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Notizen/Biologie/Humanbiologie (BIO-Hum)
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Humanbiologie (BIO-Hum)

Nervensystem (Aktionspotential, Synapse, ZNS), Hormonsystem, Herz-Kreislauf, Atmung, Verdauung, Niere, Immunsystem und Fortpflanzung.

6 Abschnitte·~21 Min Lesezeit·4 Kompetenzen·Niveau Standard 5 · Vertiefung 1·Stand 06/2026

T·0666 / 10
Prüfungsprofil
BIO-Hum-6.1 · Nervensystem und neuronale Erregungsleitung erklärenBIO-Hum-6.2 · Hormonsystem und Homöostase beschreibenBIO-Hum-6.3 · Herz-Kreislauf und Atmung verstehenBIO-Hum-6.4 · Verdauung, Niere, Immunsystem, Fortpflanzung darstellen
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Inhalt · 6 Abschnitte▾
  1. Humanbiologie (BIO-Hum)
    • 01Nervensystem - Aktionspotential und Synapse●
    • 02Hormonsystem und Homöostase◐
    • 03Herz-Kreislauf-System und Atmung◐
    • 04Verdauung und Niere◐
    • 05Immunsystem und Fortpflanzung◐
    • 06Bewegungsapparat - Knochen, Gelenke und Muskelkontraktion◐
§ 01

Nervensystem - Aktionspotential und Synapse#

●●●VertiefungLPBIO-Hum-6.1

Kernpunkte

Das Neuron ist auf Signalübertragung spezialisiert: Dendriten nehmen Signale auf, das Soma (Zellkörper) integriert sie, das Axon leitet das Ergebnis weiter, und die synaptischen Endknöpfe geben es ab. Viele Axone sind von einer Myelinscheide aus Schwann-Zellen umhüllt, die von Ranvier-Schnürringen unterbrochen ist - das ermöglicht die schnelle saltatorische Erregungsleitung, bei der das Signal von Schnürring zu Schnürring springt.
Grundlage jeder Erregung ist das Ruhemembranpotential von etwa −70 mV-70\,\text{mV}−70mV (): Die NaX+/KX+\ce{Na+/K+}NaX+/KX+-ATPase pumpt unter ATP-Verbrauch 3 NaX+\ce{Na+}NaX+ hinaus und 2 KX+\ce{K+}KX+ hinein, und die Membran ist in Ruhe vor allem für KX+\ce{K+}KX+ durchlässig. Welches Potential ein einzelnes Ion anstrebt, liefert die Nernst-Gleichung.

Aktionspotential - Verlauf

-70 0 +40 U / mV t / ms Ruhe Depol. Na+ Overshoot Repol. K+ Hyperpol.
Abb. 1Ruhepotential -70 mV, Depolarisation, Overshoot, Repolarisation, Hyperpolarisation; Na+/K+-Kanäle.
Erreicht ein Reiz die Schwelle von etwa −50 mV-50\,\text{mV}−50mV, läuft das Aktionspotential stereotyp ab (): Spannungsabhängige NaX+\ce{Na+}NaX+-Kanäle öffnen, NaX+\ce{Na+}NaX+ strömt ein und die Membran depolarisiert bis zum Overshoot von +40 mV+40\,\text{mV}+40mV. Dann werden die NaX+\ce{Na+}NaX+-Kanäle inaktiviert, KX+\ce{K+}KX+-Kanäle öffnen, KX+\ce{K+}KX+ strömt aus - die Membran repolarisiert, unterschreitet kurz das Ruhepotential (Hyperpolarisation) und kehrt zurück.

Aktionspotential V(t)

Aktionspotential V(t)Liniendiagramm: U / mV nach t / ms−80−60−40−20020400246810U / mVt / ms
Abb. 3Stilisierte Spannungskurve in mV; Overshoot bei ca. +40 mV markiert.
Zwei Prinzipien sind prüfungsrelevant: Das Aktionspotential folgt dem Alles-oder-Nichts-Prinzip (es feuert voll oder gar nicht), und die Reizstärke wird über die FREQUENZ der Impulse codiert, nicht über ihre Höhe. Während der Refraktärphase ist die gerade erregte Stelle kurz unerregbar - das erzwingt die Weiterleitung in nur eine Richtung.
An der chemischen Synapse wird das elektrische in ein chemisches Signal übersetzt (): Das ankommende AP öffnet CaX2+\ce{Ca^{2+}}CaX2+-Kanäle, der Calciumeinstrom lässt Vesikel mit Neurotransmitter (Acetylcholin, Glutamat, GABA, Dopamin, Serotonin) mit der präsynaptischen Membran verschmelzen. Der Transmitter bindet an postsynaptische Rezeptoren und erzeugt je nach Typ ein erregendes EPSP oder ein hemmendes IPSP - die Summe vieler solcher Potentiale entscheidet, ob das Folgeneuron feuert.

Chemische Synapse

Chemische SynapseZelldiagramm, 2 Kompartimente, Daten: Präsynapse, Postsynapse, Vesikel, Rezeptor, synaptischer Spalt (20 nm)PräsynapsePostsynapseVesikelRezeptorsynaptischerSpalt (20 nm)
Abb. 2Aktionspotential -> Ca2+-Einstrom -> Vesikelfusion -> Neurotransmitter im Spalt -> Rezeptor postsynaptisch.
Im Überblick gliedert sich das Nervensystem in das Zentralnervensystem (Gehirn und Rückenmark) und das periphere Nervensystem. Dessen vegetativer (autonomer) Teil regelt unbewusst die Organe und arbeitet mit zwei Gegenspielern: Der Sympathikus stellt den Körper auf Leistung ein (fight or flight), der Parasympathikus auf Ruhe und Verdauung (rest and digest).
EIon=R Tz F ln⁡[Ion]aussen[Ion]innenE_{\mathrm{Ion}} = \dfrac{R\,T}{z\,F}\,\ln\dfrac{[\mathrm{Ion}]_{\mathrm{aussen}}}{[\mathrm{Ion}]_{\mathrm{innen}}}EIon​=zFRT​ln[Ion]innen​[Ion]aussen​​

Nernst-Gleichung (Membranpotential)

Musterbeispiel

Nernst-Gleichung - Kalium-Gleichgewichtspotential

Berechne das Gleichgewichtspotential für KX+\ce{K+}KX+ bei 37 °C mit 140 mmol/l innen und 5 mmol/l aussen. Für einwertige Ionen gilt RTzF≈26,7 mV\tfrac{RT}{zF} \approx 26{,}7\,\text{mV}zFRT​≈26,7mV (natürlicher Logarithmus).

  1. 01Formel

    EK=RTzF ln⁡[K+]a[K+]iE_{K} = \dfrac{RT}{zF}\,\ln\dfrac{[K^+]_a}{[K^+]_i}EK​=zFRT​ln[K+]i​[K+]a​​ mit aussen (a) und innen (i).

  2. 02Verhältnis

    5140≈0,0357\dfrac{5}{140} \approx 0{,}03571405​≈0,0357.

  3. 03Logarithmus

    ln⁡0,0357≈−3,33\ln 0{,}0357 \approx -3{,}33ln0,0357≈−3,33.

  4. 04Einsetzen

    EK=26,7⋅(−3,33)≈−89 mVE_{K} = 26{,}7 \cdot (-3{,}33) \approx -89\,\text{mV}EK​=26,7⋅(−3,33)≈−89mV.

Ergebnis: Das Kalium-Gleichgewichtspotential liegt bei rund −89 mV-89\,\text{mV}−89mV - nahe am Ruhepotential von −70 mV-70\,\text{mV}−70mV, weil die Membran in Ruhe vor allem für KX+\ce{K+}KX+ durchlässig ist.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Das Aktionspotential ist ein 1-ms-Spannungspuls, getragen von Ionenströmen.

    Aktionspotential V(t)

    Aktionspotential V(t)Liniendiagramm: U / mV nach t / ms−80−60−40−20020400246810U / mVt / ms
    Abb.Stilisierte Spannungskurve in mV; Overshoot bei ca. +40 mV markiert.
  2. 2

    An der Synapse wird elektrisches Signal in chemisches Signal übersetzt und am Folgeneuron wieder zurück.

    Chemische Synapse

    Chemische SynapseZelldiagramm, 2 Kompartimente, Daten: Präsynapse, Postsynapse, Vesikel, Rezeptor, synaptischer Spalt (20 nm)PräsynapsePostsynapseVesikelRezeptorsynaptischerSpalt (20 nm)
    Abb.Aktionspotential -> Ca2+-Einstrom -> Vesikelfusion -> Neurotransmitter im Spalt -> Rezeptor postsynaptisch.
  3. 3

    Sympathikus aktiviert, Parasympathikus beruhigt - das vegetative Nervensystem regelt unbewusst.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank5 Punkte

Aufgabenstellung

Erläutere die Entstehung und Weiterleitung eines Aktionspotentials.

Maturafokus

  • AP-Phasen mit Ionenflüssen sicher beschreiben.
  • Chemische Synapse Schritt für Schritt vom AP zum EPSP.
  • Saltatorische Erregungsleitung im Vergleich zur kontinuierlichen.

Typische Fehler

  • NaX+/KX+\ce{Na+/K+}NaX+/KX+-Pumpe als Verursacher des AP - in Wahrheit nur des Ruhepotentials.
  • Acetylcholin als generell erregend dargestellt - im Herzen über muscarinerge Rezeptoren hemmend.
  • Aktionspotential breitet sich "in beide Richtungen" aus - durch Refraktärphase nur in eine Richtung.

Aktive Wiederholung

Erkläre, wie der Wirkstoff Botulinumtoxin die neuromuskuläre Erregungsübertragung blockiert.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Hodgkin A L, Huxley A F (1952) J Physiol 117:500-544 (Journal of Physiology)

§ 02

Hormonsystem und Homöostase#

●●○StandardLPBIO-Hum-6.2

Kernpunkte

Das Hormonsystem ist das zweite grosse Kommunikationssystem des Körpers - langsamer als das Nervensystem, aber weitreichend und lang anhaltend. Hormone sind chemische Botenstoffe, die von Drüsen ins Blut abgegeben werden und nur an Zielzellen wirken, die den passenden Rezeptor tragen. Ein Hormon zirkuliert im ganzen Körper, „angesprochen" wird aber nur, wer den Schlüssel besitzt.
Die wichtigsten Drüsen bilden ein hierarchisches Netz: Hypothalamus und Hypophyse sind die übergeordneten Steuerzentren; die Schilddrüse (T3/T4 für den Grundumsatz, Calcitonin), die Nebenniere (Mark: Adrenalin/Noradrenalin; Rinde: Cortisol, Aldosteron), der Pankreas (Insulin, Glukagon) und die Keimdrüsen (Östrogen, Testosteron) führen die Befehle aus.
Wie ein Hormon wirkt, hängt von seiner Chemie ab. Peptidhormone (Insulin, Glukagon) sind wasserlöslich, binden aussen an Membranrezeptoren und lösen über einen Second Messenger (z. B. cAMP) eine schnelle Antwort aus. Steroidhormone (Cortisol, Geschlechtshormone) sind fettlöslich, durchdringen die Membran, binden intrazelluläre Rezeptoren und beeinflussen direkt die Genexpression - langsamer, aber tiefgreifender.
Das Lehrbeispiel hormoneller Regelung ist der Blutzucker: Insulin SENKT ihn (es fördert die Glucoseaufnahme in die Zellen und die Glykogensynthese), Glukagon HEBT ihn (Glykogenabbau, Gluconeogenese). Beide wirken antagonistisch und halten den Blutzucker in einem schmalen Band - ein Musterbeispiel der Homöostase.
Versagt diese Regelung, entsteht Diabetes mellitus: Beim Typ 1 zerstört eine Autoimmunreaktion die insulinproduzierenden Beta-Zellen (absoluter Insulinmangel), beim Typ 2 reagieren die Zellen zunehmend unempfindlich auf Insulin (Insulinresistenz, oft lebensstilbedingt).
Über die Stressachse zeigt sich die Tragweite: Hypothalamus -> CRH -> Hypophyse -> ACTH -> Nebennierenrinde -> Cortisol. Akut mobilisiert Cortisol Energie; chronischer Stress aber unterdrückt das Immunsystem, fördert Bauchfett und begünstigt das metabolische Syndrom.
Damit Hormonspiegel stabil bleiben, greift fast überall die negative Rückkopplung (): Am Schilddrüsenbeispiel hemmt ein hoher T3/T4-Spiegel die Ausschüttung von TRH und TSH, sodass die Schilddrüse gedrosselt wird - sinkt der Spiegel, wird die Hemmung aufgehoben. Dieser selbstregelnde Kreis ist das Grundprinzip der Homöostase.

Negative Rückkopplung der Schilddrüse

Schilddrüsen-RegelkreisNetzgraph, Hypothalamus (TRH) → Hypophyse (TSH), Hypophyse (TSH) → Schilddrüse, Schilddrüse → T3 / T4, T3 / T4 → Hypothalamus (TRH)Hypothalamus(TRH)Hypophyse (TSH)SchilddrüseT3 / T4hemmt (-)
Abb. 4Hypothalamus und Hypophyse steuern die Schilddrüse; das fertige T3/T4 hemmt die übergeordneten Drüsen - ein selbstregelnder Kreis (Homöostase).
Musterbeispiel

Blutzuckerregulation - negative Rückkopplung

Nach einer kohlenhydratreichen Mahlzeit steigt der Blutzucker von 5 mmol/L auf 9 mmol/L. Erläutere quantitativ und funktionell, wie der Körper ihn wieder auf den Sollwert senkt.

  1. 01Abweichung erfassen

    Istwert 9 mmol/L liegt über dem Sollbereich (3,9-5,6 mmol/L nüchtern); die Beta-Zellen registrieren den Anstieg.

  2. 02Hormonantwort

    Beta-Zellen des Pankreas schütten Insulin aus.

  3. 03Wirkung

    Insulin fördert Glucoseaufnahme in Muskel und Leber sowie die Glykogensynthese; der Blutzucker fällt zurück Richtung 5 mmol/L.

  4. 04Rückkopplung

    Sinkender Blutzucker drosselt die Insulinausschüttung - negative Rückkopplung hält den Sollwert.

Ergebnis: Der Anstieg um 4 mmol/L wird durch Insulin-vermittelte Aufnahme und Speicherung abgebaut; das Zusammenspiel von Insulin und Glukagon hält den Blutzucker im engen Sollbereich (Homöostase).

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Hormone sind langsame, aber weitreichende Botenstoffe - Nerven sind schnell und punktuell.

  2. 2

    Insulin und Glukagon halten den Blutzucker in einem schmalen Band - eine perfekte Homöostase.

  3. 3

    Bei Diabetes Typ 1 fehlt Insulin, bei Typ 2 reagieren die Zellen nicht mehr darauf.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank4 Punkte

Aufgabenstellung

Vergleiche Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2 und erkläre die Bedeutung von Insulin im Blutzuckerhaushalt.

Maturafokus

  • Insulin/Glukagon-Wechselspiel mit Reaktionen in Leber/Muskel beschreiben.
  • Wirkmechanismus peptidisch vs. steroidal unterscheiden.
  • Negative Rückkopplung am Schilddrüsenbeispiel erklären.

Typische Fehler

  • Hormone wirken "in der ganzen Zelle" - sie wirken nur, wo Rezeptoren sind.
  • Insulin als "Hormon, das aktiviert" - es senkt den Blutzucker, indem es Aufnahme erlaubt.
  • Adrenalin und Aldosteron in derselben Drüse (Adrenalin Mark, Aldosteron Rinde).

Aktive Wiederholung

Erläutere am Blutzucker den negativen Rückkopplungsmechanismus zwischen Insulin und Glukagon.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Silbernagl - Taschenatlas Physiologie (Thieme)

§ 03

Herz-Kreislauf-System und Atmung#

●●○StandardLPBIO-Hum-6.3

Kernpunkte

Das Herz ist eine Doppelpumpe (): Vier Kammern - rechter und linker Vorhof, rechte und linke Kammer - treiben zwei getrennte Kreisläufe an. Die rechte Herzhälfte pumpt sauerstoffarmes Blut in den Lungenkreislauf, die linke das sauerstoffreiche Blut in den Körperkreislauf. Vier Klappen (Mitral-, Trikuspidal-, Aorten-, Pulmonalklappe) sorgen dafür, dass das Blut nur in eine Richtung fliesst.

Menschliches Herz - Vier Kammern

RA RV LA LV Vena cava A. pulm. V. pulm. Aorta Klappen: Trikuspidal/Mitral (AV), Pulmonal/Aorta (Semilunar)
Abb. 5Rechter Vorhof/Kammer (Lungenkreislauf), linker Vorhof/Kammer (Körperkreislauf); Klappen verhindern Rückfluss.
Den Takt gibt das Herz selbst vor: Der Sinusknoten (60-100 Schläge/min) erzeugt autonom die Erregung, die über den AV-Knoten, das His-Bündel und die Purkinje-Fasern auf die Kammern übertragen wird. Das Herz schlägt also auch ohne Nervenbefehl - Sympathikus und Parasympathikus modulieren nur die Frequenz.
Der Herzzyklus gliedert sich in die Systole (Anspannung und Auswurf) und die Diastole (Erschlaffung und Füllung). Das Produkt aus Schlagvolumen und Herzfrequenz ergibt das Herzminutenvolumen - in Ruhe rund 5 l/min, unter Belastung ein Vielfaches.
Der Blutdruck wird als systolischer/diastolischer Wert angegeben, normal etwa 120/80 mmHg. Ab dauerhaft 140/90 spricht man von Hypertonie - ein wichtiger Risikofaktor für Schlaganfall und Herzinfarkt, weil der erhöhte Druck Gefässe und Herz schädigt.
Die Atmung versorgt das Blut mit OX2\ce{O2}OX2​ und entsorgt COX2\ce{CO2}COX2​. In den Lungenbläschen (Alveolen) erfolgt der Gasaustausch durch reine Diffusion entlang der Partialdruckgefälle. Den Atemzug erzeugen Zwerchfell und Zwischenrippenmuskulatur, indem sie den Brustraum erweitern und so einen Unterdruck schaffen (ca. 12-16 Atemzüge/min in Ruhe).
Beim Transport zeigt sich raffinierte Chemie: OX2\ce{O2}OX2​ bindet reversibel an das Hämoglobin der roten Blutkörperchen. Der Bohr-Effekt sorgt dafür, dass Hämoglobin dort mehr OX2\ce{O2}OX2​ abgibt, wo viel COX2\ce{CO2}COX2​ anfällt und der pH sinkt - also genau im arbeitenden Gewebe. COX2\ce{CO2}COX2​ wird grösstenteils als Hydrogencarbonat (HCOX3X−\ce{HCO3-}HCOX3​X−), teils an Hämoglobin gebunden und gelöst zurücktransportiert.
Gesteuert wird die Atmung vom Atemzentrum in der Medulla oblongata. Bemerkenswert: Der stärkste Atemreiz ist nicht der OX2\ce{O2}OX2​-Mangel, sondern ein Anstieg von COX2\ce{CO2}COX2​ (über den pH der Hirnflüssigkeit). Deshalb dient das vertiefte Atmen bei Anstrengung primär dazu, COX2\ce{CO2}COX2​ abzuatmen.
Querverbindung zur Zoologie: Der vollständig getrennte Doppelkreislauf der Säuger ist nur EINE von mehreren Lösungen im Tierreich (vgl. Thema Botanik/Zoologie) - Fische haben einen einfachen Kreislauf, Amphibien ein unvollständig getrenntes Herz. Die vollständige Trennung erlaubt hohen Druck im Körper- bei niedrigem Druck im Lungenkreislauf.
Musterbeispiel

Herzminutenvolumen berechnen

Das Herz schlägt in Ruhe 70-mal pro Minute und befördert pro Schlag 70 mL Blut. Berechne das Herzminutenvolumen und das Volumen, das bei einer Belastung mit 150 Schlägen/min und 110 mL Schlagvolumen gefördert wird.

  1. 01Formel

    Herzminutenvolumen V˙=Herzfrequenz⋅Schlagvolumen\dot V = \text{Herzfrequenz}\cdot \text{Schlagvolumen}V˙=Herzfrequenz⋅Schlagvolumen.

  2. 02Ruhe

    70 min−1⋅70 mL=4900 mL/min≈4,9 L/min70\ \mathrm{min^{-1}}\cdot 70\ \mathrm{mL} = 4900\ \mathrm{mL/min} \approx 4{,}9\ \mathrm{L/min}70 min−1⋅70 mL=4900 mL/min≈4,9 L/min.

  3. 03Belastung

    150 min−1⋅110 mL=16500 mL/min=16,5 L/min150\ \mathrm{min^{-1}}\cdot 110\ \mathrm{mL} = 16500\ \mathrm{mL/min} = 16{,}5\ \mathrm{L/min}150 min−1⋅110 mL=16500 mL/min=16,5 L/min.

  4. 04Steigerung

    Das Herzminutenvolumen steigt um den Faktor 16,5/4,9≈3,416{,}5/4{,}9 \approx 3{,}416,5/4,9≈3,4.

Ergebnis: In Ruhe rund 4,9 L/min, unter Belastung 16,5 L/min - das Herzminutenvolumen kann um mehr als das Dreifache gesteigert werden (Frequenz + Schlagvolumen).

Musterbeispiel

Atemminutenvolumen berechnen

Ein Mensch atmet in Ruhe 14-mal pro Minute jeweils 0,5 L Luft. Berechne das Atemminutenvolumen und den Anteil, der bei 150 mL anatomischem Totraum nicht am Gasaustausch teilnimmt.

  1. 01Atemminutenvolumen

    V˙=f⋅VT=14⋅0,5 L=7 L/min\dot V = f\cdot V_T = 14\cdot 0{,}5\ \mathrm{L} = 7\ \mathrm{L/min}V˙=f⋅VT​=14⋅0,5 L=7 L/min.

  2. 02Totraumventilation

    Pro Atemzug bleiben 150 mL im Totraum: 14⋅0,15 L=2,1 L/min14\cdot 0{,}15\ \mathrm{L} = 2{,}1\ \mathrm{L/min}14⋅0,15 L=2,1 L/min.

  3. 03Alveoläre Ventilation

    V˙A=7−2,1=4,9 L/min\dot V_A = 7 - 2{,}1 = 4{,}9\ \mathrm{L/min}V˙A​=7−2,1=4,9 L/min erreichen die Alveolen.

  4. 04Interpretation

    Flache, schnelle Atmung erhöht den Totraumanteil; tiefe Atemzüge sind effizienter für den Gasaustausch.

Ergebnis: Atemminutenvolumen 7 L/min, davon 2,1 L/min Totraum; nur 4,9 L/min stehen den Alveolen für den Gasaustausch zur Verfügung.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Das Herz ist ein Doppelpumpwerk: rechts in die Lunge, links in den Körper.

    Menschliches Herz - Vier Kammern

    RA RV LA LV Vena cava A. pulm. V. pulm. Aorta Klappen: Trikuspidal/Mitral (AV), Pulmonal/Aorta (Semilunar)
    Abb.Rechter Vorhof/Kammer (Lungenkreislauf), linker Vorhof/Kammer (Körperkreislauf); Klappen verhindern Rückfluss.
  2. 2

    Sinusknoten gibt den Takt vor - autonom, aber von Sympathikus/Parasympathikus moduliert.

  3. 3

    Beim Bohr-Effekt entlädt Hb mehr OX2\ce{O2}OX2​, wo am meisten Stoffwechsel - genial einfach.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank5 Punkte

Aufgabenstellung

Beschreibe den Aufbau des Herzens und den Verlauf des Blutkreislaufs im Körper.

Maturafokus

  • Lungenkreislauf vs. Körperkreislauf mit Gefäßbahnen.
  • Sinusknoten als primärer Schrittmacher.
  • Bohr-Effekt am Beispiel arbeitender Muskel.
  • Herzminutenvolumen aus Frequenz und Schlagvolumen berechnen.

Typische Fehler

  • Linke Herzhälfte für Lungenkreislauf - tatsächlich ist es die rechte.
  • Atmung wird durch OX2\ce{O2}OX2​-Mangel ausgelöst - in Realität ist COX2\ce{CO2}COX2​ stärkerer Reiz.
  • Arterien führen immer sauerstoffreiches Blut - Ausnahme Lungenarterie.

Aktive Wiederholung

Erkläre am Bohr-Effekt, warum Hämoglobin im arbeitenden Muskel mehr Sauerstoff abgibt.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Silbernagl - Taschenatlas Physiologie, Herz und Kreislauf (Thieme)

§ 04

Verdauung und Niere#

●●○StandardLPBIO-Hum-6.4

Kernpunkte

Die Verdauung zerlegt die Nahrung schrittweise in resorbierbare Bausteine - jedes Organ trägt mit eigenen Enzymen und seinem eigenen pH bei. Schon im Mund beginnt sie: Die Speichel-Amylase spaltet Stärke, das Kauen zerkleinert mechanisch. Im Magen herrscht durch HCl\ce{HCl}HCl ein pH von 1-2; das Enzym Pepsin beginnt die Proteinverdauung, und die Säure tötet zudem Keime ab.
Der Hauptort von Verdauung und Resorption ist der Dünndarm: Die Pankreas-Enzyme (Trypsin für Proteine, Lipase für Fette, Amylase für Kohlenhydrate) zerlegen die Nahrung weiter, und die Gallensalze emulgieren das Fett zu kleinen Tröpfchen, sodass die Lipase angreifen kann. Die enorme Oberfläche aus Falten, Zotten und Mikrovilli macht die Resorption hocheffizient.
Die Aufnahme der Bausteine ist gezielt: Glucose und Aminosäuren gelangen über NaX+\ce{Na+}NaX+-Symporter in die Darmzellen (Enterozyten) und von dort ins Blut. Fettsäuren werden als Mizellen aufgenommen, in der Zelle neu zu Fetten zusammengesetzt und als Chylomikronen in die Lymphe abgegeben. Der Dickdarm entzieht schliesslich Wasser, und sein Mikrobiom liefert Vitamine (K, B-Vitamine).
Die Niere ist das zentrale Klär- und Regelorgan (); ihre Funktionseinheit ist das Nephron. Im Glomerulus wird das Blutplasma unter Druck filtriert - täglich entstehen rund 180 l Primärharn, der noch Glucose, Aminosäuren und Salze enthält. All das zu verlieren wäre tödlich - deshalb folgt eine massive Rückresorption.

Nephron - Bowman-Kapsel, Henle-Schleife, Sammelrohr

Glomerulus prox. Tubulus Henle-Schleife dist. Tubulus Sammelrohr ADH steuert Wasserrückresorption
Abb. 6Filtration im Glomerulus, Resorption/Sekretion in Tubuli, Konzentrationsgradient in Henle-Schleife.
In den Tubuli wird fast alles zurückgeholt: Der proximale Tubulus resorbiert Glucose, Aminosäuren und den Grossteil des Wassers; die Henle-Schleife baut über das Gegenstromprinzip einen osmotischen Gradienten im Nierenmark auf, der später die Wasserrückgewinnung antreibt. So werden aus 180 l Primärharn nur etwa 1,5 l Endharn.
Fein geregelt wird das hormonell: ADH (Vasopressin) öffnet bei Wassermangel Aquaporine im Sammelrohr - mehr Wasser wird zurückgeholt, der Harn konzentriert sich. Aldosteron steuert bei niedrigem Blutdruck die NaX+\ce{Na+}NaX+-Rückresorption. Zusätzlich hält die Niere den Säure-Basen-Haushalt im Lot, indem sie HX+\ce{H+}HX+ ausscheidet und HCOX3X−\ce{HCO3-}HCOX3​X− regeneriert.
Musterbeispiel

Niere - Wasserrückresorption berechnen

Die Niere bildet täglich ca. 180 l Primärharn, ausgeschieden werden ca. 1,5 l Endharn. Welcher Anteil des Wassers wird rückresorbiert?

  1. 01Rückresorbierte Menge

    180−1,5=178,5180 - 1{,}5 = 178{,}5180−1,5=178,5 l werden wieder aufgenommen.

  2. 02Anteil

    178,5180≈0,992\dfrac{178{,}5}{180} \approx 0{,}992180178,5​≈0,992.

  3. 03In Prozent

    0,992≈99,2 %0{,}992 \approx 99{,}2\,\%0,992≈99,2%.

  4. 04Deutung

    Nur etwa 0,8 % des Primärharns verlassen den Körper; Glucose, Aminosäuren und der Grossteil der Salze werden zuvor zurückgeholt.

Ergebnis: Rund 99 % des Wassers werden rückresorbiert. Die Niere filtert das Blutplasma vielfach täglich und gewinnt fast alles wieder - nur Abfallstoffe werden konzentriert ausgeschieden.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Die Niere produziert täglich 180 L Primärharn - 99 % davon resorbiert sie wieder.

    Nephron - Bowman-Kapsel, Henle-Schleife, Sammelrohr

    Glomerulus prox. Tubulus Henle-Schleife dist. Tubulus Sammelrohr ADH steuert Wasserrückresorption
    Abb.Filtration im Glomerulus, Resorption/Sekretion in Tubuli, Konzentrationsgradient in Henle-Schleife.
  2. 2

    Verdauung ist ein Stufenprozess: jedes Organ hat seine Enzyme und seinen pH.

  3. 3

    ADH passt die Wasserausscheidung an - bei Durst sparen, bei Überfluss ausscheiden.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank5 Punkte

Aufgabenstellung

Erläutere den Aufbau eines Nephrons und die Funktion der Niere im Wasserhaushalt.

Maturafokus

  • Enzymorte: alpha-Amylase im Mund und Pankreas; Pepsin im Magen; Trypsin im Dünndarm.
  • Niere als Filter mit dreifachem Schritt (Filtration, Resorption, Sekretion).
  • ADH/Aldosteron als hormonelle Steuerung.

Typische Fehler

  • Verdauung beginnt im Magen - tatsächlich schon im Mund (Amylase).
  • Niere "filtert nur Wasser" - sie filtert das gesamte Blutplasma mehrfach am Tag.
  • Galle als Verdauungsenzym - tatsächlich nur Emulgator.

Aktive Wiederholung

Erläutere am Nephron, wie Primärharn zu Endharn wird, und welche Hormone den Wasserhaushalt regulieren.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: OpenStax Anatomy & Physiology 2e, Kap. 25 Urinary System (OpenStax)

§ 05

Immunsystem und Fortpflanzung#

●●○StandardLPBIO-Hum-6.4

Kernpunkte

Die Immunabwehr arbeitet in zwei Linien. Die unspezifische (angeborene) Abwehr wirkt sofort und gegen alles: Haut und Schleimhäute als Barriere, Magensäure und Lysozym als chemischer Schutz, dazu zellulär die Makrophagen, Granulozyten und natürlichen Killerzellen sowie humoral das Komplementsystem und die Interferone.
Reicht das nicht, übernimmt die spezifische (adaptive) Abwehr - langsamer, aber gezielt und mit Gedächtnis. Ihre Träger sind die Lymphozyten: T-Zellen (Helfer-, Killer- und Regulatorzellen) und B-Zellen, die zu Plasmazellen reifen und Antikörper produzieren. Die T-Helferzelle ist der Dirigent, der beide Abwehrarme aktiviert.
Antikörper sind Y-förmige Proteine (), keine Zellen - ein häufiger Fehler. Mit ihren variablen Enden binden sie hochspezifisch ein Antigen und wirken auf drei Wegen: Neutralisation (sie blockieren den Erreger), Opsonierung (sie markieren ihn für Fresszellen) und Aktivierung des Komplementsystems. Die Klassen IgG, IgM, IgA, IgE und IgD haben dabei unterschiedliche Aufgaben.

Antikörper (IgG) - Y-Struktur

Fc (konstant) Fab Fab Antigen-Bindung Disulfid-Brücken
Abb. 7Zwei schwere und zwei leichte Ketten, Disulfidbrücken, variable Region (Fab) bindet Antigen.
Auf diesem Gedächtnis beruht die aktive Impfung: Abgetötete oder abgeschwächte Erreger - oder, modern, eine mRNA mit dem Bauplan eines Antigens - lösen eine eigene Immunantwort samt Gedächtniszellen aus, ohne die Krankheit zu durchlaufen (). Bei der passiven Immunisierung werden dagegen fertige Antikörper gespritzt: sofort wirksam, aber ohne Gedächtnis und damit kurzlebig.

Antikörper-Konzentration nach Erstkontakt vs. Booster

Antikörper: Erstkontakt vs. BoosterLiniendiagramm: Antikörper (rel.) nach t / Tage01234567020406080100120140Antikörper (rel.)t / Tage
Abb. 8Sekundärantwort ist schneller, höher, länger (immunologisches Gedächtnis).
Das Immunsystem kann auch fehlgehen: Eine Allergie ist eine überschiessende Typ-I-Reaktion, bei der IgE die Mastzellen zur Histaminausschüttung bringt; Autoimmunkrankheiten (Multiple Sklerose, Rheuma) entstehen, wenn die Selbsttoleranz versagt und körpereigenes Gewebe angegriffen wird.
Die Fortpflanzung beruht auf der Bildung der Keimzellen durch Meiose. Die Spermatogenese läuft ab der Pubertät kontinuierlich; die Oogenese beginnt schon vorgeburtlich und ist dann arretiert - die Meiose I wird erst pro Zyklus ab der Pubertät, die Meiose II erst bei der Befruchtung abgeschlossen. Ein hormoneller Zyklus aus FSH, LH, Östrogen und Progesteron steuert Eireifung, Eisprung und Menstruation.
Die Befruchtung erfolgt im Eileiter; die anschliessende Schwangerschaft dauert etwa 38-40 Wochen. Eine Schlüsselrolle spielt die Plazenta: Sie ist Austauschorgan für Nährstoffe, Gase und Abfallstoffe zwischen Mutter und Kind UND eine Hormondrüse (hCG, Östrogen, Progesteron), die die Schwangerschaft aufrechterhält.
Musterbeispiel

Antikörperkurve - Erst- und Zweitkontakt deuten

Eine Titerkurve zeigt nach dem Erstkontakt erst nach 1-2 Wochen einen niedrigen Antikörperanstieg, nach dem Zweitkontakt einen sehr schnellen und hohen. Erkläre den Unterschied.

  1. 01Primärantwort

    Beim Erstkontakt müssen passende B-Zellen erst selektiert werden und zu Plasmazellen reifen - daher die Verzögerung und der niedrige Titer.

  2. 02Gedächtnisbildung

    Neben Plasmazellen entstehen langlebige Gedächtniszellen, die das Antigen „merken".

  3. 03Sekundärantwort

    Beim Zweitkontakt werden die Gedächtniszellen sofort aktiviert - der Titer steigt schneller, höher und besteht aus affineren IgG.

  4. 04Anwendung

    Genau darauf beruhen Auffrischimpfungen (Booster): Sie heben den Gedächtnis-Pool und damit die Schutzwirkung.

Ergebnis: Die Sekundärantwort ist schneller und stärker, weil Gedächtniszellen aus dem Erstkontakt bereitstehen - das ist die Grundlage des Impfschutzes.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Antikörper sind die spezifischen Suchwaffen des Immunsystems - Y-foermig, mit Bindetasche für das Antigen.

    Antikörper (IgG) - Y-Struktur

    Fc (konstant) Fab Fab Antigen-Bindung Disulfid-Brücken
    Abb.Zwei schwere und zwei leichte Ketten, Disulfidbrücken, variable Region (Fab) bindet Antigen.
  2. 2

    Aktive Impfung trainiert das Immunsystem, passive Impfung gibt fertige Antikörper - schnell, aber kurz.

  3. 3

    Beim zweiten Kontakt reagiert das Immunsystem schneller und höher - das nennt sich Gedächtnis.

    Antikörper-Konzentration nach Erstkontakt vs. Booster

    Antikörper: Erstkontakt vs. BoosterLiniendiagramm: Antikörper (rel.) nach t / Tage01234567020406080100120140Antikörper (rel.)t / Tage
    Abb.Sekundärantwort ist schneller, höher, länger (immunologisches Gedächtnis).

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank5 Punkte

Aufgabenstellung

Erläutere das Prinzip der aktiven Immunisierung am Beispiel einer mRNA-Impfung.

Maturafokus

  • Unspezifische vs. spezifische Abwehr trennen, Zellen zuordnen.
  • Aktive vs. passive Impfung unterscheiden.
  • Menstruationszyklus mit FSH/LH/Östrogen/Progesteron-Verlauf erklären.

Typische Fehler

  • Antikörper als Zellen statt Proteine.
  • T-Helfer mit T-Killer verwechselt.
  • Aktive und passive Impfung verwechselt (passiv = fertige Antikörper, kein Gedächtnis).

Aktive Wiederholung

Erläutere am Beispiel der mRNA-Impfung gegen COVID-19, wie eine spezifische Immunantwort entsteht.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Robert Koch-Institut - Epidemiologisches Bulletin (RKI)

§ 06

Bewegungsapparat - Knochen, Gelenke und Muskelkontraktion#

●●○StandardLPBIO-Hum-6.1

Kernpunkte

Der Bewegungsapparat erfüllt mehrere Aufgaben zugleich: Das Skelett stützt den Körper, schützt empfindliche Organe (Schädel, Brustkorb), dient als Hebelsystem für die Bewegung, bildet im roten Knochenmark die Blutzellen und speichert Mineralstoffe (Calcium, Phosphat). Knochen ist also weit mehr als ein totes Gerüst.
Der Knochen ist sogar ein lebendes, ständig umgebautes Gewebe: Aussen liegt die feste Kompakta, innen die schwammartige Spongiosa mit ihren Trabekeln, die entlang der Belastungslinien ausgerichtet sind. Osteoblasten bauen Knochensubstanz auf, Osteoklasten bauen sie ab - dieses Gleichgewicht passt den Knochen lebenslang an die Belastung an.
Beweglich wird das Skelett durch Gelenke, deren Bautyp die möglichen Bewegungsrichtungen festlegt: Kugelgelenke (Schulter, Hüfte) erlauben Bewegung in alle Richtungen, Scharniergelenke (Ellbogen, Knie) nur in einer Ebene, dazu kommen Dreh- und Sattelgelenke.
Bewegt wird über drei Muskeltypen: die quergestreifte Skelettmuskulatur (willkürlich steuerbar), die glatte Muskulatur (unwillkürlich, in den Organwänden) und die Herzmuskulatur (quergestreift, aber unwillkürlich und unermüdlich).
Wie ein Muskel sich verkürzt, erklärt die Gleitfilamenttheorie: Im Sarkomer gleiten die dünnen Aktin- und die dicken Myosinfilamente ineinander. Die Myosinköpfe binden an das Aktin, kippen unter ATP-Verbrauch (Kraftschlag) und ziehen das Aktin in die Mitte - das Sarkomer und damit der ganze Muskel wird kürzer, ohne dass die Filamente selbst schrumpfen.
Ausgelöst wird das durch die Erregungs-Kontraktions-Kopplung (): Ein Aktionspotential lässt CaX2+\ce{Ca^{2+}}CaX2+ aus dem sarkoplasmatischen Retikulum frei; das Calcium gibt die Bindungsstellen am Aktin frei, sodass die Myosinköpfe überhaupt angreifen können (vgl. Thema Nervensystem). Calcium ist der Auslöser, ATP der Treibstoff.

Erregungs-Kontraktions-Kopplung

Erregungs-Kontraktions-KopplungNetzgraph, Aktionspotential am Muskel → Calcium-Freisetzung, Calcium-Freisetzung → Bindungsstellen am Aktin frei, Bindungsstellen am Aktin frei → Myosinköpfe ziehen (ATP), Myosinköpfe ziehen (ATP) → Sarkomer verkürzt sichAktionspotentialam MuskelCalcium-FreisetzungBindungsstellenam Aktin freiMyosinköpfeziehen (ATP)Sarkomerverkürzt sich
Abb. 9Vom Aktionspotential über die Calcium-Freisetzung aus dem sarkoplasmatischen Retikulum bis zur Verkürzung des Sarkomers (Gleitfilamenttheorie).
Schliesslich arbeiten Muskeln nach dem Antagonistenprinzip: Da ein Muskel nur ZIEHEN, nie drücken kann, braucht jede Bewegung einen Gegenspieler. Beuger und Strecker - etwa Bizeps und Trizeps - wirken gegensinnig: Der eine kontrahiert, während der andere erschlafft, und umgekehrt.
Musterbeispiel

Gleitfilamenttheorie - Schritte ordnen

Ordne die Schritte der Muskelkontraktion vom ankommenden Aktionspotential bis zur Verkürzung und erkläre die Rolle von Calcium und ATP.

  1. 011. Erregung

    Ein Aktionspotential erreicht die Muskelfaser und breitet sich über die T-Tubuli aus.

  2. 022. Calcium frei

    Das sarkoplasmatische Retikulum schüttet CaX2+\ce{Ca^{2+}}CaX2+ aus; Calcium bindet an Troponin und gibt die Bindungsstellen am Aktin frei.

  3. 033. Querbrücken

    Myosinköpfe binden an Aktin und kippen (Kraftschlag) - das Aktin wird ins Sarkomer gezogen.

  4. 044. ATP löst

    ATP löst den Myosinkopf wieder vom Aktin und spannt ihn neu; der Zyklus wiederholt sich, solange Calcium vorhanden ist.

Ergebnis: Reihenfolge: AP -> Calcium-Freisetzung -> Aktin frei -> Myosin zieht -> Sarkomer verkürzt. Calcium ist der Auslöser, ATP der Treibstoff - ohne ATP bleibt der Muskel starr (Totenstarre).

Schritt-für-Schritt Erklärung2 Schritte
  1. 1

    Knochen sind lebendig - Osteoblasten bauen auf, Osteoklasten ab, lebenslang im Umbau.

    Erregungs-Kontraktions-Kopplung

    Erregungs-Kontraktions-KopplungNetzgraph, Aktionspotential am Muskel → Calcium-Freisetzung, Calcium-Freisetzung → Bindungsstellen am Aktin frei, Bindungsstellen am Aktin frei → Myosinköpfe ziehen (ATP), Myosinköpfe ziehen (ATP) → Sarkomer verkürzt sichAktionspotentialam MuskelCalcium-FreisetzungBindungsstellenam Aktin freiMyosinköpfeziehen (ATP)Sarkomerverkürzt sich
    Abb.Vom Aktionspotential über die Calcium-Freisetzung aus dem sarkoplasmatischen Retikulum bis zur Verkürzung des Sarkomers (Gleitfilamenttheorie).
  2. 2

    Muskeln ziehen nur, nie drücken - deshalb arbeiten Beuger und Strecker als Gegenspieler.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank4.5 Punkte

Aufgabenstellung

Erläutere die Gleitfilamenttheorie der Muskelkontraktion und die Rolle von Calcium und ATP. Begründe, warum Muskeln als Antagonisten arbeiten.

Maturafokus

  • Funktionen des Skeletts vollständig nennen.
  • Gleitfilamenttheorie mit Rolle von ATP und Calcium erklären.
  • Antagonistenprinzip am Bizeps/Trizeps darstellen.

Typische Fehler

  • Muskeln können "drücken" - tatsächlich können sie nur ziehen, daher die Antagonisten.
  • Osteoblasten (Aufbau) und Osteoklasten (Abbau) in der Funktion vertauscht.
  • Rolle des Calciums als Auslöser der Kontraktion vergessen.

Aktive Wiederholung

Erläutere die Gleitfilamenttheorie der Muskelkontraktion und die Rolle von ATP und Calcium.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Inhalt

Abschnitt -- / 06

    • 01Nervensystem - Aktionspotential und Synapse●
    • 02Hormonsystem und Homöostase◐
    • 03Herz-Kreislauf-System und Atmung◐
    • 04Verdauung und Niere◐
    • 05Immunsystem und Fortpflanzung◐
    • 06Bewegungsapparat - Knochen, Gelenke und Muskelkontraktion◐

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Aus den Notizen ins Training

Humanbiologie (BIO-Hum)

Festige dieses Thema an passenden Aufgaben aus der Fragenbank.

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Kompetenzen
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Beispielfrage

Erläutere die Entstehung und Weiterleitung eines Aktionspotentials.

5 BE · 2023

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Belege & Quellen

Quellen

Journal of Physiology

  • Hodgkin A L, Huxley A F (1952) J Physiol 117:500-544

Thieme

  • Silbernagl - Taschenatlas Physiologie

OpenStax

  • OpenStax Anatomy & Physiology 2e, Kap. 25 Urinary System

RKI

  • Robert Koch-Institut - Epidemiologisches Bulletin

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