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Notizen/Chemie/Biochemie (CHE-Bio)
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Biochemie (CHE-Bio)

Kohlenhydrate (Mono-, Di-, Polysaccharide), Lipide (Fette, Phospholipide, Membranen), Proteine (Aufbau, Struktur, Enzymkatalyse), Nukleinsäuren (DNA/RNA), Metabolismus-Übersicht (Glykolyse, Atmungskette).

6 Abschnitte·~19 Min Lesezeit·3 Kompetenzen·Niveau Standard 3 · Vertiefung 3·Stand 06/2026

T·0999 / 12
Prüfungsprofil
CHE-Bio-9.1 · Aufbau und Funktion der Biomoleküle (Kohlenhydrate, Lipide, Proteine, Nukleinsäuren) erklärenCHE-Bio-9.2 · Enzymkatalyse und Stoffwechselwege beschreibenCHE-Bio-9.3 · DNA-Struktur und genetische Information erläutern
Tiefe

Lesetiefe: Vertiefung

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Schriftgröße: Standard

Inhalt · 6 Abschnitte▾
  1. Biochemie (CHE-Bio)
    • 01Kohlenhydrate: Mono-, Di- und Polysaccharide◐
    • 02Lipide, Triglyceride, Phospholipide und Membranen◐
    • 03Proteine, Strukturen und Enzymkatalyse●
    • 04Nukleinsäuren, DNA-Doppelhelix und genetische Information◐
    • 05Metabolismus-Übersicht: Glykolyse, Citrat-Zyklus, Atmungskette●
    • 06ATP, Cofaktoren und Energiekopplung●
§ 01

Kohlenhydrate: Mono-, Di- und Polysaccharide#

●●○StandardLPCHE-Bio-9.1

Kernpunkte

Kohlenhydrate sind die häufigsten Biomoleküle der Erde - von Traubenzucker über Stärke bis zur Cellulose im Holz. Ihr Name stammt von der Summenformel (CHX2O)Xn\ce{(CH2O)_{n}}(CHX2​O)Xn​, die wie „Kohlenstoff plus Wasser" aussieht. Sie dienen als schnell verfügbarer Energieträger, als Speicher und als Strukturmaterial der Zellen.
Die kleinsten Bausteine sind die Monosaccharide (Einfachzucker). Glucose (Traubenzucker) ist eine Aldohexose (CX6HX12OX6\ce{C6H12O6}CX6​HX12​OX6​) und der zentrale Brennstoff der Zelle; Fructose (Fruchtzucker) ist eine Ketohexose mit gleicher Summenformel; die Pentosen Ribose und Desoxyribose bilden das Rückgrat von RNA und DNA.
In wässriger Lösung liegen die Hexosen nicht als offene Kette vor, sondern überwiegend als Ring (zyklisches Halbacetal): Eine OH-Gruppe greift die Carbonylgruppe an. Dabei entsteht am neuen, anomeren C-Atom entweder die alpha-Form (OH nach unten) oder die beta-Form (OH nach oben); beide gehen in Lösung über die Mutarotation ineinander über. Dieser kleine Unterschied wird gleich entscheidend.
Zwei Monosaccharide verbinden sich unter Wasserabspaltung über eine glykosidische Bindung zu einem Disaccharid. Saccharose (Haushaltszucker) besteht aus Glucose und Fructose und ist nicht reduzierend (keine freie Aldehydgruppe mehr); Maltose (Malzzucker) aus zwei Glucose-Einheiten, Lactose (Milchzucker) aus Glucose und Galactose.
Hunderte bis tausende Glucose-Einheiten ergeben Polysaccharide. Stärke (pflanzlicher Speicher) und Glykogen (tierischer Speicher in Leber und Muskel) sind alpha-1,4- bzw. alpha-1,6-verknüpft; Cellulose (Pflanzenstruktur) besteht dagegen aus beta-1,4-verknüpfter Glucose. Stärke und Cellulose haben damit dieselben Bausteine, aber eine andere Verknüpfung - mit großer Folge.
Genau diese Verknüpfung entscheidet über die Verdaulichkeit: Der Mensch besitzt Amylase für die alpha-Bindungen der Stärke, aber keine Cellulase für die beta-Bindungen - Cellulose bleibt unverdaulicher Ballaststoff. Reduzierende Zucker mit freier Aldehydgruppe (Glucose, Maltose) weist man mit der Fehling- oder Tollens-Probe nach; Saccharose reagiert nicht (siehe Thema „Nachweisreaktionen").
CX6HX12OX6\ce{C6H12O6}CX6​HX12​OX6​

Summenformel Glucose (und alle Hexosen)

n CX6HX12OX6→(CX6HX10OX5)Xn+n HX2On\,\ce{C6H12O6 -> (C6H10O5)_n + n H2O}nCX6​HX12​OX6​​(CX6​HX10​OX5​)Xn​+nHX2​O

Bildung von Polysacchariden durch Kondensation

Musterbeispiel

Reduzierende Zucker erkennen

Beurteile, ob (a) Glucose, (b) Saccharose und (c) Maltose reduzierende Zucker sind, und gib das Ergebnis der Fehling-Probe an.

  1. 01Kriterium

    Reduzierend ist ein Zucker, wenn ein freies (halbacetalisches) anomeres C-Atom vorliegt, das in der offenen Form eine reduzierende Aldehydgruppe trägt.

  2. 02(a) Glucose

    Freies anomeres C (Halbacetal) - reduzierend, Fehling positiv (ziegelrotes CuX2O\ce{Cu2O}CuX2​O).

  3. 03(b) Saccharose

    Beide anomeren C-Atome sind in der glykosidischen Bindung verknüpft - keine freie Aldehydgruppe, nicht reduzierend, Fehling negativ (bleibt blau).

  4. 04(c) Maltose

    Nur ein anomeres C ist verknüpft, das andere bleibt frei - reduzierend, Fehling positiv.

Ergebnis: Glucose und Maltose sind reduzierend (Fehling positiv), Saccharose nicht. Entscheidend ist, ob ein freies anomeres C-Atom (Halbacetal) vorliegt - Querverweis: Thema „Aldehyde und Ketone".

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Glucose ist die Energie-Währung der Zelle - aus ihr werden Stärke, Glykogen und Cellulose gebaut.

  2. 2

    Alpha versus Beta: ein winziger Geometrieunterschied am anomeren C entscheidet, ob wir den Stoff verdauen können.

  3. 3

    Reduzierender Zucker = freie CHO-Gruppe = Fehling positiv. Saccharose täuscht uns: keine freie Aldehydgruppe -> nicht reduzierend.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank6 Punkte

Aufgabenstellung

Erläutere, warum Menschen Stärke verdauen können, Cellulose dagegen nicht, obwohl beide aus Glucose-Einheiten bestehen.

Maturafokus

  • Strukturvergleich alpha- vs. beta-Glucose - erklärt Verdaulichkeit von Stärke vs. Cellulose.
  • Reduzierende Zucker: freie Aldehyd-/Ketogruppe nötig (Glucose: ja; Saccharose: nein).
  • Fehling-Probe / Tollens-Probe: Nachweis reduzierender Zucker.

Typische Fehler

  • Alpha- und beta-Anomer verwechselt.
  • Saccharose als reduzierender Zucker bezeichnet.
  • Stärke und Cellulose als chemisch verschieden eingestuft - tatsächlich gleiche Monomere, andere Verknüpfung.

Aktive Wiederholung

Vergleiche Stärke und Cellulose hinsichtlich Aufbau, Eigenschaften und biologischer Funktion.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: OpenStax Chemistry 2e Kap. 20.5 Biological Macromolecules (OpenStax)

§ 02

Lipide, Triglyceride, Phospholipide und Membranen#

●●○StandardLPCHE-Bio-9.1

Kernpunkte

Lipide sind durch eine gemeinsame Eigenschaft definiert, nicht durch eine gemeinsame Struktur: Sie sind hydrophob, also wasserunlöslich und fettlöslich. Zu ihnen zählen Fette und Öle, Wachse, die Phospholipide der Membranen und die Steroide. Diese Wasserunlöslichkeit macht sie zu idealen Energiespeichern und Barrierebausteinen.
Die wichtigste Gruppe sind die Triglyceride - Triester aus Glycerin und drei Fettsäuren (). Sie sind die kompakteste Energiespeicherform des Körpers: Pro Gramm liefern Fette mehr als doppelt so viel Energie wie Kohlenhydrate, weil ihre Kohlenstoffatome stark reduziert (wasserstoffreich) vorliegen.

Seifenmolekül - Mizellenbildung

COO- hydrophober Schwanz Fett Mizelle
Abb. 1Hydrophiler Kopf (COO- Na+), hydrophober Schwanz; Mizellen schliessen Fett im wassrigen Milieu ein.
Fettsäuren sind langkettige Carbonsäuren; man unterscheidet gesättigte (nur Einfachbindungen, etwa Stearin- und Palmitinsäure) von ungesättigten (mit C=C-Doppelbindungen, einfach z. B. Ölsäure, mehrfach z. B. Linolsäure). Mehrfach ungesättigte Fettsäuren sind essenziell - der Körper kann sie nicht selbst herstellen.
Der Sättigungsgrad bestimmt den Aggregatzustand: Jede cis-Doppelbindung knickt die Fettsäurekette, sodass die Moleküle sich schlechter packen und die Van-der-Waals-Kräfte sinken. Deshalb sind gesättigte Fette (Butter, Talg) bei Raumtemperatur fest, ungesättigte Öle (Olivenöl) flüssig. Die Iodzahl misst die Zahl der Doppelbindungen.
Beim industriellen Härten (Hydrierung) flüssiger Öle entstehen als Nebenprodukt trans-Fettsäuren mit gestreckter Kette. Sie verhalten sich physiologisch wie gesättigte Fette und gelten als besonders ungünstig, weil sie das „schlechte" LDL-Cholesterin erhöhen und das „gute" HDL senken.
Ersetzt man im Triglycerid eine Fettsäure durch eine phosphathaltige, polare Gruppe, entsteht ein Phospholipid mit hydrophilem Kopf und zwei hydrophoben Schwänzen. In Wasser ordnen sich diese Moleküle von selbst zu einer Doppelschicht (Köpfe außen, Schwänze innen) - der Grundbaustein jeder Zellmembran (Fluid-Mosaic-Modell).
Eine eigene Lipidklasse sind die Steroide mit ihrem charakteristischen Vier-Ring-Gerüst. Cholesterin stabilisiert die Fließfähigkeit der Membran und ist Ausgangsstoff für Gallensäuren und die Steroidhormone (Testosteron, Östrogen, Cortisol). Es ist also keineswegs nur schädlich, sondern lebensnotwendig - schädlich wird erst ein Überschuss im Blut.
CX3HX5(OOCR)X3+3 NaOH→CX3HX5(OH)X3+3 R−COOX− NaX+\ce{C3H5(OOCR)3 + 3 NaOH -> C3H5(OH)3 + 3 R-COO^- Na+}CX3​HX5​(OOCR)X3​+3NaOH​CX3​HX5​(OH)X3​+3R−COOX− NaX+

Verseifung eines Triglycerids

Musterbeispiel

Verseifungszahl als Mass für die mittlere Molmasse

Berechne, welche Masse an KOH\ce{KOH}KOH nötig ist, um 100 g100\,\text{g}100g eines Triglycerids mit der mittleren Molmasse M=850 gmolM = 850\,\tfrac{\text{g}}{\text{mol}}M=850molg​ vollständig zu verseifen (Verseifungszahl = mg KOH pro g Fett).

  1. 01Stoffmenge des Fettes

    n(Fett)=mM=100 g850 g/mol=0,1176 moln(\text{Fett}) = \dfrac{m}{M} = \dfrac{100\,\text{g}}{850\,\text{g/mol}} = 0{,}1176\,\text{mol}n(Fett)=Mm​=850g/mol100g​=0,1176mol.

    n=mMn = \dfrac{m}{M}n=Mm​
  2. 02KOH-Bedarf aus der Stöchiometrie

    Jedes Triglycerid trägt drei Esterbindungen, also 333 mol KOH\ce{KOH}KOH pro mol Fett: n(KOH)=3⋅0,1176=0,3529 moln(\ce{KOH}) = 3 \cdot 0{,}1176 = 0{,}3529\,\text{mol}n(KOH)=3⋅0,1176=0,3529mol.

    CX3HX5(OOCR)X3+3 KOH→CX3HX5(OH)X3+3 R−COOK\ce{C3H5(OOCR)3 + 3 KOH -> C3H5(OH)3 + 3 R-COOK}CX3​HX5​(OOCR)X3​+3KOH​CX3​HX5​(OH)X3​+3R−COOK
  3. 03Masse KOH

    m(KOH)=n⋅M=0,3529 mol⋅56,1 gmol=19,8 gm(\ce{KOH}) = n \cdot M = 0{,}3529\,\text{mol} \cdot 56{,}1\,\tfrac{\text{g}}{\text{mol}} = 19{,}8\,\text{g}m(KOH)=n⋅M=0,3529mol⋅56,1molg​=19,8g.

Ergebnis: Es werden rund 19,8 g KOH19{,}8\,\text{g KOH}19,8g KOH pro 100 g100\,\text{g}100g Fett benötigt; das entspricht einer Verseifungszahl von etwa 198198198. Kleine Molmasse (kurze Fettsäuren) bedeutet hohe Verseifungszahl - der Kennwert erlaubt Rückschluss auf die mittlere Kettenlänge. Verknüpfung mit dem Thema "Stöchiometrie".

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Lipide sind die "hydrophoben" Biomoleküle - Energiespeicher, Membranen, Hormone in einem.

  2. 2

    Jeder cis-Doppelbindung in einer Fettsäure knickt die Kette und senkt den Schmelzpunkt.

  3. 3

    Phospholipide bilden in Wasser automatisch Doppelschichten - die Basis aller Zellmembranen.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank5 Punkte

Aufgabenstellung

Vergleiche Butter und Olivenöl hinsichtlich Aufbau, physikalischen Eigenschaften und gesundheitlicher Bewertung.

Maturafokus

  • Verseifung von Triglyceriden zu Seifen + Glycerin sicher.
  • Iodzahl als Mass für Doppelbindungen (mehr Doppelbindungen -> höhere Iodzahl).
  • Phospholipid-Doppelschicht als Membranbasis erklären.

Typische Fehler

  • Fette und Öle werden chemisch getrennt klassifiziert - beide sind Triglyceride, Unterschied liegt im Sättigungsgrad.
  • Cholesterin als "nur schädlich" dargestellt.
  • Phospholipide werden mit Triglyceriden gleichgesetzt.

Aktive Wiederholung

Erläutere den Aufbau einer Phospholipid-Doppelschicht und ihre Bedeutung für Zellmembranen.

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: OpenStax Chemistry 2e Kap. 20.5 Lipids (OpenStax)

§ 03

Proteine, Strukturen und Enzymkatalyse#

●●●VertiefungLPCHE-Bio-9.1LPCHE-Bio-9.2

Kernpunkte

Proteine sind die Arbeitspferde der Zelle: Sie wirken als Enzyme, Transporter, Antikörper, Hormone und Strukturbausteine. Chemisch sind sie Polymere (Polypeptide) aus den 20 proteinogenen Aminosäuren, die über Peptidbindungen verknüpft sind (). Ihre Funktion folgt dabei direkt aus ihrer dreidimensionalen Gestalt.

Aminosäure - Grundgerüst und Zwitterion

Aminosäure: Grundgerüst und Zwitterion am isoelektrischen PunktStrukturformel mit 10 Atomen und 8 Bindungen, Reaktionsschema, Daten: C, H₂N, COOH, H, R, C, H₃N, COO, H, R, C–H₂N, C–COOH, C–H, C–R, C–H₃N, C–COO, C–H, C–RpH 7CH₂NCOOHHRCH₃N+COO-HR
Abb. 2Zentrales C-Atom mit Aminogruppe, Carboxylgruppe, H und Rest R; bei physiologischem pH als Zwitterion.
Diese Gestalt baut sich in vier Ebenen auf: Die Primärstruktur ist die Reihenfolge der Aminosäuren (durch Peptidbindungen festgelegt). Die Sekundärstruktur (alpha-Helix, beta-Faltblatt) entsteht durch Wasserstoffbrücken im Rückgrat. Die Tertiärstruktur ist die gesamte 3D-Faltung einer Kette (über Disulfidbrücken, Salzbrücken, hydrophobe Wechselwirkungen), die Quartärstruktur die Zusammenlagerung mehrerer Ketten (etwa die vier Untereinheiten des Hämoglobins).
Wird diese Faltung durch Hitze, extreme pH-Werte, Schwermetalle oder Lösungsmittel zerstört, spricht man von Denaturierung: Das Protein verliert seine räumliche Struktur und damit seine Funktion, während die Primärstruktur (Sequenz) erhalten bleibt. Das gerinnende Eiklar beim Braten ist das Alltagsbeispiel - und der Grund, warum hohes Fieber lebensgefährlich ist.
Die wichtigsten Proteine sind die Enzyme - Biokatalysatoren, die Reaktionen um viele Größenordnungen beschleunigen, indem sie die Aktivierungsenergie senken. Sie sind hochspezifisch: Jedes Enzym katalysiert meist nur eine bestimmte Reaktion mit einem bestimmten Substrat und geht dabei unverändert hervor - es wird nicht verbraucht.
Diese Spezifität erklärt das Schlüssel-Schloss-Prinzip: Das Substrat passt genau in das aktive Zentrum des Enzyms. Im moderneren Induced-Fit-Modell ist das aktive Zentrum flexibel und schmiegt sich beim Binden an das Substrat an, was die Reaktion zusätzlich begünstigt. Anschließend werden die Produkte freigesetzt und das Enzym steht wieder bereit.
Die Enzymaktivität hängt stark von den Bedingungen ab: Sie hat ein Temperatur-Optimum (beim Menschen ca. 37 Grad C, darüber Denaturierung) und ein pH-Optimum (Pepsin im Magen bei pH 2, Trypsin im Darm bei pH 8). Mit steigender Substratkonzentration nähert sich die Geschwindigkeit dem Maximalwert vmaxv_{\text{max}}vmax​ (Michaelis-Menten); Inhibitoren bremsen entweder kompetitiv (am aktiven Zentrum) oder nicht-kompetitiv (an anderer Stelle).
v=vmax[S]KM+[S]v = \dfrac{v_{\text{max}}[S]}{K_{M}+[S]}v=KM​+[S]vmax​[S]​

Michaelis-Menten-Gleichung

1v=KMvmax⋅1[S]+1vmax\dfrac{1}{v} = \dfrac{K_{M}}{v_{\text{max}}}\cdot\dfrac{1}{[S]} + \dfrac{1}{v_{\text{max}}}v1​=vmax​KM​​⋅[S]1​+vmax​1​

Lineweaver-Burk (doppelt-reziproke Linearisierung)

Musterbeispiel

Reaktionsgeschwindigkeit mit Michaelis-Menten berechnen

Ein Enzym hat vmax=100 μmol/(L⋅min)v_{\text{max}}=100\,\mu\text{mol}/(\text{L}\cdot\text{min})vmax​=100μmol/(L⋅min) und KM=2,0 mmol/LK_{M}=2{,}0\,\text{mmol/L}KM​=2,0mmol/L. Berechne vvv bei einer Substratkonzentration von [S]=6,0 mmol/L[S]=6{,}0\,\text{mmol/L}[S]=6,0mmol/L und bei [S]=KM[S]=K_{M}[S]=KM​.

  1. 01Einsetzen

    v=vmax[S]KM+[S]=100⋅6,02,0+6,0=6008,0=75 μmol/(L⋅min)v=\dfrac{v_{\text{max}}[S]}{K_{M}+[S]}=\dfrac{100\cdot 6{,}0}{2{,}0+6{,}0}=\dfrac{600}{8{,}0}=75\,\mu\text{mol}/(\text{L}\cdot\text{min})v=KM​+[S]vmax​[S]​=2,0+6,0100⋅6,0​=8,0600​=75μmol/(L⋅min).

  2. 02Anteil von vmax

    Das sind 75 %75\,\%75% von vmaxv_{\text{max}}vmax​ - die Sättigung nähert sich, weil [S]=3 KM[S]=3\,K_{M}[S]=3KM​.

  3. 03Sonderfall [S]=KM

    v=vmax KMKM+KM=vmax2=50 μmol/(L⋅min)v=\dfrac{v_{\text{max}}\,K_{M}}{K_{M}+K_{M}}=\dfrac{v_{\text{max}}}{2}=50\,\mu\text{mol}/(\text{L}\cdot\text{min})v=KM​+KM​vmax​KM​​=2vmax​​=50μmol/(L⋅min) - genau die Definition von KMK_{M}KM​ (halbmaximale Geschwindigkeit).

Ergebnis: Bei [S]=6,0 mmol/L[S]=6{,}0\,\text{mmol/L}[S]=6,0mmol/L ist v=75 μmol/(L⋅min)v=75\,\mu\text{mol}/(\text{L}\cdot\text{min})v=75μmol/(L⋅min); bei [S]=KM[S]=K_{M}[S]=KM​ gerade vmax/2v_{\text{max}}/2vmax​/2. Ein kleiner KMK_{M}KM​ bedeutet hohe Substrataffinität. Im Lineweaver-Burk-Diagramm liefert der yyy-Achsenabschnitt 1/vmax1/v_{\text{max}}1/vmax​, die Steigung KM/vmaxK_{M}/v_{\text{max}}KM​/vmax​ - so lassen sich beide Konstanten aus einer Geraden ablesen.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Proteine sind die Arbeitsmaschinen der Zelle - Strukturproteine, Transporter, Enzyme, Antikörper.

  2. 2

    Vier Strukturebenen: Sequenz, lokale Faltung, Globalstruktur, Untereinheiten.

  3. 3

    Enzyme arbeiten wie hochspezialisierte Werkzeuge - jede Substratform passt nur in das eigene Schloss.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank6 Punkte

Aufgabenstellung

Erläutere am Beispiel Katalase die Wirkungsweise eines Enzyms. Welche Faktoren beeinflussen die Aktivität?

Maturafokus

  • Strukturebenen sauber unterscheiden, jeweils mit der stabilisierenden Wechselwirkung (Peptid, H-Brücke, S-S-Brücken, Salzbrücken, hydrophober Effekt).
  • Beispiele Enzyme: Amylase (Stärke), Lipase (Fette), Trypsin (Proteine), Katalase (HX2OX2\ce{H2O2}HX2​OX2​).
  • Michaelis-Menten-Kurve hyperbolisch (sättigt gegen vmaxv_{\text{max}}vmax​): vmaxv_{\text{max}}vmax​, KMK_{M}KM​ als Mass für Substrataffinität (sigmoid nur bei kooperativen/allosterischen Enzymen).

Typische Fehler

  • Primärstruktur als räumliche Struktur missverstanden.
  • Denaturierung wird mit Hydrolyse verwechselt.
  • Enzyme als "verbraucht" angesehen.
  • Die hyperbolische Michaelis-Menten-Kurve mit der sigmoiden Kurve verwechselt: sigmoid (S-foermig) treten nur bei kooperativen/allosterischen Enzymen wie Hämoglobin auf, ein einfaches Michaelis-Menten-Enzym sättigt hyperbolisch.

Aktive Wiederholung

Erläutere die vier Strukturebenen eines Proteins am Beispiel Hämoglobin.

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: OpenStax Chemistry 2e Kap. 20.5 Proteins and Enzymes (OpenStax)

§ 04

Nukleinsäuren, DNA-Doppelhelix und genetische Information#

●●○StandardLPCHE-Bio-9.3

Kernpunkte

Nukleinsäuren speichern und übertragen die Erbinformation - DNA als langfristiges Archiv, RNA als Arbeitskopie. Beide sind Polymere aus Nukleotiden, und jedes Nukleotid setzt sich aus drei Teilen zusammen: einer organischen Base, einem Zucker (Pentose) und einer Phosphatgruppe.
Der Zucker unterscheidet die beiden Typen: Desoxyribose in der DNA, Ribose in der RNA. Es gibt fünf Basen - die Purine Adenin (A) und Guanin (G) sowie die Pyrimidine Cytosin (C), Thymin (T, nur DNA) und Uracil (U, nur RNA). Über das Zucker-Phosphat-Rückgrat werden die Nukleotide zu langen Strängen verknüpft.
Die DNA besteht aus zwei solchen Strängen, die sich antiparallel zu einer Doppelhelix umeinander winden (Watson und Crick, 1953; ). Zusammengehalten werden sie durch Wasserstoffbrücken zwischen komplementären Basen: Adenin paart mit Thymin (zwei H-Brücken), Guanin mit Cytosin (drei H-Brücken). Diese feste Paarungsregel ist der Schlüssel zur Vervielfältigung.

DNA-Doppelhelix - Schema

A=T G≡C T=A C≡G A=T antiparallele Doppelhelix
Abb. 3Zwei antiparallele Zucker-Phosphat-Stränge mit Basenpaarungen A-T und G-C über Wasserstoffbrücken.
Bei der Replikation werden die beiden Stränge getrennt, und jeder dient als Vorlage für einen neuen, komplementären Tochterstrang (DNA-Polymerase). Das Ergebnis ist semikonservativ: Jede Tochter-DNA enthält einen alten und einen neuen Strang. So wird die Erbinformation bei jeder Zellteilung exakt verdoppelt.
Die in der Basensequenz gespeicherte Information wird in zwei Schritten in Proteine übersetzt (Zentraldogma DNA → RNA → Protein): Bei der Transkription schreibt die RNA-Polymerase einen DNA-Abschnitt in mRNA um; bei der Translation liest das Ribosom die mRNA ab, und tRNA-Moleküle bringen die passenden Aminosäuren heran.
Den Bauplan liefert der genetische Code: Je drei aufeinanderfolgende Basen (ein Codon) codieren eine Aminosäure. Aus 4 Basen ergeben sich 43=644^{3}=6443=64 Codons für nur 20 Aminosäuren - der Code ist also degeneriert (mehrere Codons je Aminosäure). Das Startcodon ist AUG, die drei Stoppcodons (UAA, UAG, UGA) beenden die Synthese.
A=T,  G≡C\ce{A=T},\;\ce{G\equiv C}A=T,G≡C

Watson-Crick-Basenpaarung in DNA

Musterbeispiel

Komplementärstrang und mRNA bestimmen

Gegeben ist der DNA-Matrizenstrang 3′3'3′-TAC GTA CCG-5′5'5′. Bestimme (a) den komplementären DNA-Strang und (b) die daraus transkribierte mRNA.

  1. 01Basenpaarung anwenden

    Es gilt A-T und G-C. Antiparallel zum Matrizenstrang 3′3'3′-TAC GTA CCG-5′5'5′ ergibt sich der komplementäre Strang.

  2. 02(a) Komplementärer DNA-Strang

    5′5'5′-ATG CAT GGC-3′3'3′ (T→A, A→T, C→G, G→C ...).

  3. 03(b) mRNA-Transkription

    Die RNA-Polymerase liest die Matrize ab und setzt Uracil statt Thymin ein: mRNA 5′5'5′-AUG CAU GGC-3′3'3′.

  4. 04Codons deuten

    AUG ist das Startcodon (Methionin), CAU codiert Histidin, GGC Glycin.

Ergebnis: (a) 5′5'5′-ATG CAT GGC-3′3'3′; (b) mRNA 5′5'5′-AUG CAU GGC-3′3'3′ codiert Met-His-Gly. Die komplementäre Basenpaarung ist die Grundlage von Replikation und Transkription.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    DNA ist die Bibliothek des Lebens - in jedem Zellkern liegen über 2 Meter Doppelhelix.

    DNA-Doppelhelix - Schema

    A=T G≡C T=A C≡G A=T antiparallele Doppelhelix
    Abb.Zwei antiparallele Zucker-Phosphat-Stränge mit Basenpaarungen A-T und G-C über Wasserstoffbrücken.
  2. 2

    Vier Buchstaben A, T, G, C reichen, um die gesamte genetische Information aller Lebewesen zu kodieren.

  3. 3

    Replikation, Transkription, Translation - die drei Worte beschreiben den gesamten Informationsfluss.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank6 Punkte

Aufgabenstellung

Beschreibe Aufbau und Replikation der DNA und erläutere, wie die genetische Information gespeichert und weitergegeben wird.

Maturafokus

  • Basenpaarung A-T (DNA)/A-U (RNA) und G-C sicher.
  • Unterschied DNA / RNA: Zucker, Base U statt T, Einstrang vs. Doppelstrang.
  • Zentraldogma: DNA -> RNA -> Protein.

Typische Fehler

  • Thymin in RNA gesetzt (in RNA gibt es Uracil).
  • Replikation als "diskontinuierlich auf beiden Strängen" beschrieben - tatsächlich nur auf dem Folgestrang.
  • Codons als 2- oder 4-Buchstaben gezählt.

Aktive Wiederholung

Schreibe den DNA-Sense-Strang für das Peptid Met-Ala-Gly auf (Met = AUG, Ala = GCU, Gly = GGA).

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: OpenStax Chemistry 2e Kap. 20.5 Nucleic Acids (OpenStax)

§ 05

Metabolismus-Übersicht: Glykolyse, Citrat-Zyklus, Atmungskette#

●●●VertiefungLPCHE-Bio-9.2

Kernpunkte

Lebewesen gewinnen Energie, indem sie energiereiche Nährstoffe kontrolliert „verbrennen". Die Gesamtbilanz der Zellatmung gleicht der Verbrennung von Glucose, CX6HX12OX6+6 OX2→6 COX2+6 HX2O\ce{C6H12O6 + 6 O2 -> 6 CO2 + 6 H2O}CX6​HX12​OX6​+6OX2​​6COX2​+6HX2​O (ΔG∘≈−2870\Delta G^{\circ}\approx -2870ΔG∘≈−2870 kJ/mol), läuft aber in vielen kleinen Schritten ab, damit die Energie nach und nach als ATP gespeichert werden kann ().

Energiestoffwechsel der Glucose - Überblick

Energiestoffwechsel der GlucoseNetzgraph, Glucose → Pyruvat, Pyruvat → Lactat, Pyruvat → Acetyl-CoA, Acetyl-CoA → Citratzyklus, Citratzyklus → Atmungskette, Atmungskette → ATPGlucosePyruvatLactatAcetyl-CoACitratzyklusAtmungsketteATPGlykolyseanaerobaerobNADH~30 ATP
Abb. 4Glykolyse zerlegt Glucose zu Pyruvat; aerob folgt der Abbau über Acetyl-CoA, Citratzyklus und Atmungskette zu rund 30 ATP, anaerob entsteht Lactat.
Am Anfang steht in jeder Zelle die Glykolyse im Zytoplasma: Glucose (6 C) wird über zehn Schritte zu zwei Molekülen Pyruvat (3 C) abgebaut. Netto entstehen 2 ATP und 2 NADH. Dieser Schritt benötigt keinen Sauerstoff - er ist evolutionär uralt und allen Lebewesen gemeinsam.
Steht kein Sauerstoff zur Verfügung, muss das in der Glykolyse verbrauchte NADX+\ce{NAD+}NADX+ regeneriert werden: Im Muskel wird Pyruvat zu Lactat reduziert (Milchsäuregärung), in Hefen zu Ethanol und COX2\ce{CO2}COX2​ (alkoholische Gärung). Beide Gärungen liefern nur die 2 ATP der Glykolyse - schnell, aber ineffizient.
Mit Sauerstoff geht es weit ergiebiger weiter: Pyruvat wird in den Mitochondrien zu Acetyl-CoA umgesetzt und in den Citratzyklus eingespeist (). Dieser liefert pro Glucose 6 NADH, 2 FADHX2\ce{FADH2}FADHX2​ und 2 GTP und setzt das restliche COX2\ce{CO2}COX2​ frei.
Die eigentliche ATP-Ausbeute kommt aus der Atmungskette an der inneren Mitochondrienmembran: NADH und FADHX2\ce{FADH2}FADHX2​ geben ihre Elektronen schrittweise an Sauerstoff ab; die frei werdende Energie pumpt Protonen über die Membran und baut einen Gradienten auf. Durch die ATP-Synthase zurückströmende Protonen treiben die ATP-Bildung an (chemiosmotisches Prinzip, Mitchell 1961).
Insgesamt liefert der aerobe Abbau rund 30-32 ATP pro Glucose - etwa fünfzehnmal mehr als die Gärung. Das gespeicherte ATP (Adenosintriphosphat) ist die universelle Energiewährung: Seine Hydrolyse zu ADP setzt rund 30,5 kJ/mol frei und treibt alle energiebedürftigen Zellprozesse an (vertieft im Abschnitt „ATP, Cofaktoren und Energiekopplung"). Die Photosynthese ist die Gegenreaktion, die Glucose wieder aufbaut.
CX6HX12OX6+6 OX2→6 COX2+6 HX2O    ΔG∘≈−2870 kJ/mol\ce{C6H12O6 + 6 O2 -> 6 CO2 + 6 H2O}\;\;\Delta G^{\circ}\approx -2870\,\text{kJ/mol}CX6​HX12​OX6​+6OX2​​6COX2​+6HX2​OΔG∘≈−2870kJ/mol

Gesamtbilanz Zellatmung

6 COX2+6 HX2O→hνCX6HX12OX6+6 OX2\ce{6 CO2 + 6 H2O ->[h\nu] C6H12O6 + 6 O2}6COX2​+6HX2​Ohν​CX6​HX12​OX6​+6OX2​

Photosynthese (Gegenreaktion)

ATP+H2O⇌ADP+Pi;  ΔG≈−30,5 kJ/mol\text{ATP} + \text{H2O} \rightleftharpoons \text{ADP} + \text{P}_{i};\;\Delta G\approx -30{,}5\,\text{kJ/mol}ATP+H2O⇌ADP+Pi​;ΔG≈−30,5kJ/mol

ATP-Hydrolyse

Musterbeispiel

ATP-Ausbeute aerob und anaerob vergleichen

Eine Muskelzelle setzt 5,0 mol Glucose um. Vergleiche die maximale ATP-Ausbeute bei (a) vollständiger aerober Atmung (ca. 30 ATP je Glucose) und (b) Milchsäuregärung (2 ATP je Glucose).

  1. 01(a) aerob

    5,0 mol⋅30=150 mol ATP5{,}0\,\text{mol} \cdot 30 = 150\,\text{mol ATP}5,0mol⋅30=150mol ATP.

  2. 02(b) anaerob

    5,0 mol⋅2=10 mol ATP5{,}0\,\text{mol} \cdot 2 = 10\,\text{mol ATP}5,0mol⋅2=10mol ATP.

  3. 03Verhältnis

    150:10=15150 : 10 = 15150:10=15 - die aerobe Atmung liefert rund 15-mal mehr ATP.

Ergebnis: Aerob ca. 150 mol ATP, anaerob nur 10 mol. Bei intensiver Muskelarbeit reicht die Sauerstoffversorgung nicht aus, sodass kurzfristig die schnelle, aber ineffiziente Lactat-Gärung einspringt; das Lactat wird später in der Leber wieder verwertet (Sauerstoffschuld).

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Atmung ist die kontrollierte Verbrennung von Glucose - aber nicht zu schnell, damit ATP gespeichert werden kann.

  2. 2

    Glykolyse ist der gemeinsame Anfang aller Lebensformen - sehr alt, evolutionär konserviert.

  3. 3

    ATP ist die kleine Münze der Zelle - jede chemische Arbeit wird damit bezahlt.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank6 Punkte

Aufgabenstellung

Erläutere die Bedeutung der Glykolyse für den menschlichen Stoffwechsel und vergleiche aerobe und anaerobe Endprodukte.

Maturafokus

  • Bilanz Glykolyse: 2 ATP, 2 NADH, 2 Pyruvat.
  • Aerobe vs. anaerobe Energieausbeute (30-32 vs. 2 ATP).
  • Photosynthese als Gegenstück: 6 COX2+6 HX2O→CX6HX12OX6+6 OX2\ce{6 CO2 + 6 H2O -> C6H12O6 + 6 O2}6COX2​+6HX2​O​CX6​HX12​OX6​+6OX2​.

Typische Fehler

  • Glykolyse als aerob bezeichnet.
  • Citrat-Zyklus mit Glykolyse vermischt.
  • ATP-Synthese auf Substratkettenphosphorylierung beschränkt - tatsächlich kommt der Löwenanteil aus der oxidativen Phosphorylierung.

Aktive Wiederholung

Vergleiche die ATP-Ausbeute der aeroben Atmung und der Milchsäuregärung. Warum läuft im Muskel bei Belastung Lactat-Gärung?

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: OpenStax Chemistry 2e Kap. 20.6 Metabolism (OpenStax)

§ 06

ATP, Cofaktoren und Energiekopplung#

●●●VertiefungLPCHE-Bio-9.2

Kernpunkte

Adenosintriphosphat (ATP) ist die universelle Energiewährung der Zelle; die Hydrolyse der endständigen Phosphatbindung setzt Energie frei (ΔG∘′≈−30,5\Delta G^\circ{}' \approx -30{,}5ΔG∘′≈−30,5 kJ/mol).
ATP-Hydrolyse: ATP+HX2O→ADP+PXi\ce{ATP + H2O -> ADP + P_i}ATP+HX2​O​ADP+PXi​; die Reaktion ist exergon und treibt endergone Zellprozesse an (Energiekopplung).
Energiekopplung: Eine energetisch ungünstige Reaktion wird mit der ATP-Hydrolyse gekoppelt, sodass die Gesamtbilanz exergon (negativ) wird.
NAD+/NADH und FAD/FADH2 sind Redox-Cofaktoren (Elektronen- und Wasserstoffträger), die Reduktionsäquivalente aus dem Abbau zur Atmungskette transportieren.
In der Atmungskette werden NADH und FADH2 reoxidiert; die freigesetzte Energie treibt die ATP-Synthese (oxidative Phosphorylierung) an.
Coenzym A trägt Acetylgruppen (Acetyl-CoA) in den Citrat-Zyklus ein - Schnittstelle des Kohlenhydrat-, Fett- und Aminosäureabbaus.
Exergon (Delta G < 0, freiwillig) und endergon (Delta G > 0, energiebedürftig) sind die zentralen Begriffe der bioenergetischen Bilanz.
ATP+HX2O→ADP+PXi,ΔG∘′≈−30,5 kJ/mol\ce{ATP + H2O -> ADP + P_i}, \quad \Delta G^{\circ\prime} \approx -30{,}5\,\text{kJ/mol}ATP+HX2​O​ADP+PXi​,ΔG∘′≈−30,5kJ/mol

ATP-Hydrolyse (exergon)

Musterbeispiel

Energiekopplung quantitativ

Eine Reaktion A -> B hat ΔG∘′=+13,8\Delta G^{\circ\prime} = +13{,}8ΔG∘′=+13,8 kJ/mol. Beurteile, ob die Kopplung mit ATP-Hydrolyse (−30,5-30{,}5−30,5 kJ/mol) die Reaktion antreibt.

  1. 01Einzelbilanz

    A -> B mit +13,8+13{,}8+13,8 kJ/mol ist endergon und läuft allein nicht freiwillig ab.

  2. 02Kopplung addieren

    Gekoppelt mit ATP-Hydrolyse: ΔGges=+13,8+(−30,5)=−16,7 kJ/mol\Delta G_{\text{ges}} = +13{,}8 + (-30{,}5) = -16{,}7\,\text{kJ/mol}ΔGges​=+13,8+(−30,5)=−16,7kJ/mol.

  3. 03Bewertung

    Die Gesamtbilanz ist negativ -> der gekoppelte Prozess ist exergon und läuft freiwillig.

Ergebnis: ΔGges=−16,7\Delta G_{\text{ges}} = -16{,}7ΔGges​=−16,7 kJ/mol < 0 -> die ATP-Hydrolyse treibt die Reaktion an. Querverweis: Abschnitt "Metabolismus-Übersicht" (Glykolyse, Citrat-Zyklus, Atmungskette).

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank3 Punkte

Aufgabenstellung

Erkläre, warum ATP als „Energiewährung" und nicht als „Energiespeicher" der Zelle bezeichnet wird, und nenne die langfristigen Energiespeicher des Körpers.

Maturafokus

  • Erkläre das Prinzip der Energiekopplung am Beispiel der ATP-Hydrolyse (Operator: erklären).
  • Beschreibe die Rolle von NADH/FADH2 als Reduktionsäquivalente (Operator: beschreiben).
  • Beurteile, warum ATP als "Energiewährung" und nicht als "Energiespeicher" bezeichnet wird (Operator: beurteilen).
  • Verknüpfe die Cofaktoren mit Glykolyse, Citrat-Zyklus und Atmungskette.

Typische Fehler

  • ATP wird als Langzeit-Energiespeicher (wie Fett/Glykogen) statt als kurzfristige Energiewährung dargestellt.
  • Exergon und exotherm werden gleichgesetzt; massgeblich ist die freie Enthalpie ΔG\Delta GΔG, nicht nur ΔH\Delta HΔH.
  • NAD+ und NADH (oxidierte/reduzierte Form) werden verwechselt.
  • Energiekopplung wird ohne Bezug zur Gesamtbilanz der freien Enthalpie erklärt.

Aktive Wiederholung

Erkläre am Beispiel einer endergonen Biosynthese, wie die Kopplung mit der ATP-Hydrolyse die Reaktion ermöglicht, und beurteile die Bezeichnung "Energiewährung".

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: OpenStax Biology 2e, Kap. 6 "Metabolism" (OpenStax)

Inhalt

Abschnitt -- / 06

    • 01Kohlenhydrate: Mono-, Di- und Polysaccharide◐
    • 02Lipide, Triglyceride, Phospholipide und Membranen◐
    • 03Proteine, Strukturen und Enzymkatalyse●
    • 04Nukleinsäuren, DNA-Doppelhelix und genetische Information◐
    • 05Metabolismus-Übersicht: Glykolyse, Citrat-Zyklus, Atmungskette●
    • 06ATP, Cofaktoren und Energiekopplung●

0/6 Gelesen

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Biochemie (CHE-Bio)

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Beispielfrage

Erläutere, warum Menschen Stärke verdauen können, Cellulose dagegen nicht, obwohl beide aus Glucose-Einheiten bestehen.

6 BE · 2023

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Belege & Quellen

Quellen

OpenStax

  • OpenStax Chemistry 2e Kap. 20.5 Biological Macromolecules
  • OpenStax Biology 2e, Kap. 6 "Metabolism"

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