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Notizen/Deutsch/KMK-Operatoren — Aufgabenverben sicher entschlüsseln
Notizen · DeutschDE · Abitur

KMK-Operatoren — Aufgabenverben sicher entschlüsseln

Verbindliche Grundlage für die Aufgabenverben sind die KMK-Bildungsstandards für die Allgemeine Hochschulreife im Fach Deutsch (2012, für das Abitur aller Länder seit 2016/17 maßgeblich; sie lösten die älteren EPA Deutsch von 2002 ab). Sie definieren die Operatoren (analysieren, interpretieren, erörtern, beurteilen, gestalten u. a.) und ordnen sie den drei Anforderungsbereichen (AB I — Reproduktion, AB II — Reorganisation/Transfer, AB III — Reflexion/Urteil) zu; die konkreten Operatorenlisten werden je nach Land bzw. durch das IQB ausgeschärft. Wer die Operatoren nicht versteht, schreibt am Auftrag vorbei — der häufigste vermeidbare Punktverlust im Abitur.

6 Abschnitte·~23 Min Lesezeit·4 Kompetenzen·Niveau Basis 2 · Standard 2 · Vertiefung 2·Stand 06/2026

T·0999 / 12
Prüfungsprofil
KMK-EPA · KMK-Bildungsstandards Deutsch AHR 2012 (Operatoren; Nachfolge der EPA Deutsch 2002)KMK-AB-I · Anforderungsbereich I — ReproduktionKMK-AB-II · Anforderungsbereich II — Reorganisation und TransferKMK-AB-III · Anforderungsbereich III — Reflexion und Urteil
Operatoren:beschreibenzusammenfassenwiedergebenanalysierenuntersuchenerläuterneinordnenvergleicheninterpretierenerörternbeurteilenStellung nehmengestaltenverfassen

grundlegendes Niveau

gA-Niveau: alle Operatoren der drei Anforderungsbereiche sicher unterscheiden und in der Aufgabenanalyse benennen. Pro Operator den geforderten kognitiven Schritt (z. B. „analysieren" = Struktur und Verfahren herausarbeiten, „interpretieren" = Bedeutung deuten) klar realisieren.

erhöhtes Niveau

eA-Niveau: Operatorenkombinationen (mehrgliedrige Aufgaben) angemessen gewichten; Reflexion über die Grenze zwischen „erörtern" und „beurteilen", zwischen „analysieren" und „interpretieren"; bei „gestalten" sicheres Wechselspiel zwischen analytischer Vorarbeit und produktiver Umsetzung.

Tiefe

Lesetiefe: Vertiefung

Schrift

Schriftgröße: Standard

Inhalt · 6 Abschnitte▾
  1. KMK-Operatoren — Aufgabenverben sicher entschlüsseln
    • 01Operatoren-Überblick und die drei Anforderungsbereiche○
    • 02„wiedergeben", „zusammenfassen", „beschreiben" — die Reproduktionsoperatoren (AB I)○
    • 03„analysieren" vs. „interpretieren" — die zentrale Achse◐
    • 04„erörtern", „beurteilen", „Stellung nehmen" — die Urteilsoperatoren◐
    • 05„gestalten" — der produktive Operator●
    • 06Operatoren im Bundeslandvergleich — Akzentdifferenzen●
§ 01

Operatoren-Überblick und die drei Anforderungsbereiche#

●○○BasisLPKMK-EPA

KMK-Operatoren im Fach Deutsch — drei Anforderungsbereiche

KMK-Operatoren — drei AnforderungsbereicheTabelle mit 3 Spalten und 3 Zeilen, Daten: Anforderungsbereich · Operatoren · Gewicht; AB I · Reproduktion · nennen, wiedergeben, darstellen, beschreiben, zusammenfassen, zitieren · ca. 20–30 %; AB II · Reorganisation · analysieren, vergleichen, erklären, einordnen, erläutern, charakterisieren, untersuchen · Kernzone; AB III · Reflexion · interpretieren, erörtern, beurteilen, diskutieren, Stellung nehmen, gestalten, prüfen · LK-Schwerpunkt, hervorgehobene Zelle: AB III · ReflexionANFORDERUNGSBEREICHOPERATORENGEWICHTAB I ·REPRODUKTIONnennen, wiedergeben,darstellen, beschreiben,zusammenfassen, zitierenca. 20–30 %AB II ·REORGANISATIONanalysieren, vergleichen,erklären, einordnen,erläutern, charakterisieren,untersuchenKernzoneAB III · REFLEXIONinterpretieren, erörtern,beurteilen, diskutieren,Stellung nehmen, gestalten,prüfenLK-SchwerpunktKMK-Bildungsstandards Deutsch 2012; je nach Landkonkretisiert.
Abb. 1AB I (Reproduktion), AB II (Reorganisation/Transfer), AB III (Reflexion/Beurteilung) — Operatoren auf Säulen verteilt.

Kernpunkte

Operatoren sind die Arbeits- oder Aufgabenverben, die in jeder Abituraufgabe die geforderte Denkleistung präzise festlegen — „analysieren", „erörtern", „beurteilen", „gestalten" und so fort. Sie sind kein bloßes Beiwerk, sondern der Schlüssel zur Aufgabe: Wer den Operator überliest oder falsch deutet, bearbeitet die Aufgabe am Auftrag vorbei und verschenkt Punkte, mag der Inhalt noch so richtig sein. Die KMK definiert die Operatoren bundesweit verbindlich; die Länder und das IQB schärfen sie in eigenen Materialien aus. Der erste Schritt jeder Klausur ist daher die Aufgabenanalyse: den Operator markieren, seine Bedeutung präzisieren und das geforderte Vorgehen daraus ableiten.
Geordnet werden die Operatoren über die drei Anforderungsbereiche, in welche die KMK die prüfungsrelevanten kognitiven Leistungen gliedert (siehe Abb. zur Operatoren-Matrix). AB I ist die Reproduktion: das Wiedergeben von Wissen, Inhalten und Strukturen ohne eigene Wertung. AB II ist die Reorganisation und der Transfer: das Anwenden des Gelernten auf einen neuen Gegenstand, also Analyse, Erläuterung, Einordnung und Vergleich. AB III ist die Reflexion und das Urteil: die eigenständige, kritische Auseinandersetzung — Interpretation als Sinngesamtdeutung, Erörterung, Beurteilung und produktive Gestaltung. Die drei Bereiche steigern sich von der Wiedergabe über die Anwendung zur selbständigen Bewertung.
Den Anforderungsbereichen sind typische Operatoren zugeordnet: AB I — beschreiben, zusammenfassen, wiedergeben, nennen; AB II — analysieren, untersuchen, erläutern, einordnen, vergleichen; AB III — interpretieren, erörtern, beurteilen, Stellung nehmen, gestalten. Diese Zuordnung ist allerdings keine starre 1:1-Beziehung: Manche Operatoren (etwa „interpretieren") schlagen je nach Aufgabenkontext eine Brücke von AB II nach AB III, und die Länder gewichten unterschiedlich. Die Zuordnung dient der Orientierung, ersetzt aber nicht die genaue Lektüre des konkreten Auftrags.
Eine Abituraufgabe verteilt die Anforderungen typischerweise auf etwa 20–30 % AB I, 40–50 % AB II und 20–30 % AB III — der Mittelblock (AB II, die Analyse) trägt also das meiste Gewicht, und der reflektierende Schluss (AB III) darf nicht ausfallen. Dieses Verhältnis hat eine praktische Konsequenz für die Zeit- und Schwerpunktplanung: Wer die ganze Klausurzeit in der reproduzierenden Inhaltswiedergabe (AB I) verbringt, erreicht nur den kleinsten Punkteblock, und wer mit der Analyse endet, ohne zu deuten oder zu urteilen, verschenkt den oberen Bereich.
Operatoren sind nicht synonym, und ihre feinen Unterschiede sind punkterelevant: „darstellen" verlangt die geordnete, wertungsfreie Wiedergabe; „erläutern" verlangt die strukturierte Erklärung mit Beispielen; „erklären" zielt auf die Angabe von Gründen und Ursachen; „analysieren" verlangt die zergliedernde Untersuchung mit Funktionsdeutung. Der Operator legt zugleich das Methodenset fest: Bei „analysieren" sind die Werkzeuge der Textanalyse (Stilmittel, Erzählinstanz, Argumentationsstruktur) gefordert, bei „erörtern" die Argumentationsverfahren (Pro-Contra, materialgestützte Abwägung). Den Operator zu kennen heißt also, das richtige Werkzeug zu wählen.
In einer mehrteiligen Aufgabe ist die Reihenfolge der Operatoren sachlogisch aufgebaut, meist AB I → AB II → AB III: Erst wird wiedergegeben, dann analysiert, schließlich beurteilt — ein Beurteilungsauftrag ohne vorherige Analyse ist kaum zu erfüllen, weil ihm die Grundlage fehlt. Jeder Operator einer mehrgliedrigen Aufgabe ist gesondert und vollständig zu bedienen, ohne die Teile zu vermischen oder einen Operator durch einen schwächeren zu ersetzen. Das „Abschwächen" — etwa nur zu beschreiben, wo erörtert werden soll — wertet die KMK als Aufgabenverfehlung.
Schließlich konkretisieren die Länder die einheitliche KMK-Grundbedeutung in eigenen Operatorenheften (Bayern/ISB, Baden-Württemberg/ZPG, NRW, Niedersachsen u. a.): Die Grundbedeutung ist bundesweit gleich, die Detail-Akzente unterscheiden sich (siehe den Abschnitt „Operatoren im Bundeslandvergleich"). Praktisch heißt das: Vor dem Abitur ist das Operatorenheft des eigenen Landes durchzuarbeiten, damit die geforderte Methodenwahl sicher sitzt. Der Operator ist nicht mit dem Schwierigkeitsgrad zu verwechseln — „beurteilen" ist nicht automatisch „schwerer" als „analysieren", sondern verlangt eine andere Leistung.
Musterlösung

Operator „untersuchen" — Analyse eines Sachtexts in fünf Schritten

Untersuchen Sie einen aktuellen Zeitungskommentar zur deutschen Energiepolitik (ca. 600 Wörter) hinsichtlich Argumentationsverlauf, sprachlicher Mittel und Adressatenbezug.

  1. 01Schritt 1 — Erstlektüre und Verortung

    Schneller Überblick: Autor, Erscheinungsort, Datum, Anlass, Textsorte (Kommentar — meinungsorientiert). Schon hier den Hauptthese-Satz markieren („Position des Autors") und drei tragende Argumente unterstreichen.

  2. 02Schritt 2 — Argumentationsverlauf rekonstruieren

    Sinnabschnitte bilden und überschriften: „1. Anlass", „2. Hauptthese", „3. Argument A — Versorgungssicherheit", „4. Argument B — Klimaziele", „5. Gegenargument", „6. Schluss". Argumenttypen klassifizieren (Faktenargument, normatives Argument, Autoritätsargument).

  3. 03Schritt 3 — Sprachliche Mittel analysieren

    Drei bis fünf rhetorische Verfahren benennen: rhetorische Fragen, Personifikationen („die Politik versagt"), Antithesen, Ironie, Wir-Inklusion. Pro Mittel: Beleg (paraphrasiert), Funktion (Wirkung auf den Leser), Deutung (was leistet das im Argumentationsgefüge?).

  4. 04Schritt 4 — Adressatenbezug

    Wen spricht der Text an? Welches Vorwissen wird vorausgesetzt? Welche Identifikationsangebote (Wir-Form, Inklusionsmarker) werden gemacht? Wo wird konkret appelliert? Die Adressaten-Analyse bindet die Mittel zurück an die kommunikative Funktion.

  5. 05Schritt 5 — Bündelung in einer Schlussthese

    Die Analyse mündet in eine wertende Schlussthese: „Der Kommentar überzeugt durch eine klare Antithese-Struktur und appelliert an klimapolitisches Verantwortungsbewusstsein; die Schwäche liegt in der einseitigen Verwendung von Autoritätsargumenten ohne empirische Belege." Wertend, aber sachlich.

Ergebnis: Fünfschrittige Sachtextanalyse, ca. 50 % Inhalt + 50 % sprachliche Analyse. KMK-Operator „untersuchen" verlangt mehrschrittiges Vorgehen mit Belegen — bloßes Aufzählen genügt nicht.

Abiturfokus

  • Den Operator vor jeder Aufgabe identifizieren und benennen — „die Aufgabe verlangt die Operation X".
  • Den Anforderungsbereich des Operators bestimmen (AB I / II / III) und die Punktegewichtung einplanen.
  • Bei mehrteiligen Aufgaben jeden Operator gesondert und vollständig bedienen.
  • Den Operator nicht „abschwächen" (statt erörtern nur beschreiben) — das gilt als Aufgabenverfehlung.
  • Den Operator vom Schwierigkeitsgrad trennen — er bezeichnet die Art, nicht das Niveau der Leistung.

Typische Fehler

  • Alle Aufgaben werden gleich („interpretieren-artig") behandelt, auch wenn „analysieren" oder „erörtern" gefordert ist.
  • AB III wird übersprungen — die Klausur endet mit der Analyse, das Urteil fehlt.
  • Operatoren werden vermischt, obwohl die mehrteilige Aufgabe sie sukzessiv verlangt.
  • Die landesspezifische Operatorenkonkretisierung wird ignoriert — z. B. wird „darlegen" je nach Land enger oder weiter gefasst.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Reflektieren Sie, warum die KMK kognitive Leistungen in drei Anforderungsbereiche staffelt und warum die Zuordnung von Operator und Anforderungsbereich keine starre 1:1-Beziehung ist. Zeigen Sie an „interpretieren", wie derselbe Operator je nach Aufgabenkontext zwischen AB II und AB III changieren kann.

Aktive Wiederholung

Wählen Sie drei Aufgabenstellungen aus früheren Abiturpools (z. B. IQB-Sek-II-Pool, paraphrasiert) und erstellen Sie eine Tabelle: Bestimmen Sie für jede Aufgabe den Operator, den Anforderungsbereich und das erwartete Methodenset und begründen Sie Ihre Zuordnung.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Bildungsstandards im Fach Deutsch für die Allgemeine Hochschulreife (KMK 2012) (Kultusministerkonferenz) · IQB Aufgabenpool Sekundarstufe II Deutsch — Beispiel- und Vergleichsaufgaben (Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen)

§ 02

„wiedergeben", „zusammenfassen", „beschreiben" — die Reproduktionsoperatoren (AB I)#

●○○BasisLPKMK-EPALPKMK-AB-I

KMK-Operatoren im Fach Deutsch — drei Anforderungsbereiche

KMK-Operatoren — drei AnforderungsbereicheTabelle mit 3 Spalten und 3 Zeilen, Daten: Anforderungsbereich · Operatoren · Gewicht; AB I · Reproduktion · nennen, wiedergeben, darstellen, beschreiben, zusammenfassen, zitieren · ca. 20–30 %; AB II · Reorganisation · analysieren, vergleichen, erklären, einordnen, erläutern, charakterisieren, untersuchen · Kernzone; AB III · Reflexion · interpretieren, erörtern, beurteilen, diskutieren, Stellung nehmen, gestalten, prüfen · LK-Schwerpunkt, hervorgehobene Zelle: AB III · ReflexionANFORDERUNGSBEREICHOPERATORENGEWICHTAB I ·REPRODUKTIONnennen, wiedergeben,darstellen, beschreiben,zusammenfassen, zitierenca. 20–30 %AB II ·REORGANISATIONanalysieren, vergleichen,erklären, einordnen,erläutern, charakterisieren,untersuchenKernzoneAB III · REFLEXIONinterpretieren, erörtern,beurteilen, diskutieren,Stellung nehmen, gestalten,prüfenLK-SchwerpunktKMK-Bildungsstandards Deutsch 2012; je nach Landkonkretisiert.
Abb. 2AB I (Reproduktion), AB II (Reorganisation/Transfer), AB III (Reflexion/Beurteilung) — Operatoren auf Säulen verteilt.

Kernpunkte

AB-I-Operatoren verlangen die strukturierte Reproduktion von Inhalten und Strukturen ohne eigene Wertung. Sie sind die Pflichtbasis fast jeder mehrteiligen Abituraufgabe und entscheiden über den ersten, sicher erreichbaren Punkteblock.
„Wiedergeben" verlangt die Reproduktion eines Inhalts in eigenen Worten (Paraphrase), sachlich und vollständig, aber gestrafft. „Zusammenfassen" verlangt die komprimierende Wiedergabe der zentralen Aussagen unter Auslassung von Beiwerk; das Verhältnis von Original zu Zusammenfassung beträgt grob 4:1 bis 6:1.
„Beschreiben" verlangt die geordnete Darstellung eines Sachverhalts, einer Struktur oder eines Verfahrens (etwa eines Aufbaus, eines Bildes, eines Diagramms) — ohne Deutung und ohne Wertung.
Die Inhaltsangabe ist die schulische Standardform des Zusammenfassens: Präsens, sachlicher Stil, indirekte Rede für Figurenäußerungen, kein Zitat, keine Spannungsdramaturgie, keine eigene Meinung. Sie nennt zu Beginn Autor, Titel, Textsorte, Thema (der „Basissatz").
AB-I-Leistungen sind nicht „trivial": eine präzise, vollständige und wertungsfreie Wiedergabe ist anspruchsvoll und wird in jeder Klausur erwartet — eine fehlerhafte Inhaltswiedergabe untergräbt die folgende Analyse.
Abgrenzung: „wiedergeben" und „zusammenfassen" gehören zu AB I; sobald Funktionen gedeutet oder Verfahren erklärt werden, ist die Schwelle zu AB II (analysieren, erläutern) überschritten — diese Grenze muss bewusst eingehalten werden.
Tempus- und Modusdisziplin: die Inhaltsangabe steht im Präsens; Figurenreden werden in den Konjunktiv I der indirekten Rede überführt — ein häufiges Bewertungskriterium der sprachlichen Leistung.

Abiturfokus

  • Basissatz korrekt setzen: Autor, Titel, Textsorte, Erscheinungsjahr, Kernthema in einem Satz.
  • Wertungsfreiheit halten — der Operator „zusammenfassen" duldet keine Deutung; jede Funktionsaussage gehört in den Analyseteil.
  • Kompressionsgrad treffen — eine Zusammenfassung, die fast so lang ist wie das Original, verfehlt den Operator.
  • Tempus (Präsens) und indirekte Rede (Konjunktiv I) konsequent durchhalten — die sprachliche Leistung wird mitbewertet.

Typische Fehler

  • Die Zusammenfassung wird zur verkappten Interpretation — Deutungen und Wertungen schleichen sich in den Reproduktionsteil.
  • Der Basissatz fehlt oder ist unvollständig — Textsorte oder Thema werden nicht genannt.
  • Spannungserzeugende Nacherzählung statt sachlicher Inhaltsangabe — Cliffhanger und Wertungen statt geordneter Wiedergabe.
  • Wechsel ins Präteritum oder wörtliche Figurenrede statt Präsens und Konjunktiv I.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Reflektieren Sie, warum die KMK auch im erhöhten Anforderungsniveau einen AB-I-Anteil verlangt. Inwiefern ist eine präzise, wertungsfreie Wiedergabe selbst eine analytische Leistung (Erfassung von Hauptaussage und Argumentationskern)? Querverweis: Die Reproduktionsdisziplin trägt unmittelbar in das Thema „Lesen" (selektives und detailliertes Erschließen) und in „Schreiben" (Materialwiedergabe beim materialgestützten Verfassen).

Aktive Wiederholung

Geben Sie den Inhalt eines pragmatischen Textes (ca. 600 Wörter) in einer wertungsfreien Zusammenfassung von ca. 120 Wörtern wieder. Beginnen Sie mit einem vollständigen Basissatz und halten Sie Präsens sowie indirekte Rede konsequent durch.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Bildungsstandards im Fach Deutsch für die Allgemeine Hochschulreife (KMK 2012) (Kultusministerkonferenz) · IQB Aufgabenpool Sekundarstufe II Deutsch — Beispiel- und Vergleichsaufgaben (Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen)

§ 03

„analysieren" vs. „interpretieren" — die zentrale Achse#

●●○StandardLPKMK-EPALPKMK-AB-IILPKMK-AB-III

KMK-Operatoren im Fach Deutsch — drei Anforderungsbereiche

KMK-Operatoren — drei AnforderungsbereicheTabelle mit 3 Spalten und 3 Zeilen, Daten: Anforderungsbereich · Operatoren · Gewicht; AB I · Reproduktion · nennen, wiedergeben, darstellen, beschreiben, zusammenfassen, zitieren · ca. 20–30 %; AB II · Reorganisation · analysieren, vergleichen, erklären, einordnen, erläutern, charakterisieren, untersuchen · Kernzone; AB III · Reflexion · interpretieren, erörtern, beurteilen, diskutieren, Stellung nehmen, gestalten, prüfen · LK-Schwerpunkt, hervorgehobene Zelle: AB III · ReflexionANFORDERUNGSBEREICHOPERATORENGEWICHTAB I ·REPRODUKTIONnennen, wiedergeben,darstellen, beschreiben,zusammenfassen, zitierenca. 20–30 %AB II ·REORGANISATIONanalysieren, vergleichen,erklären, einordnen,erläutern, charakterisieren,untersuchenKernzoneAB III · REFLEXIONinterpretieren, erörtern,beurteilen, diskutieren,Stellung nehmen, gestalten,prüfenLK-SchwerpunktKMK-Bildungsstandards Deutsch 2012; je nach Landkonkretisiert.
Abb. 3AB I (Reproduktion), AB II (Reorganisation/Transfer), AB III (Reflexion/Beurteilung) — Operatoren auf Säulen verteilt.

Kernpunkte

„Analysieren" (AB II) verlangt die strukturierte Untersuchung eines Textes hinsichtlich seiner formalen, sprachlichen und inhaltlichen Verfahren — Beobachtung und Funktionsdeutung, ohne Sinngesamtdeutung.
„Interpretieren" baut auf der Analyse auf und fügt die Sinngesamtdeutung hinzu: das Was-bedeutet-der-Text-als-Ganzes wird begründet beantwortet. In vielen KMK-/Länder-Operatorenkatalogen wird „interpretieren" dem AB II zugeordnet, während die vollständige literarische Interpretation (mit Sinngesamtdeutung) die Bereiche AB II–III umfasst; es gibt keine strikte 1:1-Zuordnung von Operator zu Anforderungsbereich.
Eine Analyse kann ohne Interpretation gelingen (z. B. „Analysieren Sie die rhetorischen Verfahren der Eröffnungsstrophe"); eine Interpretation ohne vorgängige Analyse ist unbegründet.
Praktische Differenz: bei „analysieren" enden die Sätze oft mit Funktionsdeutung („die Alliteration verstärkt die Klangbindung an die Volksliedtradition"); bei „interpretieren" enden sie mit Bedeutungsdeutung („der Text inszeniert die Sehnsucht nach einer verlorenen Einheit").
Der Operator „untersuchen" (AB II) ist ein Synonym von „analysieren", oft mit leicht offenerer Methodenwahl.
Bei mehrteiligen Aufgaben „analysieren Sie … und interpretieren Sie …" werden beide Schritte explizit gemacht: die Analyse liefert die Beobachtungen, die Interpretation deutet sie als sinnstiftendes Ganzes.
Verbreiteter Fehler: vorzeitige Interpretation in einer Analyseaufgabe — der eigentliche Deutungsschritt erscheint unbegründet, weil die Analyse nicht abgeschlossen ist.

Abiturfokus

  • Analyse: Beobachtung — Funktion (was leistet das Verfahren im Text?).
  • Interpretation: Beobachtung — Funktion — Sinngesamtdeutung (was bedeutet das in der Werk-/Epochen-/Kontextperspektive?).
  • Bei „analysieren und interpretieren": Analyse zuerst abschließen, dann Interpretation aufsetzen.
  • Den Operator ernst nehmen — „analysieren" bedeutet nicht „interpretieren-light".

Typische Fehler

  • Analyse wird vorzeitig interpretierend — die Beobachtung-Funktion-Trennung fehlt.
  • Interpretation überspringt die Analyse — sie wirkt subjektiv und unbegründet.
  • Das Sinngesamtdeutungsmoment fehlt in Interpretationsaufgaben — der Aufsatz endet mit Funktionsdeutungen.
  • „Untersuchen" wird als „erforschen Sie alles" missverstanden — gemeint ist eine strukturierte Analyse.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Reflektieren Sie das Verhältnis von Analyse und Interpretation aus methodologischer Perspektive: ist die Sinngesamtdeutung in der Analyse bereits angelegt, oder ist sie ein eigenständiger hermeneutischer Sprung? Beziehen Sie sich auf Schleiermacher (hermeneutischer Zirkel) und Iser (Leerstellen).

Aktive Wiederholung

Bearbeiten Sie dieselbe Textstelle (z. B. Eröffnungsstrophe von Heines „Die Lore-Ley", entstanden 1823/24, gesammelt 1827) zweimal: einmal unter dem Operator „analysieren", einmal unter dem Operator „interpretieren". Markieren Sie die Unterschiede in Methode und Ergebnis.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Bildungsstandards im Fach Deutsch für die Allgemeine Hochschulreife (KMK 2012) (Kultusministerkonferenz) · IQB Aufgabenpool Sekundarstufe II Deutsch — Beispiel- und Vergleichsaufgaben (Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen)

§ 04

„erörtern", „beurteilen", „Stellung nehmen" — die Urteilsoperatoren#

●●○StandardLPKMK-EPALPKMK-AB-III

Kernpunkte

Die Urteilsoperatoren des Anforderungsbereichs III verlangen die höchste Leistung: nicht mehr nur die Wiedergabe (AB I) oder die Analyse (AB II), sondern die begründete eigene Stellungnahme. „Erörtern" steht dabei für die ausgewogene Auseinandersetzung mit einer Streitfrage: Pro- und Contra-Argumente werden gesammelt, nach Gewicht geordnet, gegeneinander abgewogen und schließlich in einer begründeten, eigenständigen Synthese verdichtet. Der Reiz und die Schwierigkeit liegen in der Ausgewogenheit — die eigene Position darf nicht von Anfang an feststehen, sondern muss aus der Abwägung hervorgehen.
„Beurteilen" fordert ein begründetes Urteil zu einer Sachfrage oder einem Sachverhalt, wobei — anders als bei der Erörterung — das eigene, kriteriengeleitete Urteil im Zentrum steht und nicht die ausgewogene Darstellung beider Seiten. „Bewerten" ist nahezu synonym, betont aber stärker die qualitative Einschätzung (gut/schlecht, gelungen/misslungen), während „beurteilen" die differenzierte Reflexion mit ausdrücklicher Maßstabsetzung meint. In beiden Fällen ist nicht die bloße Meinung gefragt, sondern das an offengelegten Kriterien gemessene Urteil.
„Stellung nehmen" ist die kompakteste Urteilsform: Eine begründete Position wird klar formuliert und gegen mögliche Einwände gesichert (Position — Begründung — Einwandsbearbeitung). Sie ist knapper und expliziter positionierend als die „erörtern"-Aufgabe und darf nicht zur ausschweifenden Erörterung anschwellen — die geforderte Kompaktheit ist selbst ein Bewertungskriterium. Wer „Stellung nehmen" mit „erörtern" verwechselt, verfehlt die Aufgabenart.
Das gemeinsame Pflichtelement aller Urteilsoperatoren ist die Maßstabsexplizierung: Jede Beurteilung legt offen, an welchem Kriterium gemessen wird — ethisch, ästhetisch, pragmatisch, rechtlich, funktional. Ohne offengelegten Maßstab bleibt jede Wertung willkürlich, denn dieselbe Sache fällt je nach Maßstab anders aus (ein Text kann ästhetisch gelungen und politisch fragwürdig sein). Die Klausurleistung besteht gerade darin, den Maßstab zu benennen und das Urteil aus ihm abzuleiten, statt eine unbegründete Meinung zu behaupten.
Beim materialgestützten Erörtern werden Materialien (Sachtexte, Statistiken, Grafiken) als Belegquellen funktional in die Argumentation eingebunden — sie sind Argumentationsbasis, nicht Dekoration. Funktional eingebunden heißt: Jedes Material wird einem Argument zugeordnet, in eigenen Worten ausgewertet und für die eigene Linie nutzbar gemacht, nicht bloß zitiert oder aneinandergereiht. Pro Argument sollte mindestens ein expliziter, ausgewerteter Materialbezug stehen; eine bloße „Beleg-Vitrine" ohne argumentativen Eingriff verfehlt den Operator.
Zu unterscheiden ist die literarische von der pragmatischen Erörterung. Die literarische (oder textgebundene) Erörterung argumentiert über Textinterpretationen oder werkimmanente Fragen — etwa über die Deutung einer Figur oder die Stichhaltigkeit einer Werkthese. Die pragmatische Erörterung argumentiert über gesellschaftliche oder fachliche Streitfragen, oft textgebunden (ausgehend von einem Vorlagentext mit Streitthese, Aufgabenart III) oder materialgestützt (Aufgabenart IV). Beide verlangen dieselbe Grundstruktur — These, abwägende Argumentation, begründete Synthese —, beziehen ihre Argumente aber aus verschiedenen Quellen.
Für die Klausur sind drei Dinge entscheidend: Die Erörterung muss in einer eigenständigen Synthese münden (das resignative „Es kommt eben darauf an" ist keine Synthese), die Beurteilung muss ihren Maßstab explizieren, und die Stellungnahme muss kompakt und positionierend bleiben. Der Aufbau einer Argumentation — These, Begründung, Beleg, Schlussfolgerung — und ihre saubere Gliederung sind die handwerkliche Grundlage all dessen (siehe das durchgerechnete Beispiel zur Argumentationsgliederung).
Musterlösung

Operator „erörtern" — Drei-Block-Gliederung einer materialgestützten Erörterung

Erörtern Sie auf der Grundlage des Materials, ob Schulen in Deutschland flächendeckend Smartphone-Verbote einführen sollten. Plan in 12 Minuten — wie strukturieren Sie die Argumentation?

  1. 01Schritt 1 — Leitfrage präzisieren

    Ja/Nein-Frage in eine differenzierte Leitfrage übersetzen: „Welche pädagogischen, gesundheitlichen und rechtlichen Argumente sprechen für oder gegen ein flächendeckendes Smartphone-Verbot an allgemeinbildenden Schulen?" Damit ist ein Maßstab vorgegeben, an dem die Abwägung später ansetzt.

  2. 02Schritt 2 — Pro-Block (drei Argumente, ca. 200 Wörter)

    A1: Konzentration und Lernleistung (Beleg aus M2: PISA-Sekundäranalyse 2023, 15 % Punktezuwachs in Lesekompetenz nach Verboten). A2: Cybermobbing-Prävention (Beleg aus M3: Polizeistatistik 2024, Rückgang gemeldeter Vorfälle in Pilotschulen). A3: Schutzauftrag des Staates (Beleg aus M5: Gutachten Wissenschaftsrat). Reihenfolge: stärkstes Argument zuletzt.

  3. 03Schritt 3 — Kontra-Block (zwei bis drei Argumente, ca. 160 Wörter)

    A4: Medienkompetenz erfordert Umgang, nicht Verbot (Beleg M1: KIM-Studie). A5: praktische Notwendigkeit (Notruf, Schulweg-Kommunikation). A6 (optional): Verhältnismäßigkeit nach Art. 2 GG. Auch hier: stärkstes Gegenargument zuletzt, damit die Abwägung anschließen kann.

  4. 04Schritt 4 — Abwägung (ca. 120 Wörter)

    Maßstab offen legen: „Aus pädagogischer Perspektive wiegt A1 (messbare Lernleistung) schwerer als A4, denn Medienkompetenz lässt sich auch in dedizierten Unterrichtseinheiten erwerben, ohne den Schulalltag dauerhaft zu fragmentieren." Wichtig: Abwägung argumentiert, sie zählt nicht.

  5. 05Schritt 5 — Synthetische Schlussposition (ca. 90 Wörter)

    Nicht: „Es kommt darauf an." Sondern: „Ein gestuftes Verbot in der Primar- und Sekundarstufe I, kombiniert mit verbindlichen Medienkompetenz-Modulen in Klasse 9, vereint Schutzauftrag und Medienpädagogik. Eine Evaluation nach drei Jahren sichert die Anpassung an die Mediennutzungsrealität." Position + Bedingungen + Prüfkriterium.

Ergebnis: Klare Drei-Block-Architektur (Pro — Kontra — Synthese) mit ca. 570 Wörtern Argumentationskern. Material wird funktional eingebunden (mindestens drei explizite Bezüge). KMK-Operator „erörtern" ist erfüllt, wenn die Synthese eine eigenständige, begründete Position ergibt und Bedingungen formuliert.

Abiturfokus

  • Bei „erörtern": ausgewogene Pro-Contra-Abwägung mit eigenständiger Synthese am Schluss.
  • Bei „beurteilen": den Maßstab explizieren, dann das begründete Urteil sprechen.
  • Bei „Stellung nehmen": klare Position + Begründung + Einwandsbearbeitung, kompakt halten.
  • Materialgestütztes Erörtern: pro Argument mindestens ein ausgewerteter Materialbezug.
  • Literarische und pragmatische Erörterung unterscheiden — gleiche Struktur, verschiedene Argumentquellen.

Typische Fehler

  • Die Erörterung endet mit „Es kommt darauf an" — die eigenständige Synthese fehlt.
  • Die Beurteilung wird ohne offengelegten Maßstab gesprochen — das Urteil wirkt willkürlich.
  • Die Stellungnahme schwillt zur ausschweifenden Erörterung an — die geforderte Kompaktheit fehlt.
  • Material wird im materialgestützten Erörtern nur als „Beleg-Vitrine" zitiert, ohne in die Argumentation einzugreifen.

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Reflektieren Sie die Grenze zwischen „erörtern" und „beurteilen". Beim Erörtern soll das Urteil aus der Abwägung hervorgehen, beim Beurteilen leitet es ein offengelegter Maßstab — wie verhalten sich beide zueinander, wenn eine Aufgabe „erörtern und beurteilen Sie" verlangt? Diskutieren Sie, ob es ein voraussetzungsloses, „neutrales" Abwägen überhaupt geben kann.

Aktive Wiederholung

Erörtern Sie die These „Pflichtlektüren sollten regelmäßig modernisiert werden". Sammeln Sie je drei Pro- und Contra-Argumente, wägen Sie sie ab und formulieren Sie eine synthetische Schlussposition mit explizitem Maßstab. Wandeln Sie die Aufgabe anschließend in „Nehmen Sie Stellung …" um und beobachten Sie, wie sich Umfang und Bauform ändern.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Bildungsstandards im Fach Deutsch für die Allgemeine Hochschulreife (KMK 2012) (Kultusministerkonferenz) · IQB Aufgabenpool Sekundarstufe II Deutsch — Beispiel- und Vergleichsaufgaben (Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen)

§ 05

„gestalten" — der produktive Operator#

●●●VertiefungLPKMK-EPALPKMK-AB-III

Kernpunkte

„Gestalten" (AB III) ist der produktive Operator: er verlangt einen eigenen Text in einer vorgegebenen Gattung oder Form, der auf einer vorhergehenden Textanalyse aufbaut und deren Befunde produktiv umsetzt.
Typische Aufgabenformate: innerer Monolog einer Figur (Stanzel: Ich-Erzählsituation), Brief, Tagebucheintrag, Zeitungsartikel, fiktives Interview, Szenenfortsetzung, alternative Romanepisode.
Voraussetzung jeder Gestaltungsaufgabe ist die analytische Vorarbeit: Figurenpsychologie, Sprachregister, historischer Kontext, Werkkohärenz — der gestaltete Text muss zur Werkwelt passen.
Bewertet werden zwei Achsen: produktive Qualität (Stimmigkeit, Sprachgewandtheit, Form) und analytische Treue (Werkkenntnis, Konsistenz mit der Vorlage, plausibler Anschluss).
Die häufigste Aufgabe „Verfassen Sie einen inneren Monolog der Figur X im Moment Y" verlangt: Figurensprache (Wortwahl, Syntax, Register), Bewusstseinsverfahren (assoziativ, fragmentarisch), inhaltliche Konsistenz mit der Figurenanlage.
„Gestalten" ist nicht freie Kreativität — der eigene Text bewegt sich im Rahmen, den die Vorlage vorgibt. Erfindungen, die der Werkwelt widersprechen, kosten Punkte.
Prüfungsrelevante Einschränkung: Nach den KMK-Bildungsstandards (2012) entfällt gestaltendes (fiktionales) Schreiben als ausschließliche Aufgabenstellung der schriftlichen Abiturprüfung; es erscheint nur als weiterführender, an eine der sechs Aufgabenarten angehängter Arbeitsauftrag. Eine reine Gestaltungsaufgabe ist daher keine eigenständige Schreibklausur-Aufgabenart.
Eine kurze Reflexionsnotiz am Ende (oft 100–150 Wörter), die die produktiven Entscheidungen offenlegt („Ich habe X gewählt, weil …"), ist häufig Teil der Aufgabe und punkterelevant.
Musterlösung

Operator „gestalten" — kreatives Schreiben zu einem literarischen Text

Gestalten Sie einen inneren Monolog der Figur Gregor Samsa aus Kafkas „Verwandlung" (1915) am Morgen nach seiner Verwandlung. Wie planen Sie textnahes Schreiben?

  1. 01Schritt 1 — Textgrundlage rekonstruieren

    Über Gregor ist bekannt (paraphrasiert): Handlungsreisender, Familie finanziell abhängig, pflichtbewusst bis zur Selbstaufgabe. Verwandlung als Befreiungsphantasie? Strafe? Symptom? Der innere Monolog muss diese Schichten zumindest anstimmen.

  2. 02Schritt 2 — Sprachregister wählen

    Erzählhaltung: Ich-Form, Präsens, knappe Sätze (Kafkas Stil imitieren — aber nicht karikieren). Stilistische Marker: paratactische Reihung, Realismus der Detailbeobachtung, abrupte Themenwechsel.

  3. 03Schritt 3 — Inneren Konflikt anlegen

    Polarität konstruieren: „Ich muss zur Arbeit" (Pflicht) vs. „Ich kann nicht aufstehen" (Realität). Diese Spannung trägt 80 Wörter. Anschließend eine zweite Spannung: „Die Familie wartet" (Schuld) vs. „Sie werden mich nicht erkennen" (Angst).

  4. 04Schritt 4 — Symbolische Verankerung

    Mindestens ein Detail aus Kafkas Text aufgreifen (paraphrasiert): die Uhr, die Decke, das Bild der Dame. Diese Wiederaufnahme zeigt textnahe Lektüre und gibt der Gestaltung Verankerung. Wichtig: kein Erfinden außerhalb des Texthorizonts.

  5. 05Schritt 5 — Schluss offen halten

    Kafkas Universum kennt keine Lösung — der innere Monolog endet nicht mit Klärung, sondern mit einer offenen Frage oder einem Verstummen. Stilistisches Echo zu Kafkas Schlussfiguren: das Subjekt löst sich nicht auf, aber es kommt nicht zu sich.

Ergebnis: Gestaltungsaufgabe = literarisches Schreiben mit textnaher Bindung. Bewertet werden: stilistische Plausibilität, inhaltliche Anschlussfähigkeit, sprachliche Qualität. Nie freihändige Erfindung — immer Anschluss an den Bezugstext. KMK-Operator „gestalten" verlangt diese Doppelbindung.

Abiturfokus

  • Analytische Vorarbeit auch in der Gestaltungsaufgabe leisten — gestaltet wird auf Basis von Werkkenntnis.
  • Sprachregister der Figur (Wortschatz, Satzbau, Stilebene) konsistent halten.
  • Bewusstseinsdarstellung methodisch wählen (innerer Monolog ≠ Tagebuch ≠ Brief — jede Form hat eigene Konventionen).
  • Reflexionsnotiz am Schluss nicht vergessen, wenn die Aufgabe sie verlangt.

Typische Fehler

  • Der gestaltete Text widerspricht der Werkwelt — die Figur denkt oder spricht inkonsistent.
  • Sprachregister wird vergessen — der innere Monolog einer Frühromantik-Figur klingt zeitgenössisch.
  • Produktive Freiheit wird mit freier Erfindung verwechselt — der Text verlässt den Rahmen.
  • Die Reflexionsnotiz fehlt oder ist platt („Ich habe diesen Text geschrieben, um …").

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Verfassen Sie eine alternative Schlussszene zu Schillers „Maria Stuart" (1800), in der die Begegnung der Königinnen im Park anders verläuft. Reflektieren Sie in einer Notiz, wie die Werkdramaturgie auf Ihre Änderung reagieren würde.

Aktive Wiederholung

Verfassen Sie einen inneren Monolog Gregor Samsas aus Kafkas „Die Verwandlung" (1915) für den Morgen seiner Verwandlung (Erzählzeitpunkt: erste Stunden). Achten Sie auf Figurensprache, Bewusstseinsdarstellung und Werkkonsistenz. Ergänzen Sie eine Reflexionsnotiz von ca. 120 Wörtern.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Bildungsstandards im Fach Deutsch für die Allgemeine Hochschulreife (KMK 2012) (Kultusministerkonferenz) · IQB Aufgabenpool Sekundarstufe II Deutsch — Beispiel- und Vergleichsaufgaben (Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen)

§ 06

Operatoren im Bundeslandvergleich — Akzentdifferenzen#

●●●VertiefungLPKMK-EPA

Kernpunkte

Das Abitur ist in Deutschland Ländersache — föderal organisiert —, und genau deshalb gibt es einen Bundeslandvergleich der Operatoren. Die KMK-Bildungsstandards für die Allgemeine Hochschulreife (2012, in der Nachfolge der EPA von 2002) legen die Grundbedeutung der Operatoren bundesweit verbindlich fest; jedes Land konkretisiert diese Grundbedeutung jedoch in eigenen Materialien, den Operatorenheften. Die Folge ist eine einheitliche Grundlage mit landesspezifischen Akzenten: Wer in Bayern Abitur schreibt, arbeitet mit derselben Operatorengrundbedeutung wie ein Prüfling in Niedersachsen, aber mit teils anderen Konkretisierungen und Schwerpunkten.
Die maßgeblichen Konkretisierungen sind das ISB-Material in Bayern, das ZPG-Operatorenheft in Baden-Württemberg, das Operatorenheft in Nordrhein-Westfalen und das Kerncurriculum (KC) in Niedersachsen, dazu die entsprechenden Materialien der übrigen Länder. Quer dazu liefert das IQB länderübergreifende Vergleichs- und Pool-Aufgaben, die gerade deshalb auf den gemeinsamen KMK-Kern zurückgreifen müssen. Diese Quellenlage erklärt, warum die Operatoren überall „dasselbe" meinen und doch im Detail unterschiedlich gehandhabt werden.
In Bayern legt das ISB-Material tendenziell Wert auf eine klare Trennung von „analysieren" (formal-strukturelle Untersuchung) und „interpretieren" (Sinndeutung) und auf einen ausgeprägten Synthesepol bei der Erörterung; die Operatorenliste ist mit detaillierten Beispielen unterlegt. Wer in Bayern eine Analyseaufgabe vorschnell interpretierend bearbeitet, läuft hier besonders deutlich am Auftrag vorbei. Diese Akzentuierung ist eine Tendenz, keine starre Regel — entscheidend bleibt der konkrete Aufgabenwortlaut.
In Baden-Württemberg rückt das ZPG-Operatorenheft die textanalytische Schärfe in den Vordergrund, und bei „erörtern" wird die materialgestützte Form prominent geprüft. In Nordrhein-Westfalen führt ein detailliertes Operatorenheft alle Aufgabenarten der gymnasialen Oberstufe; der produktive Operator „gestalten" erscheint dort häufig als optionaler, an eine Analyseaufgabe angehängter Auftrag und nicht in jeder Klausur. In Niedersachsen bindet das KC die Operatoren eng an die KMK-Standards und stellt „erörtern" als zentralen Operator der materialgestützt argumentierenden Aufgabenart heraus.
Die übrigen Länder — Hessen, Berlin und Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen, Hamburg, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und das Saarland — folgen ebenfalls der KMK-Grundbedeutung mit jeweils eigener Konkretisierung. Für die Praxis heißt das nicht, fünfzehn Operatorenkataloge zu lernen, sondern den gemeinsamen Kern sicher zu beherrschen und das eine, eigene Operatorenheft genau zu kennen. Die Akzente entscheiden im Zweifel über die geforderte Methodenwahl und damit über Punkte.
Die länderübergreifende Dimension ist eigens zu beachten: Die IQB-Pool-Aufgaben sind so konzipiert, dass sie in mehreren Ländern funktionieren, weshalb sie sich auf die offenere KMK-Grundbedeutung stützen. Wer hier reflexhaft die strengste landesspezifische Lesart anlegt, kann den Auftrag verfehlen — manchmal ist die weitere KMK-Lesart die angemessene. Umgekehrt darf man die Operatorenpraxis eines fremden Landes nicht ungeprüft auf das eigene Abitur übertragen.
Praktisch ergibt sich daraus eine klare Strategie: Das Operatorenheft des eigenen Landes ist frühzeitig (nicht erst in der Klausurphase) durchzuarbeiten, und Beispiel- bzw. Abituraufgaben des eigenen Landes sind zu üben, um die konkrete Operatorenpraxis zu verinnerlichen. Bei echter Unsicherheit ist es sicherer, die KMK-Grundbedeutung sauber zu bedienen, als eine landesspezifische Spezialform zu riskieren. Und stets gilt: Der Operator bezeichnet die Art der geforderten Leistung, nicht ihren Schwierigkeitsgrad — „beurteilen" ist nicht per se „schwerer" als „analysieren".

Abiturfokus

  • Das Operatorenheft des eigenen Landes frühzeitig studieren — nicht erst in der Klausurphase.
  • Den gemeinsamen KMK-Kern sicher beherrschen — er trägt überall, die Akzente liegen darüber.
  • Akzentdifferenzen kennen — bei länderübergreifenden (IQB-)Aufgaben die offenere KMK-Lesart erwägen.
  • Beispiel- und Abituraufgaben des eigenen Landes lösen, um die Operatorenpraxis einzuüben.
  • Im Zweifel die KMK-Grundbedeutung bedienen statt eine landesspezifische Spezialform zu riskieren.

Typische Fehler

  • Das eigene Operatorenheft wird nie konsultiert — man verlässt sich auf ein intuitives Operatorenverständnis.
  • Die Operatorenpraxis eines anderen Landes wird ungeprüft übernommen — die Akzentdifferenz wird übersehen.
  • Bei länderübergreifenden (IQB-)Aufgaben wird reflexhaft die strengste Lesart angelegt, wo die offenere KMK-Lesart passt.
  • Operatoren werden mit dem Schwierigkeitsgrad verwechselt — „beurteilen" gilt fälschlich als „schwerer" als „analysieren".

LK-Vertiefung

eA-Vertiefung: Reflektieren Sie das Verhältnis von bundesweiter Vergleichbarkeit (KMK-Bildungsstandards, IQB-Pool) und föderaler Eigenständigkeit (Länder-Operatorenhefte). Inwiefern ist die Operatoren-Konkretisierung ein Instrument der Qualitätssicherung — und wo entsteht ein Spannungsverhältnis zwischen einheitlichem Anspruch und länderspezifischer Prüfungspraxis?

Aktive Wiederholung

Vergleichen Sie die Definition von „erörtern" in zwei Bundesland-Operatorenheften (z. B. NRW und Bayern). Arbeiten Sie die Akzentunterschiede in der erwarteten Pro-Contra-Struktur und im geforderten Syntheseanteil heraus und bestimmen Sie, was davon gemeinsamer KMK-Kern und was landesspezifische Konkretisierung ist.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Bildungsstandards im Fach Deutsch für die Allgemeine Hochschulreife (KMK 2012) (Kultusministerkonferenz) · IQB Aufgabenpool Sekundarstufe II Deutsch — Beispiel- und Vergleichsaufgaben (Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen)

Inhalt

Abschnitt -- / 06

    • 01Operatoren-Überblick und die drei Anforderungsbereiche○
    • 02„wiedergeben", „zusammenfassen", „beschreiben" — die Reproduktionsoperatoren (AB I)○
    • 03„analysieren" vs. „interpretieren" — die zentrale Achse◐
    • 04„erörtern", „beurteilen", „Stellung nehmen" — die Urteilsoperatoren◐
    • 05„gestalten" — der produktive Operator●
    • 06Operatoren im Bundeslandvergleich — Akzentdifferenzen●

0/6 Gelesen

Aus den Notizen ins Training

KMK-Operatoren — Aufgabenverben sicher entschlüsseln

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~23
Min
4
Kompetenzen
Üben

Belege & Quellen

Quellen

Kultusministerkonferenz

  • Bildungsstandards im Fach Deutsch für die Allgemeine Hochschulreife (KMK 2012)

Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen

  • IQB Aufgabenpool Sekundarstufe II Deutsch — Beispiel- und Vergleichsaufgaben

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