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DE-Abitur · SportT·077 / 9
Sportpsychologie untersucht psychische Prozesse im Sport: Motivation und Volition (Wille), Aufmerksamkeit, Emotion, Stressregulation und Gruppendynamik. Sie liefert das Instrumentarium für mentales Training, Wettkampfvorbereitung und für das Verstehen von Phänomenen wie Flow, Choking, Burn-out und Übertraining. Für die Abiturprüfung sind die zentralen Modelle (Selbstbestimmungstheorie, Rubikonmodell, Yerkes-Dodson, Flow nach Csikszentmihalyi) verbindlich. Mentale Methoden und Aktivierungssteuerung ergänzen die periodisierte Trainingsplanung (vgl. Thema „Trainingslehre"), während Übertraining und Burn-out an die hormonelle Belastungsantwort der Sportbiologie anschließen (vgl. Thema „Sportbiologie").
6Abschnitteca. 12Min Lesezeit4Kompetenzen
Operatoren:beschreiben · erklären · analysieren · anwenden · beurteilen
grundlegendes Niveau
gA: intrinsische und extrinsische Motivation unterscheiden; eine mentale Technik (Visualisierung) erklären; Flow-Modell beschreiben.
erhöhtes Niveau
eA: Selbstbestimmungstheorie (Deci/Ryan), Rubikonmodell (Heckhausen/Gollwitzer), Yerkes-Dodson-Gesetz quantitativ-mechanistisch erklären; mentale Techniken in ein periodisiertes Trainingskonzept einbinden; Choking-under-pressure-Theorien (Distraction vs. Self-Focus) gegenüberstellen.
Kernpunkte
Musterlösung
Ein Jugend-Schwimmtrainer beobachtet sinkende Trainingsbeteiligung und Dropout. Entwickeln Sie auf Basis der Selbstbestimmungstheorie (Deci/Ryan) ein Konzept, das die drei psychologischen Grundbedürfnisse adressiert, und begründen Sie die erwartete Wirkung.
Sinkende Beteiligung deutet auf einen Verlust intrinsischer Motivation hin. Nach der SDT entsteht dieser, wenn die Grundbedürfnisse Autonomie, Kompetenz und soziale Eingebundenheit frustriert werden — etwa durch rein leistungsorientierte, kontrollierende Trainingsführung.
Wahlmöglichkeiten schaffen: Athletinnen wählen z. B. eine von zwei Technikübungen, beteiligen sich an der Saisonzielsetzung. Begründungen für Übungen geben statt reiner Anweisung — das verschiebt die Regulation von „extern" zu „identifiziert" im SDT-Kontinuum.
Kompetenz: klares, aufgabenbezogenes Feedback und realistische, individuelle Zwischenziele (Aufgabenorientierung statt reiner Ego-Orientierung). Eingebundenheit: Teamrituale, Staffel- und Gruppenformate, die ein Wir-Gefühl erzeugen.
Werden alle drei Bedürfnisse erfüllt, steigt die intrinsische Motivation und damit die Trainingsadhärenz; der Dropout sinkt. Fallstrick: Tor-/Zeit-Prämien als kontrollierende externe Belohnung können den Korrumpierungseffekt auslösen und die intrinsische Motivation senken — daher Belohnungen informierend (Anerkennung von Fortschritt) statt kontrollierend einsetzen.
Ergebnis: Ein autonomieförderndes, kompetenz- und eingebundenheitsstärkendes Trainingskonzept adressiert alle drei SDT-Grundbedürfnisse und erhöht die intrinsische Motivation; kontrollierende materielle Belohnungen sind zu vermeiden, um den Korrumpierungseffekt nicht auszulösen.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Erörtern Sie den Korrumpierungseffekt am Beispiel eines Nachwuchsfußball-Vereins, der „Tor-Prämien" einführt. Welche empirischen Bedingungen (Deci 1971, Lepper 1973) müssen vorliegen, damit eine Belohnung die intrinsische Motivation tatsächlich senkt — und wann wirkt sie informierend statt kontrollierend?
Kernpunkte
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Diskutieren Sie die Replikationsdebatte um Ego-Depletion (Hagger 2016, Carter 2015). Welche methodischen Befunde haben das ursprüngliche Modell relativiert, und welche Folgen ergeben sich daraus für die sportpsychologische Trainingspraxis?
Kernpunkte
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Erörtern Sie das Spannungsfeld interner vs. externer Aufmerksamkeitsfokus anhand der „Constrained Action Hypothesis" (Wulf 2013). Wie unterscheidet sich die Befundlage zwischen Anfängern, Fortgeschrittenen und Expertinnen — und welche Konsequenz ergibt sich für die Trainingssprache von Trainerinnen und Trainern?
Kernpunkte
FLOW-KANAL NACH CSÍKSZENTMIHÁLYI
Welche drei Beschriftungen in "Flow-Kanal nach Csíkszentmihályi" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
YERKES-DODSON-GESETZ — AKTIVIERUNG UND LEISTUNG
Welche drei Beschriftungen in "Yerkes-Dodson-Gesetz — Aktivierung und Leistung" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Musterlösung
Eine Tennisspielerin führt im Halbfinale 5:2, gerät dann ins Grübeln und verliert vier Spiele in Folge. Analysieren Sie den Leistungseinbruch mithilfe des Flow-Modells, des Yerkes-Dodson-Gesetzes und der Choking-Theorien und leiten Sie eine Intervention ab.
Beim Stand 5:2 herrscht Balance von Anforderung und Fähigkeit: hohe Konzentration, Automatisierung, „Lauf" — die Spielerin befindet sich im Flow-Kanal (Csikszentmihalyi). Anforderung und Können sind beide hoch und passen zusammen.
Die nahende Entscheidung („nur noch ein Spiel") erhöht die wahrgenommene Bedeutung und damit die Aktivierung. Nach Yerkes-Dodson überschreitet die Aktivierung das Optimum: die Spielerin gerät in den Bereich der Überaktivierung, in dem die Leistung wieder abfällt.
Self-Focus-Theorie (Beilock/Carr): unter Druck steuert die Spielerin den automatisierten Schlag bewusst („Reinvestment"), was den flüssigen Ablauf stört. Distraction-Theorie (Eysenck): aufgabenfremde Sorgen („was, wenn ich verliere?") belegen das Arbeitsgedächtnis und lenken die Aufmerksamkeit ab.
Aus der Self-Focus-Theorie folgt: externer Aufmerksamkeitsfokus (auf den Ball/das Ziel statt auf die Technik) und eine Pre-Performance-Routine vor dem Aufschlag. Aus der Distraction-Theorie folgt: Cue Words und Atemtechnik zur Aktivierungssenkung („psyching-down"), um das Arbeitsgedächtnis zu entlasten.
Ergebnis: Der Einbruch erklärt sich als Verlassen des Flow-Kanals durch druckbedingte Überaktivierung (Yerkes-Dodson) und nachfolgendes Choking. Eine integrierte Intervention kombiniert externen Aufmerksamkeitsfokus, Pre-Performance-Routine und Aktivierungssenkung.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Erörtern Sie die beiden Erklärungstheorien des Choking under Pressure (Distraction nach Eysenck/Calvo, Self-Focus nach Beilock/Carr). Welche Trainingsinterventionen lassen sich aus jeder Theorie ableiten — und warum spricht die aktuelle Befundlage (Mesagno 2015) für eine integrative Sichtweise?
Kernpunkte
YERKES-DODSON-GESETZ — AKTIVIERUNG UND LEISTUNG
Welche drei Beschriftungen in "Yerkes-Dodson-Gesetz — Aktivierung und Leistung" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Erörtern Sie, warum das IZOF-Modell (Hanin) das klassische Yerkes-Dodson-Gesetz ergänzt. Wie lässt sich daraus ein individualisiertes Aktivierungsmanagement für eine Mannschaft ableiten, in der manche Athleten „psyching-up", andere „psyching-down" benötigen?
Kernpunkte
GRUPPENKOHÄSION UND LEISTUNG IM TEAM
Welche drei Beschriftungen in "Gruppenkohäsion und Leistung im Team" sind prüfungsrelevant?
Folgeaufgabe: Skizziere dasselbe Schema ohne Beschriftungen und ergänze sie aus dem Gedächtnis.
Typische Fehler
LK-Vertiefung
eA-Vertiefung: Erörtern Sie den Zusammenhang von Kohäsion und Leistung als „Henne-Ei-Problem". Welche Rolle spielt der Ringelmann-Effekt in großen vs. kleinen Mannschaften, und wie lässt sich Social Loafing durch individuelle Leistungsrückmeldung (Identifizierbarkeit) reduzieren?