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Notizen/Biologie/Biochemie und Stoffwechsel (BIO-Bio)
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Biochemie und Stoffwechsel (BIO-Bio)

Biomoleküle (Kohlenhydrate, Lipide, Proteine, Nukleinsäuren), Enzymkinetik (Michaelis-Menten), Photosynthese (Licht- und Dunkelreaktion, C3/C4/CAM), Zellatmung (Glykolyse, Citratzyklus, Atmungskette) und alternative Stoffwechselwege.

6 Abschnitte·~20 Min Lesezeit·4 Kompetenzen·Niveau Basis 2 · Standard 3 · Vertiefung 1·Stand 06/2026

T·0222 / 10
Prüfungsprofil
BIO-Bio-2.1 · Biomoleküle und ihre Funktionen erklärenBIO-Bio-2.2 · Enzymkinetik und Regulation beschreibenBIO-Bio-2.3 · Photosynthese als Energiewandlung erläuternBIO-Bio-2.4 · Zellatmung und Energiegewinnung darstellen
Tiefe

Lesetiefe: Vertiefung

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Inhalt · 6 Abschnitte▾
  1. Biochemie und Stoffwechsel (BIO-Bio)
    • 01Biomoleküle - Kohlenhydrate, Lipide, Proteine, Nukleinsäuren○
    • 02Enzymkinetik - Michaelis-Menten und Regulation◐
    • 03Photosynthese - Licht- und Dunkelreaktion◐
    • 04Zellatmung - Glykolyse, Citratzyklus, Atmungskette●
    • 05ATP, Energiekopplung und Stoffwechselwege◐
    • 06Nährstoffe, Vitamine und Enzymklassen○
§ 01

Biomoleküle - Kohlenhydrate, Lipide, Proteine, Nukleinsäuren#

●○○BasisLPBIO-Bio-2.1

Kernpunkte

Das Leben baut aus erstaunlich wenigen Stoffklassen erstaunlich viel: Vier Gruppen von Makromolekülen tragen praktisch alle Funktionen - Kohlenhydrate, Lipide, Proteine und Nukleinsäuren. Sie entstehen durch Kondensation kleiner Bausteine (Monomere) zu Polymeren und werden umgekehrt durch Hydrolyse wieder gespalten - ein Prinzip, das sich durch die ganze Biochemie zieht.
Kohlenhydrate sind die schnelle Energie- und Strukturklasse: Monosaccharide wie Glucose und Fructose sind die Bausteine, Disaccharide (Saccharose, Lactose) ihre Paare. Polysaccharide unterscheiden sich oft nur durch die Verknüpfung - Stärke und Glykogen (alpha-glykosidisch) sind Energiespeicher, während Cellulose und Chitin (beta-glykosidisch) Stützstrukturen bilden. Selbe Bausteine, andere Bindung, völlig andere Eigenschaften.
Lipide sind durch ihre Wasserunlöslichkeit (hydrophob) definiert, nicht durch eine gemeinsame Struktur: Triglyceride sind dichte Energiespeicher, Phospholipide bilden mit ihrem amphiphilen Bau die Membranen (Thema Biomembran), und Steroide wie Cholesterin sind Membranbaustein und Hormonvorstufe zugleich.
Proteine sind die Arbeitstiere der Zelle: Aus 20 Aminosäuren, über Peptidbindungen verknüpft, falten sie sich in vier Ebenen - Primärstruktur (die Sequenz), Sekundärstruktur (Alpha-Helix und Beta-Faltblatt durch H-Brücken), Tertiärstruktur (die dreidimensionale Faltung) und Quartärstruktur (Zusammenlagerung mehrerer Untereinheiten). Die Funktionen reichen von Enzymen über Transport (Hämoglobin) und Struktur (Kollagen) bis zu Abwehr (Antikörper) und Bewegung (Myosin) - und folgen stets der Faltung.
Nukleinsäuren speichern und übertragen die Erbinformation (): Die DNA ist ein Doppelstrang aus Desoxyribose-Nukleotiden mit den Basen A, T, G, C; die RNA ist einsträngig, trägt Ribose und statt Thymin den Baustein Uracil. Beide bestehen aus Nukleotiden (Zucker + Phosphat + Base) - die Reihenfolge der Basen ist der genetische Code.

DNA-Doppelhelix — Basenpaarung A=T, G≡C

5' 3' 3' 5' A = T G ≡ C T = A C ≡ G A = T
Abb. 1Antiparallele Stränge mit Zucker-Phosphat-Rückgrat; Wasserstoffbrücken zwischen Basen (A-T zwei, G-C drei).
Über allem steht das Wasser als Lösungsmittel des Lebens: Seine Polarität und die Wasserstoffbrücken erklären die hohe Wärmekapazität (Temperaturpuffer), die Oberflächenspannung und die Dichteanomalie (Eis schwimmt, Gewässer frieren von oben zu). Ohne diese Eigenschaften wäre die Biochemie, wie wir sie kennen, nicht möglich.
Peptidbindung:  H2N−CHR−COOH+H2N−CHR′−COOH→H2N−CHR−CO−NH−CHR′−COOH+H2O\text{Peptidbindung:}\;\mathrm{H_{2}N-CHR-COOH} + \mathrm{H_{2}N-CHR'-COOH} \rightarrow \mathrm{H_{2}N-CHR-CO-NH-CHR'-COOH} + \mathrm{H_{2}O}Peptidbindung:H2​N−CHR−COOH+H2​N−CHR′−COOH→H2​N−CHR−CO−NH−CHR′−COOH+H2​O

Bildung einer Peptidbindung

Musterbeispiel

Nährstoffnachweise interpretieren

Eine unbekannte Lebensmittelprobe zeigt: mit Lugolscher Lösung eine blau-schwarze Färbung, mit Biuret-Reagenz keine Farbänderung, und die Fehling-Probe bleibt zunächst blau - erst nach saurer Hydrolyse und erneutem Erhitzen wird sie ziegelrot. Um welchen Stoff handelt es sich, und wie erklärst du die Befunde?

  1. 01Schritt 1 - Lugol-Probe

    Die blau-schwarze Färbung ist der spezifische Nachweis für Stärke (Iod lagert sich in die Helix der Amylose ein).

  2. 02Schritt 2 - Biuret negativ

    Keine Violettfärbung bedeutet: keine Peptidbindungen, also kein Protein.

  3. 03Schritt 3 - Fehling zunächst negativ

    Stärke besitzt kaum freie, reduzierende Aldehydgruppen und reduziert das CuX2+\ce{Cu^2+}CuX2+ daher nicht.

  4. 04Schritt 4 - Fehling nach Hydrolyse positiv

    Die saure Hydrolyse spaltet die Stärke in Glucose; deren freie Aldehydgruppen reduzieren nun CuX2+\ce{Cu^2+}CuX2+ zu rotem CuX2O\ce{Cu2O}CuX2​O.

Ergebnis: Die Probe ist Stärke - ein Polysaccharid aus Glucose. Lugol weist das Polymer direkt nach; die Fehling-Probe schlägt erst an, wenn die Hydrolyse die reduzierenden Glucose-Bausteine freilegt - ein schönes Beispiel dafür, wie die Struktur die Nachweisreaktion bestimmt.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Vier Molekülklassen tragen das Leben: Zucker für Energie/Struktur, Fette für Speicher/Membran, Proteine für Arbeit, Nukleinsäuren für Information.

  2. 2

    Proteine sind die Tausendsassas - jede Funktion in der Zelle wird letztlich von Proteinen ausgeführt.

  3. 3

    DNA ist die Bibliothek, RNA der Lieferdienst - sie bringt Baupläne aus dem Kern zu den Ribosomen.

    DNA-Doppelhelix — Basenpaarung A=T, G≡C

    5' 3' 3' 5' A = T G ≡ C T = A C ≡ G A = T
    Abb.Antiparallele Stränge mit Zucker-Phosphat-Rückgrat; Wasserstoffbrücken zwischen Basen (A-T zwei, G-C drei).

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank4 Punkte

Aufgabenstellung

Erläutere die vier Strukturebenen eines Proteins am Beispiel des Hämoglobins.

Maturafokus

  • Vier Strukturebenen von Proteinen mit Beispiel souverän erklären.
  • Stärke/Glykogen vs. Cellulose - selbe Bausteine, andere Bindung (Alpha vs. Beta).
  • DNA vs. RNA in drei Punkten unterscheiden.

Typische Fehler

  • Triglyceride als Phospholipide beschrieben.
  • Sekundärstruktur mit Tertiärstruktur verwechselt.
  • Ribose vs. Desoxyribose verwechselt.

Aktive Wiederholung

Vergleiche Stärke und Cellulose - selbe Bausteine, warum so unterschiedliche Eigenschaften?

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Campbell Biology, Kap. 5 Biological Macromolecules (Pearson)

§ 02

Enzymkinetik - Michaelis-Menten und Regulation#

●●○StandardLPBIO-Bio-2.2

Kernpunkte

Viele lebenswichtige Reaktionen liefen ohne Hilfe unmessbar langsam ab - Enzyme als Biokatalysatoren beschleunigen sie um viele Grössenordnungen, indem sie die Aktivierungsenergie EAE_AEA​ senken (). Wichtig ist dabei: Sie verschieben das Gleichgewicht nicht und gehen unverbraucht aus der Reaktion hervor; sie machen den Weg leichter, nicht das Ziel anders.

Enzymkatalyse - Energiediagramm

Enzymkatalyse: AktivierungsenergieEnergiediagramm, 2 Zustände, Aktivierungsenergie Eₐ = 60, Reaktionsenthalpie ΔH = 0ohne Enzymmit Enzym (EA kleiner)EaEduktProduktEnergieReaktionsverlauf
Abb. 2Enzym senkt Aktivierungsenergie EA, Reaktionsenthalpie bleibt gleich.
Enzyme arbeiten hochspezifisch: Die Substratspezifität (Schlüssel-Schloss-Prinzip, verfeinert zum „induced fit", bei dem sich das aktive Zentrum dem Substrat anpasst) bestimmt, welches Molekül gebunden wird; die Wirkungsspezifität legt fest, welche Reaktionsart katalysiert wird. So entsteht im molekularen Gewimmel der Zelle geordnete Selektivität.
Weil Enzyme Proteine sind, hängt ihre Aktivität von Temperatur und pH ab: Mit der Temperatur steigt sie bis zum Optimum (beim Menschen ca. 37 °C), darüber denaturiert das Protein und die Aktivität bricht ein. Auch der pH hat ein Optimum - Pepsin im Magen bei pH 2, Trypsin im Dünndarm bei pH 8 -, das genau zum jeweiligen Wirkort passt.
Quantitativ beschreibt die Michaelis-Menten-Kinetik die Abhängigkeit von der Substratkonzentration: v=Vmax⁡[S]Km+[S]v = \dfrac{V_{\max}[S]}{K_m + [S]}v=Km​+[S]Vmax​[S]​ ergibt eine Sättigungskurve (). Bei [S]=Km[S] = K_m[S]=Km​ ist gerade v=Vmax⁡/2v = V_{\max}/2v=Vmax​/2; der KmK_mKm​-Wert misst daher die Affinität - ein kleiner KmK_mKm​ bedeutet, dass schon wenig Substrat halbmaximale Geschwindigkeit erzeugt.

Michaelis-Menten - v gegen [S]

Michaelis-Menten-KinetikSchaubild von v([S]), Nullstellen bei x = 0, y-Achsenabschnitt bei y = 0, steigend, im Bereich x von 0 bis 20, waagerechte Asymptote bei y = 151015200.20.40.60.81Kmv = Vmax/2Vmaxv([S])v (rel.)[S] / (mmol/L)
Abb. 3Sättigungskurve; bei [S] = Km ist v = Vmax/2. Vmax ist die waagrechte Asymptote.
Enzyme lassen sich gezielt hemmen, was prüfungsrelevant ist: Ein kompetitiver Hemmstoff besetzt das aktive Zentrum (er erhöht den scheinbaren KmK_mKm​, Vmax⁡V_{\max}Vmax​ bleibt, weil viel Substrat ihn verdrängen kann); ein nicht-kompetitiver bindet allosterisch an anderer Stelle (er senkt Vmax⁡V_{\max}Vmax​, KmK_mKm​ bleibt). Im doppelt-reziproken Lineweaver-Burk-Diagramm trennt man beide an Achsenabschnitt und Steigung. Irreversible Hemmstoffe wie Penicillin blockieren das Enzym dauerhaft.
Stoffwechselwege regulieren sich oft selbst durch Feedback: Das Endprodukt einer Kette hemmt allosterisch das erste Enzym (z. B. Isoleucin die Threonin-Dehydratase) - so produziert die Zelle nur, was sie tatsächlich braucht. Damit verbindet die Enzymregulation die Biochemie mit der bedarfsgerechten Steuerung des gesamten Stoffwechsels.
v=Vmax⁡ [S]Km+[S]v = \dfrac{V_{\max}\,[S]}{K_{m} + [S]}v=Km​+[S]Vmax​[S]​

Michaelis-Menten-Kinetik

1v=KmVmax⁡⋅1[S]+1Vmax⁡\dfrac{1}{v} = \dfrac{K_{m}}{V_{\max}}\cdot\dfrac{1}{[S]} + \dfrac{1}{V_{\max}}v1​=Vmax​Km​​⋅[S]1​+Vmax​1​

Lineweaver-Burk-Linearisierung

Musterbeispiel

Michaelis-Menten - Reaktionsgeschwindigkeit berechnen

Ein Enzym hat Vmax=100 μmol/minV_{max} = 100\ \mu mol/minVmax​=100 μmol/min und KM=2 mmol/LK_M = 2\ mmol/LKM​=2 mmol/L. Berechne die Reaktionsgeschwindigkeit bei einer Substratkonzentration von 6 mmol/L.

  1. 01Michaelis-Menten-Gleichung

    v=Vmax⋅[S]KM+[S]v = \dfrac{V_{max}\cdot [S]}{K_M + [S]}v=KM​+[S]Vmax​⋅[S]​.

  2. 02Werte einsetzen

    v=100⋅62+6=6008v = \dfrac{100\cdot 6}{2 + 6} = \dfrac{600}{8}v=2+6100⋅6​=8600​.

  3. 03Ausrechnen

    v=75 μmol/minv = 75\ \mu mol/minv=75 μmol/min.

  4. 04Interpretation

    Bei [S]=3⋅KM[S] = 3\cdot K_M[S]=3⋅KM​ erreicht das Enzym bereits 75 % von VmaxV_{max}Vmax​ - die Sättigungskurve flacht ab.

Ergebnis: Die Reaktionsgeschwindigkeit beträgt 75 mu mol/min (75 % von Vmax); bei [S] = KM wäre genau die halbe Maximalgeschwindigkeit erreicht.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Enzyme sind keine Magie - sie stabilisieren den Übergangszustand und senken die Aktivierungsenergie.

    Enzymkatalyse - Energiediagramm

    Enzymkatalyse: AktivierungsenergieEnergiediagramm, 2 Zustände, Aktivierungsenergie Eₐ = 60, Reaktionsenthalpie ΔH = 0ohne Enzymmit Enzym (EA kleiner)EaEduktProduktEnergieReaktionsverlauf
    Abb.Enzym senkt Aktivierungsenergie EA, Reaktionsenthalpie bleibt gleich.
  2. 2

    Km ist die Substratkonzentration, bei der das Enzym halbmaximal arbeitet - ein Mass für Affinität.

    Michaelis-Menten - v gegen [S]

    Michaelis-Menten-KinetikSchaubild von v([S]), Nullstellen bei x = 0, y-Achsenabschnitt bei y = 0, steigend, im Bereich x von 0 bis 20, waagerechte Asymptote bei y = 151015200.20.40.60.81Kmv = Vmax/2Vmaxv([S])v (rel.)[S] / (mmol/L)
    Abb.Sättigungskurve; bei [S] = Km ist v = Vmax/2. Vmax ist die waagrechte Asymptote.
  3. 3

    Bei kompetitiver Hemmung sieht man im Lineweaver-Burk-Plot denselben Y-Achsenabschnitt, aber unterschiedliche X-Abschnitte.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank5 Punkte

Aufgabenstellung

Beschreibe die Wirkung von Temperatur und pH auf die Enzymaktivität am Beispiel von Verdauungsenzymen.

Maturafokus

  • Michaelis-Menten-Gleichung mit Bedeutung von Km souverän vortragen.
  • Kompetitive vs. nicht-kompetitive Hemmung im Lineweaver-Burk-Diagramm unterscheiden.
  • Beispiel für Feedback-Hemmung (Threonin -> Isoleucin) bereitlegen.

Typische Fehler

  • Enzyme als Verbraucher dargestellt - sie werden nicht verbraucht.
  • Km als Geschwindigkeit interpretiert - es ist eine Substratkonzentration.
  • Kompetitive Hemmung mit allosterischer Hemmung vertauscht.

Aktive Wiederholung

Erkläre am Lineweaver-Burk-Plot, wie man kompetitive und nicht-kompetitive Hemmung unterscheidet.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: OpenStax Biology 2e, Kap. 6.5 Enzymes (OpenStax)

§ 03

Photosynthese - Licht- und Dunkelreaktion#

●●○StandardLPBIO-Bio-2.3

Kernpunkte

Die Photosynthese ist die wichtigste Energiewandlung der Biosphäre: Sie speichert Lichtenergie in Zucker und liefert nebenbei den Sauerstoff der Atmosphäre. Die Bruttogleichung 6 COX2+6 HX2O→LichtCX6HX12OX6+6 OX2\ce{6 CO2 + 6 H2O ->[Licht] C6H12O6 + 6 O2}6COX2​+6HX2​OLicht​CX6​HX12​OX6​+6OX2​ fasst das zusammen, verbirgt aber, dass zwei verschiedene Teilprozesse in verschiedenen Räumen des Chloroplasten ablaufen ().

Photosynthese - Licht- und Dunkelreaktion

Lichtreaktion (Thylakoid) H2O -> 1/2 O2 + 2 H+ + 2 e- PSII -> Cyt b6f -> PSI Protonengradient -> ATP-Synthase Produkte: ATP, NADPH + O2 (Abfall) Calvin-Zyklus (Stroma) CO2 + RuBP -> 3-PGA (RuBisCO) Reduktion mit ATP + NADPH Regeneration RuBP G3P -> Glucose, Stärke ATP, NADPH ADP, NADP+
Abb. 4Lichtreaktion in Thylakoiden produziert ATP+NADPH und O2; Calvin-Zyklus im Stroma fixiert CO2 zu G3P.
Die Lichtreaktion läuft in der Thylakoidmembran: Das Photosystem II spaltet Wasser (der Sauerstoff ist dabei nur Abfall), die Elektronen wandern über eine Elektronentransportkette zum Photosystem I und schliesslich auf NADPX+\ce{NADP+}NADPX+, das zu NADPH reduziert wird. Gleichzeitig entsteht ein Protonengradient, dessen Rückstrom die ATP-Synthase antreibt. Produkte sind also ATP und NADPH - die „Energiewährung" für den zweiten Schritt.
Im Calvin-Zyklus (Stroma) wird diese Energie genutzt, um COX2\ce{CO2}COX2​ zu Zucker aufzubauen: Das Enzym RuBisCO bindet COX2\ce{CO2}COX2​ an den C5-Körper RuBP, woraus 3-PGA entsteht; mit ATP und NADPH wird daraus G3P reduziert, ein Teil regeneriert RuBP. Sechs Umläufe (also 6 fixierte COX2\ce{CO2}COX2​) liefern ein Glucose-Molekül. Er heisst „Dunkelreaktion", läuft aber auch tagsüber - nur eben nicht direkt lichtabhängig.
C3-Pflanzen (Weizen, Reis) fixieren COX2\ce{CO2}COX2​ direkt über RuBisCO. Ihr Problem: Bei Hitze und geschlossenen Stomata sinkt das COX2/OX2\ce{CO2}/\ce{O2}COX2​/OX2​-Verhältnis, und RuBisCO bindet versehentlich OX2\ce{O2}OX2​ statt COX2\ce{CO2}COX2​ (Photorespiration) - das kostet Energie und fixierten Kohlenstoff.
C4-Pflanzen (Mais, Zuckerrohr) umgehen das durch räumliche Trennung: In den Mesophyllzellen fixiert die hocheffiziente PEP-Carboxylase COX2\ce{CO2}COX2​ vor, das angereichert in die Bundelscheidenzellen gelangt, wo der Calvin-Zyklus bei hoher COX2\ce{CO2}COX2​-Konzentration ungestört läuft. Das lohnt sich besonders in heissen, sonnigen Gebieten.
CAM-Pflanzen (Kakteen, Ananas) trennen stattdessen zeitlich: Nachts öffnen sie ihre Stomata und speichern COX2\ce{CO2}COX2​ als Malat; tagsüber bleiben die Stomata geschlossen (kaum Wasserverlust), und das Malat speist den Calvin-Zyklus. Diese Lösung ist ideal für trockene Wüstenstandorte - ein Lehrbuchbeispiel für Anpassung an das Klima.
Die Photosyntheserate wird von mehreren Faktoren begrenzt, die nach dem Minimumgesetz wirken: Lichtintensität, COX2\ce{CO2}COX2​-Konzentration und Temperatur. Jeder Faktor lässt sich bis zur Sättigung steigern, danach begrenzt der nächste. Über ihren COX2\ce{CO2}COX2​-Verbrauch ist die Photosynthese zugleich die wichtigste Kohlenstoffsenke der Erde (Thema Ökologie/Klima).
6 CO2+6 H2O→LichtC6H12O6+6 O26\,\mathrm{CO_{2}} + 6\,\mathrm{H_{2}O} \xrightarrow{\text{Licht}} \mathrm{C_{6}H_{12}O_{6}} + 6\,\mathrm{O_{2}}6CO2​+6H2​OLicht​C6​H12​O6​+6O2​

Photosynthese (Bruttogleichung)

Musterbeispiel

Hill-Reaktion - Sauerstoff aus Wasser

Berechne, wie viele Mol OX2\ce{O2}OX2​ und wie viele Mol Elektronen aus 12 mol HX2O\ce{H2O}HX2​O in der Lichtreaktion entstehen.

  1. 01Schritt 1 - Stöchiometrie ansetzen

    Die Photolyse durch das Photosystem II spaltet Wasser: 2 HX2O→OX2+4 HX++4 eX−\ce{2 H2O -> O2 + 4 H+ + 4 e-}2HX2​O​OX2​+4HX++4eX−. Pro Mol OX2\ce{O2}OX2​ werden also 2 mol HX2O\ce{H2O}HX2​O verbraucht und 4 mol Elektronen freigesetzt.

  2. 02Schritt 2 - Sauerstoffmenge bestimmen

    Aus 12 mol HX2O\ce{H2O}HX2​O folgt mit dem Verhältnis 2:1 die Sauerstoffmenge: 12/2=612 / 2 = 612/2=6 mol OX2\ce{O2}OX2​.

  3. 03Schritt 3 - Elektronen- und Protonenbilanz

    Pro Mol OX2\ce{O2}OX2​ entstehen 4 mol Elektronen und 4 mol Protonen. Bei 6 mol OX2\ce{O2}OX2​ ergeben sich 6⋅4=246 \cdot 4 = 246⋅4=24 mol Elektronen und ebenso 24 mol HX+\ce{H+}HX+, die den Elektronentransport und den Protonengradienten der Thylakoidmembran speisen.

  4. 04Schritt 4 - Ergebnis interpretieren

    Die 24 mol Elektronen reduzieren NADPX+\ce{NADP+}NADPX+ zu NADPH, der Protonengradient treibt die ATP-Synthase an. Der Sauerstoff ist nur Nebenprodukt der Wasserspaltung, nicht das Ziel der Lichtreaktion.

Ergebnis: 6 mol OX2\ce{O2}OX2​ sowie 24 mol Elektronen und 24 mol HX+\ce{H+}HX+ - genau die Sauerstoffmenge, die in der Bruttogleichung als Nebenprodukt erscheint.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Lichtreaktion macht ATP und NADPH plus Sauerstoff; Calvin-Zyklus baut damit Glucose aus CO2.

    Photosynthese - Licht- und Dunkelreaktion

    Lichtreaktion (Thylakoid) H2O -> 1/2 O2 + 2 H+ + 2 e- PSII -> Cyt b6f -> PSI Protonengradient -> ATP-Synthase Produkte: ATP, NADPH + O2 (Abfall) Calvin-Zyklus (Stroma) CO2 + RuBP -> 3-PGA (RuBisCO) Reduktion mit ATP + NADPH Regeneration RuBP G3P -> Glucose, Stärke ATP, NADPH ADP, NADP+
    Abb.Lichtreaktion in Thylakoiden produziert ATP+NADPH und O2; Calvin-Zyklus im Stroma fixiert CO2 zu G3P.
  2. 2

    RuBisCO ist das häufigste Enzym der Erde - und trotzdem ineffizient, weil es manchmal O2 statt CO2 nimmt.

  3. 3

    C4 und CAM sind ökologische Lösungen für dasselbe Problem: Wasser sparen und Photorespiration vermeiden.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank6 Punkte

Aufgabenstellung

Vergleiche C3-, C4- und CAM-Photosynthese und erkläre die ökologische Bedeutung dieser Anpassungen.

Maturafokus

  • Bruttogleichung mit Bedeutung von Licht/Dunkelreaktion strukturiert vortragen.
  • C3 vs. C4 vs. CAM in einer Vergleichstabelle (Mechanismus, Habitat, Beispiele).
  • Verbindung Photosynthese - Sauerstoffproduktion - Klimarolle (Senke für COX2\ce{CO2}COX2​) herstellen.

Typische Fehler

  • Calvin-Zyklus als "Dunkelreaktion" missverstanden - findet auch am Tag statt, nur nicht direkt lichtabhängig.
  • PEP-Carboxylase als RuBisCO bezeichnet.
  • Bruttogleichung ohne Wasser oder ohne Sauerstoff angegeben.

Aktive Wiederholung

Erkläre, warum C4-Pflanzen in heissen Trockengebieten einen Vorteil gegenüber C3-Pflanzen haben.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Nature Plants - Photosynthesis Reviews (Nature Plants)

§ 04

Zellatmung - Glykolyse, Citratzyklus, Atmungskette#

●●●VertiefungLPBIO-Bio-2.4

Kernpunkte

Die Zellatmung ist gewissermassen die Umkehrung der Photosynthese: Sie verbrennt Glucose kontrolliert und gewinnt die gespeicherte Energie als ATP zurück. Die Bruttogleichung CX6HX12OX6+6 OX2→6 COX2+6 HX2O\ce{C6H12O6 + 6 O2 -> 6 CO2 + 6 H2O}CX6​HX12​OX6​+6OX2​​6COX2​+6HX2​O liefert pro Glucose etwa 30-32 (theoretisch bis 38) ATP - in vier Etappen an verschiedenen Orten der Zelle.
Die Glykolyse läuft im Cytoplasma und ist sauerstoffunabhängig: Glucose wird in zwei Pyruvat zerlegt, netto entstehen 2 ATP und 2 NADH. Sie ist der evolutionär älteste, allen Zellen gemeinsame Abschnitt - die Brücke zwischen anaerobem und aerobem Stoffwechsel.
Vor dem Citratzyklus wird Pyruvat oxidativ decarboxyliert: Im Mitochondrium baut der Pyruvat-Dehydrogenase-Komplex es zu Acetyl-CoA ab und setzt COX2\ce{CO2}COX2​ und NADH frei. Acetyl-CoA ist die zentrale Drehscheibe, in die auch der Fett- und Aminosäureabbau münden.
Der Citratzyklus in der Matrix oxidiert Acetyl-CoA vollständig: Pro Acetyl-CoA entstehen 3 NADH, 1 FADHX2\ce{FADH2}FADHX2​, 1 GTP (≈ ATP) und 2 COX2\ce{CO2}COX2​ - bei zwei Acetyl-CoA pro Glucose also das Doppelte. Hier wird der Kohlenstoff endgültig zu COX2\ce{CO2}COX2​, die Energie aber in Elektronenträgern zwischengelagert.
Den Löwenanteil liefert die Atmungskette in der inneren Mitochondrienmembran (): NADH und FADHX2\ce{FADH2}FADHX2​ geben ihre Elektronen ab, die Komplexe I-IV pumpen damit Protonen in den Intermembranraum, und die ATP-Synthase nutzt deren Rückstrom für rund 26-32 ATP (chemiosmotische Theorie nach Mitchell). FADHX2\ce{FADH2}FADHX2​ liefert weniger ATP als NADH, weil es erst bei Komplex II einspeist.

Mitochondrium - Aufbau und Atmungskette

Mitochondrium: Aufbau und AtmungsketteZelldiagramm, 2 Kompartimente, Daten: äußere Membran, innere Membran (Cristae), Atmungskette, Matrix (Citratzyklus, mtDNA)äußere Membraninnere Membran(Cristae)AtmungsketteMatrix(Citratzyklus, …
Abb. 5Äußere und innere Membran (Cristae), Matrix; Atmungskette in innerer Membran, ATP-Synthase.
Sauerstoff spielt die entscheidende Schlussrolle: Als finaler Elektronenakzeptor nimmt er an Komplex IV die Elektronen auf und wird zu Wasser. Fehlt er, staut sich die ganze Kette zurück und die ATP-Bildung stoppt - deshalb wirkt das Atemgift Cyanid, das Komplex IV blockiert, so schnell tödlich.
Ohne Sauerstoff weicht die Zelle auf die Gärung aus: Milchsäuregärung (im Muskel, bei Lactobacillus) oder alkoholische Gärung (Hefe) regenerieren das in der Glykolyse verbrauchte NADX+\ce{NAD+}NADX+. Das hält die Glykolyse am Laufen, liefert aber nur 2 ATP pro Glucose - rund fünfzehnmal weniger als die aerobe Atmung.
Die Zellatmung verknüpft mehrere Kapitel: Sie läuft an der inneren Membran der einst bakteriellen Mitochondrien ab (Endosymbiose, Thema Zellbiologie), und die Gärung ist die Grundlage vieler biotechnologischer Verfahren (Thema Mikrobiologie). Wer die ATP-Bilanz herleiten kann, beherrscht den energetischen Kern des Stoffwechsels.
C6H12O6+6 O2→6 CO2+6 H2O+32-38 ATP\mathrm{C_{6}H_{12}O_{6}} + 6\,\mathrm{O_{2}} \rightarrow 6\,\mathrm{CO_{2}} + 6\,\mathrm{H_{2}O} + 32\text{-}38\,\mathrm{ATP}C6​H12​O6​+6O2​→6CO2​+6H2​O+32-38ATP

Zellatmung (Bruttogleichung)

Musterbeispiel

ATP-Ausbeute der Zellatmung

Bilanziere die ATP-Ausbeute des vollständigen aeroben Glucoseabbaus. Rechne mit 2,5 ATP je NADH und 1,5 ATP je FADH2.

  1. 01Substratkettenphosphorylierung

    Glykolyse netto 2 ATP + Citratzyklus 2 GTP/ATP = 4 ATP direkt.

  2. 02NADH zählen

    Glykolyse 2 + Pyruvat-Oxidation 2 + Citratzyklus 6 = 10 NADH.

  3. 03FADH2 zählen

    Citratzyklus liefert 2 FADH2.

  4. 04Atmungskette

    10⋅2,5+2⋅1,5=25+3=2810\cdot 2{,}5 + 2\cdot 1{,}5 = 25 + 3 = 2810⋅2,5+2⋅1,5=25+3=28 ATP.

  5. 05Gesamtbilanz

    4+28=324 + 28 = 324+28=32 ATP (abzüglich Transportkosten für cytosolisches NADH praktisch ca. 30-32 ATP).

Ergebnis: Der vollständige aerobe Abbau eines Glucosemoleküls liefert rund 30-32 ATP - etwa 15-mal mehr als die anaerobe Gärung (2 ATP).

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Glykolyse macht 2 ATP, dann geht es ins Mitochondrium - der Löwenanteil entsteht in der Atmungskette.

    Mitochondrium - Aufbau und Atmungskette

    Mitochondrium: Aufbau und AtmungsketteZelldiagramm, 2 Kompartimente, Daten: äußere Membran, innere Membran (Cristae), Atmungskette, Matrix (Citratzyklus, mtDNA)äußere Membraninnere Membran(Cristae)AtmungsketteMatrix(Citratzyklus, …
    Abb.Äußere und innere Membran (Cristae), Matrix; Atmungskette in innerer Membran, ATP-Synthase.
  2. 2

    NADH und FADH2 sind Elektronen-Taxis - sie laden ihre Fracht an Komplex I bzw. II ab.

  3. 3

    Ohne Sauerstoff kein Gradient - Cyanid blockiert Komplex IV, deshalb wirkt es so schnell tödlich.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank5 Punkte

Aufgabenstellung

Erkläre die ATP-Synthese in der Atmungskette mithilfe der chemiosmotischen Theorie von Mitchell.

Maturafokus

  • ATP-Bilanz korrekt: 2 (Glykolyse) + 2 (Citratzyklus GTP) + ca. 28 (Oxidative Phosphorylierung) = ca. 32 ATP.
  • Ort jeder Teilreaktion (Cyto vs. Matrix vs. Membran) sicher angeben.
  • Anaerobe vs. aerobe Energieausbeute begründen können.
  • ATP-Ausbeute aus NADH- und FADH2-Zahl quantitativ herleiten.

Typische Fehler

  • Glykolyse ins Mitochondrium verlegt.
  • NADH und FADHX2\ce{FADH2}FADHX2​ verwechselt (FADHX2\ce{FADH2}FADHX2​ liefert weniger ATP, weil es bei Komplex II einsteigt).
  • OX2\ce{O2}OX2​-Rolle nur als "Atmen" - in Wirklichkeit Endakzeptor in der Atmungskette.

Aktive Wiederholung

Erkläre, warum Cyanid tödlich wirkt - mit Bezug auf die Atmungskette.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Mitchell P (1961) Nature 191:144-148 - Chemiosmosis (Nature)

§ 05

ATP, Energiekopplung und Stoffwechselwege#

●●○StandardLPBIO-Bio-2.2LPBIO-Bio-2.4

Kernpunkte

ATP (Adenosintriphosphat) ist die universelle Energiewährung der Zelle: In den beiden endständigen Phosphat-Anhydridbindungen steckt leicht abrufbare Energie. Die Hydrolyse ATP+HX2O→ADP+PXi\ce{ATP + H2O -> ADP + P_i}ATP+HX2​O​ADP+PXi​ ist stark exergon und liefert die Energie für nahezu jede zelluläre Arbeit ().

ATP/ADP-Kreislauf

ATP/ADP-KreislaufNetzgraph, ATP → ADP + Pi, ADP + Pi → ATPATPADP + PiHydrolyseRegeneration
Abb. 6ATP wird bei zellulärer Arbeit zu ADP + Pi hydrolysiert und vom Katabolismus (Atmung, Photosynthese) immer wieder aufgeladen.
Der eigentliche Trick der Zelle ist die energetische Kopplung: Eine exergone Reaktion - die ATP-Hydrolyse - wird mit einer endergonen verknüpft, die für sich allein nicht ablaufen würde, etwa Biosynthese, aktiver Transport (Na/K-Pumpe) oder Muskelkontraktion. So „bezahlt" ATP energetisch ungünstige Prozesse.
Auf- und Abbau hängen über ATP zusammen (): Der Katabolismus baut Nährstoffe ab und lädt dabei ATP sowie Reduktionsäquivalente (NADH, NADPH) auf; der Anabolismus baut Zellbestandteile auf und gibt diese Energie wieder aus. ATP ist das Bindeglied zwischen beiden Strömen.
Energie wird in der Zelle vor allem über Redoxreaktionen weitergereicht: Die Elektronencarrier NADX+/NADH\ce{NAD+}/\text{NADH}NADX+/NADH und FAD/FADHX2\ce{FAD}/\ce{FADH2}FAD/FADHX2​ transportieren Elektronen von den Abbauwegen zur Atmungskette. Als Merkhilfe gilt: Oxidation ist Elektronenabgabe, Reduktion ist Elektronenaufnahme.
Stoffwechselwege werden bedarfsgerecht reguliert: Bei der Endprodukthemmung (Feedback) bremst das Produkt einer Kette allosterisch das erste Enzym - die Zelle stellt nur her, was gerade gebraucht wird, und verschwendet keine Ressourcen.
Die grossen Stoffwechselwege bilden ein vernetztes Ganzes: Glykolyse, Citratzyklus, Atmungskette, Photosynthese und Gärung sind über gemeinsame Knotenmoleküle wie Pyruvat und Acetyl-CoA verbunden. Dasselbe Acetyl-CoA stammt aus Zucker, Fett oder Eiweiss - die Wege sind teilweise austauschbar.
Die Nährstoffe unterscheiden sich im Energiegehalt: Fett liefert mit rund 38 kJ/g mehr als doppelt so viel wie Kohlenhydrate und Proteine (je ca. 17 kJ/g). Das erklärt, warum Fett der dichteste Energiespeicher des Körpers ist - und leitet zum Thema Nährstoffe und Vitamine über.
ATP+HX2O→ADP+PXi\ce{ATP + H2O -> ADP + P_i}ATP+HX2​O​ADP+PXi​

ATP-Hydrolyse (exergon)

Musterbeispiel

ATP-Umsatz - wie oft wird ATP recycelt?

Ein erwachsener Mensch setzt pro Tag etwa 40 kg ATP um, trägt aber zu jedem Zeitpunkt nur rund 50 g ATP im Körper. Wie oft muss jedes ATP-Molekül im Schnitt pro Tag regeneriert werden?

  1. 01Schritt 1 - Idee

    Der riesige Tagesumsatz wird vom kleinen, ständig vorhandenen Vorrat geleistet, der immer wieder aufgeladen wird.

  2. 02Schritt 2 - Einheiten

    40 kg=40000 g40\,\mathrm{kg} = 40000\,\mathrm{g}40kg=40000g Umsatz; Vorrat ≈50 g\approx 50\,\mathrm{g}≈50g.

  3. 03Schritt 3 - Recyclingfaktor

    40000 g50 g=800\dfrac{40000\,\mathrm{g}}{50\,\mathrm{g}} = 80050g40000g​=800.

  4. 04Schritt 4 - Deutung

    Jedes ATP durchläuft den Kreislauf ATP → ADP → ATP also rund 800-mal pro Tag (Abb. 6).

Ergebnis: Jedes ATP-Molekül wird im Mittel etwa 800-mal täglich regeneriert - ATP ist Bargeld, kein Sparbuch: ein kleiner Vorrat mit gewaltigem Durchsatz.

Schritt-für-Schritt Erklärung2 Schritte
  1. 1

    ATP ist Bargeld, kein Sparbuch - die Zelle stellt es laufend her und gibt es sofort wieder aus.

  2. 2

    Aufbau kostet Energie, Abbau liefert sie - ATP ist das Bindeglied zwischen beiden.

Maturafokus

  • ATP-Hydrolyse als energetische Kopplung an endergone Prozesse erklären.
  • Anabolismus und Katabolismus mit Energie- und Elektronenträgern verknüpfen.
  • Feedback-Hemmung als Regulationsprinzip darstellen.

Typische Fehler

  • ATP als Energiespeicher für Tage statt als kurzfristige Energiewährung gesehen.
  • Oxidation und Reduktion vertauscht.
  • Anabolismus und Katabolismus verwechselt.

Aktive Wiederholung

Erläutere am Beispiel des aktiven Transports, wie die Zelle ATP-Hydrolyse mit einem energieverbrauchenden Prozess koppelt.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

§ 06

Nährstoffe, Vitamine und Enzymklassen#

●○○BasisLPBIO-Bio-2.1LPBIO-Bio-2.2

Kernpunkte

Die Nahrung muss zweierlei liefern: Energie und Bausteine. Die Makronährstoffe decken beides ab - Kohlenhydrate als schnellen Brennstoff, Fette als dichten Energiespeicher und Träger fettlöslicher Vitamine, Proteine als Bau- und Funktionsstoffe (Enzyme, Antikörper, Strukturproteine). Sie werden in grossen Mengen gebraucht.
Daneben stehen die Mikronährstoffe - Vitamine und Mineralstoffe -, die nur in winzigen Mengen nötig, aber unentbehrlich sind: Eisen für den Sauerstofftransport im Hämoglobin, Iod für die Schilddrüsenhormone, Calcium für Knochen und Signalübertragung.
Bei den Vitaminen ist die Löslichkeit der entscheidende Ordnungsbegriff (): Wasserlösliche Vitamine (B-Gruppe, C) werden kaum gespeichert und über den Harn ausgeschieden - sie müssen regelmässig zugeführt werden, eine Überdosierung ist selten. Fettlösliche Vitamine (A, D, E, K) werden im Körper gespeichert; das macht sie vorratsfähig, aber bei Überdosierung auch giftig.

Vitamine - Löslichkeit, Funktion, Mangel

Vitamine im ÜberblickTabelle mit 4 Spalten und 5 Zeilen, Daten: Vitamin · Löslichkeit · Funktion · Mangel; C · wasserlöslich · Kollagen, Antioxidans · Skorbut; Niacin (B3) · wasserlöslich · Vorstufe von NAD+ · Pellagra; A · fettlöslich · Sehpigment, Epithel · Nachtblindheit; D · fettlöslich · Ca-Aufnahme, Knochen · Rachitis; K · fettlöslich · Blutgerinnung · BlutungsneigungVITAMINLÖSLICHKEITFUNKTIONMANGELCwasserlöslichKollagen, AntioxidansSkorbutNiacin (B3)wasserlöslichVorstufe von NAD+PellagraAfettlöslichSehpigment, EpithelNachtblindheitDfettlöslichCa-Aufnahme, KnochenRachitisKfettlöslichBlutgerinnungBlutungsneigung
Abb. 7Wasserlösliche Vitamine müssen regelmässig zugeführt werden, fettlösliche sind speicherbar (und überdosierbar).
Viele Vitamine sind die Vorstufen von Coenzymen - das ist der eigentliche Grund, warum sie lebensnotwendig sind: Aus Niacin (B3) entsteht NADX+\ce{NAD+}NADX+, aus Riboflavin (B2) FAD - genau die Elektronencarrier des Energiestoffwechsels. Ein Vitaminmangel legt damit ganze Enzymreaktionen lahm.
Enzyme werden nach der Reaktion, die sie katalysieren, in sechs Klassen eingeteilt: Oxidoreduktasen (Redox), Transferasen (Gruppenübertragung), Hydrolasen (Spaltung mit Wasser), Lyasen (Spaltung ohne Wasser), Isomerasen (Umlagerung) und Ligasen (Verknüpfung unter ATP-Verbrauch). Der Name verrät jeweils die Funktion.
Mangelerscheinungen zeigen die Funktion der Stoffe besonders deutlich (): Skorbut (Vitamin C, gestörte Kollagenbildung), Rachitis (Vitamin D, weiche Knochen) und Anämie (Eisen, zu wenig Hämoglobin) sind klassische Beispiele - jede Krankheit ist gewissermassen ein „Funktionsbeweis durch Ausfall".
Einige Bausteine sind essentiell: Bestimmte Aminosäuren und Fettsäuren kann der Körper nicht selbst herstellen und muss sie mit der Nahrung aufnehmen. Das macht eine ausgewogene Ernährung notwendig und verbindet die Biochemie mit der Ernährungslehre und der Humanbiologie (Verdauung).
Musterbeispiel

Energiegehalt einer Mahlzeit berechnen

Eine Mahlzeit enthält 60 g Kohlenhydrate, 20 g Fett und 30 g Protein. Berechne den physiologischen Brennwert in kJ (Kohlenhydrate und Proteine je 17 kJ/g, Fett 38 kJ/g) und rechne in kcal um.

  1. 01Schritt 1 - Kohlenhydrate

    60 g×17 kJ/g=1020 kJ60\,\mathrm{g} \times 17\,\mathrm{kJ/g} = 1020\,\mathrm{kJ}60g×17kJ/g=1020kJ.

  2. 02Schritt 2 - Fett

    20 g×38 kJ/g=760 kJ20\,\mathrm{g} \times 38\,\mathrm{kJ/g} = 760\,\mathrm{kJ}20g×38kJ/g=760kJ.

  3. 03Schritt 3 - Protein

    30 g×17 kJ/g=510 kJ30\,\mathrm{g} \times 17\,\mathrm{kJ/g} = 510\,\mathrm{kJ}30g×17kJ/g=510kJ.

  4. 04Schritt 4 - Summe und Umrechnung

    1020+760+510=2290 kJ1020 + 760 + 510 = 2290\,\mathrm{kJ}1020+760+510=2290kJ; mit 1 kcal=4,18 kJ1\,\mathrm{kcal} = 4{,}18\,\mathrm{kJ}1kcal=4,18kJ folgt 2290/4,18≈548 kcal2290 / 4{,}18 \approx 548\,\mathrm{kcal}2290/4,18≈548kcal.

Ergebnis: Die Mahlzeit liefert rund 2290 kJ (≈ 548 kcal). Obwohl Fett nur ein Fünftel der Masse ausmacht, steuert es ein Drittel der Energie bei - weil Fett mehr als doppelt so energiedicht ist wie Kohlenhydrate und Proteine.

Schritt-für-Schritt Erklärung2 Schritte
  1. 1

    Vitamine liefern keine Energie - sie sind die Helfer der Enzyme.

  2. 2

    Wasserlöslich raus mit dem Urin, fettlöslich gespeichert - das bestimmt Bedarf und Risiko.

Maturafokus

  • Wasser- und fettlösliche Vitamine mit Konsequenzen für Speicherung und Bedarf unterscheiden.
  • Coenzymfunktion von Vitaminen am Beispiel NADX+\ce{NAD+}NADX+/Niacin erklären.
  • Eine Mangelerscheinung der zugehörigen Stofffunktion zuordnen.

Typische Fehler

  • Vitamine als Energielieferanten betrachtet (sie liefern keine Energie).
  • Fettlösliche Vitamine als unbedenklich überdosierbar dargestellt.
  • Essentielle und nicht-essentielle Aminosäuren verwechselt.

Aktive Wiederholung

Begründe, warum wasserlösliche Vitamine täglich zugeführt werden müssen, fettlösliche dagegen seltener.

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Inhalt

Abschnitt -- / 06

    • 01Biomoleküle - Kohlenhydrate, Lipide, Proteine, Nukleinsäuren○
    • 02Enzymkinetik - Michaelis-Menten und Regulation◐
    • 03Photosynthese - Licht- und Dunkelreaktion◐
    • 04Zellatmung - Glykolyse, Citratzyklus, Atmungskette●
    • 05ATP, Energiekopplung und Stoffwechselwege◐
    • 06Nährstoffe, Vitamine und Enzymklassen○

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Aus den Notizen ins Training

Biochemie und Stoffwechsel (BIO-Bio)

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Kompetenzen
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Beispielfrage

Erläutere die vier Strukturebenen eines Proteins am Beispiel des Hämoglobins.

4 BE · 2023

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Belege & Quellen

Quellen

Pearson

  • Campbell Biology, Kap. 5 Biological Macromolecules

OpenStax

  • OpenStax Biology 2e, Kap. 6.5 Enzymes

Nature Plants

  • Nature Plants - Photosynthesis Reviews

Nature

  • Mitchell P (1961) Nature 191:144-148 - Chemiosmosis

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