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Klinische Psychologie und Psychotherapie

Psychische Störungen nach ICD-11/DSM-5, Therapieansätze, Stigmatisierung und Recovery.

6 Abschnitte·~19 Min Lesezeit·3 Kompetenzen·Niveau Standard 4 · Vertiefung 2·Stand 06/2026

T·151515 / 15
Prüfungsprofil
PP-Psy-Klin-1 · Wichtige psychische Störungen charakterisierenPP-Psy-Klin-2 · Therapieansätze unterscheidenPP-Psy-Klin-3 · Gesellschaftliche Dimension (Stigma, Recovery) reflektieren
Tiefe

Lesetiefe: Vertiefung

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Inhalt · 6 Abschnitte▾
  1. Klinische Psychologie und Psychotherapie
    • 01Psychische Störungen: Überblick◐
    • 02Psychotherapieansätze◐
    • 03Stigmatisierung, Recovery und Suizidprävention●
    • 04Diagnostik und Normalitätskonzepte◐
    • 05Angststörungen und Depression — Erklärungsmodelle●
    • 06Biopsychosoziales Modell und Ätiologie◐
§ 01

Psychische Störungen: Überblick#

●●○StandardLPPP-Psy-Klin-1.1

Kernpunkte

Psychische Störungen werden in den beiden großen Klassifikationssystemen erfasst: dem ICD-11 (WHO, weltweit, auch für die Versorgung/Abrechnung) und dem DSM-5-TR (APA, forschungsnah). Beide sind deskriptiv-kategorial und weitgehend atheoretisch — sie beschreiben Symptommuster, ohne eine bestimmte Ursachentheorie festzulegen ().

Häufige psychische Störungen im Überblick

Psychische StörungenTabelle mit 3 Spalten und 5 Zeilen, Daten: Störung · Leitsymptome · Hinweis; Depression · Stimmung↓, Anhedonie · ≥ 2 Wochen; Angststörungen · übermäßige, anhaltende Angst · Phobie, Panik, GAS; Schizophrenie · Positiv- & Negativsymptome · nicht „gespalten"; Sucht · Kontrollverlust, Toleranz · kein Willensproblem; PTBS · Wiedererleben, Vermeidung · nach TraumaSTÖRUNGLEITSYMPTOMEHINWEISDEPRESSIONStimmung↓, Anhedonie≥ 2 WochenANGSTSTÖRUNGENübermäßige, anhaltende AngstPhobie, Panik, GASSCHIZOPHRENIEPositiv- & Negativsymptomenicht „gespalten"SUCHTKontrollverlust, Toleranzkein WillensproblemPTBSWiedererleben, Vermeidungnach Trauma
Abb. 1Leitsymptome zentraler Störungsgruppen nach ICD-11/DSM-5 — mit den wichtigsten Missverständnissen.
Entscheidend ist: Nicht jedes auffällige Erleben ist eine Störung. Ein Störungswert setzt typischerweise drei Kriterien voraus — eine ausreichende Symptomdauer, Leidensdruck und eine Funktionsbeeinträchtigung (Schule, Arbeit, Beziehungen). Das schützt vor der Pathologisierung normaler Reaktionen.
Die Depression ist mehr als Traurigkeit: Kernsymptome sind gedrückte Stimmung, Anhedonie (Verlust von Freude/Interesse) und Energieverlust, dazu Schlaf- und Appetitstörungen, Konzentrationsprobleme, Wertlosigkeitsgefühle und mögliche Suizidalität (Dauer ≥ 2 Wochen).
Angststörungen sind die häufigste Gruppe: generalisierte Angststörung, Panikstörung, spezifische Phobien und soziale Angststörung. Ihnen gemeinsam ist eine übermäßige, anhaltende Angst, die nicht der realen Gefahr entspricht (die Zwangsstörung bildet im ICD-11 ein eigenes Kapitel).
Die Schizophrenie zeigt Positivsymptome (etwas kommt hinzu: Wahn, Halluzinationen) und Negativsymptome (etwas fehlt: Antriebsverlust, Affektverflachung, sozialer Rückzug). Sie ist KEINE „gespaltene Persönlichkeit" — ein hartnäckiges, falsches Klischee.
Substanzkonsumstörungen (Sucht) sind durch Kontrollverlust, Toleranzentwicklung (mehr für dieselbe Wirkung), Entzugssymptome und fortgesetzten Konsum trotz schädlicher Folgen gekennzeichnet. Sucht ist eine Erkrankung mit neurobiologischer Grundlage, kein bloßes Willensproblem.
Die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entsteht nach einem traumatischen Ereignis und umfasst Wiedererleben (Flashbacks, Albträume), Vermeidung von Auslösereizen und anhaltende Übererregung (Hyperarousal). Die Symptome sind nachvollziehbare Reaktionen auf eine unnormale Belastung.
Musterbeispiel

Eine Depression diagnostisch einordnen — ein Fallbeispiel

Eine 17-Jährige ist seit Wochen niedergeschlagen, hat die Freude an allem verloren, schläft schlecht, ist erschöpft und hält sich für „wertlos". Welche diagnostischen Kriterien wären zu prüfen, und was ist abzugrenzen?

  1. 011. Leitsymptome erfassen

    Gedrückte Stimmung, Anhedonie (Freudlosigkeit) und Antriebslosigkeit sind die Kernsymptome der depressiven Episode; hinzu kommen Schlafstörung, Erschöpfung und Wertlosigkeitsgefühle (Abb. 1).

  2. 022. Allgemeine Störungskriterien prüfen

    Erst Dauer (≥ 2 Wochen), deutlicher Leidensdruck und Funktionsbeeinträchtigung (Schule, soziale Kontakte) machen aus Traurigkeit eine behandlungsbedürftige Störung.

  3. 033. Suizidalität abklären

    Wertlosigkeit und Hoffnungslosigkeit erfordern, Suizidgedanken DIREKT und einfühlsam anzusprechen — das „weckt" keine Ideen (verbreiteter, falscher Mythos), sondern entlastet und ermöglicht Hilfe.

  4. 044. Differenzialdiagnose

    Abzugrenzen sind normale Trauer (klarer Anlass, klingt ab), Anpassungsstörung, somatische Ursachen (z. B. Schilddrüse, Mangelzustände) und eine bipolare Störung (gab es frühere manische Phasen?).

  5. 055. Vorgehen

    Keine Selbstdiagnose, sondern Verweis auf fachliche Abklärung (ICD-11/DSM-5-TR sind deskriptiv-kategorial). Hilfe- und Therapieoptionen (KVT, ggf. Medikation) und stigma-sensible Kommunikation: Eine Diagnose ist Hilfe zur Behandlung, kein Etikett.

Ergebnis: Zu prüfen sind Leitsymptome (Stimmung, Anhedonie, Antrieb), Dauer, Leidensdruck, Funktionsbeeinträchtigung und Suizidalität sowie Differenzialdiagnosen. Die Einordnung dient der Behandlung — Suizidalität wird direkt angesprochen, die Diagnose nicht als Stigma verwendet.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank10 Punkte

Aufgabenstellung

Erläutern Sie die wichtigsten Symptome einer depressiven Episode nach ICD-11 und diskutieren Sie biologische, psychologische und soziale Ursachenmodelle.

Maturafokus

  • Drei Diagnosekriterien (Dauer, Leidensdruck, Funktionsbeeinträchtigung) nennen.
  • Unterschied Positiv-/Negativsymptome Schizophrenie.
  • PTBS-Kriterien (Wiedererleben, Vermeidung, Hyperarousal, Dauer) korrekt benennen.

Typische Fehler

  • Depression mit Traurigkeit gleichsetzen.
  • Schizophrenie als „gespaltene Persönlichkeit" missverstehen.
  • Sucht als reines Willensproblem deuten.

Aktive Wiederholung

Beschreiben Sie ein realistisches Fallbeispiel einer Person mit Depression — welche diagnostischen Kriterien wären zu prüfen?

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: ICD-11 — World Health Organization (WHO) · DSM-5-TR — American Psychiatric Association (APA)

§ 02

Psychotherapieansätze#

●●○StandardLPPP-Psy-Klin-2.1

Kernpunkte

Die Psychotherapieverfahren lassen sich vier großen Richtungen zuordnen (), die sich in ihrem Störungs- und Veränderungsverständnis unterscheiden. Jede leitet ihre Methoden aus einer der psychologischen Grundparadigmen ab.

Die großen Psychotherapierichtungen

TherapieansätzeTabelle mit 3 Spalten und 4 Zeilen, Daten: Verfahren · Kernidee · Methode; Psychoanalyse · unbewusste Konflikte · freie Assoziation, Deutung; VT / KVT · Lernen & Kognition · Exposition, Umstrukturierung; Humanistisch · Selbstaktualisierung · Echtheit, Empathie (Rogers); Systemisch · Beziehungssystem · zirkuläre Fragen, ReframingVERFAHRENKERNIDEEMETHODEPSYCHOANALYSEunbewusste Konfliktefreie Assoziation, DeutungVT / KVTLernen & KognitionExposition, UmstrukturierungHUMANISTISCHSelbstaktualisierungEchtheit, Empathie (Rogers)SYSTEMISCHBeziehungssystemzirkuläre Fragen, Reframing
Abb. 2Vier Grundrichtungen mit ihrer Kernidee und charakteristischen Methode.
Die Psychoanalyse/Tiefenpsychologie (Freud) zielt auf das Aufdecken und Durcharbeiten unbewusster Konflikte: mittels freier Assoziation, Traumdeutung und der Analyse der Übertragung. Sie ist tendenziell langfristig und deutungsorientiert — die historische Wurzel der „sprechenden Heilung".
Die Verhaltens- und kognitive Therapie (KVT) ist heute am besten empirisch belegt. Sie verbindet Lern- und Kognitionstheorie: Über Konfrontation/Exposition (gegen Ängste), kognitive Umstrukturierung (dysfunktionale Gedanken prüfen) und Verhaltensaktivierung (bei Depression) wird gezielt am gegenwärtigen Problem gearbeitet.
Die humanistische Therapie (Rogers, Gesprächspsychotherapie) setzt auf die personzentrierte Haltung: Echtheit, Empathie und unbedingte Wertschätzung schaffen das Klima, in dem die Selbstaktualisierung wieder in Gang kommt. Die systemische Therapie wiederum rückt nicht das Individuum, sondern das Beziehungssystem (Familie) in den Fokus und arbeitet mit zirkulären Fragen und Reframing.
In Österreich ist Psychotherapie gesetzlich geregelt (Psychotherapiegesetz): Über 20 Methoden sind anerkannt — darunter Psychoanalyse, Individualpsychologie, Verhaltenstherapie, systemische Familientherapie und Gesprächspsychotherapie. Therapie ist von Beratung/Coaching abzugrenzen (Krankheitswertigkeit, geschützter Rahmen).
Psychopharmaka (Antidepressiva, Anxiolytika, Antipsychotika) sind kein Gegensatz zur Psychotherapie, sondern ergänzen sie — bei schweren Störungen oft in Kombination. Sie wirken auf die Symptome (z. B. Botenstoffe), ersetzen aber die psychotherapeutische Bearbeitung selten.
Zur Wirksamkeit: Studien zeigen, dass die anerkannten Verfahren grundsätzlich wirken und sich oft weniger unterscheiden als erwartet — die „allgemeinen Wirkfaktoren" (therapeutische Allianz, Erwartung/Hoffnung, Aktivierung von Ressourcen) erklären viel („Dodo-Bird-Verdict": „alle haben gewonnen"). Passung von Verfahren, Störung und Person bleibt dennoch wichtig.
Musterbeispiel

Kognitive Verhaltenstherapie anwenden — das ABC-Schema

Wenden Sie das ABC-Schema (Ellis) auf einen Prüfungsangst-Fall an und leiten Sie eine kognitive Intervention ab.

  1. 011. Schema einführen

    Das ABC-Schema unterscheidet A (activating event, auslösendes Ereignis), B (beliefs, Bewertungen/Gedanken) und C (consequences, emotionale und Verhaltensfolgen). Nicht A, sondern B verursacht C.

  2. 022. A bestimmen

    Auslösendes Ereignis (A): Eine wichtige Prüfung steht bevor.

  3. 033. B bestimmen

    Dysfunktionale Bewertung (B): „Wenn ich durchfalle, bin ich ein totaler Versager und mein Leben ist ruiniert." Es handelt sich um eine Katastrophisierung und Überverallgemeinerung.

  4. 044. C bestimmen

    Folge (C): starke Angst, Blackout, Vermeidung des Lernens. Die Konsequenz folgt aus der Bewertung B, nicht direkt aus dem Ereignis A.

  5. 055. Intervention ableiten (D und E)

    Kognitive Umstrukturierung (D, disputation): den katastrophisierenden Gedanken prüfen und durch eine realistische Bewertung ersetzen — „Eine Prüfung ist wichtig, aber kein Urteil über meinen Wert; ich kann sie wiederholen." Ergebnis (E): geringere Angst, besseres Lernverhalten.

Ergebnis: Das ABC-Schema zeigt, dass nicht Ereignisse, sondern ihre Bewertung Emotionen erzeugen. Kognitive Umstrukturierung setzt an B an und ist ein Kernverfahren der kognitiven Verhaltenstherapie.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank8 Punkte

Aufgabenstellung

Stellen Sie vier Psychotherapierichtungen mit ihrer Kernidee gegenüber und erläutern Sie die allgemeinen Wirkfaktoren.

Maturafokus

  • Vier Therapierichtungen mit Kernidee benennen.
  • Beispiel einer KVT-Intervention (Exposition, kognitive Umstrukturierung).
  • Allgemeine Wirkfaktoren erklären.

Typische Fehler

  • Psychoanalyse und KVT austauschbar darstellen.
  • Psychopharmaka als Konkurrenz zu Therapie sehen.
  • Therapie und Coaching gleichsetzen.

Aktive Wiederholung

Vergleichen Sie KVT und systemische Therapie an einem Fall „Angst vor Referaten". Welche Interventionen sind charakteristisch?

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Spektrum.de — Psychotherapie (Spektrum)

§ 03

Stigmatisierung, Recovery und Suizidprävention#

●●●VertiefungLPPP-Psy-Klin-3.1

Kernpunkte

Über die medizinische hinaus hat psychische Krankheit eine gesellschaftliche Dimension. Goffman (1963) bestimmt Stigma als ein „beschädigtes" soziales Ansehen und unterscheidet drei Formen: das öffentliche Stigma (Vorurteile der Gesellschaft), das Selbst-Stigma (Verinnerlichung dieser Vorurteile durch die Betroffenen) und das strukturelle Stigma (Benachteiligung in Institutionen, Gesetzen, Versorgung).
Die Folgen sind gravierend: Stigma führt zu verzögerter oder unterlassener Hilfesuche (aus Scham), sozialer Isolation, schlechteren Behandlungschancen und vermindertem Selbstwert. Das Stigma kann so belastender sein als die Erkrankung selbst — ein zentraler Grund, warum Aufklärung Teil der Versorgung ist.
Der Recovery-Ansatz verschiebt das Ziel: Genesung ist nicht primär Symptomfreiheit, sondern ein persönlicher Prozess hin zu einem selbstbestimmten, sinnvollen Leben — auch mit fortbestehenden Symptomen. Das CHIME-Modell () nennt fünf Säulen: Connectedness (Verbundenheit), Hope (Hoffnung), Identity (Identität), Meaning (Sinn) und Empowerment (Selbstwirksamkeit).

Das CHIME-Recovery-Modell

Recovery-ModellBaumdiagramm, 5 Pfade, Daten: Verbundenheit; Hoffnung; Identität; Sinn; EmpowermentRecovery (CHIME)VerbundenheitHoffnungIdentitätSinnEmpowerment
Abb. 3Recovery als persönlicher Prozess ruht auf fünf Säulen — mehr als bloße Symptomfreiheit.
Recovery setzt auf die Beteiligung der Betroffenen: Peer-Support (Begleitung durch selbst Betroffene) und der Trialog (gleichberechtigter Austausch von Erkrankten, Angehörigen und Professionellen) machen Betroffene zu Expert:innen ihrer eigenen Genesung statt zu bloßen Behandlungsobjekten.
Suizidprävention ist evidenzbasiert: Risikofaktoren (frühere Versuche, soziale Isolation, Hoffnungslosigkeit, akute Krise) erkennen, Suizidgedanken DIREKT ansprechen (das weckt keine Ideen — Mythos!) und an Hilfsangebote vermitteln (Telefonseelsorge 142, Rat auf Draht 147). Suizidalität nicht anzusprechen ist gefährlicher als das offene Gespräch.
Auch Medien wirken: Der Werther-Effekt beschreibt Nachahmungssuizide nach reißerischer, detaillierter Berichterstattung; der Papageno-Effekt die schützende Wirkung von Berichten, die Auswege, Hilfe und Bewältigung zeigen. Daraus folgen Leitlinien für verantwortungsvolle Berichterstattung.
Rechtlich ist in Österreich vieles geregelt: das Psychotherapiegesetz, das Krankenanstaltenrecht und die Patientenverfügung; die Schweigepflicht der Behandelnden hat ihre Grenze dort, wo eine ernste Selbst- oder Fremdgefährdung Schutzpflichten auslöst.
Musterbeispiel

Suizidprävention und Recovery — richtig reagieren

Eine Mitschülerin äußert Hoffnungslosigkeit und deutet an, „es nicht mehr auszuhalten". Wie reagieren Sie evidenzbasiert, und welche Rolle spielen Recovery und Medien?

  1. 011. Risiko ernst nehmen

    Warnzeichen (Hoffnungslosigkeit, sozialer Rückzug, frühere Versuche, konkrete Andeutungen) nicht bagatellisieren — besonders in akuten Krisen ist Aufmerksamkeit lebenswichtig.

  2. 022. Direkt ansprechen

    Suizidgedanken offen und ruhig anzusprechen senkt das Risiko und weckt KEINE Ideen (verbreiteter, falscher Mythos). Zuhören, ernst nehmen, nicht moralisieren oder beschwichtigen.

  3. 033. Hilfe vermitteln

    An professionelle Stellen verweisen — Telefonseelsorge (142), Rat auf Draht (147), Ärztin/Krisendienst; in akuter Gefahr die Person nicht allein lassen und aktiv Unterstützung organisieren.

  4. 044. Recovery-Perspektive

    Genesung ist ein persönlicher Prozess: Das CHIME-Modell (Verbundenheit, Hoffnung, Identität, Sinn, Empowerment, Abb. 3) betont Ressourcen, Peer-Support und Hoffnung — Recovery ist mehr als bloße Symptomfreiheit.

  5. 055. Medien und Stigma

    Der Werther-Effekt (Nachahmung nach reißerischer Berichterstattung) und der Papageno-Effekt (Schutzwirkung lösungs- und hilfeorientierter Berichte) zeigen: Wie über Suizid und psychische Krankheit gesprochen wird, hat reale Folgen — entstigmatisierende Kommunikation rettet Leben.

Ergebnis: Richtig ist: Warnzeichen ernst nehmen, Suizidgedanken direkt ansprechen (kein „Ideen wecken"), professionelle Hilfe vermitteln und nicht allein lassen. Recovery (CHIME) und entstigmatisierende, papageno-orientierte Kommunikation stützen die Prävention.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank10 Punkte

Aufgabenstellung

Diskutieren Sie Ursachen und Folgen der Stigmatisierung psychisch Erkrankter und mögliche Gegenmaßnahmen.

Maturafokus

  • Drei Stigma-Formen unterscheiden.
  • CHIME-Komponenten des Recovery-Modells nennen.
  • Werther- und Papageno-Effekt benennen.

Typische Fehler

  • Recovery mit Symptomfreiheit gleichsetzen.
  • Suizidalität nicht direkt ansprechen aus Angst, „Ideen zu wecken" — wissenschaftlich falsch.
  • Stigma als reines Medienproblem darstellen.

Aktive Wiederholung

Entwickeln Sie ein Konzept für eine schulische Anti-Stigma-Kampagne, das Recovery-orientierte Botschaften und Suizidprävention integriert.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Spektrum.de — Stigma psychisch Erkrankter (Spektrum)

§ 04

Diagnostik und Normalitätskonzepte#

●●○StandardLPPP-Psy-Klin-1.2

Kernpunkte

Bevor man eine Störung diagnostiziert, muss geklärt sein, was überhaupt als „normal" gilt — und das ist keine triviale Frage. Man unterscheidet vier Normalitätsbegriffe (): die statistische Norm (Häufigkeit), die ideale Norm (ein Soll-/Idealzustand), die soziale Norm (gesellschaftliche Erwartung) und die funktionale Norm (Leidensdruck und Beeinträchtigung).

Vier Normalitätsbegriffe

NormalitätsbegriffeTabelle mit 3 Spalten und 4 Zeilen, Daten: Normbegriff · Kriterium · Grenze; Statistisch · Häufigkeit · Hochbegabung „abnorm"?; Ideal · Soll-/Idealzustand · utopisch, wertend; Sozial · gesellschaftl. Erwartung · kulturabhängig; Funktional · Leidensdruck, Einschränkung · heute zentralNORMBEGRIFFKRITERIUMGRENZESTATISTISCHHäufigkeitHochbegabung „abnorm"?IDEALSoll-/Idealzustandutopisch, wertendSOZIALgesellschaftl. ErwartungkulturabhängigFUNKTIONALLeidensdruck, Einschränkungheute zentral
Abb. 4Was als „normal" oder „gestört" gilt, hängt vom zugrunde gelegten Normbegriff ab.
Jeder Begriff hat Grenzen: Die statistische Norm würde auch Hochbegabung als „abnorm" werten; die ideale Norm ist utopisch und wertend; die soziale Norm ist kulturabhängig und kann Anpassung erzwingen. Für den klinischen Störungswert ist daher vor allem die funktionale Norm maßgeblich.
Konkret gilt ein Störungswert, wenn mehrere Kriterien zusammenkommen: Leidensdruck, Funktionsbeeinträchtigung, deutliche Abweichung von Normen UND eine gewisse Dauer. Erst diese Kombination unterscheidet eine Störung von einer vorübergehenden Reaktion oder einer bloßen Normvariante.
Diagnostiziert wird mit den Klassifikationssystemen ICD-11 (WHO, weltweit, versorgungsnah) und DSM-5-TR (APA, forschungsnah). Beide sind deskriptiv-kategorial und weitgehend atheoretisch — sie beschreiben Symptome und legen keine bestimmte Ursachentheorie fest.
Diagnostische Verfahren müssen den Gütekriterien genügen: Objektivität (untersucherunabhängig), Reliabilität (zuverlässig/wiederholbar) und Validität (sie messen wirklich die Störung). Eine seriöse Diagnose ist multimodal — Anamnese, klinisches Interview, standardisierte Tests sowie Selbst- und Fremdurteil zusammen.
Diagnosen haben auch Schattenseiten: Etikettierung (labeling), Stigmatisierung und die Pathologisierung von Normvarianten. Rosenhans Studie „On being sane in insane places" (1973) — Gesunde wurden in Kliniken aufgenommen und kaum als gesund erkannt — gilt als klassische Kritik an der Verlässlichkeit psychiatrischer Diagnosen.
Daraus folgt eine doppelte Haltung: Eine Diagnose ist ein nützliches Werkzeug (Verständigung, Therapieplanung, Kostenträger) — aber kein Werturteil über die Person. Sie soll Hilfe ermöglichen, nicht abwerten; verantwortungsvolle Diagnostik bleibt sich der Etikettierungsgefahr bewusst.
Musterbeispiel

Krankheit oder Normvariante? — ausgeprägte Schüchternheit beurteilen

Beurteilen Sie mit den vier Normalitätsbegriffen, ob ausgeprägte Schüchternheit als psychische Störung gelten sollte.

  1. 011. Statistische Norm

    Sehr schüchtern zu sein ist statistisch selten — aber „selten" heißt nicht „krank" (auch Hochbegabung weicht statistisch ab). Dieses Kriterium allein genügt nicht (Abb. 4).

  2. 022. Ideale Norm

    Ein „Idealzustand" (immer souverän und kontaktfreudig) ist utopisch und wertend — als Krankheitsmaßstab untauglich, weil ihn niemand erfüllt.

  3. 033. Soziale Norm

    Schüchternheit verstößt gegen die Erwartungen geselliger Gesellschaften, ist aber kulturabhängig (in manchen Kontexten geschätzt). Abweichung von sozialen Normen darf nicht vorschnell pathologisiert werden.

  4. 044. Funktionale Norm (entscheidend)

    Erst wenn deutlicher Leidensdruck UND eine relevante Funktionsbeeinträchtigung (Schule, Beziehungen) über längere Dauer hinzukommen, ist ein Störungswert plausibel — dann spräche man von sozialer Angststörung, nicht von „Schüchternheit".

  5. 055. Schluss und Vorsicht

    Eine Persönlichkeitsvariante ist keine Störung. Vorschnelle Diagnosen pathologisieren Normvarianten (Etikettierung, Rosenhan-Studie); Diagnostik dient der Hilfe, nicht der Abwertung. Entscheidend sind Leidensdruck und Beeinträchtigung, nicht bloße Abweichung.

Ergebnis: Schüchternheit ist für sich genommen keine Störung: Statistische, ideale und soziale Norm taugen nicht als Maßstab. Erst die funktionale Norm (Leidensdruck + Beeinträchtigung + Dauer) begründet einen Störungswert (soziale Angststörung) — sonst droht Pathologisierung einer Normvariante.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank8 Punkte

Aufgabenstellung

Unterscheiden Sie vier Normalitätsbegriffe und beurteilen Sie an einem Beispiel, wann von einem Störungswert auszugehen ist.

Maturafokus

  • Unterscheiden Sie vier Normalitätsbegriffe mit je einem Beispiel.
  • Vergleichen Sie ICD-11 und DSM-5 hinsichtlich Herausgeber und Funktion.
  • Erläutern Sie Objektivität, Reliabilität und Validität als Gütekriterien.

Typische Fehler

  • Statistische Abweichung automatisch als Krankheit deuten.
  • ICD und DSM als identisch oder als Ursachentheorien darstellen.
  • Diagnose mit Stigmatisierung gleichsetzen statt als Hilfe zur Behandlung.

Aktive Wiederholung

Beurteilen Sie anhand der Normalitätsbegriffe, ob ausgeprägte Schüchternheit als psychische Störung gelten sollte.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: ICD-11 — Mental, behavioural or neurodevelopmental disorders (World Health Organization)

§ 05

Angststörungen und Depression — Erklärungsmodelle#

●●●VertiefungLPPP-Psy-Klin-1.3

Kernpunkte

Angststörungen (Phobien, Panikstörung, generalisierte und soziale Angststörung) und Depression sind die häufigsten psychischen Störungen — und Musterbeispiele dafür, wie verschiedene Erklärungsmodelle (lerntheoretisch, kognitiv, biologisch) zusammenwirken. Gemeinsam ist den Angststörungen eine übermäßige, anhaltende Angst, die nicht der realen Gefahr entspricht.
Das lerntheoretische Modell der Phobie ist Mowrers Zwei-Faktoren-Theorie: Die Angst wird durch klassische Konditionierung ERWORBEN (ein neutraler Reiz wird mit Angst gekoppelt, ) und durch operante Vermeidung AUFRECHTERHALTEN — das Meiden des Reizes wird durch die nachlassende Angst negativ verstärkt, sodass keine korrigierende Erfahrung möglich ist.

Furchtkonditionierung (Erwerb einer Phobie)

FurchtkonditionierungNetzgraph, Neutraler Reiz → Kopplung, Trauma (US) → Kopplung, Kopplung → Reiz = CS, Reiz = CS → Phobie (CR)Neutraler ReizTrauma (US)KopplungReiz = CSPhobie (CR)
Abb. 5Ein neutraler Reiz, der mit einem Trauma (US) gekoppelt wird, wird zum konditionierten Stimulus und löst danach allein eine Phobie aus (Watson & Rayner, „Little Albert").
Becks kognitives Modell der Depression rückt die Gedanken ins Zentrum: dysfunktionale Schemata und systematische Denkfehler erzeugen die kognitive Triade — ein durchgängig negatives Bild von sich selbst, der Welt und der Zukunft. Nicht das Ereignis, sondern seine pessimistische Deutung hält die Depression aufrecht.
Ergänzend erklären lerntheoretisch-attributionale Modelle die Depression: Seligmans gelernte Hilflosigkeit (wiederholte Unkontrollierbarkeit führt zu Resignation) und die spätere Hoffnungslosigkeitstheorie (eine internal-stabil-globale Attribution von Negativem) zeigen, wie Erfahrungen und Deutungsstile depressiv machen.
Auf biologischer Ebene spielen eine Dysregulation der Neurotransmitter (Serotonin, Noradrenalin), eine genetische Disposition und eine Überaktivität der HPA-Stressachse (Cortisol) eine Rolle. Keiner dieser Faktoren erklärt die Störung allein — sie sind Bausteine, keine Komplettursache.
Diese Bausteine integriert das Vulnerabilitäts-Stress-Modell (Diathese-Stress): Eine individuelle Verwundbarkeit (genetisch, biografisch, kognitiv) plus belastende Lebensereignisse löst die Störung aus. So erklärt sich, warum dieselbe Belastung den einen krank macht und den anderen nicht.
Die Behandlung folgt den Modellen: Bei Angst die Exposition (Konfrontation ohne Vermeidung, um die Konditionierung zu löschen), bei Depression die kognitive Umstrukturierung und Verhaltensaktivierung — Kernstücke der KVT —, ergänzt bei Bedarf durch Antidepressiva. Wirksam ist meist die Kombination.
Querverweis: Das lerntheoretische Phobiemodell beruht auf klassischer und operanter Konditionierung aus dem Thema Lernen und Gedächtnis; Seligmans gelernte Hilflosigkeit knüpft direkt an die Attributionstheorie im Thema Emotion und Motivation an — die klinische Psychologie wendet hier Grundlagenwissen an.
Musterbeispiel

Vulnerabilitäts-Stress-Modell anwenden

Erläutern Sie am Beispiel einer depressiven Episode, wie das Vulnerabilitäts-Stress-Modell Entstehung und Verlauf einer psychischen Störung erklärt.

  1. 011. Modell benennen

    Das Vulnerabilitäts-Stress-Modell (Diathese-Stress-Modell) erklärt psychische Störungen aus dem Zusammenwirken einer Anfälligkeit (Vulnerabilität) und äußeren Belastungen (Stressoren).

  2. 022. Vulnerabilitätsfaktoren bestimmen

    Disposition: genetische Belastung, frühe Verlusterfahrungen, dysfunktionale Denkmuster (Becks kognitive Triade: negative Sicht von Selbst, Welt, Zukunft).

  3. 033. Stressoren bestimmen

    Auslösende Belastung: ein kritisches Lebensereignis wie Arbeitsplatzverlust, Trennung oder chronische Überlastung.

  4. 044. Wechselwirkung erklären

    Bei hoher Vulnerabilität genügt geringer Stress, um die Schwelle zur Episode zu überschreiten; bei niedriger Vulnerabilität braucht es starke Stressoren. Die Störung entsteht aus dem Zusammenspiel, nicht aus einer Ursache allein.

  5. 055. Konsequenz für Therapie ableiten

    Ansatzpunkte auf beiden Seiten: Stress reduzieren (Entlastung, Problemlösung) und Vulnerabilität senken (kognitive Umstrukturierung, Aufbau von Ressourcen und Bewältigungsstrategien).

Ergebnis: Das Vulnerabilitäts-Stress-Modell erklärt die Depression als Resultat von Disposition und Belastung. Es ist die Grundlage des biopsychosozialen Verständnisses und begründet mehrdimensionale Therapie und Prävention.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank8 Punkte

Aufgabenstellung

Erklären Sie die Entstehung einer Phobie mit der Zwei-Faktoren-Theorie und stellen Sie Becks kognitive Triade der Depression dar.

Maturafokus

  • Erklären Sie die Entstehung einer Phobie mit der Zwei-Faktoren-Theorie.
  • Stellen Sie Becks kognitive Triade der Depression dar.
  • Erläutern Sie das Vulnerabilitäts-Stress-Modell an einem Beispiel.

Typische Fehler

  • Angst grundsätzlich als krankhaft darstellen statt als sinnvolle Reaktion mit Störungswert erst bei Übermaß.
  • Depression mit vorübergehender Traurigkeit gleichsetzen.
  • Nur biologische oder nur psychologische Ursachen anführen.

Aktive Wiederholung

Analysieren Sie die Entstehung und Aufrechterhaltung einer Hundephobie mit lern- und kognitionstheoretischen Konzepten.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Spektrum.de — Depression (Spektrum)

§ 06

Biopsychosoziales Modell und Ätiologie#

●●○StandardLPPP-Psy-Klin-2.2

Kernpunkte

Das biopsychosoziale Modell (Engel 1977) ist das integrative Leitmodell der heutigen klinischen Psychologie und Medizin: Psychische (und körperliche) Störungen entstehen nicht aus EINER Ursache, sondern aus dem Zusammenspiel biologischer, psychischer und sozialer Faktoren (). Es überwindet das einseitige rein biomedizinische Krankheitsmodell.

Biopsychosoziales Modell

Biopsychosoziales ModellNetzgraph, Biologisch (Gene, Neuro) → Psychische Störung, Psychisch (Kognition) → Psychische Störung, Sozial (Umwelt) → Psychische StörungBiologisch(Gene, Neuro)Psychisch(Kognition)Sozial (Umwelt)PsychischeStörung
Abb. 6Psychische Störungen entstehen aus dem Zusammenwirken biologischer, psychischer und sozialer Faktoren (Engel).
Die biologische Ebene umfasst Genetik, Neurotransmitter, Hirnstruktur und -funktion sowie körperliche Erkrankungen — die „Hardware" der Verwundbarkeit. Sie liefert oft eine Disposition, selten die alleinige Ursache.
Die psychische Ebene umfasst die Lerngeschichte, Kognitionen und Überzeugungen, Bewältigungsstile und frühe Bindungserfahrungen — also, wie eine Person die Welt deutet und mit Belastung umgeht. Hier setzen die meisten Psychotherapien an.
Die soziale Ebene umfasst Familie und Beziehungen, sozioökonomischen Status, kritische Lebensereignisse und kulturelle Faktoren. Armut, Isolation oder Diskriminierung sind reale Krankheitsfaktoren — Gesundheit ist auch eine soziale Frage.
Das Zusammenwirken fasst das Diathese-Stress-Konzept: Eine Verwundbarkeit (Diathese, biologisch oder psychisch angelegt) führt erst in Verbindung mit ausreichender Umweltbelastung (Stress) zur manifesten Störung. So erklärt sich, warum dieselbe Belastung unterschiedlich wirkt.
Die Salutogenese (Antonovsky) ergänzt die Perspektive um eine zweite Frage: Nicht nur „Was macht krank?" (Pathogenese), sondern „Was hält gesund?" Zentral ist das Kohärenzgefühl (die Welt als verstehbar, handhabbar und sinnvoll erleben) als Schutzfaktor. Pathogenese und Salutogenese sind keine Gegensätze, sondern ergänzen einander.
Daraus folgt die praktische Konsequenz: Behandlung und Prävention müssen MULTIMODAL auf allen drei Ebenen ansetzen (z. B. Medikation + Psychotherapie + soziale Unterstützung) und Schutzfaktoren stärken. Eine rein biologische (oder rein psychologische) Erklärung psychischer Störungen greift zu kurz.
Musterbeispiel

Einen Fall biopsychosozial analysieren — Burnout

Eine Lehrerin entwickelt über Monate Erschöpfung, Zynismus und Leistungsabfall (Burnout). Analysieren Sie den Fall mit dem biopsychosozialen Modell und ordnen Sie je zwei Faktoren den drei Ebenen zu.

  1. 011. Modell erinnern

    Das biopsychosoziale Modell (Engel) erklärt Störungen aus dem Zusammenspiel biologischer, psychischer und sozialer Faktoren — keine Ebene allein genügt (Abb. 6).

  2. 022. Biologische Ebene

    Chronische Stressaktivierung (HPA-Achse, dauerhaft erhöhtes Cortisol), anhaltender Schlafmangel und eventuell eine genetische Vulnerabilität für Erschöpfung/Depression.

  3. 033. Psychische Ebene

    Perfektionistische Ansprüche und dysfunktionale Kognitionen („ich muss allen gerecht werden"), ungünstige Bewältigungsstile (kein Abschalten) und geringe wahrgenommene Kontrolle.

  4. 044. Soziale Ebene

    Hohe Arbeitsbelastung und große Klassen, mangelnde Anerkennung und Unterstützung, Rollenkonflikte sowie gesellschaftlicher Leistungsdruck.

  5. 055. Konsequenz

    Nach dem Diathese-Stress-Konzept lösen Anlage-Verwundbarkeit plus chronische Belastung das Syndrom aus. Behandlung und Prävention müssen auf ALLEN drei Ebenen ansetzen (Entlastung, kognitive Arbeit, Erholung) und Schutzfaktoren stärken (Salutogenese, Antonovskys Kohärenzgefühl, soziale Unterstützung).

Ergebnis: Burnout ist nicht monokausal: Biologische (Cortisol, Schlaf), psychische (Perfektionismus, Kontrollverlust) und soziale Faktoren (Überlastung, fehlende Anerkennung) wirken zusammen (Diathese-Stress). Wirksame Hilfe setzt auf allen drei Ebenen an und stärkt Ressourcen (Salutogenese).

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank8 Punkte

Aufgabenstellung

Erläutern Sie das biopsychosoziale Modell mit je einem Faktor pro Ebene und begründen Sie, warum eine rein biologische Erklärung psychischer Störungen unzureichend ist.

Maturafokus

  • Erläutern Sie das biopsychosoziale Modell mit je einem Faktor pro Ebene.
  • Vergleichen Sie pathogenetische und salutogenetische Perspektive.
  • Begründen Sie, warum eine rein biologische Erklärung psychischer Störungen unzureichend ist.

Typische Fehler

  • Eine Ebene (z. B. Biologie) verabsolutieren.
  • Diathese-Stress-Modell mit reinem Determinismus gleichsetzen.
  • Salutogenese und Pathogenese als Gegensätze statt als Ergänzung darstellen.

Aktive Wiederholung

Analysieren Sie einen Fall (z. B. Burnout) mit dem biopsychosozialen Modell und ordnen Sie je zwei Faktoren den drei Ebenen zu.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Spektrum.de — Biopsychosoziales Modell (Spektrum)

Inhalt

Abschnitt -- / 06

    • 01Psychische Störungen: Überblick◐
    • 02Psychotherapieansätze◐
    • 03Stigmatisierung, Recovery und Suizidprävention●
    • 04Diagnostik und Normalitätskonzepte◐
    • 05Angststörungen und Depression — Erklärungsmodelle●
    • 06Biopsychosoziales Modell und Ätiologie◐

0/6 Gelesen

Aus den Notizen ins Training

Klinische Psychologie und Psychotherapie

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Kompetenzen
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Beispielfrage

Erläutern Sie die wichtigsten Symptome einer depressiven Episode nach ICD-11 und diskutieren Sie biologische, psychologische und soziale Ursachenmodelle.

10 BE · 2024

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Belege & Quellen

Quellen

WHO

  • ICD-11 — World Health Organization

APA

  • DSM-5-TR — American Psychiatric Association

Spektrum

  • Spektrum.de — Psychotherapie
  • Spektrum.de — Stigma psychisch Erkrankter
  • Spektrum.de — Depression
  • Spektrum.de — Biopsychosoziales Modell

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Persönlichkeit und Sozialpsychologie

EuraStudy·Notizen T·15·MMXXVI

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