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Notizen/Deutsch/D 3 - Schreiben (Überblick, Schreibprozess, Textsortenwahl)
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D 3 - Schreiben (Überblick, Schreibprozess, Textsortenwahl)

Schreiben ist die zentrale Prüfungsleistung. Diese Sektion liefert den prozeduralen Rahmen: vom Aufgabenverständnis über die Textsortenwahl bis zur strukturierten Überarbeitung. Spezifische Textsorten werden in den folgenden Topics einzeln behandelt.

6 Abschnitte·~19 Min Lesezeit·3 Kompetenzen·Niveau Basis 2 · Standard 4·Stand 06/2026

T·0333 / 13
Prüfungsprofil
D-S-3.1 · Schreibprozess strukturiert planen und durchführenD-S-3.2 · Adäquate Textsorte für Adressat und Zweck wählenD-S-3.3 · Texte adressatengerecht und aufgabenbezogen überarbeiten
Tiefe

Lesetiefe: Vertiefung

Schrift

Schriftgröße: Standard

Inhalt · 6 Abschnitte▾
  1. D 3 - Schreiben (Überblick, Schreibprozess, Textsortenwahl)
    • 01Aufgabenanalyse der 270-Minuten-Klausur○
    • 02Textsortenwahl - die sieben SRDP-Textsorten◐
    • 03Überarbeitung nach IQS-Raster◐
    • 04Orthografie- und Grammatikfilter für die Prüfung◐
    • 05Der Schreibprozess - planen, formulieren, überarbeiten○
    • 06Zeitmanagement in der 270-Minuten-Klausur◐
§ 01

Aufgabenanalyse der 270-Minuten-Klausur#

●○○BasisLPD-S-3.1.1

Schreibprozess der 270-Minuten-Klausur

Schreibprozess 270-Minuten-KlausurTabelle mit 3 Spalten und 5 Zeilen, Daten: Phase · Zeit · Fokus; Aufgabe lesen · ~10 Min · Operatoren klären; Material sichten · ~25 Min · Kernaussagen finden; Schreibplan · ~25 Min · Gliederung + These; Rohfassung · ~150 Min · Texte schreiben; Überarbeitung · ~60 Min · Inhalt, Stil, NormPHASEZEITFOKUSAUFGABE LESEN~10 MinOperatoren klärenMATERIAL SICHTEN~25 MinKernaussagen findenSCHREIBPLAN~25 MinGliederung + TheseROHFASSUNG~150 MinTexte schreibenÜBERARBEITUNG~60 MinInhalt, Stil, Norm
Abb. 1270 Minuten gesamt - die ersten 60 Minuten (Analyse und Plan) entscheiden über die Struktur; danach bleibt keine Reserve, das Zeitbudget muss diszipliniert eingehalten werden.

Kernpunkte

Die Klausur dauert 270 Minuten (= 4,5 Stunden) und besteht aus EINEM von drei Themenpaketen. Jedes Themenpaket enthält zwei Schreibaufgaben; die Aufgabenstellung gibt je Textsorte eine verbindliche Wortbandbreite vor (270-330, 405-495 oder 540-660 Wörter).
Themenpakete sind thematisch zusammengefasst (zB "Sprache", "Identität", "Arbeit", "Mensch und Technik") und enthalten je zwei Beilagen: meist einen Sachtext und einen literarischen Text.
Aufgabenanalyse-Schritt 1: Themenpaket wählen (10 Min.) - nicht das interessanteste, sondern das mit den sichersten Textsorten und der besten Material-Verfügbarkeit.
Aufgabenanalyse-Schritt 2: Beide Aufgabenstellungen vollständig parsieren - Operator (zB "verfassen Sie eine Erörterung"), Textsorte, Adressat, Wortumfang, Teilaufgaben markieren.
Aufgabenanalyse-Schritt 3: Beilagen überfliegen (globales Lesen, 8 Min.) - reicht das Material? Gibt es Verständnisbarrieren? Stimmt die Textsorte mit der Beilage zusammen?
Wenn nach 25 Minuten Aufgabenwahl, Aufgabenanalyse und Lesen abgeschlossen sind, bleiben 245 Min. für Planung, Schreiben, Überarbeitung - das entspricht ca. 120 Min. pro Aufgabe inkl. Pause.

Textsorten-Matrix nach Funktion und Adressat

Textsorten nach Funktion und AdressatTabelle mit 3 Spalten und 7 Zeilen, Daten: Textsorte · Funktion · Adressat; Zusammenfassung · analysierend · neutral; Textanalyse · analysierend · öffentlich; Textinterpretation · analysierend · öffentlich; Leserbrief · positionierend · privat; Erörterung · positionierend · öffentlich; Kommentar · positionierend · öffentlich; Meinungsrede · positionierend · öffentlichTEXTSORTEFUNKTIONADRESSATZUSAMMENFASSUNGanalysierendneutralTEXTANALYSEanalysierendöffentlichTEXTINTERPRETATIONanalysierendöffentlichLESERBRIEFpositionierendprivatERÖRTERUNGpositionierendöffentlichKOMMENTARpositionierendöffentlichMEINUNGSREDEpositionierendöffentlich
Abb. 2Die sieben verbindlichen SRDP-Textsorten, geordnet nach Funktion (analysierend oder positionierend) und Adressat (neutral, privat, öffentlich).
Musterbeispiel

Aufgabenanalyse einer Modell-Klausur in 10 Minuten

Du erhältst das Themenpaket "Mensch und Technik" mit den Beilagen: (1) Kommentar von Sibylle Berg "Wer programmiert die Welt?" (Spiegel, 2024), (2) Kurzgeschichte von Daniel Kehlmann "Lichtspiel" (Auszug, 2023). Aufgabe A: Textanalyse von Beilage 1. Aufgabe B: Textinterpretation von Beilage 2.

  1. 01Minute 1-2: Themenpaket-Check

    Prüfe zwei andere Themenpakete: bist du für dieses besser gerüstet? Hier ja, da Textanalyse und Textinterpretation als Pflicht-Textsorten gut vorbereitet sind.

  2. 02Minute 3-4: Aufgabenstellung parsen

    Aufgabe A: Verfassen Sie eine Textanalyse, 405-495 Wörter. Teilaufträge: (a) Hauptthese, (b) Argumentationsstruktur, (c) sprachliche Mittel, (d) Wirkungsabsicht. - Aufgabe B: Verfassen Sie eine Textinterpretation, 540-660 Wörter. Teilaufträge: (a) Erzählperspektive, (b) Figurenkonstellation, (c) Deutungshypothese.

  3. 03Minute 5-7: Beilagen überfliegen

    Beilage 1: Funktion = appellieren+bewerten, Hauptthese = "Programmierer werden zu unsichtbaren Gesetzgebern". Beilage 2: literarischer Auszug über einen Filmregisseur, Erzählperspektive = personal mit Reflektorfigur.

  4. 04Minute 8-10: Zeitplan + Reihenfolge

    Reihenfolge: zuerst die Textanalyse (kürzer, schneller), dann die Textinterpretation. Zeitplan: 100 Min. Analyse + 130 Min. Interpretation + 40 Min. Reserve. Notiere Zeitmarken auf den Beilagen.

Ergebnis: In 10 Minuten ist die Aufgabe strukturell verstanden, beide Beilagen sind klassifiziert, ein Zeitplan ist gesetzt. Damit beginnt die eigentliche Schreibarbeit nicht in Improvisation, sondern in Struktur.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Die Klausur dauert 270 Minuten und besteht aus zwei Schreibaufgaben in einem Themenpaket.

    Schreibprozess der 270-Minuten-Klausur

    Schreibprozess 270-Minuten-KlausurTabelle mit 3 Spalten und 5 Zeilen, Daten: Phase · Zeit · Fokus; Aufgabe lesen · ~10 Min · Operatoren klären; Material sichten · ~25 Min · Kernaussagen finden; Schreibplan · ~25 Min · Gliederung + These; Rohfassung · ~150 Min · Texte schreiben; Überarbeitung · ~60 Min · Inhalt, Stil, NormPHASEZEITFOKUSAUFGABE LESEN~10 MinOperatoren klärenMATERIAL SICHTEN~25 MinKernaussagen findenSCHREIBPLAN~25 MinGliederung + TheseROHFASSUNG~150 MinTexte schreibenÜBERARBEITUNG~60 MinInhalt, Stil, Norm
    Abb.270 Minuten gesamt - die ersten 60 Minuten (Analyse und Plan) entscheiden über die Struktur; danach bleibt keine Reserve, das Zeitbudget muss diszipliniert eingehalten werden.
  2. 2

    Themenpaket-Wahl in 10 Minuten - nach Textsorten-Sicherheit, nicht nach Interesse.

  3. 3

    Teilaufträge markieren ist die billigste Punktversicherung der Klausur.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank16 Punkte

Aufgabenstellung

Sie haben drei Themenpakete zur Wahl: (A) "Identität und Sprache", (B) "Arbeit im Wandel", (C) "Stadt und Land". Beschreiben Sie kurz, nach welchen drei Kriterien Sie das Themenpaket auswählen, und begründen Sie Ihre Wahl mit einer plausiblen Reihenfolge.

Maturafokus

  • Themenpaket-Wahl ist die wichtigste strategische Entscheidung der Klausur - sie kostet 10 Minuten und ist nicht rückgängig zu machen.
  • Die Aufgabenstellung enthält fast immer mehrere Teilaufträge (zB "Verfassen Sie eine Textinterpretation und gehen Sie dabei auf folgende Aspekte ein: ..."). Jeder Teilauftrag muss erfüllt sein, sonst sinkt die Inhaltsdimension.
  • Wortumfang ist verbindlich: Toleranzbereich +/- 10 % - bei deutlicher Unterschreitung sinkt die Inhaltsdimension automatisch.

Typische Fehler

  • Themenpaket wird nach Interesse statt nach Textsorten-Sicherheit gewählt - dann scheitert die Aufgabe an einer ungewohnten Textsorte.
  • Teilaufträge werden in der Aufgabenstellung nicht markiert - im Hauptteil fehlen einzelne Aspekte und die Inhaltsdimension sinkt.
  • Wortumfang wird während des Schreibens nicht kontrolliert - am Ende fehlt Zeit zum Anpassen.

Aktive Wiederholung

Hole dir eine SRDP-Klausurangabe (Archiv 2018-2024) und gehe die Aufgabenanalyse in 10 Minuten durch: Themenpaket wählen, alle Teilaufträge markieren, Beilagen globales Lesen, Zeitplan für beide Aufgaben aufstellen.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: IQS: Beurteilungsraster Schreibklausur Deutsch (IQS) · BMBWF Schreibhandbuch Deutsch (BMBWF)

§ 02

Textsortenwahl - die sieben SRDP-Textsorten#

●●○StandardLPD-S-3.2

Textsorten-Matrix nach Funktion und Adressat

Textsorten nach Funktion und AdressatTabelle mit 3 Spalten und 7 Zeilen, Daten: Textsorte · Funktion · Adressat; Zusammenfassung · analysierend · neutral; Textanalyse · analysierend · öffentlich; Textinterpretation · analysierend · öffentlich; Leserbrief · positionierend · privat; Erörterung · positionierend · öffentlich; Kommentar · positionierend · öffentlich; Meinungsrede · positionierend · öffentlichTEXTSORTEFUNKTIONADRESSATZUSAMMENFASSUNGanalysierendneutralTEXTANALYSEanalysierendöffentlichTEXTINTERPRETATIONanalysierendöffentlichLESERBRIEFpositionierendprivatERÖRTERUNGpositionierendöffentlichKOMMENTARpositionierendöffentlichMEINUNGSREDEpositionierendöffentlich
Abb. 3Die sieben verbindlichen SRDP-Textsorten, geordnet nach Funktion (analysierend oder positionierend) und Adressat (neutral, privat, öffentlich).

Kernpunkte

SRDP-Deutsch schreibt sieben Textsorten als Prüfungsformate vor: Erörterung (linear/dialektisch/textbasiert), Kommentar, Leserbrief, Meinungsrede, Textanalyse, Textinterpretation, Zusammenfassung.
Die Textsorten lassen sich in zwei Familien gliedern: analysierende/wiedergebende (Zusammenfassung, Textanalyse, Textinterpretation) und positionierende/argumentierende (Erörterung, Kommentar, Leserbrief, Meinungsrede).
Wahl-Regel: Die Aufgabenstellung schreibt die Textsorte VERBINDLICH vor. Wer eine andere Textsorte wählt, verliert die Inhaltsdimension fast vollständig (-3 von 4 Punkten).
Adressatenklarheit: jede Textsorte hat einen typischen Adressaten - Kommentar an die Öffentlichkeit, Leserbrief an Redaktion+Leserschaft, Meinungsrede an ein konkretes Publikum, Zusammenfassung an einen sachlich interessierten Adressaten.
Schreibhaltung: analysierend (sachlich, nachprüfbar), bewertend (begründet, abwägend), appellierend (motivierend, handlungsanleitend) - jede Textsorte hat eine dominante Haltung.
Register: von sachlich (Zusammenfassung, Textanalyse) über halbformal (Erörterung, Textinterpretation) bis lebendig (Kommentar, Meinungsrede) - Register ist nicht beliebig, sondern textsortengebunden.

Argumentationsbaum - These, Argument, Beleg

ArgumentationsbaumBaumdiagramm, 6 Pfade, Daten: Argument 1 → Beleg; Argument 1 → Beispiel; Argument 2 → Studie; Argument 2 → Zitat; Argument 3 → Statistik; Argument 3 → ErfahrungArgument 1Argument 2Argument 3TheseBelegBeispielStudieZitatStatistikErfahrung
Abb. 4Hierarchische Struktur einer Argumentation: jede These wird durch Argumente, jedes Argument durch Belege gestützt. Aus den geprüften Argumenten folgt die begründete Schlussposition.
Musterbeispiel

Leserbrief - die ersten drei Sätze

Schreibe die Einleitung eines Leserbriefs an "Der Standard" als Reaktion auf einen Kommentar von Hans Rauscher über das österreichische Bildungssystem.

  1. 01Anrede (Pflicht!)

    "Sehr geehrte Redaktion," (Komma, dann Absatz). Niemals nur "Hallo" oder "Liebe Standard-Redaktion" (zu informell).

  2. 02Bezug zum Anlasstext (Satz 1)

    "Mit Interesse las ich den Kommentar Schule muss mehr können von Hans Rauscher in Ihrer Ausgabe vom 22. April 2024." - Titel, Autor, Datum nennt jeder zweite Schüler falsch. Hier punktet die Inhaltsdimension.

  3. 03Eigene Position als Antwort auf den Anlass (Satz 2)

    "Der Autor stellt darin die These auf, österreichische Schulen würden zu langsam auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren - eine Diagnose, der ich aus Sicht einer Maturantin nur teilweise zustimmen kann."

  4. 04Schreibaufgabe ankündigen (Satz 3)

    "Im Folgenden möchte ich erläutern, in welchen Punkten der Kommentar zutrifft - und an welchen Stellen er aus der Innensicht des Schulalltags zu kurz greift." - Klarer Plan für zwei Argumentblöcke: zustimmend + einschränkend.

Ergebnis: Drei Sätze plus Anrede = ca. 70 Wörter. Adressat ist klar (Redaktion + Leserschaft), Anlass ist eingebunden, eigene Position ist erkennbar. Niemals: "Heute ist es ja so, dass ..." (Floskel) oder "Ich bin schockiert über Ihren Artikel" (übertriebener Affekt).

Musterbeispiel

Zusammenfassung - 800-Wörter-Text auf 180 Wörter straffen

Verdichte einen 800-Wörter-Kommentar über Mietpreise in Wien auf eine 180-Wörter-Zusammenfassung. Welche Schritte sicherst du?

  1. 01Kerninfo markieren (3 Min.)

    Erste Lektüre - These und drei tragende Argumente unterstreichen. Beispiele, Anekdoten, Wiederholungen werden NICHT markiert.

  2. 02Sinnabschnitte bilden (2 Min.)

    Text in 4-6 Sinnabschnitte teilen, jedem in 1-2 Schlagwörter überschreiben: "1. Anlass: Mietpreisindex März 2024 +9,2 %", "2. Hauptthese: strukturelles Versagen", "3. Argument A: Privatisierung Gemeindebau", "4. Argument B: Investorenmarkt", "5. Gegenargument: Neubauförderung", "6. Schluss: Mietzinsdeckel + Genossenschaften".

  3. 03Basis-Satz formulieren (1 Min.)

    Standardform: "Im Kommentar Titel, erschienen am DATUM in MEDIUM, kritisiert AUTOR die ZENTRALE PROBLEMSTELLUNG." Damit sind ca. 35 Wörter fix verbraucht.

  4. 04Indirekte Rede + Verdichtung (10 Min.)

    Pro Sinnabschnitt 1-2 Sätze in Konjunktiv I oder mit "laut Autor". Verben des Sagens variieren: "argumentiert", "verweist auf", "räumt ein", "fordert". Beispiele werden NICHT übernommen, sondern durch "etwa" oder "unter anderem" geclustert.

  5. 05Endkontrolle (2 Min.)

    Prüfen: (1) keine eigene Wertung im Text - keine Adjektive wie "überzeugend", "schwach", "gerechtfertigt"; (2) Präsens durchgängig; (3) keine Originalzitate über 5 Wörter; (4) Wortzahl im Toleranzbereich 162-198.

Ergebnis: In ca. 18 Minuten entsteht eine korrekte Zusammenfassung. IQS-Raster honoriert Indikatoren wie indirekte Rede, Variation der Sagensverben und Verzicht auf Wertung mit voller Inhalts- und Stildimension.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Sieben Textsorten sind SRDP-Pflicht - lerne sie wie Vokabeln.

  2. 2

    Jede Textsorte hat einen Adressaten, eine Schreibhaltung und ein Register.

    Textsorten-Matrix nach Funktion und Adressat

    Textsorten nach Funktion und AdressatTabelle mit 3 Spalten und 7 Zeilen, Daten: Textsorte · Funktion · Adressat; Zusammenfassung · analysierend · neutral; Textanalyse · analysierend · öffentlich; Textinterpretation · analysierend · öffentlich; Leserbrief · positionierend · privat; Erörterung · positionierend · öffentlich; Kommentar · positionierend · öffentlich; Meinungsrede · positionierend · öffentlichTEXTSORTEFUNKTIONADRESSATZUSAMMENFASSUNGanalysierendneutralTEXTANALYSEanalysierendöffentlichTEXTINTERPRETATIONanalysierendöffentlichLESERBRIEFpositionierendprivatERÖRTERUNGpositionierendöffentlichKOMMENTARpositionierendöffentlichMEINUNGSREDEpositionierendöffentlich
    Abb.Die sieben verbindlichen SRDP-Textsorten, geordnet nach Funktion (analysierend oder positionierend) und Adressat (neutral, privat, öffentlich).
  3. 3

    Die Aufgabenstellung schreibt die Textsorte vor - eigene Wahl ist nicht möglich.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank16 Punkte

Aufgabenstellung

Sie erhalten drei Schreibaufgaben mit den Texten "Verfassen Sie X". Ordnen Sie jeder Aufgabe die korrekte Textsorte (aus den sieben SRDP-Textsorten) zu und begründen Sie die Zuordnung mit je drei textsortenspezifischen Merkmalen.

Maturafokus

  • Textsortenkenntnis ist die wichtigste Prüfungsdisziplin - sie macht ca. 50 % der Vorbereitungsarbeit aus.
  • Bei jeder Klausuraufgabe steht oben: "Verfassen Sie eine Textsorte X". Diese Vorgabe ist verbindlich - keine eigene Textsortenwahl möglich.
  • In der Inhaltsdimension wird explizit Textsortenkonformität bewertet (Adressat, Aufbau, typische Sprachmuster).

Typische Fehler

  • Schüler schreiben statt eines Kommentars eine Erörterung - der Kommentar ist pointierter, persönlicher, kürzer.
  • Statt einer Zusammenfassung wird eine Stellungnahme geliefert - die Zusammenfassung enthält NIE eine Bewertung oder eigene Stellungnahme.
  • Bei Meinungsrede fehlt die Anrede - dann liest die Kommission ein Aufsatzfragment statt einer Rede.

Aktive Wiederholung

Erstelle eine eigene Übersichtstabelle aller sieben SRDP-Textsorten mit den Spalten: Adressat, dominante Schreibhaltung, Register, drei Pflichtmerkmale, drei häufige Fehler. Schreibe sie ohne Hilfsmittel.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: IQS: Praxishandbuch Schreibaufgaben Deutsch (IQS) · AHS-Lehrplan Deutsch - Schreiben (BMBWF / RIS)

§ 03

Überarbeitung nach IQS-Raster#

●●○StandardLPD-S-3.3

IQS-Beurteilungsraster Deutsch - vier Dimensionen

IQS-Beurteilungsraster DeutschTabelle mit 3 Spalten und 4 Zeilen, Daten: Dimension · Beurteilt · Punkte; Inhalt · Aufgabenerfüllung · 0–4; Textstruktur · Aufbau, Kohärenz · 0–4; Stil & Ausdruck · Register, Ausdruck · 0–4; Normsprache · Sprachrichtigkeit · 0–4DIMENSIONBEURTEILTPUNKTEINHALTAufgabenerfüllung0–4TEXTSTRUKTURAufbau, Kohärenz0–4STIL & AUSDRUCKRegister, Ausdruck0–4NORMSPRACHESprachrichtigkeit0–4
Abb. 5Vier Dimensionen, jede mit 0-4 Punkten bewertet - maximal 16 Punkte gesamt. 4 = sehr gut, 0 = nicht erfüllt.

Kernpunkte

IQS-Raster bewertet vier Dimensionen mit je 0-4 Punkten (max. 16 Punkte): Inhalt, Textstruktur, Stil und Ausdruck, normsprachliche Korrektheit.
Inhalt: Aufgabenerfüllung (alle Teilaufträge?), Textsortenkonformität, sachliche Richtigkeit, gedankliche Tiefe.
Textstruktur: Aufbau (Einleitung-Hauptteil-Schluss), Kohärenz (logische Verbindung), Kohäsion (sprachliche Verknüpfung), Absatzfunktion.
Stil und Ausdruck: Register-Konsistenz, Wortwahl, Variation, Vermeidung von Wiederholungen, sprachliche Originalität.
Normsprachliche Korrektheit: Orthografie, Zeichensetzung, Grammatik, Syntax. Laut Handreichung NICHT durch reines Zählen von Normverstößen, sondern nach Gesamteindruck und Schwere der Fehler.
Überarbeitung erfolgt in vier Durchgängen: (1) Inhalt: alle Teilaufträge erfüllt? (2) Struktur: passt jeder Absatz? (3) Stil: passt das Register? (4) Norm: Rechtschreibung und Grammatik.
Musterbeispiel

Vier-Durchgangs-Überarbeitung in 45 Minuten

Du hast die Rohfassung einer Textanalyse (ca. 470 Wörter) fertig und hast noch 45 Minuten Zeit. Wie strukturierst du die Überarbeitung?

  1. 01Durchgang 1: Inhalt (10 Min.)

    Alle Teilaufträge erfüllt? Hauptthese, Argumente, sprachliche Mittel, Wirkungsabsicht alle behandelt? Markiere Lücken am Rand und fülle sie nach.

  2. 02Durchgang 2: Textstruktur (8 Min.)

    Prüfe jeden Absatz: hat er eine klare Funktion? Sind die Übergänge benannt (Konnektoren)? Ist die Einleitung präzise, der Schluss aus dem Hauptteil ableitbar?

  3. 03Durchgang 3: Stil und Ausdruck (12 Min.)

    Suche nach Wortwiederholungen (besonders Verben des Sagens). Prüfe Register-Konsistenz - keine umgangssprachlichen Brüche. Suche nach Floskeln und ersetze sie durch präzise Formulierungen.

  4. 04Durchgang 4: Normsprachliche Korrektheit (15 Min.)

    Lies Satz für Satz langsam vor (innerlich) - so fällt jede Stolperstelle auf. Prüfe Kommata (Nebensätze, Infinitivgruppen), Tempora (Präsens für Analyse), Konjunktiv (indirekte Rede).

Ergebnis: In 45 Minuten ist eine vollständige IQS-konforme Überarbeitung möglich - vorausgesetzt, du hast die vier Durchgänge eingeübt. Wer alles auf einmal überarbeiten will, übersieht meist Inhaltslücken.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Der IQS-Raster hat vier Dimensionen mit je 0-4 Punkten - maximal 16 Punkte.

    IQS-Beurteilungsraster Deutsch - vier Dimensionen

    IQS-Beurteilungsraster DeutschTabelle mit 3 Spalten und 4 Zeilen, Daten: Dimension · Beurteilt · Punkte; Inhalt · Aufgabenerfüllung · 0–4; Textstruktur · Aufbau, Kohärenz · 0–4; Stil & Ausdruck · Register, Ausdruck · 0–4; Normsprache · Sprachrichtigkeit · 0–4DIMENSIONBEURTEILTPUNKTEINHALTAufgabenerfüllung0–4TEXTSTRUKTURAufbau, Kohärenz0–4STIL & AUSDRUCKRegister, Ausdruck0–4NORMSPRACHESprachrichtigkeit0–4
    Abb.Vier Dimensionen, jede mit 0-4 Punkten bewertet - maximal 16 Punkte gesamt. 4 = sehr gut, 0 = nicht erfüllt.
  2. 2

    Überarbeite in vier separaten Durchgängen, nicht alle Dimensionen auf einmal.

  3. 3

    Inhalt und Textstruktur sind nicht durch Sprache kompensierbar.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank16 Punkte

Aufgabenstellung

Sie haben Ihre eigene Erörterung (ca. 540 Wörter) fertig geschrieben. Beschreiben Sie, wie Sie diese in 45 Minuten nach den vier IQS-Dimensionen überarbeiten. Schätzen Sie für jede Dimension selbst die Punktstufe (0-4) und begründen Sie kurz.

Maturafokus

  • Der IQS-Raster ist transparent und einsehbar - jede Prüfung wird strikt nach den vier Dimensionen bewertet.
  • Inhalt und Textstruktur entscheiden über das Bestehen - sie sind nicht durch sprachliche Eleganz kompensierbar.
  • Normsprachliche Korrektheit wird kriterienorientiert nach Gesamteindruck und Schwere der Fehler bewertet - die Handreichung hält ausdrücklich fest, dass NICHT die bloße Häufigkeit von Normverstößen, sondern der Gesamteindruck entscheidend ist (eine starre Fehler-Punkte-Tabelle ist nicht vorgesehen).

Typische Fehler

  • Schüler überarbeiten nur die Rechtschreibung - die Inhaltsdimension bleibt unbearbeitet.
  • Strukturüberarbeitung wird ausgelassen ("der Text ist schon gut") - dabei sind unklare Absatzfunktionen ein Hauptfehler.
  • Stilüberarbeitung wird mit Synonymsuche verwechselt - dabei geht es um Register-Konsistenz und Wirkungsadequanz.

Aktive Wiederholung

Nimm eine eigene ältere Schularbeit und überarbeite sie in vier Durchgängen nach dem IQS-Raster. Notiere für jede Dimension, welche Verbesserung du gemacht hast und welche Punktstufe du selbst dem Text gibst.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: IQS Beurteilungsraster Deutsch (IQS) · BMBWF Schreibhandbuch Deutsch (BMBWF)

§ 04

Orthografie- und Grammatikfilter für die Prüfung#

●●○StandardLPD-S-3.3LPD-SB-4.1

Sprachreflexion - Pyramide der Varietäten

STANDARDSPRACHE BILDUNGSSPRACHE / FACHSPRACHE UMGANGSSPRACHE / SOZIOLEKTE DIALEKTE / IDIOLEKTE Schreibklausur fordert Standard- und Bildungssprache. Dialekte sind nur in figurensprachlichen Zitaten zulässig.
Abb. 6Von der Standardsprache zu Soziolekt, Dialekt und Idiolekt.

Kernpunkte

Häufige normsprachliche Fehlerquellen in der Klausur: das/dass-Verwechslung, falsche Kommasetzung bei Infinitivgruppen, Konjunktiv I in indirekter Rede, Groß-Klein-Schreibung bei Nominalisierungen, Apostroph-Fehler.
das/dass: "das" ist Artikel, Demonstrativ- oder Relativpronomen (ersetzbar durch "welches", "dieses"); "dass" leitet einen Inhaltssatz ein (nicht ersetzbar).
Kommata bei Infinitivgruppen: bei "um zu", "ohne zu", "statt zu", "anstatt zu", "außer zu", "als zu" steht IMMER ein Komma. Bei einfachem "zu" + Infinitiv nur wenn Nebensatz oder Hauptsatz erweitert wird.
Konjunktiv I in indirekter Rede: er sagt, er habe (statt: er hat). Bei Formgleichheit mit Indikativ wird Konjunktiv II oder "würde"-Form verwendet: "sie sagt, sie würde kommen" (nicht "sie kommt").
Nominalisierung: Substantivierte Verben/Adjektive schreibt man groß - vor allem nach Artikel, Präposition + Artikel, Mengenwort: "das Lernen", "im Allgemeinen", "etwas Neues", "viel Schönes".
Apostroph: nur bei Genitiv von Eigennamen auf -s, -ss, -tz, -x, -z ("Andreas' Buch", "Marx' Theorie") oder bei verkürzten Formen ("geht's"). NICHT bei normalem Plural ("Pizzas") oder Genitiv ("Karls Buch").
Kasusrektion: bei Präpositionen mit zwei möglichen Kasus (in, an, auf, über, unter, vor, hinter, neben, zwischen) entscheidet Position (Dativ) oder Richtung (Akkusativ).
Musterbeispiel

Der Korrekturfilter in Aktion - einen Absatz Kategorie für Kategorie prüfen

Korrigiere die indirekte Rede: „Die Autorin sagt, das viele Jugendliche zu wenig lesen und das sie ohne zu zögern zum Handy greifen; mehr Zeit zum üben sei nötig." Wende den Filter systematisch an, statt drauflos zu raten.

  1. 01Durchgang 1 - das/dass

    „das viele Jugendliche ..." und „das sie ... greifen" leiten Inhaltssätze ein und lassen sich NICHT durch „welches/dieses" ersetzen - also beide zu „dass". Die Ersetzprobe entscheidet, nicht das Gefühl.

  2. 02Durchgang 2 - Konjunktiv I (mit Formgleichheit)

    Indirekte Rede verlangt eine Konjunktivform. „lesen" und „greifen" (Plural) sind im Konjunktiv I formgleich mit dem Indikativ - daher Ausweichen auf Konjunktiv II: „läsen", „griffen" (oder „lesen würden"). So bleibt die Distanz zur Fremdaussage sichtbar.

  3. 03Durchgang 3 - Komma bei der Infinitivgruppe

    „ohne zu zögern" ist eine erweiterte Infinitivgruppe mit „ohne ... zu" und wird abgetrennt: „..., ohne zu zögern, ...". Bei „um/ohne/statt/anstatt/außer ... zu" ist das Komma Pflicht.

  4. 04Durchgang 4 - Nominalisierung (Groß-/Kleinschreibung)

    „zum üben" = Präposition + Artikel („zu dem") + substantiviertes Verb - also großschreiben: „zum Üben". Signalwort ist die verschmolzene Präposition „zum/im/beim/vom".

Ergebnis: Korrigiert: „Die Autorin sagt, dass viele Jugendliche zu wenig läsen und dass sie, ohne zu zögern, zum Handy griffen; mehr Zeit zum Üben sei nötig." Vier getrennte Durchgänge, vier Kategorien - so kumulieren keine Normfehler (drei und mehr ziehen die Dimension auf 2 Punkte). Faustregel: immer den GANZEN Satz neu schreiben, nie nur die Fehlerstelle.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Top-Fehlerquellen: das/dass, Kommata bei Infinitivgruppen, Konjunktiv I, Nominalisierungen, Apostroph.

  2. 2

    Faustregel das/dass: lässt sich "welches" einsetzen? Dann "das". Sonst "dass".

  3. 3

    Kommata bei "um zu", "ohne zu", "statt zu" sind PFLICHT.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank16 Punkte

Aufgabenstellung

Im folgenden Absatz (Beispieltext, 80 Wörter) sind sechs Fehler aus den Kategorien das/dass, Komma bei Infinitivgruppen, Konjunktiv und Groß-Klein-Schreibung versteckt. Identifizieren Sie die Fehler, ordnen Sie jeden einer Kategorie zu und schreiben Sie den korrigierten Absatz.

Maturafokus

  • Fehler in der normsprachlichen Korrektheit kumulieren - eine das/dass-Verwechslung allein ist kaum problematisch, drei oder mehr ziehen die Dimension auf 2 Punkte.
  • Kommafehler bei Infinitivgruppen sind besonders häufig - eine Faustregel sichert mehrere Punkte.
  • Konjunktiv I wird in der Zusammenfassung erwartet - sein Fehlen ist Stilbruch UND Normfehler gleichzeitig.

Typische Fehler

  • "Ich denke, das es ein Problem ist" - sollte sein "dass" (Inhaltssatz).
  • Komma bei "um zu" wird vergessen: "Er kommt um zu lernen" sollte "Er kommt, um zu lernen" sein.
  • Konjunktiv falsch oder gar nicht: "Sie sagt, sie hat keine Zeit" statt "Sie sagt, sie habe keine Zeit".

Aktive Wiederholung

Schreibe einen 200-Wörter-Absatz mit indirekter Rede, drei "dass"-Sätzen, zwei Infinitivgruppen und drei Nominalisierungen. Tausche mit einer Lernpartnerin und korrigiere jeweils gegenseitig.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Duden Rechtschreibung (28. Aufl., 2020) (Duden) · Rat für deutsche Rechtschreibung - Regelwerk 2024 (Rat für deutsche Rechtschreibung)

§ 05

Der Schreibprozess - planen, formulieren, überarbeiten#

●○○BasisLPD-S-3.1

Schreibprozess der 270-Minuten-Klausur

Schreibprozess 270-Minuten-KlausurTabelle mit 3 Spalten und 5 Zeilen, Daten: Phase · Zeit · Fokus; Aufgabe lesen · ~10 Min · Operatoren klären; Material sichten · ~25 Min · Kernaussagen finden; Schreibplan · ~25 Min · Gliederung + These; Rohfassung · ~150 Min · Texte schreiben; Überarbeitung · ~60 Min · Inhalt, Stil, NormPHASEZEITFOKUSAUFGABE LESEN~10 MinOperatoren klärenMATERIAL SICHTEN~25 MinKernaussagen findenSCHREIBPLAN~25 MinGliederung + TheseROHFASSUNG~150 MinTexte schreibenÜBERARBEITUNG~60 MinInhalt, Stil, Norm
Abb. 7270 Minuten gesamt - die ersten 60 Minuten (Analyse und Plan) entscheiden über die Struktur; danach bleibt keine Reserve, das Zeitbudget muss diszipliniert eingehalten werden.

Kernpunkte

Schreiben ist ein gegliederter Prozess in drei Phasen: Planen (Aufgabe verstehen, Material sichten, Stoff ordnen), Formulieren (Rohtext schreiben) und Überarbeiten (Inhalt, Struktur, Stil, Normsprache). Wer alle drei trennt, schreibt schneller und sicherer.
Planen zuerst: Aufgabenstellung und Textsorte klären, Beilage gezielt lesen, eine kurze Gliederung (Stichwort-Cluster oder Mindmap) anlegen, bevor der erste Satz entsteht.
Stoffsammlung und Strukturierung trennen: erst Ideen und Materialstellen sammeln, dann ordnen und gewichten - das verhindert das gefürchtete Schreiben ins Blaue.
Formulieren als Rohtext: in einem Durchgang die geplante Struktur ausschreiben, ohne ständig zu korrigieren; Stockungen mit einer Randnotiz markieren und später lösen.
Überarbeiten in getrennten Durchgängen: erst Inhalt und Struktur (Aufgabe erfüllt? roter Faden?), dann Stil (Register, Variation), zuletzt Normsprache (Rechtschreibung, Zeichensetzung). Alles auf einmal misslingt.
Die Reinschrift ist Teil des Prozesses: genug Zeit für leserliche Übertragung und einen letzten Korrekturblick einplanen.
Musterbeispiel

Planungsphase einer Schreibaufgabe

Strukturiere die Planung für eine textbasierte Erörterung in zehn Minuten.

  1. 01Aufgabe und Textsorte klären (Min. 1-2)

    Leitfrage, vorgegebene Textsorte und Pflichtelemente aus der Aufgabenstellung herausschreiben.

  2. 02Material sichten (Min. 3-5)

    Beilage lesen, drei bis vier nutzbare Aussagen markieren und ihrer Funktion (Argument, Gegenposition) zuordnen.

  3. 03Gliederung anlegen (Min. 6-10)

    Stichwort-Cluster für Einleitung, Hauptteil (geordnete Argumente mit Materialbezug) und Schluss; Reihenfolge nach Gewicht festlegen.

Ergebnis: Nach zehn Minuten Planung stehen Leitfrage, Textsorte, Materialbezüge und eine gewichtete Gliederung - der Rohtext kann nun zügig und mit rotem Faden entstehen.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Drei Phasen: Planen, Formulieren, Überarbeiten - bewusst trennen.

  2. 2

    Erst Stoff sammeln, dann ordnen, dann schreiben.

  3. 3

    Überarbeiten in getrennten Durchgängen: Inhalt, Stil, Normsprache.

Maturafokus

  • Plane einen Schreibauftrag, indem du Aufgabe, Textsorte und Gliederung vor dem Formulieren festhältst.
  • Erläutere die drei Schreibphasen und ihre jeweilige Funktion.
  • Überarbeite einen Rohtext in getrennten Durchgängen für Inhalt, Stil und Normsprache.

Typische Fehler

  • Es wird ohne Planung sofort losgeschrieben - der Text verliert den roten Faden.
  • Formulieren und Überarbeiten werden vermischt; ständiges Korrigieren blockiert den Schreibfluss.
  • Für die Reinschrift und den Schlusscheck bleibt keine Zeit.

Aktive Wiederholung

Bearbeite einen Schreibauftrag bewusst in drei getrennten Phasen und dokumentiere jede: Planung (Gliederung), Formulierung (Rohtext) und Überarbeitung (drei getrennte Durchgänge).

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: BMBWF Schreibhandbuch - Schreibprozess (BMBWF) · IQS SRDP Aufgabenarchiv Deutsch (IQS)

§ 06

Zeitmanagement in der 270-Minuten-Klausur#

●●○StandardLPD-S-3.1LPD-S-3.3

Schreibprozess der 270-Minuten-Klausur

Schreibprozess 270-Minuten-KlausurTabelle mit 3 Spalten und 5 Zeilen, Daten: Phase · Zeit · Fokus; Aufgabe lesen · ~10 Min · Operatoren klären; Material sichten · ~25 Min · Kernaussagen finden; Schreibplan · ~25 Min · Gliederung + These; Rohfassung · ~150 Min · Texte schreiben; Überarbeitung · ~60 Min · Inhalt, Stil, NormPHASEZEITFOKUSAUFGABE LESEN~10 MinOperatoren klärenMATERIAL SICHTEN~25 MinKernaussagen findenSCHREIBPLAN~25 MinGliederung + TheseROHFASSUNG~150 MinTexte schreibenÜBERARBEITUNG~60 MinInhalt, Stil, Norm
Abb. 8270 Minuten gesamt - die ersten 60 Minuten (Analyse und Plan) entscheiden über die Struktur; danach bleibt keine Reserve, das Zeitbudget muss diszipliniert eingehalten werden.

Kernpunkte

Die schriftliche Reifeprüfung dauert 270 Minuten für zwei Schreibaufgaben, deren Wortumfang je Textsorte vorgegeben ist. Ein bewusster Zeitplan schützt vor der häufigsten Katastrophe: einer unfertigen zweiten Aufgabe.
Bewährte Grobaufteilung: rund 15 Minuten Themenpaketwahl und Überblick, je rund 110 Minuten pro Aufgabe (Planung, Rohtext, Überarbeitung, Reinschrift), rund 35 Minuten Puffer und Schlusskontrolle.
Themenpaketwahl zuerst: Von den drei angebotenen Paketen jenes wählen, dessen beide Textsorten sicher beherrscht werden - diese Entscheidung fällt einmalig und verbindlich.
Pro Aufgabe intern aufteilen: etwa ein Fünftel Planung, drei Fünftel Formulierung, ein Fünftel Überarbeitung und Reinschrift. Die Überarbeitung wird nie geopfert.
Wortumfang im Blick behalten: die je Aufgabe vorgegebene Bandbreite (270-330, 405-495 oder 540-660 Wörter) einhalten; deutlich zu kurz signalisiert Stoffmangel, deutlich zu lang Strukturschwäche - beides kostet Punkte.
Notfallregel bei Zeitnot: Lieber beide Aufgaben vollständig und solide als eine perfekt und eine unfertig - eine fehlende Aufgabe ist der größte Punktverlust.

IQS-Beurteilungsraster Deutsch - vier Dimensionen

IQS-Beurteilungsraster DeutschTabelle mit 3 Spalten und 4 Zeilen, Daten: Dimension · Beurteilt · Punkte; Inhalt · Aufgabenerfüllung · 0–4; Textstruktur · Aufbau, Kohärenz · 0–4; Stil & Ausdruck · Register, Ausdruck · 0–4; Normsprache · Sprachrichtigkeit · 0–4DIMENSIONBEURTEILTPUNKTEINHALTAufgabenerfüllung0–4TEXTSTRUKTURAufbau, Kohärenz0–4STIL & AUSDRUCKRegister, Ausdruck0–4NORMSPRACHESprachrichtigkeit0–4
Abb. 9Vier Dimensionen, jede mit 0-4 Punkten bewertet - maximal 16 Punkte gesamt. 4 = sehr gut, 0 = nicht erfüllt.
Musterbeispiel

Zeitplan für die Doppelklausur

Erstelle einen Minutenplan für 270 Minuten mit zwei Schreibaufgaben.

  1. 01Überblick und Wahl (0-15 Min.)

    Alle drei Themenpakete überfliegen, das sicherste wählen, beide Aufgaben und Textsorten notieren.

  2. 02Aufgabe 1 (15-125 Min.)

    Etwa 20 Min. Planung, 65 Min. Formulierung, 25 Min. Überarbeitung und Reinschrift.

  3. 03Aufgabe 2 (125-235 Min.)

    Gleiche interne Aufteilung; Wortumfang laufend prüfen.

  4. 04Puffer und Schlusscheck (235-270 Min.)

    Beide Texte auf Aufgabenerfüllung, Wortumfang und normsprachliche Fehler durchsehen.

Ergebnis: Der Plan sichert beiden Aufgaben gleich viel Zeit inklusive Überarbeitung und lässt einen Schlusspuffer - damit ist die häufigste Klausurkatastrophe, die unfertige zweite Aufgabe, vermieden.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    270 Minuten, zwei Aufgaben - bewusster Zeitplan schützt vor der unfertigen zweiten Aufgabe.

  2. 2

    Themenpaket nach sicher beherrschten Textsorten wählen.

  3. 3

    Überarbeitung nie opfern; Wortumfang im Blick behalten.

Maturafokus

  • Plane die Zeit für beide Klausuraufgaben so, dass Überarbeitung und Reinschrift gesichert sind.
  • Begründe die Wahl des Themenpakets anhand der sicher beherrschten Textsorten.
  • Kontrolliere den Wortumfang und halte ihn innerhalb der Vorgabe.

Typische Fehler

  • Die erste Aufgabe wird perfektioniert, für die zweite fehlt die Zeit.
  • Die Überarbeitung wird gestrichen, sobald es eng wird - normsprachliche Fehler bleiben unkorrigiert.
  • Das Themenpaket wird vorschnell gewählt, ohne beide Textsorten zu prüfen.

Aktive Wiederholung

Simuliere eine 270-Minuten-Klausur mit zwei Aufgaben und führe ein Zeitprotokoll: Notiere für jede Aufgabe die Minuten für Planung, Formulierung, Überarbeitung und Reinschrift und vergleiche mit dem Sollplan.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: IQS SRDP Prüfungsformat Deutsch (IQS) · BMBWF Zentralmatura - Prüfungsablauf (BMBWF)

Inhalt

Abschnitt -- / 06

    • 01Aufgabenanalyse der 270-Minuten-Klausur○
    • 02Textsortenwahl - die sieben SRDP-Textsorten◐
    • 03Überarbeitung nach IQS-Raster◐
    • 04Orthografie- und Grammatikfilter für die Prüfung◐
    • 05Der Schreibprozess - planen, formulieren, überarbeiten○
    • 06Zeitmanagement in der 270-Minuten-Klausur◐

0/6 Gelesen

Aus den Notizen ins Training

D 3 - Schreiben (Überblick, Schreibprozess, Textsortenwahl)

Festige dieses Thema an passenden Aufgaben aus der Fragenbank.

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Kompetenzen
Üben
Beispielfrage

Sie haben drei Themenpakete zur Wahl: (A) "Identität und Sprache", (B) "Arbeit im Wandel", (C) "Stadt und Land". Beschreiben Sie kurz, nach welchen drei Kriterien Sie das Themenpaket auswählen, und begründen Sie Ihre Wahl mit einer plausiblen Reihenfolge.

16 BE · 2023

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Belege & Quellen

Quellen

IQS

  • IQS: Beurteilungsraster Schreibklausur Deutsch

BMBWF

  • BMBWF Schreibhandbuch Deutsch

BMBWF / RIS

  • AHS-Lehrplan Deutsch - Schreiben

Duden

  • Duden Rechtschreibung (28. Aufl., 2020)

Rat für deutsche Rechtschreibung

  • Rat für deutsche Rechtschreibung - Regelwerk 2024

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