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Notizen/Geografie und Wirtschaftskunde/GW 5 — Sektoren, Globalisierung, Standortfaktoren, Tourismus AT
Notizen · Geografie und WirtschaftskundeAT · Matura

GW 5 — Sektoren, Globalisierung, Standortfaktoren, Tourismus AT

Wirtschaftssektoren (Fourastie), Standortfaktoren (Weber, Christaller), Globalisierung und Welthandel, AT-Aussenhandel, Tourismus als Wirtschaftsmotor.

6 Abschnitte·~16 Min Lesezeit·2 Kompetenzen·Niveau Basis 1 · Standard 3 · Vertiefung 2·Stand 06/2026

T·0555 / 12
Prüfungsprofil
GW-Wirt-1 · Wirtschaftsgeographische AnalyseGW-Wirt-2 · Standortbewertung
Tiefe

Lesetiefe: Vertiefung

Schrift

Schriftgröße: Standard

Inhalt · 6 Abschnitte▾
  1. GW 5 — Sektoren, Globalisierung, Standortfaktoren, Tourismus AT
    • 01Wirtschaftssektoren (Fourastie) und sektoraler Wandel○
    • 02Standortfaktoren: Weber-Modell, Christaller, Industriestandort●
    • 03Globalisierung, Welthandel, GVC●
    • 04Tourismus Österreich: Sommer/Winter, Konflikte◐
    • 05Landwirtschaft und Agrarstrukturen◐
    • 06Industrie, Deindustrialisierung und Reshoring◐
§ 01

Wirtschaftssektoren (Fourastie) und sektoraler Wandel#

●○○BasisLPGW-Wirt-5.1

BIP Österreich 2013-2023 (real, Mrd. EUR)

BIP Österreich (real, Mrd. EUR)Liniendiagramm: BIP real (Mrd. EUR) nach Jahr, Daten: 2013: 359; 2014: 361; 2015: 365; 2016: 374; 2017: 383; 2018: 393; 2019: 399; 2020: 372; 2021: 388; 2022: 408; 2023: 40505010015020025030035040020132014201520162017201820192020202120222023BIP real (Mrd. EUR)Jahr
Abb. 2Reale Bruttoinlandsproduktion AT (Basisjahr 2015). Quelle: WIFO/Statistik Austria.

Kernpunkte

Jede Volkswirtschaft lässt sich nach der Produktnähe ihrer Tätigkeiten in drei (heute vier) Sektoren gliedern. Der primäre Sektor gewinnt Rohstoffe direkt aus der Natur — Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, Bergbau —; in Österreich macht er nur rund 1,4 % der Bruttowertschöpfung und etwa 4 % der Beschäftigten aus ().

Sektorenanteile Österreich 2023 (Bruttowertschöpfung, %)

Sektorenanteile Österreich 2023 (%)Kreisdiagramm, Daten: Primär: 1.4; Sekundär: 25.6; Tertiär: 73Primär 1%Sekundär 26%Tertiär 73%
Abb. 1Anteil der Wirtschaftssektoren an der Bruttowertschöpfung. Quelle: Statistik Austria (VGR).
Der sekundäre Sektor verarbeitet diese Rohstoffe: Industrie, Bauwesen und produzierendes Gewerbe stehen in Österreich für rund 26 % der Wertschöpfung und ein Viertel der Beschäftigten. Der tertiäre Sektor umfasst alle Dienstleistungen — Handel, Verkehr, Tourismus, Bildung, Gesundheit, Banken — und dominiert mit rund 73 % der Wertschöpfung.
Zunehmend spricht man von einem quartären Sektor als Abspaltung des tertiären: wissensintensive Tätigkeiten wie Information, Forschung und Beratung, deren Anteil in den OECD-Staaten wächst. Diese Erweiterung trägt der Tatsache Rechnung, dass „Dienstleistung" vom Friseur bis zum Software-Konzern reicht.
Den Wandel zwischen den Sektoren beschreibt die Drei-Sektoren-Hypothese von Fourastié (1949): Mit steigender Produktivität verschiebt sich der Schwerpunkt von I über II nach III. Zuerst mechanisiert die Landwirtschaft und macht Arbeitskräfte frei, dann automatisiert die Industrie, und die Beschäftigung wandert in die Dienstleistungen — ein roter Faden wirtschaftlicher Entwicklung.
Wo dieser Wandel alte Industrieregionen trifft, spricht man von Deindustrialisierung — Manchester, Detroit oder das obersteirische Mur-Mürz-Tal mussten sich neu erfinden. Der Strukturwandel schafft Wohlstand, hinterlässt aber regional Arbeitslosigkeit und Brachen, solange kein Ersatz nachwächst.
Österreich hat diesen Weg im Zeitraffer durchlaufen: Die nach 1946 verstaatlichte Schwerindustrie wurde ab den 1990er-Jahren privatisiert, der Dienstleistungsanteil wuchs stark. Heute ruht die Wirtschaft auf einem exportstarken Industriekern und einem großen, tourismus- und wissensgeprägten Dienstleistungssektor — der Strukturwandel ist also kein Niedergang, sondern eine Verschiebung.
Musterbeispiel

Sektorenanteile berechnen

Eine Region erwirtschaftet 2 Mrd. EUR im primären, 40 Mrd. im sekundären und 158 Mrd. im tertiären Sektor. Bestimme die Anteile und ordne die Wirtschaft ein.

  1. 01Summe (BWS)

    Alle Sektoren addieren: 2 + 40 + 158 = 200 Mrd. EUR.

  2. 02Anteile bilden

    Jeden Sektor durch die Summe teilen.

    2200=1 %,  40200=20 %,  158200=79 %\tfrac{2}{200}=1\,\%,\;\tfrac{40}{200}=20\,\%,\;\tfrac{158}{200}=79\,\%2002​=1%,20040​=20%,200158​=79%
  3. 03Einordnung

    Klar tertiärisierte, postindustrielle Wirtschaft — typisch für ein hochentwickeltes Land.

Ergebnis: Primär 1 %, sekundär 20 %, tertiär 79 % — eine ausgeprägte Dienstleistungsökonomie.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank10 Punkte

Aufgabenstellung

Erläutern Sie die Drei-Sektoren-Hypothese und ordnen Sie ausgewählte Wirtschaftstätigkeiten zu.

Maturafokus

  • Sektoren mit Definition und AT-Anteilen.
  • Drei-Sektoren-Hypothese Fourastie.
  • Quartärer Sektor als Erweiterung.

Typische Fehler

  • Sekundär und tertiär durcheinander.
  • Tourismus dem primären Sektor zuordnen (er ist Dienstleistung -> tertiär).
  • Anteile in % vs. Mrd. EUR verwechseln.

Aktive Wiederholung

Skizziere die Sektorale Struktur Österreichs heute und vergleiche mit 1950. Welche Schwerpunkte hat AT?

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Statistik Austria Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (Statistik Austria)

§ 02

Standortfaktoren: Weber-Modell, Christaller, Industriestandort#

●●●VertiefungLPGW-Wirt-5.2

Kernpunkte

Wo sich ein Betrieb ansiedelt, entscheiden Standortfaktoren. Harte Faktoren sind messbar und kostenwirksam: Rohstoffe, Energie, Verkehrslage, Arbeitskosten, Steuern, Infrastruktur. Weiche Faktoren sind schwerer zu beziffern, aber zunehmend entscheidend: Bildungsangebot, Lebensqualität, Image, Forschungslandschaft, kulturelles Umfeld. Für wissensintensive Branchen sind die weichen Faktoren oft wichtiger als die reine Kostenrechnung.
Das klassische Modell stammt von Alfred Weber (1909): Im Standortdreieck () sucht es den Punkt, der die Transportkosten zu den Rohstoffquellen und zum Absatzmarkt minimiert — gewichtet nach Masse und Entfernung. Der optimale Standort wandert dorthin, wo die Summe aus „Gewicht mal Distanz" am kleinsten wird.

Weber-Modell: optimaler Industriestandort

Weber: StandortdreieckGeometrische Zeichnung, R1 (Erz), R2 (Kohle), M (Markt), S*R1 (Erz)R2 (Kohle)M (Markt)S·
Abb. 3Standortdreieck zwischen Rohstoffquellen R1, R2 und Absatzort M; S* minimiert die Transportkosten.
Ob ein Betrieb eher zum Rohstoff oder zum Markt tendiert, entscheidet der Materialindex: das Gewicht der Rohstoffe geteilt durch das Gewicht des Fertigprodukts. Ist er größer als 1 (Gewichtsverlust bei der Produktion, z. B. Erzverhüttung), lohnt der rohstofforientierte Standort; ist er kleiner als 1 (Gewichtszunahme, z. B. Abfüllung von Mineralwasser), der marktorientierte (siehe Beispiel).
Während Weber einzelne Betriebe verortet, erklärt Walter Christaller (1933) mit der Zentrale-Orte-Theorie das Netz der Siedlungen: Orte bilden eine Hierarchie (Marktort, Klein-, Mittel-, Oberzentrum), und ihre Einzugsbereiche legen sich idealtypisch zu Sechsecken (Hexagonen) zusammen. Je seltener und teurer ein Gut, desto größer seine Reichweite und desto höher der Ort, der es anbietet.
Eine moderne Ergänzung ist das Cluster-Modell von Porter (1990): Verwandte Unternehmen, Zulieferer und Forschung ballen sich regional und steigern durch Nähe ihre Wettbewerbsfähigkeit — das Silicon Valley oder der Wiener Biotech-Cluster. Räumliche Nähe schafft Wissensaustausch, spezialisierte Arbeitskräfte und schnelle Lieferketten.
Österreichs Industriestandorte folgen diesen Logiken: Linz (voestalpine-Stahl, historisch an Donau und Erz), Steyr (BMW-Motoren), Mattighofen (KTM), Wien (Banken, Pharma) und Tirol (Tourismus plus Swarovski). Viele verdanken ihre Lage einem historischen harten Faktor, halten sich heute aber über weiche Faktoren und Cluster.
Die Globalisierung verschiebt die Standortlogik: Lohnkosten wurden lange dominant, Produktion wanderte in Niedriglohnländer, und Just-in-time minimierte die Lager. Seit den Lieferkettenschocks (COVID, Energiekrise) gewinnt jedoch die Resilienz an Gewicht — Webers reines Transportkostenkalkül ist damit nur noch ein Baustein unter vielen.
Musterbeispiel

Webers Materialindex

Ein Produkt nutzt 3 t Rohstoff für 1 t Fertigware. Bestimme den Materialindex und die Standortorientierung.

  1. 01Materialindex

    M = 3 / 1 = 3.

  2. 02Interpretation

    M > 1 -> rohstofforientiert (Gewichtsverlust); Standort nahe Rohstoffquelle minimiert Transport.

Ergebnis: Materialindex 3, Standort rohstofforientiert (z. B. Erzaufbereitung am Bergwerk).

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank10 Punkte

Aufgabenstellung

Erläutern Sie das Standortmodell nach Weber. Bewerten Sie die Anwendbarkeit auf moderne Industriebetriebe.

Maturafokus

  • Harte vs. weiche Standortfaktoren mit Beispielen.
  • Weber-Modell skizzieren können.
  • Christaller-Hierarchie.

Typische Fehler

  • Webers Modell als "1:1 anwendbar" sehen — heute oft Arbeitskosten dominant.
  • Christaller-Hexagone als reale Karten lesen (idealisiert).
  • Soft factors als "nebensächlich" einstufen.

Aktive Wiederholung

Wende Webers Modell auf eine Brauerei an: wo wäre der optimale Standort, wenn Wasser, Hopfen, Markt drei Eckpunkte sind?

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Porter Cluster-Analyse (Harvard Business School)

§ 03

Globalisierung, Welthandel, GVC#

●●●VertiefungLPGW-Wirt-5.3

Kernpunkte

Globalisierung meint die zunehmende Verflechtung von Wirtschaft, Politik und Kultur über Staatsgrenzen hinweg. Technisch ermöglicht haben sie der Container (drastisch billigerer Seetransport), die Informationstechnik und die politische Liberalisierung (Zollabbau). Sie ist also kein Naturereignis, sondern das Ergebnis von Technik und Entscheidungen.
Der Welthandel wächst seit 1950 meist schneller als die Weltproduktion — besonders in der Hyperglobalisierung 1990–2008. Seither stagniert die Handelsintensität (Plateau), und seit etwa 2018 setzt eine Re-Regionalisierung ein (Handelskonflikte, geopolitische Blöcke). Globalisierung verläuft also in Wellen, nicht linear.
Charakteristisch sind heute globale Wertschöpfungsketten (Global Value Chains): Die Produktion eines Guts ist über viele Länder fragmentiert. Ein iPhone wird in Kalifornien entworfen, in China montiert, seine Komponenten stammen aus aller Welt. „Made in" sagt deshalb wenig — es zählt, wo welcher Wertschöpfungsschritt geschieht.
Theoretisch begründet wird der Handel über Vorteile. Adam Smith sah den absoluten Vorteil (wer etwas billiger herstellt, soll es liefern). David Ricardo zeigte mit dem komparativen Vorteil das Tiefere: Selbst wer in allem besser ist, gewinnt durch Spezialisierung — entscheidend sind die Opportunitätskosten, also worauf man am wenigsten verzichtet (siehe Beispiel). Das Heckscher-Ohlin-Theorem ergänzt: Länder exportieren, was ihre reichlich vorhandenen Faktoren nutzt (Arbeit, Kapital, Boden).
Den Rahmen setzt die Welthandelsorganisation WTO (1995, Nachfolgerin des GATT von 1947): Sie senkt Handelsbarrieren und schlichtet Streit über ihr Dispute-Settlement. Dessen Berufungsinstanz ist derzeit jedoch blockiert, was die regelbasierte Welthandelsordnung schwächt — die WTO ist keine „Weltregierung", sondern ein Verhandlungs- und Schlichtungsforum.
Dem freien Handel stehen protektionistische Instrumente gegenüber: Zölle, nichttarifäre Hemmnisse (Normen, Quoten) und Subventionen. Seit 2018 verlagern Staaten zudem Produktion zurück (Re-Shoring) oder zu verbündeten Ländern (Friend-Shoring), um Abhängigkeiten zu verringern — ein bewusstes Gegengewicht zur reinen Kostenoptimierung.
Österreich ist eine kleine, offene Exportwirtschaft: 2023 standen Exporten von rund 200 Mrd. EUR Importe von rund 215 Mrd. EUR gegenüber, die Exportquote liegt bei rund 60 % des BIP. Mit Abstand wichtigster Partner ist Deutschland (rund 28 % der Exporte, ), gefolgt von Italien, den USA, der Schweiz und Frankreich. Diese Konzentration auf Deutschland ist Stärke und Klumpenrisiko zugleich.

AT-Exportstruktur 2023 (Mrd. EUR, ausgew. Partner)

AT-Exporte 2023 (Mrd. EUR)Säulendiagramm: Exporte (Mrd. EUR) nach Partner, Daten: DE: 58.4; IT: 12.6; USA: 11.4; CH: 8.8; FR: 7.5; PL: 6.6; CZ: 6.1; HU: 5.4; CN: 4.7; UK: 4.501020304050DEITUSACHFRPLCZHUCNUK58.412.611.48.87.56.66.15.44.74.5Exporte (Mrd. EUR)Partner
Abb. 4Wichtigste Handelspartner Österreichs. Quelle: Statistik Austria.
Musterbeispiel

Komparativer Vorteil (Ricardo)

Land A produziert in 1 h entweder 4 Stück Wein oder 2 Stück Tuch. Land B in 1 h 1 Wein oder 5 Tuch. Wer hat absoluten/komparativen Vorteil?

  1. 01Absolute Vorteile

    A: Wein (4 vs. 1) und Tuch (2 vs. 5) — A bei Wein, B bei Tuch.

  2. 02Opportunitätskosten Wein

    A: 1 Wein kostet 0.5 Tuch. B: 1 Wein kostet 5 Tuch. -> A komparativer Vorteil Wein.

  3. 03Opportunitätskosten Tuch

    A: 1 Tuch kostet 2 Wein. B: 1 Tuch kostet 0.2 Wein. -> B komparativer Vorteil Tuch.

Ergebnis: A spezialisiert sich auf Wein, B auf Tuch; Handel macht beide besser. Komparativer Vorteil entsteht aus Opportunitätskostenunterschied.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank10 Punkte

Aufgabenstellung

Diskutieren Sie Chancen und Risiken der Globalisierung am Beispiel Österreichs.

Maturafokus

  • Komparativer vs. absoluter Vorteil.
  • Globalisierung als Phänomen mit Wellen.
  • AT-Exportabhaengigkeit (insbes. DE).

Typische Fehler

  • Globalisierung als linearen Prozess sehen.
  • WTO als "Weltregierung" missdeuten.
  • GVC als "Outsourcing" reduzieren.

Aktive Wiederholung

Erläutere Ricardos Theorie des komparativen Vorteils anhand eines Beispiels. Welche realen Friktionen schränken die Theorie ein?

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: WTO World Trade Statistics (WTO) · WIFO Konjunkturprognose (WIFO)

§ 04

Tourismus Österreich: Sommer/Winter, Konflikte#

●●○StandardLPGW-Wirt-5.4

Kernpunkte

Tourismus ist eine tragende Säule der österreichischen Wirtschaft: 2023 zählte das Land rund 150 Mio. Nächtigungen und etwa 18 Mrd. EUR direkte Wertschöpfung; inklusive indirekter Effekte trägt er rund 7,5 % zum BIP bei. Für viele alpine Regionen ist er die wichtigste Einnahmequelle überhaupt.
Charakteristisch ist die Zwei-Saisonen-Struktur. Der Wintertourismus konzentriert sich auf die Schigebiete im Westen — Tirol (allein rund 50 Mio. Nächtigungen), Salzburg, Vorarlberg — und bildet wirtschaftlich das Rückgrat. Der Sommertourismus lebt von Wandern, Seen und Städten (Wien, Salzburg, Hallstatt) und gleicht die Saison teilweise aus.
Beim Gästemix überwiegt das Ausland deutlich: Rund drei Viertel der Nächtigungen entfallen auf ausländische, nur etwa ein Viertel auf inländische Gäste. Mit Abstand wichtigster Herkunftsmarkt ist Deutschland (rund 38 % aller Nächtigungen), gefolgt von den Niederlanden, der Schweiz und dem Vereinigten Königreich. Diese Abhängigkeit vom deutschen Markt ist ein Konjunkturrisiko.
Der Erfolg erzeugt Konflikte. Schigebietserweiterungen (Kaunertal, Pitztal-Ötztal) stoßen auf Naturschutz, beliebte Orte leiden unter Overtourism (Hallstatt führte 2024 eine Besucherlenkung ein, die Wiener Innenstadt ist überlastet), und die technische Beschneiung verbraucht viel Wasser und Energie. Tourismus ist also Chance und ökologische Last zugleich ().

Alpine Höhenstufen und Nutzung

Talraum < 600 m Submontan 600-1000 Montan 1000-1500 Subalpin 1500-2000 Alpin 2000-2500 Nival > 2500 Siedlung, Acker, Industrie Dauersiedlung, Wein, Grünland Bergbauernhöfe, Wald, Tourismus Almwirtschaft, Wintertourismus Schitourismus, Schutzhütten Gletscher, alpinist. Nutzung Dorf Wald Schilift Höhenstufen verschieben sich infolge Klimawandel um ca. 100-150 m nach oben (IPCC AR6).
Abb. 5Submontan, montan, subalpin, alpin, nival mit jeweiliger Nutzung.
Der Klimawandel verschärft das: Unterhalb von rund 1500 m wird Schneesicherheit unsicher, manche Gebiete sichern Gletscherpisten mit Folien oder kämpfen gegen tauenden Permafrost. Die Wintersaison wird damit zunehmend planungsunsicher — eine existenzielle Frage für hochgelegene Monostandorte.
Als Antwort gewinnt der sanfte Tourismus an Bedeutung: Bio-Hotellerie, klimaaktive Betriebe, autofreie Anreise mit der Bahn, Entzerrung der Besucherströme. Statt immer mehr Betten geht es um Wertschöpfung pro Gast und um Akzeptanz bei der einheimischen Bevölkerung.
Vermarktet wird das Reiseland zentral über die Österreich Werbung (ÖW), ähnlich wie Italien über die ENIT auftritt. Tourismuspolitik ist damit auch Standort- und Imagepolitik — und sie muss die Quadratur zwischen Wachstum, Klimaschutz und Lebensqualität schaffen.
Musterbeispiel

Tourismusintensität berechnen

Eine Gemeinde mit 4000 Einwohnern zählt 600 000 Nächtigungen pro Jahr. Wie hoch ist die Tourismusintensität (Nächtigungen je Einwohner) und wie ist sie einzuordnen?

  1. 01Intensität

    Nächtigungen durch Einwohnerzahl.

    600 0004000=150\dfrac{600\,000}{4000} = 1504000600000​=150
  2. 02Einordnung

    150 Nächtigungen je Einwohner ist ein sehr hoher Wert (Tiroler Spitzengemeinden), typisch für monostrukturierten Tourismus.

  3. 03Deutung

    Hohe Intensität bringt Wertschöpfung, aber auch Abhängigkeit und Belastung (Overtourism, Infrastruktur).

Ergebnis: 150 Nächtigungen je Einwohner — sehr hohe Tourismusintensität mit Chancen und Konfliktpotenzial.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank10 Punkte

Aufgabenstellung

Beschreiben Sie die Bedeutung des Tourismus für Österreich und diskutieren Sie die Herausforderungen durch Klimawandel und Overtourism.

Maturafokus

  • Naechtigungs-Anteile Inland/Ausland.
  • Tirol als Win-Tourismus-Region.
  • Klimawandel + Beschneiung als Konflikt.

Typische Fehler

  • Wien als größten Tourismusort sehen — Tirol führt Nächtigungsstatistik.
  • Nächtigungen mit Ankünften verwechseln.
  • Tourismus nur als Chance, nicht als oekol. Last.

Aktive Wiederholung

Analysiere den österreichischen Wintertourismus. Welche ökonomischen, ökologischen und sozialen Konflikte gibt es?

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Statistik Austria Tourismus (Statistik Austria) · OESW Tourismusforschung (Österreich Werbung)

§ 05

Landwirtschaft und Agrarstrukturen#

●●○StandardLPGW-Wirt-5.1

Alpine Höhenstufen und Nutzung

Talraum < 600 m Submontan 600-1000 Montan 1000-1500 Subalpin 1500-2000 Alpin 2000-2500 Nival > 2500 Siedlung, Acker, Industrie Dauersiedlung, Wein, Grünland Bergbauernhöfe, Wald, Tourismus Almwirtschaft, Wintertourismus Schitourismus, Schutzhütten Gletscher, alpinist. Nutzung Dorf Wald Schilift Höhenstufen verschieben sich infolge Klimawandel um ca. 100-150 m nach oben (IPCC AR6).
Abb. 6Submontan, montan, subalpin, alpin, nival mit jeweiliger Nutzung.

Kernpunkte

Der Primärsektor — Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft — trägt in Österreich nur rund 1 % zum BIP bei, ist aber weit wichtiger, als diese Zahl vermuten lässt: Er sichert die Ernährung, pflegt die Kulturlandschaft (Grundlage des Tourismus) und hält den ländlichen Raum besiedelt. Wirtschaftliche Größe und gesellschaftliche Bedeutung fallen hier auseinander.
Die österreichische Agrarstruktur ist kleinteilig: überwiegend kleine bis mittlere Familienbetriebe, ein hoher Anteil an Bergbauernhöfen unter erschwerten Bedingungen und — als Besonderheit — ein europaweit führender Bioanteil von rund 27 % der Fläche (siehe Beispiel). Diese Struktur ist Standortmerkmal und Vermarktungsvorteil zugleich.
Naturraum und Klima teilen das Land in Gunst- und Ungunsträume: Im trockenwarmen Osten (Marchfeld, Weinviertel) gedeiht intensiver Ackerbau, im niederschlagsreichen alpinen Westen dominieren Grünland- und Almwirtschaft. Welche Betriebsform möglich ist, gibt also weitgehend der Naturraum vor.
Methodisch unterscheidet man intensive und extensive Landwirtschaft: Die intensive setzt viel Input je Fläche ein (Dünger, Maschinen, Bewässerung) und erzielt hohe Hektarerträge (siehe Beispiel); die extensive bewirtschaftet flächensparend und naturnah mit geringerem Ertrag, aber höherem ökologischem Wert. Beide haben je nach Standort ihre Berechtigung.
Den finanziellen Rahmen setzt die Gemeinsame Agrarpolitik der EU (GAP): Direktzahlungen sichern Einkommen, besondere Programme stützen Bergbauern und honorieren Umweltleistungen (in Österreich das ÖPUL-Programm). Wichtig ist, dass die GAP nicht nur Subvention ist, sondern an Umwelt- und Tierwohlauflagen geknüpft wird.
Die Landwirtschaft steht unter Druck: Höfesterben durch sinkende Margen, Flächenkonkurrenz mit Siedlung und Verkehr, der Klimawandel mit Trockenheit und neuen Schädlingen sowie der Zielkonflikt zwischen heimischer Ernährungssouveränität und billigem Weltmarkt. Ihre Zukunft entscheidet sich an Klimaanpassung und fairer Wertschöpfung.
Musterbeispiel

Flächenproduktivität (Hektarertrag)

Ein Betrieb erntet 480 t Weizen auf 60 ha. Wie hoch ist der Hektarertrag und wie verhält er sich zum AT-Durchschnitt von 6 t/ha?

  1. 01Ertrag je Hektar

    480 t / 60 ha.

    e=48060=8 thae = \dfrac{480}{60} = 8\,\tfrac{\text{t}}{\text{ha}}e=60480​=8hat​
  2. 02Vergleich

    8 t/ha vs. 6 t/ha Durchschnitt = plus 33 %.

  3. 03Interpretation

    Der Betrieb liegt deutlich über dem Schnitt — Gunstlage und intensive Bewirtschaftung.

Ergebnis: Hektarertrag 8 t/ha, rund 33 % über dem Durchschnitt.

Musterbeispiel

Bio-Flächenanteil

Von 2,6 Mio. ha landwirtschaftlicher Fläche werden rund 0,70 Mio. ha biologisch bewirtschaftet. Wie hoch ist der Bio-Anteil?

  1. 01Anteil bilden

    0,70 / 2,6 . 100.

    a=0,702,6⋅100≈27 %a = \dfrac{0{,}70}{2{,}6} \cdot 100 \approx 27\,\%a=2,60,70​⋅100≈27%
  2. 02Einordnung

    Rund 27 % ist EU-weit Spitzenwert.

  3. 03Interpretation

    Hoher Bio-Anteil als Standortmerkmal und Vermarktungsvorteil.

Ergebnis: Der Bio-Anteil beträgt rund 27 %.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank10 Punkte

Aufgabenstellung

Charakterisieren Sie die österreichische Landwirtschaft und diskutieren Sie ihre Herausforderungen.

Maturafokus

  • AT-Agrarstruktur (Familienbetriebe, Bio-Anteil) charakterisieren.
  • Gunst- und Ungunsträume zuordnen.
  • Rolle der GAP für Bergbauern erklären.

Typische Fehler

  • BIP-Anteil mit Bedeutung gleichsetzen (gering, aber strukturell wichtig).
  • Intensiv und extensiv verwechseln.
  • GAP nur als Subvention sehen (auch Umwelt- und Tierwohlauflagen).

Aktive Wiederholung

Vergleiche die Landwirtschaft im Marchfeld mit der alpinen Berglandwirtschaft hinsichtlich Naturraum, Betriebsform und Förderung.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: BML — Grüner Bericht Österreich (Bundesministerium Land- und Forstwirtschaft) · Statistik Austria — Land- und Forstwirtschaft (Statistik Austria)

§ 06

Industrie, Deindustrialisierung und Reshoring#

●●○StandardLPGW-Wirt-5.2

Weber-Modell: optimaler Industriestandort

Weber: StandortdreieckGeometrische Zeichnung, R1 (Erz), R2 (Kohle), M (Markt), S*R1 (Erz)R2 (Kohle)M (Markt)S·
Abb. 7Standortdreieck zwischen Rohstoffquellen R1, R2 und Absatzort M; S* minimiert die Transportkosten.

Kernpunkte

Der Sekundärsektor — Industrie und produzierendes Gewerbe — steht in Österreich für rund 25 % der Bruttowertschöpfung und ist das Rückgrat des Exports. Anders als das Klischee vom reinen „Dienstleistungsland" nahelegt, lebt Österreichs Wohlstand zu einem großen Teil von einer leistungsfähigen, technologieintensiven Industrie.
Die Standorte sind klar verortet: Stahl- und Metallindustrie in Oberösterreich und der Steiermark (voestalpine), dazu Maschinenbau, Fahrzeugzulieferer, Chemie und Elektronik. Viele dieser Betriebe sind „Hidden Champions" — Weltmarktführer in Nischen, eingebunden in globale Wertschöpfungsketten.
In den Industrieländern schrumpft der Sekundärsektor relativ — das ist die Deindustrialisierung: Arbeitsintensive Produktion wandert in Niedriglohnländer, sodass der Anteil der Industrie an Beschäftigung und Wertschöpfung sinkt. Das heißt aber nicht, dass Industrie verschwindet; es verschiebt sich nur, welche Industrie wo rentabel ist.
Parallel dazu verläuft die Tertiarisierung: Die Beschäftigung wandert in den Dienstleistungssektor (Fourastié-These). Oft sind das zwei Seiten derselben Medaille — die Industrie lagert Dienstleistungen wie Logistik, IT und Forschung aus, die dann statistisch als „tertiär" zählen.
Seit der Pandemie und der Energiekrise wird über Reshoring und Nearshoring diskutiert — die Rückverlagerung von Produktion ins Inland oder in nahe, verlässliche Länder. Treiber sind Lieferkettensicherheit, Qualität und geopolitische Risiken, nicht der reine Preis (siehe Kostenvergleich).
Den Standortvorteil sichert Österreich nicht über billige Arbeit, sondern über Industrie 4.0: Digitalisierung, Automatisierung und Robotik machen hochproduktive Fertigung trotz hoher Löhne wettbewerbsfähig (siehe Produktivitätsbeispiel). Entscheidend sind damit Qualifikation und Forschung — weiche Standortfaktoren schlagen die harten.
Musterbeispiel

Produktivität je Beschäftigtem

Ein Werk erzielt 240 Mio. EUR Wertschöpfung mit 800 Beschäftigten. Wie hoch ist die Arbeitsproduktivität?

  1. 01Wertschöpfung je Kopf

    240 Mio. EUR / 800.

    p=240 Mio.800=0,3 Mio. EURp = \dfrac{240\,\text{Mio.}}{800} = 0{,}3\,\text{Mio. EUR}p=800240Mio.​=0,3Mio. EUR
  2. 02Umrechnen

    0,3 Mio. EUR = 300000 EUR je Beschäftigtem.

  3. 03Interpretation

    Hohe Produktivität deutet auf kapital- und technologieintensive Fertigung.

Ergebnis: Arbeitsproduktivität rund 300000 EUR je Beschäftigtem.

Musterbeispiel

Standortverlagerung — Kostenvergleich

Stückkosten Inland 50 EUR, Ausland 38 EUR, aber Transport und Lieferkettenrisiko addieren 9 EUR/Stück. Lohnt die Verlagerung rein rechnerisch?

  1. 01Auslandskosten gesamt

    38 + 9 = 47 EUR.

  2. 02Vergleich

    Inland 50 EUR vs. Ausland 47 EUR -> Differenz 3 EUR.

    Δ=50−47=3 EUR\Delta = 50 - 47 = 3\,\text{EUR}Δ=50−47=3EUR
  3. 03Bewertung

    Kostenvorteil nur 3 EUR; Qualität und Liefersicherheit können für Reshoring sprechen.

Ergebnis: Der Kostenvorteil schrumpft auf 3 EUR — Reshoring kann sich lohnen.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank10 Punkte

Aufgabenstellung

Erläutern Sie den industriellen Strukturwandel und diskutieren Sie Deindustrialisierung sowie Reshoring am Beispiel Österreichs.

Maturafokus

  • Bedeutung des Sekundärsektors für AT-Export.
  • Deindustrialisierung und Tertiarisierung erklären.
  • Reshoring als Reaktion auf Lieferkettenrisiken einordnen.

Typische Fehler

  • Deindustrialisierung mit dem Verschwinden jeglicher Industrie gleichsetzen.
  • Standortvorteil AT in niedrigen Löhnen vermuten.
  • Industrie 4.0 nur als Maschinenkauf deuten.

Aktive Wiederholung

Analysiere den Strukturwandel eines österreichischen Industriestandorts und diskutiere Chancen durch Reshoring und Industrie 4.0.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: WKO — Industrie und Produktion in Österreich (WKO) · WIFO — Strukturwandel und Industrie (WIFO)

Inhalt

Abschnitt -- / 06

    • 01Wirtschaftssektoren (Fourastie) und sektoraler Wandel○
    • 02Standortfaktoren: Weber-Modell, Christaller, Industriestandort●
    • 03Globalisierung, Welthandel, GVC●
    • 04Tourismus Österreich: Sommer/Winter, Konflikte◐
    • 05Landwirtschaft und Agrarstrukturen◐
    • 06Industrie, Deindustrialisierung und Reshoring◐

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GW 5 — Sektoren, Globalisierung, Standortfaktoren, Tourismus AT

Festige dieses Thema an passenden Aufgaben aus der Fragenbank.

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Kompetenzen
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Beispielfrage

Erläutern Sie die Drei-Sektoren-Hypothese und ordnen Sie ausgewählte Wirtschaftstätigkeiten zu.

10 BE · 2024

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Belege & Quellen

Quellen

Statistik Austria

  • Statistik Austria Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung
  • Statistik Austria Tourismus

Harvard Business School

  • Porter Cluster-Analyse

WTO

  • WTO World Trade Statistics

WIFO

  • WIFO Konjunkturprognose

Österreich Werbung

  • OESW Tourismusforschung

Bundesministerium Land- und Forstwirtschaft

  • BML — Grüner Bericht Österreich

WKO

  • WKO — Industrie und Produktion in Österreich

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GW 4 — Bevölkerung, Migration, Urbanisierung

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EuraStudy·Notizen T·05·MMXXVI

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