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Notizen/Geschichte und Politische Bildung/GSK 7 — Nationalsozialismus, Shoah und Zweiter Weltkrieg 1938–1945
Notizen · Geschichte und Politische BildungAT · Matura

GSK 7 — Nationalsozialismus, Shoah und Zweiter Weltkrieg 1938–1945

Österreich als Teil des NS-Regimes („Ostmark"); Vernichtungspolitik und Shoah; Widerstand in Österreich (O5, Aktion „01", Stauffenberg-Bezug); Befreiung 1945 und Moskauer Deklaration als Grundlage des Wiederaufbaus.

6 Abschnitte·~15 Min Lesezeit·3 Kompetenzen·Niveau Basis 1 · Standard 1 · Vertiefung 4·Stand 06/2026

T·0777 / 12
Prüfungsprofil
HSK-NS · NS-Herrschaftssystem, Vernichtungspolitik, WiderstandHMK-NS · NS-Quellen kritisch (Sprache, Funktion, Schweigen) analysierenHOK-NS · Erinnerungskultur und Lehren für Gegenwart
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Inhalt · 6 Abschnitte▾
  1. GSK 7 — Nationalsozialismus, Shoah und Zweiter Weltkrieg 1938–1945
    • 01NS-Herrschaftssystem und „Ostmark"●
    • 02Shoah / Holocaust — Vernichtungspolitik und österreichischer Anteil●
    • 03Widerstand in Österreich und Befreiung 1945●
    • 04Zweiter Weltkrieg: Verlauf, Wendepunkte und Vernichtungskrieg○
    • 05NS-Alltag, Propaganda und Zustimmungsdiktatur◐
    • 06Aufarbeitung und Erinnerung: vom Opfermythos zur Mitverantwortung●
§ 01

NS-Herrschaftssystem und „Ostmark"#

●●●VertiefungLPGSK-NS-7.1

NSDAP-Herrschaftsapparat (Führerstaat)

NS-HerrschaftsapparatBaumdiagramm, 8 Pfade, Daten: NSDAP → SA / HJ; NSDAP → NSV; SS / Polizei → Einsatzgruppen; SS / Polizei → KZ-System; Wehrmacht → Heer; Wehrmacht → Luftwaffe; Wehrmacht → Marine; Verwaltung → GauleiterNSDAPSS / PolizeiWehrmachtVerwaltungFührer (Hitler)SA / HJNSVEinsatzgruppenKZ-SystemHeerLuftwaffeMarineGauleiter
Abb. 1Führerprinzip ohne Verfassungsbindung; Partei (NSDAP) und Staat (Wehrmacht, Verwaltung) laufen parallel, die SS (Himmler) wird zum Terror- und Mordapparat (Einsatzgruppen, KZ-System; Massenmord ab 1941). Österreich 1938–1945 als „Ostmark“ / Alpen- und Donau-Reichsgaue eingegliedert.

Kernpunkte

Führerprinzip: Hitler als oberste Instanz ohne Verfassungsbindung; Doppel- und Mehrfachzuständigkeiten als Herrschaftstechnik (polykratisches System nach Mommsen/Broszat).
Ostmark-Gesetz 1.5.1939: Österreich als Verwaltungseinheit aufgelöst; sieben Reichsgaue (Wien, Niederdonau, Oberdonau, Steiermark, Kärnten, Tirol-Vorarlberg, Salzburg).
NS-Organisationen: NSDAP, SS (Himmler), Wehrmacht, Hitler-Jugend, BDM, Reichsarbeitsdienst, NSV.
Rassen- und Verfolgungspolitik: Nürnberger Gesetze (1935 RG; in AT seit 1938 in Kraft), Sterilisationsgesetz, „Euthanasie"-Programm Aktion T4 (Schloss Hartheim OÖ ab 1940).
Wirtschaftliche Integration: „Arisierung" jüdischen Eigentums in Wien (über 30.000 Wohnungen, ca. 50.000 Unternehmen); Hermann-Göring-Werke Linz.
Frauenrolle: „Mutter und Hausfrau" als Ideal, gleichzeitig Mobilisierung als Arbeitskräfte für Rüstungsindustrie ab 1939/40.
Propagandasystem: Goebbels, Volksempfänger, „Wochenschau", öffentliche Inszenierungen — politische Religion (Voegelin).
Musterbeispiel

NS-Sprache analysieren: der Begriff „Arisierung"

Analysieren Sie den NS-Begriff „Arisierung" quellenkritisch: Was bezeichnet er tatsächlich, welche Funktion hat die Wortwahl, und wie sollte man als Historiker:in damit umgehen?

  1. 01Bezeichnetes klären

    Hinter „Arisierung" steht die systematische Beraubung der jüdischen Bevölkerung: erzwungene „Verkäufe" und Enteignung von Unternehmen, Wohnungen und Vermögen — in Wien über 30.000 Wohnungen und rund 50.000 Betriebe.

  2. 02Sprache prüfen

    Der Begriff ist ein NS-Euphemismus: Die Endung „-isierung" rahmt den Raub als geordneten Verwaltungsvorgang und blendet Gewalt, Vertreibung und Mord aus.

  3. 03Funktion erkennen

    Die Wortwahl normalisiert das Verbrechen, verteilt die Mittäterschaft (Profiteure, Behörden, Nachbarn) und tarnt sie bürokratisch.

  4. 04Distanz wahren

    Quellenkritisch wird der Begriff nur in Anführungszeichen und mit Erläuterung verwendet — er ist Analysegegenstand, nicht zu übernehmende Beschreibung.

  5. 05Bewerten

    Erst die Übersetzung in „staatlich organisierter Raub" macht den Vorgang sichtbar; die NS-Sprache selbst ist Teil der Tat.

Ergebnis: Eine starke Antwort entlarvt „Arisierung" als Euphemismus für organisierten Raub, hält sprachliche Distanz (Anführungszeichen) und benennt die breite Mittäterschaft — NS-Sprache wird analysiert, nicht reproduziert.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank10 Punkte

Aufgabenstellung

Erläutern Sie das NS-Herrschaftssystem in Österreich („Ostmark") nach 1938. Diskutieren Sie das Konzept des polykratischen Systems.

Maturafokus

  • Polykratisches System (konkurrierende Befehlsketten) als zentrales Konzept.
  • Sieben Reichsgaue korrekt benennen.
  • Frauen sowohl als ideologisch konstruiert als auch als ausgebeutet darstellen.

Typische Fehler

  • NS-System als monolithisch darstellen.
  • Ostmark als „bloße Verwaltungsänderung" — sie war Zerstörung österreichischer Eigenstaatlichkeit.
  • Aktion T4 vergessen.

Aktive Wiederholung

Erkläre die Strukturen des NS-Herrschaftssystems in Österreich („Ostmark") nach 1938. Wie funktionierte das Zusammenspiel von Partei, SS, Wehrmacht und Verwaltung?

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: DÖW — NS-System Österreich (DÖW)

§ 02

Shoah / Holocaust — Vernichtungspolitik und österreichischer Anteil#

●●●VertiefungLPGSK-NS-7.2

NSDAP-Herrschaftsapparat (Führerstaat)

NS-HerrschaftsapparatBaumdiagramm, 8 Pfade, Daten: NSDAP → SA / HJ; NSDAP → NSV; SS / Polizei → Einsatzgruppen; SS / Polizei → KZ-System; Wehrmacht → Heer; Wehrmacht → Luftwaffe; Wehrmacht → Marine; Verwaltung → GauleiterNSDAPSS / PolizeiWehrmachtVerwaltungFührer (Hitler)SA / HJNSVEinsatzgruppenKZ-SystemHeerLuftwaffeMarineGauleiter
Abb. 2Führerprinzip ohne Verfassungsbindung; Partei (NSDAP) und Staat (Wehrmacht, Verwaltung) laufen parallel, die SS (Himmler) wird zum Terror- und Mordapparat (Einsatzgruppen, KZ-System; Massenmord ab 1941). Österreich 1938–1945 als „Ostmark“ / Alpen- und Donau-Reichsgaue eingegliedert.

Kernpunkte

Definitorisch: Shoah = systematischer, staatlich organisierter Massenmord an den europäischen Jüd:innen 1941–1945 (Vorgeschichte ab 1933/1938).
Verfolgungs-Stufen in AT: Pogrome März 1938 → „Arisierung" und Vertreibung 1938/39 (Eichmann-Zentralstelle Wien) → Ghettoisierung → Deportation ab 1941.
65.000 ermordete österreichische Jüd:innen (von ca. 200.000 vor 1938); rund 130.000 flüchteten unter dramatischen Bedingungen (Kindertransporte, Schiffsverkehre, Internierung).
Tötungslager im besetzten Polen: Chełmno, Bełżec, Sobibór, Treblinka, Auschwitz-Birkenau, Majdanek; Einsatzgruppen-Massenerschießungen in der UdSSR (Babi Jar 29./30.9.1941).
Wannsee-Konferenz 20.1.1942: Verwaltungskoordination der „Endlösung"; Eichmann als Protokollführer (in Solingen geboren, in Linz aufgewachsen — in der österreichischen Erinnerung oft als „Österreicher" geführt).
Konzentrationslager Mauthausen + Außenlager (ab 1938, 8.8.1938 Grundsteinlegung): Zwangsarbeit für Granit, ab 1942 Vernichtungsstätte. Mind. 90.000 Tote, Befreiung 5.5.1945.
Weitere Opfergruppen: Roma und Sinti (Porajmos), Menschen mit Behinderungen (T4), politische Gegner:innen, Homosexuelle, Zeug:innen Jehovas, Zwangsarbeiter:innen.
Sprachkritik: bürokratische Euphemismen („Endlösung", „Sonderbehandlung", „Evakuierung") sind Teil der Mordordnung — nicht zu reproduzieren, sondern zu analysieren.

Österreichische Erinnerungsorte und Gedenkdaten

Republik 1918 / 1945 / 1955 / 1995 Mauthausen KZ-Gedenkstätte (5.5.) Heldenplatz 15.3.1938 / 23.1.1993 Belvedere Staatsvertrag 15.5.1955 Hrdlicka-Mahnmal Albertinaplatz Hofburg / Volksgarten Republikdenkmal 1928 Wehrmachtsausstellung 1995 Wien — Tabubruch
Abb. 3Geschichtskulturelle Knotenpunkte: Mauthausen, Heldenplatz, Hofburg, Belvedere, Wehrmachtsausstellung.
Musterbeispiel

Eskalationsstufen der NS-Verfolgungs- und Vernichtungspolitik

Rekonstruiere die Radikalisierung der NS-Politik gegen die jüdische Bevölkerung von 1933/38 bis 1942 in nachvollziehbaren Stufen.

  1. 01Stufe 1 — Entrechtung

    Ausgrenzung und rechtliche Diskriminierung: Berufsverbote, Nürnberger Gesetze 1935, in Österreich sofort ab 1938 angewandt. Ziel ist die Verdrängung aus dem öffentlichen Leben.

  2. 02Stufe 2 — Enteignung und Vertreibung

    „Arisierung" jüdischen Eigentums, Novemberpogrom 9./10.11.1938, erzwungene Auswanderung (Eichmanns „Zentralstelle" Wien 1938 als Modell der bürokratischen Vertreibung).

  3. 03Stufe 3 — Ghettoisierung und Deportation

    Nach Kriegsbeginn 1939 Konzentration in Ghettos (v. a. im besetzten Polen), Deportationen aus dem gesamten Machtbereich. Aus Wien Deportationen v. a. 1941/42.

  4. 04Stufe 4 — Systematischer Massenmord

    Einsatzgruppen-Morde ab 1941, Wannsee-Konferenz 20.1.1942 (Organisation des „Endlösungs"-Programms), Vernichtungslager (Auschwitz-Birkenau, Treblinka u. a.). Völkermord (Shoah) mit rund sechs Millionen Ermordeten.

Ergebnis: Die Verfolgung steigerte sich in erkennbaren Stufen von Entrechtung über Enteignung und Vertreibung bis zum bürokratisch organisierten Völkermord — die Wannsee-Konferenz 1942 markiert die Koordination, nicht den Beginn der Mordpolitik.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank10 Punkte

Aufgabenstellung

Analysieren Sie die Shoah/den Holocaust als systematische Vernichtungspolitik des NS-Regimes. Welchen spezifischen Anteil hatte Österreich (Täter:innen, Orte, Institutionen)?

Maturafokus

  • Shoah präzise definieren — nicht „Kriegsfolge", sondern ideologisch begründete Vernichtungspolitik.
  • Österreichischer Anteil (Eichmann, Globocnik, Hartheim, Mauthausen) explizit benennen.
  • Bürokratische Sprache als Teil der Mordtechnik analysieren.

Typische Fehler

  • Shoah als reine Kriegsphänomen darstellen.
  • AT-Anteil minimieren („wir waren ja besetzt").
  • NS-Sprache unreflektiert übernehmen.

Aktive Wiederholung

Analysiere die Shoah als systematische Vernichtungspolitik. Welche Rolle spielten österreichische Akteure, Orte und Institutionen?

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: DÖW — Holocaust in Österreich (DÖW) · KZ-Gedenkstätte Mauthausen (BMI / Mauthausen Memorial)

§ 03

Widerstand in Österreich und Befreiung 1945#

●●●VertiefungLPGSK-NS-7.3LPGSK-NS-7.4

Österreichische Erinnerungsorte und Gedenkdaten

Republik 1918 / 1945 / 1955 / 1995 Mauthausen KZ-Gedenkstätte (5.5.) Heldenplatz 15.3.1938 / 23.1.1993 Belvedere Staatsvertrag 15.5.1955 Hrdlicka-Mahnmal Albertinaplatz Hofburg / Volksgarten Republikdenkmal 1928 Wehrmachtsausstellung 1995 Wien — Tabubruch
Abb. 4Geschichtskulturelle Knotenpunkte: Mauthausen, Heldenplatz, Hofburg, Belvedere, Wehrmachtsausstellung.

Kernpunkte

Widerstand in Österreich war strukturell schwer organisierbar (Repression, Isolation, Denunziation); ca. 100.000 Verfolgte, davon rund 2.700 hingerichtet und über 16.000 in Haft bzw. KZ ums Leben gekommen (DÖW-Schätzungen).
Politische Strömungen: Kommunistischer Widerstand (KPÖ, größter organisierter), sozialdemokratisch (RS), katholisch (Otto Neururer, Carl Lampert), monarchistisch, slowenisch (Kärnten).
Symbolische Akte: O5-Zeichen am Stephansdom (1944, von Widerstandsgruppe „Provisorisches Österreichisches Nationalkomitee"); Bedeutung: „OEsterreich" (5 = E).
Militärischer Widerstand: Stauffenberg-Attentat 20.7.1944 (Bezug, da österreichische Offiziere wie Carl Szokoll an Wiener Operationsplan beteiligt waren).
Religiöser Widerstand: Franz Jägerstätter (Wehrdienstverweigerer, 1943 hingerichtet, 2007 seliggesprochen).
Mauthausen-Häftlingswiderstand: spanische Republikaner:innen, kommunistische Häftlingsgruppen.
Befreiung: Wien 13.4.1945 (Rote Armee, „Operation Wien"), Mauthausen 5.5.1945, Linz 5.5.1945 (US-Armee).
Moskauer Deklaration 1.11.1943 (USA, UK, UdSSR): Österreich „erstes Opfer" der NS-Aggression (Funktion: völkerrechtliche Wiedererrichtung); zugleich Hinweis auf österreichische Mitverantwortung (oft verschwiegen).
Musterbeispiel

Bewerten: Bedeutung und Grenzen des österreichischen Widerstands

Beurteilen Sie den österreichischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus hinsichtlich Breite, Wirkung und geschichtskultureller Indienstnahme.

  1. 01Strömungen benennen

    Der Widerstand war heterogen: kommunistisch (größte organisierte Gruppe), sozialdemokratisch, katholisch (Franz Jägerstätter, Carl Lampert), monarchistisch, slowenisch in Kärnten und der Häftlingswiderstand in Mauthausen.

  2. 02Konkrete Akte

    Symbolisch das O5-Zeichen am Stephansdom; militärisch die Beteiligung von Carl Szokoll am Wiener Operationsplan rund um den 20. Juli 1944.

  3. 03Grenzen erkennen

    Repression, Isolation und Denunziation machten organisierten Widerstand extrem gefährlich; rund 2.700 Hingerichtete (DÖW-Schätzung) zeigen das Risiko.

  4. 04Funktion 1943

    Die Moskauer Deklaration nutzte den Widerstand als Argument für die völkerrechtliche Wiedererrichtung Österreichs.

  5. 05Geschichtskulturell einordnen

    In der „Opferthese" wurde der Widerstand überbetont und die breite Mittäterschaft unterbetont — eine kritische Bewertung hält beides auseinander.

Ergebnis: Der Widerstand war real, breit und riskant, aber strukturell isoliert; eine triftige Bewertung würdigt ihn, ohne ihn zur Entlastung der Mittäterschaft zu instrumentalisieren.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Widerstand in Österreich war breit, aber strukturell isoliert — er reichte vom Stephansdom-Graffito bis zum Stauffenberg-Beteiligten Szokoll.

  2. 2

    Die Moskauer Deklaration ist Doppeldokument: Opfererzählung und Mitverantwortungsforderung gleichzeitig.

  3. 3

    Befreiung ist nicht Niederlage — die sprachliche Differenz ist politisch wichtig.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank10 Punkte

Aufgabenstellung

Diskutieren Sie den österreichischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus 1938–1945. Welche Bedeutung hat dieser Widerstand für die völkerrechtliche Wiedererrichtung Österreichs (Moskauer Deklaration)?

Maturafokus

  • Widerstand als breites Phänomen mit vielen Strömungen — nicht nur militärisch.
  • Moskauer Deklaration zweischneidig lesen: völkerrechtlich nutzbringend, geschichtskulturell problematisch.
  • Befreiung 1945 — nicht „Niederlage", sondern „Befreiung" (sprachlicher Schlüssel).

Typische Fehler

  • Widerstand als marginal abtun.
  • Befreiung mit Niederlage verwechseln (sprachliche Falle).
  • Moskauer Deklaration nur als Opferthese lesen — sie enthält auch Mitverantwortungspassus.

Aktive Wiederholung

Analysiere den österreichischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Welche Strömungen, welche Akteur:innen, welche Wirkungen?

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: DÖW — Widerstand und Verfolgung (DÖW) · Mauthausen Memorial — Befreiung 1945 (Mauthausen Memorial)

§ 04

Zweiter Weltkrieg: Verlauf, Wendepunkte und Vernichtungskrieg#

●○○BasisLPGSK-NS-7.2LPGSK-Sach-1.1

Blockbildung Kalter Krieg (ca. 1955–1989)

NATO (1949) USA, GB, FR, BRD (1955), IT, BENELUX, u.a. „Westen" Marktwirtschaft, Mehrparteien-Demokratie Marshall-Plan (ERP) 1948 Warschauer Pakt (1955) UdSSR, DDR, ČSSR, PL, HU, RO, BG, ALB „Ostblock" Planwirtschaft, Einparteienherrschaft RGW / COMECON 1949 Eiserner Vorhang Neutral AT, CH, SE, IRL, FIN Österreich: Staatsvertrag 1955, „immerwährende Neutralität" (BVG 26.10.1955) — Brückenfunktion.
Abb. 5NATO ↔ Warschauer Pakt; Neutrale; Eiserner Vorhang quer durch Europa.

Kernpunkte

Der Zweite Weltkrieg beginnt mit dem deutschen Überfall auf Polen (1.9.1939); bis 1941 dominiert das Deutsche Reich weite Teile Europas.
Der Überfall auf die Sowjetunion (22.6.1941) wird als rassenideologischer Vernichtungskrieg geführt; mit dem US-Kriegseintritt Ende 1941 wird der Krieg global.
Stalingrad (Kapitulation Feb. 1943) und El Alamein (1942) markieren die militärische Wende; ab 1943 ist das Reich in der Defensive.
Österreicher:innen dienten in der Wehrmacht und SS und waren an Besatzung, Kriegsverbrechen und Völkermord beteiligt — der „Opfer"-Status der Zweiten Republik blendet diese Mittäterschaft lange aus.
Der Krieg endet in Europa mit der bedingungslosen Kapitulation am 8./9.5.1945; die NS-Lager werden befreit (Mauthausen Mai 1945).
Musterbeispiel

Wendepunkte des Zweiten Weltkriegs einordnen

Ordne den Verlauf des Zweiten Weltkriegs (1939–1945) und erkläre, warum 1942/43 als militärische Wende gilt.

  1. 01Kriegsbeginn und Expansion

    Mit dem deutschen Überfall auf Polen (1.9.1939) beginnt der Krieg; bis 1941 besetzt das Deutsche Reich grosse Teile Europas (Blitzkriege gegen Polen, Frankreich u. a.).

  2. 02Ausweitung zum Weltkrieg

    Der Überfall auf die Sowjetunion (22.6.1941, „Unternehmen Barbarossa") und der Kriegseintritt der USA nach Pearl Harbor (Dez. 1941) machen den Krieg global; mit dem Vernichtungskrieg im Osten verschmilzt die Kriegführung mit der Shoah.

  3. 03Wende 1942/43

    Die Niederlage bei Stalingrad (Kapitulation Feb. 1943), El Alamein (1942) und die Schlacht im Atlantik kehren die Initiative um; ab 1943 ist das Reich strategisch in der Defensive.

  4. 04Endphase und Kriegsende

    Landung in der Normandie (6.6.1944), sowjetische Offensiven, Befreiung der Lager (u. a. Mauthausen Mai 1945), bedingungslose Kapitulation 8./9.5.1945 in Europa; Kriegsende in Asien nach den Atombombenabwürfen im August 1945.

Ergebnis: Der Zweite Weltkrieg eskalierte 1941 zum globalen Krieg und kippte 1942/43 (Stalingrad, El Alamein) zugunsten der Alliierten; bis Mai 1945 führte die Defensive des Reiches zur bedingungslosen Kapitulation und zur Befreiung der Lager.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Der Krieg beginnt 1939 mit dem Überfall auf Polen und wird 1941 global.

  2. 2

    Im Osten ist es ein Vernichtungskrieg, kein „normaler" Krieg.

  3. 3

    Stalingrad 1942/43 ist die Wende — ab da ist das Reich in der Defensive.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank8 Punkte

Aufgabenstellung

Stellen Sie den Verlauf des Zweiten Weltkriegs in Phasen dar, erklären Sie, warum 1942/43 als Wende gilt, und benennen Sie die Beteiligung österreichischer Akteure.

Maturafokus

  • Mit dem Operator „darstellen" den Kriegsverlauf in klaren Phasen (Expansion, Globalisierung, Wende, Endphase) ordnen.
  • Den Vernichtungskrieg im Osten von einem „normalen" Krieg unterscheiden.
  • Die Beteiligung österreichischer Soldaten und Täter explizit benennen (Mittäterschaft).

Typische Fehler

  • Der Krieg wird als rein militärisches Ereignis ohne Bezug zum Völkermord dargestellt.
  • Die österreichische Mittäterschaft wird hinter der Opferthese verborgen.
  • Wendepunkte werden nicht benannt oder auf ein einzelnes Ereignis verkürzt.

Aktive Wiederholung

Stelle den Verlauf des Zweiten Weltkriegs in Phasen dar und erkläre, warum 1942/43 als Wende gilt. Benenne die Beteiligung österreichischer Akteure.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: DÖW — Österreicher in Wehrmacht und SS (DÖW)

§ 05

NS-Alltag, Propaganda und Zustimmungsdiktatur#

●●○StandardLPGSK-NS-7.1LPGSK-Met-1.4

NSDAP-Herrschaftsapparat (Führerstaat)

NS-HerrschaftsapparatBaumdiagramm, 8 Pfade, Daten: NSDAP → SA / HJ; NSDAP → NSV; SS / Polizei → Einsatzgruppen; SS / Polizei → KZ-System; Wehrmacht → Heer; Wehrmacht → Luftwaffe; Wehrmacht → Marine; Verwaltung → GauleiterNSDAPSS / PolizeiWehrmachtVerwaltungFührer (Hitler)SA / HJNSVEinsatzgruppenKZ-SystemHeerLuftwaffeMarineGauleiter
Abb. 6Führerprinzip ohne Verfassungsbindung; Partei (NSDAP) und Staat (Wehrmacht, Verwaltung) laufen parallel, die SS (Himmler) wird zum Terror- und Mordapparat (Einsatzgruppen, KZ-System; Massenmord ab 1941). Österreich 1938–1945 als „Ostmark“ / Alpen- und Donau-Reichsgaue eingegliedert.

Kernpunkte

Das NS-Regime stützte sich nicht nur auf Terror, sondern auch auf breite Zustimmung und Mitwirkung („Zustimmungsdiktatur").
Propaganda (Goebbels, Volksempfänger, Film, Massenaufmärsche) inszeniert „Volksgemeinschaft" und Führerkult und schliesst „Gemeinschaftsfremde" aus.
Sozialpolitische Angebote (Arbeitsbeschaffung, „Kraft durch Freude", Aufrüstungskonjunktur) erzeugen Loyalität, beruhen aber auf Verschuldung, Raub und Ausbeutung.
Anpassung, Mitläufertum und Denunziation durchziehen den Alltag; Handlungsspielräume existierten, wurden aber selten genutzt.
Quellenkritik ist zentral: NS-Bild- und Filmquellen sind Inszenierungen — sie zeigen das gewünschte Selbstbild, nicht die Realität.
Musterbeispiel

Propaganda dekonstruieren: eine NS-Bildquelle analysieren

Analysieren Sie eine typische NS-Propagandaaufnahme (z. B. ein inszenierter Massenaufmarsch mit Führerkult) quellenkritisch: Was zeigt sie, was blendet sie aus, welche Funktion hat sie?

  1. 01Gattung bestimmen

    Es handelt sich um eine inszenierte Bild- oder Filmquelle (Regie, Bildausschnitt, Montage) — kein neutrales Abbild der Wirklichkeit.

  2. 02Inszenierung lesen

    Sie inszeniert „Volksgemeinschaft", Ordnung und Führerkult; Komposition und Masse erzeugen den Eindruck von Geschlossenheit und Stärke.

  3. 03Auslassung erkennen

    Ausgeblendet werden die Ausgeschlossenen und Verfolgten, der Terror und die Zwangslagen — das Bild zeigt das gewünschte Selbstbild.

  4. 04Funktion benennen

    Ziel ist Mobilisierung und Zustimmung; die „Volksgemeinschaft" wirkt als Ein- UND Ausschlusskonzept.

  5. 05Aussagewert prüfen

    Belastbar als Quelle für die NS-Selbstdarstellung und Propagandatechnik; nicht belastbar als Beleg für tatsächliche Zustimmung oder Alltagsrealität.

Ergebnis: Eine starke Analyse liest die Propagandaquelle als Inszenierung: Sie belegt das NS-Selbstbild und die Propagandalogik, nicht die Realität — Bildquellen werden dekonstruiert, nicht geglaubt.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Der NS stützt sich auf Terror UND Zustimmung — beide gehören zusammen.

  2. 2

    Propaganda inszeniert die „Volksgemeinschaft" und schliesst zugleich Menschen aus.

  3. 3

    NS-Bildquellen sind Inszenierungen — dekonstruiere sie, statt sie zu glauben.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank8 Punkte

Aufgabenstellung

Erklären Sie, warum das NS-Regime als „Zustimmungsdiktatur" bezeichnet wird, und analysieren Sie eine NS-Propagandaquelle hinsichtlich Inszenierung und Funktion.

Maturafokus

  • Mit dem Operator „erklären" das Zusammenspiel von Terror und Zustimmung darstellen.
  • Propagandaquellen als Inszenierung dekonstruieren, nicht als Abbild lesen.
  • Den Begriff „Volksgemeinschaft" als Ein- und Ausschlusskonzept analysieren.

Typische Fehler

  • Das Regime wird allein als Terrorherrschaft ohne Zustimmung dargestellt.
  • Propagandabilder werden als realistische Quellen gelesen.
  • Mitläufertum und Handlungsspielräume werden ausgeblendet.

Aktive Wiederholung

Erkläre, warum das NS-Regime als „Zustimmungsdiktatur" bezeichnet wird. Analysiere eine NS-Propagandaquelle hinsichtlich Inszenierung und Funktion.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: DÖW — NS-Propaganda und Alltag (DÖW)

§ 06

Aufarbeitung und Erinnerung: vom Opfermythos zur Mitverantwortung#

●●●VertiefungLPGSK-NS-7.3LPGSK-Ori-1.1

Österreichische Erinnerungsorte und Gedenkdaten

Republik 1918 / 1945 / 1955 / 1995 Mauthausen KZ-Gedenkstätte (5.5.) Heldenplatz 15.3.1938 / 23.1.1993 Belvedere Staatsvertrag 15.5.1955 Hrdlicka-Mahnmal Albertinaplatz Hofburg / Volksgarten Republikdenkmal 1928 Wehrmachtsausstellung 1995 Wien — Tabubruch
Abb. 7Geschichtskulturelle Knotenpunkte: Mauthausen, Heldenplatz, Hofburg, Belvedere, Wehrmachtsausstellung.

Kernpunkte

Die Moskauer Deklaration 1943 nennt Österreich „erstes Opfer" der NS-Aggression, fordert aber zugleich einen eigenen Beitrag zur Befreiung — ein Doppelcharakter (Opfer und Mitverantwortung).
Die „Opferthese" prägte das Selbstbild der Zweiten Republik bis in die 1980er Jahre und entlastete von der Auseinandersetzung mit Mittäterschaft.
Die Waldheim-Affaere 1986 und das Bedenkjahr 1988 (50 Jahre „Anschluss") markieren die Wende zur kritischen Erinnerung.
Bundeskanzler Vranitzky bekennt 1991 erstmals die Mitverantwortung Österreichs offiziell vor dem Nationalrat.
Erinnerungsorte und -zeichen (Mauthausen, Mahnmal Albertinaplatz, Mahnmal Judenplatz 2000, „Steine der Erinnerung") tragen die Aufarbeitung in den öffentlichen Raum.
Musterbeispiel

Quelleninterpretation: die Moskauer Deklaration 1943 als Doppeldokument

Analysieren Sie die Moskauer Deklaration (1943) als Quelle: Welche zwei Aussagen enthält sie über Österreich, welche Funktion hatten sie, und wie wirkten sie in der Erinnerungskultur?

  1. 01Einordnen

    Erklärung der Alliierten (USA, UK, UdSSR) 1943 — mitten im Krieg, mit Blick auf die Nachkriegsordnung.

  2. 02Aussage 1 (Opfer)

    Österreich wird als „erstes Opfer" der NS-Aggression bezeichnet — die Grundlage für die spätere völkerrechtliche Wiedererrichtung.

  3. 03Aussage 2 (Mitverantwortung)

    Zugleich wird ein eigener Beitrag zur Befreiung gefordert und an die Mitverantwortung erinnert — dieser Teil wurde später oft verschwiegen.

  4. 04Funktion erkennen

    Der Opferpassus diente politisch der Eigenstaatlichkeit; der Mitverantwortungspassus passte nicht in das Nachkriegs-Selbstbild.

  5. 05Wirkung beurteilen

    Die selektive Lesart begründete die „Opferthese" bis in die 1980er; erst die Waldheim-Affäre 1986 und Vranitzky 1991 verschoben den Diskurs zur Mitverantwortung.

Ergebnis: Die Moskauer Deklaration ist ein Doppeldokument: belastbar für die alliierte Nachkriegsplanung — und ein Lehrstück dafür, wie eine selektive Quellenlesart (nur „Opfer") Geschichtskultur prägt.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Die Moskauer Deklaration nennt Österreich „Opfer" und fordert zugleich Mitverantwortung.

  2. 2

    Die Opferthese hält bis in die 1980er — Waldheim 1986 und 1988 bringen die Wende.

  3. 3

    1991 bekennt Vranitzky erstmals offiziell die Mitverantwortung Österreichs.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank8 Punkte

Aufgabenstellung

Beurteilen Sie den Wandel der österreichischen Erinnerungskultur von der Opferthese zur Anerkennung der Mitverantwortung. Beziehen Sie Moskauer Deklaration, Waldheim-Affäre und das Vranitzky-Bekenntnis 1991 ein.

Maturafokus

  • Mit dem Operator „beurteilen" den Wandel von der Opferthese zur Mitverantwortung erklären.
  • Die Moskauer Deklaration als Doppeldokument (Opfer + Mitverantwortung) deuten.
  • Waldheim-Affaere und 1988 als Zäsuren der Erinnerungskultur einordnen.

Typische Fehler

  • Die Opferthese wird unkritisch als historische Wahrheit übernommen.
  • Die Moskauer Deklaration wird nur als Opferbescheinigung gelesen (Mitverantwortungsklausel fehlt).
  • „Befreiung" und „Niederlage" werden gleichgesetzt — die sprachliche Differenz ist politisch.

Aktive Wiederholung

Beurteile den Wandel der österreichischen Erinnerungskultur von der Opferthese zur Anerkennung der Mitverantwortung. Beziehe Moskauer Deklaration, Waldheim-Affaere und das Vranitzky-Bekenntnis 1991 ein.

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: DÖW — Opferthese, Erinnerungskultur (DÖW) · Demokratiezentrum Wien — Waldheim-Affaere (Demokratiezentrum Wien)

Inhalt

Abschnitt -- / 06

    • 01NS-Herrschaftssystem und „Ostmark"●
    • 02Shoah / Holocaust — Vernichtungspolitik und österreichischer Anteil●
    • 03Widerstand in Österreich und Befreiung 1945●
    • 04Zweiter Weltkrieg: Verlauf, Wendepunkte und Vernichtungskrieg○
    • 05NS-Alltag, Propaganda und Zustimmungsdiktatur◐
    • 06Aufarbeitung und Erinnerung: vom Opfermythos zur Mitverantwortung●

0/6 Gelesen

Aus den Notizen ins Training

GSK 7 — Nationalsozialismus, Shoah und Zweiter Weltkrieg 1938–1945

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Kompetenzen
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Beispielfrage

Erläutern Sie das NS-Herrschaftssystem in Österreich („Ostmark") nach 1938. Diskutieren Sie das Konzept des polykratischen Systems.

10 BE · 2023

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Belege & Quellen

Quellen

DÖW

  • DÖW — NS-System Österreich

BMI / Mauthausen Memorial

  • KZ-Gedenkstätte Mauthausen

Demokratiezentrum Wien

  • Demokratiezentrum Wien — Waldheim-Affaere

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