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Notizen/Physik/Hydrostatik und Aerostatik
Notizen · PhysikAT · Matura

Hydrostatik und Aerostatik

Druck in ruhenden und strömenden Fluiden: Schweredruck, Pascalsches Prinzip, archimedischer Auftrieb, Gasgesetze bei konstanter Temperatur sowie Kontinuität und Bernoulli als Grundlage der Strömungslehre.

6 Abschnitte·~17 Min Lesezeit·3 Kompetenzen·Niveau Basis 2 · Standard 2 · Vertiefung 2·Stand 06/2026

T·0333 / 11
Prüfungsprofil
W-2b · Wissen über Druck, Auftrieb und Strömung in Fluiden organisierenE-2b · Druck- und Auftriebsexperimente quantitativ auswertenS-2b · Anwendungen (Hydraulik, Schwimmen, Tragfläche, Wetter) physikalisch deuten
Tiefe

Lesetiefe: Vertiefung

Schrift

Schriftgröße: Standard

Inhalt · 6 Abschnitte▾
  1. Hydrostatik und Aerostatik
    • 01Druck, Schweredruck und Pascalsches Prinzip○
    • 02Archimedischer Auftrieb und Schwimmen○
    • 03Aerostatik - Luftdruck und Gasgesetze◐
    • 04Strömungslehre - Kontinuität und Bernoulli●
    • 05Oberflächenspannung und Kapillarität◐
    • 06Viskosität und reale Strömungen●
§ 01

Druck, Schweredruck und Pascalsches Prinzip#

●○○BasisLPPHY-Fluid-2b.1

Kernpunkte

Druck ist Kraft pro Fläche: p=F/Ap=F/Ap=F/A, mit der SI-Einheit Pascal (111 Pa =1=1=1 N/m2^{2}2); in der Praxis rechnet man oft in bar (111 bar =105=10^{5}=105 Pa). Dieselbe Kraft erzeugt auf einer kleinen Fläche großen Druck - deshalb durchsticht eine spitze Nadel mühelos, was ein stumpfer Stab nicht schafft.
In einer ruhenden Flüssigkeit wächst der Schweredruck linear mit der Tiefe: p(h)=ρghp(h)=\rho g hp(h)=ρgh (). Bemerkenswert ist das hydrostatische Paradoxon - der Bodendruck hängt nur von Füllhöhe und Dichte ab, nicht von der Gefäßform oder der Gesamtmasse. Ein dünnes hohes Rohr erzeugt am Boden denselben Druck wie ein breites Becken gleicher Höhe.

Schweredruck - lineare Zunahme mit der Tiefe

Schweredruck - lineare Zunahme mit der TiefeSchematische Darstellung mit 5 Elementen, Flüssigkeit, p_1, p_2, p_3, hFlüssigkeitp1p2p3h
Abb. 1Hydrostatischer Druck wächst linear mit der Tiefe: p(h)=ρghp(h)=\rho g hp(h)=ρgh.
Der Druck in einem ruhenden Fluid ist isotrop: Er wirkt an jedem Punkt in alle Richtungen gleich stark. Eine eingetauchte Fläche erfährt den Druck unabhängig von ihrer Orientierung - das ist die Voraussetzung für die folgenden Anwendungen.
Das Pascalsche Prinzip besagt, dass sich eine von außen aufgeprägte Druckänderung in einer eingeschlossenen Flüssigkeit unvermindert nach allen Seiten fortpflanzt. Schweredruck und aufgeprägter Druck (Kolben, Atmosphäre) addieren sich dabei zum Gesamtdruck.
Die hydraulische Presse nutzt das Pascalsche Prinzip: Wegen F1A1=F2A2\dfrac{F_{1}}{A_{1}}=\dfrac{F_{2}}{A_{2}}A1​F1​​=A2​F2​​ verstärkt sie eine Kraft im Verhältnis der Kolbenflächen. Der Preis ist ein längerer Weg am kleinen Kolben - die Energie bleibt erhalten (F1s1=F2s2F_{1}s_{1}=F_{2}s_{2}F1​s1​=F2​s2​), Kraftgewinn bedeutet Wegverlust.
In kommunizierenden Gefäßen stehen die Flüssigkeitsspiegel bei gleicher Dichte überall gleich hoch, weil der Schweredruck am Boden nur von der Höhe abhängt. Bei zwei verschiedenen, nicht mischbaren Flüssigkeiten stellen sich die Höhen umgekehrt zum Dichteverhältnis ein - das Prinzip jedes U-Rohr-Manometers.
p=FA;p(h)=ρ g hp = \dfrac{F}{A};\quad p(h) = \rho\,g\,hp=AF​;p(h)=ρgh

Druck und hydrostatischer Schweredruck

F1A1=F2A2\dfrac{F_{1}}{A_{1}}=\dfrac{F_{2}}{A_{2}}A1​F1​​=A2​F2​​

Hydraulische Presse (Pascal)

Musterbeispiel

Gesamtdruck auf einen Taucher

Ein Taucher befindet sich in 303030 m Tiefe im Meerwasser (ρ=1025\rho=1025ρ=1025 kg/m3^{3}3). Welcher Gesamtdruck wirkt auf ihn? Luftdruck an der Oberfläche p0=1,013p_{0}=1{,}013p0​=1,013 bar.

  1. 01Schweredruck

    ph=ρgh=1025⋅9,81⋅30≈3,02⋅105p_{h}=\rho g h=1025\cdot 9{,}81\cdot 30\approx 3{,}02\cdot 10^{5}ph​=ρgh=1025⋅9,81⋅30≈3,02⋅105 Pa ≈3,02\approx 3{,}02≈3,02 bar.

  2. 02Gesamtdruck

    pges=p0+ph=1,013+3,02≈4,03p_{ges}=p_{0}+p_{h}=1{,}013+3{,}02\approx 4{,}03pges​=p0​+ph​=1,013+3,02≈4,03 bar.

  3. 03Interpretation

    Pro 101010 m Wassertiefe steigt der Druck um rund 111 bar.

Ergebnis: Auf den Taucher wirken rund 4,04{,}04,0 bar - das Vierfache des Atmosphärendrucks.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Druck ist Kraft pro Fläche; in einer Flüssigkeitssäule wächst er linear mit der Tiefe.

    Schweredruck - lineare Zunahme mit der Tiefe

    Schweredruck - lineare Zunahme mit der TiefeSchematische Darstellung mit 5 Elementen, Flüssigkeit, p_1, p_2, p_3, hFlüssigkeitp1p2p3h
    Abb.Hydrostatischer Druck wächst linear mit der Tiefe: p(h)=ρghp(h)=\rho g hp(h)=ρgh.
  2. 2

    Das Pascalsche Prinzip erklärt, warum sich Druck in eingeschlossenen Fluiden gleichmäßig fortpflanzt.

  3. 3

    Die hydraulische Presse verstärkt Kräfte - aber auf Kosten des Weges, denn Energie bleibt erhalten.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank4 Punkte

Aufgabenstellung

Erläutere den Begriff Druck und das Pascalsche Prinzip. Erkläre die Funktion einer hydraulischen Presse und berechne, welche Last ein Druck von 202020 N auf einer Kolbenfläche von 2,02{,}02,0 cm2^{2}2 an einem Hubkolben von 505050 cm2^{2}2 heben kann.

Maturafokus

  • Schweredruck und aufgeprägten Druck (Kolben, Atmosphäre) klar addieren.
  • Bei hydraulischen Anlagen Kraft- und Wegverhältnis über Volumenkonstanz verbinden (F1s1=F2s2F_{1}s_{1}=F_{2}s_{2}F1​s1​=F2​s2​).
  • Hydrostatisches Paradoxon erklären: Bodendruck hängt nur von Höhe und Dichte ab.

Typische Fehler

  • Druck mit Kraft verwechselt (Einheit Pa vs. N).
  • Bei der hydraulischen Presse Energieerhaltung ignoriert (Kraftgewinn = Wegverlust).
  • Schweredruck von der Gesamtmasse statt von der Säulenhöhe abhängig gemacht.

Aktive Wiederholung

Eine hydraulische Hebebühne hat einen Druckkolben mit A1=5,0A_{1}=5{,}0A1​=5,0 cm2^{2}2 und einen Hubkolben mit A2=400A_{2}=400A2​=400 cm2^{2}2. Welche Kraft am kleinen Kolben hebt ein Auto von 120012001200 kg? Welcher Weg ist am kleinen Kolben nötig, um das Auto um 555 cm zu heben?

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: OpenStax College Physics - Fluid Statics (OpenStax)

§ 02

Archimedischer Auftrieb und Schwimmen#

●○○BasisLPPHY-Fluid-2b.2

Kernpunkte

Das archimedische Prinzip erklärt, warum Körper in Flüssigkeiten leichter werden: Jeder eingetauchte Körper erfährt eine nach oben gerichtete Auftriebskraft FA=ρfl g VverdF_{A}=\rho_{\text{fl}}\,g\,V_{\text{verd}}FA​=ρfl​gVverd​, die genau dem Gewicht der von ihm verdrängten Flüssigkeit entspricht (). Ursache ist der mit der Tiefe wachsende Schweredruck, der unten stärker drückt als oben.

Archimedisches Prinzip - Auftrieb

Archimedisches Prinzip - AuftriebSchematische Darstellung mit 5 Elementen, Flüssigkeit, F_A, F_GFlüssigkeitFAFG
Abb. 2Auftriebskraft gleich Gewicht der verdrängten Flüssigkeit; Gleichgewicht von Gewicht und Auftrieb.
Ob ein Körper schwimmt, schwebt oder sinkt, entscheidet allein der Vergleich der Dichten: Bei ρKo¨rper<ρfl\rho_{\text{Körper}}<\rho_{\text{fl}}ρKo¨rper​<ρfl​ schwimmt er, bei ρKo¨rper=ρfl\rho_{\text{Körper}}=\rho_{\text{fl}}ρKo¨rper​=ρfl​ schwebt er in jeder Tiefe, bei ρKo¨rper>ρfl\rho_{\text{Körper}}>\rho_{\text{fl}}ρKo¨rper​>ρfl​ sinkt er. Entscheidend ist die Dichte der Flüssigkeit, nicht die des Körpers, für den Betrag des Auftriebs.
Ein schwimmender Körper taucht gerade so tief ein, dass der Auftrieb sein Gewicht trägt; er verdrängt also genau sein eigenes Gewicht an Flüssigkeit (Verdrängungsregel). Daraus folgt für den eingetauchten Volumenanteil VeinV=ρKo¨rperρfl\dfrac{V_{\text{ein}}}{V}=\dfrac{\rho_{\text{Körper}}}{\rho_{\text{fl}}}VVein​​=ρfl​ρKo¨rper​​ - beim Eisberg rund 90%90\%90% unter Wasser.
Das scheinbare Gewicht eines vollständig getauchten Körpers ist Fschein=FG−FAF_{\text{schein}}=F_{G}-F_{A}Fschein​=FG​−FA​. Diesen Gewichtsverlust nutzt die Auftriebsmethode zur Dichtebestimmung: Aus dem Vergleich von Gewicht in Luft und im Wasser lässt sich die Dichte eines unregelmäßigen Körpers ermitteln.
Dass selbst ein Stahlschiff schwimmt, liegt an seinem großen Hohlraum: Seine mittlere Dichte (Stahl plus eingeschlossene Luft) liegt unter der des Wassers, während ein massiver Stahlwürfel mit höherer Dichte sinkt. Es zählt stets die mittlere Dichte des gesamten Körpers.
Anwendungen reichen vom Aräometer (Dichtemessung), über die Schwimmblase der Fische und das Tauchboot bis zum Heißluft- und Gasballon, bei dem der Auftrieb in Luft statt in Wasser wirkt. Überall ist es dieselbe Bilanz aus Gewicht und verdrängtem Medium.
FA=ρfl g VverdF_{A} = \rho_{\text{fl}}\,g\,V_{\text{verd}}FA​=ρfl​gVverd​

Archimedischer Auftrieb

Fschein=FG−FAF_{schein}=F_{G}-F_{A}Fschein​=FG​−FA​

Scheinbares Gewicht im Fluid

Musterbeispiel

Scheinbares Gewicht eines Eisenwürfels im Wasser

Ein Eisenwürfel mit Kantenlänge 101010 cm (ρFe=7874\rho_{Fe}=7874ρFe​=7874 kg/m3^{3}3) hängt vollständig getaucht an einer Federwaage in Wasser (ρW=1000\rho_{W}=1000ρW​=1000 kg/m3^{3}3). Welches scheinbare Gewicht zeigt die Waage?

  1. 01Volumen

    V=(0,10)3=1,0⋅10−3V=(0{,}10)^{3}=1{,}0\cdot 10^{-3}V=(0,10)3=1,0⋅10−3 m3^{3}3.

  2. 02Gewichtskraft

    FG=ρFe g V=7874⋅9,81⋅10−3≈77,2F_{G}=\rho_{Fe}\,g\,V=7874\cdot 9{,}81\cdot 10^{-3}\approx 77{,}2FG​=ρFe​gV=7874⋅9,81⋅10−3≈77,2 N.

  3. 03Auftriebskraft

    FA=ρW g V=1000⋅9,81⋅10−3=9,81F_{A}=\rho_{W}\,g\,V=1000\cdot 9{,}81\cdot 10^{-3}=9{,}81FA​=ρW​gV=1000⋅9,81⋅10−3=9,81 N.

  4. 04Scheinbares Gewicht

    Fschein=FG−FA=77,2−9,81≈67,4F_{schein}=F_{G}-F_{A}=77{,}2-9{,}81\approx 67{,}4Fschein​=FG​−FA​=77,2−9,81≈67,4 N.

Ergebnis: Die Federwaage zeigt rund 67,467{,}467,4 N - der Würfel scheint um den Auftrieb (9,819{,}819,81 N) leichter.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Der Auftrieb entspricht dem Gewicht der verdrängten Flüssigkeit - das ist das archimedische Prinzip.

    Archimedisches Prinzip - Auftrieb

    Archimedisches Prinzip - AuftriebSchematische Darstellung mit 5 Elementen, Flüssigkeit, F_A, F_GFlüssigkeitFAFG
    Abb.Auftriebskraft gleich Gewicht der verdrängten Flüssigkeit; Gleichgewicht von Gewicht und Auftrieb.
  2. 2

    Ob ein Körper schwimmt, sinkt oder schwebt, entscheidet der Vergleich seiner Dichte mit der des Fluids.

  3. 3

    Schiffe schwimmen, weil ihr grosses Verdrängungsvolumen die mittlere Dichte unter die von Wasser senkt.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank4 Punkte

Aufgabenstellung

Formuliere das archimedische Prinzip und erkläre, warum ein Stahlschiff schwimmt, ein Stahlwürfel aber sinkt. Berechne den eingetauchten Volumenanteil eines Eisbergs (ρEis=917\rho_{Eis}=917ρEis​=917 kg/m3^{3}3) in Meerwasser (ρ=1025\rho=1025ρ=1025 kg/m3^{3}3).

Maturafokus

  • Schwimmbedingung über Dichtevergleich begründen.
  • Eingetauchtes Volumen schwimmender Körper aus Gleichgewicht berechnen.
  • Dichtebestimmung über scheinbaren Gewichtsverlust (Auftriebsmethode).

Typische Fehler

  • Auftrieb von der Dichte des Körpers statt der Flüssigkeit abhängig gemacht.
  • Bei teilweise getauchten Körpern Gesamtvolumen statt verdrängtes Volumen eingesetzt.
  • Masse und Gewichtskraft verwechselt.

Aktive Wiederholung

Ein Holzbalken (ρ=600\rho=600ρ=600 kg/m3^{3}3) schwimmt in Wasser. Welcher Anteil seines Volumens ragt aus dem Wasser? Begründe mit der Schwimmbedingung.

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: OpenStax College Physics - Archimedes Principle (OpenStax)

§ 03

Aerostatik - Luftdruck und Gasgesetze#

●●○StandardLPPHY-Fluid-2b.3

Kernpunkte

Auch Luft hat Gewicht, und das Gewicht der über uns liegenden Atmosphärensäule erzeugt den Luftdruck. Auf Meereshöhe beträgt der Normaldruck p0≈1013p_{0}\approx 1013p0​≈1013 hPa =1,013=1{,}013=1,013 bar - das entspricht einer Kraft von rund 101010 Tonnen auf jeden Quadratmeter, die wir nur deshalb nicht spüren, weil sie von allen Seiten gleich wirkt.
Anders als der Schweredruck einer Flüssigkeit nimmt der Luftdruck mit der Höhe nicht linear, sondern exponentiell ab: Weil Luft komprimierbar ist, ist sie unten dichter. Nach der barometrischen Höhenformel halbiert sich der Druck etwa alle 5,55{,}55,5 km - auf einem 550055005500 m hohen Gipfel herrscht also nur noch der halbe Bodendruck.
Für ein eingeschlossenes Gas bei konstanter Temperatur gilt das Gesetz von Boyle-Mariotte: p V=constp\,V=\text{const}pV=const. Druck und Volumen sind umgekehrt proportional, im ppp-VVV-Diagramm ergibt das eine Hyperbel (). Halbiert man das Volumen, verdoppelt sich der Druck.

Isotherme - Gesetz von Boyle-Mariotte

Isotherme: Boyle-Mariotte p·V = constSchaubild von p·V = const, fallend, im Bereich x von 0.5 bis 40.511.522.533.54123456p₁, V₁p₂, V₂p·V = constDruck pVolumen V
Abb. 3Bei konstanter Temperatur sind Druck und Volumen umgekehrt proportional: p⋅V=constp\cdot V=\text{const}p⋅V=const.
Der Auftrieb wirkt auch in Gasen: Ein Heißluft- oder Gasballon steigt, wenn das Füllgas (erwärmte Luft, Helium) eine geringere Dichte hat als die verdrängte Umgebungsluft. Es ist exakt dasselbe archimedische Prinzip wie im Wasser, nur mit Luft als umgebendem Fluid.
Eine häufige Fehlvorstellung ist das „Ansaugen": Ein Vakuum zieht nichts an. Wenn man am Strohhalm saugt, senkt man dort den Druck, und der höhere Außendruck der Atmosphäre drückt die Flüssigkeit hinauf. Saugheber und Pumpen funktionieren immer über solche Druckdifferenzen.
Die Größe des Luftdrucks lässt sich eindrucksvoll mit den Magdeburger Halbkugeln zeigen: Nach dem Auspumpen presst der Außendruck die Kugeln mit der Kraft F=p⋅AF=p\cdot AF=p⋅A so fest zusammen, dass selbst Pferdegespanne sie kaum trennen konnten.
p1 V1=p2 V2  (isotherm)p_{1}\,V_{1} = p_{2}\,V_{2}\;\text{(isotherm)}p1​V1​=p2​V2​(isotherm)

Gesetz von Boyle-Mariotte

F=p⋅AF = p\cdot AF=p⋅A

Kraft durch Luftdruck auf eine Fläche

Musterbeispiel

Isotherme Kompression in der Taucherglocke

Luft V1=3,0V_{1}=3{,}0V1​=3,0 m3^{3}3 bei p1=1,0p_{1}=1{,}0p1​=1,0 bar wird auf p2=4,0p_{2}=4{,}0p2​=4,0 bar komprimiert (isotherm).

  1. 01Boyle-Mariotte

    p1V1=p2V2p_{1}V_{1}=p_{2}V_{2}p1​V1​=p2​V2​.

  2. 02Auflösen

    V2=p1V1p2=1,0⋅3,04,0=0,75V_{2}=\dfrac{p_{1}V_{1}}{p_{2}}=\dfrac{1{,}0\cdot 3{,}0}{4{,}0}=0{,}75V2​=p2​p1​V1​​=4,01,0⋅3,0​=0,75 m3^{3}3.

Ergebnis: Das Luftvolumen schrumpft auf 0,750{,}750,75 m3^{3}3 - ein Viertel des Ausgangswertes.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Der Luftdruck entsteht durch das Gewicht der darüber liegenden Atmosphärensäule.

  2. 2

    Bei konstanter Temperatur sind Druck und Volumen eines Gases umgekehrt proportional - Boyle-Mariotte.

  3. 3

    Ballons steigen, weil das Füllgas leichter ist als die verdrängte Umgebungsluft.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank4 Punkte

Aufgabenstellung

Erkläre die Entstehung des Luftdrucks und das Gesetz von Boyle-Mariotte. Beschreibe, wie ein Heissluftballon Auftrieb erzeugt, und nenne ein Experiment, das die Größe des Luftdrucks veranschaulicht.

Maturafokus

  • Boyle-Mariotte für isotherme Kompression/Expansion anwenden.
  • Luftdruck als Ursache für das Steigen von Flüssigkeit im Strohhalm erklären (nicht "Sog").
  • Auftrieb von Ballons über Dichteunterschied der Gase begründen.

Typische Fehler

  • Boyle-Mariotte bei Temperaturänderung angewandt (gilt nur isotherm).
  • "Saugen" als aktive Kraft missverstanden statt Druckdifferenz.
  • Luftdruckabnahme mit der Höhe als linear angenommen.

Aktive Wiederholung

Eine Taucherglocke schliesst bei 1,01{,}01,0 bar an der Oberfläche ein Luftvolumen von 3,03{,}03,0 m3^{3}3 ein. Auf welches Volumen wird die Luft bei 303030 m Tiefe (Gesamtdruck 4,04{,}04,0 bar) komprimiert, wenn die Temperatur konstant bleibt?

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: OpenStax College Physics - Gas Laws (OpenStax)

§ 04

Strömungslehre - Kontinuität und Bernoulli#

●●●VertiefungLPPHY-Fluid-2b.4

Kernpunkte

Strömt eine inkompressible Flüssigkeit durch ein Rohr, muss in jedem Querschnitt pro Sekunde dieselbe Menge hindurch - das ist die Kontinuitätsgleichung A1v1=A2v2A_{1}v_{1}=A_{2}v_{2}A1​v1​=A2​v2​. Wird das Rohr enger, muss die Geschwindigkeit steigen (); deshalb spritzt ein zugehaltener Gartenschlauch weiter.

Venturi-Effekt - Strömung durch eine Rohrverengung

Venturi-Effekt · RohrverengungSchematische Darstellung mit 14 Elementen, v₁, v₂, A₁, A₂v₁v₂A₁A₂
Abb. 4An der engen Stelle ist die Geschwindigkeit hoch und der statische Druck niedrig (A1v1=A2v2A_{1}v_{1}=A_{2}v_{2}A1​v1​=A2​v2​).
Entlang einer Stromlinie ist in der idealen (reibungsfreien, stationären) Strömung die Summe aus statischem Druck, dynamischem Druck und Schweredruck konstant - die Bernoulli-Gleichung p+12ρv2+ρgh=constp+\tfrac{1}{2}\rho v^{2}+\rho g h=\text{const}p+21​ρv2+ρgh=const. Sie ist im Grunde der Energieerhaltungssatz für eine strömende Flüssigkeit, bezogen auf die Volumeneinheit.
Aus der Bernoulli-Gleichung folgt der zunächst überraschende Venturi-Effekt: Wo die Geschwindigkeit hoch ist (enge Stelle), ist der statische Druck niedrig. Die strömende Flüssigkeit „verbraucht" gleichsam statischen Druck, um den höheren dynamischen Druck 12ρv2\tfrac{1}{2}\rho v^{2}21​ρv2 aufzubauen.
Setzt man Höhenunterschiede statt Geschwindigkeit ein, ergibt sich die Ausströmgeschwindigkeit aus einem Loch unter dem Wasserspiegel: v=2ghv=\sqrt{2 g h}v=2gh​ (Gesetz von Torricelli) - dieselbe Geschwindigkeit, die ein frei aus der Höhe hhh fallender Körper erreicht.
Der Venturi-Effekt erklärt zahlreiche Anwendungen: den Auftrieb einer Tragfläche (oben schnellere Strömung, geringerer Druck), den Zerstäuber, die Wasserstrahlpumpe und das Pitotrohr zur Geschwindigkeitsmessung im Flugzeug.
Reale Strömungen weichen von diesem idealen Bild ab, weil jede Flüssigkeit Viskosität (innere Reibung) besitzt und bei hoher Geschwindigkeit turbulent wird. Ob eine Strömung laminar oder turbulent ist, entscheidet die dimensionslose Reynolds-Zahl - der Übergang zum nächsten Abschnitt.
A1 v1=A2 v2A_{1}\,v_{1} = A_{2}\,v_{2}A1​v1​=A2​v2​

Kontinuitätsgleichung (inkompressibel)

p+12ρv2+ρgh=constp + \tfrac{1}{2}\rho v^{2} + \rho g h = \text{const}p+21​ρv2+ρgh=const

Bernoulli-Gleichung

v=2ghv = \sqrt{2 g h}v=2gh​

Ausströmgeschwindigkeit (Torricelli)

Musterbeispiel

Strömungsgeschwindigkeit in einer Rohrverengung

Wasser strömt in einem Rohr mit Querschnitt A1=10A_{1}=10A1​=10 cm2^{2}2 und v1=2,0v_{1}=2{,}0v1​=2,0 m/s. Das Rohr verengt sich auf A2=4,0A_{2}=4{,}0A2​=4,0 cm2^{2}2. Bestimme v2v_{2}v2​ und die Druckdifferenz zwischen weitem und engem Abschnitt.

  1. 01Kontinuität

    v2=A1v1A2=10⋅2,04,0=5,0v_{2}=\dfrac{A_{1}v_{1}}{A_{2}}=\dfrac{10\cdot 2{,}0}{4{,}0}=5{,}0v2​=A2​A1​v1​​=4,010⋅2,0​=5,0 m/s.

  2. 02Bernoulli (gleiche Höhe)

    p1−p2=12ρ(v22−v12)=12⋅1000⋅(25−4)p_{1}-p_{2}=\tfrac{1}{2}\rho(v_{2}^{2}-v_{1}^{2})=\tfrac{1}{2}\cdot 1000\cdot(25-4)p1​−p2​=21​ρ(v22​−v12​)=21​⋅1000⋅(25−4).

  3. 03Auswertung

    p1−p2=12⋅1000⋅21=1,05⋅104p_{1}-p_{2}=\tfrac{1}{2}\cdot 1000\cdot 21=1{,}05\cdot 10^{4}p1​−p2​=21​⋅1000⋅21=1,05⋅104 Pa ≈0,105\approx 0{,}105≈0,105 bar.

Ergebnis: v2=5,0v_{2}=5{,}0v2​=5,0 m/s; im engen Abschnitt ist der Druck um rund 0,110{,}110,11 bar niedriger (Venturi-Effekt).

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Die Kontinuitätsgleichung sagt: wo das Rohr enger wird, strömt das Fluid schneller.

  2. 2

    Bernoulli verbindet statischen Druck, dynamischen Druck und Schweredruck zu einem konstanten Gesamtdruck.

  3. 3

    Der Venturi-Effekt erklärt Tragflächenauftrieb, Zerstäuber und Wasserstrahlpumpen.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank4 Punkte

Aufgabenstellung

Erläutere die Kontinuitätsgleichung und die Bernoulli-Gleichung. Erkläre damit den Auftrieb einer Tragfläche und berechne die Ausströmgeschwindigkeit aus einem Loch 1,81{,}81,8 m unter dem Wasserspiegel eines offenen Tanks.

Maturafokus

  • Kontinuität und Bernoulli kombiniert auf Rohrverengungen anwenden.
  • Den Venturi-Effekt physikalisch (nicht nur "Sog") begründen.
  • Grenzen des idealen Modells (Reibung, Turbulenz) benennen.

Typische Fehler

  • Bernoulli auf reibungsbehaftete oder instationäre Strömungen unkritisch angewandt.
  • Statischen und dynamischen Druck verwechselt.
  • Hohe Geschwindigkeit mit hohem statischem Druck gleichgesetzt.

Aktive Wiederholung

Aus einem grossen offenen Wassertank strömt Wasser durch ein Loch 2,02{,}02,0 m unter dem Wasserspiegel. Bestimme mit der Bernoulli-Gleichung die Ausströmgeschwindigkeit (Torricelli) und vergleiche sie mit dem freien Fall.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Demtröder Experimentalphysik 1 - Hydrodynamik (Springer)

§ 05

Oberflächenspannung und Kapillarität#

●●○StandardLPPHY-Fluid-2b.5

Kernpunkte

Die Oberflächenspannung σ\sigmaσ entsteht, weil ein Molekül im Inneren der Flüssigkeit von allen Seiten gleich angezogen wird, eines an der Oberfläche aber nur nach innen und zur Seite. Diese resultierende Kraft nach innen lässt sich als Energie pro Fläche oder gleichwertig als Kraft pro Länge auffassen (Einheit N/m).
Weil das Vergrößern der Oberfläche Energie kostet, streben Flüssigkeiten eine möglichst kleine Oberfläche an: Ein frei fallender Tropfen und eine Seifenblase werden kugelförmig, weil die Kugel bei gegebenem Volumen die kleinste Oberfläche hat.
Ob eine Flüssigkeit eine Wand benetzt, hängt vom Wettstreit zweier Kräfte ab: der Adhäsion (Anziehung zwischen Flüssigkeit und Wand) und der Kohäsion (Anziehung der Flüssigkeitsmoleküle untereinander). Überwiegt die Adhäsion, benetzt die Flüssigkeit (Wasser auf Glas, konkaver Meniskus); überwiegt die Kohäsion, perlt sie ab (Quecksilber, konvexer Meniskus).
In engen Röhren führt das zur Kapillarität: Eine benetzende Flüssigkeit wie Wasser steigt auf (), eine nicht benetzende wie Quecksilber wird hinabgedrückt. Die Steighöhe folgt aus dem Gleichgewicht von Oberflächenkraft und Gewicht der Säule.

Kapillarität - Steighöhe in einer engen Röhre

Kapillarsteighöhe hSchematische Darstellung mit 8 Elementen, h, Kapillare, WasserhKapillareWasser
Abb. 5Benetzende Flüssigkeit steigt in der Kapillare auf die Höhe h=2σρgrh=\dfrac{2\sigma}{\rho g r}h=ρgr2σ​.
Quantitativ gilt die Kapillarsteighöhe h=2σρgrh=\dfrac{2\sigma}{\rho g r}h=ρgr2σ​: Sie ist umgekehrt proportional zum Röhrenradius - je enger die Kapillare, desto höher steigt die Flüssigkeit. Diese 1/r1/r1/r-Abhängigkeit ist die häufigste Prüfungsaussage.
Kapillarität ist allgegenwärtig: Sie treibt das Wasser im Docht einer Kerze hoch, transportiert Wasser in Pflanzen und im Boden, zieht Lötzinn in feine Spalte und lässt Tinte ins Löschpapier dringen.
h=2σρ g rh=\dfrac{2\sigma}{\rho\,g\,r}h=ρgr2σ​

Kapillarsteighöhe

σ=Fl=ΔEΔA\sigma=\dfrac{F}{l}=\dfrac{\Delta E}{\Delta A}σ=lF​=ΔAΔE​

Oberflächenspannung

Musterbeispiel

Kapillarsteighöhe von Wasser

σ=0,073\sigma=0{,}073σ=0,073 N/m, ρ=1000\rho=1000ρ=1000 kg/m3^{3}3, r=0,50r=0{,}50r=0,50 mm =5,0⋅10−4=5{,}0\cdot 10^{-4}=5,0⋅10−4 m.

  1. 01Formel

    h=2σρgrh=\dfrac{2\sigma}{\rho g r}h=ρgr2σ​.

  2. 02Einsetzen

    h=2⋅0,0731000⋅9,81⋅5,0⋅10−4=0,1464,905h=\dfrac{2\cdot 0{,}073}{1000\cdot 9{,}81\cdot 5{,}0\cdot 10^{-4}}=\dfrac{0{,}146}{4{,}905}h=1000⋅9,81⋅5,0⋅10−42⋅0,073​=4,9050,146​.

  3. 03Auswertung

    h≈0,0298h\approx 0{,}0298h≈0,0298 m ≈3,0\approx 3{,}0≈3,0 cm.

Ergebnis: Wasser steigt rund 3,03{,}03,0 cm; bei halbem Radius wäre die Steighöhe doppelt so gross (h∝1/rh\propto 1/rh∝1/r).

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Oberflächenspannung entsteht, weil Moleküle an der Oberfläche nach innen gezogen werden.

  2. 2

    Bei benetzenden Flüssigkeiten überwiegt die Adhäsion, und das Fluid steigt in engen Röhren auf.

  3. 3

    Je enger die Kapillare, desto höher steigt die Flüssigkeit - das nutzt jede Pflanze.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank4 Punkte

Aufgabenstellung

Erkläre die Oberflächenspannung und das Phänomen der Kapillarität auf molekularer Ebene. Nenne zwei Alltagsbeispiele und berechne die Kapillarsteighöhe in einer Röhre mit Radius 0,250{,}250,25 mm für Wasser.

Maturafokus

  • Oberflächenspannung als Kraft pro Länge bzw. Energie pro Fläche deuten.
  • Kapillarsteighöhe berechnen und die 1/r1/r1/r-Abhängigkeit erklären.
  • Benetzung über Adhäsion und Kohäsion begründen.

Typische Fehler

  • Oberflächenspannung mit dem Druck verwechselt.
  • Kapillarsteighöhe proportional zu rrr statt 1/r1/r1/r angenommen.
  • Adhäsion und Kohäsion vertauscht.

Aktive Wiederholung

Berechne die Steighöhe von Wasser (σ=0,073\sigma=0{,}073σ=0,073 N/m, ρ=1000\rho=1000ρ=1000 kg/m3^{3}3) in einer Kapillare mit Radius 0,500{,}500,50 mm und erläutere, warum dünnere Röhren höher steigen.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: OpenStax College Physics - Cohesion and Adhesion (OpenStax)

§ 06

Viskosität und reale Strömungen#

●●●VertiefungLPPHY-Fluid-2b.6

Kernpunkte

Die Viskosität (Zähigkeit) η\etaη beschreibt die innere Reibung eines Fluids: Benachbarte Flüssigkeitsschichten, die aneinander vorbeigleiten, bremsen sich gegenseitig. Honig hat eine hohe, Wasser eine niedrige Viskosität - deshalb fließt Honig zäh und langsam, Wasser leicht.
Bei niedriger Geschwindigkeit ist die Strömung laminar: Das Fluid bewegt sich in geordneten, parallelen Schichten. Bei hoher Geschwindigkeit schlägt sie in eine turbulente Strömung mit Wirbeln um, in der sich die Schichten chaotisch durchmischen.
Welcher Fall vorliegt, entscheidet die dimensionslose Reynolds-Zahl Re=ρvdηRe=\dfrac{\rho v d}{\eta}Re=ηρvd​. Kleine Werte (etwa Re<2300Re<2300Re<2300 im Rohr) bedeuten laminare, große Werte turbulente Strömung. Weil sie dimensionslos ist, erlaubt sie den Vergleich ganz unterschiedlicher Strömungen vom Blutgefäß bis zur Pipeline.
Auf eine langsam (laminar) durch ein zähes Fluid bewegte Kugel wirkt nach dem Stokesschen Gesetz die Reibungskraft F=6πηrvF=6\pi\eta r vF=6πηrv. Da sie mit der Geschwindigkeit wächst, stellt sich beim Sinken rasch ein Kräftegleichgewicht ein: Gewicht === Auftrieb +++ Stokes-Reibung, und die Kugel sinkt von da an mit konstanter Endgeschwindigkeit ().

Sinkende Kugel - Kräfte bei Endgeschwindigkeit

Sinkende Kugel · KräftegleichgewichtKräfteplan, F_G: 270°, F_A: 110°, F_R: 70°FGFAFR
Abb. 6Bei konstanter Sinkgeschwindigkeit gilt FG=FA+FRF_{G}=F_{A}+F_{R}FG​=FA​+FR​ (Gewicht = Auftrieb + Stokes-Reibung).
In einer laminaren Rohrströmung beschreibt das Gesetz von Hagen-Poiseuille den Durchfluss; er wächst mit der vierten Potenz des Radius. Eine Halbierung des Gefäßradius senkt den Durchfluss also auf ein Sechzehntel - in der Medizin der Grund, warum schon eine geringe Verengung eines Blutgefäßes große Wirkung hat.
Wegen Viskosität und Turbulenz weichen reale Strömungen stets von der idealen Bernoulli-Beschreibung ab: Ein Teil der Strömungsenergie wird in Wärme dissipiert, und es treten Strömungswiderstände auf, die das ideale Modell nicht kennt.
Re=ρ v dηRe=\dfrac{\rho\,v\,d}{\eta}Re=ηρvd​

Reynolds-Zahl

FStokes=6π η r vF_{Stokes}=6\pi\,\eta\,r\,vFStokes​=6πηrv

Stokessche Reibungskraft

Musterbeispiel

Stokessche Reibung einer sinkenden Kugel

r=1,0r=1{,}0r=1,0 mm =1,0⋅10−3=1{,}0\cdot 10^{-3}=1,0⋅10−3 m, v=0,02v=0{,}02v=0,02 m/s, η=1,5\eta=1{,}5η=1,5 Pa s.

  1. 01Formel

    F=6πηrvF=6\pi\eta r vF=6πηrv.

  2. 02Einsetzen

    F=6π⋅1,5⋅1,0⋅10−3⋅0,02F=6\pi\cdot 1{,}5\cdot 1{,}0\cdot 10^{-3}\cdot 0{,}02F=6π⋅1,5⋅1,0⋅10−3⋅0,02.

  3. 03Auswertung

    F≈5,65⋅10−4F\approx 5{,}65\cdot 10^{-4}F≈5,65⋅10−4 N.

Ergebnis: Die Reibungskraft beträgt rund 5,7⋅10−45{,}7\cdot 10^{-4}5,7⋅10−4 N; bei konstanter Sinkgeschwindigkeit halten sich Gewicht, Auftrieb und Reibung im Gleichgewicht.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Die Viskosität beschreibt die innere Reibung eines Fluids - Honig ist zäher als Wasser.

  2. 2

    Die dimensionslose Reynolds-Zahl entscheidet, ob eine Strömung laminar oder turbulent ist.

  3. 3

    Im Stokesschen Bereich fällt eine Kugel mit konstanter Geschwindigkeit, weil sich alle Kräfte ausgleichen.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank4 Punkte

Aufgabenstellung

Erkläre den Unterschied zwischen laminarer und turbulenter Strömung und die Bedeutung der Reynolds-Zahl. Was beschreibt das Stokessche Gesetz, und warum sinkt ein Teilchen in einer zähen Flüssigkeit mit konstanter Geschwindigkeit?

Maturafokus

  • Laminare und turbulente Strömung anhand der Reynolds-Zahl unterscheiden.
  • Stokessche Reibung für sinkende Teilchen anwenden.
  • Grenzen des idealen Bernoulli-Modells durch Viskosität benennen.

Typische Fehler

  • Viskosität mit Dichte verwechselt.
  • Reynolds-Zahl als dimensionsbehaftet behandelt (sie ist dimensionslos).
  • Stokessches Gesetz auf turbulente Strömung angewandt.

Aktive Wiederholung

Eine kleine Kugel (r=1,0r=1{,}0r=1,0 mm) sinkt mit konstanter Geschwindigkeit v=0,02v=0{,}02v=0,02 m/s in Glyzerin (η=1,5\eta=1{,}5η=1,5 Pa s). Berechne die Stokessche Reibungskraft und erläutere, warum die Sinkgeschwindigkeit konstant ist.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Demtröder Experimentalphysik 1 - Viskosität (Springer)

Inhalt

Abschnitt -- / 06

    • 01Druck, Schweredruck und Pascalsches Prinzip○
    • 02Archimedischer Auftrieb und Schwimmen○
    • 03Aerostatik - Luftdruck und Gasgesetze◐
    • 04Strömungslehre - Kontinuität und Bernoulli●
    • 05Oberflächenspannung und Kapillarität◐
    • 06Viskosität und reale Strömungen●

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Aus den Notizen ins Training

Hydrostatik und Aerostatik

Festige dieses Thema an passenden Aufgaben aus der Fragenbank.

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Kompetenzen
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Beispielfrage

Erläutere den Begriff Druck und das Pascalsche Prinzip. Erkläre die Funktion einer hydraulischen Presse und berechne, welche Last ein Druck von 202020 N auf einer Kolbenfläche von 2,02{,}02,0 cm2^{2}2 an einem Hubkolben von 505050 cm2^{2}2 heben kann.

4 BE · 2023

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Belege & Quellen

Quellen

OpenStax

  • OpenStax College Physics - Fluid Statics

Springer

  • Demtröder Experimentalphysik 1 - Hydrodynamik

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