fremde Beispielmediation an und reflektieren Sie, wie das Bewusstsein für die Bewertungslogik die eigene Textproduktion steuert — vom blinden Schreiben zum kriteriengeleiteten Verfassen.

Aktive Wiederholung

Évaluez la médiation fictive suivante (FR→DE) selon les deux dimensions (contenu / langue) : un texte source mentionne quatre informations-clés, mais l'élève n'en restitue que deux, ne glose aucune réalité et commet trois fautes d'accord. Identifiez les points perdus dans chaque dimension et formulez deux conseils concrets d'amélioration.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

§ 05

Textsorten und Aufgabentypen der Mediation#

●○○BasisLPF-Sprm-4.1

Kernpunkte

Die Aufgabenstellung legt immer eine bestimmte Zieltextsorte fest, und diese ist verbindlich: courriel (E-Mail), lettre (Brief), compte-rendu (Bericht), article (Artikel für eine Schülerzeitung oder einen Blog), note d'information (knappe Infonotiz) oder résumé pour un forum (Forumsbeitrag). Die Textsorte ist kein dekorativer Rahmen, sondern bestimmt Register, Aufbau und Anredeform zugleich. Sie zuerst zu identifizieren — gemeinsam mit Adressat und Funktion — ist der erste Arbeitsschritt jeder Mediation.
Courriel und lettre folgen festen Konventionen, deren Fehlen sofort Textsorten- und Aufgabenpunkte kostet: eine Anrede (« Cher Paul », vertraulich; « Madame, Monsieur », formell), ein Einleitungssatz, der den Anlass nennt (« Je t'écris pour te raconter… »), ein strukturierter Hauptteil und eine passende Schlussformel (« Cordialement », « Bien à vous », formeller « Je vous prie d'agréer, Madame, Monsieur, mes salutations distinguées »). Das Register richtet sich nach dem Empfänger — Brief an eine Behörde: soutenu und vouvoiement; Mail an einen Brieffreund: courant und tutoiement.
Der compte-rendu (Bericht) ist sachlich-neutral, in der dritten Person gehalten, trägt oft eine Überschrift und gliedert den Stoff in klar getrennte Absätze nach Themenaspekten. Er nutzt typische Berichtsmarker der Quellenangabe (« selon l'article », « d'après l'auteur », « le texte indique que »), die die Information vom Mittler distanzieren — er referiert, er wertet nicht. Diese Distanz ist sein Stilmerkmal.
Der article (für eine Schülerzeitung oder einen Blog) verlangt einen Titel und einen einleitenden chapeau (kursiver Vorspann), einen ansprechenden, aber sachlich fundierten Ton und nicht selten eine direkte Frage an die Leserschaft. Die note d'information dagegen ist äußerst knapp, faktenorientiert, in Stichwort- bis Satzform und für die interne Weitergabe gedacht. Jede dieser Textsorten hat eigene sprachliche Marker, die man bewusst setzt, damit der Text als das erkennbar ist, was er sein soll.
Über alle Textsorten hinweg gilt: Die im Quelltext angelegte Funktion (informieren, überzeugen, warnen, appellieren) muss in der Zieltextsorte erhalten bleiben. Ein überzeugender Appell darf nicht zu einer neutralen Aufzählung verflachen, eine Warnung nicht zur beiläufigen Notiz werden. Die Mediation überträgt also nicht nur den Inhalt, sondern auch die kommunikative Absicht des Originals — angepasst an die neue Form und den neuen Adressaten.

Abiturfokus

  • Operator „darstellen / présenter": die im Quelltext enthaltenen Informationen in der geforderten Zieltextsorte adressatengerecht aufbereiten.
  • Aufgabenstellung zuerst lesen: Welche Textsorte? Welcher Adressat? Welche Funktion? — alle drei steuern Form und Register.
  • Textsortenmarker bewusst setzen: Anrede + Schlussformel bei Mail/Brief, Überschrift + Absätze beim Bericht, chapeau beim Artikel.
  • Funktion des Quelltextes (informieren / überzeugen) in die Zieltextsorte übertragen.
  • Konventionsfehler vermeiden: eine Mail ohne Anrede und Schlussformel verliert Textsorten- und Aufgabenpunkte.

Typische Fehler

  • Zieltextsorte ignoriert — der Text liest sich wie eine generische Zusammenfassung statt wie eine Mail oder ein Bericht.
  • Anrede oder Schlussformel bei Mail/Brief vergessen.
  • Falsches Register für die Textsorte (Du-Anrede in einem formellen Brief an eine Behörde).
  • Funktion des Quelltextes verfehlt: ein überzeugender Appell wird zu einer neutralen Aufzählung.
  • Überschrift / chapeau beim Artikel weggelassen, sodass die Textsorte nicht erkennbar ist.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Übertragen Sie dieselbe Quellinformation in zwei verschiedene Zieltextsorten — etwa in eine formelle lettre an eine Behörde und in einen lockeren Forumsbeitrag — und arbeiten Sie heraus, wie sich Anrede, Register, Satzbau und Konnektoren je nach Textsorte und Adressat verändern, obwohl der Inhalt identisch bleibt. Reflektieren Sie, dass die Textsorte eine soziale Konvention ist, deren Beherrschung ebenso zur kommunikativen Kompetenz gehört wie das Vokabular.

Aktive Wiederholung

Présentez sous forme de courriel (env. 130 mots) à un correspondant français les informations principales d'un texte source allemand sur un projet scolaire d'échange. Respectez les conventions du courriel : formule d'appel, phrase d'introduction motivant l'envoi, corps structuré, formule de politesse finale. Indiquez le registre choisi et justifiez-le.

Aktiv abrufen

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§ 06

Zeitmanagement und Strategie im Sprachmittlungsteil#

●○○BasisLPF-Sprm-5.1

Kernpunkte

Der Sprachmittlungsteil ist in der Klausur ein zeitlich begrenzter Baustein — je nach Bundesland und Anforderungsniveau typischerweise 45 bis 70 Minuten — und steht neben höher gewichteten Aufgaben. Genau deshalb ist striktes Zeitmanagement keine Nebensache, sondern punktentscheidend: Wer hier überzieht, nimmt sich die Zeit für die schwerer gewichteten Klausurteile. Eine harte innere Stoppuhr ist daher die erste Strategie.
Bewährt hat sich eine feste Phasenaufteilung der verfügbaren Zeit: etwa 20 % Lesen und Markieren, 15 % Plan in Stichworten, 50 % Verfassen und 15 % Relecture (Schlusskorrektur). Diese Verteilung schützt die beiden Phasen, die unter Zeitdruck zuerst geopfert werden — die Planung und die Korrektur —, obwohl gerade sie über Kohärenz und Sprachrichtigkeit entscheiden. Die Aufteilung sollte vor der Klausur an Übungsaufgaben eingeübt werden, bis sie automatisch sitzt.
Die Lesephase verlangt ein zweimaliges Lesen mit unterschiedlichem Ziel: beim ersten Mal global (Thema, Funktion und Adressat des Quelltextes erfassen), beim zweiten Mal markierend (die drei bis fünf Kernaussagen und die zu glossierenden Realien unterstreichen). Erst dieses gezielte zweite Lesen liefert das Material, aus dem der Zieltext entsteht — wer nur einmal liest, übersieht regelmäßig eine geforderte Kerninformation.
Der Plan in Stichworten ordnet fünf bis acht Kernpunkte in der geplanten Reihenfolge des ZIELtextes an — die nicht der Reihenfolge der Quelle entsprechen muss. Dieser kurze Plan sichert Vollständigkeit und Kohärenz und ersetzt den Vollentwurf, für den die Zeit fehlt: Man schreibt anschließend direkt ins Reine, geleitet vom Stichwortplan, nicht von einer zweiten Rohfassung.
Die Relecture erfolgt in drei getrennten Durchgängen, weil das Auge nicht alles gleichzeitig prüfen kann: 1) Inhalt und Adressatenbezug (Sind alle Kernaussagen da? Ist die Textsorte erkennbar?), 2) Grammatik (accord, Tempus, Genus, Satzbau), 3) Orthografie und Textsortenkonventionen (Anrede, Schlussformel). Dieses gestufte Korrigieren fängt deutlich mehr Fehler ab als ein einziges, diffuses Durchlesen.
Schließlich der Umgang mit dem Wörterbuch (falls zugelassen): Es ist nur für zwei bis drei wirklich kritische Begriffe zu nutzen, niemals als Sicherheitsnetz für jeden Zweifel. Häufiges Nachschlagen ist der größte verdeckte Zeitfresser des Sprachmittlungsteils; das schnelle, gezielte Nachschlagen sollte vorab trainiert werden, damit es in der Klausur Sekunden statt Minuten kostet.

Abiturfokus

  • Operator „erläutern": die eigene Zeit- und Arbeitsplanung für den Sprachmittlungsteil begründet darlegen.
  • Den Plan in Stichworten erstellen, bevor der erste Satz geschrieben wird — er sichert Vollständigkeit und Kohärenz.
  • Relecture-Zeit fest einplanen und nicht für zusätzlichen Inhalt opfern.
  • Wörterbuchnutzung auf wenige Schlüsselbegriffe begrenzen — Geschwindigkeit beim Nachschlagen vorher trainieren.
  • Den Quelltext in Zielsprachreihenfolge umstrukturieren, statt linear zu folgen.

Typische Fehler

  • Sofortiges Drauflosschreiben ohne Plan — führt zu Lücken und unausgewogener Gewichtung.
  • Zu viel Zeit im Sprachmittlungsteil — die anderen, höher gewichteten Aufgaben leiden.
  • Relecture komplett ausgelassen — vermeidbare accord- und Tempusfehler bleiben stehen.
  • Wörterbuch für jeden Zweifel konsultiert — massiver Zeitverlust.
  • Linear dem Quelltext gefolgt, obwohl eine adressatengerechte Umstrukturierung sinnvoller wäre.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Entwickeln Sie eine individuelle Klausurstrategie für den gesamten Prüfungsteil, die das Zeitmanagement der Sprachmittlung mit den anderen, höher gewichteten Aufgaben (Textanalyse, Stellungnahme) abstimmt. Begründen Sie, in welcher Reihenfolge Sie die Aufgaben bearbeiten würden, wie Sie Pufferzeiten setzen und wie Sie auf der Grundlage Ihres persönlichen Fehlerprofils die Relecture-Phase priorisieren, um den Punkteertrag pro Minute zu maximieren.

Aktive Wiederholung

Établissez un emploi du temps détaillé pour un exercice de médiation de 60 minutes (texte source de 300 mots, médiation cible de 200 mots). Indiquez la durée de chaque phase (lecture, plan, rédaction, relecture) et expliquez en deux phrases comment vous limiteriez l'usage du dictionnaire.

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Inhalt

Abschnitt -- / 06

    • 01Grundprinzipien — Adressat, Funktion, Inhalt○
    • 02Techniken — paraphrase, abstraction, glossierung◐
    • 03Richtung FR→DE — Vermittlung französischer Quellen ins Deutsche◐
    • 04Bewertung und Erwartungshorizont der Sprachmittlung◐
    • 05Textsorten und Aufgabentypen der Mediation○
    • 06Zeitmanagement und Strategie im Sprachmittlungsteil○

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Aus den Notizen ins Training

Sprachmittlung DE↔FR — médiation linguistique

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