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Notizen/Geografie und Wirtschaftskunde/GW 1 — Raum, Karten, GIS, Klima- und Vegetationszonen
Notizen · Geografie und WirtschaftskundeAT · Matura

GW 1 — Raum, Karten, GIS, Klima- und Vegetationszonen

Geographische Grundlagen: Raum als Konzept, Kartenarten und Projektionen, Geoinformationssysteme (GIS), Beleuchtungs- und Klimazonen, Vegetationszonen, Maßstab und Generalisierung.

6 Abschnitte·~21 Min Lesezeit·2 Kompetenzen·Niveau Basis 3 · Standard 3·Stand 06/2026

T·0111 / 12
Prüfungsprofil
GW-M1 · Methodenkompetenz Karten- und MaterialarbeitGW-S1 · Sachkompetenz physisch- und humangeographische Grundbegriffe
Tiefe

Lesetiefe: Vertiefung

Schrift

Schriftgröße: Standard

Inhalt · 6 Abschnitte▾
  1. GW 1 — Raum, Karten, GIS, Klima- und Vegetationszonen
    • 01Raumkonzepte und geographische Fragestellung○
    • 02Kartenarten, Projektionen, Generalisierung◐
    • 03GIS, Fernerkundung, Open Data◐
    • 04Klima-, Vegetations- und Beleuchtungszonen○
    • 05Orientierung, Koordinaten, Zeitzonen○
    • 06Materialarbeit: Statistik, Diagramm, Karikatur◐
§ 01

Raumkonzepte und geographische Fragestellung#

●○○BasisLPGW-Grund-1.1

Kernpunkte

Geographie und wirtschaftliche Bildung fragt nie nur „Was liegt wo?", sondern immer auch „Warum dort?" und „Mit welcher Wirkung?". Erst diese drei Leitfragen verwandeln eine bloße Ortsbeschreibung in eine räumliche Analyse, weil sie Lage, Ursache und Folge zusammenzwingen. Wer etwa fragt, warum sich Schiorte gerade in inneralpinen Hochtälern häufen, sucht nach Bedingungen (Schneesicherheit, Hangneigung) und nach Wirkungen (Arbeitsplätze, Zersiedelung) — und betreibt damit Geographie statt reiner Topographie.
Der zentrale Begriff des Faches ist der Raum, und nach Benno Werlen lässt er sich auf vier Weisen denken (). Als Container-Raum ist er ein messbarer Behälter mit Koordinaten und Flächen — die Sicht von Karte und GIS. Als System von Lagebeziehungen rücken die Verflechtungen in den Vordergrund: Entfernungen, Erreichbarkeit, Netze. Als Wahrnehmungsraum existiert er im Kopf der Menschen — das „Bild" einer Region, das Marketing und Vorurteile formen. Als konstruierter Raum schließlich entsteht er erst durch gesellschaftliches Handeln: Wo eine Gemeinde Lifte baut und „Bergerlebnis" vermarktet, wird Raum gemacht, nicht vorgefunden.

Vier Raumkonzepte nach Werlen

Vier Raumkonzepte nach WerlenBaumdiagramm, 4 Pfade, Daten: Container-Raum; System von Lagebeziehungen; Wahrnehmungsraum; konstruierter RaumRaumbegriffContainer-RaumSystem von LagebeziehungenWahrnehmungsraumkonstruierter Raum
Abb. 1Derselbe Raum lässt sich auf vier Weisen denken — vom messbaren Behälter bis zum gesellschaftlich erzeugten Raum.
Diese vier Konzepte schließen einander nicht aus, sondern ergänzen sich — dieselbe Schiregion ist zugleich Container (Höhenlage in Metern), System (Seilbahn-Erschließung), Wahrnehmung (Sehnsuchtsort) und Konstruktion (Investitionsentscheidung). Für eine Maturaanalyse ist meist das konstruktivistische Konzept am ergiebigsten, weil es nach Akteuren und Interessen fragt; der Container-Blick allein bleibt beschreibend und erklärt nichts.
Das Fach gliedert sich in zwei große Hälften, die man stets zusammen denkt. Die Physische Geographie untersucht den Naturraum — Relief, Klima, Boden, Wasser —, die Humangeographie den Gesellschaftsraum — Bevölkerung, Wirtschaft, Siedlung, Politik. Ihre eigentliche Stärke liegt im Schnittfeld: Ein Murenabgang (physisch) trifft auf Siedlungsdruck im Tal (human) und wird erst dadurch zur Naturgefahr. Genau dieses Verbinden von Natur- und Gesellschaftsprozessen macht GW zum Integrationsfach, das bis in Wirtschaft und Politik hineinreicht.
Jedes Phänomen verlangt zudem die passende Maßstabsebene: lokal (Gemeinde), regional (Bundesland), national (Österreich), global (Welt). Dieselbe Frage sieht auf jeder Ebene anders aus — Verkehr ist lokal ein Stau, regional ein Pendlerstrom, global eine Emissionsbilanz. Ein häufiger Denkfehler ist der Maßstabssprung, also lokale Probleme mit globalen Durchschnittsdaten zu „erklären" oder umgekehrt. Wer die Ebene bewusst wählt und benennt, argumentiert sauberer.
Der praktische Wert des Raumdenkens zeigt sich daran, dass sich fast jede Schlagzeile als Raumfrage lesen lässt: die Standortwahl eines Werks, Migration zwischen Weltregionen, der Klimawandel als globaler Prozess mit lokalen Folgen. Wer die vier Raumkonzepte und die Maßstabsebenen beherrscht, besitzt das Werkzeug, um jede dieser Debatten geordnet aufzuschlüsseln — und genau das prüft die mündliche Reifeprüfung.
Musterbeispiel

Raumkonzepte auf einen Fall anwenden

Analysiere „Schitourismus in einem Tiroler Hochtal" mit allen vier Raumkonzepten nach Werlen.

  1. 01Container

    Lage und Ausstattung messbar erfassen: Höhe rund 1200–2500 m, Hangneigung, schneesichere Nordhänge, Pistenkilometer.

  2. 02System

    Lagebeziehungen prüfen: Anbindung über die Inntal-Autobahn, Seilbahnnetz im Ort, Erreichbarkeit der Quellmärkte München und Wien.

  3. 03Wahrnehmung

    Das Raumbild rekonstruieren: Vermarktung als „unberührtes Bergerlebnis", obwohl der Raum technisch hochgerüstet ist.

  4. 04Konstruktion

    Akteure benennen: Gemeinde, Liftgesellschaft und Investoren erzeugen den Tourismusraum durch Erschließung und Flächenwidmung.

  5. 05Bewerten

    Das konstruktivistische Konzept ist am ergiebigsten, weil es Interessen und Folgen (Zersiedelung, Wasserverbrauch der Beschneiung) sichtbar macht.

Ergebnis: Derselbe Schiraum erscheint je nach Konzept als Höhenlage, Verkehrsnetz, Sehnsuchtsbild und Ergebnis von Investitionsentscheidungen — die Konstruktionsperspektive trägt die Analyse.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank10 Punkte

Aufgabenstellung

Erläutern Sie verschiedene Raumkonzepte und wenden Sie diese auf ein selbstgewähltes Beispiel aus dem Tourismus an.

Maturafokus

  • Operator „erläutern": die vier Raumkonzepte nach Werlen klar trennen und je ein Beispiel nennen.
  • Operator „analysieren": einen konkreten Fall (z. B. Tourismus) durch alle vier Konzepte hindurch lesen.
  • Die passende Maßstabsebene begründet wählen und Maßstabssprünge vermeiden.

Typische Fehler

  • Raum nur als Container („Was liegt wo?") denken und die wirtschaftlich-soziale Konstruktion übersehen.
  • Physische und Humangeographie als isolierte Bereiche behandeln, statt ihr Schnittfeld zu nutzen.
  • Maßstabssprung: lokale Fragen mit globalen Durchschnittsdaten beantworten.

Aktive Wiederholung

Erläutere am Beispiel „Schitourismus in Tirol" alle vier Raumkonzepte nach Werlen und begründe, welches Konzept die Analyse am stärksten trägt.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: BMBWF AHS-Lehrplan Geographie und wirtschaftliche Bildung (BMBWF)

§ 02

Kartenarten, Projektionen, Generalisierung#

●●○StandardLPGW-Grund-1.2

Kernpunkte

Jede Karte ist ein bewusstes Modell, kein Abbild: Sie reduziert die Wirklichkeit gezielt auf das, was eine bestimmte Frage beantwortet. Deshalb unterscheidet man topographische Karten, die das Gelände möglichst lagetreu zeigen (z. B. die amtliche Karte 1:50 000), von thematischen Karten, die einen einzelnen Sachverhalt über der Geometrie betonen — Klima, Wirtschaft, Bevölkerungsdichte. Die erste Frage an jede Karte lautet daher: Was will sie zeigen, und was lässt sie bewusst weg?
Der Maßstab gibt an, um welchen Faktor verkleinert wird: 1:M bedeutet, dass 1 cm auf dem Papier M cm in der Wirklichkeit entspricht. Entscheidend ist die oft verwechselte Logik — je größer die Maßstabszahl M, desto kleiner der Maßstab und desto größer der dargestellte Ausschnitt. Ein Stadtplan 1:5 000 ist großmaßstäbig und zeigt Details; eine Weltkarte 1:10 Mio. ist kleinmaßstäbig und stark generalisiert. Aus 1:200 000 folgt unmittelbar: 1 cm entspricht 2 km.
Da die gekrümmte Erde nie verzerrungsfrei in die Ebene passt, muss jede Projektion eine Eigenschaft opfern, um eine andere zu erhalten (). Die Mercator-Projektion ist winkeltreu — ideal für die Navigation —, vergrößert aber die Flächen polwärts dramatisch. Die Peters-Projektion ist flächentreu und gibt den Größenverhältnissen recht, streckt dafür die Formen. Robinson ist ein vermittelnder Kompromiss für Übersichtskarten, und UTM ist innerhalb schmaler Längenstreifen sehr genau und daher Grundlage der amtlichen Vermessung.

Kartenprojektionen im Vergleich

Kartenprojektionen im VergleichTabelle mit 4 Spalten und 4 Zeilen, Daten: Projektion · Eigenschaft · Verzerrung · Typische Nutzung; Mercator · winkeltreu · Flächen polwärts vergrößert · Navigation, Webkarten; Peters · flächentreu · Formen gestreckt · Nord-Süd-Vergleich; Robinson · vermittelnd · nicht winkel-/flächentreu · Welt-Übersichtskarten; UTM · winkeltreu (zonenweise) · gering im 6-Grad-Streifen · amtliche VermessungPROJEKTIONEIGENSCHAFTVERZERRUNGTYPISCHE NUTZUNGMercatorwinkeltreuFlächen polwärts vergrößertNavigation, WebkartenPetersflächentreuFormen gestrecktNord-Süd-VergleichRobinsonvermittelndnicht winkel-/flächentreuWelt-ÜbersichtskartenUTMwinkeltreu (zonenweise)gering im 6-Grad-Streifenamtliche Vermessung
Abb. 2Jede Projektion opfert eine Eigenschaft, um eine andere zu erhalten — eine verzerrungsfreie Weltkarte gibt es nicht.
Vom Gelände zur lesbaren Karte führt die Generalisierung in vier Schritten: Auswahl (was kommt überhaupt vor), Vereinfachung (Linien glätten), Klassifikation (Werte in Stufen bündeln) und Zusammenfassung (Einzelobjekte gruppieren). Jeder Schritt trifft eine Entscheidung — deshalb gilt der Merksatz, dass eine Karte immer Modell ist und nie ein neutrales Abbild.
Karten sprechen über Signaturen: Punktsignaturen für Standorte, Liniensignaturen für Verkehr, Flächensignaturen für Nutzungen, proportionale Kreise für absolute Mengen und Choroplethen (Flächenfärbung in Klassen) für relative Werte. Ein klassischer Fehler ist die Choroplethenkarte mit absoluten Zahlen: Sie färbt schlicht große Bundesländer dunkel. Choroplethen verlangen immer Dichten oder Anteile, sonst bilden sie nur die Flächengröße ab.
Weil jede Projektion eine Botschaft transportiert, gehört zur Kartenkompetenz die Kartenkritik: Die verbreitete Mercator-Weltkarte lässt Grönland fast so groß wie Afrika erscheinen, obwohl Afrika rund vierzehnmal größer ist — eine Verzerrung, die als eurozentrisch kritisiert wird. In der Reifeprüfung ist es daher Pflicht, zu jeder Karte Quelle und Datum zu nennen und die Legende vollständig zu lesen, bevor man interpretiert.
Musterbeispiel

Massstabsumrechnung

Auf einer Karte 1:200000 sind zwei Orte 7 cm voneinander entfernt. Wie weit sind sie in der Realität?

  1. 01Massstab in cm

    1 cm auf der Karte = 200000 cm = 2000 m = 2 km in der Realität.

  2. 02Strecke multiplizieren

    7 cm . 2 km/cm = 14 km.

Ergebnis: Die Orte sind 14 km voneinander entfernt.

Musterbeispiel

Flächenmaßstab

Ein Feld ist in Wirklichkeit 5 km^2 gross. Wie gross erscheint es auf einer Karte 1:50000?

  1. 01Längenmaßstab

    1 cm auf der Karte = 50000 cm = 0,5 km in der Realität.

  2. 02Flächenmaßstab

    Die Fläche skaliert mit dem Quadrat: 1 cm^2 = (0,5 km)^2 = 0,25 km^2.

    1 cm2  =^  (0,5 km)2=0,25 km21\,\text{cm}^2 \;\widehat{=}\; (0{,}5\,\text{km})^2 = 0{,}25\,\text{km}^21cm2=(0,5km)2=0,25km2
  3. 03Umrechnen

    5 km^2 / 0,25 km^2 je cm^2 = 20 cm^2 auf der Karte.

    50,25=20 cm2\dfrac{5}{0{,}25} = 20\,\text{cm}^20,255​=20cm2

Ergebnis: Das Feld erscheint auf der Karte als 20 cm^2.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank10 Punkte

Aufgabenstellung

Vergleichen Sie Mercator- und Peters-Projektion und diskutieren Sie die politischen Implikationen.

Maturafokus

  • Massstab korrekt umrechnen (1 cm = ? km).
  • Mercator- vs. Peters-Projektion vergleichen können.
  • Generalisierungsschritte einer thematischen Karte erkennen.

Typische Fehler

  • Massstab "verkehrt" interpretiert (grosser Massstab = kleiner Ausschnitt).
  • Choropleth-Karte mit absoluten Werten statt Dichten gezeichnet.
  • Mercator als "neutrale" Projektion ansehen.

Aktive Wiederholung

Erstelle eine Choropleth-Karte der Bevölkerungsdichte der österreichischen Bundesländer (Daten Statistik Austria). Erläutere Klassifikation und Generalisierung.

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Diercke Weltatlas — Westermann (Westermann Verlag)

§ 03

GIS, Fernerkundung, Open Data#

●●○StandardLPGW-Grund-1.3

Kernpunkte

Ein Geoinformationssystem (GIS) ist mehr als eine digitale Karte: Es speichert, verknüpft und vor allem analysiert raumbezogene Daten in getrennten Schichten (Layers). Jeder Layer hält eine Information — Höhe, Bodennutzung, Bevölkerung —, und die eigentliche Stärke liegt im Übereinanderlegen und Verschneiden dieser Schichten. So lässt sich eine Frage beantworten, die keine einzelne Karte beantworten kann, etwa: Welche Fläche ist zugleich südexponiert, flach und hochwassersicher?
Geodaten liegen in zwei Modellen vor (). Vektordaten beschreiben Objekte über Koordinaten — Punkte (ein Standort), Linien (eine Straße), Polygone (ein Grundstück) — und eignen sich für scharf abgegrenzte Dinge. Rasterdaten zerlegen den Raum in ein Pixelgitter, in dem jede Zelle einen Wert trägt (Satellitenbild, Höhenmodell); sie sind ideal für stetige Größen wie Höhe oder Temperatur. Welches Modell passt, hängt also davon ab, ob das Phänomen eher diskret oder flächig-stetig ist.

Datenmodelle im GIS

Datenmodelle im GISBaumdiagramm, 5 Pfade, Daten: Vektordaten → Punkt; Vektordaten → Linie; Vektordaten → Polygon; Rasterdaten → Satellitenbild; Rasterdaten → HöhenmodellVektordatenRasterdatenGeodatenPunktLiniePolygonSatellitenbildHöhenmodell
Abb. 3Geodaten liegen entweder als Vektor (Geometrie aus Koordinaten) oder als Raster (Pixelgitter) vor.
Die Fernerkundung liefert dem GIS Rohdaten aus der Distanz: Die Sentinel-Satelliten des europäischen Copernicus-Programms und die Landsat-Reihe der NASA tasten die Erde wiederholt und flächendeckend ab. Aus den Spektralkanälen berechnet man Indizes — der NDVI misst über das Verhältnis von Rot zu Nahinfrarot die Vegetationsvitalität, die LST die Oberflächentemperatur. Der Mehrwert ist die Wiederholung: Veränderungen wie Dürre, Schneebedeckung oder Versiegelung werden im Zeitverlauf sichtbar.
Für Österreich sind viele Geodaten frei verfügbar: data.gv.at bündelt Open Government Data, basemap.at liefert die amtliche Hintergrundkarte, und die Bundesländer betreiben eigene GIS-Portale (z. B. GIS-Steiermark, tirisMaps). Open Data senkt die Einstiegshürde für Analysen deutlich, weil man Layer nicht mehr selbst erheben muss.
Typische Anwendungen zeigen die Bandbreite: Hochwasserschutz (das HORA-Portal weist Risikozonen aus), Standort- und Schigebietsplanung, Raumordnung, Klimamonitoring und Wahlanalysen. Das verbindende Werkzeug ist fast immer die Verschneidung — mehrere Eignungs-Layer werden logisch verknüpft, sodass nur Flächen übrig bleiben, die alle Bedingungen erfüllen (siehe Beispiel).
Geodaten entstehen heute auch kollaborativ: OpenStreetMap ist eine von Freiwilligen erstellte, frei nutzbare Weltkarte (Citizen Science). Mit der Datenfülle wächst die Verantwortung — personenbezogene Raumdaten werden anonymisiert und nur aggregiert ausgegeben, etwa in Rasterzellen von 1 km Kantenlänge bei Statistik Austria. Datenschutz ist damit Teil der GIS-Kompetenz, kein Nachgedanke.
Musterbeispiel

Standortanalyse durch Verschneidung (GIS)

Gesucht ist eine Fläche für eine Photovoltaik-Freiflächenanlage. Welche Layer verschneidet ein GIS, und wie kommt das Ergebnis zustande?

  1. 01Kriterien festlegen

    Eignung = südexponiert, Hangneigung unter 10 Grad, nicht im Wald, nicht im Hochwasser-Risikogebiet, nahe einer Stromleitung.

  2. 02Layer wählen

    Höhenmodell (Hangneigung, Exposition; Raster), Bodennutzung (Wald/Acker; Vektor), HORA-Hochwasserzonen (Vektor), Stromnetz (Linie).

  3. 03Verschneiden (Overlay)

    Jeden Layer in „geeignet/ungeeignet" umklassifizieren und logisch UND-verknüpfen; nur Flächen, die ALLE Kriterien erfüllen, bleiben übrig.

  4. 04Puffer anwenden

    Um die Stromleitung einen 500-m-Puffer legen und mitverschneiden, damit der Netzanschluss günstig bleibt.

  5. 05Ergebnis lesen

    Die verbleibenden Polygone sind die Kandidatenflächen; ihre Größe lässt sich direkt aus dem GIS abfragen.

Ergebnis: Die UND-Verschneidung mehrerer Eignungs-Layer liefert genau jene Flächen, die alle Bedingungen erfüllen — die Kernoperation jeder GIS-Standortanalyse.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank10 Punkte

Aufgabenstellung

Erläutern Sie den Einsatz von GIS und Fernerkundung am Beispiel des Hochwasserschutzes in Österreich.

Maturafokus

  • Vektor- vs. Rasterdaten unterscheiden.
  • Mindestens eine GIS-Anwendung mit Layer-Beispielen beschreiben.
  • Open-Data-Quellen kennen.

Typische Fehler

  • GIS mit "Google Maps" verwechseln.
  • Satellitenbild als "Foto der Erde" deuten ohne Sensor-Bereich.
  • Datenschutzaspekte ignorieren.

Aktive Wiederholung

Beschreibe, wie ein GIS bei der Standortwahl eines neuen Spitals helfen kann. Welche Layer braucht man?

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Copernicus Data Space Ecosystem (European Space Agency) · data.gv.at — Open Government Data Österreich (BMKOES)

§ 04

Klima-, Vegetations- und Beleuchtungszonen#

●○○BasisLPGW-Grund-1.4

Kernpunkte

Weil die Erdachse um rund 23,5 Grad geneigt ist und die Erde eine Kugel, trifft die Sonne überall unterschiedlich steil auf — daraus folgen die Beleuchtungszonen. In den Tropen zwischen den Wendekreisen steht die Sonne zweimal im Jahr im Zenit, die Einstrahlung ist ganzjährig hoch. In den gemäßigten Zonen wechseln ausgeprägte Jahreszeiten, und in den Polarregionen führen die flache Strahlung sowie Polartag und Polarnacht zu extremer Kälte. Diese Zonen sind rein astronomisch begründet.
Das Klima selbst klassifiziert man nach Köppen-Geiger über Temperatur und Niederschlag in fünf Hauptgruppen: A tropisch, B arid (trocken), C warm-gemäßigt, D kalt-gemäßigt bzw. boreal und E polar. Ein zweiter und dritter Buchstabe verfeinern die Niederschlagsverteilung und die Sommerwärme — Cfb steht etwa für warm-gemäßigt, ganzjährig feucht, mit warmem Sommer.
Österreich liegt fast vollständig in der Zone Cfb (warm-gemäßigt, ganzjährig feucht); das Wiener Becken ist ein Musterbeispiel. Mit der Höhe wird es kühler: Mittelgebirgs- und Alpenlagen gehören zu Dfb/Dfc, die Gipfelregionen zur Frostklimazone ET. Schon Österreich zeigt damit, dass Klimazonen nicht nur mit der geographischen Breite, sondern auch mit der Höhe wechseln.
Die Vegetation folgt dem Klima wie ein Schatten: Vom Äquator zum Pol reihen sich tropischer Regenwald, Savanne, Wüste, mediterrane Hartlaubvegetation, sommergrüner Laub- und Mischwald, borealer Nadelwald (Taiga) und Tundra. Weil Temperatur und Wasserverfügbarkeit die Pflanzendecke steuern, lässt sich aus dem Klima die Naturlandschaft vorhersagen — und aus der Vegetation umgekehrt das Klima erschließen.
Was die geographische Breite horizontal leistet, leistet die Höhe vertikal: In den Alpen schichten sich die Höhenstufen von kollin (Tallagen) über montan und subalpin bis nival (Firn und Eis), wie zeigt. Rund 100 Höhenmeter bedeuten grob 0,6 Grad Abkühlung, sodass man auf wenigen Kilometern Aufstieg dieselbe Zonenfolge durchläuft wie auf tausenden Kilometern Richtung Pol.

Alpine Höhenstufen und Nutzung

Talraum < 600 m Submontan 600-1000 Montan 1000-1500 Subalpin 1500-2000 Alpin 2000-2500 Nival > 2500 Siedlung, Acker, Industrie Dauersiedlung, Wein, Grünland Bergbauernhöfe, Wald, Tourismus Almwirtschaft, Wintertourismus Schitourismus, Schutzhütten Gletscher, alpinist. Nutzung Dorf Wald Schilift Höhenstufen verschieben sich infolge Klimawandel um ca. 100-150 m nach oben (IPCC AR6).
Abb. 5Submontan, montan, subalpin, alpin, nival mit jeweiliger Nutzung.
Der Antrieb hinter den tropischen Regenzeiten ist die wandernde Innertropische Konvergenzzone (ITC): Sie folgt dem höchsten Sonnenstand und verschiebt sich saisonal nach Norden und Süden (). Wo sie hinzieht, steigt feuchte Luft auf und es regnet (Regenzeit); wo sie fehlt, herrscht Trockenheit. Das ist der Mechanismus hinter Savannenklima und Monsun.

Globale Atmosphärische Zirkulation (Drei-Zellen-Modell)

Äquator (ITC) 30 N (subtrop. Hoch) 30 S (subtrop. Hoch) 60 N (Polarfront) Hadley Ferrel Polar NO-Passat SO-Passat Westwinde (60 N) Polar-Ostwind Coriolis-Kraft lenkt Strömungen ab: NH nach rechts, SH nach links. ITC wandert saisonal mit Sonnenstand.
Abb. 4Hadley-, Ferrel- und Polarzelle; Passat, Westwind, Polar-Ostwind.
Schließlich gilt für jede Klimaklassifikation: Sie ist ein Modell mit scharfen Linien, doch in der Natur sind die Übergänge fließend. Grenzwerte wie die 18-Grad-Marke zwischen den Gruppen A und C sind Konventionen, keine Mauern — in Maturaaufgaben sollte man eine Zuordnung daher mit den Klimadaten begründen, nicht bloß behaupten.
Musterbeispiel

Eine Station nach Köppen einordnen

Eine Station meldet: kältester Monat 0,4 Grad, wärmster Monat 21,5 Grad, in allen Monaten 40–80 mm Niederschlag, Jahressumme rund 620 mm. Welcher Köppen-Typ?

  1. 01Hauptgruppe (Temperatur)

    Der kälteste Monat liegt zwischen -3 und +18 Grad, also Gruppe C (warm-gemäßigt); arid scheidet aus, da es ganzjährig regnet.

  2. 02Niederschlag (2. Buchstabe)

    Kein ausgeprägter Trockenmonat im Sommer oder Winter, daher „f" (immerfeucht).

  3. 03Sommerwärme (3. Buchstabe)

    Der wärmste Monat bleibt unter 22 Grad, aber mindestens vier Monate liegen über 10 Grad, daher „b" (warmer Sommer).

  4. 04Zusammensetzen

    C und f und b ergeben den Code Cfb.

Ergebnis: Die Station ist Cfb (warm-gemäßigt, ganzjährig feucht, warmer Sommer) — das typische Klima Wiens und weiter Teile Österreichs.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank9 Punkte

Aufgabenstellung

Charakterisieren Sie die Koeppen-Klimazonen und ordnen Sie ausgewählte Welt-Städte zu.

Maturafokus

  • Koeppen-Code AT/Wien (Cfb) angeben können.
  • Beleuchtungs- vs. Klimazonen unterscheiden.
  • Höhenstufen analog zu Breitenstufen erklären.

Typische Fehler

  • Klimazonen mit Vegetationszonen gleichsetzen.
  • Tropen mit "warm und trocken" verwechseln.
  • Höhenstufen ohne Verschiebung mit Hangrichtung (Sonn/Schatt) verwenden.

Aktive Wiederholung

Ordne folgende Städte den Koeppen-Klimazonen zu: Singapur, Kairo, Wien, Reykjavik, Murmansk.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: GeoSphere Austria (ZAMG) — Klimanormalperiode (GeoSphere Austria)

§ 05

Orientierung, Koordinaten, Zeitzonen#

●○○BasisLPGW-Grund-1.2

Kernpunkte

Jeder Punkt der Erde ist durch zwei Winkel eindeutig bestimmt: die geographische Breite (0 Grad am Äquator bis 90 Grad an den Polen, nördlich oder südlich) und die geographische Länge (0 Grad am Nullmeridian durch Greenwich bis 180 Grad, östlich oder westlich). Angegeben wird in Grad, Minuten und Sekunden, und konventionell nennt man zuerst die Breite, dann die Länge. Wien liegt so bei rund 48 Grad N und 16 Grad O.
Das Gradnetz ist kein gleichmäßiges Quadratgitter: Die Breitenkreise verlaufen parallel und sind überall gleich weit voneinander entfernt, während die Längenkreise (Meridiane) zu den Polen hin zusammenlaufen. Daraus folgt eine nützliche Faustregel — ein Grad Breite entspricht überall rund 111 km, ein Grad Länge nur am Äquator so viel, polwärts immer weniger. Entfernungen entlang eines Meridians lassen sich deshalb direkt aus der Breitendifferenz abschätzen.
Die Erddrehung verknüpft Länge und Uhrzeit: In 24 Stunden dreht sich die Erde um 360 Grad, also 15 Grad pro Stunde. Östlich von Greenwich ist es früher, westlich später; Mitteleuropa nutzt die MEZ = UTC+1 (im Sommer MESZ = UTC+2). Die theoretische Zeitdifferenz zweier Orte ist also ihre Längendifferenz geteilt durch 15 Grad pro Stunde — die realen Zonenzeiten weichen ab, weil Staaten ihre Grenzen aus praktischen Gründen begradigen ( stellt Länge und Zonenzeit einiger Orte gegenüber).

Koordinaten und Zonenzeit ausgewählter Orte

Koordinaten und ZonenzeitTabelle mit 3 Spalten und 4 Zeilen, Daten: Ort · Länge · Zonenzeit; Greenwich · 0° · UTC; Wien · 16° O · MEZ (UTC+1); New York · 74° W · EST (UTC−5); Tokio · 140° O · JST (UTC+9)ORTLÄNGEZONENZEITGreenwich0°UTCWien16° OMEZ (UTC+1)New York74° WEST (UTC−5)Tokio140° OJST (UTC+9)
Abb. 6Die Zonenzeit folgt grob der Länge (15 Grad entsprechen 1 Stunde), weicht aber aus politischen Gründen ab.
Damit die Uhren rund um den Globus konsistent bleiben, liegt am etwa 180. Längengrad die Datumsgrenze. Überquert man sie nach Westen, springt das Datum einen Kalendertag vor; nach Osten wiederholt sich ein Tag. Anschaulich gesagt landet, wer von Tokio nach Hawaii fliegt, „gestern". Die Grenze ist bewusst in den menschenleeren Pazifik gelegt und um Inselstaaten herumgezogen.
Für Österreich heißt das konkret: Es liegt etwa zwischen 9 und 17 Grad östlicher Länge und 46 bis 49 Grad nördlicher Breite und nutzt einheitlich MEZ bzw. MESZ. Obwohl Ost- und Westgrenze des Landes einen kleinen wahren Sonnenzeit-Unterschied haben, gilt aus Praktikabilität eine gemeinsame Zonenzeit — ein gutes Beispiel dafür, dass Zeitzonen politisch-pragmatisch und nicht streng astronomisch gezogen werden.
Die moderne Positionsbestimmung kehrt das Prinzip um: Satellitensysteme (GNSS) wie das amerikanische GPS und das europäische Galileo senden Zeitsignale, und aus der Laufzeit zu mindestens vier Satelliten errechnet der Empfänger seine drei Koordinaten und korrigiert zugleich die Uhr. GNSS ist damit die Grundlage von Navigation, Vermessung und unzähligen GIS-Anwendungen — Koordinaten sind heute jederzeit und überall verfügbar.
Musterbeispiel

Zeitdifferenz aus Längengrad

Wie gross ist die theoretische Zeitdifferenz zwischen Wien (16 Grad O) und New York (74 Grad W)?

  1. 01Längendifferenz

    Differenz = 16 Grad + 74 Grad = 90 Grad (Ost plus West).

  2. 02Grad in Stunden

    Pro Stunde 15 Grad, also 90 / 15.

    Δt=90∘15∘/h=6 h\Delta t = \dfrac{90^\circ}{15^\circ/\text{h}} = 6\,\text{h}Δt=15∘/h90∘​=6h
  3. 03Richtung

    New York liegt westlich, ist also rund 6 Stunden zurück (Wien 18:00 -> New York 12:00).

Ergebnis: Die theoretische Zeitdifferenz beträgt 6 Stunden.

Musterbeispiel

Entfernung aus Breitengraddifferenz

Zwei Orte liegen auf demselben Meridian bei 48 Grad N und 46 Grad N. Wie weit sind sie ungefähr voneinander entfernt?

  1. 01Breitendifferenz

    Delta phi = 48 Grad - 46 Grad = 2 Grad.

  2. 02Pro Grad rund 111 km

    Entfernung = 2 . 111 km.

    s=2⋅111 km=222 kms = 2 \cdot 111\,\text{km} = 222\,\text{km}s=2⋅111km=222km
  3. 03Hinweis

    Die Näherung 111 km/Grad gilt entlang der Meridiane unabhängig von der Breite.

Ergebnis: Die Orte sind rund 222 km voneinander entfernt.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank9 Punkte

Aufgabenstellung

Erläutern Sie das geographische Gradnetz und berechnen Sie eine Zeitzonendifferenz an einem selbstgewählten Beispiel.

Maturafokus

  • Koordinaten eines Ortes ablesen und angeben.
  • Zeitdifferenz zwischen zwei Längengraden berechnen.
  • Funktion der Datumsgrenze erklären.

Typische Fehler

  • Breite und Länge vertauschen (zuerst Breite, dann Länge nennen).
  • Zeitzonen mit politischen Grenzen gleichsetzen (China hat nur eine Zeitzone).
  • Sommerzeit (MESZ) bei Rechnungen vergessen.

Aktive Wiederholung

Wien liegt bei rund 16 Grad östlicher Länge, New York bei rund 74 Grad westlicher Länge. Bestimme die theoretische Zeitdifferenz und erkläre, warum die tatsächliche Zonenzeit abweicht.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: BEV — Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen (BEV)

§ 06

Materialarbeit: Statistik, Diagramm, Karikatur#

●●○StandardLPGW-Grund-1.3

Kernpunkte

Die Reifeprüfung in GW ist durchgehend materialgestützt: Man bekommt nie eine bloße Wissensfrage, sondern arbeitet an Material — Karte, Klimadiagramm, Statistiktabelle, Diagramm, Karikatur, Pressetext oder Modell. Die Kompetenz, dieses Material methodisch zu erschließen, ist daher wichtiger als auswendig gelerntes Detailwissen; sie entscheidet über die Punkte.
Das Rückgrat ist die Drei-Schritt-Methode: zuerst beschreiben (Was zeigt das Material? Achsen, Einheiten, Zeitraum, auffällige Werte), dann analysieren (Welche Zusammenhänge und Ursachen stecken dahinter?) und erst zuletzt bewerten (Welches Urteil oder welche Position lässt sich begründen?). Der häufigste Fehler ist, die ersten beiden Schritte zu überspringen und sofort zu meinen.
Den passenden Diagrammtyp zu kennen hilft beim Beschreiben wie beim Erstellen: Das Säulen- oder Balkendiagramm vergleicht Kategorien, das Liniendiagramm zeigt eine Zeitreihe ( — die Bevölkerung Österreichs seit 1950), das Kreisdiagramm gibt Anteile an einem Ganzen, und das Streudiagramm prüft den Zusammenhang zweier Größen. Wer den Typ zur Fragestellung wählt, kommuniziert klarer.

Bevölkerungsentwicklung Österreich 1950-2024 (Mio.)

Bevölkerung Österreich (Mio.)Liniendiagramm: Bevölkerung (Mio.) nach Jahr, Daten: 1950: 6.94; 1970: 7.47; 1990: 7.68; 2000: 8; 2010: 8.39; 2020: 8.93; 2024: 9.16024681950197019902000201020202024Bevölkerung (Mio.)Jahr
Abb. 7Jahresdurchschnittsbevölkerung. Quelle: Statistik Austria.
Beim Analysieren helfen statistische Kennzahlen: der Mittelwert (anfällig für Ausreißer), der robustere Median, die Wachstumsrate und der Index mit Basisjahr 100. Entscheidend ist die Wahl zwischen absoluten und relativen Werten — Pro-Kopf-Größen oder Prozente sind meist aussagekräftiger. China stößt absolut am meisten CO2 aus, pro Kopf liegen aber andere Staaten weit vorn; erst der relative Bezug macht den Vergleich fair.
Auch eine Karikatur ist Material mit Methode: Man identifiziert die Bildelemente und Symbole, erkennt die bewusste Übertreibung und arbeitet die intendierte Aussage sowie den Standpunkt des Zeichners heraus. Eine Karikatur beschreibt nicht, sie kommentiert — das muss man benennen, statt sie für eine neutrale Quelle zu halten.
Über allem steht die Quellenkritik: Herausgeber, Datum und Erhebungsmethode prüfen, mögliche Interessen erkennen und auf Manipulationen achten — abgeschnittene oder gestreckte Achsen, ungleiche Intervalle, absolute statt relativer Werte. Erst wer die Darstellung hinterfragt, interpretiert das Material verantwortlich — genau das honoriert das Bewertungsschema.
Musterbeispiel

Indexberechnung (Basisjahr = 100)

Das BIP betrug 2013 rund 360 Mrd. EUR, 2023 rund 410 Mrd. EUR. Bilde einen Index mit Basisjahr 2013.

  1. 01Basisjahr setzen

    2013 = 100 (Indexbasis).

  2. 02Index 2023 berechnen

    Index = Wert / Basiswert . 100.

    I2023=410360⋅100≈114I_{2023} = \dfrac{410}{360} \cdot 100 \approx 114I2023​=360410​⋅100≈114
  3. 03Interpretation

    Index 114 bedeutet ein Wachstum von rund 14 % gegenüber 2013.

Ergebnis: Der BIP-Index 2023 beträgt rund 114 (plus 14 %).

Musterbeispiel

Mittelwert und Median vergleichen

Fünf Regionen haben Pro-Kopf-BIP von 30, 32, 34, 36 und 120 (Tsd. EUR). Welche Kennzahl beschreibt die Mitte besser?

  1. 01Mittelwert

    (30+32+34+36+120)/5 = 252/5.

    xˉ=2525=50,4\bar{x} = \dfrac{252}{5} = 50{,}4xˉ=5252​=50,4
  2. 02Median

    Mittlerer Wert der sortierten Reihe = 34.

  3. 03Bewertung

    Der Ausreisser 120 zieht den Mittelwert nach oben; der Median (34) beschreibt die typische Region besser.

Ergebnis: Der Median (34) ist hier aussagekräftiger als der Mittelwert (50,4).

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank10 Punkte

Aufgabenstellung

Analysieren Sie ein vorgelegtes Diagramm methodisch und reflektieren Sie mögliche Manipulationen der Darstellung.

Maturafokus

  • Drei-Schritt-Methode auf ein Material anwenden.
  • Geeigneten Diagrammtyp zu einer Fragestellung wählen.
  • Quellenkritik und Manipulationsmittel benennen.

Typische Fehler

  • Material nur beschreiben, aber nicht analysieren und bewerten.
  • Absolute statt relative Werte vergleichen (z. B. Emissionen ohne Pro-Kopf-Bezug).
  • Quelle und Datum des Materials nicht nennen.

Aktive Wiederholung

Wähle eine aktuelle Statistik (Statistik Austria) und wende konsequent die Drei-Schritt-Methode Beschreiben - Analysieren - Bewerten an.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Statistik Austria — STATatlas und Datenbanken (Statistik Austria)

Inhalt

Abschnitt -- / 06

    • 01Raumkonzepte und geographische Fragestellung○
    • 02Kartenarten, Projektionen, Generalisierung◐
    • 03GIS, Fernerkundung, Open Data◐
    • 04Klima-, Vegetations- und Beleuchtungszonen○
    • 05Orientierung, Koordinaten, Zeitzonen○
    • 06Materialarbeit: Statistik, Diagramm, Karikatur◐

0/6 Gelesen

Aus den Notizen ins Training

GW 1 — Raum, Karten, GIS, Klima- und Vegetationszonen

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Kompetenzen
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Erläutern Sie verschiedene Raumkonzepte und wenden Sie diese auf ein selbstgewähltes Beispiel aus dem Tourismus an.

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Belege & Quellen

Quellen

BMBWF

  • BMBWF AHS-Lehrplan Geographie und wirtschaftliche Bildung

Westermann Verlag

  • Diercke Weltatlas — Westermann

European Space Agency

  • Copernicus Data Space Ecosystem

BMKOES

  • data.gv.at — Open Government Data Österreich

GeoSphere Austria

  • GeoSphere Austria (ZAMG) — Klimanormalperiode

BEV

  • BEV — Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen

Statistik Austria

  • Statistik Austria — STATatlas und Datenbanken

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