EuraStudy
Notizen/Mathematik/AG 1 - Zahlen, Terme, Potenzen und Logarithmen
Notizen · MathematikAT · Matura

AG 1 - Zahlen, Terme, Potenzen und Logarithmen

Grundlegende Werkzeuge der Algebra: Zahlenmengen, Termumformungen, Potenz-, Wurzel- und Logarithmusgesetze. Diese Kompetenzen werden in fast jeder anderen Maturaaufgabe vorausgesetzt. Siehe Thema AG 2 (Gleichungen, Ungleichungen und Gleichungssysteme), in dem diese Umformungen unmittelbar angewendet werden.

6 Abschnitte·~16 Min Lesezeit·3 Kompetenzen·Niveau Basis 4 · Standard 2·Stand 06/2026

T·0111 / 13
Prüfungsprofil
AG 1.1 · Wissen über die Zahlenmengen N, Z, Q, R verstehen und anwendenAG 1.2 · Mit Variablen, Termen, Formeln und Gleichungen arbeitenAG 2.1 · Einfache Terme und Formeln aufstellen, umformen und im Kontext deuten (Potenzen, Wurzeln, Logarithmen)
Tiefe

Lesetiefe: Vertiefung

Schrift

Schriftgröße: Standard

Inhalt · 6 Abschnitte▾
  1. AG 1 - Zahlen, Terme, Potenzen und Logarithmen
    • 01Zahlenmengen N, Z, Q, R und C○
    • 02Terme, Variablen und Äquivalenzumformungen○
    • 03Potenzen, Wurzeln und rationale Exponenten◐
    • 04Logarithmen als Umkehrung der Exponentialfunktion◐
    • 05Intervalle, Mengen und Schreibweisen○
    • 06Betrag, Runden und Näherungswerte○
§ 01

Zahlenmengen N, Z, Q, R und C#

●○○BasisLPAG-1.1

Zahlenmengen-Hierarchie

C - Komplexe Zahlen R - Reelle Zahlen Q - Rationale Zahlen Z N N subset Z subset Q subset R subset C
Abb. 1N als Kern, schalenartig erweitert um Z, Q, R und C.

Kernpunkte

Die natürlichen Zahlen N={0, 1, 2,… }\mathbb{N}=\{0,\,1,\,2,\dots\}N={0,1,2,…} bilden die Basis zum Zählen; in Österreich gehört die Null per Konvention zu N\mathbb{N}N.
Die ganzen Zahlen Z\mathbb{Z}Z entstehen durch Hinzunehmen der negativen Zahlen, die rationalen Zahlen Q\mathbb{Q}Q durch alle Brüche pq\tfrac{p}{q}qp​ mit q≠0q\neq 0q=0.
Reelle Zahlen R\mathbb{R}R füllen die Zahlengerade lückenlos; irrationale Zahlen wie 2\sqrt{2}2​, π\piπ oder e\mathrm{e}e besitzen keine periodische Dezimaldarstellung.
Komplexe Zahlen C\mathbb{C}C erweitern R\mathbb{R}R um die imaginäre Einheit i=−1\mathrm{i}=\sqrt{-1}i=−1​; sie liegen in der AHS-Matura ausserhalb des Grundkompetenzkatalogs, treten aber in Erweiterungsaufgaben auf.
Es gilt die strikte Inklusionskette N⊂Z⊂Q⊂R⊂C\mathbb{N}\subset\mathbb{Z}\subset\mathbb{Q}\subset\mathbb{R}\subset\mathbb{C}N⊂Z⊂Q⊂R⊂C; jede Erweiterung löst eine Gleichungsklasse, die in der vorigen Menge nicht lösbar war.
Bei Modellierungen muss der Zahlenbereich zum Kontext passen: Personenanzahl in N\mathbb{N}N, Kontostand in Q\mathbb{Q}Q, Streckenlängen in R+\mathbb{R}^{+}R+.
Musterbeispiel

Zahlentyp bestimmen

Ordne −73-\tfrac{7}{3}−37​, 2\sqrt{2}2​, 0,27‾0{,}\overline{27}0,27 und π\piπ den Zahlenmengen N,Z,Q,R∖Q\mathbb{N},\mathbb{Z},\mathbb{Q},\mathbb{R}\setminus\mathbb{Q}N,Z,Q,R∖Q zu.

  1. 01Bruch

    −73∈Q-\tfrac{7}{3}\in\mathbb{Q}−37​∈Q, da Bruch ganzer Zahlen; nicht in Z\mathbb{Z}Z.

  2. 02Wurzel aus 2

    Beweis über Widerspruch zeigt, dass 2\sqrt{2}2​ nicht als Bruch darstellbar ist; 2∈R∖Q\sqrt{2}\in\mathbb{R}\setminus\mathbb{Q}2​∈R∖Q.

  3. 03Periodische Dezimalzahl

    0,27‾=2799=311∈Q0{,}\overline{27}=\tfrac{27}{99}=\tfrac{3}{11}\in\mathbb{Q}0,27=9927​=113​∈Q.

  4. 04Kreiszahl

    π\piπ ist transzendent, also π∈R∖Q\pi\in\mathbb{R}\setminus\mathbb{Q}π∈R∖Q.

Ergebnis: Periodische und endliche Dezimalzahlen sind rational; Wurzeln aus Nicht-Quadratzahlen sowie π\piπ und e\mathrm{e}e sind irrational.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Stell dir die Zahlenmengen als ineinander verschachtelte Schalen vor: ganz innen die natürlichen Zahlen.

    Zahlenmengen-Hierarchie

    C - Komplexe Zahlen R - Reelle Zahlen Q - Rationale Zahlen Z N N subset Z subset Q subset R subset C
    Abb.N als Kern, schalenartig erweitert um Z, Q, R und C.
  2. 2

    Jede Erweiterung löst ein Problem: negative Zahlen, Brüche, irrationale Wurzeln und schliesslich Wurzeln aus negativen Zahlen.

  3. 3

    In Maturaaufgaben wird oft die kleinste Menge gefragt, in der eine Zahl enthalten ist - schreite immer von innen nach aussen.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank4 Punkte

Aufgabenstellung

Gegeben sind vier Zahlen: a=−3a=-3a=−3, b=58b=\tfrac{5}{8}b=85​, c=16c=\sqrt{16}c=16​, d=7d=\sqrt{7}d=7​. Kreuze die jeweils kleinste Zahlenmenge an, in der die Zahl liegt: N\mathbb{N}N, Z\mathbb{Z}Z, Q\mathbb{Q}Q, R∖Q\mathbb{R}\setminus\mathbb{Q}R∖Q.

Maturafokus

  • In Typ-1-Aufgaben werden zu vorgegebenen Beispielzahlen die korrekten Mengensymbole markiert - Mehrfachzuordnungen sind üblich.
  • Achte auf das Schlüsselwort "kleinste Menge, in der ... liegt" - oft ist nur die engste Menge gefragt.
  • Periodische Dezimalzahlen sind immer rational; "endlos und ohne Periode" ist das definierende Merkmal irrationaler Zahlen.
  • Eine Begründung wie "weil 2\sqrt{2}2​ keine endliche Dezimaldarstellung hat" reicht nicht - irrationale Zahlen können ebenfalls beliebig genau dezimal approximiert werden; entscheidend ist die fehlende Periodizität.

Typische Fehler

  • Null wird fälschlich aus N\mathbb{N}N ausgeschlossen, obwohl der österreichische Lehrplan sie einschliesst.
  • Periodische Dezimalzahlen wie 0,3‾0{,}\overline{3}0,3 werden als irrational behauptet.
  • 4=2\sqrt{4}=24​=2 wird als irrational eingestuft, weil die Wurzel auftaucht; entscheidend ist aber das Ergebnis.

Aktive Wiederholung

Ordne 227\tfrac{22}{7}722​, 9\sqrt{9}9​, 1,010010001…1{,}010010001\dots1,010010001… (nicht periodisch) und −5-5−5 den Mengen N\mathbb{N}N, Z\mathbb{Z}Z, Q\mathbb{Q}Q, R∖Q\mathbb{R}\setminus\mathbb{Q}R∖Q zu und begründe jede Zuordnung mit einem Satz.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: AHS-Lehrplan Mathematik (Oberstufe), Kompetenzbereich Algebra und Geometrie (BMBWF / RIS) · Grundkompetenzen Mathematik AHS (IQS)

§ 02

Terme, Variablen und Äquivalenzumformungen#

●○○BasisLPAG-1.2LPAG-2.1

Faktorisierung und Nullstellen von f(x)=x²-9

Faktorisierung und Nullstellen von f(x) = x² − 9Schaubild von f(x) = x² − 9, Nullstellen bei x = -3, 3, Tiefpunkt bei (0, -9), y-Achsenabschnitt bei y = -9, im Bereich x von -4.5 bis 4.5−4−224−10−5510x₁ = −3x₂ = 3f(x) = x² − 9yx
Abb. 2Die faktorisierte Form x2−9=(x−3)(x+3)x^{2}-9=(x-3)(x+3)x2−9=(x−3)(x+3) macht die Nullstellen x=±3x=\pm 3x=±3 unmittelbar sichtbar - sie sind die Schnittpunkte der Parabel mit der xxx-Achse.

Kernpunkte

Ein Term ist eine sinnvolle Verknüpfung von Zahlen, Variablen und Operationszeichen - etwa 3x2−2x+13x^{2}-2x+13x2−2x+1 oder der Bruchterm 2a+1a−3\tfrac{2a+1}{a-3}a−32a+1​. Variablen sind dabei reine Platzhalter: Erst durch Einsetzen konkreter Zahlen erhält ein Term einen Wert, und genau diese Werte will man durch geschicktes Umformen erhalten.
Eine Äquivalenzumformung - Ausmultiplizieren, Herausheben, Kürzen oder Erweitern - ändert nur die Schreibweise eines Terms, nicht seinen Wert. Erlaubt ist sie genau dann, wenn der Definitionsbereich unverändert bleibt; deshalb gehört zu jeder Bruchumformung die Angabe, welche xxx-Werte ausgeschlossen sind.
Beim Kürzen darf nie durch Null dividiert werden: x2−9x−3\tfrac{x^{2}-9}{x-3}x−3x2−9​ vereinfacht sich für x≠3x\neq 3x=3 zu x+3x+3x+3, doch an der Stelle x=3x=3x=3 war der ursprüngliche Term gar nicht definiert. Diese Definitionslücke muss man mit anschreiben, sonst gilt die Umformung als unvollständig.
Die binomischen Formeln (a±b)2=a2±2ab+b2(a\pm b)^{2}=a^{2}\pm 2ab+b^{2}(a±b)2=a2±2ab+b2 und (a+b)(a−b)=a2−b2(a+b)(a-b)=a^{2}-b^{2}(a+b)(a−b)=a2−b2 sind das schärfste Umformwerkzeug. Rückwärts gelesen liefern sie die Faktorisierung - aus x2−9x^{2}-9x2−9 wird (x−3)(x+3)(x-3)(x+3)(x−3)(x+3) -, mit der sich Brüche kürzen und Nullstellen direkt ablesen lassen.
Polynome höheren Grades zerlegt man mit Polynomdivision oder dem Hornerschema in P(x)=(x−x0)⋅Q(x)+rP(x)=(x-x_{0})\cdot Q(x)+rP(x)=(x−x0​)⋅Q(x)+r. Ist x0x_{0}x0​ eine Nullstelle, so ist der Rest r=0r=0r=0; der abgespaltene Linearfaktor senkt den Grad - die Standardtechnik der späteren Kurvendiskussion (Thema AN).
Anschaulich ist jede Umformung ein Brillenwechsel auf denselben Ausdruck: Die ausmultiplizierte Form eignet sich zum Ableiten, die faktorisierte zum Ablesen der Nullstellen. Die Matura belohnt, wer bewusst die passende Form wählt, statt mechanisch immer dieselbe zu erzwingen.
(a+b)2=a2+2ab+b2,(a−b)2=a2−2ab+b2,(a+b)(a−b)=a2−b2(a+b)^{2}=a^{2}+2ab+b^{2},\quad (a-b)^{2}=a^{2}-2ab+b^{2},\quad (a+b)(a-b)=a^{2}-b^{2}(a+b)2=a2+2ab+b2,(a−b)2=a2−2ab+b2,(a+b)(a−b)=a2−b2

Binomische Formeln

Musterbeispiel

Term mit Potenzen und Wurzel vereinfachen

Vereinfache a3⋅a−1/2a2\dfrac{\sqrt{a^{3}}\cdot a^{-1/2}}{a^{2}}a2a3​⋅a−1/2​ für a>0a>0a>0 und gib das Ergebnis als Potenz von aaa an.

  1. 01Wurzel als Potenz schreiben

    a3=a3/2\sqrt{a^{3}}=a^{3/2}a3​=a3/2.

  2. 02Zähler zusammenfassen

    a3/2⋅a−1/2=a3/2−1/2=a1=aa^{3/2}\cdot a^{-1/2}=a^{3/2-1/2}=a^{1}=aa3/2⋅a−1/2=a3/2−1/2=a1=a.

  3. 03Nenner kürzen

    aa2=a1−2=a−1\dfrac{a}{a^{2}}=a^{1-2}=a^{-1}a2a​=a1−2=a−1.

Ergebnis: Ergebnis: a−1=1aa^{-1}=\tfrac{1}{a}a−1=a1​ für a>0a>0a>0.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Eine Äquivalenzumformung ändert die Schreibweise eines Terms, nicht seinen Wert.

  2. 2

    Beim Bruch faktorisierst du Zähler und Nenner und kürzt nur gemeinsame Faktoren.

  3. 3

    Schreib am Ende den Definitionsbereich auf - das schützt dich vor Punktabzug.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank3 Punkte

Aufgabenstellung

Vereinfache den Term x2−4x2−4x+4\dfrac{x^{2}-4}{x^{2}-4x+4}x2−4x+4x2−4​ so weit wie möglich und gib den Definitionsbereich in R\mathbb{R}R an.

Maturafokus

  • Der Operator „vereinfache" verlangt eine eindeutige Endform - lass keine weiter kürzbare oder mehrdeutige Schreibweise stehen.
  • Bei jeder Bruchumformung gehört die Angabe des Definitionsbereichs dazu; sie ist beurteilungsrelevant, auch wenn nicht ausdrücklich danach gefragt wird.
  • „Faktorisiere" heißt: binomische Formel rückwärts lesen oder einen Linearfaktor herausheben - das spart in den Folgeaufgaben viel Rechenarbeit.
  • Eine Polynomdivision kontrollierst du selbst, indem du das Ergebnis wieder ausmultiplizierst (Probe) - so fällt ein Vorzeichenfehler sofort auf.

Typische Fehler

  • Ausdrücke wie a+ba\tfrac{a+b}{a}aa+b​ zu bbb kürzen.
  • Vorzeichenfehler bei (a−b)2=a2−2ab+b2(a-b)^{2}=a^{2}-2ab+b^{2}(a−b)2=a2−2ab+b2 (mittlerer Term wird positiv geschrieben).
  • Definitionsbereich von Brüchen wird vergessen.

Aktive Wiederholung

Vereinfache x2−9x2−6x+9\dfrac{x^{2}-9}{x^{2}-6x+9}x2−6x+9x2−9​ und gib den Definitionsbereich an.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Mathago Maturaaufgaben - Algebra (Mathago)

§ 03

Potenzen, Wurzeln und rationale Exponenten#

●●○StandardLPAG-2.1

Potenzfunktionen mit ganzem und rationalem Exponenten

Potenzfunktionen: Wurzel, Quadrat und KubikSchaubild von √x = x^(1/2), Nullstellen bei x = 0, y-Achsenabschnitt bei y = 0, steigend, im Bereich x von 0 bis 2.2, Schaubild von x², Nullstellen bei x = 0, y-Achsenabschnitt bei y = 0, steigend, im Bereich x von 0 bis 2.2, Schaubild von x³, Nullstellen bei x = 0, y-Achsenabschnitt bei y = 0, steigend, im Bereich x von 0 bis 2.20.511.521234√x = x(1/2)x²x³yx
Abb. 3Je größer der Exponent, desto steiler der Anstieg; der Bruchexponent 12\tfrac{1}{2}21​ liefert die Wurzelfunktion x=x1/2\sqrt{x}=x^{1/2}x​=x1/2 (für x≥0x\ge 0x≥0).

Kernpunkte

Eine Potenz ana^{n}an mit n∈Nn\in\mathbb{N}n∈N bedeutet die nnn-fache Multiplikation der Basis aaa mit sich selbst. Die scheinbar willkürlichen Konventionen a0=1a^{0}=1a0=1 (für a≠0a\neq 0a=0) und a−n=1ana^{-n}=\tfrac{1}{a^{n}}a−n=an1​ sind kein Zufall - sie sind genau so gewählt, dass das Gesetz am⋅an=am+na^{m}\cdot a^{n}=a^{m+n}am⋅an=am+n lückenlos weitergilt.
Damit lässt sich auch das Wurzelziehen als Potenzieren schreiben: amn=am/n\sqrt[n]{a^{m}}=a^{m/n}nam​=am/n für a>0a>0a>0. Ein rationaler Exponent ist also nur eine kompakte Wurzelschreibweise - a1/2=aa^{1/2}=\sqrt{a}a1/2=a​, a2/3=a23a^{2/3}=\sqrt[3]{a^{2}}a2/3=3a2​ -, wodurch jede Wurzelrechnung auf die drei Potenzgesetze zurückfällt.
Die Potenzgesetze am⋅an=am+na^{m}\cdot a^{n}=a^{m+n}am⋅an=am+n, aman=am−n\tfrac{a^{m}}{a^{n}}=a^{m-n}anam​=am−n und (am)n=am⋅n(a^{m})^{n}=a^{m\cdot n}(am)n=am⋅n gelten nur bei gleicher Basis; bei gleichem Exponenten kommt an⋅bn=(ab)na^{n}\cdot b^{n}=(ab)^{n}an⋅bn=(ab)n hinzu. Für Summen gibt es keine solche Regel: am+ana^{m}+a^{n}am+an lässt sich nicht zu am+na^{m+n}am+n zusammenfassen.
Die Voraussetzung a>0a>0a>0 ist beim rationalen Exponenten zentral: (−8)1/2(-8)^{1/2}(−8)1/2 ist in R\mathbb{R}R nicht definiert, weil keine reelle Zahl quadriert −8-8−8 ergibt. Und bei geraden Wurzeln gilt a2=∣a∣\sqrt{a^{2}}=|a|a2​=∣a∣, nicht aaa - der Betrag erzwingt das nichtnegative Ergebnis.
In Anwendungen sind Potenzen die Sprache des prozentuellen Wachstums: 5 %5\,\%5% Zinsen pro Jahr entsprechen dem Wachstumsfaktor 1,051{,}051,05, über 888 Jahre also 1,0581{,}05^{8}1,058. Dieselbe Struktur kehrt bei den Exponentialfunktionen (Thema FA) und beim Zinseszins in WS wieder.
Anschaulich verschiebt jeder Schritt auf der Exponentenleiter den Wert um denselben Faktor - aus dem Multiplizieren von Werten wird das Addieren von Exponenten. Genau diese Übersetzung „mal wird plus" nutzt später der Logarithmus, der die Umkehrung liefert.
am⋅an=am+n,aman=am−n,(am)n=am⋅na^{m}\cdot a^{n}=a^{m+n},\quad \frac{a^{m}}{a^{n}}=a^{m-n},\quad (a^{m})^{n}=a^{m\cdot n}am⋅an=am+n,anam​=am−n,(am)n=am⋅n

Potenzgesetze (gleiche Basis)

amn=amn,a>0,  n∈N∗a^{\tfrac{m}{n}}=\sqrt[n]{a^{m}},\quad a>0,\; n\in\mathbb{N}^{*}anm​=nam​,a>0,n∈N∗

Wurzel als rationaler Exponent

Musterbeispiel

Potenzen mit rationalem Exponenten zusammenfassen

Schreibe x43⋅x2/3x\dfrac{\sqrt[3]{x^{4}}\cdot x^{2/3}}{\sqrt{x}}x​3x4​⋅x2/3​ für x>0x>0x>0 als einzelne Potenz von xxx.

  1. 01Wurzeln als Potenzen

    x43=x4/3\sqrt[3]{x^{4}}=x^{4/3}3x4​=x4/3 und x=x1/2\sqrt{x}=x^{1/2}x​=x1/2.

  2. 02Zähler zusammenfassen

    x4/3⋅x2/3=x4/3+2/3=x2x^{4/3}\cdot x^{2/3}=x^{4/3+2/3}=x^{2}x4/3⋅x2/3=x4/3+2/3=x2.

  3. 03Durch Nenner dividieren

    x2x1/2=x2−1/2=x3/2\dfrac{x^{2}}{x^{1/2}}=x^{2-1/2}=x^{3/2}x1/2x2​=x2−1/2=x3/2.

Ergebnis: Ergebnis: x3/2=x3x^{3/2}=\sqrt{x^{3}}x3/2=x3​ für x>0x>0x>0.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Die Wurzel ist nur eine andere Schreibweise für eine Potenz mit Bruchexponent.

  2. 2

    Achte streng auf die Voraussetzung Basis größer Null, sonst gelten die Regeln nicht.

  3. 3

    Vereinfache zuerst innerhalb, dann über die Potenzgesetze - so vermeidest du Vorzeichenfehler.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank3 Punkte

Aufgabenstellung

Welche der folgenden Schreibweisen sind äquivalent zu a2/3a^{2/3}a2/3 für a>0a>0a>0? Kreuze alle zutreffenden Ausdrücke an.

Maturafokus

  • Wurzeln aus negativen Basen mit rationalem Exponenten gibt es in R\mathbb{R}R nicht ((−8)1/2∉R(-8)^{1/2}\notin\mathbb{R}(−8)1/2∈/R); prüfe vor dem Vereinfachen das Vorzeichen der Basis.
  • Wachstumsfaktoren werden in FA- und WS-Aufgaben mit den Potenzgesetzen umgeformt - erkenne 1,0581{,}05^{8}1,058 sofort als „8 Jahre zu 5\,%".
  • Beim Operator „vereinfache" zählen klare Zwischenschritte - eine bloße CAS-Endzahl ohne nachvollziehbaren Rechenweg erhält nicht die volle Punktezahl.

Typische Fehler

  • am⋅bn≠(ab)m+na^{m}\cdot b^{n}\neq (ab)^{m+n}am⋅bn=(ab)m+n - Gesetze nur bei gleicher Basis.
  • a2=a\sqrt{a^{2}}=aa2​=a für alle aaa - korrekt ist ∣a∣|a|∣a∣.
  • Negative Basis mit rationalem Exponent: (−2)1/2(-2)^{1/2}(−2)1/2 ist in R\mathbb{R}R nicht definiert.

Aktive Wiederholung

Schreibe a64⋅1a1/2\sqrt[4]{a^{6}}\cdot \dfrac{1}{a^{1/2}}4a6​⋅a1/21​ als einzelne Potenz von aaa (mit a>0a>0a>0).

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: BMBWF Formelheft Mathematik AHS (BMBWF)

§ 04

Logarithmen als Umkehrung der Exponentialfunktion#

●●○StandardLPAG-2.1LPFA-5.6

Exponential- und Logarithmusfunktion als Spiegelung an y=x

Exponential- und Logarithmusfunktion als Spiegelung an y = xSchaubild von eˣ, y-Achsenabschnitt bei y = 1, steigend, im Bereich x von -3 bis 4, Schaubild von ln(x), Nullstellen bei x = 1, im Bereich x von -3 bis 4, Schaubild von y = x, Nullstellen bei x = 0, y-Achsenabschnitt bei y = 0, steigend, im Bereich x von -3 bis 4−3−2−11234−3−2−11234eˣln(x)y = xyx
Abb. 4Die Graphen von ex\mathrm{e}^{x}ex und ln⁡x\ln xlnx liegen spiegelbildlich zur Winkelhalbierenden y=xy=xy=x - das ist die geometrische Bedeutung der Umkehrfunktion.

Kernpunkte

Der Logarithmus beantwortet die Umkehrfrage zur Potenz: log⁡a(x)\log_{a}(x)loga​(x) ist genau der Exponent, mit dem man die Basis aaa potenzieren muss, um xxx zu erhalten - kurz alog⁡a(x)=xa^{\log_{a}(x)}=xaloga​(x)=x. Logarithmieren und Potenzieren heben einander auf; deshalb ist der Graph von ln⁡x\ln xlnx die an der Winkelhalbierenden y=xy=xy=x gespiegelte e\mathrm{e}e-Funktion.
Der natürliche Logarithmus ln⁡x=log⁡ex\ln x=\log_{\mathrm{e}}xlnx=loge​x zur Basis e≈2,718\mathrm{e}\approx 2{,}718e≈2,718 ist der Standard in Differentialrechnung und Wachstumsmodellen, weil seine Ableitung 1x\tfrac{1}{x}x1​ und die von ex\mathrm{e}^{x}ex wieder ex\mathrm{e}^{x}ex besonders einfach sind.
Die Logarithmusgesetze sind die Potenzgesetze in Spiegelung: Ein Produkt wird zur Summe (log⁡(xy)=log⁡x+log⁡y\log(xy)=\log x+\log ylog(xy)=logx+logy), ein Quotient zur Differenz, eine Potenz zum Faktor (log⁡(xr)=rlog⁡x\log(x^{r})=r\log xlog(xr)=rlogx). Diese Verwandlung „mal wird plus" ist der Grund, warum man eine Unbekannte aus dem Exponenten überhaupt herausholen kann.
Über den Basiswechsel log⁡a(x)=ln⁡xln⁡a\log_{a}(x)=\tfrac{\ln x}{\ln a}loga​(x)=lnalnx​ lässt sich jede Basis auf ln⁡\lnln (oder log⁡10\log_{10}log10​) zurückführen - praktisch, weil der Taschenrechner nur diese beiden Tasten besitzt.
Logarithmen sind nur für positive Argumente definiert; ln⁡(x−3)\ln(x-3)ln(x−3) verlangt also x>3x>3x>3. Diese Bedingung schränkt den Definitions- und Lösungsbereich vieler Aufgaben ein und ist häufig die eigentliche Hürde.
Die Standardanwendung ist das Lösen von Exponentialgleichungen: Aus a⋅ekx=ba\cdot\mathrm{e}^{kx}=ba⋅ekx=b wird durch Dividieren und Logarithmieren x=1kln⁡bax=\tfrac{1}{k}\ln\tfrac{b}{a}x=k1​lnab​. So ergeben sich Verdopplungszeit t=ln⁡2kt=\tfrac{\ln 2}{k}t=kln2​ und Halbwertszeit - die Brücke zu den Wachstumsmodellen (Thema FA).
log⁡(xy)=log⁡x+log⁡y,log⁡ ⁣xy=log⁡x−log⁡y,log⁡(xr)=rlog⁡x\log(xy)=\log x+\log y,\quad \log\!\frac{x}{y}=\log x-\log y,\quad \log(x^{r})=r\log xlog(xy)=logx+logy,logyx​=logx−logy,log(xr)=rlogx

Logarithmusgesetze (x, y > 0)

log⁡a(x)=ln⁡xln⁡a\log_{a}(x)=\dfrac{\ln x}{\ln a}loga​(x)=lnalnx​

Basiswechselformel

t2=ln⁡2kt_{2}=\dfrac{\ln 2}{k}t2​=kln2​

Verdopplungszeit bei stetigem Wachstum mit Rate k

Musterbeispiel

Halbwertszeit aus Zerfallsgleichung

Eine Substanz zerfällt gemäß N(t)=N0⋅e−0,05 tN(t)=N_{0}\cdot \mathrm{e}^{-0{,}05\,t}N(t)=N0​⋅e−0,05t (Zeit in Jahren). Bestimme die Halbwertszeit.

  1. 01Halbwertsgleichung

    N02=N0⋅e−0,05 t\tfrac{N_{0}}{2}=N_{0}\cdot \mathrm{e}^{-0{,}05\,t}2N0​​=N0​⋅e−0,05t - durch N0N_{0}N0​ teilen.

  2. 02Logarithmieren

    ln⁡(12)=−0,05 t\ln(\tfrac{1}{2})=-0{,}05\,tln(21​)=−0,05t, also t=−ln⁡(1/2)0,05=ln⁡20,05t=-\dfrac{\ln(1/2)}{0{,}05}=\dfrac{\ln 2}{0{,}05}t=−0,05ln(1/2)​=0,05ln2​.

  3. 03Numerisch

    t≈13,86t\approx 13{,}86t≈13,86 Jahre.

    t=ln⁡20,05≈13,86t=\dfrac{\ln 2}{0{,}05}\approx 13{,}86t=0,05ln2​≈13,86

Ergebnis: Die Halbwertszeit beträgt rund 13,913{,}913,9 Jahre.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Der Logarithmus beantwortet die Frage: mit welchem Exponenten muss die Basis potenziert werden, um diesen Wert zu erhalten?

  2. 2

    Setze beim Lösen ln⁡\lnln auf beiden Seiten an und nutze ln⁡(ex)=x\ln(\mathrm{e}^{x})=xln(ex)=x.

  3. 3

    Prüfe immer den Definitionsbereich: das Argument im Logarithmus muss positiv sein.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank2 Punkte

Aufgabenstellung

Gegeben ist die Gleichung 3⋅ax=123\cdot a^{x}=123⋅ax=12 mit a>0a>0a>0, a≠1a\neq 1a=1. Drücke xxx als Funktion von aaa aus.

Maturafokus

  • Lösungsstrategie für a⋅ekx=ba\cdot \mathrm{e}^{kx}=ba⋅ekx=b: durch aaa dividieren, dann ln⁡\lnln.
  • Achte beim Logarithmieren stets auf den Definitionsbereich: ln⁡(x−3)\ln(x-3)ln(x−3) verlangt x>3x>3x>3.
  • Bei Verdopplungs- oder Halbwertszeitaufgaben lautet die Standardform t=ln⁡2kt=\tfrac{\ln 2}{k}t=kln2​ bzw. t=−ln⁡2kt=-\tfrac{\ln 2}{k}t=−kln2​.

Typische Fehler

  • ln⁡(a+b)\ln(a+b)ln(a+b) wird zu ln⁡a+ln⁡b\ln a+\ln blna+lnb verfälscht.
  • Lösung negativer Argumente wird nicht ausgeschlossen.
  • Basiswechsel wird mit dem falschen Bruch ausgeführt: ln⁡aln⁡x\tfrac{\ln a}{\ln x}lnxlna​.

Aktive Wiederholung

Löse 5⋅e0,12 t=2005\cdot \mathrm{e}^{0{,}12\,t}=2005⋅e0,12t=200 nach ttt auf und gib den Wert auf zwei Nachkommastellen an.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: IQS Grundkompetenzkatalog AG 2.1 (IQS)

§ 05

Intervalle, Mengen und Schreibweisen#

●○○BasisLPAG-1.1

Intervall [-2, 5) auf der Zahlengeraden

Intervall [-2, 5) auf der ZahlengeradenZahlenstrahl, [-2, 5)−20246[−2, 5)
Abb. 5Voller Punkt = Rand eingeschlossen (eckige Klammer), offener Ring = Rand ausgeschlossen (runde Klammer).

Kernpunkte

Intervalle bündeln alle reellen Zahlen zwischen zwei Grenzen. Ein abgeschlossenes Intervall [a,b][a,b][a,b] enthält seine Randpunkte (eckige Klammer, voller Punkt auf der Zahlengeraden), ein offenes (a,b)(a,b)(a,b) schließt sie aus (runde Klammer, offener Ring); die halboffene Mischform [a,b)[a,b)[a,b) tritt in Lösungsmengen besonders häufig auf.
Jedes Intervall lässt sich gleichwertig als Menge schreiben: [a,b)={x∈R∣a≤x<b}[a,b)=\{x\in\mathbb{R}\mid a\le x<b\}[a,b)={x∈R∣a≤x<b}. Die Wahl der Klammer entscheidet also unmittelbar über ≤\le≤ oder <<< in der Bedingung - ein häufiger Stolperstein bei der Punktevergabe.
Mengen verknüpft man mit Vereinigung A∪BA\cup BA∪B (mindestens eine Bedingung erfüllt), Durchschnitt A∩BA\cap BA∩B (beide zugleich) und Differenz A∖BA\setminus BA∖B (in AAA, aber nicht in BBB). Genau diese Operationen liefern die Lösungsmengen zusammengesetzter Ungleichungen.
Unbeschränkte Intervalle schreibt man mit ∞\infty∞ immer mit runder Klammer: [3,∞)[3,\infty)[3,∞), niemals [3,∞][3,\infty][3,∞] - denn ∞\infty∞ ist keine erreichbare Zahl und kann nie selbst Randpunkt sein.
Definitionsbereiche erscheinen oft als Vereinigung mehrerer Intervalle: R∖{0}=(−∞,0)∪(0,∞)\mathbb{R}\setminus\{0\}=(-\infty,0)\cup(0,\infty)R∖{0}=(−∞,0)∪(0,∞) ist der Definitionsbereich von 1x\tfrac{1}{x}x1​. Eine herausgenommene Stelle wird also zu zwei offenen Rändern.
Die leere Menge ∅\emptyset∅ ist schließlich die Lösungsmenge einer unerfüllbaren Bedingung; sie ist streng von {0}\{0\}{0} zu unterscheiden, das die eine Zahl 000 enthält.
[a,b]={x∈R∣a≤x≤b},(a,b)={x∈R∣a<x<b}[a,b]=\{x\in\mathbb{R}\mid a\le x\le b\},\quad (a,b)=\{x\in\mathbb{R}\mid a<x<b\}[a,b]={x∈R∣a≤x≤b},(a,b)={x∈R∣a<x<b}

Intervall- und Mengenschreibweise

Musterbeispiel

Definitionsbereich als Intervallvereinigung

Bestimme den Definitionsbereich von f(x)=1x−2f(x)=\dfrac{1}{\sqrt{x-2}}f(x)=x−2​1​ und schreibe ihn als Intervall.

  1. 01Wurzelbedingung

    Der Radikand muss nichtnegativ sein: x−2≥0x-2\ge 0x−2≥0.

  2. 02Nennerbedingung

    Der Nenner darf nicht Null sein, also x−2≠0\sqrt{x-2}\neq 0x−2​=0, somit x−2>0x-2>0x−2>0.

  3. 03Zusammenführen

    Beide Bedingungen verlangen x>2x>2x>2.

Ergebnis: Definitionsbereich: D=(2,∞)D=(2,\infty)D=(2,∞).

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Eckige Klammern schliessen den Rand ein, runde Klammern schliessen ihn aus.

  2. 2

    Lösungsmengen von Ungleichungen lassen sich als Intervall oder als Menge gleichwertig schreiben.

  3. 3

    Bei Unendlich steht immer eine runde Klammer, da Unendlich kein erreichbarer Wert ist.

Maturafokus

  • Lösungsmengen von Ungleichungen sauber als Intervall oder Mengenschreibweise angeben.
  • Rand der Intervalle korrekt einschliessen oder ausschliessen (eckige vs. runde Klammer).
  • Definitionsbereiche von Bruch- und Wurzelfunktionen als Mengen formulieren.

Typische Fehler

  • Eckige Klammer bei ∞\infty∞ verwendet.
  • Offenes und abgeschlossenes Intervall verwechselt, dadurch Randpunkt fälschlich ein- oder ausgeschlossen.
  • A∖BA\setminus BA∖B als B∖AB\setminus AB∖A berechnet (Reihenfolge der Differenz).

Aktive Wiederholung

Gib die Lösungsmenge von −2≤x<5-2\le x<5−2≤x<5 sowohl in Intervall- als auch in Mengenschreibweise an und stelle sie auf der Zahlengeraden dar.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: AHS-Lehrplan Mathematik, Kompetenzbereich Algebra und Geometrie (BMBWF / RIS)

§ 06

Betrag, Runden und Näherungswerte#

●○○BasisLPAG-1.2

Betragsfunktion f(x)=|x|

Betragsfunktion f(x) = |x|Schaubild von f(x) = |x|, Nullstellen bei x = 0, Tiefpunkt bei (0, 0), y-Achsenabschnitt bei y = 0, im Bereich x von -4 bis 4−4−3−2−11234−11234Knicknicht differenzierbarf(x) = , x, yx
Abb. 6V-förmiger Graph: für x≥0x\ge 0x≥0 ist f(x)=xf(x)=xf(x)=x, für x<0x<0x<0 ist f(x)=−xf(x)=-xf(x)=−x; im Knick bei 000 ist fff stetig, aber nicht differenzierbar.

Kernpunkte

Der Betrag ∣a∣|a|∣a∣ misst den Abstand einer Zahl von Null auf der Zahlengeraden und ist deshalb nie negativ - so ist ∣−7∣=7|{-7}|=7∣−7∣=7 ebenso wie ∣7∣=7|7|=7∣7∣=7. Als Funktion betrachtet liefert f(x)=∣x∣f(x)=|x|f(x)=∣x∣ den charakteristischen V-Graphen mit Knick im Ursprung.
Rechnerisch ist der Betrag eine Fallunterscheidung: ∣a∣=a|a|=a∣a∣=a für a≥0a\ge 0a≥0 und ∣a∣=−a|a|=-a∣a∣=−a für a<0a<0a<0. Betragsgleichungen wie ∣x−2∣=5|x-2|=5∣x−2∣=5 löst man daher in zwei Fällen (x−2=5x-2=5x−2=5 und x−2=−5x-2=-5x−2=−5) und prüft jede Lösung mit einer Probe.
Beim Runden auf nnn Nachkommastellen entscheidet die erste wegfallende Ziffer: Ist sie ≥5\ge 5≥5, wird aufgerundet, sonst ab. Entscheidend ist, erst das Endergebnis zu runden - frühes Runden von Zwischenwerten pflanzt sich als Rundungsfehler fort.
Signifikante Stellen zählen ab der ersten von Null verschiedenen Ziffer; die Messgenauigkeit begrenzt, wie viele davon überhaupt sinnvoll sind. Ein Ergebnis darf nie genauer wirken als die ungenaueste Eingangsgröße.
Der absolute Fehler ∣xexakt−xna¨herung∣|x_{\text{exakt}}-x_{\text{näherung}}|∣xexakt​−xna¨herung​∣ gibt die Abweichung in der Originaleinheit an; der relative Fehler setzt ihn ins Verhältnis zum exakten Wert und macht so verschieden große Werte vergleichbar (meist als Prozentwert).
Anschaulich beantwortet der absolute Fehler „um wie viel?", der relative „um wie viel im Verhältnis zur Größe?". Eine Abweichung von 333 ist bei einem Wert von 200200200 klein (1,5 %1{,}5\,\%1,5%), bei einem Wert von 555 jedoch gewaltig (60 %60\,\%60%).
∣a∣={aa≥0−aa<0|a|=\begin{cases} a & a\ge 0 \\ -a & a<0 \end{cases}∣a∣={a−a​a≥0a<0​

Betrag als Fallunterscheidung

relativer Fehler=∣xexakt−xna¨herung∣∣xexakt∣\text{relativer Fehler}=\dfrac{|x_{\text{exakt}}-x_{\text{näherung}}|}{|x_{\text{exakt}}|}relativer Fehler=∣xexakt​∣∣xexakt​−xna¨herung​∣​

Relativer Fehler

Musterbeispiel

Absoluter und relativer Fehler

Der exakte Wert ist 200200200, gemessen wurden 197197197. Bestimme absoluten und relativen Fehler.

  1. 01Absoluter Fehler

    ∣200−197∣=3|200-197|=3∣200−197∣=3.

  2. 02Relativer Fehler

    3200=0,015\dfrac{3}{200}=0{,}0152003​=0,015.

  3. 03In Prozent

    0,015=1,5 %0{,}015=1{,}5\,\%0,015=1,5%.

Ergebnis: Absoluter Fehler 333, relativer Fehler 1,5 %1{,}5\,\%1,5%.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Der Betrag misst den Abstand zur Null und ist daher nie negativ.

  2. 2

    Beim Runden rundet eine erste wegfallende Ziffer ab fünf aufwärts auf.

  3. 3

    Der relative Fehler setzt den absoluten Fehler ins Verhältnis zum exakten Wert und macht Genauigkeiten vergleichbar.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank3 Punkte

Aufgabenstellung

Bei einer Längenmessung wird ℓmess=49,2 cm\ell_{\text{mess}}=49{,}2\ \text{cm}ℓmess​=49,2 cm abgelesen; der exakte Wert beträgt ℓ=50 cm\ell=50\ \text{cm}ℓ=50 cm. Berechne den absoluten und den relativen Fehler (in Prozent).

Maturafokus

  • Runde am Sachkontext: Geldbeträge auf Cent, Personenanzahlen ganzzahlig, Messwerte auf die Genauigkeit der Eingangsdaten.
  • Unterscheide bei „berechne den Fehler" sauber zwischen absolutem Fehler (mit Einheit) und relativem Fehler (dimensionslos bzw. in Prozent).
  • Löse Betragsgleichungen über die Fallunterscheidung und mache die Probe - es können null, eine oder zwei Lösungen auftreten.

Typische Fehler

  • ∣a∣=a|a|=a∣a∣=a auch für negative aaa angenommen.
  • Zwischenergebnisse zu früh gerundet, dadurch Rundungsfehler verstärkt.
  • Relativen Fehler mit dem absoluten Fehler verwechselt.

Aktive Wiederholung

Eine Messung ergibt ℓ=12,47\ell=12{,}47ℓ=12,47 m, der exakte Wert ist 12,512{,}512,5 m. Berechne absoluten und relativen Fehler und runde sinnvoll.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: IQS Grundkompetenzen Mathematik AHS (IQS)

Inhalt

Abschnitt -- / 06

    • 01Zahlenmengen N, Z, Q, R und C○
    • 02Terme, Variablen und Äquivalenzumformungen○
    • 03Potenzen, Wurzeln und rationale Exponenten◐
    • 04Logarithmen als Umkehrung der Exponentialfunktion◐
    • 05Intervalle, Mengen und Schreibweisen○
    • 06Betrag, Runden und Näherungswerte○

0/6 Gelesen

Aus den Notizen ins Training

AG 1 - Zahlen, Terme, Potenzen und Logarithmen

Festige dieses Thema an passenden Aufgaben aus der Fragenbank.

~16
Min
3
Kompetenzen
Üben
Beispielfrage

Gegeben sind vier Zahlen: a=−3a=-3a=−3, b=58b=\tfrac{5}{8}b=85​, c=16c=\sqrt{16}c=16​, d=7d=\sqrt{7}d=7​. Kreuze die jeweils kleinste Zahlenmenge an, in der die Zahl liegt: N\mathbb{N}N, Z\mathbb{Z}Z, Q\mathbb{Q}Q, R∖Q\mathbb{R}\setminus\mathbb{Q}R∖Q.

4 BE · 2022

Zur Fragenbank

Belege & Quellen

Quellen

BMBWF / RIS

  • AHS-Lehrplan Mathematik (Oberstufe), Kompetenzbereich Algebra und Geometrie

IQS

  • Grundkompetenzen Mathematik AHS

Mathago

  • Mathago Maturaaufgaben - Algebra

BMBWF

  • BMBWF Formelheft Mathematik AHS

Nächstes Thema

AG 2 - Gleichungen, Ungleichungen und Gleichungssysteme

EuraStudy·Notizen T·01·MMXXVI

Weiter mit dem nächsten Thema — der Lernpfad bleibt erhalten.